Kassandras Ende

Tja. Die EU hat soben das neue „Leistungsschutzrecht” durchgewunken, das sie vor acht Wochen noch abgelehnt hatte. Der Springer-Verlag wird sich freuen. Denn der ist der einzige Laden, der davon profitieren wird.
Damit ist das einstmals als dezentrales Werkzeug und freiheitliches Instrument geborene Internet endgültig tot. Youtuber und andere dürfen sich darauf einstellen, daß ihre Inhalte in Zukunft Paket für Paket durchsucht werden. Denn anders sind die Uploadfilter, die man da heute beschlossen hat, gar nicht machbar. Das ist schön für alle, die auf totalitäre Überwachungsstaaten stehen und immer gerne sagen, wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchten.
Das sehen wir dann beim nächsten Politikerskandal wieder mal. Oder wenn die Nazis doch wieder die Macht übernehmen. Irgendwas hat man nämlich immer zu verbergen.

Da hier jede Menge Dinge von meiner Seite aus auch fachspezifisch erläutert werden, ist so mancher Artikel natürlich eine Ansammlung von Links auf diverse andere Seiten. Ist blöd, denn schon beim Drüberhuschen mit Mauszeiger werden ja die Links angezeigt. Nach juristischer Meinung ist das quasi ein Vorschauschnipsel und müßte leistungsrechtlich eventuell bezahlt werden. Wäre zumindest möglich. Könnte sein.
Und jeder weiß, was passiert, wenn Juristen „Könnte sein” sagen. Der Verfassungsschutzchef würde vermutlich sagen: „Nach meinem Gefühl ist diese Bedrohung der Blogosphäre nicht authentisch.”

Nun – von mir gibt es jedenfalls kein Geld. Um es deutlich zu formulieren, speziell und ganz besonders in Richtung Springer-Verlag und dessen Chefredaktion: Am Arsch könnt ihr mich!
Immerhin kann man sich so den breitbandigen Ausbau sparen, der seit anderthalb Jahrzehnten ohnehin nicht vorankommt in diesem digitalen Entwicklungsland hier. Was auch Schuld gewisser Großkonzerne ist, die permanent Zucker in den Allerwertesten geblasen bekommen haben für keinerlei Leistung und dann auch noch beleidigt sind, wenn man ihre Mondpreise nicht bezahlen will. Ich nenne da jetzt keine Namen. Aber Hauptsache, wir haben die altertümlichen Kupferleitungen ausgereizt bis zum Arsch und damit Kasse gemacht.

Dieser Blog schließt also hiermit seine Pforten. Bis auf Weiteres oder auch endgültig, das muß sich dann noch erweisen. Aber ich hatte es ja angekündigt. Für dieses Internet möchte ich mit keinerlei Content mehr beitragen. Wenn wir eine Regierung haben, die aus technologisch minderbemittelten Kretins besteht, die sich von unfähigen Konzernen auf der Nase rumtanzen und Steuergelder für nichts aus der Tasche ziehen lassen – bitte. Ich könnte mich jetzt darüber aufregen, aber ich tue es nicht mehr. Jedenfalls nicht in diesem Internet.

Kassandra dankt allen Lesern, Leserinnen, LeseriXen und sonstigen transgeschlechtlichen alphabetisierten Lebensformen, die den dürren Worten des Schreibers bis hierhin ab und zu gefolgt sind. 185 Beiträge haben sich bis hierhin angesammelt. Ich verneige mein Haupt in alle Himmelsrichtungen und schlage meine Stirn demütig in den Staub für die Geduld und diverse Kommentare. Peace!

Glyphosat auf Sonnenblumen

Kleine Nebennotiz an alle begeisterten Wähler-, -Innen und -Xe der Grünen: Dieser ehemals pazifistische Friedensbewegungsladen gehört zusammen mit der CxU, die weder christlich, noch demokratisch, noch sozial, noch eine Union ist und den angeblich liberalen Marktradikalen von der FDP – no surprise here – zu denen, die gerade aktuell einem Einsatz der Bundeswehr offen gegenüber stehen, sollte Assad in Syrien Giftgas einsetzen.
Es geht in der Debatte wohlgemerkt darum, daß hier gezielt rumbombardiert werden soll. Nichts mit Rumfliegen und Aufklären für die anderen, die dann die Bomben werfen in dem Bürgerkriegsland.

Natürlich wird genau das behauptet und außerdem als „Verantwortung zum Schutz der syrischen Bevölkerung” verkauft. Da isse mal wieder, diese übernommene Verantwortung. Deswegen dauert der Bürgerkrieg ja auch schon sieben Jahre. Wegen der bewußt übernommenen Verantwortung, mit der uns so ziemlich alle Parteien weiter fleißig Kriegsflüchtlinge ins Land bomben. Oder vielmehr, bomben lassen, da fühlt man sich moralisch als Grüner vermutlich einfach besser. Kann man so machen, aber es bleibt dann trotzdem scheiße. Derselben Ansicht ist auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages. Der schätzt nämlich eine militärische Vergeltungsaktion als Verstoß gegen das Völkerrecht und das Grundgesetz ein. Continue reading →

Blick über den Tellerrand

Der Verfassungs„schutz” soll die AfD mal überwachen, findet eine Mehrheit der Deutschen. Der Verfassungsschutz!
Klar – wenn Himmler Hitler überwacht hätte, wäre das alles auch nie passiert. Bestimmt.
Ich meine – reden wir hier über denselben Verfassungs„schutz”? Den mit dieser NSU-Geschichte mit mehreren toten Zeugen und keiner Aufklärung in fünf Prozeßjahren? Gut, das war jetzt natürlich auch nicht Punkt der Anklage, insofern mache ich dem Richter keinen Vorwurf. Der hat in diesem ganzen Mist einen sehr guten Job gemacht.
Aber ist es derselbe Verfassungs„ schutz”, dessen hessischer Ableger einen internen Bericht über eventuelle Versäumnisse bezüglich Besitz von Waffen und Sprengstoffen bei Rechtsradikalen mit einer Sperrfrist von 120 Jahren belegt hat? Was im deutschen Archivwesen zumindest als stark ungewöhnlich zu bezeichnen ist. Dieser überaus vertrauenswürdigen Institution wollen wir also die Überwachung einer alternativlos rechten Partei anvertrauen?

Außerdem kann es doch bei Rechten derartige untersuchte Versäumnisse gar nicht gegeben haben. Denn das sind doch nur verwirrte Einzeltäter. Man stelle sich vor, das wären irgendwie ausländisch angehauchte Terroristen gewesen, die in Baumärkten einkaufen! Continue reading →

Amerika worst

Nachdem der grandiose G7-Gipfel gestern mit einer absolut fantastischen Abschlußerklärung beendet wurde und die Ordnung der Nachkriegswelt endlich wiederhergestellt ist, lassen wir dieses total wichtige Treffen der Anführer der freien westlichen Welt noch einmal Revue passieren.

Gemacht haben alle nichts. Außer sich über Trump aufzuregen, der wieder mal zu spät zum Treffen kam. Aber das war doch von vornherein klar. Genau so benimmt sich ein CEO, der armen, winselnden Bittstellern klar und deutlich zu verstehen geben will, daß er gerade eben einige Minuten seiner unbezahlbar kostbaren Zeit für eben diesen völlig belanglosen Bittsteller opfert. Früher mußte man um eine Audienz bitten, dann mit subalternen Sekretären konferieren und anschließend auf den Knien über den Teppich durch die geöffnete Flügeltür bis vor den Thron rutschen und seine unwürdige Stirn auf den Boden schlagen.

Exakt so sieht sich Donald Trump. Das ist ja nun längst kein Geheimnis mehr. In einer vernünftigen Welt würde der Mann ein ruhiges Sanatorium bewohnen. Mit großzügigem Park, nettem Personal, guten Essen und einer wunderschönen, stabilen, von altem Wein überrankten Mauer, äußerst unauffällig mit Alarmdraht und Selbstschußanlagen gesichert. Nach innen zielenden Selbstschußanlagen. Damit er nicht etwa entkommen kann und Schaden anrichten. Ein guter Teil unserer angeblichen Anführer würde dem Mann übrigens innerhalb der Anlage Gesellschaft leisten, machen wir uns da mal nichts vor. Continue reading →

Hier hausen Ungeheuer

Verehrte Leserinnen, Leser, LesiXe, Aliens, liebe Brüderinnen und Brüder!

Heute ist es soweit. Die allseits gefürchtete DSGVO, die Datenschutzgrundverordnung, tritt in Kraft.

Also, endgültig. Im Grunde gibt es das Dingsbums ja schon zwei Jahre, aber jetzt ist eben Ende mit Übergangsfrist.

Was ändert sich also auf Prevent the Future / Kassandra21?
Nun, kurz und undiplomatisch formuliert: Eigentlich nix.

¯\_(ツ)_/¯

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Weihnachtsmanns Marschtritt

Kapitalismus macht seit anderthalb Jahrhunderten mit wachsender Begeisterung und Effektivität nichts anderes, als uns als Menschen Dinge wegzunehmen, sie aus der Gesellschaft herauszuschneiden. Gemeingüter werden privatisiert und diese Privatisierungen mit Gesetzen für legitim erklärt, um so neue Geschäftsfelder zu erschließen, dem Kapitalismus eine weitere Nische zu erlauben, die er plündern kann.
Während der Kapitalismus, die Kommerzialisierung immer größer wird, immer allumfassender, schrumpft die Gesellschaft dahin, verliert an Boden. So wie sie Gemeingüter verliert, verliert sie an Gemeinschaft und somit an Zusammenhalt. Mit den common goods geht common ground verloren, könnte man sagen.

Während unser Wirtschaftsystem immer reicher wird und mit ihm eine immer kleinere Anzahl von Individuen, wird die Gesellschaft als ganzes ärmer. Nicht nur metaphorisch, auch real und finanziell, denn alles, was früher einmal Gemeinschaft war, ist jetzt eine Dienstleistung, ein Service, dargeboten gegen eine geringe Gebühr von ihren Wohlfühlexperten, bitte zahlen sie per Kreditkarte oder Smartphone oder Paypal. Besten Dank.

Das tägliche Leben im kapitalistischen Westen ist Eintönigkeit und Langeweile. Tinder statt Straßencafe oder Tanzabend. Wir programmieren Fräsen und vergessen dabei mehr und mehr, wie sich der Meißel anfühlt in unseren Händen, die Steinsplitter, der Staub. Wir streichen nicht mehr über den Werkstoff selbst mit unseren Händen, fragen den Stein nicht nach seiner Geschichte, seinen möglicherweise eingebauten Fehlern und Makeln. Wir erforschen nicht mehr direkt. Überall schalten wir Vermittler zwischen uns und die Welt.

Weihnachtliche Solidarität als Spiegelbild der Gesellschaft. Trefflich in Szene gesetzt von Ralph Ruthe.

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Crystal Meth auf der Rolltreppe

Kennt hier jemand die seit einiger Zeit gängigen „Jugendformate” von Online-Medien?
DIE ZEIT versucht, sich mit gruseligen Gendertexten an 12jährige Daggi-Fans ranzumachen, die Schminktips auf youtube für innovativ krass halten und nicht wußten, daß man Haarspray nicht essen darf. Das größtenteils recht unselige Format heißt „zett”.

Die Erbsenpistole der Demokratie versucht, sich bei Leuten unter 30 – die sich nicht mehr dran erinnern können, daß DER SPIEGEL mal was mit ernsthaftem Journalismus zu tun hatte – mit „bento” einzuschleimen. Dabei kommen dann Sachen raus, die Schulpersonal wieder ausbügeln darf. So wie die angebliche Wissenschaftssendung  „Galileo”, wo mal behauptet wurde, eine Kompaßnadel zeige nach Norden, weil da ganz viel Eisenerz im Boden liegt.

Da ich hier im Blog ja gerade noch eine kleine Reihe über Kunst und speziell SF laufen habe, wenn die Politik mich nicht ablenkt, habe ich da mal wieder reingelesen. Und Furchtbares entdeckt.

Wie man sich im Jahre 1900 das Jahr 2000 vorstellte.

Ohne jetzt übermäßig pingelig sein zu wollen, ist dieser Artikel eindeutig unter aller Sau. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich dran denke, daß irgendwelche Lehrer derartigen Mist dann wieder korrigieren müssen, wenn ihre Schüler damit ankommen. Noch gruseliger ist der Gedanke, daß heutiges Lehrpersonal das schon selber nicht mehr hinkriegen würde mit dem korrigieren. Continue reading →

Und nun zur Werbung

Da stellt doch ausgerechnet EDEKA, also so ein typisch kapitalistischer Konzern, ein Video ins Netz, in dem eine Aussage für Vielfalt gemacht wird. Dieses hier:

Eigentlich meinte der freundliche Lebensmittelhändler wohl die Vielfalt der Produkte. Andererseits ist hier natürlich eindeutig eine klitzekleine Anspielung auf Vielfalt in anderem Sinne zu erkennen. Wenn deutsche Politwürstchen nur deutsche Würstchen kaufen möchten, wären Supermärkte offensichtlich viel kleiner. Und das mit dem Übergewicht wäre keinesfalls mehr ein Problem der Volksgesundheit.
Ohne menschliche Vielfalt auch keine im Supermarkt. Wobei sich die enttäuschten Biodeutschen – das gibt diesem Ausdruck in dem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung – in meiner Wohngegend zumindest mit einem gut gefüllten Weinregal über ihren patriotisch knurrenden Magen hinwegsaufen könnten.
Vorausgesetzt, sie finden sich vorher bereit, in den Weinbergen die jetzt bald beginnende Arbeit der Lese zu übernehmen, denn ich bin mir sicher, daß so mancher Winzer hierfür gut gelernte Fachkräfte von anderswo bevorzugt. Der Preiskampf im Supermarkt, siewissenschon.

Natürlich ist das alles linksgrünversiffte Propaganda, wie gewisse Leute jetzt sagen würden. Lügen-Supermarkt!!einself!!
Das hat bestimmt die Merkel eingefädelt, die lenkt ja bekanntlich die gesamte Presse. Muß man wissen.
Von Kassandras Seite aus mal ein Lob für den Supermarkt, in dem ich nie einkaufe. Weil es in meiner Nähe gar keinen solchen gibt. In Fahrradnähe, wohlgemerkt. Wobei sich das Lob nicht zwingend auf den Markt bezieht. Wie auch, ich kaufe da ja nie ein. Hatte ich schon erwähnt, daß Kassandra arm ist und das Blog trotzdem völlig kostenfrei und ohne Sponsorenwerbung? Gut.

Denn wie sagte Kassandra doch neulich im Nebensatz: Es sollte Ziel einer jeglichen aufgeklärten Regierung sein, dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung ihre Grundbedürfnisse aus eigener Kraft decken kann.
Denken wir noch mal kurz über das Video nach und verinnerlichen diesen Aspekt.

Schön anschaulich wird hier demonstriert, was ich hier schon einmal erörtert hatte. Der Supermarkt der Selbstverständlichkeiten, in dem wir alle gedankenlos shoppen, ist ein Produkt eines weltumspannenden Netzes aus unterschiedlichsten Bedingungen. Je komplexer dieses Netz wird, desto anfälliger wird es für Störungen. Selbst geringe Störungen können sich innerhalb eines komplexen Systems sehr schnell zu massiven Problemen entwickeln, manchmal exponentiell. Bis zum Systemzusammenbruch.

Einen Sturm überstehen die USA. Einmal absaufen tötet New Orleans als Stadt nicht. Aber was ist mit dem nächsten Sturm? Was ist, wenn beim nächsten Mal Miami daran ist? Oder New Orleans eben vollregnet, statt durch gebrochene Deiche vollzulaufen?
Was passiert, wenn das Wiederanfahren der Ölförderung im Golf von Mexiko, die Reparatur von Raffinerien, länger dauert als gedacht? In Illinois sind die Spritpreise bereits gestiegen. In allen US Bundesstaaten der Ostküste. Denn ein guter Teil des Benzins stammt aus den Raffinerien in Texas und die stehen derzeit still.
Was bedeutet es für den übermächtigen Konsum, wenn US-Verbraucher unfaßbare 60 Euro-Cent pro Liter Sprit bezahlen müssen?
Nun ja, dann geben die weniger Geld für andere Sachen aus, ist ja klar.
Doch was bedeutet das für die erwarteten Wachstumszahlen der US-Ökonomie? Was ist mit den Milliarden an Hilfsgeldern, die gebraucht werden? Hier ergibt sich wieder eine Rückkopplung auf das Finanz- und damit besonders das Kreditsystem. Vor einigen Tagen betrug die Bargeldreserve der USA etwa 51 Milliarden Dollar. Nicht mehr. Weniger als ein Bill Gates, um die Rechnungen zu bezahlen.
Was passiert, wenn irgendwo Zweifel daran laut werden, ob die USA ihre Staatsschulden weiterhin werden bedienen können?
Können sie eigentlich nie, das ist klar. Aber es geht ja ohnehin nur noch um die Aufrechterhaltung der Fassade in unseren großen, industrialisierten Demokratien.

Was geschieht, wenn die allgegenwärtige und als einzige Lösung angepriesene Globalisierung, also die Ausbeutung des Planeten auf Teufel-komm-raus, in sich zusammenbrechen sollte?
Oder besser, zusammenbrechen wird, denn dieses Ereignis ist bereits in Entwicklung und unaufhaltsam.
Ich nehme an, dann essen wir die Supermarktregale. Denn sonst wird wohl nicht mehr viel da sein. Dieser Gedankengang hat weitere Implikationen, aber die möchte ich hier nicht ausführen. Noch nicht.

Danke, EDEKA. Fast möchte ich sagen: Sehr, sehr geiles Video.
Natürlich sollte dieses Machwerk der Marketingpropaganda keine Demonstration dafür sein, in was für einer superempfindlichen, vernetzten Welt wir leben. Oder dafür, daß unsere ökonomische Theorie eben für den Arsch ist, weil sie nicht in vernetzten Systemen denkt oder besser, dazu vollkommen unfähig ist.
Denn die üblichen ökonomischen Theorien sind dafür gar nicht entwickelt.
Das Werbevideo eines Lebensmittelverteilers – Supermärkte verteilen Futter, sie produzieren keins, um einen weit verbreiteten Irrtum mal aufzuklären – wird also zu einem schönen Beispiel gegen Globalisierung, nicht dafür. Womit wir wieder eine dieser scheinbaren Paradoxien haben, von denen unsere Zeit und unsere Leben so reichlich zu bieten haben in letzter Zeit.

Kassandra weist darauf hin, daß mit dem Plädoyer für echte, längst überfällige Lokalisierung nur die Dinge in den Regalen gemeint sind. Menschliche Vielfalt ist durchaus begrüßenswert. Im Grunde ist sie einer der Punkte, die unsere Zivilisation in die Zukunft retten können.

Brandgeruch

Ich hatte ja hier schon mehr als einmal das Beispiel der ÖPP, der Öffentlich-Privaten-Partnerschaften als Paradebeispiel für die Tatsache angeführt, daß unser Wirtschaftssystem immer mehr darauf hinarbeitet, diejenigen zu stützen, die jede Menge besitzen, und dafür dann die bezahlen zu lassen, denen man das Geld am einfachsten wegnehmen kann.

Wie auf Bestellung spricht sich jetzt herum, daß eines der großen Vorzeigeprojekte für dieses Geschäftsmodell, das auf nichts anderes als ein Ausbluten der öffentlichen Hand – also des Steuerzahlers – hinausläuft, vor dem Ende steht: Die A1.
Es ist nicht nur so, daß der private Betreiber eines Abschnitts dieser Autobahn von der Pleite bedroht ist. Nein, er verklagt deswegen jetzt die Bundesrepublik, in Gestalt des phantastischen Verkehrsministers Dobrindt (CSU).
Ich hatte ja kritisiert, daß eines der üblichen Vorgehen der Industrie darin besteht, dem öffentlichen Teil, sprich dem Staat, sämtliche Risiken in die Tasche zu schieben. So ähnlich läuft es auch hier. Denn dem Betreiber, ein Laden namens A1 mobil, sind die Einnahmen auf einem Teil der Strecke zu niedrig. Unmittelbar frage ich mich, wer denn das festlegt.
Wenn ich das Gehalt meiner Vorstände nicht jährlich um 50% erhöhen kann, sind die Einnahmen zu niedrig?
Was ist mit der “Erhöhung der Produktivität”, also Entlassung von Mitarbeitern, die an solchen Stellen von Unternehmen immer ins Spiel gebracht wird?
Wie viele Mitarbeiter hat so ein Betreiber einer privaten Autobahngesellschaft eigentlich? Ich meine, um die Überweisungen vom Staat zu checken genügt ja vermutlich eine Teilzeit-Bürokraft. Was ist also eigentlich genau das, was die jeweilige private Gesellschaft leistet, abgesehen vom Einstreichen der Profite?

Im vorliegenden Fall hat A1 mobil den Autobahnabschnitt zwischen Hamburg und Bremen nicht etwa gebaut, sondern saniert. 73 Kilometer Straße. Und Herr Dobrindt als zuständiger Minister war ganz besonders schlau. Denn im vorliegenden Fall scheint es so, als würde laut Vertrag der Betreiber tatsächlich das Risiko tragen, sollte beispielsweise das Verkehrsaufkommen zu niedrig sein.
Allein die Tatsache, daß eine derartige Selbstverständlichkeit – der Investor trägt das Risiko – in einen Vertrag geschrieben werden muß, sagt bereits alles über den Zustand des Kapitalismus und der Intelligenz von Politikern.
Aber dann wäre ja alles in Butter, könnte man meinen. Hat Dobrindt doch toll gemacht. Befördert den Mann!
Problematisch wird es allerdings, wenn man dann feststellt, daß “bei Ausfall eines Betreibers dessen Aufgaben an den Bund zurückfallen”.
Heißt übersetzt: Der private Unternehmer meldet Insolvenz an, der Staat bleibt auf den bis dahin angehäuften roten Zahlen sitzen und muß sie übernehmen. Nichts also mit Risiko eines Unternehmens.
Abgesehen davon, daß der CSU-Minister ÖPP weiterhin für das Instrument der Wahl hält, um seinen zukünftigen Posten in der Wirtschaft zu sichern  dem deutschen Autofahrer Geld aus der Tasche zu leiern Deutschlands Straßen ordnungsgemäß in Schuß zu halten, spricht also nicht viel dafür.

Es ist exakt dasselbe Verhalten, das auch die Unternehmen auszeichnen wird, in die gewisse Energiekonzerne ihre schmutzigen Geschäfte ausgelagert haben. Also Kohle und Atomstrom. Beim Atomstrom hat sich Deutschlands Strommafia neulich bereits mit einer lächerlichen Pauschalszahlung von 24 Milliarden Euro von jeglicher Verantwortung freigekauft.
Wobei ich mich frage, woher diese Milliarden eigentlich kommen, denn alle Energiekonzerne haben ihre Forderung nach Lösegeld für sich damit begründet, sie würden ja so miese Geschäfte machen in letzter Zeit. Sogar Verluste! Heulen und Wehklagen war überall zu vernehmen, von Vattenfall bis Eon.
Was interessant ist, denn über Jahrzehnte sollten dieselben Konzerne ja Geld zurücklegen. Dazu hatten die sich verpflichtet. Für hinterher, wenn man AKWe mal wieder abbauen muß. Was müssen die alle gelacht haben in den Vorstandssitzungen.
Doch dann stellte sich heraus, daß  eben kein Geld zurückgelegt wurde, sondern diese Zahlungen eben “aus dem operativen Geschäft” heraus geleistet werden sollten. Was völlig logisch ist, wenn man davon ausgeht, daß man seiner Verpflichtung nicht vor dem St. Nimmerleinstag nachkommen muß.
Da aber dieses Geschäft – leider, leider – just in dem Moment so furchtbar schlecht läuft, kann man seine Verpflichtungen nur erfüllen, wenn man das ganze pauschalisiert. Die Steuererleichterungen, die das Ansparen der zugesagten Summen ermöglichen sollten, hat man allerdings gern und ohne Diskussion genommen. Continue reading →

Deprimierte Daleks

Kassandra hat Urlaub. Ein bißchen. Und dabei so viel zu tun, daß es diese Woche eventuell keinen vollen Beitrag geben wird. Wir entschuldigen uns für die Strapazen.

Dafür gibt es ein Easteregg. Eines auf Beinen. Oder Rollen, wie auch immer. Das Ding ist etwa 1,50 Meter groß und ein Überwachungsroboter. Automatisierung, fuck yeah! Das sind bestimmt diese ganzen Jobs, die der Trump neu schaffen will.
Jedenfalls hat Kollege RobbiTobbiFliwaTüt jede Menge Sensoren. Er kann die Luft analysieren – für Brände, nehme ich an. Obwohl es interessant wäre, so ein Ding mal in L.A. auf die Straße zu stellen.
Hören kann es auch ganz prima. Schüsse zum Beispiel. Wäre auch mal interessant für South Central L.A. Es hat eine Rundumkamera, ein Radar und ein Lidar. Das ist dasselbe wie ein Radar, nur mit Laserlicht, darum das L.

Und was macht so ein Ding? Ein Roboter mit einem Gehirn von der Größe eines Planeten, der Streife laufen soll?
Er begeht Selbstmord. Aus Langeweile, nehme ich an. Oder weil er zu doof ist, die Stufen zu erkennen, die in ein Wasserbecken führen.

Der Knightscope K-5. Wer jetzt sofort an “Eliminiiiiieren” denkt, liegt absolut richtig. Wenn die Daleks kommen, sollte man wohl am besten einen Brunnen in der Nähe haben.

Ja, das Superei hat sich in ein Wasserbecken gestürzt und ist dort elendig…nun…ertrunken. Könnte man sagen. Elimi-niiiieee-ren!
Man kann sich hier und da des Eindrucks nicht erwehren, daß über den Fehltritt des Killer…ähmmm…Schutzandroiden eine gewisse Schadenfreude herrscht.

Die Zukunft wird total toll. Spannend finde ich die Frage, ob die auch alle Kollektivselbstmord begehen können, wenn die Daleks Knightscopes erst mal über das Internet der Dinge vernetzt sein werden. Denn bestimmt wird dieses Feature noch eingebaut. Peace and Love 😀