Crystal Meth auf der Rolltreppe

Kennt hier jemand die seit einiger Zeit gängigen „Jugendformate” von Online-Medien?
DIE ZEIT versucht, sich mit gruseligen Gendertexten an 12jährige Daggi-Fans ranzumachen, die Schminktips auf youtube für innovativ krass halten und nicht wußten, daß man Haarspray nicht essen darf. Das größtenteils recht unselige Format heißt „zett”.

Die Erbsenpistole der Demokratie versucht, sich bei Leuten unter 30 – die sich nicht mehr dran erinnern können, daß DER SPIEGEL mal was mit ernsthaftem Journalismus zu tun hatte – mit „bento” einzuschleimen. Dabei kommen dann Sachen raus, die Schulpersonal wieder ausbügeln darf. So wie die angebliche Wissenschaftssendung  „Galileo”, wo mal behauptet wurde, eine Kompaßnadel zeige nach Norden, weil da ganz viel Eisenerz im Boden liegt.

Da ich hier im Blog ja gerade noch eine kleine Reihe über Kunst und speziell SF laufen habe, wenn die Politik mich nicht ablenkt, habe ich da mal wieder reingelesen. Und Furchtbares entdeckt.

Wie man sich im Jahre 1900 das Jahr 2000 vorstellte.

Ohne jetzt übermäßig pingelig sein zu wollen, ist dieser Artikel eindeutig unter aller Sau. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich dran denke, daß irgendwelche Lehrer derartigen Mist dann wieder korrigieren müssen, wenn ihre Schüler damit ankommen. Noch gruseliger ist der Gedanke, daß heutiges Lehrpersonal das schon selber nicht mehr hinkriegen würde mit dem korrigieren. Weiterlesen

Die diktierte Demokratie

Was für eine Woche liegt hinter uns. Horden von Menschen zogen mit brennenden Fackeln durch die Berliner Innenstadt und brannten den Reichstag nieder. Verzweifelte Omas, Rentner und Arbeitslose überfielen Supermärkte und Apotheken, um Essen und Medizin zu ergattern. In Hamburg, München, Berlin und Düsseldorf lieferten sich faschistische Ordnungskräfte, die sogenannten „Blauen Alternativen”, Straßenschlachten mit linken Ultrakommunisten, den „Wagenknechts”.
Hunderte von Toten sind zu beklagen, die Bundeswehr ist ausgerückt, um wichtige Schaltzentralen des Lebens zu beschützen. Der Bundespräsident hat den Notstand ausgerufen. Es ist furchtbar.

Eventuell war das aber auch nur mein Eindruck beim regelmäßigen Lesen deutscher Presseerzeugnisse. Landauf, landab hatten die FAZ, die ZEIT, die Süddeutsche, die WAZ und die Erbsenpistole der Demokratie nichts anderes zu tun, als den Untergang des Abendlandes heraufzubeschwören. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Von medialer Berieselung durch mit Sondersteuern subventionierte Staatssender reden wir da mal gar nicht. Gut, jetzt war das untergehende Abendland offensichtlich auf Deutschland beschränkt.
Und eigentlich ging es auch nicht unter, sondern im Keller des Hauses hatte jemand den Putzeimer umgestoßen. Den halb leeren Putzeimer. Mit noch sauberem Wasser.
Ganz genau genommen war am letzten Sonntag das erste Mal in der deutschen Geschichte seit Anno Tukmich – also in diesem Falle 1949 – eine gewünschte Koalitionsbildung nach einer Wahl nicht zustandegekommen. Dieses Jamaika-Ding, Jüngere werden sich erinnern.
Daraufhin fiel in Deutschland kein Sack Reis um, noch nicht einmal leichtes Wackeln der Behältnisse wurde aus dem nationalen Beobachtungszentrum für Reisverpackungen gemeldet.

Ich weiß wirklich nicht, was sich deutsche Nachrichtenredaktionen in ihren Kaffee schütten. Aber es sei der Hinweis gestattet, daß nicht jedes weiße, kristallin wirkende Pulver auch tatsächlich Zucker ist. Außerdem trinkt man Kaffee nicht mit der Nase.
Zuerst wurde also etwa 48 Stunden lang ein Schuldiger für den Abbruch der Sondierungsverhandlungen gesucht. Der war naturgemäß schnell gefunden, denn es war die FDP, die die Brocken hinwarf und am Sonntagabend verkündete, das Rumstochern im Nebel habe keinen Sinn mehr. Also war sie natürlich auch schuld.
Zweiköpfige Ziegen, Schnupfen, Migräne bei Claudia Roth – alles war Schuld der FDP. Zum Glück verstarb AC/DC-Gitarrist Malcom Young schon vor der Ansage der Lindner-Partei, nicht mit Frau Merkel koalieren zu wollen. Ansonsten wäre das auch noch ihre Schuld gewesen.
Aber die Tatsache, daß Dortmund, dieser Haufen überbezahlter Vollflaschen, nicht in der Lage war, im eigenen Stadion ein Revierderby zu gewinnen, in dem die Mannschaft schon mit vier Toren in Front lag, das ist mit Sicherheit die schuld der Lindner-Partei. Immerhin spielen die in schwarz-gelb und der Gegner in weiß-blau, wenn das kein schlagender – oder in diesem Falle, tretender – Beweis ist, weiß ich aber auch nicht. Weiterlesen

Der Geist der zukünftigen Wahlnacht

,,Wahlen alleine machen noch keine Demokratie.”

Barack Obama

Morgen ist es soweit. Morgen wird das Electoral College seine Wahl treffen. Das ist keine Universität, sondern das etwas in Verruf geratene Wahlmännergremium der Vereinigten Staaten, dessen Aufgabe es ist, den Präsidenten zu wählen. Dessen Name noch immer Donald Trump lauten wird, obwohl rumweinende mehr oder weniger Intellektuelle im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten weiterhin hoffen, die Abgesandten der Bundesstaaten mögen sich ihres Gejammers erbarmen und die Königin der Herzen zur Präsidentin ernennen, die da Hillary Clinton heißt.
Wird nur nicht passieren, denke ich. Denn obwohl Ms Clinton nach dem Stand der weiteren Auszählungen lockere 2,5 Millionen Stimmen mehr bekommen hat als ihr Konkurrent, ist das dem amerikanischen Wahlsystem völlig egal. Das interessiert sich für die Zahl der Wahlmännerstimmen, nichts anderes. So ist das eben in einem indirekten reinen Mehrheitswahlrecht. Irgendwas an “the winner takes it all” haben die Demokraten, die da gegen Demokratie protestieren, wohl nicht ganz verstanden. Vielleicht hätten sie einfach mal zur Wahl gehen sollen, dann hätte es ihnen womöglich jemand erklärt.

Eben dieses Wahlrecht empfinden jetzt also viele der Verlierer als völlig unangemessen für ein Land wie ihres. Aus unerfindlichen Gründen fühle ich mich da an die letzte Bundestagswahl erinnert, als plötzlich ganz viele beleidigte Anhänger dieser gewissen pseudoliberalen Partei auftauchten und vergrätzt bemerkten, daß es ja so etwas wie eine Fünf-Prozent-Hürde im deutschen Wahlrecht gibt, über die die eigene Partei nicht drübersprang im Jahre 2013.
Auch die völkischen AfDler weinten bitterlich rum, denn sie waren ebenfalls vor der Tür stehengeblieben und durften nicht rein. Völlig entsetzt wurde das als Beweis dafür angeführt, daß Deutschland keine Demokratie sein könne, wie es die selbsternannten Retter der Nation ja schon immer gewußt haben. Dabei waren die Regeln vorher klar und deutlich festgelegt. Ich wüßte auch nicht, daß in den dreißig oder vierzig Jahren vorher diese sogenannte liberale Partei damit je ein Problem gehabt hätte. Pötzlich war diese Hürde aber ein undemokratisches Problem, da wurde ernsthaft von Seiten der Pseudoliberalen mit der demokratischen Repräsentation argumentiert, denn insgesamt blieben bei dieser letzen Wahl gute siebzehn Prozent aller Wählerstimmen auf dem Rasen vor dem Bundestag hocken. Zynische Geister könnten auf die Idee kommen, daß die damalige Reaktion damit zu tun hatte, daß man nun erstmals seit gefühlt Immer nicht an den Fleischtöpfen der Macht sitzen würde.
Nirgendwo steht geschrieben, daß jede Nulpenpartei in ein Parlament einziehen muß, die auch nur einhundert Stimmen zusammenkratzen kann. Grund dafür ist, daß das Wort “Mehrheit” in manchen Köpfen ganz klar definiert ist als “Meine Meinung plus alle anderen, die sie teilen”. Wenn das aber nur 53 Menschen von insgesamt 64 Millionen Wahlberechtigten sind, ist das parlamentarisch nun einfach keine Minderheit, die irgendein Vertretungsrecht hätte. Ich habe die Bundestagswahlen auch noch kein einziges Mal gewonnen, ich finde, die sollen sich alle mal nicht so anstellen.

Ist schon komisch, daß die eigene Mehrheit im Kopf nicht parlamentsfähig sein soll. Oder präsidentenfähig, auch wenn das am verpfuschten Wahlsystem liegen mag. Aber die USA können ganz beruhigt sein. Denn die Medien haben in wochenlanger schmerzhafter Analyse und Selbstreflexion herausgefunden, woran es lag, daß eine Superfrau wie Hillary Clinton die Wahl recht krachend verloren hat: Die Russen waren es.
Gerade eben erst hat die Washington Post eine Liste veröffentlicht von etwa 200 Blogs, die russische Propaganda verbreiten und so den amerikanischen Wähler seiner rechtmäßig gefühlten Präsidentin beraubt haben. Darunter sind ein oder zwei Blogs, die ich auch schon zitiert habe. Aber gut, jetzt weiß ich ja, daß das alles ferngesteuerte Russen sind. Danke, Washington Post. Und meine Grüße an Senator McCarthy.
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Euphemitis

“Gewaltloser Widerstand ist Gewalt”.
Friedrich Zimmermann, Bundesinnenminister, 1983

Seit Jahren geht ein schleichendes, aber sehr ansteckendes Virus durch die Welt der Medien. Es erwischt ganze Redaktionen, denn niemand fühlt sich krank, also kommen alle weiterhin zur Arbeit.
Es ist völlig unerheblich, ob jemand geimpft ist oder Taschentücher dabei hat, ob in Online-Redaktionen gearbeitet wird oder für Printmedien. Auch Fernsehmoderatoren sind weiträumig betroffen, sei es bei Nachrichten oder den allseits beliebten Talk Shows. Es ist nicht relevant, ob die jeweilige, offiziell journalistisch tätige Person für Wirtschaft zuständig ist, für Politik, für Inlandsnachrichten allgemein oder für den Sport. Niemand ist dagegen immun oder bleibt davon verschont.

Ich weiß nicht ganz genau, wann dieses Phänomen geboren wurde. Ich weiß allerdings gut, woran ich es für mich persönlich erstmals bemerkte. Beim Studieren technischer Prospekte eines Elektronikmarkts und beim Lesen von Fachartikeln in einer nicht ganz unbekannten Computerzeitschrift.
In diesen Prospekten tauchte nämlich irgendwann im Kleingedruckten folgender Hinweis auf: “Tatsächliche Größe kann abweichen.”
Gemeint war damit die Größe der Speicherkapazität von Festplatten. Irgendein genialer Marketingfuzzi in irgendeiner Abteilung für Propaganda und kapitalistische Agitation muß auf die Idee gekommen sein, daß ein Gigabyte eine Milliarde Byte hat. Klingt zumindest auch im Ansatz logisch, denn so etwas wie ein Gigawatt ist ja auch eine Milliarde Watt groß. Allgemein steht die Vorsilbe “Giga-” für “eine Milliarde”.
Nur eben bei Computern nicht.

Denn unsere heutzutage so zahlreich verwendeten Computerhelferlein beruhen auf dem Dualsystem. Einsen und Nullen. An und Aus. Ja und Nein. Basismäßig eine recht simple Geschichte.
Dieses Dual- oder Binärsystem beruht auf den Arbeiten eines Herrn namens Gottfried Wilhelm Leibniz, der nicht verwandt ist mit dem Erfinder des Butterkekses. Schon im 17. Jahrhundert stellte Leibniz fest, daß man normale Zahlen, also Dezimalzahlen, die unter Verwendung des Zeichens Null bei uns allgemein benutzt werden, auch als Potenzen der Zahl Zwei schreiben kann.
Das Prinzip ist recht simpel und einfach zu nutzen, ergibt allerdings lange Zahlen. Das Jahr 2016 wird so zu 11111100000.
Ganz links steht hier die Potenz 210. Ganz rechts steht die Potenz 20. Das ergibt mathematisch immer 1, unabhängig von der Basis, und wird benötigt, um eben auch durch Zwei nicht teilbare Werte darstellen zu können. Auch das Dualsystem hat also eine Eins. 2016 ist hier die Summe aus 1024+512+256+128+64+32. Das sind die Potenzen 210 bis 25, sonst nichts. Die restlichen Werte sind Null.
Das Problem an der Sache ist jetzt, daß ein Gigabyte an Daten eben aus 1024 Megabyte besteht und nicht aus 1000, wie der unbekannte Vollidiot in der unbekannten Marketingabteilung das wohl angenommen hat. Marketingmenschen in größeren Konzernen haben ja oft was mit Wirtschaft studiert und diese Leute können mit der Realität häufig nicht gut umgehen.
In dieser wahren Realität besteht ein Gigabyte eben aus 1024 Megabyte, das wiederum aus 1024 KiloByte besteht, da das System unserer Binärrechner nun einmal auf dem gleichnamigen Zahlensystem aufbaut und nicht, wie der Rest unseres Alltags, auf dem Dezimalsystem.
Das gilt natürlich nur für Leser, die nicht unter der Knute des sogenannten “imperial system” leben und leiden müssen, also den Maßstäben im angloamerikanischen Raum. Wer mit Zollen, Füßen, Yards und ähnlich unhandlichem Mist rumhantiert und glaubt, das sei ein brauchbares System, hat ohnehin den Schuß nicht gehört. Dummerweise war genau so ein Typ derjenige, der das mit den glatten Gigabyte erfunden hat. Ich bin mir da sicher, weil ein großer Teil maßgeblicher Firmen der Computerindustrie eben im imperialen Amerika sitzen. Wer mit dem feuchten Froschhintern die Außentemperatur mißt, kann eben nicht mit einem logischen Binär- oder Dezimalsystem umgehen und das amerikanische Bildungssystem trägt zur Erweiterung des Weltbildes auch nicht unbedingt zwingend bei.
Ärgerlicherweise ergibt sich also für Menschen, die nicht in Marketingabteilungen arbeiten, für die Größe “Gigabyte” der Wert von 1.073.741.824 Byte. Sieht weniger schön aus als eine Milliarde, ist aber dafür richtig. Und das, obwohl es gar kein Dezimalsystem ist. Weiterlesen

Gefiltert im Nebel

,,Das Tolle am Internet ist, daß endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, daß es auch jeder tut.”
Das Känguru

Eine Woche nach den Ereignissen in den USA wundern sich immer noch alle. Nachdem sie aus ihrem Koma wieder erwacht sind, das die Begegnung mit einer Flasche Wodka, Whisky oder Bourbon unmittelbar nach der Wahl verursacht hatte, versteht sich. Paul Krugman wunderte sich noch in der Wahlnacht. Eine sichtlich gealterte Hillary Clinton wunderte sich erstmalig gestern in der Öffentlichkeit und sprach von einer gespaltenen Gesellschaft in den USA. Unglaublich, was so ein bißchen Make-Up doch ausmacht. Für Gesichter und Gesellschaften.
Ursprünglich sollte der Link zur Süddeutschen Zeitung gehen, aber die wollen offensichtlich nicht mehr verlinkt werden, denn die Seite benutzt neuerdings einen Adblocker-Blocker. Schade, SZ. Netter Versuch.
Die deutsche Regierung wundert sich. Die russische nicht, die gratuliert dem neuen Mann schon einmal. Zum Glück hat Nordkorea nicht auch noch gratuliert, zumindest habe ich darüber nichts gelesen. Insgesamt wundern sich erstaunlich viele Menschen: Wie konnte es passieren, daß ein Typ mit einer Frisur wie ein explodierter Hamster zum Chef des offiziell noch immer mächtigsten Landes auf diesem Planeten gewählt wird?

Im Grunde ist die Antwort einfach: Arrogantes Vollidiotentum, gepaart mit Ignoranz. Näher betrachtet ist die Antwort natürlich nicht ganz so simpel. Das ist wie der Beziehungsstatus zwischen Menschen und ihren Quietscheentchen oder Teddybären auf Facebook: Es ist kompliziert.

Ich persönlich habe die letzte Woche mit mehreren inneren Reichsparteitagen gefeiert, um hier mal jemanden zu zitieren, den ich in einem anderen Leben mal kannte. Nachdem ich schon vor einem guten Jahr vorhergesagt habe, daß Donald Trump Präsident werden wird, und das ganze vier Wochen vor der Wahl noch einmal deutlich wiederholt habe – wobei ich sogar den Verlauf der Wahlnacht recht gut getroffen habe – ist das Ereignis also tatsächlich eingetreten.
Für jemanden wie mich ist das doof, denn eigentlich hatte ich einen Artikel vorbereitet, der da heißen sollte: “Madame President”.
Den kann ich jetzt wohl in den Ordner schieben, der “Alternative Zeitlinien” heißt. Dabei hätte ich so gerne über die Zukunftsaussichten einer Präsidentin Clinton gelästert. Aber so ist das eben, wenn man mit dem, was man so schreibt, auf aktuelle Ereignisse Bezug nimmt.
Auf der anderen Seite ist es manchmal auch durchaus sehr angenehm, den Effekt des “Told you so” am eigenen Leib zu erleben. Statt immer über den Spinner auf der Party zu lachen, mußten jetzt manche Menschen eingestehen, daß ich sehr wohl recht gehabt habe mit meiner Prognose.
Die dafür bezahlten Spezialisten hingegen, die Demoskopen und Statistiker, die Zeitungsschreiber in New York, Washington, London, Frankfurt, Berlin, Hamburg, L.A. und anderswo – sie alle laufen immer noch mit enormen Kopfschmerzen herum seit der letzten Woche. Tja, meine Herren. So ist das, wenn eine Realitätsblase platzt, in der man es sich gemütlich gemacht hat.
Eigentlich wollte ich einen irgendwie anderen Text schreiben, aber kaum hatte ich begonnen, stolperten die Gedanken in meinem Kopf mal wieder hektisch übereinander und drängelten nach vorne. Die Wichtigtuer!
Kreativlinge kennen das. Also geht es diese Woche um etwas, das von sehr vielen Leuten offensichtlich nicht wahrgenommen wird oder wurde, aber trotzdem enormen Einfluß auf unsere Gesellschaft hat. Einen Einfluß, der in den letzten Jahren – auch dank der bereits erwähnten Medien – weiter zugenommen hat: Persönliche Realitäten. Weiterlesen

Verschleißerscheinungen

,,Was meinen Sie, was hier los wäre, wenn mehr Menschen begreifen würden, was hier los ist?”
Volker Pispers

Die Journalistin Amy Goodman stand in den USA vor Gericht und war von einer Gefängnisstrafe bedroht. Klingt jetzt nicht sonderlich aufregend.
Allerdings lautete die Anklage des Staatsanwalts gegen Ms Goodmann auf “riot”, das ist also so etwas wie “Anstiftung zum Aufruhr”.
Ms. Goodman hatte als Reporterin über die “Dakota Access Pipeline” berichtet, und zwar im September. Besser gesagt, über die Proteste dagegen. Das war einigen Sicherheitskräften Anlaß genug, sie festzunehmen, unter der Beschuldigung von “trespassing”, also so etwas wie “schwerem Landfriedensbruch” in deutschen Äquivalenten. Und die übliche bullshit-Beschuldigung, wenn einem nichts mehr einfällt. Die Reporterin ist also vor Gericht gelandet, weil sie ihren Job gemacht hat. Sie hat über Dinge berichtet, die sie oder ihre Redaktion für berichtenswert und öffentlich wichtig gehalten haben. Der zuständige Richter hat die Klage glücklicherweise abgewiesen, am Montag.
Allerdings ist das bei weitem nicht der erste Fall dieser Art in Obamas Amerika, das ja neben seiner Freiheit, wild um sich zu ballern, gerne auch immer die Freiheit seiner völlig ungelenkten Medien betont. Aber natürlich sind wir die Guten.

Diese Pipeline, über die Ms Goodman da berichtete, wird auf der entsprechenden Propagandaseite der Erdölindustrie beschrieben als “Verbindung von den sich rasant ausdehnenden Produktionsgebieten im Bakken und Three Forks” zu den Raffineriemärkten. Die in diesem Falle in Illinois liegen. Ausgelegt wäre diese Pipeline, die hier als Symbol des Umweltschutzes angepriesen wird, für knappe 600.000 Barrel pro Tag.
Das Lustige daran ist, daß Fracking so ziemlich die umweltschädlichste Methode ist, um überhaupt an Öl und Gas heranzukommen. Aber dieses Öl transportieren wir dann über 1.200 Meilen nicht mit dem Zug, wie es aktuell geschieht, sondern eben mit der Pipeline. Um “kosteneffektivere Märkte” zu erreichen.

Schaut man sich einmal die Förderzahlen der US-Frackingindustrie an, wird einem sehr deutlich vor Augen geführt, daß die Ölförderung in den genannten Gebieten bereits seit Monaten absinkt. Das Bakken Field wird also mit großer Wahrscheinlichkeit bis 2020 – meine persönliche Schätzung – ohnehin kein Öl mehr auf den Markt bringen. Seinen Peak, also den Höhepunkt der Förderung, hat es jedenfalls bereits deutlich überschritten.
Da mehr als die Hälfte aller größeren Firmenpleiten dieses Jahres in den USA sich auf die Öl- und Gasindustrie erstrecken – ich hatte das in der Jahresvorausschau leise angedeutet – muß man sich natürlich die Frage stellen, warum man die Pipeline noch brauchen sollte.
Simple Antwort: Braucht man gar nicht. Es ist ein typisches Projekt, mit dem irgendwelche Öltypen verzweifelt weiter versuchen, ihre Kosten zu drücken, damit man so tun kann, als wäre Fracking eine Idee mit Zukunft.
Schon im letzten Jahr haben die Firmen in North Dakota darauf plädiert, daß der Bundesstaat doch bitteschön für sie seine Gesetze bezüglich der Verklappung radioaktiver Abfälle ändern solle. Denn derartige Dinge machen es in Zeiten sinkender Ölpreise so furchtbar schwierig, die Firmenbilanz weiter profitabel aussehen zu lassen. Und immerhin leiht man sich ja mit diesen Zahlen das Geld von Banken, um den Laden weiter am Laufen zu halten.
In North Dakota liegen auch die erwähnten Regionen wie Bakken und Three Forks. Ich wußte bisher nicht einmal, daß bei dieser Sauerei auch radioaktiv belastete Abfälle entstehen. Jetzt weiß ich es. Offensichtlich werden beim Fracken auch im Boden enthaltene Isotope mit in den ganzen chemischen Sabber eingespült, den man da in den Boden pumpt, um das Gestein aufzubrechen. Das ist also etwa so wie radioaktiver Fallout aus Kohlekraftwerken. Schlicht unvermeidlich. Außer, man frackt eben nicht und verbrennt keine Kohle. Weiterlesen

Die geheimen Folterdrohnen der Demokratie

Seit einer Woche ist der Zerfall des Demokratischen, der zumindest einen kleinen Teil unserer Gesellschaft beschäftigt und besorgt, in eine völlig neue Phase eingetreten. Die Erbsenpistole der Demokratie, das Spiegel-Magazin, kommt mit einem groß angelegten Enthüllungsartikel daher, in dem es um die Killerdrohnen der USA geht.

Tatsächlich sind die Vorwürfe, daß die alltäglichen Todesaktionen in Pakistan oder Afghanistan von Deutschland aus gesteuert werden, eigentlich nicht neu.
Schon in der vorletzten Sendung der ,,Anstalt” im Staatsfernsehen, II. Kanal, war deutlich ein Herr von Wagner zu sehen, der ganz klar zum Ausdruck bringt, was man von so einem Vorgehen halten sollte. Das kann man sich HIER anschauen.

Ich möchte diese Fernsehsendung an dieser Stelle einmal ausdrücklich loben. Wenn das deutsche Staatsfernsehen überhaupt irgendeinen Existenzgrund hat, dann ist es diese Sendung. Beim Spiegel stehen die dort erwähnten Tatsachen dann auch weiter unten, etwas verschämt aufgeführt. Vermutlich, um den Anschein von ,,Qualitätsjournalismus” zu bewahren.

,,Berlin allerdings behauptete stets, man habe keine Kenntnis über die Aktivitäten der Amerikaner.”

So ist es da zu lesen.
Dieser Satz ist völlig richtig und es hat auch einen Grund, warum die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung keine Kenntnis über derartige Aktivitäten hat. Das liegt schlicht und einfach daran, daß sie die Amerikaner gar nicht erst gefragt hat. Wer nicht fragt, bleibt nicht nur dumm, er kann auch besonders dumme Dementis herausbringen. Weiterlesen