Die Banalität des Blöden

Hätte ich im Januar vorhergesagt, daß die Besten der Besten der Besten in Deutschlands Regierungsclique eine Taskforce leiten würden, die nur elf Monate nach der Zulassung des ersten Schnelltests für SARS-CoV-2 mal zusehen soll, ob man davon auch welche einkaufen kann, niemand hätte mir das geglaubt.
Hätte ich in meinem gern als Stilmittel genutzten Sarkasmus gesagt, daß dieses dynamische Duo aus Jens Spahn und Andi Scheuer bestehen würde, hätte mir das ebenfalls niemand geglaubt und es vor allem auch als völlig absurde Zukunftsentwicklung bezeichnet.
Warum nicht Nitro und Glycerin? Satan und Cthulhu? Pest und Cholera? All diese Möglichkeiten hätten sehr viel weniger Schadenspotential beinhaltet.

Das ist ein Problem der Zukunft, das ich vor langer Zeit, zu Beginn dieses Blogs einmal erwähnte. Manchmal nimmt sie chaotische Formen an, die letztlich nicht mehr vorhersagbar sind. Vorhersehbar auch nicht. Das große Muster bleibt davon unbeeinträchtigt, aber diese spezielle Zwischenphase ist in ihrer jeweiligen genauen Ausprägung etwas, das sich dem Zugriff der Psychohistorik entzieht.
So wie in Isaac Asimovs Foundation-Romanzyklus einige Jahrhunderte nach dem Beginn des Großen Plans ein Zufallsfaktor auftritt, der von mathematischen Funktionen nicht erfaßt werden konnte, kann dieses Ereignis auch in der Realität auftreten.
Üblicherweise ist es ein Ereignis, ein Dingsbums. Sehr viel seltener ist es eine einzelne Person. Im Roman nimmt die Störung der Zukunftsgleichungen exakt diese Form an. Eine Einzelperson, ein Mutant mit speziellen psionischen Fähigkeiten, tritt hier als irregulärer Faktor auf, der droht, den Tausendjahresplan mit seinem Wirken völlig scheitern zu lassen.

In den allermeisten Fällen wird das gesamte Gebilde aus Gleichungen, Wahrscheinlichkeiten und nichtlinearen Funktionen, die wir gemeinhin als „Zukunft” bezeichnen, durch solche Dinge oder Personen nicht dauerhaft gestört.
Störung bedeutet hier, der gesamten Geschichte einen deutlich anderen als den vorher projizierten Verlauf zu geben. Anders bedeutet, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten, denn diese Kategorien entspringen menschlicher Wertung.
Derartige Einflußnahme durch Einzelne ist natürlich trotzdem möglich. Der Mann, der George Washington nicht erschoß, hat mit Sicherheit den Verlauf des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges verändert. Das ändert nichts daran, daß man rein historisch nicht bewundernd vor dem Sieg der Amerikaner stehen sollte, sondern sich die Frage stellen muß, wie die überhaupt gewinnen konnten. Es gibt es noch mindestens ein Dutzend weiterer Stellen im Gewebe der Geschichte, an denen diese peinliche Revolte hätte scheitern können. Oder müssen. Alleine schon, daß es überhaupt dazu kam, war lediglich der Unfähigkeit einer größeren Gruppe geschuldet, nämlich der Regierung des Britischen Empire.
Insgesamt aber ist eine Unabhängigkeit Amerikas vom englischen Mutterland in der Geschichte nicht verwunderlich. Sie wäre so oder so eingetreten. Womöglich ein Jahrhundert später, dann wäre der Bürgerkrieg zum Krieg gegen die Briten geworden. Oder es hätte keinen der beiden Kriege gegeben. Aber die USA existierten heute trotzdem. Wobei sich aus den eben genannten Annahmen natürlich weitere – und durchaus interessante – Konsequenzen ergäben.
Der Fluß der Geschichte in die Zukunft ist kein einzelner, beständiger Strom. Er sieht mehr aus wie das Amazonasgebiet. Unzählige Dinge sind miteinander verbunden und bilden ein System gegenseitiger Abhängigkeiten und Beeinflussungen.
Der Hauptstrom dieses Systems mag manchmal über seine Ufer treten und dabei ein paar Häuser am Ufer mitreißen. Gelegentlich verwandelt sich ein Nebenfluß in ein Rinnsal. Aber er wird nur sehr, sehr selten sein Bett wechseln und völlig woanders lang fließen oder sich in den Untergrund verschieben. Dazu bedarf es großer Erschütterungen und Verschiebungen. Der Einzelne, das unsere Gesellschaft so wichtige Individuum, ist also für den Gesamtverlauf der Zukunft eher unwichtig, weswegen eine persönliche Zukunft sich in der Kristallkugel der Psychohistorik auch nicht scharf darstellen läßt.

Die Wahl eines Donald Trump hat die Auflösung der Wahrheit nicht ausgelöst, die jetzt seit Jahren als „Fake News” durch die Medienlandschaft gereicht wird.
Sie war nicht dafür verantwortlich, daß das Vertrauen in mediale Berichterstattungen, in die Zuverlässigkeit von Journalismus oder allgemeiner Informationen in der Öffentlichkeit massiv untergraben wurde oder inzwischen völlig verloren ist. Lange vor QAnon sind irre Verschwörungstheoretiker jenseits aller Wissenschaftlichkeit durch die amerikanische Gesellschaft gefallen und haben ihre Spuren hinterlassen. Man darf dabei nicht vergessen, aus welcher Klientel sich die Ahnenreihe dieser Leute rekrutiert. Man darf auch nicht vergessen, daß nicht alle religiösen Verrückten, Inquisitoren und Hexenverbrenner in die Neue Welt auswanderten. Sehr viele von ihnen blieben in Europa. Wie ich schon einmal sagte: Wenn Menschen den Verstand verlieren können, können Gesellschaften das auch.
Donald Trump wirkte hier lediglich als Beschleuniger eines Zerfallsprozesses, der zum Zeitpunkt seiner Wahl längst begonnen hatte. Als Katalysator. Das größere Muster, nämlich die Zerstörung der Glaubwürdigkeit von als demokratisch wichtig geltenden Institutionen wie Gerichten oder Medien, blieb durch seine Anwesenheit erhalten und gewann an Geschwindigkeit.

Die Corona-Pandemie ist ein ähnlicher Fall. Denn auch hier ist das Wort „Krise” lediglich dem Drang der Politik und der Medienlandschaft geschuldet, dieses heruntergekommene Buzzword ständig zu benutzen. In Wahrheit existiert gar keine Krise. Ich habe in meinem Regal die Sonderausgabe einer Zeitschrift namens Spektrum der Wissenschaft stehen. Sie stammt vom Ende der 90er und beschäftigt sich mit…Seuchen. Der Tenor tatsächlicher fachkundiger Experten schon damals: »Es ist keine Frage, ob uns eine Pandemie droht. Es ist nur eine Frage des Wann.«
An diesem Tenor änderte sich durch die Updates über die Jahre schlicht und einfach nichts. In den 90ern wurden noch regelmäßig Planspiele – meist militärischer Art – durchgeführt, die die Ausbreitung eines Virus simulieren sollten und Politiker und Institutionen im Umgang mit einer solchen Bedrohung schulen. Üblicherweise hatten immer irgendwelche fiesen Terroristen irgendeinen Erreger freigesetzt, um die freie westliche Welt zu vernichten.
Da kannten wir ja Facebook, Twitter, Instagram und Amazon noch nicht.
Auch in den 2000ern wurden derartige Übungen in westlichen und nichtwestlichen Staaten durchgeführt. Sie alles hatten eines gemeinsam: Es gab meines Wissens niemals eine Simulation, in der die Politiker es geschafft hätten, die Gefahr einzudämmen und das Szenario mit einem Siegbildschirm zu beenden. Kein einziges Mal tauchte “You are victorious” auf dem Screen nach dem Endboss auf. Immer wieder haben unsere gewählten Vertreter in diesen Planspielen schlicht und einfach völlig versagt.
In den USA endete eines dieser Szenarien nach 72 Stunden damit, daß die Beteiligten vor Erschöpfung nicht mehr gucken konnten. Zu diesem Zeitpunkt waren 31 Bundesstaaten der USA „verloren”, also virologisch unrettbar durchseucht, die öffentlichen Institutionen waren handlungsunfähig, ein guter Teil der bundesstaatlichen Regierung nicht mehr existent und in diversen Regionen die Kommunikation zusammengebrochen.
Fast so, als würde man in Texas wohnen, wenn es da mal kalt wird. Oder in Puerto Rico, nach einem Hurrikan. Über alle diese Jahre hinweg war die Aussage aller Epidemiologen, Virologen, Soziologen und Psychologen simpel zusammengefaßt: Wir sind nicht vorbereitet. Und wir sind überfällig für die nächste Pandemie.

Aktuell also steht die Welt im Allgemeinen dumm da und Deutschland im Speziellen guckt besonders blöde aus der Wäsche, weil etwas eingetreten ist, von dem alle wußten, daß es eintreten würde. Also ist es schon definitionsmäßig keine Krise.
Es ist in Deutschland das Ergebnis von vier Jahrzehnten Regierungsinkompetenz, Handlungsunwilligkeit, lobbyistischer Korruption, Unfähigkeit in sämtlichen Bereichen des schlichten logischen Denkens und massiv mangelnder Kompetenz auch an der Wahlurne. Wenn man immer wieder dieselben Idioten wählt, die immer wieder dieselben Sachen machen, die schon vorher nie funktioniert haben, ist das quasi die Transzendierung des diesbezüglichen Ausspruches von Albert Einstein.
Menschen, die mir heute erzählen, sie würden jetzt beim nächsten Mal aber ganz bestimmt keine ehemalige spd oder eine der C-Parteien wählen, müssen sich von mir mit der Tatsache konfrontieren lassen, daß sie in ihrer bräsigen Ignoranz schlicht Teil des Problems sind und als Diskussionspartner zu irgendeiner Thematik keinesfalls satisfaktionsfähig sein können.

Wenn man sich als Volk zwei jeglicher Kompetenz unverdächtiger Typen wie Jens Spahn und Andreas Scheuer als Lösung für etwas verkaufen läßt – was bei allen hinduistischen Höllen soll denn dann bitte das dazugehörende Problem sein?
Es gibt schlicht in einem Universum, das für rationalen Produktivbetrieb vorgesehen ist, keinerlei Schreckensszenario, in dem diese beiden Trottellummen für irgendetwas die Lösung darstellen könnten. Außer vielleicht, man opfert beide auf einem Altar auf der Spitze einer Pyramide, um den Zorn irgendwelcher mies gelaunten esoterischen Entitäten zu besänftigen oder etwas in der Art.

Die mediale Methode des ‘burying’, des Begrabens demokratiefeindlicher Entscheidungen unter einem Wust von Ablenkungsnachrichten, nimmt überhand. Weinende Wirtschaftsweise verdecken langfristige Gefahren. Faschistoide Innenminister zum Beispiel.

Seit einem Jahr ist das Coronavirus jetzt an allem schuld. Dabei ist es genau so wenig ein Schuldiger wie Donald Trump. Es ist nichts weiter als ein Symptom. Zudem eines, das klar erwartbar war. Alles ist plötzlich schlecht wegen Corona. Deutsche Kinder werden immer dicker, können nicht mehr schwimmen und werden immer unglücklicher, weil sie nicht mehr zur Schule gehen können. Wegen Corona. Was für ein Blödsinn!
Erstens haben wir als Kinder immer gewußt, daß Fett oben schwimmt. Zweitens hätten wir vor 40 Jahren über die absurde Theorie gelacht, wir wären voll unglücklich, weil wir nicht um halb Sieben aufstehen müssen, um uns in die scheiß Schule zu schleppen, die wir ohnehin nicht leiden konnten und vor allem morgens um die Zeit mal gar nicht. Es gab natürlich auch damals Mitschüler, die das Äquivalent zum Bürokollegen sind, der einem Montagmorgen mit einem strahlenden Lächeln entgegen kommt und allen anderen mit seiner guten Laune auf den Sack geht. Eulen und Lerchen und dieser Mist.
Es gibt einfach Psychopathen, die gerne mitten in der Nacht aufstehen, vor allem im Winter, wenn es noch dunkel ist. Und dann gibt es Menschen wie mich. Die pennen einfach gerne, bis sie wach werden. Der Rest ergibt sich.
Jedenfalls hätten wir gemäß heutiger Corona-Theoretiker allesamt die Schulferien hassen müssen wie blöde. Aber das war gar nicht der Fall. Nicht mal die Montagmorgen-Psychos haben die gehasst.
Man kann auch mit drei Sekunden googeln rausfinden, wie lange sich der Deutsche Lehrerverband, der Deutsche Schwimmverband, der Deutsche Frühaufsteherverein oder der Verein deutscher Weckerhersteller darüber aufregen, daß Kinder immer dicker, unbeweglicher, sportlich schlapper und beim Schwimmen unfähiger werden. Ohne das jetzt zu tun, weiß ich genau, daß sich ein sehr viel längerer Zeitraum ergeben wird als „seit Corona”.

Die Lufthansa hat soeben einen Jahresverlust von 6,7 Milliarden Euro gepostet. Natürlich wegen Corona. Wenn man bedenkt, daß der Bundesverkehrsminister erst im letzten Jahr noch 9 Milliarden Scheuergelder über dieser maroden Klitsche abgeworfen hat, wird klar, daß das völliger Blödsinn sein muß. Die Luftfahrtindustrie, verehrte Damen und Herren, ist bereits seit etwa 15 Jahren alles andere als ein dynamischer Wachstumsmarkt. Das begann also noch vor der anderen Krise. Dieser „Finanzkrise”, die auch keine war oder ist im Sinne der Definition.
Das Virus ist nicht schuld an der Bräsigkeit deutscher Politik, die für Digitalisierung immer erst die Stempel-App installieren möchte. Die dann aber nicht kompatibel ist mit Windows 98. Es ist auch nicht schuld an faschistischen Innenministern, die ernsthaft wollen, daß eMail-Anbieter und überhaupt alle, die irgendwie digital kommunizieren, sich vorher mit ihrem elektronischen Personalausweis registrieren lassen müssen. Da werden sich Threema und Signal aber drüber freuen, daß der Innenminister das will. Auf den Hinweis von Verfassungsrechtlern oder Bürgerinitiativen, die das als Einführung der vom EUGH verbotenen Vorratsdatenspeicherung bezeichnen, antwortet Heimat-Horst mit CSU-typischer Eloquenz: Sein Vorhaben sei gar keine anlaßlose Datenspeicherung.
Das Virus kann auch nichts dafür, daß solche Innenminister auf diesem Personalausweis ab diesem Jahr zwangsweise Fingerabdrücke speichern werden. Das hatten die Nazis zuletzt eingeführt in Deutschland und in Spanien. Spanien schaffte das nach Franco wieder ab. Deutschland schon früher, aber aus anderen Gründen.
Womöglich hätte man damit das Land effizient entnazifizieren können, was offensichtlich niemals geklappt hat. Horst Seehofer muß ja Eltern haben.

Das Virus ist auch nicht daran schuld, daß die Wirtschaft seit 30 Jahren zunehmend keinen Bock hat, irgendwelche Steuern zu bezahlen, um die Infrastruktur zu bezahlen, die es diesen Konzernen und diversen Privatpersonen ermöglicht hat, überhaupt so unfaßbar reich zu werden und vor allem auch zu bleiben.
Das Virus kann nichts dafür, daß eine kompetenzfreie Zone wie Andreas Scheuer auf einem Ministerposten sitzt. Alle regen sich darüber auf, daß dieses Virus überhaupt keine Rücksicht nimmt auf Unternehmen oder Kompromisse anbietet.
Andreas Scheuer konnte Minister werden, weil eine alternativlose Kanzlerin ihn ernannt hat, auf Wunsch seiner korrupten Fascho-Parteikollegen von der CSU. Einer Partei, die mehr Schaden angerichtet hat als die NSDAP. Dann hat die Kanzlerin vergessen, daß man Minister auch wieder entlassen kann.
Dieser Mann trägt Verantwortung für die Digitalisierung, die Innen-Horst so gerne komplett totalüberwachen möchte. Alles nur, weil irgendein ein Beratungsscherge vor 30 Jahren Helmut Kohl das Internet als „Datenautobahn” erklärt hat.
Ich nehme an, die Kinder dieser Berater sind diejenigen, die heute Herrn Scheuer beraten. Zuletzt bei seinem genialen Vorhaben der Autobahn GmbH. Nichts zeigt die Essenz deutscher Politik und die Innovationskraft seiner Wirtschaftszweige aus dem vorletzten Jahrhundert besser als die Tatsache, daß der Verkehrsminister für Digitalinfrastruktur verantwortlich sein soll. Dank ständiger Intervention der Wirtschaft werden heute Menschen auf Regierungsämter gehievt, denen man in einem Universum, das tatsächlich für den Produktivbetrieb angedacht ist, nicht mal eine Pommesbude anvertrauen würde.
Wobei das ungerecht gegenüber korrekt geführten Pommesbuden ist. Deren Inhaber retten täglich Leben. Im Gegensatz zur deutschen Regierung.

An genau keinem einzigen Punkt in diesem Riesenhaufen Mist, der uns allen in Deutschland jetzt auf die Füße fällt, ist das Coronavirus schuld.
Das Virus macht das Totalversagen der CDU-Politik einfach nur völlig transparent. Und Transparenz ist der Politik in Deutschland ein Greuel.
Deutschland lacht über Texaner on  the Rocks, deren Gouverneur hinterher wahrheitswidrig behauptet, daß eingefrorene WKA das Chaos verursacht hätten, während sich der Senator im mexikanischen Cancun gemütlich den Arsch in der Sonne bräunen läßt.
Im letzten Jahr hat Deutschland nicht mal genug Desinfektionsmittel zur Hand gehabt. Im Land der saufenden Dichten, die denken, sie könnten was, war also nicht genug Alkohol da. Auch daran war nicht das Virus schuld. Jedenfalls nicht das Coronavirus. Das Globalisierungsvirus.
Warum kommt meine Gesichtsmaske denn jetzt aus China, so wie im letzten Jahr auch? Weil China diese Pandemie relativ rigoros bekämpft hat. In Taiwan – diesem Land, das wir im Wertewesten nicht anerkennen wollen, weil China uns da so befohlen hat – gibt es bisher nicht einmal 1.000 Erkrankte. Die Anzahl der Toten ist einstellig. Das Ganze ist natürlich mit Maßnahmen verbunden, die nicht zwingend demokratisch sind.
Aber ich persönlich hätte liebend gerne im letzten Jahr für zwei Monate die Demokratie ausgesetzt, sagen wir, von Mai bis Juli. Denn die Inzdenzzahlen waren niedrig. Hätte man das Land nach chinesischer Methode dichtgeschraubt, wir hätten die Infektionskette damit unterbrechen können. Denn was sonst sollte das Ziel sein in so einem Pandemieszenario?
Das Feuer langsamer brennen lassen, macht am Ende doch nicht weniger kaputt. Die Feuerwehr fährt auch nicht am Wochenende nach Hause wie die Gesundheitsämter in Deutschland, weil gerade Wochenende ist, und läßt die Hütte weiter brennen.
Ich hätte sogar dem verdammten Staat meine Smartphonedaten bezüglich Corona und Gesundheit anvertraut, persönlich nachvollziehbares Tracking eingeschlossen. Wenn ich mir sicher sein könnte, daß der Staat danach mit diesen Daten kein Schindluder anstellt. Dank der die Demokratie unterminierenden Arbeit diverser grundgesetzfeindlicher Arschlöcher, die allesamt Innenminister waren oder sind, kann ich das aber nicht.
Deutscher Datenschutz ist im Privaten ein Witz. Geheimdienste dürfen eh alles. Die Unterscheidung zwischen Polizei und Geheimdiensten wird dank Seehofer mehr und mehr aufgelöst. Inzwischen ist ein guter Teil der Exekutive ein völlig rechtsfreier Raum. Wer diesen staatlichen Strukturen vertraut, findet vogonische Dichtkunst auch ästhetisch.

Ein Stückchen Normalität
Zumindest laut Überschrift in der Lokalpresse. Was an der shopping-bekifften Irren mit ihren tausend Einkaufstaschen eigentlich normal sein soll, steht nicht zur Debatte.

Das also die Corona-Warnapp nicht funktioniert hat, liegt auch nicht am Virus. Sondern daran, daß Deutsche zu blöde sind, Datenschutz zu verstehen, deutsche Politik zu faschistoid, um den mal umzusetzen und deutsche Medien nur daran interessiert, digital möglichst viele Werbetracker auf ihren Webseiten zu haben.
Auf denen steht dann in einer Woche, daß AstraZeneca ein scheiß Impfstoff sein soll. Was vom schlicht medizinisch-virologischen Standpunkt der Pandemiebekämpfung nicht nur völliger Blödsinn, sondern auch noch gefährlich ist. Diese Art Desinformationspolitk gefährdet Menschenleben.
Die angeblichen Edelfedern des deutschen Journalismus sind zu denselben Schreibtischtätern verkommen, die auch einen Goebbels, einen Mao oder den Stalinismus gestützt haben. Aktuell beschweren sich die deutschen Leitmedien lautstark, daß Millionen Impfstoffdosen liegen bleiben, weil die von AstraZeneca sind und keiner sie haben will.
Was völlige Propaganda ist. Wenn ich jemanden in meiner näheren Umgebung finden möchte, der sich jetzt sofort impfen lassen würde, muß ich lediglich einen Ziegelstein über die Schulter werfen. Die angebliche Impfpriorisierung der Bundesregierung ist und war Unsinn. Alt sein macht mit höherer Wahrscheinlichkeit tot, wenn man sich infiziert. Aber es sind Kontakte, die das Virus verbreiten. Die logische Entscheidung wäre also gewesen, diejenigen zuerst zu impfen, die auch sehr viele Kontakte aufweisen. Erzieherinnen. Lehrerinnen. Die Feuerwehr. Das Pflegepersonal. Die Kinder auch. Hätte man einen funktionierenden Digitalstaat, hätte eine echte Corona-App womöglich sogar automatisch Impftermine an die Leute vergeben können, die besonders viele…aber was erzähle ich da.
Statt sachlich derartige Dinge darzustellen, schäumen die meisten Medien über das totale Staatsversagen in Sachen Impfungen, das sie selbst mit herbeigeschrieben haben. Es gibt gar kein Staatsversagen. Richtig wäre die Feststellung, daß der Staat aus Versagern besteht.
Der Rest ist auch eine simple Folge des heutigen, täglich mehr Schwachsinn absondernden Clickbait-Journalismus. Es gibt nicht nur einen Julian Reichelt in der deutschen Medienlandschaft, sondern viele. So, wie es nicht nur einen Trump in der deutschen Politik gibt. Oder einen Mitch McConnell.
Es arbeiten nur nicht alle Reichelts für die Springer-Presse.

Deutsche Effizienz und Organisationsfähigkeit entpuppen sich als Lachnummer. Die Dysfunktionalität des kleinstaatlichen Föderalismus wird mit jeder Konferenz klarer. Corona ist nicht nur Spiegel, es ist auch Lupe. Und ein geopolitischer Brandsatz.

Wer unangenehme Folgen einer Infektion vermeiden möchte, wie beispielsweise den eigenen Tod, der ist mit dem Impfstoff von AstraZeneca nicht schlechter bedient als mit dem von BioNTech oder dem von Moderna. Die Russen verschicken ihren im Westen noch letztes Jahr geschmähten Impfstoff Sputnik V in großen Flugzeugen nach Afrika. In Europa redet man noch davon, daß man eventuell irgendwann mal über die UN ein paar Fläschchen verteilen wird.
Sehr bald werden sich China und Rußland auf halber Höhe des afrikanischen Kontinents die Hand schütteln und Europa kann mal sehen, wo es in den Rohstoffdeals der nächsten 20 Jahre so bleibt. Ich weiß, wie Europa auf einer Ressourcenkarte aussieht. Unsere Superpolitiker scheinen das nicht zu wissen. Schon aus völlig amoralischen und nicht-empathischen Beweggründen sollte die Impfung Afrikas längst massiv vorangetrieben werden.
Geopolitische Unfähigkeit ist ebenfalls nicht Schuld des Coronavirus. Sondern der europäischen „Konservativen”. Wer immer nur alles eindost, hat halt für frische Ideen wenig Raum übrig.
Eine Pandemie – in dem Wort steckt die griechische Vorsilbe für „Alle” oder „Eines” – ist erst dann vorbei, wenn auch Afrika geimpft ist. Oder das verdammte Brasilien, völlig unabhängig davon, welches Arschloch dieses Land da gerade regiert. Man muß ja nicht die Regierung impfen. Es geht um die Bevölkerung. Während aber in Südamerika Chile seinen Nachbarn mit Impfstoffen aushilft, stoppt Italien jeglichen Export von Impfstoffen in afrikanische Regionen oder sonstwohin.
Noch in diesem Jahr wird die Europäische Grenzschutzagentur Frontex, ein von Militaristen und Rüstungsfanatikern geleitetes Privatunternehmen, die ersten Flüchtlinge aus Afrikas Ländern abweisen mit der Begründung, diese Typen im Schlauchboot hätten ja alle Corona. Man nehme das als simple Vorhersage, wohin sich die „Werte Europas” so entwickeln werden.
Die Nazipropagandistin Erika Steinbach hat schon angefangen damit, als sie neulich behauptete, 50 Prozent aller Intensivbetten in Deutschland wären belegt von Menschen mit Migrationshintergrund. Selbst wenn diese Bemerkung den Tatsachen entspräche, wäre sie ein schlichter Hinweis auf soziale Ungleichheiten und sonst nichts. Überall finden sich Berichte, daß in den USA mehr Schwarze und Latinos von COVID-19 betroffen sind als die anderen Bevölkerungsschichten. In Dutzenden Artikeln aus Großbritannien wird klar, daß auch in diesem Fall Hautfarbe nur ein Faktor ist. Die Grenze verläuft wie immer bei solchen Dingen zwischen Oben und Unten.
Wer Kohle hat, sitzt nicht morgens um Fünf in der überfüllten S-Bahn. Wer seine Milliardärsbrut mit dem Lear-Jet ins Privatinternat fliegt, muß sich um gammelnde Schulen und ungetestetes Personal keine Sorgen machen.

Doch auch die europäischen Konservativen, Nazi-Erikas oder die Struktur der EU sind nicht Schuld des Virus. Sondern eines politischen Systems, in dem Wähler immer wieder dieselben Trottel an die Macht wählen, obwohl diese über Jahrzehnte zuverlässig bewiesen haben, daß sie eben solche sind.
Genau so wie deutsche Politik und Wirtschaftspolitik aus reinem Wunschdenken besteht, agieren auch die Wähler. Alle sehen die Welt so, wie sie die gerne hätten. Dann beschweren sich alle, daß die Realität nicht funktioniert. Die soll mal verhandeln und gefälligst kompromißbereit sein.
Lockerungsdebatten im Fernsehen werden allesamt eingeleitet mit Sätzen wie „Die deutsche Bevölkerung verlangt nach Lockerungen…”
Gleichzeitig zeigen alle Umfragen der letzten Monate, auch bei öffentlich-rechtlichen Quellen, bei denen die Teilnehmer vermutlich keine hormonell explodierenden 14jährigen sind, exakt das Gegenteil. Ein relativ konstanter Anteil der Befragten von ~70% findet die aktuellen Maßnahmen entweder ‘Genau richtig’ oder sogar ‘Zu schwach’. Derartige Zahlen als unbedingten Öffnungswillen des Volkes zu deklarieren, ist nicht nur eine Propagandalüge. Es wird auch bei den dann wieder steigenden Infektionszahlen der nächsten Wochen dazu führen, daß die Bevölkerung schuld war und nicht etwa die Politik. Oder besser, die Wirtschaftslobby, die hinter der Politik steht.

Dieses Umdrehen eines Narrativs ist überall zu beobachten. Plötzlich muß man sich nicht mehr rechtfertigen, wenn man die Maßnahmen lockern möchte. Man muß es tun, will man sie beibehalten. Dieselben Inzidenzwerte, die vor zwei Monaten zum erneuten „Lockdown” geführt haben, sollen jetzt eine Begründung dafür sein, alles wieder aufzumachen. Der Frühling steht halt vor der Tür. Und wer im Großraumbüro arbeitet, hatte auch keinen Lockdown. Es gab überhaupt keinen. Jedenfalls nicht, wenn der Autoverkehr in meiner Umgebung ein Anhaltspunkt ist.
Gerade erst hat die deutsche Bundesregierung in wie immer zähen Verhandlungen mit 16 Länderchefs wieder einmal eine 180°-Wende eingeleitet. Plötzlich gibt es überall Öffnungs-Fahrpläne. Helmut Kohl benannte den Waldschadensbericht um in Waldzustandsbericht. Deswegen gibt es auch keine Waldschäden mehr. Deutschland hat auch seit Helmut Kohl keine Staatsschulden mehr. Wir haben „Sondervermögen des Bundes”.
Frau Klatten hat letztes Jahr pünktlich ihre Zahlung von 400 Millionen Euro Rendite von BMW bekommen. BMW bekommt auch immer noch pünktlich Kurzarbeitergeld für seine Mitarbeiter. Trotzdem mußte der gebeutelte Konzern leider einen negativen Quartalsabschluß I von etwa 250 Millionen verkünden letztes Jahr. Schrecklich!

Das der geile Italiener unten am Fluß denselben runtergeht, weil er seit einem Jahr immer wieder zu machen muß, interessiert in Berlin oder Düsseldorf oder München keine Sau. Großraumbüros bleiben weiterhin geöffnet. Großraumhallen, in denen die Viecher geschlachtet werden, die der Italiener dann servieren soll, auch. Konzerte oder Kinobesuche hingegen sind leider untersagt. Nicht, daß die mir persönlich fehlen, ich finde größere Menschengruppen ja ohnehin eher so mittelprächtig. Aber ich bin auch nur einer.
Sieg-Heil-Praktikerinnen dürfen mit Nazis und Vorstadt-Esoterikern mit homöopathischen Vitamin-D-Pillen in der Tasche ohne Masken Demos nackt Demos abhalten und was von Echsendiktatur in Berlin erzählen, aber die Polizei stürmt Kindergeburtstage.
Deutsche Politik rotiert derartig schnell, um die Befehle der Wirtschaft zu erfüllen, daß sie sich selbst in den Arsch treten könnte. Wenn sie nicht ständig auf ihm sitzen würde, während andere die Arbeit machen sollen.

Es ist aber auch nicht alles schlecht an Corona. Britische Touristen auf Mallorca müssen erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht befürchten, daß im Sommer die deutschen Handtücher schon wieder alle Liegen am Pool besetzt haben, wenn sie verkatert aufstehen. Das Menschen allerdings von einer Insel auf eine Insel fliegen, um dann an einem Pool zu liegen, statt im Mittelmeer zu baden, zeigt klar, daß das allgemeine Drehbuch der angeblichen Normalität sich nicht verändert hat. Es hat nur ein paar Plot-Twists bekommen, die das Publikum bei Laune halten sollen.
Brexitannien, diese neoliberalistische Todeszone, steht plötzlich als Superimpfer vor Europas Toren. Boris Johnson, der Mann mit dem Brexit, will England bis Juli wieder neu eröffnen.
Der neue alte weiße Mann in Washington hat soeben verkündet, daß bis Ende Mai jeder erwachsene Amerikaner geimpft sein wird. Mai 2021, wohlgemerkt.
Gleichzeitig drückt Ole Joe sein 1,9-Billionen-Dollar-Paket in den amerikanischen Markt. Die Börsenkurse werden es ihm danken. Der Mindestlohn nicht, der verbleibt auf seinem alten Niveau. Tja, hat leider nicht geklappt.
Erstmals hat die Anzahl täglicher Impfungen in den USA die 2-Millionen-Grenze überschritten. Deutschland hat diese Menge seit Ende Dezember hinbekommen. Die Bundeskanzlerin erzählt etwas davon, daß jedem Deutschen bis September ein „Impfangebot” vorliegen soll. Da sind dann die Wahlen. Falls sie dieses Jahr gemeint hat. Neulich hat noch ein US-Präsident vor den Wahlen auch was von Impfungen…aber was sage ich.

Den Witz, daß es bei einem Discounter wie ALDI Laptops, Desinfektionsmittel, Luftfilter, FFP2-Masken und ab sofort auch Corona-Schnelltests gibt, hätte mir auch vor drei Monaten niemand geglaubt. Nicht mal ich. Schließlich hat Satire auch irgendwo Grenzen.
Vielleicht sollten wir den Schulunterricht einfach in ALDI-Filialen verlegen. Oder ALDI wählen im September. Im Gegensatz zur „CSU“, deren Politiker für die Pflegekräfte applaudieren lassen und gleichzeitig 250.000€ Bestechungsgelder für dubiose Maskengeschäfte einsacken, gibt es ALDI nämlich in allen Bundesländern, was also gemäß deutschem GG einer Zulassung zu Bundestagswahlen nicht im Wege stünde.

Allerdings sollen jetzt dieselben Trottel, die mir im Supermarkt immer noch in den Nacken atmen, weil sie nach einem Jahr Pandemie nicht in der Lage sind, eine Gesichtsmaske auch mal korrekt in ihre dumme Visage zu drücken, gemütlich daheim einen Schnelltest auf eine potentiell tödliche Infektionskrankheit durchführen. Was kann da schon schiefgehen?
Gleichzeitig mehren sich die Stimmen aus der “FDP” und anderen Parteien, die das sofortige Recht auf Nacktschaum-Partys mit anschließender Orgie für alle Geimpften über 12 Jahren im Grundgesetz verankern wollen, am liebsten gestern. Falls sich jemand die Frage stellt, wie das mit der Eigenverantwortung und Selbstdisziplin erst einmal aussehen wird, wenn die Anzahl der Geimpften in Deutschland dreistellige Werte übersteigen sollte.
Nach dem Selbsttest dann also mit Impfpaß ab zum Italiener. Küsschen rechts, Küsschen links.

Nein, die großen Muster der Zukunft, die nicht durch, sondern trotz der Pandemie auf uns zurollt, werden sich nicht entscheidend verändern. Die deutsche Gesellschaft bietet dafür aktuell das perfekte Anschauungsmaterial. In geradezu schmerzhafter Deutlichkeit wird einem vorgeführt, warum und wie eine Zivilisation, die eigentlich alle Mittel hat, ihre massiven Probleme zu lösen, an eben diesen trotzdem zugrunde geht.
Und wenn in diesem Jahr die 394. Klimakonferenz in London tatsächlich stattfindet, kann ich diesen Artikel hier direkt noch mal verwenden. Ich muß vermutlich nur ein paar Namen austauschen. Falls es sich dann lohnt, was dazu zu schreiben vor lauter Corona-Schlagzeilen. Oder Berichten von der Olympiade in Tokyo.

44 Comments

    1. Die Kreativität liegt momentan gerne rum und sagt ‘Meeeh…’
      Ich verspreche nichts 😀
      Danke.

      Antworten

    1. Ja. Völlig. Was kommt als nächstes? Springer hat einen Verhaltenscodex, gegen den man verstoßen kann?
      Wasser ist naß?

      Aber früher haben sie sich beim korrupt sein wenigstens noch Mühe gegeben.

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  1. Sehr schön geschrieben und ein jeder Satz treffsicher wie wahr.

    Abwertend könnte ich sagen, aber alle nur Zeug das jeder sehen und wissen kann wenn er mal logisch rangeht und ein klein wenig nachdenkt.

    Dieses logische Nachdenken scheint aber heute eine sehr sehr seltene Gabe bei Menschen zu sein.

    Viele da drausen verhalten sich eher wie Zombies oder heute ja eher die Weiterentwicklung Smombies.

    Naja, aber schön zu sehen das es da trausen noch Leute gibt die das eingentlich offensichtliche auch noch sehen und nicht dem Massenwahn der kollegtiven Realitätsverweigerungen verfallen sind.

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  2. Alles wirkt als Katalysator in einem exponentiell beschleunigt implodierenden System.

    “Hätte man das Land nach chinesischer Methode dichtgeschraubt, wir hätten die Infektionskette damit unterbrechen können. Denn was sonst sollte das Ziel sein in so einem Pandemieszenario?
    Das Feuer langsamer brennen lassen, macht am Ende doch nicht weniger kaputt.”
    Es hilft aber – wenngleich auch blind und hilflos – das Zombiesystem durch die “Rettungspakete” noch ein Weilchen am “Leben” zu halten.
    Ende 2019 drohte erneut eine witschaftliche Kernschmelze. Im Wertewesten noch viel mehr als in China, daher wird hier bei der Bekämpfung der “Pandemie” planlos und panisch “geschludert”, während man in China offenbar glaubte, EIN ordentliches Paket würde fürs erste reichen. Sie sind halt noch ein wenig optimistischer.
    Der Kapitalismus “überlebt” seit Jahren nur noch durch Dauerrettung und diese muss entsprechend der Implosion exponentiell gesteigert werden.

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    1. Da triffst Du den Punkt: Ende 2019 gab es enorme Verwerfungen am Repo-Market (Repurchase Operations = Kurzfristrefinanzierungsmarkt im Interbankensektor), woraufhin die Fed massiv eingreifen musste. Das alles folgte dem lang angekündigten Ausstieg aus der Niedrigzinsphase durch die Fed. Wie toll der Markt die moderate Leitzinsanhebung Anfang 2019 verkraftet hat, hat man dann Ende August ja gesehen.

      Die Wirtschaft ist abhängig geworden von sehr billigem Geld und nun wurde von der Fed zwangsweise quantitative easing durch die Hintertür weiterbetrieben. Die Fed wollte das zwar beenden, wusste aber nicht wie, ohne den Markt erneut in Turbulenzen zu bringen. Corona kam da “glücklicherweise” dazwischen und gab Anlass, die Geldschleusen endgültig aufzureißen.

      Das Dilemma: Man flutet den Markt mit Geld, vermag aber über Leitzinsentscheidungen nicht mehr in Sachen Inflation gegenzusteuern… Währenddessen sammelt sich das viele überschüssige Geld in den Anlageklassen wie etwa den Aktienmärkten, die sich zwischenzeitlich völlig von der Realität entkoppelt haben. Das berichten witzigerweise ja auch auch große Tageszeitungen unverblümt. Da wird auf Vorzeichen abgestellt, die denen vor 1929 und der Dot-Com-Blase entsprechen bzw. diese in den Schatten stellen.

      Solange aber die Musik nicht aufhört zu spielen, geht die feuchtfröhliche Party einfach weiter. Meines Erachtens ist der Knall ja überfällig, aber mal sehen, bisher war diese Blasenentwicklung resilienter als gedacht.

      Machen wir uns aber nichts vor, der Knall wird gigantisch werden…

      Wäre esnicht homo sapiens würde ich sagen: carpe momentum

      Man könnte unsere Gesellschaften auf nachhaltigeres Wirtschaften einstellen, weniger Verbrauch, weniger Konsum, mehr Reformation unserer Lebensbedingungen.

      …aber es ist……..der Mensch.

      Antworten

      1. Also zieht seit Jahren virtuelles Geld, das sich immer weiter vermehrt, in einer Art letzter großer Party um den Planeten Erde, trinkt Schampus auf dem Parkett der NYSE, haut sich die Krabbencocktails rein in Shanghai, um dann den Abend in aller Ruhe bei Koks und Nutten in Frankfurt, Paris oder London zu verbringen.
        Statt damit etwas zu erschaffen, ist Geld seit Jahrzehnten bereits längst selber zur Handelsware geworden und so entsteht derzeit bereits die nächste große Blase. Sei es Fracking in den USA oder doch Immobillien in China – man kann es nicht genau sagen. Aber die Blase ist da.
        Im Grunde steht die Welt, wie wir sie kennen, am Ende eines gigantischen Superzyklus aus Schuldenmacherei und virtueller Gelderschaffung, der seit Beginn der 70er Jahre anhält. Damals, unter dem Schock der ersten Energiekrise, schloß Präsident Nixon das Goldfenster und die Zinsen stiegen und stiegen, bis auf heute unvorstellbare 18 Prozent.
        Von diesem Niveau sind sie seitdem beständig gesunken und haben damit eine Eskalation von Staatsschulden überhaupt erst ermöglicht, die in den Jahrzehnten zuvor undenkbar gewesen wäre, für jede Partei in den Industrieländern.

        https://www.kassandra21.de/2016/04/11/herz-des-vulkans/

        https://www.kassandra21.de/2016/01/18/krise-welche-krise-2/

    1. Vor der Arche A gab es eine Menge Verwüstung und Todesopfer und so. Der Homo “sapiens” könnte mal seinen Verstand benutzen, den er angeblich hat.

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  3. Der Unterschied zwischen Steuern und Regeln ist allen Automatisierungstechnikern bekannt. Im Englischen lustigerweise alles “control”. Alles vorhersehbar auf dem Pfad. Chaostheorie versteht sowieso keiner, stabile Regelungen kann auch keiner mehr entwerfen. Also kommt es, wie es kommen muss: plötzlich befindet man sich auf einem Pfad, den man nie einschlagen wollte.

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  4. Laut den Parkinson-Gesetzen wird eine Regierung ab 20-21Personen entscheidungsunfähig.

    Warum leisten wir uns über 700 Abgeordnete im Bundestag?
    Von den Leistungsbezügen, Pensionen, Spenden unter 10.000Eur und Zulagen jedes einzelnen mal abgesehen.

    Meiner Ansicht nach eine unlogische Konstellation.

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    1. Einige warten noch immer darauf, daß in der Politik so etwas wie nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden.
      Andere auf Eigenverantwortung.
      Ich warte persönlich eigentlich eher auf die Dinoaurierzombieapokalypse, die wird eher eintreten.

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      1. Ich warte eigentlich darauf, dass jetzt irgendwas Richtung Umweltschutz losgeht. Jetzt wo sich alle an die Einschränkungen gewöhnt haben. Ein bißchen fühle ich mich wie am Ende der DDR, so Winter ’88. Naja, sagten sich da einige, viele Optionen gibt es nicht, aber so ein paar nette Dinge kann man schon machen. Und dann gab es die, die sagten, ich halte das alles nicht mehr aus, ich ersticke. Ich gehörte zur ersten Kategorie……

      2. Ich sehe das mehr wie das Ende des Römischen Empire oder so. Alles läuft aus dem Ruder, spirituelle Esoterik-Wahnsinnige pöbeln durch die Gegend und schließen sich neuen Sekten an – damals Christentum, heute Quarkdenker – weil sie nicht wollen, daß sich was ändert.
        Und dann ist da noch der Sena…also, die Ministerpräsidentenkonferenz, die auch nicht will, daß sich was ändert.

        Vergiß das mit Umweltschutz. Die Häuptlinge sind daran nicht interessiert. Nachher erst recht nicht.

      3. Dinoaurierzombieapokalypse <3 <3 <3
        Mein Favorit bisher.

        Wenn du Union, und das wird wohl passieren, im September über 25% bekommt, können wir den Laden hier einfach zu machen. "Wegen empirisch erwiesener Bräsigkeit geschlossen." Aber man findet Teile von uns auf dem Mars! Alles wird gut!

      4. Die impfen jetzt ihre Wähler noch lahmarschig durch, die anderen sterben und die Union kriegt 51%. Deckel drauf.
        wenn empirische Beweise hier was zur Sache täten, würde es die Union ja gar nicht mehr geben ^^

  5. Nee, Römisches Reich hat viel zu lange gedauert. Ende DDR: im Frühjahr plötzlich der Krenz Vorsitzender der SED, im Sommer Republikflüchtlinge, im November Grenzen offen, nächstes Frühjahr D-Mark, 3 Jahre später Massenarbeitslosigkeit. Warum will denn keiner, dass sich was ändert? Die können mir doch nicht erzählen, dass die alle glücklich sind. Ich meine selbst so mit sich. Am Abend. Doch, beim Söder könnte ich mir vorstellen, wie der abends zufrieden am Küchentisch sitzt. Aber die anderen? Sehen die das mit der Umweltzerstörung nicht? Die Ausbeutung? Die Kriege? Syrien, 10 Jahre Krieg. Aber Krieg scheint auch so ein Dauerzustand zu werden.

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    1. Die sehen das nicht, weil die nur sehr sporadischen Kontakt zur Realität haben. Bei Mittelstands-Merz ist mit zwei Privatflugzeugen alles top.
      Bei Mitttelstands-Spahn auch, die Villa hat ja nur schlappe 4,125 Millionen gekostet. Ein Typ wie Streeck, der bisher nichts richtig angesagt hat, bringt seinen Mann im Gesundheitsministerium unter und sitzt also im Innenohr des Gesundheitsministers.

      Wir reden hier von Leuten, die ab 100.000€ Nebenverdienste mal veröffentlichen wollen. Wie lange muß Ingrid Standardpflegerin dafür buckeln, bis die das mal Netto beisammen hat? Eben.

      Ende DDR: im Frühjahr plötzlich der Krenz Vorsitzender der SED, im Sommer Republikflüchtlinge, im November Grenzen offen, nächstes Frühjahr D-Mark, 3 Jahre später Massenarbeitslosigkeit.

      Also…Jein. Denn hat ja einer ganzen Weile Unfähigkeit, Bocklosigkeit, Ahnungslosigkeit und Realitätsflucht bedurft, bis dieser Zusammenbruch mal stattfinden konnte, oder?
      Und was heißt hier immer ’89? Am 1. Januar ’92 war die Sowjetunion weg. Alter!
      Und wer ist im selben Zustand? Eben. Ye olde Kapitalismus.

      Ein Sommer ’89 ist ein Ereignis. Aber es ist nur der Gipfelpunkt eines Prozesses. Wir dürfen also weiterhin gespannt sein.

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      1. Ye olde Kapitalismus ist doch aber auch schon seit zig Jahren quasi-ko.
        Und in den Zeiten des “untergehenden” Roms gab es noch Ressourcen und Raum en masse. Außerdem war das kein Kollaps wie er jetzt droht, sondern eher ein gediegenes Auflösen oder Aufgehen in der neueren Welt.
        Mit Systemcrash hatte das auch nicht viel zu tun.

        Ich befürchte, die Realitätsflucht jetzt ist viel größer als im “aufgebenden” Sozialismus, schließlich gibt es kein Auffang-System mehr, das viele mit offenen Armen begrüßten.
        Die Leute wahren doch geradezu gierig nach dem gelobten Way Of Tellerwäscher.
        Jetzt baut sich also immer schneller ein (jedenfalls mich) beängstigendes Vakuum auf, das, wenn es vor lauter Bullshit-Schulden/-Rettungen/-Ankurbelungen, Letzte-Ressourcen-Verschwendung und asozialer Nach-Mir-Die-Sintflut-Denke final und vor allem GLOBAL implodiert, uns der Knall so dermaßen um die Ohren fliegen wird, dass ich gar nicht mehr weiter denken will.

        Eigentlich bleiben nur zwei Optionen:
        Weiter machen wie gehabt, Augen zu und Hoffen, dass das alles nur eine Krise ist und die Wirtschaft schon wieder anspringen und dann selbstverständlich wieder volle Kanne durchstarten wird.
        Wahrscheinlicher wäre aber der schlagartige Rückfall in die Steinzeit (huga huga) mit ein paar Überlebenden.
        Oder…
        vielleicht doch vorher die Notbremse ziehen und “Sozialistische Experimente” wagen, die im globalen Maßstab noch nicht gewagt wurden und dann, ohne im “Wettbewerb” mit dem Kapitalismus stehend, vielleicht gar nicht so unerträglich wären – auch für die Natur.

      2. Die Leute wahren doch geradezu gierig nach dem gelobten Way Of Tellerwäscher.

        Genau. Nur ist halt heute nicht mehr vom Tellerwäscher zum Millionär aktuell. Erstens taugt ‘ne Million auch nicht mehr besonders viel.
        Zweitens sagt die Formel heute halte “Vom Tellerwäscher zum fortschrittlichen Tellerwäscher mit einem Haufen Schulden.”
        Sobald genug LEute das merken oder eben gemerkt kriegen, brennt langsam der Busch.

      3. Yeah, die “Wirtschaft ankurbeln”. Eine schlimmere Redewendung gibt es nicht, kurbeln bis es glüht, ankurbeln musste man den Verbrennungsmotor als es noch keine richtigen Starter gab.

      4. Exakt.
        Genauso ausgeleiert und verschlissen wie diese Uralt-Motoren, ist der Kapitalismus.

        Mal was zum Thema Schwarz-Weiß-Denke:
        Mir ist gerade eingefallen, dass der Sozialismus vielleicht gar nicht das Gegenteil zum Kapitalismus ist, sondern zwischen ihm und der völligen Gesetzlosigkeit(Chaos) liegt.
        Die Pole wären demnach also Das Recht Des “Stärkeren” – auf der einen Seite geordnet und (kon)zentriert und auf der anderen chaotisch und diffus. Zwischen lebensfeindlich und lebensfeindlich.

      5. Mir ist gerade eingefallen, dass der Sozialismus vielleicht gar nicht das Gegenteil zum Kapitalismus ist, sondern zwischen ihm und der völligen Gesetzlosigkeit(Chaos) liegt. Zwischen lebensfeindlich und lebensfeindlich.
        Die Pole wären demnach also Das Recht Des “Stärkeren” – auf der einen Seite geordnet und (kon)zentriert und auf der anderen chaotisch und diffus.

        Jetzt stimmts 🙂

      6. Das Ding ist, der Sozialismus hat auch keine Antworten auf Umweltzerstörung und Ressourcenverbrauch. Außer “mehr Wohlstand für alle”, aber möglichst gleichmäßig, gibt es da doch auch nichts. Ein Unterschied ist vielleicht, dass man kein Recht auf höhere Bildung hatte.

      7. Exakt. Alle im Bundestag oder sonst wo rumfallenden Parteien glauben weiter fest an das Dogma vom “Immer weiter”. Vorwärts immer, rückwärts nimmer, hieß das bei Erich, glaube ich.
        Um also die weitere Frage zu beantworten: Huga-Huga muß für die Zukunft in Betracht gezogen erden. Nicht als Option. Als Möglichkeit.

      8. Wie Kassandra oben schon sagte, bedeutet höhere Bildung mittlerweile doch nur ein Abstrampeln zum Dr Dipl Tellerwäsch plus Schulden bis zur Abdankung.

        Ein Leben im Einklang mit der Natur sehe ich eigentlich NUR in einem Sozialismus (Natursozialismus?).
        Die Natur/Ressourcen wurden damals doch nur so geplündert weil man im Wettbewerb stand. Ohne Kapitalismus könnte sich ein ökologischer Sozialismus doch erst richtig entfalten.
        Und überhaupt – welche Optionen hätten wir nach dem Kollaps denn sonst? Zurück zu huga huga?

      9. Also Leute, raus aus der Lethargie!
        Wann setzen wir uns zusammen und gründen eine Partei? 🙂

      10. Wie soll die heißen?
        Ich hätte ja früher an “Rationalsozialisten” gedacht. Schon der Medien-Shitstorm dürfte für Berühmtheit sorgen.

      11. Yo Kassie!
        Aber wenigstens kann der hungernde Akademiker dann mit der Horde wutschäumender Hungernder, die gerade sein geerbtes Haus stürmen, geziemlich erörtern, dass dieses Verhalten indiskutabel ist und sie doch eigentlich jetzt endlich einmal die Bringschuld haben, da sie schließlich ob ihrer selbstverschuldeten Disqualifikation der Allgemeinheit doch sowieso nur lebenslang auf der Tasche lagen.

      12. Diese ständigen Nazi-Vergleiche sind billig und nervig. Hitolf Adler war doch auch nur ein Kapital-Arschkriecher. Er hatte den Begriff “Sozialismus” missbraucht, um damals auch der riesigen linken Bewegung/Entwicklung “gerecht” zu werden. Eigentlich hätte diese Partei heißen müssen: Nationalkapitalistische deutsche auf Krieg ausgerichtete Größenwahn-Partei. Diese 12 Jahre waren geschichtlich gesehen in der Tat nur ein – wenn auch verheerender – “Fliegenschiss”. Da muss ich dem Spießer-Opi im Jägerwestchen aus der Verlust-Angst-Partei mal Recht geben.

        Unsere Partei könnte, wie oben gesagt, Die Natursozialisten oder Deutsche Natur-Sozialisten (DNS) 😀 heißen… OK, da steckt das NS-Kürzel drin – geht also nicht…mmmmh
        Wie wärs mit Grüne Sozialisten oder Die Öko-Sozialisten?
        Also nicht zu verwechseln mit der real existierenden “links-grünen” Fake-Politik.

  6. Siehste. Geht schon los. Schon regt sich einer über irgendwelche Nazi-Vergleiche auf, die ich gar nicht gemacht habe. Es funktioniert 😀
    Ich hätte auch sagen können: “Kapitalismus ist nicht Teil der Lösung.”
    Sofort kommt einer um die Ecke und ruft “Kommunismus! Wir werden alle stäärben!”

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    1. Du bist halt ein Triggerer…auch gut.
      Und, was hältst du von Die Ökosozialisten?
      Ist das kein Lösungsansatz gegen den Kollaps?

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  7. Ich prognostiziere jetzt mal weitere 1-2 Jahre Börsen-Strohfeuer, noch ein bisschen Angeber-Autokauf und subventionierten 0%Zins-Hausbau, dann braucht das System neue “Rettungspakete”.
    Dann werden sich aber auch die Dümmsten fragen: Was geht hier eigentlich ab? Mal ganz abgesehen von Massenentlassungen/-Prekariat und Inflation(vor allem Mieten und Lebensmittelpreise).

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    1. Wie jetzt? Zwei Jahre? Du bist echt ein unverbsserlicher Optimist.
      Wie sprach ich Anfang der Woche im Freundeskreis: “Das hier war weder die letzte Pandemie noch die letzte Krise. Wir werden in den 2020ern aus irgendwelchen Krisen so lange nicht mehr rauskaommen, bis sich keiner mehr dran erinnern kann, daß es je anders gewesen sein soll.

      Wir haben doch seit 2008 aufwärts eigentlich eine ungebrochene Reihe von Rettungen für alles und jeden. Außer für diesen unteren 98%-Pöbel natürlich, aber wen interessiert der schon.

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      1. Der Irrsinn und das Grummeln im Bauch werden jedenfalls nicht weniger.

        Die Nummer letztens war übrigens mal wieder der Knaller. Genau diese gnadenlose Ehrlichkeit lieben wir und wird die Brücke sein.
        Ich habe Tränen gelacht!

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