Zwanzigachtzehn

Das alte Jahr ist wieder einmal Geschichte. In Eilmeldungen verkünden gewisse deutsche Medien, daß 2018 da ist. Als hätte das jemals zur Debatte gestanden. Hat irgendwer erwartet, das Neue Jahr würde auf der Türschwelle stehenbleiben, sich umdrehen, um dann mit einem gemurmelten „Den Scheiß mach ich nicht mehr mit” in die nächste Kneipe zu verschwinden, um sich vollaufen zu lassen?
Völlig unerwartet hat also unser Planet weiter seine Bahn um die Sonne gezogen, das nunmehr dreizehnte Regierungsjahr der Herrscherin aller Deutschen, Angela der Alternativlosen, ist angebrochen – wenn auch nur geschäftsführend – und nachdem gestern vor meinen Fenstern wieder mehrere Trillionen Euro in die Luft gejagt wurden und sich der Ort, an dem meine Bambushütte steht, kurzfristig in einen Syrien-Erlebnispark verwandelt hat, was die Geräuschkulisse angeht, ist jetzt endlich wieder Stille eingekehrt. Die übliche besoffene Totenstille eines überraschend warmen Neujahrstages.
Ach ja – alle Damen zwischen 18 und 35, deren Freunde unter akutem Frühböllern zu leiden scheinen, dürfen gerne mit mir in Kontakt treten. Eventuell kann ich da behilflich sein.

Während woanders also noch Wurzeln aus Unbekannten gezogen werden, wirft der Chronist einen Blick auf die großen Dinge, die da kommen werden in diesem Jahr.
Wobei der Blick in die Zukunft nicht leichter wird, denn in der Europäischen Union wird ab sofort das Bleigießen verboten. Begründung: Blei ist gefährlich.
Dabei hat man nach jahrelangen Beratungen, mehreren toten Wäldern, um sie mit Gutachten zu bekritzeln und mehreren Millionen an Parlamentariergehältern festgestellt, daß ganz besonders Bleigießen sehr viel Blei enthält. Weswegen es unbedingt verboten werden muß.
Abgesehen von der wohl eher zweifelhaften Aussagekraft sich zufällig formender Bleiklümpchen in kalten Wasser bezüglich der Zukunft muß Kassandra sich da ernsthaft fragen, ob es keine größeren Bedrohungen gibt als Blei.
Auch dürfte die Teilnehmerzahl an dieser angeblich so deutschen Tradition recht überschaubar sein. Ich habe in 47 Silvestern noch niemals irgendwen Blei gießen sehen. Menschen, die von mir beobachtet Silvester feiern, oder sogar unter meiner persönlichen Beteiligung, neigen eher dazu, jede Menge Alkoholika in sich hineinzuschütten. Man gießt sich also quasi mehr einen auf die Lampe statt Blei ins Glas, aber was weiß ich schon?
Alkohol ist übrigens eine durchsichtige, leicht verfliegende Flüssigkeit, die auf Lebensformen auf Kohlenstoffbasis stark giftig wirkt. Eventuell sollte man Sets mit einem Alkoholgehalt von mehr als 0,3 Prozent auch mal verbieten.

Völlig woanders, nämlich in Ägypten wird derweil daran gearbeitet, Atheismus unter Strafe zu stellen. Wer nicht an imaginäre Kumpels glaubt, der ist eine Gefahr für das Land. Interessant. Bisher hatte ich nicht so den Eindruck, daß ausgerechnet von Religionen wenig beflügelte Menschen das friedliche Zusammenleben in irgendeiner Form gefährden. Aber in Ägypten finden Wahlen statt und deshalb sind 900 Atheisten eine Gefährdung des Staatswohls im offziell muslimischen Ägypten.
Neulich wurde eine Sängerin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie über Dinge wie Sex und Schwangerschaften außerhalb der Ehe gesprochen hatte. Und in einem Musikvideo wohl an einer Banane geleckt. Seltsamerweise werden dafür immer die Bananen verhaftet oder die Lecker, nicht die hirnverbrannten Mittelaltertypen, die so etwas für sexuell provozierend halten – und vor allem dabei allen anderen Menschen unterstellen, sie müßten das gefälligst genauso sehen. Vielleicht hatte die Dame einfach nur Hunger auf Obst? So ein Videodreh ist anstrengend.

Währenddessen schwindet das Nil-Delta langsam dahin und mit ihm die Schlagader, die dieses Land seit diversen Jahrtausendden zuverlässig bewohnbar gemacht hat.
Nur eben nicht für gute 100 Millionen Menschen, die sich auch noch fleißig weiter vermehren. Denn in einer Gesellschaft, die sich schon nicht über Sex unterhalten will, ist so etwas wie Verhütung natürlich völlig unmöglich. Immerhin würde so was womöglich Sex vor der Ehe erleichtern, also muß es eine Erfindung des Sheitan sein. Ist ja logisch.
Warum auch an weniger Menschen denken in einem Land, das im Rahmen des sogenannten „Arabischen Frühlings” einiges an Durcheinander erlebt hat?
Hatte ich schon mal erwähnt, daß dieses angeblich durch demokratisches Freiheitsdrängen nordafrikanischer Bevölkerungen entstandene Ereignis in Wahrheit nichts weiter war als ein Hungeraufstand? Jedenfalls waren unbezahlbare Lebensmittel dabei ein erheblicher Treiber. Ich meine, das schon mal angesprochen zu haben. Zum Glück bin ich damit nicht mehr alleine auf weiter Flur.
Passend zur hier ab und an vorgetragenen Idee, daß die Verfügbarkeit von Energie in einer Gesellschaft etwas mit Wirtschaftswachstum und anderen Dingen zu tun haben könnte, wird Ägypten auch endlich mal Nuklearstaat. Falls das Atomkraftwerk dann 2024 mal fertig sein sollte. Es wird übrigens ein russisches Modell sein. Vermutlich wegen des einwandfreien Sicherheitsleumunds vermutlich.
Mit fallenden Erntequoten, und einem sterbenden Nil, wer würde da noch mehr Menschen nicht für eine gute Idee halten?
Derweil liegen in meinem Supermarkt demnächst wieder Kartoffeln aus Ägypten. Kassandras Prognose für das Land der Touristen, die auf Pyramiden starren: Eindeutig negativ. Dieser Haufen Wahnsinniger kann nicht mehr besonders lange stabil bleiben als Gesellschaft.

Überall wird gewählt in diesem Jahr. Ägypten, Rußland, Italien. Sogar Brasilien. Die Demokratie ist echt ein Gewinnermodell

In Rußland wird auch gewählt im Jahre Zwanzigachtzehn. Das Land bekommt einen neuen Präsidenten. Also, es bekäme einen, wenn der aktuelle nicht Wladimir Putin hieße. Denn es dürfte wohl kaum ein Zweifel daran bestehen, wer die Wahlen im immer noch größten Flächenstaat der Erde gewinnen wird.
Da gibt es bei den allen politischen Querelen zum Trotz dortselbst stattfindendenden Fußball-Weltmeisterschaften erheblich mehr Auswahl. Ich habe keine Ahnung, wer da gewinnt und es ist auch nicht wirklich wichtig. Ich weiß nur, daß es nicht Italien oder die Niederlande sein werden. Und auch nicht die Russen, das wäre dann doch zu auffällig.
Außer Atomreaktoren und zuverlässige Feindbilder für undemokratische US-Republikaner oder deutsche Zeitungsredakteure liefert dieses Land auch noch Öl. Und zwar an Nordkorea, so geht das Gerücht.
Das wiederum gefällt diesem anderen Präsidenten nicht, also dem der USA.
Wobei – vielleicht war es auch China, das Öl nach Nordkorea geliefert hat. Offenbar ist man sich da nicht so sicher. Irgendwer liefert bestimmt irgendwas Verbotenes an irgendwen, damit Donald Trump von den weltpolitischen Auswüchsen seines Narzissmus ablenken kann.
Das letzte Land, dem die USA den Ölhahn zudrehten, hieß Japan. Das war Anfang 1941. Und der Beginn des Zweiten Weltkrieges im pazifischem Raum, wenn man so will. Denn ohne Öl geht nichts. Auch damals ging ohne Öl schon nicht mehr viel, weswegen die Roosevelt-Jungs genau wußten, daß Japan ihnen den Krieg würde erklären müssen, nachdem das Öl aufhörte, zu fließen.
Ich persönlich bin dafür, die Russen und Chinesen und von mir aus auch das Volk von Atlantis liefern so lange Öl nach Nordkorea, bis Donald Trump nicht mehr Präsident ist. Das halte ich globalpolitisch für sicherer.
Aber mich fragt ja keiner. Der Beziehungsstatus zwischen Korea (Nord) und den USA (komplett) bleibt also weiterhin kompliziert im Neuen Jahr. Bisher hat ja noch so ziemlich jeder US-Präsident seinen Krieg bekommen, wenn er ihn nur lange genug herbeigeredet hat.
Allerdings konnten bisherige Präsidenten der USA wenigstens noch zwischen China, Rußland und dem Iran unterscheiden. Das wird mit Donald am Ruder natürlich etwas schwierig.

In diesem Iran gibt es aktuell zu Neujahr übrigens Proteste gegen die eigene Regierung. Ironischerweise mahnte ausgerechnet Donald Trump dann Meinungsfreiheit an, denn die iranische Regierung blockierte zeitweise diverse Internetdienste wie Instagram.
Ich hätte ja gerne mal eine Instagram-Serie über Mr Trumps angeblich so blühendes Amerika. Da bin ich mal sehr gespannt auf seine Meinungstoleranz. Irans Präsident Ruhani wiederum zeigte sogar in gewissem Maße Verständnis für die Demonstranten. Auch hier ist Kassandras Prognose recht eindeutig: Ein Land mit einer derartig jungen Bevölkerung, die auch noch ständig die Konsumgeilheit des „Westens” vor die Nase gehalten bekommt, wird sich von den wenig erneuerungsfreudigen Glaubensherrschern, die sich in wirklich alles einmischen wollen, nicht mehr viel länger beherrschen lassen. Dieses Land ist ein soziologisches Pulverfaß.

Bild 1: Der Knaller schlechthin
Während in Berlin noch gefeiert wird, bereiten böse Mächte schon ganz andere Raketen vor, um 2018 zu einem echten Knaller zu machen. In Verbindung mit Alkohol oder Präsidentenämtern kann das echt gefährlich werden.

Auch in den schon erwähnten USA wird gewählt in diesem Jahr. Leider nicht der Präsident. Obwohl dann vermutlich derselbe Typ noch einmal gewählt würde, der jetzt auch schon dabei ist, das letzte bißchen Ansehen der einstigen Supermacht so richtig runterzurocken.
Schließlich hat Mr President ja gerade erst seine Steuerreform durchgezogen, die den Reichen und Superreichen endlich mehr Geld in die Kasse spülen wird. Damit können die dann neue Jobs schaffen. Viele Amerikaner werden Arbeit finden und – da sie nicht zu den Superreichen gehören – dafür ordentlich Steuern zahlen müssen. Etwa zwei Dutzend Mindestlohnarbeitsplätze sollten genügen, um die Steuerausfälle eines durchschnittlichen einstelligen Millionärs ausgleichen zu können. Und so werden am Ende alle glücklich sein in Trumperika.
Selbst der Klimawandel, den es ja gar nicht gibt und der unsinnigerweise oft noch Global Warming genannt wird, gibt dem Präsidenten darin recht, der schönste und beste Präsident aller Zeiten zu sein. Denn aktuell frieren die USA bei bis zu minus 40 Grad. Da ist von Klimaerwärmung nirgendwo eine Spur zu sehen. Natürlich wäre es möglich, daß an diesen eisigen Bedingungen, die den beklopptesten Präsidenten aller Zeiten in seiner Wissenschaftsignoranz paradoxerweise noch befeuern, gar kein Klimawandel schuld ist. Sondern einfach Geographie.
Aber die Hohlköpfe, die dieses Problem immer noch wegleugnen möchten, haben es ja auch nicht so mit Genauigkeit, da werde ich mal heute nicht so streng mit mir selbst sein. Prost, Gemeinde!

Dank der Steuerreform wird nicht nur der Trump-Clan pro Jahr demnächst 100 Millionen Dollar mehr einnehmen. Nein, Mr President hat auch die Steueranreize für eAutos und Solaranlagen zusammengestrichen. Dafür wird demnächst wieder ohne Sicherheitsvorkehrungen im Tiefwasser nach Öl gebohrt. Denn diese Überregulierung der Wirtschaft – schrecklich, schrecklich, das muß alles weg.
Und natürlich wird die Atomenergie von Donald Trump auch wiederbelebt werden. Die vielerorts von atomaren Fans propagierte „nukleare Renaissance” stößt dabei zwar auf ein oder zwei Kostenprobleme, aber wie sollte man gegen eine „emissionsfreie und erneuerbare” Energieform sein können?
Ja, der amtierende Chef der ehemaligen Supermacht USA hält Kernenergie für eine erneuerbare Energieform. Mal abgesehen davon, daß diese Bezeichnung physikalisch ohnehin Quatsch ist, wüßte ich jetzt nicht, daß man Uran recyclen kann. Aber ich bin ja auch nicht Präsident der USA. Zum Glück. In diesem Affenstall voller Idioten würde ich es keine zehn Minuten aushalten.
Es kann also sein, das der narzisstische Vollidiot, der die USA regiert, demnächst von den Kongresswahlen in das verwandelt wird, was andere schon vor ihm waren: die berühmte „sitting duck” der amerikanischen Politik. Ein Präsident, der vom Kongress blockiert wird.

Zuvor allerdings wird dieser Mann noch einen neuen Chef der Federal Reserve ernennen. Nachdem die Zinsen ja etwas gestiegen sind, dürfte mit dem vorgeschlagenen Investmentbanker Jerome Powell die Reise wohl eher dahin gehen, wo ich das einmal vorgeschlagen hatte. Nämich zu weiter niedrigen Zinsen.
Meine Idee war ja, daß eine langsame Steigerung der Zinsen dann wenig später wieder zurückgenommen werden könnte. Ich bin mir sicher, daß Donald Trump genau das von seinem neuen Notenbankchef erwartet. Denn für Zinserhöhungen, die den Namen verdienen, ist in der Weltwirtschaft noch immer kein Platz. Im Gegensatz zu fleißigen Behauptungen vieler Ökonomen ist seit 2008 nicht reguliert worden und nichts verändert.
Donald Trump hat ja erst neulich seinen Soldaten verkündet, wofür sie kämpfen. Nämlich einen boomenden Aktienmarkt und eine großartige Wirtschaft.
Die Rüstungsaktien freut es auf jeden Fall.
Nun ja, der derzeitige, vollkommen irrsinnige Boom an den Börsen wird sich mit wirklichen Zinserhöhungen nicht anfeuern lassen. Also tippe ich mal auf Stagnation in diesem Bereich, eventuell senkt der neue Mann die Zinssätze sogar wieder, falls sich in der Wirtschaftswunderwelt Amerikas noch ein oder zwei kleine Probleme ergeben sollten. Was der Fall sein wird.
Kassandras Prognose für 2018: Weiterhin Irrsinn, Blödsinn, Stumpfsinn und Wahnsinn aus dieser Richtung jenseits des Atlantik.

Doch genug von den Spinnern jenseits des Atlantik. Zurück nach Europa, zurück nach…ähmmm…Brexitannien.
Ich hatte im Sommer des Jahres ’16 mal geschrieben, daß sich nach dem unseligen Brexitreferendum Großbritannien recht schnell in Kleinbritannien verwandeln würde, wenn die politischen Fliehkräfte hier weiter zunehmen. Das wird 2018 der Fall sein.
Die Regierungschefin der Schotten, Ms Sturgeon, hatte zwar vor einer Weile angekündigt, daß es kein weiteres Referendum bezüglich schottischer Unabhängigkeit geben werde. Aber das kann nur ein vorläufiger Entscheid gewesen sein. Alles andere wäre von seiten einer schottischen Regierung recht unverantwortlich. Die Bevölkerung war auch in dem Moment klar abstimmungsmüde.

Aus London war bereits zu hören, daß es für ein weiteres Referendum keine Genehmigung geben wird. Allerdings bedeutet das, daß London sich das Recht herausnimmt, Schottland vorzuschreiben, daß es nicht mehr Teil der EU sein darf. Die Schotten haben aber mit weit über 60 Prozent gegen den Austritt gestimmt.
Spätestens Ende 2018 wird dieser Streitpunkt akut werden. Wenn die schottische Regierung nicht mit sehr vielen Whiskyflaschen beworfen werden will, wird es ein weiteres Referendum geben müssen. Ohne Erlaubnis. Meine Vermutung geht dahin, daß es im schottischen Parlament ein Gesetz geben wird, welches eben ein weiteres Referendum zum Ziel hat. Und das wird dann spätestens Anfang 2019 stattfinden, behaupte ich einfach mal.
Denn dann läuft die Uhr für den Brexit ab. Im März, um genau zu sein. Natürlich wird man aus London Proteste hören, denn immerhin betrifft die Abstimmung die Einheit des Königreichs und das kann wohl schlecht in einem Regionalparlament stattfinden.
Andererseits hat man die Schotten gegen ihre eigene Unabhängigkeit stimmen lassen, indem man kräftig damit Werbung machte, daß man nur mit den schottischen Stimmen in der EU bleiben könne. Das war das Hauptargument der „Nein”-Seite beim schottischen Unabhängigkeitsreferendum. Dieses Unterfangen ist im Sommer 2016 klar gescheitert.

Interessant wird dann auch die Reaktion der EU sein. Denn hier hat man die Wahl, ein unabhängiges Schottland einfach Teil der EU sein zu lassen. Oder aber vom neuen Schottland einen neuen Aufnahmeantrag zu verlangen. Was die Kiltträger vor den Kopf stoßen und außerdem Jahre dauern würde. Sollten die Jungs in Brüssel also nicht ganz den Verstand verloren haben bis dahin, werden sie ein unabhängiges Schottland als Mitglied akzeptieren müssen – obwohl das Referendum dazu streng genommen nicht ganz legal sein kann. Also ein bißchen wie in Katalonien.
Auch Nordirland wird über die Wupper gehen. Denn noch immer zieht sich der Streit um eine neue, harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland wie eine Eiterwunde durch alle Verhandlungen, obwohl man da ja neulich eine Lösung verkündet hat. Die aber eben keine ist, denn dieser Gordische Knoten ist so recht nicht lösbar.

Belfast hat von London schon mehrfach gefordert, das nordirische Votum „zu respektieren”. Und das lautete deutlich: „Kein Brexit”.
Läßt man Nordirland Teil des EU-Binnenmarktes sein, dann wäre Nordirland politisch aus der EU ausgetreten, denn es ist ja Teil des Vereinigten Königreichs. Aber wirtschaftlich wäre es das nicht, denn nur so ließe sich eine neue-alte Grenze zwischen beiden Staaten verhindern. Die ist lange Zeit Grund für Bomben und IRA gewesen und das Problem wurde erst in den 90ern endlich halbwegs gelöst. Niemand will diesen Mist zurückhaben, zumindest nehme ich das mal an.
Aber als Nicht-EU-Mitglied hätte Nordirland eben eine Außengrenze zu Irland, da hilft alles nichts. Witzigerweise haben die Brexit-Befürworter ja die ganze Zeit davon gesproche, Großbritannien müsse „die Kontrolle über seine Grenzen wieder zurückgewinnen.”
Als hätte es die jemals verloren. Nach dem Referendum hat es jetzt mehr Grenzen als vorher, will davon aber nichts wissen. Da schütte ich doch schmunzelnd einen Tropfen von Milch in meine Tasse von heißem Wasser.

Eine Grenze, die keine ist, kann wiederum die EU nicht zulassen, denn natürlich würden sämtliche britischen Firmen dann in Nordirland Filialen gründen, um innerhalb der EU nach deren Regeln Handel zu betreiben, während London sein Ziel vollumfänglich erreicht hätte: Man wäre aus der EU ausgetreten und doch nicht ausgetreten. Jedenfalls da nicht, wo es paßt. In der Wirtschaft.
Die trojanischen Iren lassen sich also nur verhindern, wenn Brüssel das Ganze als innerbritisches Problem betrachtet. Was aktuell auch der Fall ist.
Die simple Lösung wäre eben, Nordirland nicht mehr Teil des Königreichs sein zu lassen. Also eine Wiedervereinigung mit der Republik. Das ist aber exakt das, was viele Nordiren auch nicht wollen. Genau darum ging es ja bei der vorherigen Grenze mit Bomben, Soldaten und IRA. Zündstoff ist auch also hier reichlich vorhanden. Ich hoffe, das nimmt keiner allzu wörtlich.
Ganz besonders will die DUP nichts von Wiedervereinigung wissen. Das sind diese katholischen Faschisten, die Premierministerin May in ihre Regierung mit reinkoalieren mußte, nachdem sie ihre vorherige Mehrheit bei den von ihr ausgelösten Neuwahlen im Frühjahr 2017 verloren hatte. Einer ihrer brillantesten politischen Schachzüge überhaupt. Sich selber die Dame vom Brett nehmen ist schon eine Leistung.
Kassandra sagt: Sollte diese Diskussion wieder ernsthaft Schwung gewinnen und Nordirland ebenfalls verlorengehen, wird die britische Regierung auf jeden Fall dabei sterben. Wenn Nordirland aber keine harte Grenze will und weiter frei handeln, geht das nur außerhalb des Königreichs und als Teil der irischen Republik. Theresa Mays Minuten als Premierministerin sind also ohnehin gezählt.
Alles andere aus Belfast sind die typischen Beschwerden, daß der eigene Kreis aber nicht quadratisch genug sei. So sind sie halt, die Briten. Da sind die Nordiren keine Ausnahme.

Bild 2: Prost, Gemeinde
Auch 2018 wird man den zunehmenden Schwachsinn der uns umgebenden Realität nur mit größeren Drogenmengen kompensieren können. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Und hier? Daheim in Deutschland?
Nun, wir haben ja schon gewählt. Eventuell müssen wir das noch einmal wiederholen, denn bisher glänzt eine neue Bundesregierung durch Abwesenheit. Gäbe es nicht die verfassungsrechtliche Verpflichtung des Bundespräsidenten, mal beizeiten zu Potte zu kommen mit einer neuen Regierung, von mir aus könnten die alle noch bis 2021 weiter verhandeln. Keine dummen Gesetze verderben mir derzeit den Alltag, die politische Korruption ist in Duldungsstarre verfallen. Über allen Regierten ist Ruh.
Doch ebenso wie die bei ihrer Neujahrsansprache wie immer wie das Honigkuchenpferd grinsende Kanzlerin (geschäftsführend) bin auch ich davon überzeugt, daß die ehemalige SPD es wieder einmal hinbekommen wird, in alle Richtungen umzufallen, die man sich nur vorstellen kann. Irgendwann um Ostern wird also die erneute Krönung von Angela der Alternativlosen erfolgen, spätestens.

Das Frau Merkel gerne weiter das deutsche Staatsschiff in altvertrauter Weise steuern möchte, glaube ich gerne. In ihrer gerade erst verhallten Neujahsansprache versprach sie uns Bürgern ja eine stabile Regierung. Also ihre Regierung. Weiterhin fleißiges Nichtstun bei maximaler Simulationsquote entschlossenen Handelns.
Mit dem Hinweis, daß die Welt nicht auf uns wartet, erklärt diese Dame also formvollendet ihre eigene bisherige völlige Reglosigkeit in den Verhandlungen zur Regierungsbildung und weist klar darauf hin, daß alle anderen sie gefälligst mal zur Kanzlerin wählen müssen, weil…ähmm…sonst bestimmt irgendwas Furchtbares passiert.
Schon unter Helmut Kohl kam es ja zu der peinlichen Panne, daß mal jemand die Ansprache vom Vorjahr über den Sender jagte und es keiner so recht merkte. Bei Frau Merkel hätte eine einzige „Alles wird gut, solange ich Kanzlerin bleibe”-Rede bisher für alle Neujahrsfeiern ausgereicht. Und gemerkt hätte es auch keiner.

Gut, zugegeben, es könnte schlimmer sein. Zumindest geht uns in Deutschland nicht das Wasser aus. So wie in Südafrika. Wobei Barcelona vor einer Weile auch schon mit Tankern versorgt werden mußte, nur falls jemand annimmt, Wassermangel sei ein außereuropäisches Problem.
Auch die Mehrwertsteuer wird bei uns nicht um fünf Prozent erhöht. Wobei die in Saudi-Arabien nicht erhöht wird, sondern neu eingeführt.
Wegen der schwankenden Ölpreise und so, denn das hat Auswirkungen auf die Staatseinnahmen. Was passiert, wenn ein Land so ziemlich alles zum Leben importieren muß und von Öleinnahmen abhängig ist, kann man ja seit einiger Zeit in Venezuela gut sehen. Jede Nation, die ihre Bewohner nicht aus eigener Kraft mit dem Notwendigen versorgen kann, ist in der Langen Dämmerung am stärksten gefährdet.
Klar ist die Sache mit dem Öl etwas, das noch hundert Jahre so weitergehen wird. Gerade Saudi-Arabien ist immer vorne mit dabei, wenn es darum geht, anderen zu versichern, daß wir noch ewig Öl haben werden.
Nur hat all das eben nichts mit Frau Merkel zu tun, sondern mit schlichtem Glück. Ich wohne ja hier in Deutschland, deswegen werde ich auch nicht bombardiert wie im Jemen. Von Saudi-Arabien übrigens. Noch so ein vergessener Krieg in der so heiteren Welt europäischen Wohlstands. Ein Land wird zermahlen zwischen den divergierenden Interessen der Regionalmächte, in diesem Falle der Saudis und des Iran.

Eine Neujahrsansprache als Beweis dafür, daß Politiker auf einem anderen Planeten leben als ich. Ganz ohne Alkohol

Ich traue dieser Frau, die da so gefroren aus dem Fernseher herauslächelt, nicht im geringsten zu, in einer Zeit des Wandels das Richtige zu tun. Wandel will antizipiert werden und das kann diese Frau nicht. Bedauerlicherweise allerdings auch niemand anders.
Die gesamte derzeit propagierte europäische Politik läuft auf ein Zusammenrücken um jeden Preis hinaus. Generell ist das nicht verkehrt, aber wenn das Zusammenrücken vor allem darauf hinauslaufen soll, mit nicht vorhandenem Geld amerikanische Waffen zu kaufen, damit Donald Trump sich das auch noch ans Revers heften kann, ist es lediglich blödsinnige Hysterie.
Waffen tendieren immer dazu, eingesetzt zu werden. Gut, in der Beziehung wären F-35 ungefährlich, denn die fliegen nur bei Neumond, zwischen 16,4 und 18,2 Grad Celsius und wenn die Zikaden gerade singen. Als Waffe sind diese sündhaft teuren Nichtskönner der High-Tech generell recht untauglich. Insofern wäre aus pazifistischen Gründen gegen ihre Anschaffung nichts einzuwenden. Nur finanziell macht es eben noch weniger Sinn als sonst schon beim Kauf von Waffen.

Frau Merkel (geschäftsführend) kann noch so sehr sagen, daß manche „von einem Riß sprechen, der durch die Gesellschaft geht” und auf Zusammenhalt plädieren. Das ändert nichts an der Tatsache, daß sie und ihre Vorgänger eine Politik betrieben haben und auch weiter betreiben werden, die eben diese Spaltung der Gesellschaft überhaupt erst ermöglicht hat. Der angesprochene Riß ist nicht gefühlt oder ein Hirnsgespinst. Er ist real. Nicht nur in Donald Trumps Amerika werden die Reichen immer reicher und die Armen immer zahlreicher. Uneingeschränkte Solidarität der Politik mit der Agenda der Besitzstandswahrer, mit den oberen zehn Prozent, zerstört aber auf Dauer die Demokratie.
Ganz Europa ist wieder einmal gespalten in Ost und West. Denn wer Regierungen wie in Polen oder Ungarn für demokratisch hält, dem ist nicht mehr zu helfen. Wahlen alleine sind auch keine Lösung.

In Katalonien hat man auch bereits gewählt. Wie in Deutschland. Und so sehr die Gegner der Unabhängigkeit sich das Ergebnis auch schönquatschen wollen: Sie haben verloren. Deutlich. Schon wieder.
Spanien steht nach der vepfuschten Politik eines Herrn Rajoy in Katalonien und den Neuwahlen vor einem noch absurderen Scherbenhaufen als zuvor. Denn jemand wie Puigdemont ist jetzt eigentlich Chef einer neu gewählten Regionalregierung. Auf der anderen Seite möchte der Ministerpräsident ihn verhaften lassen, sobald er spanischen Boden betritt. Der Mann ist also quasi politisch Verfolgter. Im Europa des Jahres 2018.

In Italien wird ebenfalls gewählt in diesem Jahr. Was übrigens stabile Regierungen angeht: Das Land hatte jetzt 67 davon in 73 Nachkriegsjahren. Man kann sagen, was man will, aber Italien ist immer noch da. Nur als kleiner Hinweis darauf, daß „stabile Regierung” und tödliches Weglangweilen von der Wahlurne, wie Frau Merkel es betreibt, wohl doch eine gewisse Bandbreite haben.
Das Problem in Italien ist natürlich, daß dieses Land eigentlich pleite ist. Wie Griechenland. Sowohl die 5-Sterne-Bewegung als auch die allseits beliebte Neofaschistenbude Lega Nord sind antieuropäisch eingestellt und haben gute Aussichten bei den Wahlen.
Italien ist noch immer die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das rettet niemand mehr, mit keinem noch so fiktiven Schirm, sollte es den Bach runtergehen. Denn stabile Regierungen sind nur die, die von „den Märkten” gemocht werden. Wen die Märkte nicht mögen, der wird mit Griechenland nicht unter drei Rettungspaketen bestraft.

Während also Frau Bundeskanzlerin (geschäftsführend) sagt, daß „wir noch mehr in einen starken Staat investieren müssen, der die Regeln unseres Zusammenlebens verteidigt” und es mir dabei angesichts von Idioten wie einem Thomas de Maiziere oder Heiko Maas kalt den Rücken runterläuft wie gut gekühlter Sekt, ist Europa auch in Nord und Süd geteilt. Wie eigentlich schon immer. Und wie stark ein Staat ist, der die Rechte seiner Bürger permanent weiter beschränkt, damit transnationale Konzerne an der Börse Amok laufen können und in Steuerparadiesen feiern – darüber erlaube ich mir noch einen Schluck. Prost, Gemeinde!

Deutschland als Gesellschaft ist ebenfalls geteilt: In die Reichen und die Armen. Dazwischen eine sogenannte Mittelschicht, die alles daransetzt, die Reichen zu verteidigen, denn man könnte ja eines Tages selber einer sein. Ganz sicher.
Dieses Bild findet sich in den USA bis ins Absurde gesteigert, es findet sich in Brexitannien, in Frankreich, in Europas Süden und bei uns zu Hause.
Im alten Rom besaßen die oberen zwei Prozent der Bevölkerung etwa 90 Prozent des Vermögens, bevor das Militär immer mehr an Einfluß gewann und sich das Reich im dritten Jahrhundert in einer Kette aus Bürgerkriegen zerlegte und dabei vollends ruinierte.

Kassandra sagt: Die Tendenz allgemeiner Zerbröselung wird sich auch 2018 erfolgreich fortsetzen, während gleichzeitig irgendwer die unbedingte Einheitlichkeit betonen wird und Bleigießen verbieten. Das alles dient nur unserer Sicherheit.
Frohes Neues Jahr!

2 Comments

    1. Jau! Und noch einen oben drauf!
      Aber das ist doch das, was immer alle wollen, oder? Das alles so bleibt, wie es ist? Das Jahr wird eindeutig spannend, schätze ich. Bis dahin ein Frohes Neues und ‘Prost, Gemeinde!’

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