Zwanzigsechzehn

Prost, Gemeinde.
Überall wird noch der Kater der gestrigen Nacht mit den traditionellen Hausmitteln bekämpft, also Dingen vom seltsamen Rollmops – nicht verwandt mit der Hunderasse und wenig wirksam – bis hin zu einem weiteren Bier/Sekt/Wein, den man sich aufs Hirn schüttet, um den Vertreter der Gattung Felidae alcoholicus elendig in noch mehr Alkohol zu ertränken. Was übrigens rein wissenschaftlich sogar einen gewissen Wahrheitsgehalt hat und durchaus funktionieren kann.
Dazu kommen zu lautes Glockengeläut und Kaffee, wie immer am Neujahrsmorgen.
Währenddessen ist es die Pflicht eher antialkoholisch orientierter Kristallkugelschauer und Kassandras, sich nüchtern und in Kürze dem zu widmen, was da in diesem neuen Jahr so auf uns zukommen mag. Oder besser, zukommen wird. Zumindest behaupte ich das einfach mal. Jahresrückblicke sind voll langweilig, die kann ja jeder. Jahresvorausblicke sind hipster. Wozu ist man schließlich Kassandra?

0049-001 Silvester Sydney

Während andere noch pennen oder ihr Höschen suchen, müssen Kassandras sich schon wieder an die Arbeit machen. Jahresvorhersagen erledigen sich nicht von selbst. Darauf noch einen kräftigen Schluck!

Werfen wir also einen Blick in den Bereich des wichtigsten Dingsbums, das uns alle angeht, ob wir uns dafür interessieren oder nicht: Energie.
Da hat 2016 durchaus was zu bieten, würde ich mal sagen. Denn Erdöl bleibt billig und wird womöglich noch billiger, als es das ohnehin schon ist. Vor einigen Tagen ist erstmals, seitdem ich vor 2 Jahrzehnten anfing, so etwas wie Ölpreise zu verfolgen, der Preis von Brent-Öl unter den von WTI gefallen. Etwas, daß meines Wissens noch nicht vorgekommen ist. Kann sein, daß ich das verpaßt habe. Aber normalerweise ist Brent – also das internationale Öl auf dem Markt dieses unseres wichtigsten Energieträgers – irgendwo zwischen 5 und 15 amerikanische Bucks teurer als die andere Variante. Das nennt man innerhalb der Branche den „Spread“, was nichts anderes heißt als Abstand und eben total professionell klingen soll. Zeigt aber, daß es eben schon sehr lange so ist mit den unterschiedlichen Preisen.
WTI steht hierbei für „West Texas Intermediate“, das ist die inneramerikanische Ölpreisvariante, denn die fördern ja nicht erst seit gestern was von dem Zeug. Und da es billiger ist, amerikanisches Öl in amerikanische Tanks zu zapfen statt dafür Öl von Saudi Productions zu benutzen, war das immer billiger. Aber was hält schon ewig?
Am vorletzten Tag des letzten Jahres schloß Brent ganze 11 Cent über dem anderen Öl. Diese Entwicklung läßt sich bereits eine Weile beobachten, daß aber der Spread völlig verschwindet ist …komisch.

Für 2016 gibt es zwei generelle Möglichkeiten: Entweder die Weltwirtschaft erholt sich, da normalerweise ein sinkender Energiepreis die Weltwirtschaft immer anziehen läßt. Was den Preis in die Höhe treiben würde, wenn denn der Ölstau, der sich da seit 18 Monaten so angesammelt hat, nach und nach mal weggeschlürft wird.
Aber das hatte ich eigentlich schon für 2015 angenommen. Wie eigentlich gefühlt alle anderen auch, denn bisher ist das irgendwie immer passiert in den letzten 100 Jahren. Aber was ist schon für immer?
Jedenfalls weigert sich die Weltwirtschaft hartnäckig, auf den massiv gefallenen Ölpreis positiv zu reagieren. Ich hätte mal so mit aktuell 60 Dollar für das Fäßchen Öl gerechnet, und das war schon niedrig geschätzt. Aber Pustekuchen. Stattdessen sind nicht nur die Ölpreise, sondern alle Rohstoffpreise in geradezu katastrophalem Ausmaß weggebrochen. Was auf Dauer für die globalisierte Industrie etwas unangenehm werden könnte, ich hatte das schon mal kurz umrissen.
Bleibt also die zweite Möglichkeit: Oder eben nicht.
Heißt also, die Nachfrage nach allem von Aspirin bis Zink stagniert weltweit oder geht weiter zurück. Was bedeuten würde, daß sich die Weltwirtschaft in einer Rezession befindet. Zusammen mit weiter fallenden Preisen ergibt sich hier ein massives Depressionsszenario. Da alle Parameter global aktuell auf Rezession hindeuten, tippe ich auf Variante B. Keine besondere Erholung der Weltwirtschaft bei möglicherweise weiter verfallenden Ölpreisen. Mit den entsprechenden Kollateralschäden, wie zum Beispiel der einen oder anderen größeren Pleite innerhalb der amerikanischen Frackingszene.

Dann ist da noch der kleine Bruder des Erdöls, also das Erdgas. Ich denke mal, das bleibt ebenfalls billig. Die US-Gasförderung wird zurückgehen. Bisher ist die weiter gewachsen, insgesamt haben die zumindest 2014 soviel Gas gefördert wie selten zuvor.
Dieses Gas kommt löwenanteilig aus drei Regionen, nämlich der Bakken-Formation – das sind vorwiegend die beiden Dakotas – , aus der Eagle-Ford-Formation – das ist zum großen Teil Texas – und vor allem aus der Marcellus-Formation, das wäre dann Pennsylvania, Ohio und West Virginia.
Preise von drei bis vier Dollar pro mcf sind hier ökonomisch, zumindest laut Aussage der Industrievertreter. „MCF“ ist die übliche Maßeinheit und bedeutet hier soviel wie „tausend Kubikfuß“, denn die mittelalterlichen amerikanischen Einheitenuser sind ja unfähig, mal internationale SI-Systeme zu benutzen. Für Europäer sind das also etwa 4 Dollar pro 28,31 Kubikmeter. Da sieht die Zahl doch schon viel handlicher aus.
Bakken und Eagle Ford sind eigentlich Öllieferanten, aber gerade in Texas wird derartig hysterisch gefrackt, das einfach als Nebenprodukt schon jede Menge Gas anfällt. Dummerweise liegen die Gaspreise derzeit bei eher zwei Dollar als bei den mindestens notwendigen vier. Damit ergibt sich für die Gasförderung irgendwo ein ökonomisches Problem.
Kassandra sagt: 2015 wird für die USA Peak Gas erreicht worden sein. Durch die niedrigen Ölpreise ist die Anzahl der Fracking-Rigs in den USA innerhalb des Jahres um fast 2/3 gesunken. Das kann nicht ohne Auswirkung auf die Gasförderung bleiben, die somit ebenfalls zwingend sinken muß. Damit wird sich der gesamte Fracking-Öl-und-Gas-Boom als das erweisen, was er die ganze Zeit war: eine gehypte Blase. Die niedrigen Preise bringen diese nur schneller zum Platzen als hohe Preise dies vermocht hätten.

Rezession verwandelt sich womöglich in globale Depression

Bisher hat sich die US-Förderung immer als resistent gegen einen Einbruch erwiesen, auch bei niedrigen Marktpreisen. 2016 sind die Vorzeichen allerdings besonders ungünstig. Denn im Gasbereich kam es bisher nicht zu einem Einbruch, da es jede Menge Förderer gibt, die sich bis zum Hals verschuldet haben. Diese Firmen müssen weiter Öl und Gas fördern, damit sie ihre Zinsverbindlichkeiten bei den Banken bedienen können. Es heißt also: Fördern oder implodieren.
Allerdings kann man dieses Spiel nicht ewig aufrechterhalten.
Nähere Zahlenanalysen zeigen deutlich, daß die Schulden der Öl- und Gasbranche bereits seit 2013 unangenehme Ausmaße annehmen und Projekte als unrentabel eingestellt worden sind. Zu diesem Zeitpunkt war aber der Ölpreis noch viel höher.
Die Problematik hatte ich bereits einmal hier und hier angesprochen.

Aktuell sind viele Firmen der Branche völlig überschuldet und können selbst eine marginale Hebung des Zinsniveaus nicht verkraften – was aber genau das ist, was die Federal Reserve unter Ms Jellen ja angekündigt hat.
Höhere Zinsen bedeuten noch schnelleres Platzen der Fracking-Blase und vor allem auch neuen Kollateralschaden am Finanzmarkt. Denn mit den lustigen Papieren, die auf eine goldene Ölbohr-Zukunft spekuliert haben, hat man exakt dasselbe gemacht wie mit gewissen Immobilienkrediten im Jahre 2008. Gleiches Spiel, gleiche Spieler, anderer Würfel. Auch hier ist der finanzielle Umfang irgendwelcher öl- und gasbesicherter Papiere in Bankhäusern, Hedgefonds und anderswo nicht abzuschätzen. Minimalschätzungen gehen von einer Größe der Bombe von 150 Milliarden Dollar aus, die Pessimisten munkeln auch etwas von 1000 Milliarden. Der Untergang der Frackingbranche wird auf jeden Fall ein gewisses Heulen und Zähneklappern mit sich bringen. Popcorn bereithalten wäre meine Empfehlung.

Dazu kommt noch der Iran, der jetzt als womöglich von Sanktionen befreiter Anbieter auf den Weltmarkt treten wird. Zwar sind die Annahmen zur iranischen Produktionssteigerung, die von der IEA im World Energy Outlook gemacht werden, nach meiner Meinung übertrieben optimistisch, um nicht zu sagen, völliger Unsinn.
Das ist aber bei diesem regelmäßig erscheinenden Papier eigentlich immer der Fall. Die Prognosen der IEA sind eigentlich immer lächerlich überoptimistisch, manchmal entbehren sie schlicht jeder wissenschaftlichen Grundlage. Verlässliche Zahlen finden sich hier dagegen, wenn es um den Öl- und Gasverbrauch global geht.
Aber zweifellos wird der Iran mehr Öl auf den Markt bringen wollen und auch versuchen, die eigene Förderung auf den technologischen Stand zu bringen, was alleine für einen Mengenzuwachs sorgen dürfte. Sofern sich genug Investoren finden bei den aktuellen oder womöglich weiter fallenden Preisen, versteht sich.
Aktuell wird das Öl von Konzernen sogar schon auf Tankern zwischengelagert, in der Hoffnung auf steigende Preise. Ein Konzern wie Glencore hat große Lagerkapazitäten angemietet. Natürlich mit der Spekulation auf steigende Preise. Ob die in absehbarer Zeit kommen werden, ist fraglich. Die Lagerung kostet ja selbst auch, insofern muß sich da schon was tun, wenn man mit der Tanker- und Lagerschieberei keine Verluste machen will.
Meine Prognose: Öl und Gas bleiben weiterhin billig, möglicherweise sinken die Preise auch auf oder sogar unter die 20$-Marke. Was aber nicht zwingend gute Nachrichten sind, selbst wenn man nicht das Klima ist.

Dann sind da noch die Gas-Exporte aus den USA: Es gibt zwei Arten von Gas, das als LNG, also verflüssigtes Erdgas, exportiert werden kann.
Die erste Sorte stammt aus Projekten, die bereits Käufer haben. Die andere stammt aus Projekten, die den freien Markt bedienen sollen. Die Projekte der Sorte B werden eingestampft werden.
Das Fracking-Gejubel der letzten Jahre lief vor allem darauf hinaus, daß die USA mehr Gas fördern würden, als sie selbst verbrauchen. Schon hatte man in Europa die Klappe aufgerissen und gefordert, die Amis mögen doch uns mit dem vielen Gas bedenken, was auch die USA gut fanden. Denn dann würde Europa ja unabhängiger von den bösen Russen.

Da gibt es nur ein paar Probleme. Zum einen ist die Fördermenge der USA niemals über den Eigenverbrauch gestiegen. Auch 2014 nicht und 2015 wohl auch nicht. Die USA haben soviel Gas gefördert wie noch nie zuvor, sind aber trotzdem noch Importeur.
Zweitens liegt der Preis für LNG aktuell bei 6-7 Dollar, in diesem Falle pro BTU. Das ist wieder so eine peinliche imperiale Einheit und umfaßt in etwa die Energiemenge, die man braucht, um einem unendlichen Unwahrscheinlichkeitsgenerator eine wirklich ordentlich heiße Tasse Tee zu servieren oder so in der Art. Hier werden britische Pfunde um Grad Fahrenheit erwärmt in der Berechnung – irgendwer muß diesen Amerikanern und Briten mal dringend mitteilen, daß es nicht mehr modern ist, Temperaturen mit einem feuchten Froschhintern messen zu wollen. In wissenschaftlichen SI-Einheiten handelt es sich etwa um 1055 Joule.
Rechnet man zum US-Gaspreis von 2 Dollar aber die Kosten für Verflüssigung – die energieintensiv ist – und Transport hinzu, kommt man auf einen Marktpreis von mindestens 8 Dollar, damit man hier den break even erreicht. Was aber naturgemäß nicht genügt, um Investoren begeistern. Sprich, Erdgas in Form von LNG krankt am gleichen Problem wie Erdöl auch: Die Preise sind nicht hoch genug, niemand investiert und letztlich werden Dutzende Projekte eingestampft.
In den USA werden derzeit zwei Terminals auf den Export von LNG umgestellt bzw. dafür neu gebaut. Diese Dinger dürften sich als teure Industrieruinen herausstellen, da gehen wieder ein paar Milliarden den Bach runter. Bei den aktuellen Preisen macht niemand einen Gewinn mit Gasexporten, nicht mal im Handel mit Asien.

Das LNG, dessen Abnahme bereits durch entsprechende Verträge gesichert ist, wird üblicherweise auch langfristig abgesichert sein. Das heißt, die hierin involvierten Leute können sich zurücklehnen, denn sie werden einen Gewinn einfahren, der vom aktuellen Marktpreis unabhängig ist. Gute Sache. Zumindest für die entsprechenden Zocker und Investoren.
Dummerweise heißt das natürlich auch, daß die Verträge auf der Lieferseite eingehalten werden müssen. Was paradoxerweise dazu führen könnte – und meiner Meinung nach führen wird – daß die USA mehr Gas in Form von LNG exportieren, aber gleichzeitig dazu gezwungen sein werden, dieses Mehr an Exporten durch eine Erhöhung der Importe auszugleichen. Diese werden dann wohl vorwiegend aus Kanada und Mexiko kommen.
Kassandra sagt: 2016 wird sich deutlich zeigen, welche Gasprojekte bereits durch langfristige Verträge gestützt sind und welche nicht. Die zweite Sorte wird das Jahr nicht überleben, diese Projekte werden eingestellt oder „auf unbestimmte Zeit verschoben“. Es wird keine nennenswerten Exporte von US-Flüssiggas nach Europa geben. Nie.

Die Tatsache des Energieproblems wird sich nicht länger leugnen lassen

Verlassen wir die USA und betrachten uns die Welterdölförderung. Nun, auch die wird 2016 zurückgehen, denke ich.
In den letzten Jahren sind diesbezüglich sämtliche Steigerungen global aus dem Fracking-„Boom“ gekommen und der liegt – siehe oben – in seinen letzten Zügen. Nur wenn plötzlich in Libyen oder Nahost Frieden ausbricht, wird eine erhöhte Förderung hier das Absinken der Fördermenge auf den sterbenden Feldern auffangen können. Vielleicht.
Ich behaupte also mal frech, daß 2016 das Jahr sein wird, in dem trotz aller definitionsmäßigen Mogeleien die Tatsache von Peak Oil global auch in den Zahlen nicht länger verheimlicht oder wegdiskutiert werden kann.
Das wird natürlich diverse Experten nicht daran hindern, mit lauter und schriller Stimme eben das zu tun. Ich bin sehr gespannt, was die Herren diesmal als Wunderwaffe aus dem Hut zu zaubern gedenken, jenseits von üblichem Gerede über „Produktivitätsteigerungen“, „erhöhter Effizienz“ und dem anderen BlaBla und Bullshit-Bingo. Es dürfte amüsant sein, darauf zu wetten, welche neue Super-Duper-Technologie unseren industriell zentralbeheizten Hintern denn diesmal mit absoluter Sicherheit retten wird.
Auch hier werde ich persönlich mal Popcorn zurücklegen, das könnte spannend werden.

Abseits von Energie werden wir auch 2016 einige Namen immer wieder hören. Spanien. Wegen der schweren Regierungsbildung dort. Man wird das Land sicherlich drängen, doch mit PP und PSOE eine Art Großer Koalition zu bilden. Denn die politische Stabilität ist ja nun wichtiger als der Wille der Wähler. Man darf die Märkte nicht erschrecken! Dann kriegt Spaniens Bevölkerung entweder noch eine massive Sparrunde und weitere Verarmung auf breiter Front oder die Märkte werden erschreckt und die Merkel muß wieder den Schäuble losschicken. Bin sehr gespannt, wie uns die Springer-Presse dann erklären wird, daß die Spanier halt faul sind oder so. Auch hier: Popcorn. Mit Sangria.

Griechenland. Weil das Land noch immer pleite ist und auch pleite bleiben wird. Weil es auch 2016 Flüchtlinge geben wird, die dort an Land gehen. Weil die aktuelle Regierung das eigentlich abgelehnte „Sparprogramm“ weiter durchsetzen wird, denn sonst geht ihr ja das geliehene Geld aus. Bis es dann Neuwahlen geben wird. Wahrscheinlich noch dieses Jahr. Falls es nicht gleich einen Militärputsch gibt. Waffen geliefert haben wir den Griechen ja genug. Wobei mir einfällt – wer hat die eigentlich bezahlt?

Kanada. Weil die Provinz Alberta sich durch Teersand-Förderung in eine ökologische Katastrophe verwandelt hat. Und jetzt wirft diese Sauerei nicht mal mehr genug Geld ab, um die richtigen Leute zu bestechen. Oder um die unzähligen Milliarden an Steuereinnahmen zu generieren, die man mal versprochen hatte. Das dürfte für ein wenig Unmut sorgen in der Bevölkerung, was ja bei den letzten Wahlen schon recht deutlich wurde. Aber wahrscheinlich wird man das dann durch unbedingt notwendige „Konsolidierung“ ausgleichen. Also Sparmaßnahmen bei Gesundheit, Bildung, Sozialausgaben – das ganze übliche Paket.

Venezuela. Weil das Land ohne hohe Ölpreise noch schneller wieder in Armut versackt als ein Panzer in Treibsand. Es gibt OPEC-Staaten, die bei 30$/barrel noch Gewinne erwirtschaften können. Venezuela gehört nicht dazu. Übrigens auch noch ein großer Teil der restlichen OPEC-Staaten. Insofern dürfte sich innerhalb des Ölkartells auch eine gewisse Mißstimmung ergeben, wenn die Saudis ihre Förderung nicht mal drosseln wollen. Aktuell wollen sie das wohl nicht. Aber einen Trost gibt es: Aufdrehen können sie den Hahn wohl auch nicht mehr.

Saudi-Arabien. Weil unsere wahabitischen Kumpels am Roten Meer, die allseits international umworbenen Vertreter des Extrem-Islamisierens als olympischer Sportart, mit den niedrigen Ölpreisen auch auf Dauer nicht leben können.
Denn das Haus Saud tut seit Jahrzehnten nichts anderes, als das eigene Volk mit ordentlichen Subventionen zu bestechen, damit dasselbe die Fresse hält und nicht revoltiert. Ist halt nur blöd, wenn die Staatseinnahmen soweit absinken, daß man da jetzt den Rotstift ansetzen muß. Außerdem ist ohnehin mittelfristig klar, daß das saudische Exportmodell nicht mehr funktionieren wird. Denn seit 2005 sind die Exportraten des Landes um etwa 1,4% jährlich gefallen. Durch den Eigenverbrauch nämlich. Alleine damit würde sich weiterer Export ab etwa 2025 verbieten.
Dazu kommt das Bombardieren des Jemen, die militärische Intervention in Dubai und der IS, der sich vor den Bomben der anderen irgendwohin zurückziehen wird – notfalls nach Mekka.
Sollte der IS auf die Idee kommen, eine der großen Raffinerien in Saudi-Arabien anschlagsmäßig zu nullifizieren oder eines der großen Ölfelder abzufackeln, würde das den Ölpreis deutlich steigen lassen. Aber das würde nichts helfen, denn dann fehlte es einfach an Verarbeitungs- bzw. Förderkapazität. Zwar gibt es momentan ja einen deutlichen Ölstau, aber irgendwann wäre auch diese Pfütze weggeschlürft. Ab da wird es dann lustig.

Auch die politisch zukünftig engere Zusammenarbeit Saudi-Arabiens mit der Türkei läßt mich persönlich nicht zwingend in Jubel ausbrechen.
Der Füh…ich meine…Präsident Erdogan hat gerade erst angekündigt, diese miesen PKK-Terroristen bis zum Ende zu bekämpfen und sprach dabei von „Säuberung“. So nähern sich Sprache und Geisteshaltung dann auch offiziell an.
Zwischenzeitlich beschweren sich übrigens auch die schon erwähnten Griechen darüber, daß Ankara sie mit Flüchtlingen bombardiere. Ich erwähnte schon, daß die Flüchtlingsnummer uns auch dieses Jahr weiter begleiten wird? Gut.

China. Weil auch China ein Problem mit schwächelnder Wirtschaft hat. Gerade das ist ja einer der Gründe, warum die weltweiten Rohstoffpreise so absacken.
Die chinesische Kommunistische Partei hat 1989 die Proteste der Demokratiebewegung mit Panzern niedergewalzt, um danach das Land auf einen radikalkapitalistischen Kurs zu bringen. Demokratie ist mit Kapitalismus nämlich nicht vereinbar, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.
Das Versprechen hieß: „Wir erhöhen euren Wohlstand, dafür haltet ihr die Klappe und wir herrschen weiter als Partei.“
Das ist natürlich gelogen, denn in Wirklichkeit wurden einige Chinesen sehr, sehr reich. Andere wiederum wurden sehr, sehr korrupt. Was für eine Überraschung.
Die anderen arbeiten sich den gelben Arsch ab, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Kennt man ja, das Spiel.
Aber erstmals hatte sich aktuell in China so etwas wie ein kräftiger Mittelstand herausgebildet. Wenn dieser Mittelstand jetzt aufgrund von Yuan-Abwertung und allgemeiner Schwäche der Globalisierung wieder nach unten fällt, bekommt die KP ein Problem, das sie auf Dauer nicht wird wegzensieren können. Und auch nicht mit Panzern überfahren. So viele Panzer hat selbst die Volksbefreiungsarmee nicht.
Immerhin ist der Yuan jetzt auch Weltreservewährung, China muß sich also an Spielregeln der Weltbank und des IWF halten. Und es gibt Dutzende Länder, die in den letzten 50 Jahren durch die Politik dieser Institutionen in Chaos und blutigen Untergang getrieben worden sind. Alles im Namen der Freiheit. Der Freiheit der Wirtschaft, versteht sich. Menschen haben die Kapitalismus-Religion noch niemals interessiert.
Zusätzlich hatte die KP Ende der 90er ein klares Programm ausgerufen: „Erst die Wirtschaft, dann das Militär.“
Grummelnd hatte das chinesische Militär diesen Deal vor etwa 17 Jahren akzeptiert. Inzwischen bauen die Chinesen an eigenen Stealth-Bombern und -Jägern. Sie kaufen Flugzeugträger – zweifellos, um sie auseinanderzunehmen und dann verbessert nachzubauen. Ich sehe gerade ganz aktuell beim Recherchieren, daß da sogar bereits nachgebaut wird.
Es gibt eigene Weltraumprojekte mit dazugehörigen Raketen moderner Bauart und eindeutig erhobene Machtansprüche auf Gebiete in der südchinesischen See, wegen diverser dort vermuteter Rohstoffvorkommen.
Sollte es zu innenpolitischen Problemen kommen, wäre die chinesische Führung nicht die erste, die mit einem kleinen Ablenkungskrieg auf so etwas reagiert. Sollten die Weltbank oder der IWF China zu sehr in eine Ecke drücken wollen, werden sie feststellen, daß der Drache nicht Südamerika in den 70ern ist, sondern ein anderes Kaliber hat. Meine Empfehlung für diesen Teil der Welt: Krabbenchips bereithalten.

USA. Weil sich hier die Arbeitsmarktzahlen wohl doch nicht so positiv entwickeln werden wie von allen erhofft. Denn die Bundesstaaten mit deutlich positiver Jobbilanz sind zufälligerweise auch die, in denen das Fracking stattfindet seit sechs Jahren.
Weil die kleine, pelzige Alienkreatur, die auf dem Kopf von Donald Trump lebt und seinen Körper steuert, weiterhin versuchen wird, Präsident der USA zu werden. Wenn das passiert, wird dieses Land schneller ganz offiziell in den Faschismus abgleiten, als man „George W. Bush“ sagen kann.
Ich sehe zwei Möglichkeiten. Trump packt es, dann Gute Nacht. Wenn Europa sich dann nicht schnellstens von diesem Haufen religiöser Waffenfanatiker jenseits des Atlantiks abnabelt, die NATO fluchtartig verläßt und einen eigenen Club aufmacht, ist das das Ende.
Oder Hillary wird Präsidentin. Dann aber wahrscheinlich mit der niedrigsten Gesamtstimmenzahl seit weiland Lincoln. Und der hat inmitten eines Bürgerkriegs wählen lassen, schon aus demokratischen Prinzipien heraus. Keiner seiner Möchtegern-Nachfolger hätte das in seiner Situation getan. Die hätten die Wahlen alle ausgesetzt. Was die damaligen, teils analphabetischen Amerikaner aber sicherlich nicht zugelassen hätten.
Mein persönlicher Tip: Die pelzige Alienkreatur gewinnt die Wahlen. Denn wenn die USA in Rezession zurückfallen, wird der Schauspieler Trump, der durchaus weiß, wie man Massen manipuliert, fruchtbaren Boden vorfinden. Ist ja in unserem Land auch nicht anders. Angst essen Hirn auf.

Die Angsthasen und Wirtschaftsfaschisten werden auch dieses Jahr wieder reicher und mächtiger

EU. Wird auch in diesem Jahr weiter zerbröseln. Eigentlich hat Europa längst aufgehört zu existieren, nur kann Frau Merkel das schlecht offiziell zugeben.
Polen driftet so schnell nach rechts, daß es Ungarn spätestens Anfang Februar überholen dürfte. Überhaupt zeigen alle ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts, heute unsere osteuropäischen Kumpels, eine deutliche Tendenz zu faschistischem Arschlochverhalten, um es mal auf den Punkt zu bringen. Alle anwesenden Tschechen ausdrücklich ausgenommen.
Frankreich möchte seinen Ausnahmezustand ins Unendliche verlängern. Die Mächte des Bösen sind im Hintergrund bereits an der Arbeit, um das zu ermöglichen. Man sollte nicht vergessen, daß das Scheitern der FN bei den gerade gelaufenen Regionalwahlen mehr dem französischen Wahlsystem geschuldet ist als einer weniger radikalen Stimmung in der Bevölkerung.
Insgesamt ist die EU dabei, sich völlig zu fragmentieren. Auch ein Zerbrechen des Währungsraums erscheint mir eher wahrscheinlich als noch im letzten Jahr.

Natürlich werden wir auch weiterhin beschäftigt sein mit Syrien, Rußland und der Ukraine – ich denke, die wird in der Hitliste wieder nach oben steigen – und auch Kalifornien. Egal, ob es da diesen Winter noch so regnet wie in Nordengland – die Dürre wird dadurch nicht wirklich dauerhaft enden. Die Russen werden auch weiterhin böse sein, machen wir uns da nichts vor. Gerade erst haben die USA den miesen Vertretern des Bösen vorgeworfen, in Syrien doch tatsächlich zivile Ziele bombardiert zu haben. Wenigstens könnte man den Russen aber noch unterstellen, das nicht absichtlich getan zu haben. Ganz im Gegensatz zum Angriff der USA auf das Krankenhaus der „Ärzte ohne Grenzen“ in Afghanistan Anfang November. Falls das schon wieder alle vergessen haben sollten.

Außerdem werden wir im gemütlichen Deutschland, diesem Wunderland, das gerade von völlig fiesen Strömen gefälschter Flüchtlinge überrannt wird, die Namen Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt hören. Denn überall da gibt es Landtagswahlen diese Jahr. Überall wird die CDU wahrscheinlich gewinnen. Und zwar Dank der großen Mithilfe der AfD und der Tatsache, daß die Asozialdemokraten weiterhin Wähler verlieren werden. Und zwar zu Recht. Dummerweise bedeutet das natürlich Große Koalitionen bis zum St. Nimmerleins-Tag. Der einzige, der in seinem Fieberwahn noch glaubt, daß Rot-Grün jemals wieder allein eine Mehrheit bekommt, ist Sigmar Gabriel.
Und was die Zukunft angeht – in meinem Bundesland hat es die Linke nicht in den Landtag geschafft beim letzten Mal. Die Rechten, also die AfD, werden es vermutlich auf Anhieb schaffen. Bald werden sie anfangen, vor afghanischen Änderungsschneidereien und syrischen Gemüsehändlern zu protestieren, die Vollidioten. Wir sind ja so arm dran, daß wir allerhöchstens noch 124 Millionen für das Silvesterfeuerwerk ausgeben können. Ich werde die faschistischen Idioten der CSU, der CDU und aller anderen Pegidioten™ auch 2016 weiterhin inbrünstig hassen.

Eine gute Nachricht gibt es aber wahrscheinlich dann doch. Der CO2-Ausstoß weltweit wird sinken. Allerdings nicht, weil alle so toll sparen nach der Pariser Klimakonferenz. Schlicht und einfach dadurch, daß die globale Wirtschaftsleistung zurückgehen wird. Depression olé.
Sollte die Weltwirtschaft wider Erwarten doch wieder etwas Wasser unter den Kiel bekommen, dann werden die Emissionen natürlich steigen. Begleitet vom Chor der zufrieden grinsenden Ökonomen, die Sparkurse predigen und uns dazu champagnerlaunig erklären werden, daß Wachstum sicherlich alles rausreißen wird. Aber nur, wenn man den Mindestlohn abschafft, der ja bekanntlich gut 52 Millionen Arbeitsplätze gekostet hat. Natürlich muß der auch für die Deutschen abgeschafft werden, nicht etwa nur für Flüchtlinge. Auch in den Köpfen der Ökonomen ist also alles beim Alten.

Auf ein Frohes Neues Jahr 2016!

2 Gedanken zu „Zwanzigsechzehn

  1. …Und zwar Dank … der Tatsache, daß die Asozialdemokraten weiterhin Wähler verlieren werden. Und zwar zu Recht… Gut gegeben! 😉

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