Back to the No-Future

»Tell me how this ends?«
Gen. David Petraeus, Irak, 2003

Es ist Ostern. Es ist sonnig. Irgendwelche Raketen der NASA fliegen zum Mond. Es ist Energiekrise. Willkommen in den 70ern.
Zumindest könnte man das fast glauben, wären da nicht diese seltsamen Bullshit-Schwafler, die mir was erzählen von „Wir brauchen unbedingt neue Atomkraftwerke” oder „Wir müssen die Steuern aufs Fliegen senken, steht so im Koalitionsvertrag” oder auch wahlweise „Wir sollten unbedingt mehr Gas verbrennen, auch in deinem Heizungskeller”.
Was genau ist der Plan solcher fossil verwirrten Null-Bits? Russland ökonomisch auszutrocknen in seinem Angriffskrieg, indem wir alle Gasvorräte des Landes bei uns verfeuern und dann erst stellen wir alles um auf diese anderen Hirngespinste wie grünen Wasserstoff oder e-Fuels?

Woher kommen diese Typen eigentlich alle? Gab es da einen Brand in einer Klapsmühle für besonders schwere Fälle und die sind alle weggelaufen? Wird sie jemand wieder einfangen? Wieso ist einer von denen Bundeskanzler?
Also, in echt jetzt. Nicht am Frühstückstisch, wo er sich in Ruhe mit Cäsar, Napoleon und Genghis Khan unterhalten könnte, bis der Betreuer ihm seine Medikamente bringt.
Was ist mit dieser geistig völlig verwirrten Lobbyistin mit Gasvergiftung und wieso läuft die im Wirtschaftsministerium rum? Fragen über Fragen.

In der letzten Energiekrise verhängte eine deutsche Regierung, kurz vorher gewählt bei 93% Wahlbeteiligung, kurzerhand ein Tempolimit auf Landstraßen und Autobahnen. Man verordnete sofort autofreie Sonntage. Das Bundesministerium für Wirtschaft gab Flugblätter heraus mit Sätzen wie: „Der beste Weg, Energie einzusparen ist es, sie gar nicht erst zu verbrauchen.”
Die aktuelle Kaspermannschaft im Bundeskabinett würde da sofort den Staatsschutz anrufen wegen kommunistischer Unterwanderung. Für unsere Möchtegern-Faschisten von vorgestern sind schon Worte wie „Profitmaximierung” linksradikale Gesellschaftsunterwanderung.
A pro Profitmaximierung – wie geht’s ihrem Benzinpreis eigentlich so? Als ich gestern an der Tankstelle vorbeiradelte, habe ich herzlich gelacht. Gerade erst hat Katharina die Vergaste die Einführung eines Tempolimits abgelehnt. Begründung dafür: keine.
Aber die Pendlerpauschale erhöhen, natürlich auf Kosten der Steuerzahler auch ohne Auto, das geht immer. Hauptsache, wir können weiterhin so tun, als wär‘ nix. Fossiler Protektionismus vor der physikalischen Realität. Was unterscheidet also die Bundesregierung von den faschistischen, völlig realitätsentfernten Kriegstreibern in Washington? Eben. Nix. Das geistige, oder besser, ungeistige Setting ist diesseits und jenseits des Atlantik völlig kongruent.

Irgendwer meinte neulich, die US-Regierung würde das alles als ein Spiel betrachten. Aber man merkt deutlich, dass in Washington keine Gamer am Ruder sind. Die wissen nämlich genau, dass sie besser mal eine Strategie haben sollten und einen Plan, bevor sie ihre mühselig aufgestellten Truppen in ferne Weltregionen entsenden.
Die NASA hat es nicht dank Donald Trump hinbekommen, mal wieder eine lunare Expedition zu starten, sondern trotz Donald Trump. Der gerne die NATO verlassen würde und dafür das US-Militärbudget noch mal um 450 Milliarden Dollar erhöhen will, auf dann sagenhafte 1,5 Billionen Dollar. Damit das auch klappt, hat er bereits damit begonnen, alles für illegal erklären zu lassen, was im November einen Wahlsieg bei den Midterms gefährden könnte. Also ganz besonders demokratische Wähler und demokratische Bundesstaaten.
Donald Trump baut in seinen angeblichen Ballsaal des Weißen Hauses nach eigenen Angaben „einen bombensicheren Bunker und Militärinstallationen” ein. Wundert mich nicht.
Mr Trump wird das brauchen, um sich nach 2028 im White House zu verschanzen, wenn er den Faschismus endgültig ausrollt über den Trümmern der USA. Eventuell hat er es so eilig mit dem Bau, weil er den Führerbunker schon im Herbst benutzen möchte.
Auch hier ist das theokratische Regime in Washington auf einer Linie mit den Kollegen in Teheran. Vermutlich wird Trump dem Iran übernächsten Monat eine Allianz anbieten. Schon, um die dann toten 5.000 Marines oder so unter den Tisch zu kehren, also die größten Verluste der USA seit Vietnam. Falls er denn so blöde ist, wirklich eine Landungsoperation durchführen zu lassen. Ok. Rhetorische Anmerkung.

Falls so etwas übernächsten Monat noch relevant sein sollte. Was ich bezweifle. Aus Gründen.
Die unfassbar arrogante Strunzdämlichkeit unserer – zumindest teilweise – leider auch gewählten Anführer ist nur ein Grund für Kassandras Zweifel. Ich habe da noch ein paar andere mitgebracht. Continue reading →

Priceless

»The Spice must flow!«
Padishah Emperor Shaddam IV. Corrino

Irgendwo in einem Kaminzimmer klingelte vor einigen Tagen ein Telefon. Zumindest stellt sich mein Gehirn das so vor. Aus einem mit extremst gemütlichen Flausch überzogenen Ohrensessel streckt sich eine Hand aus und ergreift mit einem Ausdruck vollkommenster, belangloser Lässigkeit den Hörer des Geräts.

»Jo?«
»BigBoss, ich habe hier so eine Reederei dran. Die wollen ihre Schiffe wieder fahren lassen.«
»Und? Wo ist das Problem?«
»Der Krieg.«
»Watt? Welcher Krieg?«
»Na, der amerikanische Präsident hat zusammen mit Israel den Iran überfallen.«
»Den Iran? War das nicht der Irak?«
»Nee. Das war mal. Neuer Präsident.«
»Echt? Schon wieder? Wer denn?«
»Donald Trump.«
»Ernsthaft? Schon wieder?«
»Na ja, er hat die Stimmauszählung manipuliert und…«
»Und da glaubt immer noch einer, Demokratie existiert? Wie doof können Leute sein?«

»Also, was das angeht…«
»Egal. Da ist Krieg?«
»Jo. Alle schießen.«
»Die Straße von Hormuz?«
»Yep.«
»Dat versicher’n wa nich.«

+++++

Der angebliche amerikanische Präsident und die erbärmliche Junta aus Arschkriechern und Speichelleckern, die ihn umgibt, wird sehr bald einen äußerst unangenehmen Zusammenstoß mit der Realität erleiden, die diese Leute in ihrer happy Propaganda-Welt immer wieder ausblenden oder in ein projiziertes Zerrbild ihrer eigenen Erbärmlichkeit verwandeln.
Während Donald Trump darüber erzählt, dass er womöglich den Iran noch ein bisschen ‚just for fun‘ bombardieren wird und die USA gewonnen haben, aber noch nicht gewonnen genug, regelt die Physik.
Während der US-Kriegsminister (sic!), ein versoffener Kneipenschläger, der auf St. Pauli nicht mal Türsteher in der letzten Kaschemme sein dürfte, darüber schwadroniert, dass „die Presse” den Krieg nicht schön genug darstellt und der Überwacher der Rundfunkfrequenzen, FCC-Boss Brendan Carr, diese Medien mit Lizenzentzug bedroht, sollten sie nicht im ‚public interest‘ berichten, ist der Krieg, den diese Idioten angezettelt haben, bereits verloren.
„Öffentliches Interesse”, zur Erläuterung, bedeutet natürlich: Alles, was der Präsident sagt, ist automatisch wahr und richtig. CDU-Wähler und ihre AfD-Kumpel verstehen das.

Die Straße von Hormuz ist trotzdem geschlossen. Sie ist nicht geschlossen, weil der Iran diese Meerenge vermint hat. Oder weil die US Navy – zumindest prinzipiell – nicht in der Lage wäre, Tanker durch die Passage zu geleiten.
Die Halsschlagader der fossilen Weltwirtschaft ist geschlossen, weil von sieben Schreibtischen in London und anderswo sieben Schreiben rausgegangen sind, die wiederum an die großen Reedereien der Erde gerichtet waren.
In Essenz besagen diese Schreiben etwa: »Ihre War Premium Insurance ist leider aktuell nicht verfügbar.« Continue reading →

Neue Karten

– I –
Rückzugsgefechte

„To travel faster than a speeding bullet is not much
help if you and it are heading
straight towards each other.” – John Brunner 

Die USA befinden sich seit geraumer Zeit in dem Zustand, der von Politologen als imperiale Überdehnung bezeichnet wird. Der britische Historiker Paul Kennedy hat diesen Begriff 1987 geprägt. Nicht verwandt oder verschwägert mit dem hirnfreien Esoteriker, der aktuell das US-Gesundheitsministerium anführt, übrigens. Das Grundprinzip ist simpel. Die Kosten zur Aufrechterhaltung des Imperiums werden irgendwann größer als der Gewinn, den das Imperium daraus ziehen kann.
Die Definition von Imperium ist tendentiell unterschiedlich, in Kassandras Sinne aber allgemein gültig:  ein Imperium ist eine Wohlstandspumpe. Das ist sein Zweck. Wohlstand in unterschiedlichster Form fließt aus der Peripherie ins Zentrum der Macht. Vor zweitausend Jahren nach Rom. Heute in die USA. Auch nach Europa.
Vier Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen 25 Prozent aller Ressourcen pro Tag, verwenden feuchte Froschhintern zum Messen der Lufttemperatur oder mittelalterliche Stockmaße für Entfernungen und wundern sich auf Europa-Urlaub dann noch, dass man hier nicht mit Dollar bezahlen kann. Die Arroganz des Idiotentums in bester Form.
Wohlstand ist hierbei ein umfassender Begriff. Es können Rohstoffe sein. Billige Arbeitskräfte, die man ausnutzt. Auf der Putenfarm beispielsweise, die den Thanksgiving-Truthahn mästet. Die Plastikfarm im Südosten Spaniens, auf der afrikanische Flüchtlinge meinen verdammten Brokkoli züchten. Aber der einzige Zweck ist es letztendlich, dem Zentrum mehr Wohlstand herbei zu pumpen.

Bis der Tag kommt, an dem die Peripherie langsam ausgeplündert ist. Oder der Tag, an dem es für ein Imperium keine Gebiete mehr gibt, in die es expandieren kann. Wohlgemerkt, lohnende Gebiete. Natürlich hätte Rom ganz Germanien besetzen können. Vom Rhein bis zur Elbe, zur Oder, zur Neiße, zur Ostsee. Rom hätte sich durch den nahezu endlosen europäischen Wald bis vor Moskau ausdehnen können.
Aber was hätte es davon gehabt? Eine mehr oder weniger menschenleere Mannschaft, nicht einmal für den Ackerbau geeignet, denn dazu hätte man erst den Wald beseitigen müssen. Also hätte Rom für seinen mehrere Jahrzehnte langen Krieg gegen den Wald und seine Bewohner endlose Festmeter an Holz bekommen.
Die Garnisonen, die zusätzlichen Legionen, die Siedler, die man aus dem Reich in die neuen Gebiete entsandt hätte und denen der Kaiser neue Städte hätte bauen müssen – all das hätte sich aus diesem bißchen Gewinn niemals selbst tragen können. Rom eroberte Germanien nicht, weil es nicht dazu fähig gewesen wäre. Rom eroberte Germanien nicht, weil dieses Gebiet schlicht und einfach keinerlei ausreichenden ökonomischen Vorteil gebracht hätte. Das Wort Biophysik war damals noch nicht erfunden, das war der Physik aber egal und deshalb war sie damals genau so gültig wie heute auch.

Nach Cäsars Eroberung Galliens flossen mehr als 40 Millionen Sesterzen jährlich in die Schatulle Roms, schon zur Zeit eines Octavian. Heute würde man das schnelle Amortisierung nennen. Um das Gebiet Germaniens bis zur Ostsee und Weißrussland so weit zu kriegen, hätte Rom vermutlich dreihundert Jahre lang investieren müssen. Heute würde man das Tesla nennen oder OpenAI.
Europas Kolonialperiode begann nach Entdeckung der Neuen Welt so richtig, da man plötzlich zwei riesige neue Landmassen hatte, deren Wohlstand man nach Europa transferieren konnte. Amerikanisches Gold aus geplünderten Aztekenstädten und Silber aus Sklavenminen fluteten Spaniens Schatzkammern in einem Ausmaß, dass den Wert der Goldwährungen bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts um ein Viertel zurückgehen ließ. Spaniens Silber verteilte sich über den Kontinent, sorgte für die Gründung erster Bankhäuser, Aktiengesellschaften und allgemein des Kapitalismus, der uns heute noch wie Scheiße am Schuh klebt. Continue reading →

Das, was war…

»The Terrans must be aware of this flaw. It’s not sustainable.«
»I don’t think sustainability is their main objective.«
Star Trek Discovery

Eines der Grundprinzipien des Kapitalismus ist es, an der Börse auf eine Zukunft zu spekulieren, die eventuell eintreten könnte, damit die Superreichen weiter auf Kosten eben dieser Zukunft Koks und Nutten bei Amazon ordern können. Geht es aber um die Zukunft des Planeten, dann ist völlig unmöglich, etwas über die Zukunft zu sagen. Sagen dieselben Leute.
Man muss es eingestehen: Wir leben schlicht und ergreifend in einem totalitären System. Die Verrückten werden weiterhin von den Blinden angeführt und werden dafür sogar von ihren Fangemeinden noch mit Geld beworfen.
Gut, dieses System wird aktuell noch durch massive Überregulierung dazu gezwungen, einem im Kleingedruckten der AGB so was wie ein opt out anzubieten, aber das wird auch nur deswegen gemacht, weil es ohnehin keine Auswirkungen hat. You can quit anytime, but you can never leave.

Die USA, das Land der begrenzten Unmöglichkeiten, werden sich weiter gegenseitig über den Haufen schießen und danach weiterhin versuchen, mit Hilfe von thoughts and prayers das Land in eine von weißem Marketing-Abschaum regierte Theokratie zu verwandeln. Denn diese Leute glauben fest daran, dass die USA ein solches Land sind. Das die Worte „Staatsreligion” oder „Kapitalismus” im Zusammenhang mit der Staatsform der USA innerhalb des Textes der Verfassung gar nicht vorkommen, löst bei vielen Bewohnern von Gilead hinter dem Atlantik in Umfragen immer wieder basses Erstaunen aus. Übrigens auch in Deutschland. Tatsächlich verliert das Grundgesetz zur Frage der Wirtschaftsform nicht ein einziges Wort.

In Deutschland, dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, wird der traurige Troll des Industrielobbyismus im Kanzleramt, dieser Sauerländer mit dem Standard-Gesichtsausdruck eines alternden Cockerspaniels, der versucht, seinen Durchfall zu unterdrücken, auch weiterhin das tun, was er bisher getan hat: Nichts.
Jedenfalls nichts, was in irgendeiner Form einen geistigen Kontakt zur physisch existierenden Realität aufweist.

Das der Typ sich neulich auf eine Brücke gestellt hat, die erstaunlicherweise schon nach  4 statt nach 4,5 Jahren fertiggestellt worden ist, um in stinkender Selbstlobhudelei dieses für Deutschland ungewöhnliche Ereignis für sich in Anspruch zu nehmen, zählt nicht. Als das Projekt Rahmedetalbrücke angeschoben wurde, saß Merz noch auf der Oppositionsbank und verweigerte der damaligen Regierung einmal die Woche die Gelder, um die er dieselbe Regierung noch vor seiner zweiten Wahl zum Kanzler dann angebettelt hat. Die erhöhte Baugeschwindigkeit kam übrigens dadurch zustande, dass man den zuständigen Unternehmen pro Tag früherer Fertigstellung einen Bonus von ca. 10.000 Euro versprochen hat. Plötzlich klappte dann auch alles mit der Planung und sonstigem Gedöns.
Ich habe da allerdings zwei Fragen. Continue reading →

Befrei mich!

„You can check out anytime, but you can never leave.”
– The Eagles –

Goldene Fanfaren ballern die amerikanische Nationalhymne in den Raum, in dem die versammelte Journalistenschar bereits Füße scharrend wartet.
Eine Gruppe halbnackter Blondinen mit Botox-Lächeln pustet mit lasziv gespitzten Lippen eine Wolke aus Kokain und PCB in die wartende MAGA-Menge, um die aufgekratzte Stimmung etwas zu beruhigen.
Dann kommt er: der orangefarbenste Führer aller Zeiten betritt Beifall heischend den Raum und erhebt seine winzig kleinen Hände, um das tosende Jubeln seiner ergebenen Untertanen zu beschwichtigen. Hinter ihm, immer das dienstbare Furunkel am Arsch seiner Majestät, folgt Elon MAGA-Murks, eine Kettensäge in den Nationalfarben an seinem Mützenschirm. Der Typ hat immer noch keinen Anzug.
Gut sieht er aus, der Diktator aller Amerikaner. Statt wie sonst sein dünnes Plastikhaar von hinten nach vorne zu kämmen, trägt er es heute von links nach rechts gebürstet. Selbst sein Haar folgt der politischen Richtungsvorgabe, so das klare Zeichen.

Sodann erhebt El Lider seine mächtige Stimme und verkündet, welche Zölle sich seine höchst intelligente Administration aus dem Arsch gezogen hat, um den Planeten wirtschaftlich endlich mal so richtig abzuwracken.
»It’s a good time to get rich«, furzt er in die willig hingehaltenen Mikrofone und meint damit, dass jetzt alle noch reicher werden, die es ohnehin schon sind. Ganz besonders, wenn sie womöglich auf fallende Börsenkurse gewettet haben und Musk die Behörde, die solche Dinge untersucht, schon komplett entkernt hat.
Sich für Journalisten haltende Halbhirne in Deutschland werden wenige Minuten später ernsthaft schriftlich Debatten darüber beginnen, wie Trump überhaupt auf seine Zahlen gekommen sein mag. Oder ob er womöglich… „generative KI” für seine Formel benutzt haben könnte. Sie wissen schon, dieses Dingsbums, dass den nächsten, heißen Evolutionsschritt des Globalkapitalismus darstellt und das wir jetzt unbedingt alle benutzen müssen, damit wir unsere Jobs verlieren können. Oder so ähnlich.
Als wäre es in irgendeiner Form relevant, aus welchem Paralleluniversum die jeglichem Realitätskontakt abholden Wichsphantasien des Idiokraten diesmal denn so stammen. Aber man hat sich in Deutschlands angeblichen Redaktionen derartig ans Verfehlen einer vorhandenen Kernthematik gewöhnt, da möchte man die Tradition natürlich aufrechterhalten.

So ungefähr muss sich in Donalds sonnenbankbestrahlter Runkelrübe die unfassbare Shitshow angefühlt haben, mit der er am Donnerstag, dem 02. April des Jahres 4.500.002.025 nach Entstehung der Welt die seit nunmehr 80 Jahren von den USA etablierte und mit Bomben und Granaten verteidigte Wirtschaftsordnung der endlosen Globalisierung kurz mal in die Tonne getreten hat.
Schon 2016 sagte ich, dass dieser Mann der Typ sein könnte, der die Globalisierung beendet und ich hatte recht. Der alte Faschist hat es nur noch dümmer und spannender gemacht, als ich gedacht hatte.
Auch Wirtschafts„wissenschaftler” gaben sich entsetzt über das Zustandekommen der Zahlen. Als hätte irgendwer mit mehr als 0,5 Hirnzellen das Geschwafel geglaubt, diese Administration habe sich monatelang über neue Zollpläne beraten und Dinge berechnet. BWAHAHAHARRRHARR…. ′tschuldigung, geht gleich wieder.

Die Realität der Herrschenden und das tatsächliche Universum driften schon lange stark auseinder. Trump hat endgültig die Scheidung eingereicht

Wir reden hier von Menschen, die sich über einen Instant Messenger wie Signal über einen amerikanischen Militärschlag im Jemen unterhalten, der in dem Moment gerade anläuft. Ein pre-Live-Kommentar sozusagen.
Auf diesen Geheimnisverrat höchster Ebene durch Mitglieder der aktuellen Regierung angesprochen, antwortete Gottes eigene Nation, das Land, das einen Mann wie Julian Assange zwei Jahrzehnte mit der Todesstrafe bedroht hat, weil er korrekte journalistische Arbeit geleistet hatte, mit dem Kommentar: »Pfffrtzzzz!«

Die sich empört äußernden „Wirtschaftswissenschaftler” entstammen derselben Denkschule, lehnen auch immer jegliche Verantwortung dafür ab, dass sich die Realität nicht gemäß ihrer wirren Hypothesen verhält und zünden mit ihrer realitätsresistenten Ideologie seit nunmehr 80 Jahren den Planeten an.
Sie handeln mit Futures und werfen echten Wissenschaftlern dann vor, man könne die Zukunft nicht vorhersagen, wenn es um Klimadings und anderen Bums geht.

Kommentiert und der Öffentlichkeit nahegebracht werden diese Dinge von journalistischen Elfenbeinturmbewohnern, von denen es kein einziger bemerkenswert fand, dass die verfickten Amis beim live kommentierten Luftschlag im Jemen ein ganzes Wohngebäude eingeäschert haben. Um einen einzigen Kerl zu killen, den sie für einen Terroristen hielten. Aber Assange haben sie auch für einen gehalten.
Womöglich hat der Typ im Jemen mal an eine Klowand geschrieben, dass die USA ein faschistisches Drecksland sind, in das man nicht mal seine Schwiegermutter reisen lassen möchte. Was also der Wahrheit entspräche. Mit der kommen die USA seit einigen Jahrzehnten in zunehmenden Maß eher weniger gut zurecht. Continue reading →

Zwanzigzweiundzwanzig

„Ab sofort ist Dienstag Soylent Green-Tag!“ – Charlton Heston

Guten Tag und herzlich willkommen zum Jahr 2022.
So. Das war es auch schon. Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu lesen. Denn dazu hätte ich einen Text schreiben müssen. Das ging aber nicht. Tut mir sehr leid, aber es war einfach nicht machbar.
Ich mußte Wäsche raushängen auf dem Balkon. Bei 15°C und Sonnenschein. Dann habe ich noch kurz durch das Bad geputzt, eine Runde gesaugt und dann war ich auch schon wieder bereit für das Sofa. Da wohne ich. Ich mußte noch diesen Fim fertig gucken, den ich in der Silvesternacht begonnen hatte.
So’n Ding von 2011.

Da geht es um eine – hahaha – Pandemie, die eine hübsche Geschäftsreisende sich als Andenken aus China mitbringt und die sich dann rasend schnell ausbreitet. Ist ein bißchen unrealistisch, weil da alle irgendwie besonnen reagieren. Die WHO, die Öffentlichkeit, die Behörden – alle haben die Lage recht souverän im Griff.
Der virale Angreifer stellt sich als Chimäre aus Fledermaus und Schwein heraus, ist schwer anzuzüchten und tötet gerne Menschen, und während er das tut und sich rote Flecken auf Weltkarten zu Ozeanen ausbreiten, als würde der Planet verbluten, kommt es zu Plünderungen, hier und da ein bißchen Kriegsrecht und am Ende steht unser Protagonist ohne seine Frau und seinen Stiefsohn in der Schlange hinterm Militärlaster, um Trockenfutter im Sack angereicht zu kriegen. Die sind da nämlich beide tot und seine Frau war natürlich die eben erwähnte Geschäftsreisende, da ist aus dem Andenken also sehr schnell Gedenken geworden.
Absurd wird es dann, als der Typ mit dem Megaphon verkündet, es sei leider nichts mehr da vom leckeren Armeefutter und die Menge den Laster stürmt und dann keiner der Militärs einfach da reinballert.

Ach ja, dann ist da noch dieser andere Typ, den spielt nicht Matt Damon, sondern Jude Law, und der betreibt einen Blog und deshalb hassen ihn alle Journalisten, und der behauptet dann, daß alle von der WHO lügen würden und mit der Pharmaindustrie unter einer Decke steckten, während er dann fünf Millionen mit homöopathischen Forsythien-Präparaten verdient und am Ende stellt irgendwer dann seine Kaution, als ihn die Feds abgreifen, um ihm die etwa 3.000 Zivilklagen zu überbringen, die gegen ihn vorliegen.
Wie gesagt, bißchen aburder Film. Hollywood halt. Als würden irgendwelche Leute einem Internet-Spinner einfach Geld überweisen, damit er ihnen die Wahrheit™ erzählt und nicht auf den Direktor der WHO hören, der in der gleichen Fernsehsendung interviewt wird.
Außerdem rät der Typ dann allen Leuten noch, sie sollten sich nicht impfen lassen, was natürlich noch absurder ist, denn zu diesem Zeitpunkt sind vier Monate rum und etwa 26 Millionen Menschen weltweit tot, da würde man so ein kriminelles Arschloch ja keine Minute weiter frei rumlaufen lassen.
Außerdem gibt es nach der Zeit schon eine Impfung, weil die Behörden das Zulassungsverfahren abkürzen. An dieser Stelle gleitet die Fiktion schon stark ins Lächerliche ab.

Natürlich weiß ich, daß der Film Blödsinn ist. Schließlich würde das Militär im Zweifel die Lieferungen der Regierung einfach behalten und weitere anfordern, bis es keine Lieferungen mehr gibt und dann macht man einfach einen Staat im Staate auf, bis alle Menschen so weit infiziert sind, daß sie entweder tot oder wieder gesund sind.
In der echten Realität würde nach 140 Tagen schwarzer Pest keine Sau mehr Lebensmittel verteilen. Da gräbt man den gefrorenen Nachbarn aus der Schneewehe. Ich habe nicht nur World War Z oder 28 Days later gesehen, sondern schon 12 Monkeys. Ich weiß, wie die verdammte Zombieapokalypse aussehen wird. Sie kommt getarnt als Neujahrsansprache von Menschen, die vorher schon zwölf Jahre regiert haben. Continue reading →

Die Banalität des Blöden

Hätte ich im Januar vorhergesagt, daß die Besten der Besten der Besten in Deutschlands Regierungsclique eine Taskforce leiten würden, die nur elf Monate nach der Zulassung des ersten Schnelltests für SARS-CoV-2 mal zusehen soll, ob man davon auch welche einkaufen kann, niemand hätte mir das geglaubt.
Hätte ich in meinem gern als Stilmittel genutzten Sarkasmus gesagt, daß dieses dynamische Duo aus Jens Spahn und Andi Scheuer bestehen würde, hätte mir das ebenfalls niemand geglaubt und es vor allem auch als völlig absurde Zukunftsentwicklung bezeichnet.
Warum nicht Nitro und Glycerin? Satan und Cthulhu? Pest und Cholera? All diese Möglichkeiten hätten sehr viel weniger Schadenspotential beinhaltet.

Das ist ein Problem der Zukunft, das ich vor langer Zeit, zu Beginn dieses Blogs einmal erwähnte. Manchmal nimmt sie chaotische Formen an, die letztlich nicht mehr vorhersagbar sind. Vorhersehbar auch nicht. Das große Muster bleibt davon unbeeinträchtigt, aber diese spezielle Zwischenphase ist in ihrer jeweiligen genauen Ausprägung etwas, das sich dem Zugriff der Psychohistorik entzieht.
So wie in Isaac Asimovs Foundation-Romanzyklus einige Jahrhunderte nach dem Beginn des Großen Plans ein Zufallsfaktor auftritt, der von mathematischen Funktionen nicht erfaßt werden konnte, kann dieses Ereignis auch in der Realität auftreten.
Üblicherweise ist es ein Ereignis, ein Dingsbums. Sehr viel seltener ist es eine einzelne Person. Im Roman nimmt die Störung der Zukunftsgleichungen exakt diese Form an. Eine Einzelperson, ein Mutant mit speziellen psionischen Fähigkeiten, tritt hier als irregulärer Faktor auf, der droht, den Tausendjahresplan mit seinem Wirken völlig scheitern zu lassen.

In den allermeisten Fällen wird das gesamte Gebilde aus Gleichungen, Wahrscheinlichkeiten und nichtlinearen Funktionen, die wir gemeinhin als „Zukunft“ bezeichnen, durch solche Dinge oder Personen nicht dauerhaft gestört.
Störung bedeutet hier, der gesamten Geschichte einen deutlich anderen als den vorher projizierten Verlauf zu geben. Anders bedeutet, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten, denn diese Kategorien entspringen menschlicher Wertung.
Derartige Einflußnahme durch Einzelne ist natürlich trotzdem möglich. Der Mann, der George Washington nicht erschoß, hat mit Sicherheit den Verlauf des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges verändert. Das ändert nichts daran, daß man rein historisch nicht bewundernd vor dem Sieg der Amerikaner stehen sollte, sondern sich die Frage stellen muß, wie die überhaupt gewinnen konnten. Es gibt es noch mindestens ein Dutzend weiterer Stellen im Gewebe der Geschichte, an denen diese peinliche Revolte hätte scheitern können. Oder müssen. Alleine schon, daß es überhaupt dazu kam, war lediglich der Unfähigkeit einer größeren Gruppe geschuldet, nämlich der Regierung des Britischen Empire.
Insgesamt aber ist eine Unabhängigkeit Amerikas vom englischen Mutterland in der Geschichte nicht verwunderlich. Sie wäre so oder so eingetreten. Womöglich ein Jahrhundert später, dann wäre der Bürgerkrieg zum Krieg gegen die Briten geworden. Oder es hätte keinen der beiden Kriege gegeben. Aber die USA existierten heute trotzdem. Wobei sich aus den eben genannten Annahmen natürlich weitere – und durchaus interessante – Konsequenzen ergäben.
Der Fluß der Geschichte in die Zukunft ist kein einzelner, beständiger Strom. Er sieht mehr aus wie das Amazonasgebiet. Unzählige Dinge sind miteinander verbunden und bilden ein System gegenseitiger Abhängigkeiten und Beeinflussungen.
Der Hauptstrom dieses Systems mag manchmal über seine Ufer treten und dabei ein paar Häuser am Ufer mitreißen. Gelegentlich verwandelt sich ein Nebenfluß in ein Rinnsal. Aber er wird nur sehr, sehr selten sein Bett wechseln und völlig woanders lang fließen oder sich in den Untergrund verschieben. Dazu bedarf es großer Erschütterungen und Verschiebungen. Der Einzelne, das unsere Gesellschaft so wichtige Individuum, ist also für den Gesamtverlauf der Zukunft eher unwichtig, weswegen eine persönliche Zukunft sich in der Kristallkugel der Psychohistorik auch nicht scharf darstellen läßt. Continue reading →

Eine Kultur der Gewalt

– II –
Der Hiroshima-Moment

„Any intelligent fool can make things bigger, more complex, and more violent. It takes a touch of genius – and a lot of courage – to move in the opposite direction.“
E. F. Schumacher

Um 11:02 Ortszeit am heutigen Tag vor 75 Jahren leuchtet ein Blitz über einer japanischen Stadt namens Nagasaki auf. Die gigantische Explosion tötet unmittelbar etwa 22.000 Menschen. Zehntausende sterben in weiteren Wochen und Jahren danach. An ihren Verletzungen. An einer Krankheit, die bis dahin niemand gesehen hatte.
Nur drei Tage zuvor, um 08:15 Ortszeit, hatte bereits eine weitere japanische Stadt dasselbe Schicksal erlitten. In Hiroshima sterben 80.000 Menschen sofort. Die aufsteigende Pilzwolke, von einem Besatzungsmitglied des B-29-Bombers „Enola Gay“ aus dem abdrehenden Flugzeug gefilmt, sollte zum Symbol eines neuen Zeitalters der Vernichtung werden.

Es waren nicht die höchsten Opferzahlen nach einem Bombenangriff. Bereits am 10. März 1945 hatten US-Bomber mit Brandbomben eine Fläche im Stadtgebiet von Tokyo belegt, in dem etwa 1,2 Millionen Menschen lebten. Nachdem die sogenannten Pfadfinder das Angriffsziel mit Napalmabwürfen markiert hatten, wurden über 1.500 Tonnen Brandbomben über der Hauptstadt abgeladen, die zur damaligen Zeit noch in der traditionellen Bauweise vorwiegend aus Holz und Papier bestand. Die Bilanz des Angriffs bezifferte sich nach japanischen Angaben auf etwa 84.000 Tote, über 40.000 Verwundete und mehr als eine Million Menschen ohne Obdach. Über eine Viertelmillion Gebäude wurden zerstört. Spätere Schätzungen gehen von bis zu 185.000 Toten aus. Doch die Bomber, die diese Hölle säten, brauchten über drei Stunden, bis sie alle von ihrer Pazifikinsel gestartet waren. Es waren hunderte.
An dem Tag, an dem Hiroshima getötet wurde, dürfte nur sehr wenigen Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit das Gleißen der Sonne auf der Hülle des einsamen Bombers aufgefallen sein, der seinen Weg über die Innenstadt nahm. Tatsächlich war die „Enola Gay“ mit ihren Begleitern der Luftüberwachung Japans sehr wohl aufgefallen.
Da man aber erkannte, daß es sich nur um einen Verband aus drei Maschinen handelte, starteten keine Abfangjäger. Die US Air Force flog zu diesem Zeitpunkt längst routinemäßig Aufklärungseinsätze und die kaiserliche Luftwaffe hatte nicht mehr die Ressourcen, um solche Missionen anzugreifen. Daher wurde kein Alarm ausgelöst, die Bevölkerung wurde nicht gewarnt.

Ein einziges Flugzeug. Eine Bombe. Eine vernichtete Stadt. Eine Todeszone auf Jahre hinaus. Die Kultur der Gewalt hatte einen weiteren Höhepunkt ihres Schaffens erreicht. Niemals zuvor war der Beweis einer wissenschaftlichen Hypothese derartig direkt in Zerstörung umgewandelt worden. Ein geradezu leuchtendes Beispiel einer über Jahrhunderte verfeinerten Effizienz des Tötens. Continue reading →

Immunreaktion

„DON’T THINK OF IT AS DYING“, said Death. „JUST THINK OF IT AS LEAVING EARLY TO AVOID THE RUSH.“
Terry Pratchett, Ein gutes Omen

Wundervolles Wetter. In blühenden Seehäfen wie Venedig werden Schiffe entladen. In Genua und Mailand blüht der Handel. Banken verleihen Geld an Händler und Kaufleute. Schiffe bringen die Waren dieser Händler über das Rote Meer nach Europa. Über die Seidenstraße. Gewürze. Seide. Edelmetalle.
Sie liefern den Tod gleich mit. Der Tod ist ein Meister aus Asien.
Die Pest des Jahres 1347 fegt das Land leer wie das Höllenfeuer, von dem die Kleriker auf ihren Kanzeln gerne sprechen, um die Gläubigen der Gnade Gottes zu versichern. Die sterben trotzdem. Der stäbchenförmige, gram-negative Gott, der bis etwa 1352 über Europa hinwegzieht, wird 1894 in Indien vom französischen Arzt Alexandre Émile Jean Yersin entdeckt, als er das dortige erneute Aufflackern der bis dahin furchtbarsten Seuche untersucht, die die Menschheit je heimgesucht hatte.
Der Erreger Yersinia pestis ist gefunden, einer der großen Triumphe moderner medizinischer Wissenschaften. Erst jetzt sterben empört die letzten Vertreter mittelalterlicher Schamanenüberzeugungen aus, die noch immer nicht recht glauben wollen, daß klitzekleine Dingsbumse, die zu Millionen in Wassertröpfchen leben, irgendwelche Auswirkungen auf menschliches Leben haben sollen.

Im Italien des 14. Jahrhunderts, dem damaligen Resteuropa an kultureller Finesse und Wirtschaftskraft bei Weitem überlegen, kommt der Handel völlig zum Erliegen. Wer nicht an der Pest erkrankt, wird von besseren Hexendoktoren mit Kuhdung eingerieben und stirbt daran, falls er nicht vorher verhungert. Flagellanten ziehen durch die Straßen, religiös verwirrte SM-Anhänger, die sich mit stachelbewehrten Peitschen ihr Fleisch blutig geißeln und barfüßig durch Pfützen laufen, die mindestens zur Hälfte aus Exkrementen bestehen. Denn weder Wasserversorgung noch Kanalisation sind in den blühenden Städten Italiens höher entwickelt als die Hygienestandards heutiger Billigfleischfabrikanten. Umhergewirbelte Tröpfchen aus Schweiß und Blut erweisen sich als hervorragende Methode, um die Seuche weiter zu verbreiten.
Selbst dem Papst wird diese schon immer umstrittene Praktik seiner Glaubensgenossen zuviel. Mit einer Bulle verbietet Clemens VI. im Oktober 1349 die Praxis der öffentlichen Selbstgeißelung als Häresie.
Bereits vorher, im Juli 1348, hatte er in einer anderen Bulle die Juden in Europa vom Verdacht der Brunnenvergiftung freigesprochen, der zu einigen Pogromen und Auslöschung jüdischer Gemeinden geführt hatte. Die Flagellanten waren besonders eifrige Verbreiter dieser Idee gewesen.
Clemens führte als Argumente an, daß auch die Juden an der Pest starben und diese zudem in Gegenden auftrat, in denen gar keine Juden lebten. Seine Anweisungen wurden nicht befolgt. Mit der Bulle Quamvis perfidiam vom September 1349 drohte daraufhin der Papst allen Judenverfolgern die  Exkommunikation an.
Clemens VI. geht auch in die Geschichte ein als der Papst, der den Sommer 1347 in Avignon zwischen zwei gut gefeuerten Kaminen verbringt. Seine Ärzte hatten ihm dazu geraten, denn sie sind der festen Überzeugung, daß Krankheiten durch μίασμα, durch schlechte Luft voller Verunreinigungen, übertragen werden. Die Feuer reinigen die Luft und halten somit Krankheiten fern. Der zur damaligen Zeit in Frankreich residierende Papst folgt dem Rat und überlebt. Vermutlich, weil die Hitze Ratten von ihm fernhält und seine Kleidung keine Läuse enthielt. Immerhin war der Kerl Papst.

An exakt dieser Vorstellung, bereits im 5. Jahrhundert vdZ von einem alten Griechen namens Hippokrates von Kos in die Welt gesetzt, halten noch Zeitgenossen von Yersin fest. Ja, es ist der Hippokrates. Deswegen hielt sich die Vorstellung des antiken Hellenen auch so hartnäckig über die Jahrhunderte. Immerhin hatte der Mann die Grundlagen moderner Medizin erfunden.
Außerdem paßten die Ideen des Hippokrates durchaus zur Beobachtung. Menschen, die im selben Raum mit Kranken waren, wurden krank. Andere nicht. Ergo mußte etwas in der Luft sein, das krank macht. Wenn jetzt im Bus ein Corona-Kranker niest, sind alle anderen sofort tot. Stimmt also. Es liegt was in der Luft.
Hippokrates empfahl auch das Verbrennen von Bekleidung und die Isolation von Kranken von der Öffentlichkeit. Die Pestärzte des 14. Jahrhunderts kennen wir heute noch für ihre Schnabelmasken, unter denen sie einen mit Essig getränkten Schwamm trugen oder irgendwelche duftenden Kräuter, um die eingeatmete Luft zu reinigen.
Dieses Äquivalent der heutigen FFP3-Filtermaske beruhte zwar auf falschen Vorstellungen der Realität, trotzdem verhinderten die Maßnahmen der Quarantäne, die Hippokrates formuliert hatte, in einigen Gegenden den Ausbruch der Pest oder den Tod weiterer Teile der Bevölkerung. Ebenso  führte die Trockenlegung von Sümpfen in Süditalien zum Verschwinden der Malaria. Mal’aria bedeutet nichts anderes als „schlechte Luft“.
In Wirklichkeit führte es natürlich zum Verschwinden der Brutgelegenheiten für Stechmücken, die den Malaria-Erreger Plasmodium mit sich herum- und an Menschen übertragen. Aber vor Erfindung des Lichtmikroskops durch einen Mann namens Antoni van Leeuwenhoek, der aufgrund dessen unschwer als Niederländer zu erkennen ist, konnte niemand in die Welt des Mikrokosmos wirklich hineinsehen. Van Leeuwenhoek war es auch, der 1674 die erste korrekte Beschreibung roter Blutkörperchen lieferte, weil seine mikroskopischen Linsen allem überlegen waren, was man davor oder 150 Jahre danach jemals hergestellt hat.
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Vernetzlich

„Er wußte nicht, daß das beharrliche Geräusch eine Reihe hinter ihm das Ende von allem bedeutete: Es würde keine Fortsetzung mehr geben, sehr bald würde es überhaupt keine Filme mehr geben. In der Reihe hinter Larry hustete ein Mann.“
Stephen King, The Stand

In Drogeriemärkten sind Hygieneprodukte ausverkauft, Nachschub ist laut Aussage des Personals nicht zu erwarten. Kein Wunder. Ein nicht unerheblicher Teil irgendwelcher feuchten Tücher wird vermutlich in China hergestellt. Marktradikale FDP-Wähler, deren Empathie und Liberalismus anderen sonst die freie Wahl überlassen möchte, ob sie von Hartz IV jetzt essen oder heizen wollen, oder die Wahl, welche Alters- und Gesundheitsvorsorge sie sich genau nicht leisten können, stehen weinend vor diesen leeren Regalen und beschweren sich über die Kräfte des Marktes, die immer alles optimal verteilen.
Es sei denn, man kommt erst abends um 20:00 in die Drogerie, weil man vorher noch ein paar Leben in Drittweltländern mit Aktienschiebereien nachhaltig versauen mußte.
Auch über den völlig frei nach Angebot und Nachfrage gestalteten Preis einer Flasche Sterilium – ein gängiges Desinfektionsmittel in Praxen und Krankenhäusern – erheben sich bittere Beschwerden.
Als wären 99 Euro nicht etwa ein Schnäppchen für Leute, die sonst beim Essen gehen alleine für die erste Flasche Wein das Doppelte berappen. Kluge Menschen lachen solche Volldeppen aus. Kluge Menschen kaufen destillierten Alkohol in Flaschen. Stroh-Rum hat auch 80 Volt, das langt zum Desinfizieren von behüllten Viren allemal. Prost, Gemeinde. Im Zweifel ist er im Gegensatz zu Sterilium sogar trinkbar. Continue reading →