Back to the No-Future

»Tell me how this ends?«
Gen. David Petraeus, Irak, 2003

Es ist Ostern. Es ist sonnig. Irgendwelche Raketen der NASA fliegen zum Mond. Es ist Energiekrise. Willkommen in den 70ern.
Zumindest könnte man das fast glauben, wären da nicht diese seltsamen Bullshit-Schwafler, die mir was erzählen von „Wir brauchen unbedingt neue Atomkraftwerke” oder „Wir müssen die Steuern aufs Fliegen senken, steht so im Koalitionsvertrag” oder auch wahlweise „Wir sollten unbedingt mehr Gas verbrennen, auch in deinem Heizungskeller”.
Was genau ist der Plan solcher fossil verwirrten Null-Bits? Russland ökonomisch auszutrocknen in seinem Angriffskrieg, indem wir alle Gasvorräte des Landes bei uns verfeuern und dann erst stellen wir alles um auf diese anderen Hirngespinste wie grünen Wasserstoff oder e-Fuels?

Woher kommen diese Typen eigentlich alle? Gab es da einen Brand in einer Klapsmühle für besonders schwere Fälle und die sind alle weggelaufen? Wird sie jemand wieder einfangen? Wieso ist einer von denen Bundeskanzler?
Also, in echt jetzt. Nicht am Frühstückstisch, wo er sich in Ruhe mit Cäsar, Napoleon und Genghis Khan unterhalten könnte, bis der Betreuer ihm seine Medikamente bringt.
Was ist mit dieser geistig völlig verwirrten Lobbyistin mit Gasvergiftung und wieso läuft die im Wirtschaftsministerium rum? Fragen über Fragen.

In der letzten Energiekrise verhängte eine deutsche Regierung, kurz vorher gewählt bei 93% Wahlbeteiligung, kurzerhand ein Tempolimit auf Landstraßen und Autobahnen. Man verordnete sofort autofreie Sonntage. Das Bundesministerium für Wirtschaft gab Flugblätter heraus mit Sätzen wie: „Der beste Weg, Energie einzusparen ist es, sie gar nicht erst zu verbrauchen.”
Die aktuelle Kaspermannschaft im Bundeskabinett würde da sofort den Staatsschutz anrufen wegen kommunistischer Unterwanderung. Für unsere Möchtegern-Faschisten von vorgestern sind schon Worte wie „Profitmaximierung” linksradikale Gesellschaftsunterwanderung.
A pro Profitmaximierung – wie geht’s ihrem Benzinpreis eigentlich so? Als ich gestern an der Tankstelle vorbeiradelte, habe ich herzlich gelacht. Gerade erst hat Katharina die Vergaste die Einführung eines Tempolimits abgelehnt. Begründung dafür: keine.
Aber die Pendlerpauschale erhöhen, natürlich auf Kosten der Steuerzahler auch ohne Auto, das geht immer. Hauptsache, wir können weiterhin so tun, als wär‘ nix. Fossiler Protektionismus vor der physikalischen Realität. Was unterscheidet also die Bundesregierung von den faschistischen, völlig realitätsentfernten Kriegstreibern in Washington? Eben. Nix. Das geistige, oder besser, ungeistige Setting ist diesseits und jenseits des Atlantik völlig kongruent.

Irgendwer meinte neulich, die US-Regierung würde das alles als ein Spiel betrachten. Aber man merkt deutlich, dass in Washington keine Gamer am Ruder sind. Die wissen nämlich genau, dass sie besser mal eine Strategie haben sollten und einen Plan, bevor sie ihre mühselig aufgestellten Truppen in ferne Weltregionen entsenden.
Die NASA hat es nicht dank Donald Trump hinbekommen, mal wieder eine lunare Expedition zu starten, sondern trotz Donald Trump. Der gerne die NATO verlassen würde und dafür das US-Militärbudget noch mal um 450 Milliarden Dollar erhöhen will, auf dann sagenhafte 1,5 Billionen Dollar. Damit das auch klappt, hat er bereits damit begonnen, alles für illegal erklären zu lassen, was im November einen Wahlsieg bei den Midterms gefährden könnte. Also ganz besonders demokratische Wähler und demokratische Bundesstaaten.
Donald Trump baut in seinen angeblichen Ballsaal des Weißen Hauses nach eigenen Angaben „einen bombensicheren Bunker und Militärinstallationen” ein. Wundert mich nicht.
Mr Trump wird das brauchen, um sich nach 2028 im White House zu verschanzen, wenn er den Faschismus endgültig ausrollt über den Trümmern der USA. Eventuell hat er es so eilig mit dem Bau, weil er den Führerbunker schon im Herbst benutzen möchte.
Auch hier ist das theokratische Regime in Washington auf einer Linie mit den Kollegen in Teheran. Vermutlich wird Trump dem Iran übernächsten Monat eine Allianz anbieten. Schon, um die dann toten 5.000 Marines oder so unter den Tisch zu kehren, also die größten Verluste der USA seit Vietnam. Falls er denn so blöde ist, wirklich eine Landungsoperation durchführen zu lassen. Ok. Rhetorische Anmerkung.

Falls so etwas übernächsten Monat noch relevant sein sollte. Was ich bezweifle. Aus Gründen.
Die unfassbar arrogante Strunzdämlichkeit unserer – zumindest teilweise – leider auch gewählten Anführer ist nur ein Grund für Kassandras Zweifel. Ich habe da noch ein paar andere mitgebracht. Continue reading →

Priceless

»The Spice must flow!«
Padishah Emperor Shaddam IV. Corrino

Irgendwo in einem Kaminzimmer klingelte vor einigen Tagen ein Telefon. Zumindest stellt sich mein Gehirn das so vor. Aus einem mit extremst gemütlichen Flausch überzogenen Ohrensessel streckt sich eine Hand aus und ergreift mit einem Ausdruck vollkommenster, belangloser Lässigkeit den Hörer des Geräts.

»Jo?«
»BigBoss, ich habe hier so eine Reederei dran. Die wollen ihre Schiffe wieder fahren lassen.«
»Und? Wo ist das Problem?«
»Der Krieg.«
»Watt? Welcher Krieg?«
»Na, der amerikanische Präsident hat zusammen mit Israel den Iran überfallen.«
»Den Iran? War das nicht der Irak?«
»Nee. Das war mal. Neuer Präsident.«
»Echt? Schon wieder? Wer denn?«
»Donald Trump.«
»Ernsthaft? Schon wieder?«
»Na ja, er hat die Stimmauszählung manipuliert und…«
»Und da glaubt immer noch einer, Demokratie existiert? Wie doof können Leute sein?«

»Also, was das angeht…«
»Egal. Da ist Krieg?«
»Jo. Alle schießen.«
»Die Straße von Hormuz?«
»Yep.«
»Dat versicher’n wa nich.«

+++++

Der angebliche amerikanische Präsident und die erbärmliche Junta aus Arschkriechern und Speichelleckern, die ihn umgibt, wird sehr bald einen äußerst unangenehmen Zusammenstoß mit der Realität erleiden, die diese Leute in ihrer happy Propaganda-Welt immer wieder ausblenden oder in ein projiziertes Zerrbild ihrer eigenen Erbärmlichkeit verwandeln.
Während Donald Trump darüber erzählt, dass er womöglich den Iran noch ein bisschen ‚just for fun‘ bombardieren wird und die USA gewonnen haben, aber noch nicht gewonnen genug, regelt die Physik.
Während der US-Kriegsminister (sic!), ein versoffener Kneipenschläger, der auf St. Pauli nicht mal Türsteher in der letzten Kaschemme sein dürfte, darüber schwadroniert, dass „die Presse” den Krieg nicht schön genug darstellt und der Überwacher der Rundfunkfrequenzen, FCC-Boss Brendan Carr, diese Medien mit Lizenzentzug bedroht, sollten sie nicht im ‚public interest‘ berichten, ist der Krieg, den diese Idioten angezettelt haben, bereits verloren.
„Öffentliches Interesse”, zur Erläuterung, bedeutet natürlich: Alles, was der Präsident sagt, ist automatisch wahr und richtig. CDU-Wähler und ihre AfD-Kumpel verstehen das.

Die Straße von Hormuz ist trotzdem geschlossen. Sie ist nicht geschlossen, weil der Iran diese Meerenge vermint hat. Oder weil die US Navy – zumindest prinzipiell – nicht in der Lage wäre, Tanker durch die Passage zu geleiten.
Die Halsschlagader der fossilen Weltwirtschaft ist geschlossen, weil von sieben Schreibtischen in London und anderswo sieben Schreiben rausgegangen sind, die wiederum an die großen Reedereien der Erde gerichtet waren.
In Essenz besagen diese Schreiben etwa: »Ihre War Premium Insurance ist leider aktuell nicht verfügbar.« Continue reading →

Neue Karten

– I –
Rückzugsgefechte

„To travel faster than a speeding bullet is not much
help if you and it are heading
straight towards each other.” – John Brunner 

Die USA befinden sich seit geraumer Zeit in dem Zustand, der von Politologen als imperiale Überdehnung bezeichnet wird. Der britische Historiker Paul Kennedy hat diesen Begriff 1987 geprägt. Nicht verwandt oder verschwägert mit dem hirnfreien Esoteriker, der aktuell das US-Gesundheitsministerium anführt, übrigens. Das Grundprinzip ist simpel. Die Kosten zur Aufrechterhaltung des Imperiums werden irgendwann größer als der Gewinn, den das Imperium daraus ziehen kann.
Die Definition von Imperium ist tendentiell unterschiedlich, in Kassandras Sinne aber allgemein gültig:  ein Imperium ist eine Wohlstandspumpe. Das ist sein Zweck. Wohlstand in unterschiedlichster Form fließt aus der Peripherie ins Zentrum der Macht. Vor zweitausend Jahren nach Rom. Heute in die USA. Auch nach Europa.
Vier Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen 25 Prozent aller Ressourcen pro Tag, verwenden feuchte Froschhintern zum Messen der Lufttemperatur oder mittelalterliche Stockmaße für Entfernungen und wundern sich auf Europa-Urlaub dann noch, dass man hier nicht mit Dollar bezahlen kann. Die Arroganz des Idiotentums in bester Form.
Wohlstand ist hierbei ein umfassender Begriff. Es können Rohstoffe sein. Billige Arbeitskräfte, die man ausnutzt. Auf der Putenfarm beispielsweise, die den Thanksgiving-Truthahn mästet. Die Plastikfarm im Südosten Spaniens, auf der afrikanische Flüchtlinge meinen verdammten Brokkoli züchten. Aber der einzige Zweck ist es letztendlich, dem Zentrum mehr Wohlstand herbei zu pumpen.

Bis der Tag kommt, an dem die Peripherie langsam ausgeplündert ist. Oder der Tag, an dem es für ein Imperium keine Gebiete mehr gibt, in die es expandieren kann. Wohlgemerkt, lohnende Gebiete. Natürlich hätte Rom ganz Germanien besetzen können. Vom Rhein bis zur Elbe, zur Oder, zur Neiße, zur Ostsee. Rom hätte sich durch den nahezu endlosen europäischen Wald bis vor Moskau ausdehnen können.
Aber was hätte es davon gehabt? Eine mehr oder weniger menschenleere Mannschaft, nicht einmal für den Ackerbau geeignet, denn dazu hätte man erst den Wald beseitigen müssen. Also hätte Rom für seinen mehrere Jahrzehnte langen Krieg gegen den Wald und seine Bewohner endlose Festmeter an Holz bekommen.
Die Garnisonen, die zusätzlichen Legionen, die Siedler, die man aus dem Reich in die neuen Gebiete entsandt hätte und denen der Kaiser neue Städte hätte bauen müssen – all das hätte sich aus diesem bißchen Gewinn niemals selbst tragen können. Rom eroberte Germanien nicht, weil es nicht dazu fähig gewesen wäre. Rom eroberte Germanien nicht, weil dieses Gebiet schlicht und einfach keinerlei ausreichenden ökonomischen Vorteil gebracht hätte. Das Wort Biophysik war damals noch nicht erfunden, das war der Physik aber egal und deshalb war sie damals genau so gültig wie heute auch.

Nach Cäsars Eroberung Galliens flossen mehr als 40 Millionen Sesterzen jährlich in die Schatulle Roms, schon zur Zeit eines Octavian. Heute würde man das schnelle Amortisierung nennen. Um das Gebiet Germaniens bis zur Ostsee und Weißrussland so weit zu kriegen, hätte Rom vermutlich dreihundert Jahre lang investieren müssen. Heute würde man das Tesla nennen oder OpenAI.
Europas Kolonialperiode begann nach Entdeckung der Neuen Welt so richtig, da man plötzlich zwei riesige neue Landmassen hatte, deren Wohlstand man nach Europa transferieren konnte. Amerikanisches Gold aus geplünderten Aztekenstädten und Silber aus Sklavenminen fluteten Spaniens Schatzkammern in einem Ausmaß, dass den Wert der Goldwährungen bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts um ein Viertel zurückgehen ließ. Spaniens Silber verteilte sich über den Kontinent, sorgte für die Gründung erster Bankhäuser, Aktiengesellschaften und allgemein des Kapitalismus, der uns heute noch wie Scheiße am Schuh klebt. Continue reading →

Die Gegenwart der Zukunft

»Revolutions always come around again. That’s why they’re called revolutions.«
Terry Pratchett, Night Watch

Die Gegenwart. Auch in Zukunft wird das die Zeit sein, die uns den meisten Streß verursacht. Wo immer man hin sieht, man scheint stark von Idioten umgeben. Oder Politikern, was noch schlimmer ist. Oder irgendwelchem dementen Nazi-Pack, das so etwas wie „Antifa” für eine Terrororganisation hält und als Hobby Golfspiel, Karate und Angriffskriege auf andere Länder hat. Ja, ich gucke dich an, Donald. Dich auch, Wladimir.

Kassandra hat schon vor zwanzig Jahren immer gesagt, dass sie sich keine Sorgen macht um Russland mit Putin. Gut, an dem Punkt mussten klar einige Abstriche gemacht werden. Wer konnte aber auch glauben, dass der Typ derartig verblödet sein würde und so einen Bullshit-Krieg anfangen, um sich von den zunehmenden Falten seines alternden Arsches abzulenken?
Selbst nach 2014, als die Russen sich die Krim eingesackt hatten und mir ein Blick auf die Landkarte klar sagte, dass diese Aktion nur Sinn ergeben könne, wenn man diese verdammte Halbinsel mit einem möglichst breiten Landkorridor an Russland anbindet, dachte ich mir noch: »So doof kann er nicht sein, oder?«
Nun ja, wir wissen es inzwischen besser. Doch der Kernpunkt steht noch immer: Kassandra macht sich keine Sorgen um Russland unter Putin. Kassandra macht sich Sorgen um Russland nach Putin. Denn das wird vermutlich nicht besser. Der Mann ist auch nicht unsterblich. Wenn also sonst keiner den Schakal anheuert, um das Problem auf althergebrachte Weise zu erlegen, wird es der übliche Abholdienst* erledigen, den wir alle kennen: Groß, sehr dürr, schwarze Kapuzenkutte, Sense, mag Katzen und Currygerichte und SPRICHT IN GROSSBUCHSTABEN.
Dem ultimativen Vertreter des Temporalen wird auch ein Wladimir Putin nicht entwischen. Continue reading →

Phasenübergang

30. Dezember.
Die Sonne scheint. Zumindest hier tut sie das. Woanders steht das Wasser vor der Wohnzimmertür. Aber zumindest die Dürrelage in Deutschland ist nach einem bisher eher nassen Winter nicht mehr ganz so extrem wie in den letzten Jahren. Wobei das Wasser, das hier gerade sprichwörtlich den Rhein runterfließt, aus Bergen kommt, in denen die Schneefallgrenze auf 1.600m gestiegen ist. Es ist also zu warm.
Mein Lavendel bestätigt das – er versucht schon wieder, zu blühen. Erfolgreich. Aber die letzten Bestäuber, die ich noch Mitte November verwirrt durch die Gegend fliegen sah, haben wohl doch endlich die Flügel gestreckt.
So war 2023 zwar das wärmste Jahr aller Zeiten seit Aussterben der Dinosaurier, aber das wird irgendeinen Horst-Walter aus Hinterpolda nicht dran hindern, im Internet darauf hinzuweisen, daß es bei ihm gerade wieder regnet. Da ist bestimmt diese Migration dran schuld!
Gleichzeitig war 2023 vermutlich das kühlste Jahr, das die Generation meiner Nichte jemals erleben wird und ich wette ein Eis drauf, daß der aktuelle Rekord Ende 2024 schon wieder keiner sein wird.
Wie sagte Kassandra dereinst: wir werden nicht zwingend Wasermangel kriegen in der Klimakatastrophe, deutsche Version. Wir werden ein Problem bekommen mit der Verteilung des Wassers über das Jahr. Tja.

01. Januar
Gestern haben Menschen um Mitternacht ganz Deutschland in eine Freizeitversion der europäischen Ostfront verwandelt und dabei wieder einmal 200 Millionen Euro in die Luft gejagt. Wir haben ja nix und alles ist zu teuer.
Ohne jetzt spoilern zu wollen: dieser Aspekt des Alltags wird sich 2024 nicht verbessern. Mein Wort drauf.
Wir hätten die Produktion von Hirnschmalz nicht einstellen sollen in Europa, denn daran herrscht schon seit mindestens 30 Jahren zunehmende Knappheit.
Woanders ist derweil der Knall, der so klingt, als hätte gerade einer die halbe Innenstadt gesprengt, tatsächlich eine echte Rakete, die womöglich die halbe Innenstadt gesprengt hat. Mich hat beim Einkaufen bisher noch immer niemand beschossen, was ich durchaus begrüßenswert finde. Continue reading →

Vernetzlich

„Er wußte nicht, daß das beharrliche Geräusch eine Reihe hinter ihm das Ende von allem bedeutete: Es würde keine Fortsetzung mehr geben, sehr bald würde es überhaupt keine Filme mehr geben. In der Reihe hinter Larry hustete ein Mann.“
Stephen King, The Stand

In Drogeriemärkten sind Hygieneprodukte ausverkauft, Nachschub ist laut Aussage des Personals nicht zu erwarten. Kein Wunder. Ein nicht unerheblicher Teil irgendwelcher feuchten Tücher wird vermutlich in China hergestellt. Marktradikale FDP-Wähler, deren Empathie und Liberalismus anderen sonst die freie Wahl überlassen möchte, ob sie von Hartz IV jetzt essen oder heizen wollen, oder die Wahl, welche Alters- und Gesundheitsvorsorge sie sich genau nicht leisten können, stehen weinend vor diesen leeren Regalen und beschweren sich über die Kräfte des Marktes, die immer alles optimal verteilen.
Es sei denn, man kommt erst abends um 20:00 in die Drogerie, weil man vorher noch ein paar Leben in Drittweltländern mit Aktienschiebereien nachhaltig versauen mußte.
Auch über den völlig frei nach Angebot und Nachfrage gestalteten Preis einer Flasche Sterilium – ein gängiges Desinfektionsmittel in Praxen und Krankenhäusern – erheben sich bittere Beschwerden.
Als wären 99 Euro nicht etwa ein Schnäppchen für Leute, die sonst beim Essen gehen alleine für die erste Flasche Wein das Doppelte berappen. Kluge Menschen lachen solche Volldeppen aus. Kluge Menschen kaufen destillierten Alkohol in Flaschen. Stroh-Rum hat auch 80 Volt, das langt zum Desinfizieren von behüllten Viren allemal. Prost, Gemeinde. Im Zweifel ist er im Gegensatz zu Sterilium sogar trinkbar. Continue reading →

Der seidene Faden

Ich hatte bereits einmal ein Szenario entworfen, in dem…sagen wir…radikal motivierte Kräfte womöglich etwas gegen den stetigen Zustrom an Rohöl unternehmen könnten, von dem unsere Industriezivilisation so abhängig ist. Das war hier.
Es kristalliert sich heraus, daß den Huthi-„Rebellen“, also den Jungs, die im Jemen gegen Saudi-Arabien kämpfen, womöglich genau so ein Stunt gelungen ist. Nach anfänglichem Abwiegeln sickern allmählich Informationen durch, die das Ausmaß des Schadens womöglich etwas genauer beschreiben.
Natürlich hatte Mike Pompeo, der allwissende Amerikaner, nichts anderes zu tun, als sofort klarzustellen, daß nicht etwa jemenitische Rebellen, sondern der Iran hinter dem „Anschlag“ stecken.
Ich weise darauf hin, daß wir niemals von einem Anschlag sprechen, wenn amerikanische Drohnen irgendwen oder irgendwas in die Luft jagen. Wie oft wir alleine schon die rechte Hand Osama bin Ladens erwischt haben, ist wahrlich erstaunlich. Aber in solchen Fällen handelt es sich immer um Anti-Terror-Einsätze, Weltrettung oder friedensbringende Demokratie.
Kassandra wäre persönlich nicht erstaunt, wenn es sich bei den im Angriff verwendeten Drohnen um amerikanische Modelle handelte. Waffenhändler, so sagt es der gesunde Verstand von Bambushüttenbewohnern, liefern immer und gerne an beide Seiten. Und gerade ein amerikanischer Außenminister kann doch sicherlich nichts gegen freie Verbreitung von Waffen haben? Immerhin ist es erklärter Bestandteil amerikanischer Politik, daß US-Recht weltweit gültig sein soll. Und da ist Waffenbesitz garantiert. Continue reading →

Monsantos Diner

„There are lies, damn lies, statistics and politics.“
Ramses II.

„We came to Toronto with three specific goals:
To make sure the global recovery is strong and durable, to continue reforming the financial system and adress the range of global issues that affect our prosperity and security.“ – G20-Gipfel in Toronto, 2010

Diese Worte des Friedensnobelpreisträgers Barack Obama waren schon vor sieben Jahren extrem dünn. Gerade erst ist der G20-Gipfel in Osaka zu Ende gegangen und die Teilnehmerstaaten sind heilfroh, daß sie winkend verkünden können, sich auf eine gemeinsame Abschlußerklärung geinigt zu haben. Die Erleichterung der Welt hierüber ist förmlich mit den Händen greifbar. Die Zukunft der Zivilisation ist geretttet. Wieder einmal.
Old McDonald aus dem Weißen Haus ist anschließend noch schnell in die DMZ zwischen den beiden real existierenden Koreas geflogen, um da dem dicken Kim die Hand zu schütteln und irgendwas zu versprechen. Die Bedrohung der freien Welt – also Amerika – durch den totalitären Typen mit der lustigen Frisur ist beendet. Wieder einmal.

Warum wundert sich da noch irgend jemand darüber, daß der Iran die verdammte Bombe auch haben will?
Die möchten halt auch mal nach dem Fototermin ins Weiße Haus eingeladen werden und nicht ständig per Twitter mit neuen Sanktionen überzogen. Sanktionen übrigens, die das Land dazu zwingen, das von ihm angereicherte Uran in Kisten zu stapeln. Ja, der Iran darf durchaus Uran anreichern, so sieht es der Vertrag vor, den Trumperica einfach für gekündigt erklärt hat, weil er von Mr Obama beschlossen wurde. Uran, das sei hier angemerkt, wird in niedrigen Reinheitsgraden nämlich auch medizinisch eingesetzt. Oder für zivile Kernkraft, die der Iran – ebenfalls ganz vertragsgemäß – weiterhin sehr wohl nutzen darf.

Der Witz ist jetzt, daß der Iran nur eine bestimmte Menge angereicherten Materials im Land haben darf. Den Rest muß er exportieren. Bisher hat das beispielsweise Rußland erledigt. Noch so ein Land, das von den USA mit Sanktionen belegt wird. Die neuen Sanktion verhindern aber inzwischen, daß Moskau Teheran das überschüssige Material abnehmen darf. Denn das wäre ein verbotener Import und würde Sanktionen der USA nach sich ziehen.
Während Europas hilflose Deppenpolitik daneben steht und sich nicht traut, den Amerikanern einfach mal den Mittelfinger zu zeigen, indem man sich an die Regelungen des JCPoA hält, ist das Narrativ der transatlantischen Arschkriecherpresse in Deutschland in den letzten Tagen und Wochen eindeutig. Überall wird die Legende erzählt vom Iran, der angekündigt hätte, den Vertrag zu brechen und ein Ultimatum an Europa geschickt haben soll. Hah! Als würde sich europäische und vor allem deutsche Diplomatie von irgendwem zu einer bestimmten politischen Richtung erpressen lassen. Continue reading →

Tortillas am Rubikon

Nun ist es also soweit. Nach dem schönsten, längsten und vermutlich auch teuersten Shutdown der US-Geschichte hatte sich der Kongreß nach längerem Hin und Her endlich auf einen Haushaltsentwurf geeinigt. Dieser sieht knappe 1,4 Milliarden Dollar mehr vor als der Entwurf, den Donald Trump, immer noch Präsident der Uneinigen Staaten von Amerika, im Dezember abgelehnt hatte. Weil seine Mauer nicht drin vorkommt.
Das dumme ist, die kommt immer noch nicht im Haushalt vor. Zu den 1,9 Milliarden im Dezember kommt jetzt der besagte Aufschlag. Bezahlt werden sollen damit etwa 55 Meilen „neuer Grenzzäune“. So ist das eben: wenn Donald Trump 230 Meilen neuer Betonwände oder Stahlbarrieren verspricht, kriegt man hinterher einen Maschendrahtzaun. Einen kleinen.
Die etwas weitschweifige Widmung eines solchen Etatpostens hat eben den Sinn, das entsprechende Geld recht breit gestreut einsetzen zu können.  Das wiederum bedeutet, man kann damit neues Personal anstellen. Wobei das ja eine staatliche Stelle wäre und ich bin mir nicht sicher, daß diese Ausschreibungen im Moment besonders großen Zulauf fänden.
Man kann das Geld für mehr Kameras ausgeben. Einen zusätzlichen Hubschrauber. Solche Sachen. Man kann damit sogar den einen oder anderen Kilometer Zaun erneuern, erhöhen oder ihn durch transparentes Aluminium ersetzen lassen, denn exakt das ist es, was Donald Trump seinen getreuen Jubelpersern mehr oder weniger zugesichert hatte. Damals, als America noch nicht great war und er deshalb Präsident werden mußte.

Allerdings hat er auch gesagt, daß Mexiko für die wunderschöne, neue, tolle und phantastische Grenzmauer zahlen würde. Scheinbar hat Mexiko das aber vergessen, deswegen benötigt der Präsident jetzt Geld. Wobei er das auch schon vor zwei Jahren hätte beantragen können. Denn schließlich gab es da eine Mehrheit für die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses. Die existiert seit November nicht mehr.
Genau einen Tag später begann der Twitterer-in-Chief dann, irgendwelche Fieberphantasien von einer mittelamerikanischen Invasion zu verbreiten. Das ist der nationale Notstand, auf den der DOTUS sich jetzt berufen möchte, um das Parlament zu entmachten. Denn genau das ist der Kernpunkt. In jeder Demokratie der Erde liegt das Budgetrecht ausschließlich beim Parlament. Getreu dem Motto, daß derjenige dich am Arsch hat, der entscheiden kann, welches Geld wohin fließt.
Es ist nicht so, daß es noch nie Notstände in den USA gegeben hätte. Barack Obama beispielsweise rief einen aus, um den Angestellten des Bundes ihr Gehalt nicht erhöhen zu müssen. Sanktionen gegen den Erzfeind der USA, nämlich Iran, sind seit 40 Jahren per nationalem Notstand in Kraft. Im Koreakrieg ging ein Präsident Truman so weit, für gewisse Produkte sogar Preiskontrollen einzuführen. Übermäßige Gewinne der Rüstungsindustrie wurden durch eine Sondersteuer bis zu 77 Prozent abgeschöpft, während in Asien die ersten Artilleriesalven rollten. Nach heutigen Maßstäben hat der sozialistische Präsident also damals in den USA den Kommunismus ausgerufen. Nur hat bisher noch nie ein Präsident es gewagt, in die Gewaltenteilung einzugreifen. Continue reading →

Zwanzigneunzehn

Das Jahr Zweitausendachtzehn des allgemein benutzten Kalenders ist irgendwie mit einer Art Ruhe zu Ende gegangen, die zwischen drogenbetäubtem Schnarchen auf dem Sofa und paralysierter Hysterie einzuordnen wäre.
In den USA war schon vor Weihnachten alles ruhig. Dank eines erneuten Haushaltsstreits sind wichtige Regierungsinstitutionen und solche, die sich für wichtig halten, gerade geschlossen. Ein Shutdown. Mal wieder. Grund dafür ist die beleidigte allmächtige Leberwurst im Oval Office, die ihren Kongreß nicht mal dazu kriegen kann, ihr die fünf Milliarden Dollar zu genehmigen, die Donald Trump für die größte, schönste und vor allem wichtigste Grenzmauer der Welt braucht.
Abgesehen davon, daß diese Summe nach den ersten vierzig Meilen aufgebraucht sein dürfte, drängt sich mir automatisch die Frage auf, warum denn Mexiko die Mauer nicht einfach bezahlt?
Schließlich war das doch die Ansage der präsidialen Wurst im Wahlkampf vor zwei Jahren. Irgendwie scheint das völlig untergegangen zu sein, habe ich den Eindruck.
Auch seine Fans halten sich auffallend damit zurück, das Weiße Haus mit reichlichen Spenden zu fluten, um die endgültige Übervögelung durch Migrantenfluten biblischen Ausmaßes zu verhindern. Seltsam eigentlich. Wo doch keine Gefahr des Planeten größer ist als abgerissene Gestalten ohne Hab und Gut, die von da, wo sie mal zu Hause waren, einfach deshalb weggegangen sind, weil man an diesen Orten nicht länger das eigene Überleben sichern kann. Fast könnte man sich nach Europa versetzt fühlen, wenn man dem Twittergetöse von Donald Leberwurst zuhört. Unter den Behörden, die aus Geldmangel derzeit stilliegen, ist auch das „Department of Homeland Security“, also die ungeheime Staatspolizei-Schlägertruppe, deren Gründung noch auf George II aus Texas zurückgeht. Aufgabenbereich ist unter anderem der Grenzschutz.

Worüber die Wurst auch nicht twittert, sind die eher verhaltenen Abschlüsse der Börsenkurse für das gerade vergangene Jahr. Erstmals seit der Tulpenhysterie von 1636 hat der Dow Jones es nicht geschafft, seinen völlig überzogenen Wert um weitere absurde Prozentzahlen zu steigern, sondern beendet das Jahr mit einem Minus. Was nichts an der Tatsache ändert, daß die aktuellen Zahlen noch immer jeglichem Realismus Hohn sprechen. So lange diese Kurse dank eines Strohfeuers aus Steuersenkungen und großmäuligen Wirtschaftskriegen in exorbitante Höhen stiegen, war sich Mr. Präsident nicht zu schade, täglich auf allen Kanälen verkünden zu lassen, daß diese Entwicklung selbstverständlich nur seiner groß-ar-ti-gen Führung zu verdanken ist und America sicherlich bald wieder so great sein würde wie seit dem Sieg Washingtons bei Gettysburg nicht mehr. Oder so in der Art.
Dummerweise sagen jetzt aber alle Indices und auch Ökonomen, die diese Dinger benutzen, daß die Weltwirtschaft nicht so wächst, wie sie das erwartet haben. Ein Phänomen übrigens, das nun schon mehrere Jahre anhält. Was einiges über die Erwartungshaltung von Standardökonomen aussagt und noch mehr über den ideologischen Überbau, dem sie normalerweise so folgen.
Ich denke ja, die Standard-BWL-Typen haben schlicht und einfach keine Ahnung von Physik oder Systemtheorie. Außerdem sind sie beschissene Historiker. Diese Nummer mit explodierenden Börsenkursen, die völlig losgelöst und jenseits aller Stromschnellen des Wahnsinns in den gemütlichen Gewässern des totalen Realitätsverlustes ökonomisch vor sich hinwichsen, gab es schon einmal. So um 1929, glaube ich. Continue reading →