Die Politik des Zwielichts

– IV –

Being Gandhi

„I’m no genius, and others can outwork me. What I do is ask the naive, honest questions, and then I’m not satisfied until I get the answers.”
Herman Daly

Entscheidungen treffen. Die echten Probleme der Gesellschaft erkennen. Auch diese Idee ist heute nicht ganz unproblematisch. Sobald eine Idee größeren Zulauf gewinnt, verwandelt sie sich oft in etwas, das von der Politik vereinnahmt wird.  Was für die Gesellschaft zu machen, sich um die Zukunft kümmern – das sind ja gerne Etiketten, mit denen sich Politik geradezu definiert. Meistens ist dann gerade Wahlkampf. Deshalb kann es durchaus auch passieren, daß größere Bewegungen aus dem politischen Raum heraus entstehen. Menschen schließen sich zusammen, die sich nicht kennen und nicht mögen. Wenn eine Gruppe Menschen eine gewisse Größe überschreitet, beträgt die Wahrscheinlichkeit, daß sich darunter Menschen befinden, die man ums Verrecken nicht ausstehen kann, exakt den Wert Eins.
In Frankreich hat gerade erst eine Bewegung einen Präsidenten an die Macht gespült, der auch Frank Schröder heißen könnte, was seine neoliberale Wirtschaftspolitik angeht und der deshalb Präsident wurde, weil die Gegenkandidatin die rechtsnationalistische Le Pen gewesen ist.
Schon andere Politiker haben ihre Parteien als Bewegung bezeichnet. Das muß nichts Schlechtes sein. Aber Kassandra ist faul und möchte immer ganz gerne herausfinden, wer denn da zur Bewegung aufruft und vor allem: In welche Richtung soll es gehen? Wer legt das fest? Und wie eigentlich?
Es ist möglicherweise nicht genug für eine wirklich konstruktive Zusammenarbeit, wenn man durch ein Prinzip gesellschaftlicher Gerechtigkeit vage miteinander verbunden ist. Politik und das, was heute unter der Bezeichnung Aktivismus läuft, haben dasselbe Problem wie Demokratie auch.

Aktivismus an sich ist eigentlich eine gute und auch nicht unwichtige Idee. Das Problem an der Sache ist, daß es den genauso wenig gibt wie Demokratie. Aktivismus besteht heute darin, möglichst laut rumzubrüllen und zu verlangen, irgendwer anders solle mal endlich was machen. Weniger konsumieren. Weniger fliegen. Das verdammte CO2 nicht mehr in die Luft pusten. Die Weltwirtschaft anders regeln. Die Russen hassen. Die Russen nicht hassen. Was auch immer.
Leider hat das exakt nichts mit Aktivismus zu tun. Heutiger Aktivismus ist exakt derselbe Pavianfelsen wie die Politik, die er gerne zu bekämpfen und zu kritisieren vorgibt. Man ist nicht aktiv, wenn „die da” wieder mal was machen wollen.
Man ist dann aktiv, wenn man den Teil der eigenen Stadtverwaltung, der für Klima und Umwelt zuständig ist, einfach mal fragt, ob es denn Bemühungen gibt, zusammen mit den örtlichen Supermarktbetreibern die verdammten Plastiktüten aus dem Handel zu verbannen. Oder Plastikverpackungen allgemein möglichst da zu lassen, wo sie hingehören, nämlich als Rohöl im Boden.
Gibt es nicht, in Falle der Bambushütte von Kassandra. Der Herr vom Umweltamt, der mich vor der Stadtbücherei zum Thema Klimaschutz bürgerwirksam ansprach, schien über so ein Anliegen eher überrascht zu sein. Dabei hatte er mich angesprochen, um über das Thema „Klimafreundlicher leben” zu sprechen. Woraufhin ich mein Fahrrad präsentieren konnte. Das Amt sammelte nämlich Geschichten solcher Art und entsprechende Statements und Fotos von Mitbürgern. Eine Werbeaktion, wenn man so möchte. Also Aktivismus. Continue reading →

Dissonanzen

Die Verwerfungslinien der Geschichte knirschen bereits seit Jahren immer wieder und immer lauter vor sich hin, fleißig ignoriert von der Politik und Finanzwelt Europas und Amerikas. Das geistig stabile Genie, von der Wahlbevölkerung der USA vor jetzt anderthalb Jahren ins Weiße Haus gewählt, hat sich inzwischen als perfekter Tinder-Match für den Geisteszustand dieser seltsamen Nation jenseits des Atlantik herausgestellt.
Wie der besoffene Barprolet morgens um Zwei ziehen die USA seitdem um die Häuser, pissen in die Blumenrabatten und kotzen dem Planeten den Vorgarten voll, wo immer sie eine Gelegenheit finden. Eine ehemalige Super- und Weltmacht, die nichts mehr gebacken kriegt außer einer erratischen Außenpolitik, die sämtliche Konflikte, die man nur finden kann, massiv anheizt. Die gefährlichste Nation der Erde ist aktuell nicht Nordkorea. Oder Israel, diese bedauernswerte ehemalige Nation, die klar zeigt, was passiert, wenn religiöse Fanatiker dauerhaft die Regierung stellen oder zumindest übermäßig beeinflussen.

Während eine Botschaft nach Jerusalem verlegt und damit vierzig Jahre Nahost-Politik eingeäschert werden, werfen woanders Demonstranten an Grenzen mit Steinen, woraufhin die Beworfenen mit Luftangriffen antworten.
Die UN-Botschafterin der USA wird das am nächsten Tag als „zurückhaltend” loben. Ich würde sagen, wenn auf einer Seite 60 Menschen tot sind und über 2.000 verletzt, während die tapferen Verteidiger vor den herandrängenden angeblichen Barbarenhorden keine Verluste zu verzeichnen haben, war irgendwo der Abzugsfinger eindeutig zu locker. Und es kann wohl nur auf der Seite der Fall gewesen sein, die auch Scharfschützen in Stellung hatte.
Beunruhigend hier auch die Stellungnahme deutscher und anderer Medien. Immer wieder wird von Ansturm auf die Landesgrenze gesprochen. Dabei gibt es zwischen dem Gazastreifen und Israel gar keine Grenze im völkerrechtlichen Sinne. Denn der Gazastreifen ist kein Staat. Es gibt zwar den Staat Palästina, aber der wird von vielen anderen nicht offiziell anerkannt. Unter anderem von so ziemlich der gesamten EU und natürlich Israel, diesem entarteten Traum von Gerechtigkeit, der heute Kinder erschießt, das als Selbstverteidigungsmaßnahme zur Seite wischt und darauf besteht, unbedingt das Opfer zu sein.
Aber möglicherweise ist diese bequeme Lüge nicht länger hinnehmbar. Womöglich sind die Nachfahren der Opfer einer anderen Zeit längst zu Tätern, Mittätern und Mitläufern verkommen, deren Vorgehensweisen nicht weniger menschenverachtend sind als die von Tätern aus vergangenen Zeiten. Continue reading →

Weiße Riesenkaninchen und Schwarze Schwäne

“I see a bad moon a-rising
I see trouble on the way
I see earthquakes and lightnin’
I see bad times today”
Creedence Clearwater Revival

Da war doch was. Da war doch…ach ja – Harvey. Mein Freund Harvey. Dieser Sturm, von dem aktuell keiner mehr redet, weil da ein Ding heranzieht, das Harvey aussehen läßt wie ein laues Lüftchen.
Der Hurrikan Irma hat sich, wie ich und natürlich auch andere das vorausgeahnt hatten, in ein meteorologisches Monster verwandelt.
Erst der stärkste atlantische Hurrikan, den es je gab. Dann der Hurrikan, der am längsten in der Kategorie F-5 verweilte. Bisher lag der Rekord bei um die sechzig Stunden, Irma hat diesen Rekord um gute 50 Prozent nach oben geschraubt.
Floridas Governeur Rick Scott, der seine Behörden bei Amtsantritt angewiesen hatte, so etwas wie “climate change” oder “global warming” nicht in offiziellen Meldungen zu erwähnen, erfleht schon jetzt die Hilfe der bundesstaatlichen Kassen aus Washington, DC.
Gleichzeitig werden Warnungen herausgegeben, die da lauten:
“Hauen Sie ab. Wenn Sie bleiben, wird es keine Hilfe geben.”
Das ging an die Einwohner der Florida Keys, dieser kleinen Inselkette vor der Küste der Halbinsel im Südosten der USA.
Der sumpfigen Halbinsel. Die im Schnitt so einen Meter über dem Meeresspiegel liegt. Und die Warnung ist korrekt. Wer angesichts der Zerstörungen, die Irma schon in ihrem Kielwasser hinterlassen hat, jetzt noch auf den abgelegenen und schutzlosen Inselchen der Keys bleiben möchte, wird nach dem Sturm keine Hilfe bekommen. Von woher auch?

Aber da war doch…ach ja, Harvey. Harvey hat es geschafft, ein Fünftel der US-Raffineriekapazitäten auszuknipsen.
Sei es durch direkte Schäden, durch Überflutung oder eben dadurch, daß die Konzerne die Anlagen heruntergefahren haben. Aber eine Raffinerie schaltet man halt auch nach so einem Ereignis nicht einfach wieder ein wie die Wohnzimmerlampe. Das ist komplexe Technik, viele Dinge hier stehen unter Druck und laufen durch viele Rohrleitungen und dieses System muß dicht sein.
Also muß man das natürlich alles prüfen, bevor man auf den Knopf drückt. Außerdem vermute ich, daß viele Raffinerien zum Neustart auf eine sichere Stromversorgung von außen angewiesen sind. Eben diese existiert aber derzeit nicht mehr.
Witzigerweise ist das bei den meisten Kraftwerken ebenfalls so. Die sogenannte “Schwarzstartfähigkeit” eines Kraftwerks beschreibt, ob es seine Generatoren aus dem Ruhezustand ohne äußere Hilfe wieder hochfahren kann oder nicht. Die meisten Kohle- und auch Atomkraftwerke sind nicht schwarzstartfähig. Wasserkraftwerke sind es generell, solange die eben genug Wasserdruck hinter ihren Staumauern haben oder genug Fließgeschwindigkeit an ihren Flüssen.
Aus der Tatsache, daß die Atomkraftwerke in Texas den Sturm gut überstanden haben, zieht das Magazin “Forbes” übrigens die Schlußfolgerung, daß die Kernenergie das Ding der Zukunft ist. Wer seinen Adblocker bei den miesen Finanzhaien ausschalten möchte, kann den Artikel unter den Stichworten “Hurricane Harvey makes the case for nuclear power” ergoogeln.
Einstein hatte schon recht: Dummheit ist wahrlich eine endlose vorhandene Ressource auf diesem Planeten. Continue reading →

Zwanzigsiebzehn

Guten Morgen allerseits.
Während die ersten Betrunkenen, die gestern in den Straßen liegengeblieben sind, vom hemmungslosen Geläute der Kirchenglocken geweckt werden, müssen andere sich schon wieder der Kunst der Prophezeiung widmen. Oder besser, der Kunst, aufgrund wissenschaftlicher Basisdaten den Verlauf der näheren und ferneren Zukunft zu erschließen, wie es in diesen Blogzeilen gelegentlich der Fall ist.
Dieser Neujahrstag ist der krönende Abschluß des vergangenen Jahres, denn er fällt auf einen Sonntag. Daher auch das nervtötende Geglocke der Priester des Christentums am heutigen Morgen.

Beginnt genauso wie das verdammte Jahr, das man sich in der Nacht endlich wegsaufen konnte: Mit Kopfschmerzen, steifem Nacken und kaltem Kreuz. 2017, was für ein Scheißjahr.

Paßt irgendwo perfekt. Dieses letzte Jahr war so grottenmäßig unfähig, daß es nicht einmal dazu in der Lage war, seine Feiertage unter die Woche zu legen. Wobei ich mich direkt frage, warum man eigentlich “unter der Woche” sagt, wo Dinge doch immer in einer Woche liegen, unter anderem auch deren einzelne Tage. Vermutlich ist daran Frau Merkel schuld. Oder aber die Tatsache, daß wir immer noch zu wenig Kameras in Berlin aufgestellt haben, was natürlich wiederum Schuld dieser kommunistischen rot-rot-grünen Regierung in dem Bundesland ist. Das hat Generalwahrheitsminister Andreas Scheuer nämlich vor ein paar Tagen herausgefunden.
Nun ja, in Bayern beginnt Silvester und der damit häufig verbundene Alkoholkonsum bis zum Verlust jeglicher Denkfähigkeit offensichtlich schon einige Tage früher als woanders. Mit seiner lächerlichen Polemik, die Berliner Regierung handle grob fahrlässig, weil sie nicht sofort die Videoüberwachung ausweiten möchte, lenkt Andreas Scheuer mal wieder schön von der eigenen persönlichen und parteilichen Unfähigkeit ab. Der Wahlkampf ist eröffnet und die CSU liegt bereits jetzt auf der Idiotenskala quasi uneinholbar vorne. Kein Wunder, bei dem Personal.
Eine erste Vorhersage Kassandras für Zwanzigsiebzehn lautet daher: Hysterisches Gekläffe aus dem politischen Hundezwinger in Bayern mit Tendenz zur völkischen Heiserkeit, im September möglicherweise mit Stimmverlust als Folge.

Zum Glück ist eine Mehrheit der Deutschen da wohl schlauer, denn die meisten sind nicht der Meinung, daß es die Bundeskanzlerin ist, die mit ihrer Flüchtlingspolitik für den Anschlag in Berlin verantwortlich zeichnet.
Auch die deutschen Medien, die in den letzten Monaten verzweifelt versucht haben, diese seltsame und scheinbar ansteckende Kopfkrankheit namens “Populismus” allen anderen in die Schuhe zu schieben, obwohl sie selber seit Jahren heftig unter den genannten Symptomen leiden, scheinen gegen Ende des letzten Jahres hier und da aus ihrer journalistischen Betäubung ein wenig aufzuwachen, die seit etwa 2001 massive Folgen für unsere Gesellschaft gezeigt hat.
Natürlich nur einige Medien. Was gewisse Meinungsherausgeber angeht, können wir uns auch 2017 sicherlich auf propagandistische “Berichterstattung” allererster Güte freuen.

Für Deutschland und Europa wird das ein spannendes Jahr. Denn so viele Umfragen es auch geben mag, so haben doch die Ergebnisse des letzten Jahres eindeutig die Frage gestellt, warum Menschen und Institute, deren Haupterwerb das Erstellen von Umfragen ist, sich nicht schon längst mit der Bettelschale auf die Straße stellen müssen.
Weder den Brexit noch die Wahl des Donalds zum Inhaber des wichtigsten politischen Ablenkungsjobs des Planeten haben die superschlauen Demoskopen vorhergesehen. Dazu muß man eben Blogger in der Bambushütte am Rande der Gesellschaft sein, da hat man weniger Scheuklappen auf dem Neocortex. Versager, allesamt.
Zweifellos werden also auch dieses Jahr kluge Umfragen versuchen, die AfD in den Bundestag hineinzuschreiben – oder heraus, je nach Ausrichtung – aber auch hier ist meine Vorhersage klar: die geistig greisen Damen und Herren der völkischen Frontalverteidigung werden in das Parlament einziehen im September. Und dann zusehen müssen, wie Angela Merkel weitere vier Jahre alternativlos regiert, denn was außer einer Großen Koalition sollte im deutschen Herbst 2017 schon rauskommen an der Wahlurne?
Die einzig spannende Frage für mich persönlich ist hier, ob diese politische Zombiepartei, deren einzig halbwegs aufrechte Vertreterin Leutheuser-Schnarrenberger heißt, es wieder zurück schafft an die Fleischtöpfe der Macht oder eben nicht.
Da ein Großteil der “Wirtschaftsexperten” dieser marktradikalen Politpeinlichkeit inzwischen zu den Völkischen Beobachtern der Pseudoalternativen abgewandert ist, habe ich da immer noch die Hoffnung, daß dieser Wurmfortsatz deutscher Politik endgültig als operiert gelten kann, wenn sich der Staub der Wahlnacht über das Land legt Ende September. Continue reading →

Blick über den Tellerrand

Nächste Woche ist es soweit. Dann wird Italien über eine Änderung seiner Verfassung abstimmen. Vordergründig geht es darum, die Macht des Senats deutlich einzuschränken, der zweiten Parlamentskammer. Außerdem geht es in dem durchaus komplizierten Entwurf auch noch um solche Dinge wie regionale Zuständigkeiten. Denn in Italien ist die Infrastruktur in einem Zustand, der einem deutschen Ingenieur noch mehr Tränen in die Augen treiben würde als die Lage hierzulande.
In Leverkusen mag man nicht mehr über Rheinbrücken fahren können, wenn das eigene Fahrzeug schwerer als ein Bollerwagen ist. In Italien schaffen es ganze Millionenstädte schon seit Jahren nicht einmal mehr, so etwas wie eine geregelte Müllentsorgung hinzubekommen. Noch besser sind die Städte und Regionen, die derartige Untermehmungen nicht einmal mehr versuchen.
In dieser Stimmung wird also abgestimmt. Ich bin jetzt schon davon überzeugt, daß die wenigsten Italiener wirklich darüber abstimmen wollen, ob sie ihre zweite Parlamentskammer faktisch entmachten wollen.
Aus rein demokratischen Gründen würde ich das bereits für falsch halten, denn irgendwer muß sich irgendwann mal was dabei gedacht haben, darum existiert diese zweite Kammer ja vermutlich. Aber welch schöneres Land könnte es geben, um klarzustellen, daß dauerhafte politische Korruption die Demokratie vernichtet?

Im Vorfeld der Entscheidung haben schon mal die Kurse wichtiger italienischer Banken nachgegeben.
Diese Banken sitzen auf faulen Krediten in Höhe von mindestens dreihundert Milliarden Euro. “Faule Kredite” nennen Banker das Geld, das sie ungeprüft an windige Typen verliehen haben. Geld, das ihnen weder gehört noch im strengen Sinne tatsächlich existiert. Trotzdem ist es dann natürlich Schuld des Kredits, wenn er am Ende womöglich völlig unerwartet nicht zurückgezahlt werden kann. Deswegen ist auch der Kredit faul und nicht etwa der Bankvorstand ein Haufen betrügerischer Geschäftemacher. Wahlweise ist auch irgendwer faul, der den mit diesen Krediten erhofften Profit nicht nachträglich erwirtschaften möchte, nachdem die Banker den schon mal für Koks und Nutten rausgehauen haben. Kapitalismus, fuck yeah. Continue reading →

(K)ein Schiff wird kommen

„It’s a kind of magic.”
Queen

Menschen wiederholen gerne Dinge, die sie gesehen haben. Sie haben gesehen, wie andere Leute diese Dinge tun und wie diese Handlungen ein bestimmtes Ergebnis hervorbrachten. Sie haben nie kapiert, was da eigentlich vorgeht, denn den Nachahmern fehlt jegliches technologisches Verständnis.
Da werden Türme aus Holz aufgebaut. Menschen roden den Dschungel, um eine freie, gerade Fläche zu erhalten. Der Typ auf seinem Holzturm trägt etwas, das aussieht wie große Kopfhörer und aus Stroh oder Gras geflochten ist. Oder aus Holz geschnitzt. Wiederum andere Typen stehen herum und wedeln mit großen Fliegenklatschen herum oder mit etwas, das aussieht wie zu groß geratene Tennisschläger.

Der ganze Tanz hat etwas völlig Absurdes. Bis einem klar wird, daß die gerodete Fläche eine Landebahn ist. Der Kerl auf dem Holzturm trägt tatsächlich Kopfhörer und spricht tatsächlich nicht in eine Rübe, die er in der Hand hält, sondern ein Mikrofon. Die Wedler auf der Landebahn sind dabei, einen Piloten einzuweisen. Diese Leute wiederholen nichts weiter als alle Aktivitäten, die sie einmal beobachtet haben, als es tatsächlich einen Flughafen gab, auf dem Maschinen starteten und landeten. Amerikanische Maschinen, den Bauch voller Versorgungsgüter aller Art. Materielle Konsumgüter aus einer industrialisierten Welt jenseits des Wassers, von der die Vorfahren der Rumwedler nichts wußten.

Was ich beschrieben habe, existiert tatsächlich. Anthropologen nennen das einen Cargo-Kult.  Auf einer Handvoll Pazifikinseln finden derartige Zeremonien tatsächlich statt. Denn die Einheimischen sahen damals, im Zweiten Weltkrieg, die großen Metallvögel der Amerikaner starten und landen und sie sahen die Palette an Gütern, die diese dabei hatten. Einige dieser Dinge müssen ihnen wohl gefallen haben, und was einem gefällt, hätte man gerne auch weiterhin zur Verfügung. So sind Menschen nun einmal. Continue reading →

Es geht kein Flug nach Irgendwo

„I’m learning to fly, but I ain’t got wings.
Coming down is the hardest thing.”
Tom Petty

Technologie oder – in meinen Begriffen hier in diesem Blog – die genaue Ausformung der Technosphäre ist immer auch eine Entscheidung der Gesellschaft.
Zumindest sollte sie das sein. In Wahrheit funken einem die Kräfte der viel gepriesenen freien Marktwirtschaft da natürlich ständig dazwischen.
Es gab nie eine Entscheidung der Gesellschaft für die vorgeblich zivile Nutzung der Kernenergie. Es gab eine politische Entscheidung, denn mit Reaktoren hat man die Hand eben auch irgendwo immer auf dem Stoff, aus dem die Bomben sind. Die Tatsache, daß Nationen wie Japan oder Deutschland über keine eigenen A-Waffen verfügen, ist ja nun nicht etwa technologischem Unvermögen geschuldet, sondern der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Der freie Markt ist an solchen Stellen also normalerweise eben kein Markt. Und frei ist er auch nicht. Er funktioniert hier schlicht kommandowirtschaftlich. Hitler konnte in Hydrierwerken aus Braun- und Steinkohle Sprit für Flugzeuge und Panzer gewinnen lassen, weil es geht. Nicht etwa, weil das Verfahren ökonomisch Sinn ergibt. Es ist nämlich in jeglicher Hinsicht bei weitem zu teuer. Würde man Benzin heute aus deutscher Steinkohle herstellen wollen, kostete der Liter Sprit vermutlich irgendwas um die acht Euro. Dann mal Prost.
Mit Atomkraft war es ähnlich. Die Franzosen reihten sich als Atommacht Nr. 4 in den Reigen ein, weil Charles de Gaulle die Bombe haben wollte und dazu brauchte man eigene Reaktoren. Drum hat Deutschland auch keine eigenen Bomben, denn damit konnte Frankreich sicher sein, nicht noch einmal von deutschen Truppen überfallen zu werden. Deutschland hätte wiederum auch gerne die Bombe gehabt, Old Adenauer war jedenfalls sehr dafür, so weit ich das weiß. Nur gab es eben keine.
Dafür stehen die Franzosen heute da und erzeugen 70 Prozent ihrer Elektrizität aus Kernmeilern. Da fragt sich nur noch, wem zuerst das Licht ausgeht. Uns oder den westlichen Nachbarn. Sollte einer der Schrottmeiler an der deutschen Grenze wie Cattenom vorher noch platzen, werden womöglich deutsche Truppen doch noch einmal Frankreich überfallen. Wer weiß?

Wenn aber die industrielle Zivilisation den Bach runter geht und dabei auch durch weiteres Aufkommen von „Technologie” – in welcher Form auch immer – nicht zu retten sein wird, ergibt sich ganz generell die Frage: Was wird überhaupt zu retten sein?
Das erfordert ein wenig ausgiebige Diskussion und Bestandsaufnahme.
In diesem Zusammenhang sollte man nicht unerwähnt lassen, daß die Bemühungen der meisten offiziell irgendwie grün-ökologisch bewegten Menschen, die in industriellem Maßstab stattfinden, eindeutig nicht Teil der Zukunft sein werden. Weder superleichte Elektroautos noch leichtere Flugzeuge noch Gebäudedämmung bis zum Abwinken werden den Zusammenbruch der industriellen Zivilisation verhindern. Continue reading →

Blick über den Tellerrand

In Kalifornien brennen die Wälder. Zumindest die, die noch übrig sind. Und irgendwie habe ich das Gefühl, das schon einmal geschrieben zu haben. Habe ich auch. Aber es ist eine Neuauflage. Eigentlich müßte man bei den flächendeckenden Bränden, die sich übrigens bis zum Bundesstaat Washington hinaufziehen, fast von so etwas wie Wiedervorlage sprechen.
Gleichzeitig schüttet es in einem anderen Bundesstaat der USA, namentlich Minnesota, derartig, daß die Bundesbehörde für Katastrophenschutz, die FEMA, von der schlimmsten nationalen Krise seit Hurricane Sandy spricht. Das war der, der vor einer Weile New York ganz ordentlich nasse Füße beschert hat.
Das hat aber alles nichts mit Klimawandel zu tun oder so etwas. Zumindest wissen das die Kommentatoren unterhalb von Artikeln in gewissen Nachrichtenmagazinen ganz genau. Die Meldung, daß der Juli der wärmste seit Menschengedenken war, wird professionell gekontert mit Anmerkungen wie: “Aber vor meiner Haustür war es kühl und naß.”
Wenn das mal keine Widerlegung dieser ganzen Klimaverschwörung ist, weiß ich aber auch nicht. Der Juli war trotzdem der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. So wie vorher der Juni, der Mai, der April. Wir haben es inzwischen mit einer Kette aus zehn Monaten zu tun, die Rekorde brechen. Soweit dann zu irgendwelchen 1,5 oder 2-Grad-Zielen irgendwelcher Konferenzen.

Witzigerweise schiebt der Sprecher des California Department for Forestry and Fire Protection das Ausmaß der Zerstörung – genau – auf den Klimawandel. Denn der sei verantwortlich für diese Dürre, die da seit 2011 in Kalifornien herrscht. Ich erwähne augenzwinkernd bei dieser Gelegenheit, daß in Nordkalifornien aktuell das nasseste Jahr seit fünf Jahren gemessen wird, aufgrund eines sehr starken El Niño in den Wintermonaten.
Seltsamerweise kommentieren die schon erwähnten Leute nicht, wenn es dann so richtig heiß wird. Letzte Woche waren vor meiner Balkontür lockere 34 Grad im nicht vorhandenen Schatten. Ich schließe daraus, daß die Klimaforscher uns was verschweigen und alles noch viel schlimmer ist, als die überhaupt zugeben. Denn wenn Regen vor der Haustür im Juli beweist, daß es keine Erwärmung gibt, ist das ja wohl völlig logisch. Wobei – was ist dann eigentlich mit Weihnachtsmärkten bei mehr als fünfzehn Plusgraden?
Bestimmt wird das von der Regierung vertuscht. Egal welcher, irgendeine findet sich da immer. Continue reading →

IMS Europa

,,Europa hat ja viel mit dem Umstand zu tun, daß uns ein Rindvieh flachgelegt hat.”
Max Uthoff

Die Kanzlerin ist zurückgetreten. Ach nein, falsch. Der Kanzler ist zurückgetreten. Der von Österreich nämlich, der Herr Faymann. Unser südlicher Nachbarstaat ist damit am Ende einer langen Leidensgeschichte angekommen, die uns in Deutschland noch bevorsteht. Nach gefühlt mehreren tausend Jahren großer Koalitionen zwischen der SPÖ, also dem Äquivalent der ehemaligen SPD, und der ÖVP, dem Abklatsch der bundesdeutschen Unionsparteien, ist dieses Modell des ganz großen Konsens politisch erledigt.
Erst vor ein paar Tagen wurden die beiden Kandidaten der Parteien für das Amt des Präsidenten gnadenlos aus dem Wettbewerb gekegelt, was mit ein Grund für diesen Rücktritt gewesen ist, der unter dem Applaus eines großen Teils der Öffentlichkeit erfolgte. Jedenfalls mit Sicherheit unter dem Applaus der Wähler der FPÖ, der “Freiheitlichen”, wie sie in Österreich heißen. Die haben auch den Kandidaten mit den bisher meisten Stimmen für die Präsidentschaftswahl ins Rennen geschickt und werden im zweiten Wahlgang wohl gewinnen. Womit dann zwar nicht Hitler Reichskanzler wäre, aber zumindest Goebbels Bundeskanzler. So ähnlich jedenfalls. Unter Freiheit versteht diese Partei besonders die eigene Freiheit, andere Leute zu diskriminieren. Also in etwa das, was die AfD in Deutschland unter Meinungsfreiheit versteht. Denn jeder ist ja in Deutschland frei, dieselbe Meinung zu haben wie die AfD. Alles andere ist natürlich Hetze.

Texte einer altbekannten Punk-Band beispielsweise, die die AfD runtermachen, fallen wohl ausdrücklich nicht unter die Meinungsfreiheit.
Schön auch, wie sich die AfD Hamburg dann auf Facebook winselnd über die angebliche Verunglimpfung beklagt, aber vorher in ihrem Antrag offiziell von “Haß-Musikern” spricht, deren Auftritt man unbedingt verbieten müsse. Diese pathetische Opfer-Ausdrucksweise ist natürlich nicht verunglimpfend, keinesfalls. Taktisch sehr gewitzt auch die Tatsache, daß dann in den digitalen Denkblasen-Netzwerken in ebenso weinerlichem Tonfall darauf abgestellt wird, daß diese “Haß-Band” ja im Rahmen des traditionellen Hamburger Hafengeburtstags aufgetreten ist. Wir können doch die linksextremistischen Haßverbreiter nicht unsere schöne Tradition beschmutzen lassen! Sie hassen uns für unsere Freiheit!

Schön ist, daß der gesamte Hamburger Senat schlau genug war und dagegen gestimmt hat. Bemerkenswert und besorgniserregend ist, daß die CDU betont hat, diese Aktion ginge in “die richtige Richtung”. Nur für den Fall, daß sich jemand fragt, wer in Deutschland zuerst mit den Rechten koalieren wird im Ernstfall. Sollte es jemals zur Machtergreifung kommen, gibt es also nur noch von Björn Höcke ausgewähltes deutsches Liedgut, vermute ich. Das Horst-Wessels-Lied, unterlegt mit einem Techno-Beat. Das Lied der Deutschen in einer Interpretation des Pegida-Chors mit Helene Fischer. Irgendwie so stellt sich die AfD wohl deutsches Kulturgut vor. Continue reading →

Präsidenten, die auf Hamster starren

,,In order to maintain our way of living, we must tell lies to each other, and especially to ourselves.”

Derrick Jensen, Endgame

Kennt hier jemand Goodrich Petroleum? Nein? Nun, ich kenne die auch nicht persönlich, aber das ist eine von ziemlich vielen Frackingfirmen in den USA, die sich da seit einigen Jahren so kräftig mit Gas und Erdöl beschäftigen und die USA energieunabhängig machen werden.
Zumindest hat die Presse Amerikas und auch Deutschlands das immer wieder verkündet. Die Propheten eines neuen, glorreichen fossilen Zeitalters waren kaum zu bremsen mit ihren Lobeshymnen.

Der Begriff “energieunabhängig”, den wieder mal irgendein völlig bewußtloser Schreiberling im Regierungsbunker zwischen Koks und Kaffee morgens um drei erfunden haben muß, ist natürlich erst einmal völliger Schwachsinn, eine Ausgeburt der ökonomischen Propaganda. Ein Begriff, den Milton Friedman, der miese kleine Marktradikalist, der leider viel zu spät von uns gegangen ist, erfunden haben könnte. Ich werde solchen Unsinn daher in Zukunft einfach mal “Milton-Sprech” nennen, so als Äquivalent zum Neusprech in Orwells 1984. Warum ist der Begriff Schwachsinn?
Schlicht und einfach aus dem Grund heraus, daß eine Wirtschaft – sei sie kommunal, auf Größe eines Dorfes oder auf Größe einer Nation, niemals “energieunabhängig” sein kann. Sie war es nie, sie ist es nicht und sie wird es niemals sein.
Wenn ich einer Wirtschaft jede Energie entziehe, passiert mit ihr exakt dasselbe, was mit einem menschlichen Körper, einer Pflanze oder jedem anderen Lebewesen in dieser Galaxis und diesem Universum passiert: Sie stirbt. Sofort und unwiderruflich. Eine energieunabhängige Wirtschaft ist eine, die nicht existiert. Außer in den Köpfen von gedungenen Propagandisten in Regierungsbunkern.

Abgesehen von dieser Tatsache ist Goodrich Petroleum pleite. Ganz im Gegensatz zur Namensgebung, die ich hier einfach als wohl übertrieben optimistisch brandmarken möchte, ist nichts an den Zahlen dieser Firma gut oder verspricht besonderen Reichtum. Außer für den Insolvenzverwalter, der sich jetzt um die Reste des Ladens kümmern wird.
Falls er dazu noch kommt, denn Insolvenzverwalter für Firmen, die nach Chapter 11 der US-Gesetze Gläubigerschutz anmelden – also Abwicklung unter Aufsicht – haben derzeit sicherlich alle Hände voll zu tun im Wirtschaftswunderland des Öls.
Goodrich Petroleum war ungefähr Nr. 50 auf der Liste von Firmen, die allesamt der Öl- und Gasbranche angehören und in den letzten Monaten pleite gegangen sind.

Nun ja, ich hatte da schon immer so meine Zweifel am angekündigten Energieboom, seitdem aus dem Führerhauptquartier in Washington der Einsatz der neuen Wunderwaffe angekündigt worden war. Ich empfehle dem geneigten Leser, einmal die Kommentare unter diesem Artikel hier zu lesen.
Das war vor ziemlich genau vier Jahren. Wie da einige Leute auf den Putz gehauen haben mit irgendwelchen Öl- und Gasreserven, die sie nicht einmal sprachlich auseinanderhalten können, ist heute schon sehr lustig zu lesen. Ich hingegen lehne mich genüßlich zurück und behaupte jetzt nicht, daß ich das ja damals schon gesagt hätte. Aber ich habe es ja damals schon gesagt.
Alleine die Frage, warum die USA nie aufgehört haben, Öl aus anderen Ländern zu importieren, wenn sie doch selbst genug für 500 Jahre haben, sollte bei normalen Menschen irgendwo mal das Logik-Gatter A20 im Hirn anwerfen.
An so manchem Medium des deutschen Qualitätsjournalismus sind die Tatsachen aber schon sehr stark vorbeigegangen. Noch 2014 titelte Die Welt: “USA exportieren wieder Erdöl im großen Stil”. Der Autor machte dann auch gleich diesen von ihm proklamierten Fakt verantwortlich für die Preise, die zu fallen begannen, damals im Sommer. Ist halt nur blöd, daß die USA niemals Erdöl im großen Stil irgendwohin exportiert haben.
Korrekt ist, das damals das Exportverbot gelockert wurde. Das hatte aber nichts mit Exporten zu tun, sondern mehr mit knapper Raffineriekapazität. Da unverarbeitetes Öl laut altem Verbot die USA aber nicht verlassen durfte, hat man schlicht die Regeln geändert. Man könnte also sagen, die Deppen bei Springer waren entweder mal wieder nicht informiert oder haben wieder fleißig Desinformation betrieben. Also Propaganda erzählt. Oder gelogen. Continue reading →