Generation Dazwischen

„Domination’s the name of the game in bed or in life
They’re both just the same
Except in one you’re fulfilled at the end of the day.”
Depeche Mode

Generation X. Generation No Future. Was ist uns im Laufe der Jahrzehnte nicht alles an Etiketten aufgeklebt worden. Jede Generation kriegt einen Barcode verpaßt, der die Schubladisierung vereinfachen soll.
Ich fand besonders No Future ziemlich blöde. Das wäre meine Generation. Die 80er Jahre. Obwohl das nicht stimmt. Denn ich war ja bereits zehn Jahre da, warum sollte ich also zu diesen No Future Typen gehören?
Nur weil die Sex Pistols das damals von der Bühne runtersangen in “God save the Queen”, mußte es mir ja nicht gefallen. Außerdem war ich 1977 noch zu jung, um Punk Rock zu hören. Da war ich noch im Zeitalter der Hörspielcassetten mit Schloßgespenstern oder Vinylscheiben mit Kobolden.
Der Sound meiner Generation war nicht wirklich No Future. Herbert Grönemeyer besang Männer und Ina Deter hüpfte mit rosa Plastikgitarre in der Hitparade rum und wollte diese Männer gerne in neuer Version haben fürs Land.
Wir chillten bei Sunshine Reggae, stürzten mit Geiern im Sturzflug nach der Schule ab und waren Big in Japan oder mal eine Nacht in Bangkok, bevor wir dann mit Jeanny Unforgettable Fire entfachten. Unser Sound war Shout. Oder Blasphemous Rumours. Oder Blue Monday.
Außerdem, so dachte ich mir auch ein knappes Jahrzehnt nach der Rettung der Königin, ist das doppelter Unsinn. Zukunft kommt immer. Das Morgen wartet ja nicht. Es verwandelt sich einfach ins Heute.

Inzwischen denke ich von mir selbst gerne als „Generation Dazwischen”.
Kurz nachdem ich geboren wurde, rutschte die Welt in ihre erste Energiekrise. Eine politische Krise in diesem Falle. Die Geschichte mit Israel und den Arabern damals. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Kurz zuvor, 1972, hatte die weltgrößte Fördernation des Planeten eine erste und unangenehme Begegnung mit den Naturgesetzen. Die USA hatten ihren Peak Oil. Dieses Ereignis, von dem immer alle lachend behauptet hatten, es könne überhaupt niemals eintreten. Dabei war diese Vorhersage nichts weiter als ganz schlichter Menschenverstand, gepaart mit ein wenig Mathematik.. Wenn man mit dem Strohhalm den Cocktail aus einem Glas schlürft, wird unweigerlich der Punkt kommen, an dem das Glas nur noch halb voll ist. Der Cocktail unterscheidet sich vom Erdöl nur dadurch, daß der emsige Schlürfer an der Bar selber um so voller wird, je leerer das Glas ist.
Bei unserer Zivilisation ist das anders. Die wird nie voll. Die ist immer nur durstiger, je mehr sie den Cocktail wegschlürft.
Plötzlich war es den USA nicht mehr möglich, den Ölpreis maßgeblich selbst zu gestalten, indem man den Hahn etwas weiter auf- oder zudrehte. Plötztlich drehten andere an ihren Hähnen. Die Araber zum Beispiel. Die OPEC, vorher ein eher belächelter Zusammenschluß aus Ölförderstaaten, wurde plötzlich der mächtigste Spieler am Tisch. Doch die politische Krise verdeckte die echte Krise erfolgreich.

Richard Nixon, der Mann, der nach China ging, trat zurück, als erster und bisher einziger Präsident der USA. Aber vorher schloß er das sogenannte Goldfenster. War es bis dahin noch theoretisch möglich, an einem Bankschalter aufzutauchen und ein Bündel wertloser Papierdollars gegen Gold umzutauschen – zu einem festgeschriebenen Kurs allerdings – so wurde mit Nixons Beschluß auch diese Möglichkeit endgültig in den Orkus geschossen.
Die Gesellschaft war im Umbruch. Die “Womens Lib”, die Frauenbefreiungsbewegung, feierte riesige Erfolge. Und so wurden Frauen davon befreit, auf ihre Kinder aufzupassen oder den Haushalt zu schmeißen.
Stattdessen durften sie in Zukunft acht Stunden täglich – plus Pendelfahrt – dieselben idiotischen Bürojobs durchführen wie ihre Männer auch. Geputzt wurde in Zukunft von unterbezahlten Haushaltshilfen, die Kinder lagerte man ganztägig in Lernkasernen aus, für die man wiederum über kommunale Gebühren geschröpft wurde – wegen der großen Nachfrage. Gleichzeitig verschrieben immer mehr Psychologen immer mehr Drogen, von denen sich nicht wenige als suchterzeugend herausstellten.
Was aber egal war, denn als Pharmafirma kann man notfalls pleite gehen und so mehrere Hunderttausend neuer Süchtiger der staatlichen Fürsorge überlassen. So wie es aktuell ja auch der Fall ist. Nirgendwo ist die Lage derartig außer Kontrolle wie im angeblich reichsten und wohlhabensten Land der Erde. Lenin hat sich geirrt. Nicht Religion ist Opium für das Volk. Opium ist Opium für das Volk.
Die Beschreibung des heutigen Zustandes einer pharmakologisch durchsuchteten Gesellschaft kannte ich übrigens schon. Aus einem SF-Roman namens Der Schockwellenreiter von John Brunner, erschienen 1975.  Ich hatte diesen Herrn schon mal hier erwähnt. Oder hier.

Völlig zufällig war also die Frauenbefreiung auch exakt in dem Moment so erfolgreich, in dem es in den USA nicht mehr möglich war, mit nur einem Gehalt – dem des Mannes üblicherweise – die amerikanische Durchschnittsfamilie über die Runden zu bringen. Also mußte ein weiterer Verdiener her: die Ehefrau. Ebenfalls mußte eine Möglichkeit gefunden werden, trotz Energiekrise – und dadurch massiv ansteigender Preise für so ziemlich alles – den American Way of Life aufrechtzuerhalten. Und wie durch ein Wunder eröffnete sich der Weg in das Wunderland der Konsumentenkredite für Waschmaschinen, Autos, Häuser, Kindergärten und Schulgebühren. Denn wenn man nicht genug Geld hat, um Dinge zu bezahlen, kauft man sie nicht. Man spart. Das ist aber schlecht für eine Wirtschaftsform, in der Konsum und ewiges Wachstum die Haupttreiber sind. Also müssen Menschen in die Lage versetzt werden, alles zu haben, was sie wollen Und zwar sofort, nicht erst in sechs Monaten.
Bis zu diesem Moment war es dem Staat und Banken nicht möglich, Geld einfach so zu erschaffen. Denn die Kreditvergabe des Finanzmarktes wurde begrenzt durch die oben erwähnte Möglichkeit, dieses Geld später wieder in Gold tauschen zu können. Es gab also eine Obergrenze für die Menge an Dollars, die man zirkulieren lassen konnte. Gab es zuviel Papier, wurde dieses immer weniger wert. Das kann zum völligen Währungsverlust führen, wenn die implizite Deckung durch irgendein Edelmetall letztlich überhaupt nicht mehr gegeben ist. Daher galt bis zu diesem Moment der Wirtschaftsgeschichte eine gewisse Vorsicht in Bezug auf die Geldmenge.
Dann schloß Präsident Nixon das Tauschfenster für immer. In Folge dessen konnten die USA so viele Dollars raushauen, wie sie nur wollten. Was sie auch brauchten, denn immer mehr Öl mußte zugekauft werden und das wurde immer teurer.
Gleichzeitig erschufen immer mehr und immer neue Konsumenten jede Menge Geld aus dem Nichts, indem sie bei ihrer Bank Kredite aufnahmen, um Dinge zu kaufen. Von denen es auch immer mehr gab. In den 70ern waren die Firmen, bei der man eine extra Garage hätte mieten können, um irgendwelchen Mist darin einzulagern, der im eigenen Haus keinen Platz mehr findet, noch relativ dünn gesät.
Ende des 20. Jahrhundert existierten von diesen Firmen, die „self storage” betreiben, bereits gefühlte Millionen. Jedenfalls bieten sie Millionen Quadratmeter Lagerfläche an. Menschen besitzen heute so viel sinnlosen Kram, daß sie ihn auslagern müssen.

Als ich aufwuchs, war das Motto „Jetzt kaufen, später bezahlen” längst Alltagskultur. Zumindest in den USA.

Um den amerikanischen Arbeitnehmern die Mühe mit der Bank zu sparen, opferten sich dann auch die plötzlich aufblühenden Kreditkartenfirmen. Wozu Kredite aufnehmen? Wir geben dir direkt einen, immer und als Vorschuß. Natürlich zu horrenden Zinssätzen, ist ja klar. Eine weitere Firmengruppe, die in den 70ern nicht so wirklich existierte, waren die Läden, in denen ein Amerikaner sich einen Kredit besorgen kann, indem er seine nächste Gehaltszahlung verpfändet. Zum Beispiel, um die Rechnung der Kreditkartenfirma bezahlen zu können.
Heute existieren von diesen Firmen in jedem US-Bundesstaat Dutzende. Ebenso wie die Selbstaus- oder -einlagerer. Und das, obwohl die Amerikaner versuchten, das Platzproblem in ihren Häusern durch größere Häuser zu lösen. Aber das klappte wohl auch auf Dauer nicht. Alles wuchs. Die Häuser, die Autos, die Schulden und die Hüftumfänge sowohl von Mann, Frau und deren adipösen Sprößlingen. Das einzige, was seit den 70er Jahren nicht wirklich gewachsen ist, ist das Einkommen der durchschnittlichen Familie.
Donald Trumps amerikanischer Arbeiter verdient heute weniger als noch Anfang der 70er Jahre. Obwohl doch schon ein großer Republikaner vor ihm dieselbe Politik betrieben hat, die auch Trump jetzt betreibt. Man senke die Steuern für die Reichen, auf das die mit ihrem Geld ganz viele neue Arbeitsplätze herbeizaubern. Irgendwie scheint das mit dieser trickle-down-Geschichte nicht wirklich zu funktionieren.

Bild 1: Haushaltseinkommen in den USA seit 1970. No Future in ökonomisch.
Schön zu erkennen ist, wie hier die Reichen reicher werden und die Armen arm bleiben. Falls sie Glück haben. Man beachte auch die Deckungsgleichheit der Kurven für die oberen 5% und der oberen 20% der Einkommen. Das bedeutet, daß die oberen Reichen der Topverdiener soviel mehr Geld bekommen haben, daß sie den gesamten Kurvenverlauf bestimmen.
Schön zu sehen auch die quasi völlig fehlende Entwicklung der unteren 60% der Einkommen.
Quelle: US Bureau of the Census und hier

Doch die politische Krise kam und ging. Trotzdem blieb die Energieknappheit da, bis zum Ende der 70er Jahre. Dann erst bekam die gelähmt dahindümpelnde Industriegesellschaft wieder Wasser unter den Kiel. Erst jetzt konnte man den hemmungslosen Konsumrausch, der sich in den 70ern in hemmungslosen Drogenrausch verwandelt hatte, wieder aufnehmen. Was wir mit Begeisterung taten.

Allerdings gab es auch Recycling. Ich kannte dieses Wort seit frühen Tagen. Es gab gesammeltes Glas mit Pfand und solches ohne. Und es gab Altpapiercontainer. Ja, Container. Da brachte man das Zeug selber hin. Heute betreiben private Gesellschaften Müllfahrzeuge und lassen Kommunen dafür Gebühren erheben. Denn das ist teurer und läßt sich besser profitmaximieren. Ich war genau zwischen entstehendem ökologischen Bewußtsein und wieder aufflammender hemmungsloser Konsumgesellschaft, als ich in den 80ern meine gymnasiale Laufbahn hatte. Die endete mit den 90ern und dann kam die Mitte des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts. Natürlich kannten wir Computer. Mein Kumpel hatte einen C64, damals, 1983. Unfaßbar teures Gerät. Und was hatten wir damit eine abgefuckte Menge Spaß. Niemals habe ich an so vielen Olympischen Spielen teilgenommen wie damals. Ich startete immer für Irland, ich war kurz vorher zum U2-Fan mutiert. Eine erste Plattensammlung begann Gestalt anzunehmen, als diese schwarzen Dinger gerade von diesen neuen Silberscheiben abgelöst zu werden begannen. Aber ein CD-Spieler wog damals noch etwa fünfhundert Kilogramm und war ein Frontlader. Mein Bruder hatte einen. Vom Preis reden wir mal gar nicht. Generation Dazwischen.

Aber dann, Mitte der 90er – das Internet. Plötzlich konnte sich mein damaliger 486er Prozessor – ich war gut ausgerüstet – mit einem Modem und einer Telefonleitung mit diesem seltsamen Dingsbums verbinden, von dem wir bisher nur aus Science Fiction-Filmen gewußt hatten, daß es existiert. Oder Romanen, wie dem von John Brunner.
Wir hatten Computer – mein Kumpel jedenfalls, ich hatte nie einen – aber keine Sau kannte Microsoft oder Apple. Bis 1995 hatte ich zumindest die Erzeugnisse aus Redmond getroffen, mein 486er lief unter DOS. Wie schon sein Vorgänger.
Jetzt bin ich fast Fünfzig. Ein halbes Jahrhundert ist ins Land gezogen und Computer steuern so ziemlich den ganzen Planeten. Menschen tragen mehr Rechenleistung mit sich herum, als das gesamte NASA-Kontrollzentrum 1969 sich jemals hätte erträumen können. Menschen tragen vor allem mehr Rechenleistung mit sich herum, als man jemals für irgendeinen normalen Zweck überhaupt sinnvoll verwenden könnte.
Seltsame flache Geräte, die von vielen heutzutage so vor den Mund gehalten werden, daß ich immer den Zwang unterdrücken muß, eine Scheibe Wurst draufzulegen und Guten Appetit zu wünschen. Die Telefonbeißer sind überall.
Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als die richtige Größe für ein Telefon der Abstand zwischen Ohr und Mund gewesen ist und man sich das Ding an die Wange hielt.
Aber ich erinnere mich auch noch an Abende in Straßencafés, mit einer Kerze und Wein auf dem Tisch, an denen wir stundenlang irgendwelche Dinge bequatschten.
Wir mußten uns echt unterhalten, statt autistisch auf WhatsApp rumzudaddeln. Meine Generation war sogar gezwungen, Frauen erst anzuquatschen und nicht auf Tinder und Facebook das Profil zu stalken, in dem alles drinsteht, einschließlich sexueller Lieblingsaktivität, bestem Essen und gewünschter Beischlaflänge. Wir mußten das alles durch geschicktes Ausfragen – und Ausziehen – herausfinden. Aber wir waren es gewohnt. Wir hatten ja nichts.

Die Hälfte meines Lebens habe ich in einer analogen Welt verbracht. Etwa die Hälfte dieser Hälfte in einer analogen Welt, die in ihrem Selbstbewußtsein bezüglich ewigen Wachstums und ewiger Energie gerade ein bißchen erschüttert war. Die andere Hälfte habe ich in einer digitalen Welt verbracht, in der das Digitale immer schneller, immer leistungsfähiger, immer kleiner und damit immer unsichtbarer geworden ist. Und gleichzeitig auch immer totalitärer. Die digitale Befreiung und Women’s Lib unterscheiden sich nicht wirklich in der Art der erreichten Freiheit.
Aus dem dezentralen Internet, das einen Atomkrieg überleben sollte, wurde ein zentralisierter Albtraum, der Google und Microsoft und Apple und Amazon gehört. Amazon, dieser kleine Internet-Buchladen, der als einer der wenigen den großen dotcom-Crash der 2000er überlebt hatte. Heute ist das einer der größten Serverpark-Anbieter der Welt. Ein Vermieter von Rechenzeit für Geheimdienste. Soziale Netzwerke spotten ihrer Bezeichnung jeden Tag.
Wer hätte gedacht, daß dieser putzigen Klitsche zwanzig Jahre später die Weltherrschaft anteilig gehören würde?
Wir hatten noch geglaubt, Bill Gates wolle die an sich reißen, mit einer sabbernden Büroklammer an der Seite seines imperialen Throns. Generation Dazwischen.

Mensch hat den Kontakt zur Wirklichkeit verloren. Die digitale Revolution hat diesen Effekt beschleunigt und beschönigt.

Die Digital Natives. Die Millenials. Auch so ein Generationenetikett. Aufgeklebt von denjenigen meiner Generation, die irgendwie im journalistischen oder sonstwie schreibenden Bereich gelandet sind.
Die Millenials. Generation Y. Das sind diejenigen, die zur oder um die Jahrtausendwende geboren wurden, die also mit Beginn des 21. Jahrhunderts in die Schule kamen. Diese Generation, für die das ganze Digitalgeraffel der heutigen Tage völlig normal ist. Ein quasi nicht wegdenkbarer Teil der alltäglichen Welt.
Dabei haben die Eingeborenen der virtuellen Happeningwelt letztlich exakt dasselbe Problem, das viele Angehörige meiner und älterer Generation haben: Die Älteren gehen davon aus, daß alles immer so bleiben wird, wie es ist. Die Jüngeren, daß alles schon immer so war. Was natürlich völliger Unsinn ist.

Als ich neulich bei der Post am Schalter stand und eine Postleitzahl nachschlagen wollte, drückte mir die Dame hinterm Schalter ein ziemlich zerfleddertes Dingsbums in die Hand. Aus Papier. Mit der Begründung, im Computer nachsehen könne sie nicht mehr. Vor einer Weile ging das noch, aber inzwischen hat es wohl jemand für eine gute Idee gehalten, diese Information aus der Datenbank herauszunehmen.
Jedenfalls trat ich zur Seite, schlug das Postleitzahlenbuch auf, suchte die Stadt, fand sie Straße und nach etwa vierzig Sekunden war klar, daß ich die völlig korrekte Postleitzahl auf die Sendung geschrieben hatte.
Wozu bitte brauchten wir gleich noch mal Google, um banale Dinge nachzuschlagen? Dieses Buch – so sei für die Jüngeren erläutert – bestand aus bedrucktem Papier, sortiert nach dem System des sogenannten Alphabets, dessen fehlerfreie Beherrschung Voraussetzung zur Nutzung ist.
Im Grunde ist so ein Ding eine Datenbank, nur ohne Strom und Computer. Simples Userinterface, kann nicht abstürzen. Allerdings sind Updates einer gewissen Verzögerung unterworfen. Aber für diese Erfahrung gibt es ja heute Smartphones mit Android als Betriebssystem. Ach ja – ein Betriebssystem braucht dieses Buch auch nicht, es ist quasi multiplattformtauglich.

Bild 2: Was wir so hinterlassen werden
Da freuen sich die Nachkommen bestimmt drüber. Dabei sind Schulden nur ein winziger Bruchteil der Problematik. Vor allem einer, der gar nicht wirklich wichtig ist.
Cartoon von Robert Rich und Hedgeye

Wir haben vergessen oder verdrängt, woher die Dinge kommen. Wie unsere Welt eigentlich so geworden ist, wie sie ist. Oder wir machen uns einfach keine Gedanken darüber. Das ist ein prägender Fehler unserer Zeit.
Wir müssen uns in Erinnerung rufen, was geschehen ist. Denn nur, wenn wir den Weg verstehen, wissen wir, warum wir sind, wo wir sind. Und vor allem, wo zur Hölle wir falsch abgebogen sind und auf diesen Holzweg geraten, der im Sumpf endet.
Alles war schon in Bewegung, als ich geboren wurde. Der Dreck, der uns heute mit fortwährender Destablisierung der etablierten Klimamuster beglückt, stammt aus den Jahren 1950-1990. Dann kam Chinas Aufholjagd. Gut die Hälfte allen zusätzlichen Kohlendioxids, das Mensch in die Atmosphäre gekippt hat, stammt aus dem letzten Vierteljahrhundert. Dieses Zeug ist rein klimatechnisch noch gar nicht dazu gekommen, uns wirklich Ärger zu machen.
Als ich geboren wurde, stand die Uhr bereits auf fünf Minuten nach „Zu spät”. Und seitdem war das immer die richtige Uhrzeit für die menschliche Zivilisation. Zu spät.
Als ich zehn war, hatten die Arschlöcher den aktuellen Kurs der Welt bereits festgelegt und als ich zwanzig war, war es noch immer zu spät. Um etwas Entscheidendes zu unternehmen. Den Kurs der Zukunft, die unerbittlich auf uns zurollt, wirklich deutlich zu verändern.
Ich bin nicht schuld an irgendwas. Aber auf die Fresse kriegen werden wir dafür trotzdem von allen Seiten. Between a rock and a hard place. Generation Dazwischen.

14 Gedanken zu „Generation Dazwischen

  1. “Unser Sound war Shout”
    Nicht mit mir. Ich fand die Musik der 80er schon in den 80ern total Scheiße.
    Aber ich war auch ein Außenseiter. Mit 7, oder 8 Jahren hatte ich drei Lieblingsingles. 1. Beatles; Eleanor Rigby (Yellow Submarine) 2. Hendrix; All along the watchtower (Burning down the midnightlamp) 3. Luis Armstrong; Nobody knows the trouble i’fe seen (Go down moses)
    Man erkennt schon an den Titeln, daß meine Jugend nicht glücklich war.
    Immerhin wußte ich einen fetten Hammond-Sound dem elenden Gequieke der 80er vorzuziehen. Und nun wird mir der ganze Mist wieder unter die Nase gehalten. Weil Leute wie Du auf Bono stehen.^^ Obwohl das glaub ich nicht. Niemand mit Verstand mag das Arschloch Bono. Oder die asozialen Stones. Wie sagte Keith anno 2003 als es dem Irak an den Kragen ging?
    “Sie mögen keine Musik, sie mögen keine Frauen, macht sie fertig.”
    Oder so ähnlich.
    Musikgeschichte hat was perverses. Man muß sich vor Augen halten, dass es mit der Sklaverei anfing. Die afrikanischen Sklaven kamen in Amerika mit europäischen Instrumenten in Kontakt, und wußten damit etwas anzufangen. Am Anfang kamen die Natives, dann Gospel. Dabei ging es denen aber nicht um den biblischen Moses, sondern um eine schwarze Frau, die als Fluchthelferin tätig war. Deren Parole lautete; go down Moses. Alle alten Songs haben praktisch nur eine Aussage über die USA; nichts wie weg hier! Heute tun die Yankees so, als hätten sie die moderne Musik erfunden.
    Dann kam Elvis. Der Totengräber des RocknRoll. Er nahm die schwarze Musik, zensierte die Texte, und zähmte die Bestie RocknRoll für den amerikanischen weißen Zirkus. Genauso wie die Stones. Wenn Du mir das nicht glauben magst, dann frag David Godin. Nein halt, geht nicht, der ist 2004 gestorben.
    Ich selbst habe mir jahrzehntelang jeden Quatsch angehört, bis ich dann mit Anfang 40 meine Musik fand. In Youtube. Dafür ist die Seite wirklich gut.
    Piero Umiliani, Piero Piccioni, Armando Trovajoli. Von Umiliani ist der Titel, der für mich die Definition von guter Musik ist: Lady Magnolia.
    Selbstverständlich sind diese Künstler weitestgehend unbekannt.
    Alles andere wäre ja gerecht – und so gehts ja nicht.

    PS. Erinnerst Du Dich daran, dass ich mal von meiner jungen hübschen Freundin schrieb? 26 Jahre alt, und schwer verknallt in mich, der ich in Deinem Alter bin. Du warst etwas aufgebracht, weil Du Dich offenbar erfolglos um eine entsprechende Dame bemüht hattest.
    Nun, jetzt der Gag; meine Kleine ist ein Spitzel gewesen. Kein Witz. Die Bullen haben mir eine Venusfalle ins Bett gelegt um herauszufinden wie ich ticke. Weil ich nämlich ein Gefährder bin.
    Nur mal so als Hinweis was Du so falsch machen könntest. Oder ich. Je nachdem.

    • 1. The unforgettable fire ist eine der besten Scheiben der 80er.
      2. Ich mochte einen guten Teil der Musik der 80er auch nicht
      3. Wer Beatles nicht mag, hat eh gelitten

      Ich “mochte” Musiker noch nie in dem Sinne. Die machen Geräusche, und die finde ich geil. Oder eben auch nicht. Und Musikgeschichte? Ok, Rock’N’Roll. Ist geil. Aber Schütz! Palästrina! Tschaikowsky! Das ballert!
      Und ich bin übrigens kein Stones-Fan. Ich habe exakt Null Platten von denen. Aber das Zitat paßte halt gut 😀

      weil Du Dich offenbar erfolglos um eine entsprechende Dame bemüht hattest.

      Erfolglos kann man jetzt nicht zwingend sagen. Die Wiederholungsfrequenz ist der Knackpunkt. Und wenn du ein Gefährder bist und mir jetzt die Staatsstresser in meinen Blog lotst, werde ich sauer :p

      Nur mal so als Hinweis was Du so falsch machen könntest. Oder ich. Je nachdem.

      Du bist halt einfach nicht misanthropisch genug 😀

      • Du bist sicher solange Du nur sieben Fans hast.
        Werden es mehr biste Nazi.
        Werden es zu viele, dann machste den Herrhausen.

        Und ich werd dafür verknackt.

        • Also, siebenhunderttausend müßten es schon sein. Das reicht dann für Gemüsegarten mit Baumbestand und eigener Bambushütte drauf, plus Restgeld 😀

      • “Du bist halt einfach nicht misanthropisch genug”

        Will ich auch nicht sein. Ich habe Verständnis für jeden der so tickt, aber mir schmeckt der Gedanke nicht. Ich schwanke natürlich – immerhin lese ich regelmässig die News – aber bevor ich falle höre ich mir einfach Lady Magnolia an. Das hilft.
        Als ich noch einen Google-Account hatte, habe ich mal eine Playlist in Youtube zusammengestellt. Die gibt es noch.
        https://www.youtube.com/watch?v=aAanZ_A9g7E&list=PLuFYZ8dWFSstcuaPdLAVFq4Hu1jN4_laG
        Vielleicht gefällt Dir ja, was ein Gefährder so hört.
        Ich höre mir jetzt an was Schütz und Palästrina zu bieten haben. Da kenn ich mich wenig aus. Allerdings meine ich, dass vieles, das wir Klassik nennen, tatsächlich Pop ist.

  2. Aber eigentlich wollte ich schreiben, dass dies mal wieder ein besserer Artikel von Dir ist. Hat mir gefallen. Mach endlich Dein Buch verdammt nochmal.

    • Dann schreib das doch auch einfach. Und wenn ich das Buch mache, kann ich zwischendurch nicht bloggen. Verdammt nochmal!
      Dann sind meine sieben Fans wieder enttäuscht. Und wer kauft dann das Buch? 😀

          • Kraut-Fun-Ding klingt allerdings lustig. Ich sehe schon, ich werde mich mal dransetzen müssen. Ich habe irgendwo noch die ersten 50 Seiten dessen, was nie ein Buch wurde. Und die anderern 20. die so was wie ein erstes Kapitel zu einem sein könnten und dann ein Blog wurden.

            Ach, ihr macht mich fertig… 😀

  3. Heute hat die deutsche Polizei den Puigdemont einkassiert.
    Bei der Gelegenheit lernte ich, dass Bewohner der EU, in anderen Staaten der EU kein Asyl beantragen können. Mit einer Ausnahme: Belgien.
    Das führt mich irgendwie zu der Frage, warum wir überhaupt noch ein Asylgesetz haben. Wenn aus der Nachbarschaft niemand um Asyl bitten kann, und aus Ländern, mit denen wir keine Grenze haben, keine Asylanten kommen können, weil sichere Herkunftsländer und so, dann ist Asyl in Deutschland doch obsolet.
    Oder nicht?

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