Das blinde Bewußtsein

– I –

Vor dem Fall

,,Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Er kann denken. Er hat Bewußtsein seiner selbst.“

René Descartes

Ein Punkt, den wir Menschen möglicherweise vergessen haben, ist, daß unsere Zeit, unsere Lebensweise und unsere gesamte Zivilisation ganz genau so von Mythen beherrscht wird, wie das bei unseren Vorfahren vor zwei- oder dreihundert Jahrtausenden der Fall gewesen ist.
Woran also liegt es, daß wir Menschen im Alltag normalerweise nicht unterscheiden zwischen Kommunikation und Sprache – wobei dahingestellt bleiben mag, ob wir das in dem Moment nicht wollen oder nicht können?
Es ist derselbe Grund, der vermutlich fast jeden Leser der letzten Woche denken ließ: „Aber das ist doch etwas völig anderes“, als ich im Text erwähnte, daß ein Stein ein Werkzeug ist, aber eben auch ein Schmutzgeier Steine benutzt, um eine Eierschale aufzubrechen.
Es ist derselbe Grund, der gleichzeitig alle Leser hat beifällig nicken lassen, als ich direkt danach erwähnte, daß Feuer ja ein abstraktes Werkzeug ist, aber ein Stein eben etwas sehr Direktes, sehr Offensichtliches. Denn alleine durch die Formulierung bestimmter Sätze habe ich das Fundament bestätigt, auf dem wir alle heute zu stehen glauben. Mit dem Eingangssatz diese Artikels hingegen nicht, denn wie kann es sein, daß wir etwas mit den Typen von 300.000 vor Brian zu tun haben sollen?

Mensch errichtet in seinen immer weiter wachsenden Städten Gebäude, die der Schwerkraft zu widersprechen scheinen, Hunderte von Metern hoch. Die Kilometergrenze ist noch nicht erreicht, wird aber in allen Projekten größenwahnsinniger Baumeister rund um den Planeten angepeilt und auch überschritten. Logisch, kleiner bauen als der vorherige Rekordhalter kommt ja nicht in Frage. Womit auch bereits der einzige Grund genannt ist, warum derartige Gebäude überhaupt errichtet werden: Um zu zeigen, daß es möglich ist.
Im aktuell entstehenden Kingdom Tower sollen Büroflächen vermietet werden, dazu Appartements vermietet und – völlig innovativ – natürlich ein Hotel mit dabei sein.
Kein anderes Lebewesen baut Städte.

Es sei denn, man ist eine Ameise. Ein Ameisenbau ist in seiner Komplexität etwas, das wir Menschen noch gar nicht erbauen können. Im Grunde ist jeder Ameisenbau so etwas wie eine Arcology, also eine Stadt in Form eines Gebäudes. Man wird innerhalb dieses Gebäudes geboren, man lebt zwischen seinen Wänden und man stirbt darin, ohne daß die Notwendigkeit entstünde, es jemals verlassen zu müssen.
Ausnahmen bei den Ameisen sind nur die Gruppen, deren Aufgaben ein Verlassen des Baus unabdingbar machen.
Als Arbeiterin in der Königskammer – oder besser, der Königinnenkammer, da Ameisen immer von Frauen regiert werden – ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß ich jemals im Sonnenlicht der Außenwelt rumlaufen werde, ziemlich genau Null. Als Soldat und Türsteher arbeite ich den ganzen Tag draußen.
Die verdammten Kerbtiere haben also sogar ein Berufsleben. Mit täglichem Pendelverkehr zur Arbeit auch noch. Ob sie Streß mit dem jeweiligen Vorgesetzten im Büro haben, wissen wir nicht. Niemand hat meines Wissens die Ameisen jemals danach gefragt. Allerdings zeichnen sich Ameisenstaaten durch einen auffallenden Mangel an Papier aus.

Der zweite Mythos unserer Zivilisation: Menschliche Überlegenheit. Über alles. Natur ist nur ein Dingsbums.

All diese Dinge wollen wir Menschen nicht hören. Denn der eben gezogene Vergleich untergräbt, wie auch schon einige andere Formulierungen meinerseits, die zweite, zutiefst grundlegende, absolut fundamentale Überzeugung, auf der unsere aktuelle Zivilisation beruht.
Die Tatsache, daß wir heute Kommunikation und Sprache gleichsetzen, ist ebenfalls nichts weiter als ein Symptom für diesen bereits angesprochenen Fehler im Fundament. Denn Sprache ist eine menschliche Eigenschaft. Kommunikation hingegen nicht. Also macht uns Sprache einzigartig. Kommunikation tut das nicht. Das ist der zweite große Fehler im Fundament unserer heutigen Zeit: Der Mythos der menschlichen Einzigartigkeit.
Auf das Engste verwoben mit dem Narrativ, dem Mythos des Fortschritts, dieser Legende vom stetig besseren Morgen, die wir alle im Laufe unseres Lebens eingetrichtert bekommen haben, ist auch diese Überzeugung seit Jahrhunderten fest in unsere Gesellschaft eingebaut. Und ebenso wie der Mythos des Fortschritts erzählt auch der Mythos von der menschlichen Überlegenheit eine Geschichte, die in ihrem Kern nichts weiter ist als eine Lüge. Ebenso wie der Fortschritt ist die Legende von der Vormacht des Menschen falsch.

Der Fortschrittsmythos, inzwischen längst zur dogmatischen Religion des Fortschritts erstarrt, erzählt die Legende von der Bestimmung des Menschen. Alle Probleme, die das Universum uns so entgegenwirft, sind genau das: Probleme. Dinge, für die der menschliche Erfindungsgeist immer einen Ausweg finden wird.
Die Straße in die Zukunft, gepflastert mit technologischen Wundern ungeahnter Leistungsfähigkeit, kann niemals enden. Was immer geschehen mag, am Ende ist der Weg des Menschen vom Beherrscher des Planeten zum Beherrscher der Galaxis vorgezeichnet. Unaufhaltsam werden wir diesen Weg beschreiten und nichts wird sich uns dabei auf Dauer in den Weg stellen können. All das war vorherbestimmt in dem Moment, in dem auf diesem Planeten in einem Tümpel mit schleimigem Geblubber die allerersten Aminosäuren entstanden sind.
Als die Vorfahren des Menschen sich endlich – nach ein oder zwei Milliarden Bedenkzeit – eine zweite Zelle zulegten, lächelte eine wohlwollende Ursonne auf dieses Geschehen herab, die noch dabei war, ihre heutige Kraft zu gewinnen. Und die Sonne lächelte deswegen, weil sie genau wußte, daß in zweieinhalb weiteren Milliarden Jahren die Abkömmlinge spitznasiger, etwa mausgroßer Säugetiere Solarzellen erfinden würden, um ihre Zivilisation weiter anzutreiben.

Mensch ist zur Großartigkeit bestimmt, so erzählt es uns der Mythos des Fortschritts. Der Mythos der Einzigartigkeit erzählt uns hingegen, daß diese Größe völlig kostenlos für uns ist. Und wie sein Verwandter ist er überall.
Beide Mythen behaupten, daß es auf der einen Seite „Uns“ gibt. Auf der anderen Seite hingegen ist „alles andere“. Also das, was Mensch gerne mal als „Natur“ bezeichnet. Manchmal nennen wir es auch „Umwelt“. In diesem Wort schwingt zumindest noch mit, daß Mensch noch von etwas anderem umgeben ist. Aber auch hier wird geistig eine Trennung vollzogen zwischen „Mensch“ und „alles andere“.

Doch wodurch wird der Mensch eigentlich so einzigartig?
Denn es ist ja exakt diese Annahme, die uns alle letztlich mit der Überzeugung geimpft hat, daß nichts von dem, was Mensch so tut, irgendwelche Konsequenzen haben wird. Jedenfalls keine, die wir nicht durch mehr Technologie, durch Bewerfen mit mehr Geld, mit mehr Erfindungsreichtum wieder in den Griff bekommen werden.
In jeder Diskussion zu diesem Thema kommt sehr bald jemand und sagt: „Ach, ich bin sicher, die werden sich schon was einfallen lassen.“
Wobei die jeweils gemeinten „Die“ immer die Eigenart haben, eine irgendwie sehr diffuse Entität zu sein. Die Konzerne. Die Regierung. Die Eierköpfe im Labor irgendwo. Die halt.

Gut, Städte hat Mensch jetzt offenbar nicht erfunden. Auch nicht in Form einer Arcology, also der Stadt-Welt. Da waren die Ameisen wohl schneller. Auch diese Sache mit den Hochhäusern ist nicht zwingend eine menschliche Eigenart.
Wenn man nämlich keine Ameise ist, ist man vielleicht eine Termite. Die bauen ebenfalls recht beeindruckende Hochbauten. Und sie sind dabei besser als wir.
Denn die kleinen Biester benutzen grundsätzlich Material, das aus der lokalen Umgebung stammt, um ihre Wolkenkratzer zu errichten. Das ist eindeutig kosteneffizient. Da könnte Mensch für eine Elbphilharmonie glatt noch zwei Flughäfen extra bauen oder einmal Stuttgarter Bahnhöfe wieder ausgraben. Und dann hätten wir noch Geld übrig.
Außerdem sind Termiten schlauer. Die bauen nämlich einen guten Teil ihrer Gebäude in den Boden hinein, statt immer nur oben drauf zu bauen wie wir blöden Primaten. Zählt man dann aber noch diese anderen Stockwerke mit und bedenkt zusätzlich, daß ein Termitenhügel, also der oberirdische Teil, mehrfache Mannshöhe erreichen kann, dann schlägt uns Isoptera, so der wissenschaftliche Name dieser Insektenordnung, auch bei der Höhe ihrer Gebäude um Längen, wenn ich das mal so sagen darf.
Für einen echten Termitenhügel müßten menschliche Architekten eher an die zwei Kilometer Höhe rankommen. Mit nur einem Kilometer lachen uns die Termiteningenieure noch immer aus, da sind wir klar nicht konkurrenzfähig.

Bild 1: DAS ist mal ein echter Wolkenkratzer
Gegen diese Baukünste, sowohl in durchdachter Konstruktion als auch Größe, stinken menschliche Architekten vollkommen ab. Das Bild zeigt einen Termitenhügel im Litchfield National Park, Australien. Andreas Flacke, Fotocommunity

Überhaupt haben menschliche Bauwerke in diesem Moment mit einer ganzen Menge Unannehmlichkeiten zu kämpfen. Da wäre beispielsweise die Klimatisierung derartig gigantischer Kästen. Im aktuell höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa, könnte man keine Sekunde auch nur an Atmung denken, wäre die Hütte mit ihrer gigantischen Glasfassade nicht klimatisiert bis zum Abwinken.
Denn das Klima in Dubai mit seinen fünfzig Grad Tagestemperatur ist an dieser Stelle eine klare Empfehlung, eben keine gigantische Glasfassade aufzustellen. Aber wir Menschen haben in unserer Überlegenheit eben die Klimaanlage – wobei, da fällt mir gerade ein, daß Termitenbauten auch völlig gleichmäßig klimatisiert sind.
Die Tierchen mögen es nämlich auch nicht zu heiß oder zu kalt. Jetzt laufen menschliche Klimaanlagen mit Energie, die in den allermeisten Fällen aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Termitische Klimaanlagen laufen mit…ja, womit eigentlich?
Die Antwort lautet: Physik. Zwar haben Termiten keine Ahnung von dem Formelkram, aber das mit der Thermodynamik haben sie völlig verstanden. Denn unter der Erde ist ein Termitenbau kühler als an der Oberfläche, dazu kommen Unterschiede in der Luftfeuchtigkeit. Richtig gebaut und mit einem Netz an Kanälen durchzogen, erlauben diese Differenzen einen beständigen Strom der Luft von Punkt A nach Punkt B. Menschliche Architekten haben das noch nie richtig hingekriegt. Aber Termiten haben eben auch keine Kapitalgesellschaften, die Klimaanlagen verkaufen. Dabei könnten alleine die USA ihren Energiebedarf um geschätzte 20 Prozent verringern, wenn man in diesem Idiotenstaat einfach mal Häuser baute, die sich auch am örtlichen Klima orientieren und die dann auch noch keine künstliche Bewetterung brauchen.

Hier zeigt sich die Überlegenheit des Menschen in ihrer ganzen Pracht. Da wir ja der Natur überlegen sind, können wir nicht nur tun, was wir wollen, es hat auch niemals Konsequenzen. Wozu also die richtigen Häuser in der richtigen Art und Weise konstruieren, wenn man doch Klimaanlagen erfinden kann? Wir sind in unserer Großartigkeit nicht aufzuhalten. Gut, diese Dinger brauchen Strom, aber wen interessiert das? Die werden sich schon was ausdenken.
Wir haben unsere Existenz begonnen als irgendein grunzendes Dingsbums im Urschleim, als Teil von dieser komischen „Natur“. Aber die haben wir inzwischen erfolgreich überwunden. Mensch ist erwachsen geworden und hat sich von seiner Krippe emanzipiert.
Wir sind, so besagt unsere Erzählung, die einzige Spezies des Planeten, die jemals die Natur angegriffen und gewonnen hat.
Dabei kann ich mich häufig des Verdachts nicht erwehren, daß gerade solche Dinge wie Klimaanlagen sehr stark darauf hindeuten, daß irgendwas an dieser seltsamen Legende menschlicher Überlegenheit falsch sein muß. Gegenden wie Dubai oder der Süden der USA wären ohne diese künstlichen Hilfsmittel quasi unbewohnbar. Für Menschen jedenfalls. Alligatoren in den Sümpfen Floridas finden das Klima vermutlich ziemlich klasse.

„Aber“, so ertönt es aus den Heiligen Hallen der Wissenschaft, „aber Mensch ist die einzige Kreatur mit Sprache. Sprache macht uns einzigartig.“
Schon vor zig Jahren fielen mir in diesem Moment immer Bienenvölker ein. Denn ganz offensichtlich sind Arbeitsbienen sehr wohl in der Lage, ihren Genossinnen im Stock mitzuteilen, welches Futter man wo finden kann, in welcher Entfernung und wie denn die beste Flugroute so ist. Und – ach ja – ihr müßt euch beeilen, Kolleginnen, denn da schwirren schon ein paar Dutzend andere rum. Zeit ist Honig!
Bienen leben den gesamten warmen Teil eines Jahres von einem Fast-Food-Shop zum anderen. Blüten sind meist nur ein paar Tage verfügbar, die Konkurrenz ist groß, das eigene Volk auch.
Diese ganze Geschichte mit den Bienen, ihren Tanzaufführungen und der damit einhergehenden Kommunikation ist so komplex, daß kluge menschliche Wissenschaftler Jahrzehnte gebraucht haben, um überhaupt halbwegs dahinterzukommen, wie die ganze Sache funktioniert. Soviel Zeit hat eine Arbeitsbiene nach dem Schlüpfen nicht, denn die leben nur ein paar Wochen. Und Bienenvölker haben auch kein Sozialsystem mit Rentenansprüchen. Allerdings haben sie Klimaanlagen an besonders heißen Tagen: Sich selbst. Dann wird nämlich Luft durch den Stock gefächelt, mit Flügelarbeit.
Auch die eben schon erwähnten Ameisen reden miteinander. Allerdings verständigen die sich chemisch. Man betatscht sich gegenseitig mit Fühlern und stößt Duftwolken aus, etwa so wie eine bunt zusammengewürfelte Menschenmenge im Zigarettenrauch und Schummerlicht an einem Bartresen. Die riechen ja auch nach einer Weile recht lustig, manche schon beim Reinkommen.
Ameisen haben den ganzen Unsinn mit der Zivilisation, die zu Kneipen, Zigaretten, Rauchverboten, Bierbrauern, Feierabenden, Wirten und ihrer Kundschaft führt, einfach weggelassen und haben sich gleich gedacht: Wenn wir uns schon riechen können, dann machen wir doch gleich eine Sprache daraus.
Und es funktioniert ganz prima. Wer schon mal beim gemütlichen Dinieren auf der grünen Wiese von einem Kundschafter als interessante Sehenswürdigkeit am Ende einer Ameisenstraße markiert worden ist, weiß ganz genau, das die Methode der Verständigung mit Chemie besser funktioniert als eine Menschenkette, die „Stille Post“ spielt.

Es gibt übrigens diverse Forschungsergebnisse, die nachweisen, daß auch wir Menschen einen jeweils individuellen Körpergeruch haben. Dieser wiederum entspricht auch irgendwo unserer genetischen Kombination, als deren Verpackung wir nun einmal so herumlaufen. Und völlig überraschend stellte sich heraus, daß wir unseren jeweiligen Partner für eine potentielle Vermehrung sehr stark nach dem Geruch aussuchen. Es stellte sich außerdem heraus, daß Mensch damit automatisch einen Partner aussucht, der sich von ihm möglichst stark genetisch unterscheidet. Was nicht heißt, daß nicht beide Pasta mögen können oder Musik, die auf Vinyl gespeichert ist statt digital. Aber diese Auswahlmethodik sichert eine möglichst hohe Rekombinationsrate, um das Ganze mal biologisch auszudrücken.
Wir können daraus für das Zusammenleben mit anderen Exemplaren unserer Spezies folgende Schlußfolgerungen ziehen:
Erstens, der altbekannte Ausdruck „Jemanden gut riechen können“ hat sehr viel mehr Wissenschaftlichkeit, als man das vielleicht gedacht hätte.
Zweitens, wer sich gerade auf der Suche befindet, sollte das nicht unbedingt in der Sauna tun oder bei einer Gelegenheit, bei der wir Menschen üblicherweise unseren Geruch gerne mit Duftwässerchen verschiedenster Art überkleistern.
Der beste Ort für eine erfolgreiche Partnerwahl ist möglicherweise die Menschenmenge vor der Konzertbühne, wenn alle sich bewegen, jede Menge Wärme von den Primaten produziert wird und alle so richtig ungesund und fies vor sich hin schwitzen. Oder im Biergarten nach Feierabend an einem schönen schwül-warmen Sommertag, wenn die Gästeschar noch aus Leuten besteht, die erst noch nach Hause fahren und duschen wollen, nicht denen, die später von dort kommen.
Ach ja – Schwimmbäder sind damit auch generell zur Partnerwahl ungeeignet. Badeseen hingegen können funktionieren.

Sprache. Architektur. Zusammenarbeit. Kommunikation. Chemie. Auf keinem dieser Gebiete ist Mensch besonders gut, geschweige denn einzigartig.

Auch Falter verständigen sich chemisch. Und das dann dergestalt, daß ein einziges Duftmolekül von einem Faltermännchen in einer lauen Sommernacht noch über mehrere Kilometer wahrgenommen werden kann. Vor allem ist das kleine Vieh dann in der Lage, daraus einen Kurs zu errechnen, der zum Ziel führt. Aber wir Menschen haben teure Sensorentechnik erfunden, um in Chemiewerken und anderswo nach Dreck in der Luft zu suchen, den wir dort nicht haben wollen. Vielleicht hätten wir einfach mal nach der richtigen Sorte Nachtfalter suchen sollen.
Die Reihe geht noch weiter. Wir wissen von Walen, daß sie sich mit ihren Gesängen über Tausende von Kilometern verständigen können. Und das tun sie dann auch. Nicht alle Wale singen, aber einige. Elefanten verständigen sich mit Infraschallschwingungen. Schon in einer Fernsehserie meiner Kindheit mußte sich ein Delphin namens Flipper von einer nervtötenden Göre mit einer Fahrradhupe aus dem Wasser rufen lassen. Wäre Flipper nicht ein so trefflich abgerichtetes Fernsehtier gewesen, hätte er den kleinen Bud Ricks vermutlich gerne gefressen. Übrigens war es eigentlich Flipperine, denn die delphinischen Hauptdarsteller, die man erst gefoltert und dann einer Gehirnwäsche unterzogen hat, waren meines Wissen allesamt weiblich.
Ich wäre also sehr vorsichtig, wenn ich mit dem Katamaran zufällig gerade über den Pazifik segle und dabei in eine Delphinschule hineingerate. Es könnte sein, daß das fröhliche Gezwitscher, das meine Seemannsohren zu hören bekommen, übersetzt soviel bedeutet wie: „Blutige Rache für Flipper! Versenken wir den Mistkerl!“
Wobei Flipperine sicherlich anders hieß unter ihresgleichen. Aber wir haben die Delphine halt nie gefragt.

„Aber“, so tönt es aus den Heiligen Hallen der Wissenschaft, „aber nur menschliche Sprache hat Gedichte erschaffen. Verse geschmiedet. Nur menschliche Sprache hat Philosophie erschaffen und in wissenschaftlichen Essays das Wesen der Welt festgehalten.“
Meine Antwort darauf wäre ein klares: „Nö. Hat sie nicht.“
Denn wir wissen gar nicht, was Delphine, Wale oder Elefanten so zwischendurch bereden. Weil wir es nicht verstehen. Was wenig verwunderlich ist, denn meist hören wir ja nicht einmal zu. Vielleicht sind die Schallwellen, die ein Buckelwal über dreitausend Kilometer durch den Ozean jagt, so etwas wie ein japanisches Haiku oder das Gegenstück zu Homers Ilias. Woher zur Hölle wollen wir das wissen?
Was diese wissenschaftlichen Essays angeht, so sind sie sehr oft ein prima Beispiel dafür, wie Mensch am wahren Wesen der Welt wieder einmal haarscharf völlig vorbeisieht. Denn es gibt ein Lebewesen, das liebend gerne von den Labornerds völlig übersehen wird, was seine Rolle auf der Bühne angeht: Homo sapiens sapiens nämlich.
Wir Menschen betrachten uns als Krone der Intelligenz auf der Erde, weil wir die einzigen sind, die derartige Kriterien aufstellen, katalogisieren und quantifizieren. Oder sich zumindest einbilden, das überhaupt zu können.
Auch ein Kriterium, das von menschlichen Wissenschaftlern gern angeführt wird, um die menschliche Überlegenheit zu begründen: Das menschliche Gehirn und seine phantastische Intelligenz.
Dummerweise ist das Nervenkostüm so mancher Kalmare und Tintenfische deutlich dichter geflochten als das eines jeden Menschen. Denn diese Viecher können sich nicht nur prima tarnen – wer hat nicht schon mal in einer Naturdoku gesehen, wie sich so ein Kopffüßer in einen tangbewachsenen Stein verwandelt – sie haben eine komplexe Sprache. Einige Kalmararten verständigen sich mit Lichtsignalen, die sie in ihrer Haut ablaufen lassen. Daher auch die hohe Komplexität des Nervengewebes in diesen Tieren. Denn die Poren in der Haut, die ihnen ihre Tarnungen ermöglichen, die sogenannten Chromatophoren, sind willentlich und einzeln ansteuerbar.
Das ist etwa so, als würde die Angebetete abends vor dem Ausgehen vor dem Spiegel stehen und ihre Lider in verschiedensten Tönen färben, ohne dabei einen Pinsel und Schminkutensilien zu benutzen.

Nein, was immer die Einzigartigkeit des Menschen ausmachen soll – sein Gehirn oder das Vorhandensein von Sprache sind es eher nicht. Überhaupt wird das Vorhandensein von Gehirnen stark überschätzt, da muß man sich nur mal in der Politik umsehen.
Abgesehen von Politikern gibt es da aber beispielsweise auch noch die Cnidaria. Das ist wissenschaftlich für Nesseltiere, also solche Dinge wie Seeanemonen. Eine Unterabteilung dieses Stammes sind die Quallen, die in Form von Würfeln oder Scheiben durch die Ozeane driften und es sich gutgehen lassen. Die Nesseltiere sind um die 500 Millionen Jahre alt, auch Quallen kommen problemlos auf über 300 Millionen Jahre. Das bedeutet, diese Lebewesen haben bereits existiert, bevor an Land die Blütenpflanzen erfunden wurden oder die Insekten. Quallen haben mit Sicherheit niemals philosophische Abhandlungen geschrieben. Aber das hat diese Viecher auch niemals im Geringsten gestört. Denn Quallen bestehen zu gut 98 Prozent aus Wasser, haben quasi keinerlei Nervensystem, das groß erwähnenswert wäre und auch sonst ziemlich nichts von diesem modernen Schnickschnack, den die Evolution später überall eingebaut hat. Und es geht den Quallen total am Arsch vorbei. Beziehungsweise, es ginge, wenn Quallen denn ein derartig spezialisiertes Organ besäßen.

Ich habe persönlich einen Verdacht, was die Einzigartigkeit des Menschen angeht. Sie existiert gar nicht. Wir Menschen haben diesen Mist erfunden, um uns von der „Natur“ abzugrenzen, die nicht etwa unsere „Umwelt“ ist – sondern nichts weiter als unsere Welt.
Jeder amerikanische Camper, der gerade mit seinem acht Tonnen schweren Laster ins Grüne fährt, in dem er ohne Klimatisierung, das Satellitenfernsehen, die Mikrowellen-Popcorn und dem mit Dosenbier und Pizza gefüllten Kühlschrank nicht für eine Sekunde überleben könnte – und auch nicht wollte – sagt mir mit absoluter Deutlichkeit, daß die Einzigartigkeit des Menschen lediglich in seiner abgrundtiefen Dummheit besteht. Und das alles, was wir Menschen erfunden haben oder als tolle Erfindung proklamieren, gerne darauf hinausläuft, uns möglichst weit von dieser „Natur“ zu entfernen, mit der wir nichts zu tun haben wollen. „Natur“ ist total Bäääh!

Bild 2: Unschlagbare Architektur
Nichts, was Menschen erschaffen könnten, kann sich am Ende mit dem messen, was die Erde binnen weniger Tage hinkriegt, wenn im Gebirge Frühling aufkommt. Oder in ein paar Millionen Jahren, wenn man die restliche Landschaft in Betracht zieht. Solche Dinge stellen das Supremat des Menschen in Frage. Deswegen mögen wir solche Anblicke nicht und haben die „Natur“ erfunden.
(Screenshot aus der BBC-Serie „Planet Earth II – Mountains“)

Es gibt einen Punkt, der den Menschen wirklich einzigartig macht. Mensch ist tatsächlich das einzige Lebewesen, das es hingekriegt hat, sich nicht als integralen Bestandteil der Welt aufzufassen.
Unter anderem auch wegen der Schriften gewisser hochgeistiger Philosophen, die immer wieder als Beweis für die menschliche Überlegenheit herangezogen werden. Es ist schwer zu sagen, wo genau diese geistige Mißbildung eigentlich ihren Anfang nahm, aber anhand von Götterbildern läßt sich das womöglich nachvollziehen. Griechische, römische, sumerische, babylonische oder andere Götter waren immer ganze Gruppen, die untereinander oft in Zank und Streit lagen und auch nicht vor ein wenig Mord und Totschlag zurückschreckten. Arbeitsteilige Typen, die sich auch mal irren konnten, den falschen Sterblichen mit einem Blitz grillten, eifersüchtig waren oder sogar eben am Ende sterblich.
Dann kam irgendwo irgendwer auf die Idee, daß man das ja alles von einem Gott erledigen lassen könnte. Der dann natürlich allmächtig sein muß, sonst kann er ja den Job überhaupt nicht ausführen. Sehr bald kommen dann natürlich noch Anforderungen wie Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit ins Jobprofil, ist ja logisch. Der jüdische, christliche oder islamische Monotheist läßt seinem Gott doch von einem windigen Typen wie Prometheus nicht das Feuer klauen! Das kommt aber überhaupt nicht in Frage!
Wobei ich gerade in der Bibel, diesem angeblich heiligen Buch der Christen, auch einen starken Hang zur Theatralik in Verbindung mit Feuer feststellen muß. Der brennende Dornbusch. Die Auslöschung von Sodom und Gomorra. Die Feuersäule, die dem verlorenen Volk den Weg durch die Wüste zeigt. Wobei sich der allmächtige Gott als ziemlich miserables Navi erweist, denn die Israeliten latschen insgesamt 40 Jahre hinter der blöden Feuersäule her. Ich hätte meinem auserwähltem Volk einfach gesagt: „Latscht ihr mal die Küste entlang, ist am einfachsten. Und wenn der Pharao euch verfolgt, werde ich ihm den Arsch grillen.“
Da hätte man sich den ganzen Wüstenblödsinn, das goldene Kalb und noch einiges mehr ersparen können und wäre aber von der göttlichen Performance her sowas von angebetet worden, behaupte ich mal. Auch dieses Berge besteigen und wieder Runterkommen mit 10 Geboten ist nur was für Anfänger. Besonders dann, wenn man dem ausgewählten Propheten auch noch Regeln für die Durchführung der Sklaverei in die Hand drückt, nachdem man dessen Volk gerade aus der Sklaverei befreit hat.

Wie man relativ leicht erkennen kann, sagt die Entwicklung monotheistischer Religion eine ganze Menge über die Auffassung der jeweiligen Menschen über die Welt aus. Mensch hat sich allmächtige Superdupergötter erschaffen, um damit rechtfertigen zu können, daß er – als göttlich erschaffener Stellvertreter – mit dieser Welt machen kann, was er will. Und der aktuelle Zustand der Welt zeigt uns klar und deutlich, wohin diese geistige Macke uns alle geführt hat und führen wird.

Während sich unsere Wissenschaften noch krampfhaft bemühen, alles als nicht wirklich relevant darzustellen oder aufzufassen, was nicht von Menschen erschaffen wurde, finden andere Wissenschaftler heraus, daß sogar Bäume sich untereinander verständigen, wofür sie von den „echten Wissenschaftlern“ massiv ausgebuht werden. Es kann nicht sein, daß Bäume kommunizieren, womöglich noch über Dutzende Kilometer hinweg. Die ersten Arbeiten hierzu stammen aus den 80er Jahren. Pflanzen, die sich unterhalten? Das wurde ganz schnell in die Esoterik-Ecke geschoben, damit man es auslachen konnte.

Mensch weigert sich seit Jahrhunderten, Teil der Welt zu sein. Irgendwo ist da etwas falsch gelaufen. Wir sind falsch gelaufen. Es wird schwierig sein, den Fehler zu korrigieren.

Ein Wissenschaftler nannte das ganze eine „foolish distraction“, also eine närrische Ablenkung. „Ablenkung wovon?“, hätte ich da gerne zurückgefragt.
Es wurde auch argumentiert, die Frage, ob Pflanzen sich jetzt unterhalten können oder nicht, sei völlig irrelevant für den „Krieg zwischen Pflanzen und Käfern in der realen Welt“.
Was seltsam ist, denn gerade dann hätte ich mich doch dafür interessiert, wie die beiden Kampfgruppen – die Bäume und die Käfer – sich koordinieren. Es sei denn, man ist der festen Überzeugung, daß solche Lebewesen sich gar nicht „organisieren“ können, weil das eine menschliche Eigenschaft sein soll. Oder wenn man womöglich der Auffassung ist, diese Lebewesen wären eben einfach nur – Dinge.
Eine weiterer Vorwurf war, daß diejenigen, die sich über Pflanzenintelligenz unterhalten wollten, eindeutig unter „Überinterpretation von Daten, Teleologie, Anthropomorphisierung, Philosophieren und wilder Spekulation“ leiden müßten.
Eine Symptomatik, die den anerkannten Wissenschaften natürlich vollkommen fremd ist. Ein schon aufgrund seiner Wortwahl als extrem wissenschaftlich zu erkennender Einwand, der allerdings übersetzt lautet: „Ich will mich darüber nicht unterhalten, das paßt nicht in mein Weltbild“.
Das ist aber, vom kühlen Standpunkt tatsächlicher Wissenschaften betrachtet, eine eindeutig nicht wissenschaftliche, man könnte sogar sagen, religiös-dogmatische Haltung. Echte Wissenschaftler hätten sich mit den gesammelten Daten mal auseinandergesetzt. So weit dann auch zur unbedingten Nützlichkeit von Sprache zur Übermittlung unverfälschter Information. Der Mann, der all diese Bemerkungen für seine Arbeit ertragen mußte, heißt übrigens David Rhoades, ein Zoologe an der Universität Washington.
Auf jeden Fall verschwanden solche Arbeiten sehr schnell wieder im Giftmüllkeller der Wissenschaften, hinter der abgeschlossenen Tür mit dem Zettel dran: „Achtung, Tiger!“.
Aber es gab immer wieder Leute, die sich damit beschäftigten und irgendwann genügte es nicht mehr, diese ganzen Typen einfach als „Baumknutscher“ abzukanzeln. Denn dummerweise reden Bäume tatsächlich miteinander. Irgendwann bekam dieser Bereich dann sogar einen Namen, das läuft nämlich heutzutage unter „Bioakustik“.

Inzwischen ist längst klar, daß Bäume sich tatsächlich verständigen können. Irgendwer wird von einem Käfer oder einer Raupe angenagt und prompt verbreiten sich in einem kanadischen Wald ganze Wolken aus Duft- und Signalstoffen, die dazu führen, daß auch andere Bäume so etwas wie eine Fraßschutzchemikalie in der Rinde oder ihren Nadeln oder Blättern produzieren, um sich für den Schädling ungenießbar zu machen. Wenn das mal kein zielführendes Gespräch ist, weiß ich aber auch nicht.
Eine Pflanze wie der hundsgewöhnliche Mais, der auch hierzulande wächst, hat ein Problem mit einem Schädling, dem Heerwurm. Dieser Parasit bedroht derzeit die Ernte in Afrika und könnte in der globalisierten Gesellschaft auch bald nach Europa eingeschleppt werden.
„Wir können ihn nicht bekämpfen!“ rufen die Experten. Erstaunlicherweise kann der Mais selber das aber schon, er kann nämlich sogar mit Insekten reden. Denn es gibt eine Wespenart, die den Heerwurm offenbar recht lecker findet. Und wenn der Mais chemisch um Hilfe ruft, dann lockt er damit die Wespe an, die den Wurm bekämpft. Das klappt natürlich nur dort, wo sowohl Mais als auch Wespe heimisch sind, also in Amerika. Aber vielleicht wäre das ja ein Tip für die Experten.
So weit dann zum Krieg zwischen Pflanzen und Käfern und der Relevanz von Baumknutscher-Forschung für die „reale Welt“. Tatsächlich kommunizieren Pflanzen nicht nur untereinander, sondern neben Wespen auch mit Ameisen. Oder Mikroben. Oder Motten. Oder Kolibris.

Es stellt sich inzwischen heraus, daß Pflanzen womöglich sogar lernfähig sind. Aber da kommen aktuell wieder alle Wissenschaftler aus den Löchern und lachen drüber. Denn nur Tiere können lernen, weil…nun ja…also…eben nur Tiere lernen können. Weiß doch jeder. Tautologie ist in solchen Momenten immer extrem beliebt.*
Pflanzen können, nun…Pflanzen können eventuell „Anpassungen entwickeln“, sagt die verzweifelt mit den Armen wedelnde Wissenschaft des Abstreitens. Aber auf keinen Fall lernen sie.
Was nicht erwähnt wird in solchen Momenten, ist die Tatsache, daß auch Lebewesen „Anpassungen entwickeln“, und zwar innerhalb kurzer Zeit. Kinder beispielsweise entwickeln die Anpassung des Sprechens und des Lesens, wenn die Eltern sich mit ihnen unterhalten oder ihnen was vorlesen. Nur sind wir dann eben wieder beim Lernen.
Ein besonders wissenschaftlicher Einwand an dieser Stelle lautet: „Wir müssen darüber nicht diskutieren, denn egal, was es ist, es kann kein Lernen sein.“
Auf die Frage nach dem Warum ist die Antwort dann: „Weil es kein Lernen ist.“
Gelobt seien die Sternstunden der Tautologie in solchen Momenten.

Dinge wie eine Mr Rhoades muß sich auch eine Frau namens Monica Gagliano  anhören, die sich mit Pflanzenphysiologie und Evolutionsökologie beschäftigt und ihre Experimente u. a. mit Mimosen durchgeführt hat, an der Universität von Westaustralien. Ms Gagliano beschäftigt sich mit der Lernfähigkeit von Pflanzen, hat aber für die aktuelle Arbeit noch keinen wissenschaftlichen Verlag zur Veröffentlichung gefunden.
Gagliano sagt selbst, daß die Prüfer der Verlage kein Problem mit den Daten gehabt, sondern sich über die Sprache beschwert hätten, die sie zur Beschreibung der entdeckten Phänomene benutzt. Aber sie stellt sich auf den Standpunkt, daß man Dinge eben gleich beschreiben muß, um sie vergleichen zu können.
Ein Kollege von ihr, ein Mann namens Ted Farmer, sieht das anders und sagt:

„Wir werden ihnen [den Pflanzen] nicht gerecht, wenn wir ihre faszinierende, fremdartige Biologie in menschliche Begriffe kleiden.“

Vielleicht hat Mr Farmer aber auch nur Sorgen, nicht veröffentlicht zu werden, wenn er von elektrischen Pulsen spricht und einem

„Signalsystem zur Informationsübertragung, basierend auf Spannungsunterschieden, das in unheimlicher Weise an ein tierisches Nervensystem erinnert.“

Wenn etwas ähnlich funktioniert und ähnliche Aufgaben erfüllt  oder sogar gleiche – warum haben Pflanzen dann kein Nervensystem, das man auch so nennen darf?
Weil nur Tiere so etwas haben, denn nur Tiere haben so etwas.
Das ist dann so wie die unbedingte Unterscheidung zwischen Kommunikation und Sprache. Sprache ist eben kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen.
Sie ist sogar nichts weiter als eine Unterabteilung von Kommunikation, und nicht einmal eine zwingend notwendige, denn Quallen reden nach bestem Stand des Wissen kein Wort, sind aber trotzdem erfolgreich.
Das Sprache etwas Besonderes ist, ist eine Behauptung und schlicht Teil der Lüge der Überlegenheit. Außerdem paßt die Behauptung zum Mythos des Fortschritts. Wie letzte Woche erwähnt, konnte Mensch natürlich längst kommunizieren, bevor er sprechen lernte. Sprache ist neuer. Also muß sie besser sein. Alles Neue ist besser.

Die entscheidende Frage ist nicht wirklich, ob Pflanzen lernfähig sind, ist manchmal mein Eindruck. Die entscheidende Frage ist, ob ein Großteil der heutigen Wissenschaftler lernfähig ist. Oder ein Großteil der heutigen Zivilisationsmenschen. Wie sind wir nur auf diesen seltsamen Holzweg geraten?

 


* Logische Tautologie ist gemeint, nicht die linguistische mit dem weißen Schimmel.

Diverse Zitate aus dem Text und die Geschichte mit dem Mais, der Wespen als Kavallerie einsetzt, stammen aus dem Artikel „How plants secretly talk to each other“, den man HIER finden kann.

8 Gedanken zu „Das blinde Bewußtsein

  1. erstmal: sorry für das „du“ in meinem vorherigen kommentar.
    mein lieblings gedankenspiel:
    die gedanken sind frei, alles ist möglich. stellen sie sich folgendes vor: sie begeben sich in irgendeinen teil der welt, zu vor nicht allzu langer zeit, wo noch keine menschen seele einen kontakt hatte mit auswirkungen der sogenanten westlichen „zivilisation“. sie beobachten einen stamm menschen dort. sie warten, sie sehen einen einzelnen MENSCHEN dieses stammes wie er sich vom lager entfernt und auf der suche nach irgendwas begibt. sie folgen ihm, warten bis er wirklich ganz alleine ist.
    die gedanken sind frei, alles ist möglich! sie betäuben ihn und teleportieren ihn auf die hauptverkehrkreuzung irgendeiner großstadt hierzulande. oder von mir aus auch doofland usa.
    der typ sieht zum ersten mal in seinem leben rechte winkel, absolut ebene flächen wo irgendwelche wesen die so aussehen wie er, aber in komischen „bekleidungen“ in für seine verständniswelt nicht zuzuordnenden „hüllen“ sich befinden und unter einer nicht bekannten geräuschkulisse mit aberwitziger geschwindigkeit durch die gegend wetzen. er sieht „vögel“ am Himmel ohne flügelschlag.
    usw.
    die gedanken sind frei, alles ist möglich.
    der typ überlebt irgendwie die ersten 10 minuten ohne komplett durchzudrehen. sie betäuben ihn wieder und teleportieren ihn genau dahin zurück, wo sie ihn entführt haben.
    wenn dieser typ nach hause kommt und erzählt was ihm gerade passiert ist, was denken sie, was sein stamm von diesem MENSCHEN hält?
    die halten ihn für komplett durchgeknallt. nichtsdestoweniger IST es passiert.

    was ich nicht mehr verstehe ist die blindheit was KOMMUNIKATION wirklich bedeutet, sprich:
    jeder mensch lebt in einem bestimmten umfeld. das gehirn lernt konkret in form von neuronalen verknüpfungen, die sich aus den reizen der jeweiligen umgebung ergeben. deshalb hat es unsere art und weise die dinge wahrzunehmen u. a geschafft auf den mond zu fliegen. wertneutral formuliert eine beträchtliche leistung.
    preisfrage 1: mit welchem recht sprechen WIR diesen MENSCHEN jedwede vernunft ab, wenn sie uns erzählen, daß sie:
    – ihre ahnen um rat fragen
    – mit baum/ tier/ sonstwelche geistern kommunizieren
    – das mit hilfe irgendwelcher rituale zustande bringen
    – usw?

    es ist erwiesen das wir nur mit einem teil unseres gehirns denken. es gibt hauptfelder und vieles ist noch unerforscht aber es gibt hauptfelder. wenn man sich einen kreis vorstellt funktionieren und denken und WAHRNEHMEN wir z. b. hauptsächlich im mittelfeld, tendenz nach rechts, links, je nach kulturkreis aber alles z.b. im oberen quadranten. welche wahrnehmung der welt hätten wir im unteren feld, ganz unten links? oder rechts unten?
    (anmerkung: beim sogenannten erleuchtungszustand samadhi ist es wissenschaftlich erwiesen, das die betreffenden probanden mit ALLEN gehirnzellen gleichzeitig denken, stelle mir die wahrnehmung der welt daraus äußerst interessant vor.)
    ich behaupte, das unser gehirn ein 1a instrument ist, um in der jeweiligen umgebung zurechtzukommen, weil es seine reize aus der jeweiligen umgebung empfängt und daraus lernt.
    das wird unsere WAHRHEIT, aus der wir ALLES ableiten. man kann sich das mit einem radio vergleichen: wir funktionieren so um die frequenz 102 und hören nur pop, rock usw. was auf 92,5 los ist …. keine ahnung, kein empfänger, nicht gelernt.

    ich mag diesen blog sehr. ich mag auch wissenschaft sehr. das ist eine art die dinge wahrzunehmen aber eben auch nur eine. hat uns vieles beigebracht aber vieles eben auch nicht wie sie es in diesem gelungenem beitrag rübergebracht haben.
    die von ihnen gebrachten tierbeispiele haben alle eines gemeinsam: sie verfügen über keine wissenschaft. sie WISSEN. woher?

    was ich hier gerne rüberbringen möchte: ihnen ist ihre akademische vergangenheit hier ganz klar herauszulesen. alles sauber recherchiert, fakt auf fakt, logisch usw. es kommt aber auch eine ganz klare fassunglosigkeit über die hier herschenden zustände rüber.
    preisfrage2: sie selbst, wie auch ich und alle eventuellen leser dieses kommentars sind nunmal HIER unter DIESEN bedingungen großgeworden, sprich unter den bedingungen die unsere jetzigen massiven probleme verursachen und unser denken, die dinge wahrzunehmen und probleme anzugehen bestimmen, bewußt oder unbewußt.
    wenn wir die gleichen (oder die selben, ich kann mir das nicht merken) denkmuster/ gehirnareale benutzen um aus diesem DILEMMA !!! (hatten sie schonmal irgendwo 🙂 erwähnt), welche aussicht auf erfolg hat das wohl?

    ich möchte hier nochmal gerne empfehlen:
    – robert m. pirsig: „zen und die kunst ein motorrad zu warten“ (zäh zu lesen)
    – außerdem: bruce lipton: „intelligente zellen“

    das hier ist als konstruktiver beitrag gemeint.
    danke für diesen block, ihre gehirnareale funktioklappen in dieser hinsicht wunnebar:)

    danke!

    • erstmal: sorry für das „du“ in meinem vorherigen kommentar.

      „Du“ oder „Sie“ geht völlig in Ordnung von meiner Seite. Das ist hier nicht fest geregelt.

      wenn dieser typ nach hause kommt und erzählt was ihm gerade passiert ist, was denken sie, was sein stamm von diesem MENSCHEN hält? die halten ihn für komplett durchgeknallt

      Und daheim berichtet er von Menschen in Kisten, die sich damit zu anderen Kisten bewegen, in denen sie wohnen und die kleinere Kiste stellen sie in eine größere und in den ganz großen Kisten sitzen sie den halben Tag und tun unverständliche Dinge, bei denen sie sich meist nicht bewegen. HiHiHi…

  2. ergänzung:
    unsere art die dinge wahrzunehmen hat uns dazu befähigt z.b. auf den mond zu fliegen, oder auch wie usain bolt die 100m in 9,blitz zu laufen. die meisten leute die hierzulande rumlaufen können das nicht. beides nicht, weder ausführen noch verstehen wie das geht. da waren spezialisten am werk die unsere kultur hervorgebracht hat.
    –> es gibt wie in jeder kultur einen geschätzen haufen von 99,bla% die einfach nur leben, und demzufolge 0,00irgenwas% die „was reißen“.
    in tibet z.b. gibt es oder gab es eine andere kultur, nein ich bin kein buddhist. nichtsdestotrotz gebietet es mir meine logik zu respektieren, daß auch dort ebenso wie hier die allermeisten menschen ein blabla leben geführt haben, es aber eine ganz kleine anzahl von MENSCHEN in der eigenart ihrer kultur derart spezialisiert haben, die WIR uns nicht VORSTELLEN können, wahrnehmung, gehirnareale und so…
    wenn diese menschen uns erzählen, welche phasen das sterben/der tod hat, welche möglichkeiten sich daraus ergeben, widergeburt usw…
    zu ALLEN zeiten haben die leute an irgendwas geglaubt. in australien ist es eine schlange, in afrika irgendwas anderes, dito südamerika, nord, eskimos, egal wohin man geht. erst seit der sogenannten aufklärung oder was weiß ich wann kurz davor/ danach, was auf der zeitskala noch nichtmal ein fliegenschiß ist, hat sich das in unserer so wundertollen sich selbst gegen die wandfahrenden westlichen welt geändert.

    welche konsequenzen ergeben sich daraus, was haben wir hier evtl. verloren?
    sie prangern zu recht die ignoranz der wissenschaft in diesem beitrag an und fragen sich zu recht wie das sein kann.
    wandel fängt im kleinen an und ich lade sie hiermit dazu ein, sich selbst zu fragen, wie festgefahren in ihren denkmustern sie selbst sind bzw welche erkenntnisse sie nicht bereit sind zu akzeptieren.
    mit großem respekt, st

    • sich selbst zu fragen, wie festgefahren in ihren denkmustern sie selbst sind bzw welche erkenntnisse sie nicht bereit sind zu akzeptieren.

      Das frage ich mich regelmäßig. Ist anstrengend. Und ja – manche Dinge akzeptiere ich nicht. Wenn mir beispielsweise jemand etwas von einer 6000 Jahre alten Erde erzählen möchten oder ähnlichen Unsinn 😉

      • Jenau. So wird das sein. Sagt Ray Kurzweil ja auch. Wir laden unser Bewußtsein mal kurz in die Cloud hoch, während die Naniten unseren neuen Körper basteln. Aber ganz sicher.
        Heute morgen auch wieder in meinem Radio – und auch gestern auf SPON. Oder ZON? Egal.

        Jednefalls: Forscher bauen Kunstsonne aus großen Glühbirnen, um mal so richtig glühen zu können. Natürlich tausendfach stärker als die Sonne, is klar. Denn wir sind Götter. Sagen die Nerds. Und das ganze Theater, um irgendwie CO2-Moleküle mit was nderem zusammenzustricken für – umweltfreundlichen Sprit. Für FLugzeuge.

        Ich so: BwaHaHaHaHa.
        Mythopolis pur.

    • Gut, so generell finde ich Autos unter der Erde als Idee ganz in Ordnung. Dann kann ich oben drüber endlich in Ruhe Rad fahren.
      Aber ist doch schön: Der Artikel zeigt ganz klar das von mir so oft angeführte Symptom. Wir wollen alles anders machen, aber grundlegend ändern soll sich nichts. Wir fahren natürlich weiter Auto. Nur halt elektrisch. Oder unter der Erde. Oder beides. Humbug Banane und am Arsch die Waldfee! 😀

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