Mit Hulk im Garten

„Du kannst den Leuten nicht verbieten, ein
Arschloch zu sein.”
Simon Phoenix

Die beiden Herren der lokalen Grünen sehen mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, in Zukunft regelmäßige Menschenopfer auf dem Marktplatz abzuhalten, um die Wettergötter zu besänftigen. Dabei hatte ich diese Vorgehensweise im Vorfeld zwar bedacht, dann jedoch als eher unzeitgemäß verworfen.

Rückblende:
Seit einigen Monaten marschieren Millionen von Menschen rund um den Planeten auf Demonstrationen, die von der Politik ihrer Länder im Grunde nur eines verlangt: Hört auf, wie völlige Vollidioten alles zu ignorieren, was Wissenschaftler aus drei Dutzend Fachdisziplinen über mehrere Jahrzehnte zusammengetragen haben.
Das die Simulationen, die aus diesen Daten erzeugt werden, voneinander abweichen, daß sie niemals alle Parameter berücksichtigen, daß sie sich im Laufe der Zeit verändern – geschenkt. Eine lineare Dynamik ist in einer Simulation im Computer wiederholbar im Sinne immer gleicher Ergebnisse. Eine nichtlineare Dynamik wird niemals exakt gleiche Ergebnisse produzieren. Veränderungen und Abweichungen liegen in Sachen Klimamodelle also in der Natur der Sache. Allerdings halten nur antiwissenschaftliche Politikchargen und Pegidioten das für ein Argument, um angebliche „Skepsis” zu rechtfertigen.
Denn selbst Daten sind nichts Festes. Sie vermehren sich. Sie werden in Beziehung gesetzt. Manchmal dort, wo vorher keine Verbindung zu existieren schien. Alles simulieren, also die gesamte Zukunft der Ökosphäre Erde, ist nicht möglich. Die gesamte Rechenkapazität der Welt würde für so eine Aufgabe nicht genügen. Am Ende käme bei so einem Versuch lediglich heraus, daß das organische Leben auf der Erde Bestandteil einer Computermatrix ist und die Antwort Zweiundvierzig lautet.
Wir müssen uns also mit Simulationsmodellen bescheiden. Aber zumindest stammen die Daten der Klimamodelle aus der Realität, was sie schon einmal deutlich von den Modellen der Ökonomen unterscheidet. Ein simpler, aber offenbar stark unverständlicher Kernsatz der FridaysForFuture-Demos lautet: Unite behind the science!

Jetztzeit:
So hat es mich irgendwie hierher verschlagen. Aus dunklen Kellern eines Jugendzentrums in die Kreisgeschäftsstelle der Grünen, GrünInnen und Grünixe an dem Ort, an dem die Bambushütte am Rande der Zivilisation wohnt.
Eigentlich hatte ich gedacht, dies sei ein öffentlicher Termin. Aber das ist gar nicht der Fall. Es ist ein Präsentationstermin für die Presse. Also den Herrn der Lokalzeitung und die volontierende Dame der anderen Lokalzeitung, die sich von der ersten dadurch unterscheidet, daß sie kostenlos ist und noch sehr viel mehr Druckfehler oder einfach mieses Deutsch enthält als ihr Gegenstück. Dafür ist sie dicker, weil mehr Werbung drin liegt.
Präsentiert werden soll hier das, was sich die Grünen vor Ort unter einem Beitrag für klimafreundliche Zukunft vorstellen. Genau. Es ist ein Antrag für den Stadtrat. Einer, in dem der Klimanotstand ausgerufen werden soll.

Solcherart Ideen scheint durch das Aufwallen von FridaysForFuture und dem etwas direkterem Kollegen, Extinction Rebellion, irgendwie in Mode gekommen zu sein. Extinction Rebellion, das sind diese Öko-Terroristen, die es wagen, gelegentlich mal eine Straßenkreuzung zu blockieren, und dafür damit rechnen müssen, von SUV-Fahrern mit Facebook-Account umgefahren zu werden. Solche „Ideen” werden auf den asozialen Medien tatsächlich massenhaft verbreitet. In Gruppen, die dann „Fridays For Hubraum” heißen oder so was. Wobei ich den Namen gut finde. Ich bin sehr dafür, dem Hubraum ausschließlich den Freitag zu gönnen und nicht jeden Tag, wie es aktuell der Fall ist. Was wir uns da an Lärm, Krach und Sprit sparen würden.
Seltsam. Als Anis Amri in Berlin mit einem Lastwagen in eine Weihnachtsmarktmenge fuhr, da war das der Terroranschlag. Nicht etwa der Weihnachtsmarkt. Wenn man Ökodemonstranten plattwalzen möchte, ist das scheinbar eine Manifestation des Volkswagenwillens und eine Verteidigung des Heimatbodens. Des asphaltierten Heimatbodens. Um freie Fahrt für freie Bürger zu gewährleisten. Damit die auch ganz ohne Extinction Rebellion in Berlin im Stau stehen können.

Während ich mich setze und ein Glas Wasser aus Plastikflaschen eingeschenkt bekomme, halte ich das geplante grüne Notstandsgesetz schon deshalb für extrem unwahrscheinlich, weil die innovativen Bürger der Gemeinde vor Kurzem den seit langem mit Vetternwirtschaft und wenig Impuls vor sich hinregierenden OB abgewählt haben. Todesmutig haben die Wahlbürger den Mann der ehemaligen spd durch den Kandidaten der radikal anders auftretenden CDU ersetzt. Demokratie kann manchmal für denkende Menschen ein echter Affront sein.
Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurde unmittelbar nach Konstitution des neuen Stadtrats eine Große Koalition gebildet. Vermutlich, damit der SPD-Mann dem Nachfolger, ehemals Hauptkommissar in leitender Verantwortung bei der lokalen Polizeibehörde, in aller Ruhe verraten kann, wo die ganzen schwarzen Kassen versteckt sind. Oder sind das dann rote Kassen, wenn die SPD öffentliche Gelder verbläst?

Vor diesem bewegten politischen Hintergrund, der geradezu nach Revolution riecht, bin ich also jetzt hier. Nachdem ich mich kurz als Privatmensch mit genug Grips vorgestellt hatte, um eine Tastatur zu bedienen und einen Text zu verfassen, wurde keine weitere Legitimation journalistischer Tätigkeit verlangt. So eine Akkreditierung ist einfacher als ich dachte.
Die Ortsgrünologen möchten gern den Hintergrund ihres Antrags erläutern. So erdulde ich also die Erzählung des Vorsitzenden, der nicht nur bei den Grünen, sondern auch Winzer ist. Das hebt ihn nicht aus der Masse hervor. Hier kann man in der Innenstadt einen Ziegelstein über die Schulter werfen und der Typ, den man trifft und der dann „Autsch” ruft, ist vermutlich Winzer.
Interessant ist aber, daß dem Herrn vor einigen Wochen quasi seine Weinberge weggespült worden sind. Ein kleines, lokales Wetterereignis mit leicht dreistelligen Literzahlen auf den Quadratmeter hat vor einiger Zeit nicht nur für Überflutung gesorgt, sondern auch für substantiellere Schäden, wie es scheint. Ich erfahre das erstmals aus der mitgebrachten Diashow. In meiner Bambushütte war es trocken zum entsprechenden Zeitpunkt. Aber so ist das mit dem lokalen Wetter.

Der andere Herr, seines Zeichens mit einem Doktortitel gesegnet, zeigt die Bilder der Überflutungen. Allgemein herrscht eine Aufbruchstimmung tiefster Betroffenheit. Daher auch der Antrag.
Punkt für Punkt warte ich darauf, daß die bürokratischen Worte vor mir durch die Erläuterungen mit Leben gefüllt werden. Einem Aktionsplan, wenn man so will. Oder zumindest dem Vorschlag eines Aktionsplans, denn diese Partei stellt nun einmal nicht die Stadtregierung, das muß man zugestehen. Einer der Punkte beschäftigt sich mit öffentlichen Gebäuden.
Die, so der Wille der Antragsteller, sollen zukünftig so gebaut werden, daß man problemlos Photovoltaik anbringen kann. Also das, was im Volksmund gerne „Solarzellen” genannt wird. Die solare Energieversorgung eines Hauses umfaßt durchaus auch andere Aspekte als die direkte Erzeugung von elektrischem Strom aus Licht, aber wir wollen da nicht zu sehr ins Detail gehen an dieser Stelle.

Blöd ist nur, daß eine solche Beschlußfassung auf bestehende Gebäude keinerlei Auswirkungen hat. Neue öffentliche Gebäude werden nicht errichtet, denn erstens ist hier nicht Berlin und zweitens kostet das Geld, das die Kommune nicht hat. Was sie durchaus auf eine Stufe mit Berlin stellt, aber die versenken trotzdem täglich zwei Millionen in einem unfertigen Flughafen. Dieses vorbildliche Klimaschutzprojekt hätte man günstiger erwerben können.
Zudem sagt mir eine Gehirnzelle, daß Bauingenieure und Architekten ohnehin mit statischen Reserven planen, die eine Nachrüstung mit PV-Energie in den allermeisten Fällen problemlos realisierbar machen. Immerhin berechnen die auch eine Schneelast in unserer Gegend. Und hier schneit es eher wenig und vor allem selten.

Ich frage also nach. Ich habe ein gewisses Bild von Journalismus im Kopf. Das Löchern von Menschen mit eventuell unangenehmen Fragen ist untrennbar damit verbunden.
„Warum”, so höre ich mich fragen, „steht in dem Antrag nicht, daß man die bestehenden öffentlichen Gebäude und Einrichtungen in den nächsten Jahren komplett auf regenerative Energiequellen umstellen will?”
Bei korrekter Durchführung ließe sich eventuell solcherart gar Energie erzeugen. Dezentral. Die wiederum könnte man an Nachbargebäude weiterreichen. Strominseln statt Inseln im Strom, wenn man so will. Ich frage unvorbereitet, das Konzept ist mir eben erst eingefallen, weil es mir technologisch problemlos machbar erscheint.

Die Herren der Grünen scheinen indigniert und mir wird auch schnell klar, warum. Mein praktischer Vorschlag würde bedeuten, daß die Stadt was tun muß. Statt den nächsten Mindestlohn-Logistikbetrieb mit Steuervorteilen an den Fluß zu locken, um noch mehr LKW über die bröselnden Straßen brettern zu lassen, müßte die Stadt Geld in die Hand nehmen und sinnvoll ausgeben. Oder besser, investieren.
Denn selbstversorgende Gebäude würden natürlich die kommunale Stromrechnung senken. Plusenergiehäuser würden womöglich sogar Geld zur Gegenfinanzierung als Buchung im öffentlichen Haushalt auftauchen lassen. Damit habe ich offensichtlich zu viel vorausgesetzt in der Lokalpolitik.
Man verweist mich auf die Forderung, pro Bürger und Monat einen Euro für Radwege und andere Infrastruktur auszugeben. Was sich sinnigerweise auf ziemlich exakt eine Million beläuft in der Summe. Allerdings sind die Radwege, wenn auch in mittelmäßig bescheidenem Zustand, hier bereits vorhanden. Selbstversorgende öffentliche Infrastruktur hingegen nicht. Mir persönlich wäre Letzteres lieber, bevor man mir den roten Teppich über meine Radwege ausrollt.

Politik ist die Kunst des Machbaren, hört man gerne von der Politik. Und dann beschließt die Politik, nichts zu machen. Als ließe sich die Zukunft mit bornierter Ignoranz aufhalten.

Am besten gefällt mir der Punkt der „Gartenbausatzung”.
Erstens erfahre ich erstmals, daß es so etwas überhaupt gibt. Zweitens erzählen mir die grünen Vorkämpfer der Klimagerechtigkeit stolz, was sie sich darunter konkret vorstellen. Da gibt es tatsächlich Inhalte. Ich bin überrascht.
In diesem Falle läuft es darauf hinaus, den Inhalt des Gartens vorschreiben zu können. Denn auch in meiner Umgebung kommt es immer mehr in Mode, den persönlichen Haß auf alles Grüne dadurch zu manifestieren, daß der Vorgarten in eine Steinwüste verwandelt wird.
So hat mein nordwestlicher Nachbar unlängst seine Hecke durch ein malerisches Drahtgerüst ersetzt, gefüllt mit…nun…Steinen.
Auch der zu pflegende Golfrasen vor dem Haus weicht mehr und mehr irgendwelchen Abladeplätzen der örtlichen Betonresteindustrie. Nur für den Fall, irgendwer dachte, daß man nicht einen noch bekloppteren Trend lostreten könne als den, immer größere Autos zu verkaufen, weil die so viel mehr Sicherheit bieten, weil die wiederum bekanntlich durch immer mehr größere Autos bedroht ist. Menschen in Gruppen sind oft leicht manipulierbare, sabbernde Idioten, so will es mir scheinen.

Ich verwirre meine Lokalpolitiker in ihrem Schwadronieren über zulässigen Gartenbewuchs mit einer Zwischenfrage. Der Herbst steht bald vor der Tür und ich weiß genau, was das bedeutet.
Die Laubbläser, Kantenschneider, Restehäcksler und die Heckenscheren kehren aus dem Süden zurück, um sich mit großem Getöse im bundesdeutschen Vorgarten ihre Nester zu bauen. Dazu kommen die Sprenggeräusche derjenigen, die ihre Hecken ausrotten und durch zertrümmerte Felsbrocken ersetzen werden. Wobei diese Berliner Mauern en miniature dann vermutlich mit dem Hochdruckreiniger gepflegt werden müssen, nehme ich an.
Überhaupt ist „kärchern” inzwischen irgendwie das Äquivalent für die paranoide Totalhygiene rund ums Haus geworden. Mit geradezu hysterischer Akribie werden also in den nächsten Wochen die Gartenbau-Faschisten in meiner gutbürgerlichen Nachbarschaft wieder ihren Krempel entmotten und jede noch so kleine Spur von Moos, Flechten oder überhaupt irgendwas Lebendigem in ihren Gärten und Auffahrten bis zum Endsieg niedermachen, weghäckseln, vergiften, verbrennen, bombardieren und vaporisieren. Es geht doch nichts über ein Häuschen im Grünen.

Wäre es möglich, so mein fragender Hinweis, in einer Kommune irgendwelche Dingsbumse zu verbieten, die unfaßbar viel Lärm erzeugen? So etwas wie Motorsensen oder Laubbläser beispielsweise?
Wäre es möglich, dafür zu sorgen, daß die ganzen Grünstreifen zwischen den Asphaltwüsten, das behördlich titulierte „Straßenbegleitgrün”, nicht mehrfach pro Jahr exakt dann plattgemacht wird, wenn sich die dort dahinvegetierenden Pflanzen gerade vom letzten Vernichtungsfeldzug erholt haben?
Könnte die Stadt hier womöglich sogar vernünftiges Verhalten vorleben, so mein Einwand, wenn deren Bedienstete nicht zwei Monate netto im Jahr gefallenes Laub von A nach B pusteten mit einem überdimensionierten Fön?
Ich weise die Anwesenden darauf hin, daß früher, in der dunklen Zeit vor Erfindung des elektrischen Kantenschneiders oder Rasentrimmers, Mensch seinen Golfrasen mühselig im Schweiße seines Angesichts trimmen mußte, wie es schon die Heilige Schrift erwähnt. Laub wurde gefegt und nicht weggeblasen mit Donnergetöse. Oder ganz einfach in Ruhe gelassen, was mit Nährstoffen im Boden zu tun hat. Keine Roboter stürzten suizidal die Gartenböschung hinunter. Stattdessen mußte man Rasenmäher selbst führen, wobei es elektrische Modelle gibt, die relativ wenig Lärm verursachen.
In meiner Kindheit war ich gezwungen, unsere unfaßbar gigantische Gartenfläche um das Familienheim mit etwas zu bearbeiten, das „Balkenmäher” heißt. Aber wir hatten ja nichts. Die 400 m² waren hinterher trotzdem geschnitten, kein Benzin wurde dabei verbraucht und außerdem müßte mit dieser Maßnahme nicht in jedem Kuhkaff alle dreißig Meter ein McFit aufmachen, um aufgequollene Bürokartoffeln in Hulks zu verwandeln. So ein verdammter Balkenmäher hält automatisch fit. Außerdem hindert er Menschen effektiv daran, ständig als Schwanzvergleich mit dem Nachbarn den verfickten Rasen zu mähen und andere Nachbarn beim Schlummern in der Hängematte über ihrer Blumenwiese zu nerven. In diesem Moment begreife ich, warum Hulk grün ist. Und immer wütend. Er ist eigentlich Gärtner.

Meine Rede läuft zusammengefaßt auf Folgendes hinaus: mehr Grünzeug bleibt stehen, in dem Insekten brüten. Außerdem blüht es auch noch, da einiges Grünzeug auch Blühzeug ist, was das geneigte Auge sehr wohl erfreuen mag, sofern man nicht ständig im Kleinlastwagen daran vorbeibrettert. Jedes Grünzeug kühlt eine Stadt ab. Großes Grünzeug beschattet Straßen und Plätze und reguliert Wasserhaushalte.
Das ist sogar exakt das, was der Herr mit dem Doktortitel vor drei Minuten noch selbst sagte. Der Einsatz fossiler Brennstoffe im faschistischen Privatgartenbau würde massiv eingeschränkt. Bessere Luft, weniger CO2 und weniger Lärm wären die Folge. Natürlich auch sinkende Absatzzahlen in Baumärkten und schließende Fitnessclubs, aber irgendwo müssen Opfer gebracht werden.
Der Witz dabei ist, daß man für meine Idee nicht einmal großartig Dinge ändern müßte. Denn es gibt Lärmschutzvorschriften in so ziemlich allen Gemeinden des Landes. Auch in dieser hier. Noch vor vier Minuten sagte der Mann mit dem Doktortitel, man wolle als Partei da anpacken, wo man mit wenig Mitteln etwas verändern könne.
Trotzdem ist es exakt dieser Vorschlag, der mir die eingangs beschriebene, geradezu fassungslose Reaktion einbringt. Mitleidig muß ich mich belehren lassen, daß so etwas in einer Gartenbausatzung nicht ginge, denn man könne den Stadtbewohnern keine Verbote erteilen.
Eine überaus interessante Begründung, denn das Vorschreiben von X Quadratmetern Grünfläche statt Steinen auf einem in Privateigentum befindlichen Grundstück scheinen die Grünen sehr wohl für machbar und geboten zu halten. Dafür müßte man allerdings baurechtliche Vorschriften ändern. Oder dafür sorgen, daß vorhandene auch eingehalten werden. Was dank inzestuöser Geschäftsbeziehungen auf Stadtratsebene bei diversen Bauten hier nicht immer der Fall war.

Mein Nachbar beim Beschnuppern seiner Zuchtorchideen am Samstagnachmittag, nach dem Rasen mähen. Wir Menschen lieben es, uns mit Natur zu umgeben, wenn sie uns auf keinen Fall belästigt. Wäre auch schrecklich, wenn vor lauter summenden Bienen nicht jeder im Viertel hören könnte, das man sich den neuen GreenKill0r3000-Kantenschneider zugelegt hat.

Zum Abschluß wird auf die stolzeste Leistung des Antrags verwiesen: in Zukunft soll bei städtischen Beschlüssen eine weitere Checkbox auftauchen. Also, auf dem Papier der jeweiligen Dokumente. Die wird signalisieren, daß beim behördlichen Kopfzerbrechen vor einer Baugenehmigung und anderem Kram genauestens über die Folgen für das Klima nachgedacht wurde.
Eine „Folgenabschätzung” nennt man so etwas und die soll wiederum klimatisch verpflichtend eingeführt werden. Eine entsprechende Checkbox für ökonomische Folgen existiert bereits. Das hat der Kommune seit Einführung soviel Geldverschwendung erspart wie Gendersternchen in Texten bisher Menschen in Syrien vor dem Bürgerkrieg retten konnten. Die Abgesandten des Ökologischen scheinen über diesen Antragspunkt besonders stolz zu sein.
Nie wieder wird so etwas wie Stuttgart 21 gebaut werden können, denn die Macht des Juchtenkäfers wird in Zukunft ökologische Mißwirtschaft zuverlässig verhindern.
Allerdings käme auch niemand auf die absurde Idee, den örtlichen Hauptbahnhof unter der Erde zu verbuddeln, damit die Innenstadt von Grundstücksspekulanten in Schnipseln verkauft werden kann, während sich die öffentlichen Kassen dank steigender Kosten zuverlässig zu Tode bluten und anschließend diejenigen schwerreich werden, die auch schon die Beschlüsse gefaßt und die Subventionen kassiert haben. Wegsprengen. Das wäre hier vor Ort eine Lösung für den Bahnhof, ja. Verbuddeln eher nicht.

Insgesamt wird mir Folgendes klar: die grüne Lokalpolitik weint gerne rum, wenn ihr eigener Weinberg wegschwimmt. In totalem Aktionismus werden dann Anträge gestellt, die neue Haken auf Beschlüssen vorsehen. Im Endeffekt geht es aber darum, daß die Kommune die Drainage am Ortseingang verbessert und bezahlt.
Über dieses Sammelsurium geistiger Leere wird sodann „Klimanotstand” getippt. Der Vorsitzende ist sich sicher, daß der Antrag angenommen wird. Denn ansonsten würden die Großen Koalitionäre sich mit dieser anderen Partei gemein machen, die ohnehin nicht an so etwas wie Klimawandel glaubt. Eine in ihrer erschütternden Brillanz geradezu perfide Taktik, wie ich finde. Was sollte an dieser ausgefuchsten Planung schon schiefgehen können? *
Derselbe Vorsitzende hat mir eben noch erläutert, daß man in Sachen Gebäude und Vorgärten einen Top-Bottom-Ansatz verfolgen müsse.
Wörtlich sagt er zu mir: „Wir wollen uns erst um die Dinge kümmern, die wir verändern können. Die großen Sachen. Um die Kleinigkeiten kümmern wir uns später.”
Ich lerne: Eine eventuelle und vor allem überflüssige Veränderung von Bauvorschriften für eine ferne Zukunft anzustreben, ist politisch präzise Chirurgie höchster Professionalität. Falls es Einschnitte gibt, sind Narben ausgeschlossen.
Gartengerätefetischisten mit Hilfe von bereits vorhandenem Lärmschutz weniger totalen „Gartenbau” und vor allem weniger totalen Lärm zu ermöglichen, ist hingegen Gängelung. Auch Arbeitspläne von Kommunen für ihre 1-Euro-Grünbaukräfte können unmöglich verändert werden, um den Flüchtlingslagern des Straßenbegleitgrüns eventuell besseres Blühen und Brüten zu ermöglichen.  Und die Rathaustreppe mit einem Besen zu reinigen wäre geradezu mittelalterlich.

Einstein soll Wahnsinn einmal so definiert haben, daß jemand unter denselben Parametern immer wieder dasselbe tut und dann unterschiedliche Ergebnisse erwartet. Gescheiterte Ansätze sind weiter zu verfolgen. Falls es nicht klappen sollte, ist die Realität schuld und wir müssen das definierte Problem nur mit mehr Geld bewerfen. Damit ist deutsche Politik der letzten 35 Jahre treffend beschrieben.
In evolutionärer Perfektionierung dieser Geisteshaltung tut Politik inzwischen nichts mehr, das womöglich auf sie zurückfallen könnte. Geht etwas katastrophal schief, war es immer jemand anders. Natürlich können Vorstände bei VW nichts von Abgasmanipulationen gewußt haben. Absurde Idee. Der Schuldige ist Dr. Ing. Maiermüller in der Entwicklungsabteilung. Ganz allein.
Die Leistungsträger tragen immer Verantwortung. Nur übernehmen tun sie die Verantwortung nie. Das ist die Leistung, für die dann obszön viel Geld davongetragen wird. Die Politik hat dieses Erfolgsmodell längst im Detail kopiert. Deutschland ist gut darin. Schon am 9. Mai 1945, nach dem Ende der kurzen Tausend Jahre, gab es im ganzen Land keinen einzigen Nazi mehr. Überhaupt hatte es eigentlich nie welche gegeben. Die Verantwortlichkeit für den bestdokumentierten Genozid der Geschichte war auf so viele verteilt worden, daß sie sich am Ende leider aufgelöst hatte. Kann man nix machen.
75 Jahre später werden dann wieder Synagogen überfallen und alle maßgeblichen Parteien stellen urplötzlich fest, daß diese Nummer mit den Einzeltätern doch nicht zu stimmen scheint. Entsetzte Medien veröffentlichen Artikel darüber, daß es so etwas wie geistige Brandstifter zu geben scheint. Was besonders von den Leuten betont wird, die vorher im Bierzelt exakt zu dieser Gruppe gehörten, deren Existenz da so urplötzlich offenbar geworden ist. Aber da waren die anderen auch noch mit einem in derselben Partei, deshalb konnten sie keine Nazis sein. Hätte uns nur mal jemand rechtzeitig gewarnt.

Miteinander reden ist immer ein Vorschlag der Politik. Doch dann hört sie nicht zu. Falls sie überhaupt dieselbe Sprache spricht. Die Geisteshaltung des Machterhalts ist längst Teil des Problems. Sie gefährdet zunehmend den Fortbestand der Gesellschaft.

Der Top-Bottom-Ansatz. Das soziologische Erfolgsmodell schlechthin. Exakt diese Nummer läßt einen Christian Lindner zu FridaysForFuture sagen, man solle das mit dem Klimawandel doch den Experten überlassen. Die sollen mal lieber wieder in die Schule gehen, die Blagen. Aber warum sollten die sich belehren lassen von denen, die die Lehrpläne aufstellen? Oder Wissenschaftler werden, wenn die Politik dann nicht auf die Experten hört?
Der Top-Bottom-Ansatz sorgt für immer mehr Parkplätze für immer fettere Autos, aus denen immer fettere Menschen aussteigen.
Der Top-Bottom-Ansatz ist es, der den Reichen, Superreichen und Konzernen in den letzten 50 Jahren die Steuern gesenkt und Staatshaushalte ruiniert hat in dem wahnwichtelnden Irrglauben, damit hätten am Ende alle mehr Geld und geilere Infrastruktur.
„Trickle down economics” ist inzwischen ein prima Beispiel für zynischen Ökonomismus, der anderswo Tarn-Humanoide wie Lindners, Oettingers oder Trumps in Führungspositionen spült. Wie die Brandung, die den Sandstrand mit Ölschleim bedeckt und mit Plastikmüll. In einer Gesellschaft, die ihren Verstand und Anstand noch nicht völlig verloren hat, würden diese Leute die Rathaustreppe fegen. Mit einem Reisigbesen.
Der Top-Bottom-Ansatz ist exakt das, was die Verursacher von Klimazerstörung zuverlässig in ihrem Glauben bestärkt hat, sie selbst müßten die Folgen ihres Handelns – oder besser, ihres Unterlassens – niemals selbst tragen. Die Verursacher der Klimazerstörung sind keinesfalls metaphorisch. Sie haben Namen, Adressen und eine lange Liste an Tätigkeiten, mit denen sie die Ökologie des Planeten wider besseres Wissen nachhaltig ruinieren.

Wie im Großen, so im Kleinen. Die lokalen Grünen unterscheiden sich in nichts von Klimapäckchen der CxU, dessen peinliche Nichtigkeit noch mit Sätzen verteidigt wird wie: „Aber wir haben extra drauf geachtet, den Verbraucher nicht zu sehr zu belasten.”
Dabei ist das mit dem Klima so wie der Balkenmäher. Was belastet, stärkt auch und spart einem die Fitnessbude. Nicht mit einer Silbe erwähnt die CxU in ihrem Ignorantenstadl die Industrie oder nimmt sie gar mit irgendwas in die Pflicht.
Die Industrie, verehrte Damen und Herren, verbraucht etwa 70 Prozent der Energie im ganzen Land. Sie erzeugt hierbei gute 65 Prozent aller Schadstoffe, von CO2 über Methan bis hin zu PCB und anderem Mist, der in Plastik enthalten ist, daß man um das Biogemüse wickelt. Diese Werte sehen für alle Länder der G20 recht ähnlich aus.
Politiker aller Couleur haben auch niemals begriffen, daß man eben Dinge nicht einfach verschieben kann, die nicht linear gestaltet sind. Was man heute nicht einspart an Energieverbrauch oder Umweltverseuchung, muß man morgen in doppelter Menge und dreifachen Tempo einsparen und wegräumen.
Es ist ganz offensichtlich, daß diese ausgebrannte, realitätsdemente und sterbebereite Große Koalition, die weder groß ist noch eine Koalition, an einer unbeschreiblichen Amtsmüdigkeit leidet. Das geradezu beleidigend flachsinnige Geschwafel dieser übermüdeten Politdarsteller der Kategorie 60+ läßt nur den Schluß zu, daß diese Leute auf keinen Fall noch einmal wiedergewählt werden wollen. Sie sind erschöpft und wollen ihre Ruhe haben. Immer wieder tauchen sie in der Öffentlichkeit auf und halten wirre Reden über eine Zukunft, an der diese Leute gar nicht mehr teilnehmen. Sie sprechen zu Menschen, die nur in ihrer Einbildung existieren.
Das ist tragisch und wäre sogar bedauernswert, würden diese Zombiegestalten nicht ständig behaupten, für irgendeine Mehrheit zu sprechen, die aber ebenfalls nur in ihrer Einbildung existiert. Ganz abgesehen davon sind Naturgesetze grundlegend an Demokratie vollkommen uninteressiert und keinesfalls offen für eine Debatte.
Wenn diese Menschen in Rente gehen wollen, dann sollen sie das tun. Aber warum regieren die der echten Zukunft eigentlich immer noch im Weg rum?
Die allergrößte Frechheit ist es, wenn sich eine Regierung wie in Deutschland auch noch erdreistet, ihr innovatives Klimapäckchen, diesen Schuhkarton, in den jemand reingefurzt hat, als die einzig mögliche Spitzenleistung der Demokratie verkaufen zu wollen. Glücklicherweise hat sich über diesen Aspekt schon jemand anders aufgeregt.

Gleichzeitig werden Mitglieder von Extinction Rebellion als Terroristen bezeichnet, die zu Protokoll geben, daß Demokratie keine Legitimation mehr haben kann, wenn sie sich als derartig handlungsunfähig beweist, daß dabei die ökologische Tragfähigkeit des gesamten Planeten draufzugehen droht. Dabei ist diese Anmerkung vollkommen korrekt.
Einen Preis für CO2 festzulegen und diesen Zertifikatehandel wie eine Monstranz vor sich herzutragen, ist Wahnsinn im Einsteinschen Sinne. Denn Zertifikatehandel gibt es längst. Er hat exakt Null Tonnen an CO2 weltweit eingespart. Insofern hat er seinen Zweck erfüllt wie beabsichtigt.
Mit ihrem weiterhin sturen, ignoranten, die Wissenschaft negierendem Unterlassen ist es die Bundesregierung, die im Falle Deutschlands die Rolle des Terroristen übernimmt. Die Zukunft zu schlachten, damit Konzerne weiter ihre Bilanzen mit hübschen Zahlen füttern können, ist in meinen Augen schlicht keine unterstützungsfähige politische Haltung. Es ist dabei vollkommen unerheblich, ob die handlungsunwilligen Politiker in einem demokratischen Prozeß in ein Parlament gewählt wurden. Demokratisch scheinlegitimierte Gesellschaftsvernichtung ist noch immer Gesellschaftsvernichtung.

Ich verlasse die Zentrale der GrüniXe mit dem starken Bedürfnis, eine Schnapspraline einzuwerfen und mir ein kommunistisches Känguruh als Wohngenossen zuzulegen. Ich wollte der Politik auf kommunaler Ebene die Chance geben, meine Vorurteile zu widerlegen. Jetzt, wo doch alle den Handlungsbedarf so dringend erkannt haben. Was natürlich nichts mit wegschwimmenden Fellen an Wahlurnen zu tun hat. Sie hat auf ganzer Linie versagt.
Während sibirische Wälder derartig brannten, daß sie sich zum massiven Politikum entwickelten, macht Putin Urlaub in Sibirien. Vermutlich, um alles eigenhändig wieder aufzuforsten.
Während Putin noch alles wieder aufforstet in Sibirien, brennt es in Kalifornien auch schon wieder. 100.000 Menschen sind flüchtig. Allerdings flüchten sie hier aus wohlklimatisierten Wohnungen und nicht aus Zeltstädten wie anderswo. Wobei die Klimaanlage womöglich ausgefallen ist, denn der örtliche Energieversorger hat sich für rolling blackouts entschieden. Er tut das, um Waldbrände durch miese Stromleitungen zu verhindern
Während ich den Kopf schüttle, innerlich die Augen rolle und dies hier schreibe, verwüstet ein Taifun namens Hagibis die japanischen Hauptinseln. Er ist „ungewöhnlich stark”, wie es heißt. Japan ist Taifune gewöhnt, sie haben Saison. Dies ist der stärkste Sturm seiner Art in über 60 Jahren.

„Was wird uns das alles kosten, wenn die Müslis ihren Umweltschutz kriegen?”
Diese immer wieder hervorgebrachte Winselfrage der Wirtschaft seit mehr als zwanzig Jahren ertönt in meinem Kopf. Nun, was kostet es eigentlich, wenn in Japan eine Bahnstation mit täglich 3,5 Millionen Pendlern stillgelegt wird und das ganze Land zu Hause bleiben muß?
Was kostet es, wenn eine Stadt wie Tokyo von einem F5-Sturm erwischt wird?
Hurrikan Harvey, der letztes Jahr die USA beglückte, richtete einen rein ökonomischen Schaden von 125 Milliarden Dollar an. Damit hätte man meine Radwege mit Gold pflastern können und noch Geld übrig behalten, um alle öffentlichen Gebäude dieser Stadt in Energiespender zu verwandeln. Aber noch immer kann unser ökonomisches System es sich nicht leisten, seine Auswirkungen auf die Zukunft zu bezahlen. Kann es tatsächlich nicht. Würde es das tun, wäre es von einem Tag auf den anderen erledigt.

Mein SUV macht nur Nullkommanix an Prozenten aus und deshalb kann mir keiner vorschreiben, wie ich mein Leben zu fahren habe.
Alleine können wir in Deutschland eh nichts machen.
Doch. Man kann. Im Grunde beschreibt das Wort „Gesellschaft” ein Konstrukt, in dem ein allgemeiner Rahmen einem vorschreibt, wie man sein Leben leben kann und darf.
Es ist beispielsweise generell nicht erlaubt, mit Kettensägen oder Schußwaffen über Parkplätze zu laufen und Leute zu erschießen. Vorwiegend SUV-Fahrer, die trifft man einfacher. Es ist sogar explizit verboten, so etwas zu tun. Ganz besonders, weil man auch nicht so einfach an Schußwaffen rankommt. Wobei es da für Nazis die eine oder andere Ausnahmeregelung zu geben scheint.
Überall gibt es Gebote, Verbote und Vorschriften, die einen Rahmen abstecken, innerhalb dessen man sich bitte bewegen soll. Im selben Moment möchten mir die fossilen Höhlenmenschen vorschreiben, daß ich es ertragen muß, wenn sie mit 180 Sachen auf der linken Spur entlang lichthupen wollen oder für zwanzig Mücken nach Malle fliegen im Sommer.
Das ist aber nicht korrekt. Wenn eine Gesellschaft beschließt, dieses fetischistische Verhältnis zu lächerlich teuren Blechhaufen einfach als so behandlungsbedürftig einzustufen, wie es auch ist, werden Dinge eben doch anders geregelt werden. Extinction Rebellion soll sich ja auch an alle Vorschriften halten. Sollte ich persönlich die Wahl haben zwischen einer angeblichen Ökodiktatur und der real existierenden Fossildiktatur, wähle ich jederzeit Tor Eins. Dann habe ich wenigstens meine Ruhe auf der Straße und es gibt Blumenwiesen statt Golfrasen.

Alle wollen Tätigkeit simulieren, aber niemand was machen.  Sonst könnte man eventuell Verantwortung übernehmen müssen. Das erklärt auch, warum die Grünen neuerdings in Umfragen so gut abschneiden. Der deutsche Wähler hat erkannt, daß die Grünen endlich zu einer Partei gereift sind, bei deren mehrheitlicher Wahl er keinerlei Änderungen seiner Bequemlichkeiten befürchten muß. Damit ist die erste Kanzlerschaft quasi vorprogrammiert.
Außerdem darf natürlich die Wirtschaft, dieses zarte Reh, nicht erschreckt werden. Währenddessen trampelt das zarte Reh durch den Regenwald am Amazonas, weil irgendwelche Großgrundbesitzer ernsthaft sagen: „Der Wald ist nichts wert, aber das Holz läßt sich zu Geld machen!” **
Überhaupt hat das Scheiß-Reh inzwischen die doppelte Größe eines Brontosaurus erreicht, frißt alles auf, was sich auf dem Weg findet, scheißt uns dafür in den Vorgarten und die Tierpfleger behaupten immer noch, das Mistvieh wolle nur spielen, während sie uns exorbitante Gebühren berechnen für das Wegräumen der ganzen Kacke.
Das globale Kapital, das marodierend um den Planeten zieht, in der Politik als „zartes Reh” zu bezeichnen, ist in etwa so, als würde man die Schöpfungen eines H.P. Lovecraft als „kosmetisch nicht uneingeschränkt ansprechend” titulieren. Man kann noch so viel Lippenstift auf das Schwein machen, es bleibt trotzdem eins. Der Kaiser zieht weiterhin nackt durch die Straßen. Bis halt mal einer die Klappe aufmacht. Es muß nicht mal an einem Freitag sein.


* bleibt anzumerken, daß der grüne Revolutionsantrag von der lokalen GroKo „in die Ausschüsse verwiesen” wurde. Ja, mehrere. Man muß Freitags nicht zur Schule gehen, um zu wissen, was das bedeutet

** unter diesem Stichwort bei SPON zu ergooglen, aber hinter der Paywall

 

25 Comments

  1. Nein, die aussterbenden Rebellen, die sich hier in Berlin auf die Straße geklebt hatten, mußten nicht fürchten vom SUV geplättet zu werden. Die Polizei hat sie stets behutsam abgeschirmt. Etwa 5000 Rebellen konnten hier neun Tage lang blockieren wie sie wollten. Also fast. Die heiligen Einkaufstraßen waren dann doch tabu. Aber den Stern um die Siegessäule durften sie tagelang lahmlegen. Da sind aber auch keine Shops.
    Ihr HQ war direkt vor dem Kanzleramt, am Ende der großen Wiese vor dem Reichstag. Eingerahmt vom Beton der Macht haben die Hippies Rebellion gespielt, und Bürgerversammlung geprobt. Also Citizens Assembly – ist hier alles sehr international gewesen, auch viele der Hippies kamen aus dem Ausland. Ein großes Zeltlager im Herzen Berlins. Am Eingang ein Infozelt, weitere für die Workshops und die Assemblys, dann die Bühne, die Küche, Klos – alles da. Eine beeindruckende Organisation.
    Das bescheidene Polizeiaufgebot sagt mir; die Rebellen waren willkommen. Wenn die Staatsmacht in Berlin nicht will, dann kann sie auch ganz anders. An den Polizisten lag es nicht. Nach 4-5 Tagen schoben die nur noch Überstunden, und waren entsprechend gut gelaunt.
    Ich hatte mich bei Herrn Boes eingeklingt, der mit den seinen eine Stele mit dem Artikel 20 des GG vor dem Reichstag aufgestellt hat. Der Plan ist das GG zur Verfassung zu machen. Ich organisierte ihm die Möglichkeit in XR-Camp einen Vortrag zu halten, der sich dann als der bestbesuchte herausstellte. Der Grund warum sich ein paar der heimlichen Veranstalter der Rebellen noch an meinen Namen erinnern. Typen, die sonst für TV arbeiten, oder in Think Tanks der progressiven Linken sitzen.
    Die alten Linken mochten die XR nicht. Sie blicken voller Misstrauen auf die Bewegung. “Woher haben die das Geld?” Die ständig gestellte Frage. Von Soros natürlich – und womöglich stimmt das auch. Aber wayne – dann gibt der alte Sack seine Kohle ausnahmsweise mal sinnvoll aus. Die Kids selbst, die das Camp füllten, sind seltsam uninformiert. Rubikon? Nachdenkseiten? Voltairenetz? Kassandra21? Nie gehört, nie gelesen. Sie wollen den Kapitalismus zügeln. Null Emission bis 2025. Kritik am Militär kam eher selten. Jetzt gibt es überall Ortsgruppen und eine Politik AG. Ich denke ich mache da mit. Die wollen unartig sein – und ich weiss wie das geht. win win.

    Antworten

    1. Der Plan ist das GG zur Verfassung zu machen.

      Das GG ist eine Verfassung. Glaub einem beinahe-Juristen. Diese Diskussion ist bestenfalls akademisch.

      Die alten Linken mochten die XR nicht.

      Wundert mich nicht. Da muß man sich nur ansehen, was Frau Ditfurth zu XR getwittert hat neulich. Ist halt scheiße, wenn man sich selbst als “ökolinx” und “Aktivistin” bezeichnet, aber keines von dreien ist. Die sind einfach nur angepißt, weil so was wie XR ihnen klar vorhält, daß sie auch nur Laberrhabarber-Versager sind, die in drei Jahrzehnten nichts auf die Kette gekriegt haben von ihren Zielen.
      ‘ne selbstempfundene Linke, die im Twitterthread #5 direkt eine Bresche schlägt von XR zu “irgendwas mit Hitler” ist das genaue Gegenstück zu deinen Fragern. Wer ist denn die reichste Partei Deutschlands? Die ehemlaige spd. Woher kriegen die ihre Kohle? Und wen sollte das interessieren?

      Die wollen unartig sein – und ich weiss wie das geht. win win.

      Yep. Ich gehe ja auch nicht zum Spaß zu FfF. Die brauchen Schulungen in Geschichte, Sabotage, Rhetorik, strategischer Eskalation und Seminare über “Die Kunst, den anderen wie den Idioten da stehen zu lassen, der er ist, ohne daß er es bemerkt”. Das bringt ihnen halt Freitags keiner bei, selbst wenn sie zur Schule gingen.

    2. “Glaub einem beinahe-Juristen.”
      Ich hab Dir extra mal den Link zu diesem Artikel hier https://www.rubikon.news/artikel/mut-zur-verfassung gesteckt – jetzt lies das mal verdammt nochmal! So doof ist der Plan gar nicht. Auf jeden Fall synergiert die Idee mit den Citizen Assemblys.

      Die Kohle hat XR übrigens von Getty- und Kennedy Erben bekommen. Die üblichen Verdächtigen sind nicht mit im Spiel. Für den ersten Versuch in Deuschland war das ziemlich eindrucksvoll finde ich. Und wenn die hier so wachsen wie in England, dann ist hier im Frühling die Hölle los. Ich bin heute noch mit einem Rebell durch Berlin gefahren, und hab dem die wirklich kritischen Verkehrsadern gezeigt, und wie sie zusammen hängen. Blockadescouting sozusagen. Morgen Abend treffe ich alte Linke, und sag denen was sie denken sollen, und das sollte nach dem Ditfurthschen Ritterschlag nicht all zu schwer werden. Wenn das olle U-Boot vor XR warnt ist doch alles ok.
      “Die Kunst, den anderen wie den Idioten da stehen zu lassen, der er ist, ohne daß er es bemerkt”
      Ähm, warum soll der das denn nicht merken? Ich will dass die was merken!

      Ganz nebenbei: Dein Engagement tut Deinem Blog gut. Merkt man deutlich.

    3. Eine Freundin von mir hat erzählt, wie sich ihre Freundin aufgeregt hat, weil sie wohl im Stau stand in Bärlin.
      Ich so: Siehste. Fünf Leute, die an zwei neuralgischen Punkten Druck ausüben, schon bricht die ganze Hütte zusammen. Das nennt man “fehlende Resilienz komplexer Systeme”. ^^
      Sie so: Die stand zweienhalb Stunden im Stau!
      Ich so: Und? Kaum ein Unterschied zum normalen Tag, oder?
      Sie so: —

      Morgen Abend treffe ich alte Linke, und sag denen was sie denken sollen,

      Sehr lobenswert.

      und das sollte nach dem Ditfurthschen Ritterschlag nicht all zu schwer werden. Wenn das olle U-Boot vor XR warnt ist doch alles ok.

      Ich finde es nur schön, daß wieder ‘ne ‘Linke’ das macht, was immer den pösen Rechten vorgeworfen wird. Wie beim Netz-DG oder Internet-Prangerseiten. Wir sind die Guten

      “Die Kunst, den anderen wie den Idioten da stehen zu lassen, der er ist, ohne daß er es bemerkt”
      Ähm, warum soll der das denn nicht merken? Ich will dass die was merken!

      Also, ich gehe ja immer von den typischen Fanatikern aus. Du weißt schon: Klimawandel gibt’s nicht! Die Welt ist flach!! Die AfD will nur spielen!!! Wir sind das Volk!!!! Ich bin ökolinx und deswegen sind alle Nazis, die was amchen, das womöglich Auswirkungen hat!111!

      Nicht alle von denen haben unrecht. Königin Elisabeth ist ein außerirdisches Reptil.

      Die überzeugt man von nichts. Denn die sind ja bereits von was überzeugt. Von sich, normalerweise.
      Was heißt, in 97,3% aller Fälle sind sie rückgratlose Grottenolme und so schlau wie ein Wurstbrot.
      Also versucht man nicht, die zu überzeugen. Man läßt sie in die eigene Dummheit laufen, bis sie still an ihren Widersprüchen verbluten und zeigt allen anderen, die dabei sind, wo die echten Deppen stehen. Die selber merken das nicht, weil – die sind ja schlau.

      Guck dir den Donald an. Der macht ja auch nie Fehler, dabei dreht er sich beim Revidieren seiner Entscheidungen so schnell um sich selbst, daß er sich selber in den Arsch treten könnte.

      Ganz nebenbei: Dein Engagement tut Deinem Blog gut. Merkt man deutlich.

      Öhmmm – danke?

    4. “Guck dir den Donald an.”
      Ja, guck hin. Der Teufelskerl beendet gerade den War on terror. Das ist unser Held. Die Sumpfungeheuer und ihre schleimigen Follower toben.

    5. Die Operation “Quelle des Friedens” ist völkerrechtsrechtlich völlig legal, wenn sie auf den 32 km langen Grenzstreifen beschränkt ist und nicht zu einer unbefristeten türkischen Besetzung führt

      Es ist unwahrscheinlich, dass das ausgeblutete Syrien in der Lage sein wird, diesen Gebietsstreifen in unmittelbarer Zukunft zurückzuerobern,

      Exakt deshalb wird Erdogan seine “Pufferzone” auch nicht wieder hergeben. Schon gar nicht, nachdem er die Flüchtlinge dorthin deportiert hat, um sie als menschliche Schutzschilde zu nutzen.
      Und genau das hat der kranke Mann am Bosporus vor. Sobald er die Kurden aus dem Kreuz hat, wird der türkische Südosten noch ethnisch feucht durchgewischt, da wette ich drauf.
      Friedensmission – am Arsch! 😀

    6. Der Teufelskerl beendet gerade den War on terror

      Also…
      erstens haben wir die rechte und linke Hand von Osama war Laden schon erledigt. Mehrfach.
      Und zweitens wird das Trump deswegen nicht wiedergewählt. Der war on terror soll ja gar nicht enden, das ist doch grad der Witz. Hat er wieder nicht kapiert, der stable genius.

    7. Ich hab Dir extra mal den Link zu diesem Artikel hier https://www.rubikon.news/artikel/mut-zur-verfassung gesteckt – jetzt lies das mal verdammt nochmal!

      Habe ich ja. Alles putzig und auch durchaus richtig. Trotzdem ist das GG eine Verfassung. Und wenn ich mir Teile des Volkes(TM) so ansehe, will ich da auch nicht drüber abstimmen als verfassungsgebende Gewalt. Da sind dann auch FDP-Wähler mit dabei, mußt du bedenken.

      Ich nehme dann teil, wenn wir die “Umwelt” als verfassungsmäßig geschütztes Subjekt mit aufnehmen. Wenn Mutter Natur existiert, braucht Mutti Rechte. Das kann man ja im Öko-Sowjet mal ansprechen 😀

  2. Wo stand denn das mit der kognitiven Dissonanz? Die Kacke ist am Dampfen und nichts, rein gar nichts passiert. Die Flugtickets werden 5 Euro teurer. Na holla, schau mal an. Der ÖPNV wird gleichzeitig auch 50 cent teurer, pro Fahrt! Das mit dem Bedenken der Klimafolgen haben wir in unserer Kommune auch. Jaja. Kennt ihr den Witz: “Hast du an den Kanarienvogel gedacht?” “ja, die ganze Zeit.” “Und warum ist er dann jetzt tot?” “Von Futter hat keiner was gesagt…..”.
    Anzahl der PKW: gestiegen, Menge der gefertigten Klamotten und Schuhe: gestiegen, Wasserverbrauc: gestiegen, CO2: gestiegen. Da hilft auch der Satz: “der Anstieg wurde gebremst” nichts, die Zerstörung schreitet voran.

    Antworten

    1. 50 Cent? Pro Fahrt? Mach keine Scherze. Ich hab gelesen die BVG erhöht die Preise. Von Raub stand da aber nix.

    2. Wo stand denn das mit der kognitiven Dissonanz?

      Zwischen allen Zeilen. Und du hast es ja offensichtlich auch gelesen 🙂

      Man könnte hinzufügen: Tickets werden “teurer” *hust* – Anzahl der Flüge deutscher Terrouristen: auf neuem Höchststand.
      Unfaßbar kleines Klimapäckchen wird beschlossen – CSU macht daraus ‘ne Postwurfsendung.
      Wähler wählt beim nächsten mal die verschissene Union noch weniger: alles Schuld von Bots, die Freitags Klimapanik machen.

      Da ist überall soviel Dissonanz, das ist schon kognitiver Dubstep. Und dann twittert Trump wieder eins obendrauf 😀

  3. “(…) Menge der gefertigten Klamotten und Schuhe: gestiegen,(…)” aus Titanias Kommentar… holla die Waldfee… Auf der Rückfahrt aus dem Urlaub am Hamburger Containerhafen vorbeigefahren, da gerade Beifahrerin, Zeit zum HInsehen. Es wurden zwei Containerschiffe beladen. Die Dinger sind beladen so groß wie Hochhäuser, Zeit zum Containerzählen hatte ich dann doch nicht, aber irrsinnig viele. Und vermutlich voller Klamotten. Und Schuhen. Und was auch sonst noch so regelmäßig (also am besten wöchentlich) ausgetausacht wird nach dem Gedanken dieses Marktes. Hab die Dinger zum ersten Mal in Natura gesehen und kann es noch nicht fassen, wie groß die sind.
    P.S. habe mir jetzt dann doch mal zwei neue Hosen gekauft. Die alten waren nach 10 Jahren einfach ziemlich durch. Jedenfalls zu Arbeitszwecken. Aber die Mengen an Läden (und Waren – vor allem Klamotten), die es z.B. in Husum (Urlaubsort) gibt, geht mir nicht in den Kopf… Sehenden Blickes in den Untergang, kann ich nur noch etwas entnervt feststellen.

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    1. Container mit Klamotten werden in Hamburg entladen. Wenn sie beladen werden, dann sind da Medikamente drin, oder Maschinen. Oder eben Müll.
      Ich habe mir im letzten Monat zwei paar Schuhe, drei Hosen, zwei Pullover und einen Trench gekauft. TK-Max ist gleich nebenan, da gibts immer Schnäppchen. Ich achte sehr auf meine Außenwirkung. Einer der Gründe, warum XR und die Friedensbewegung so angefeindet werden, ist doch, dass die immer aussehen, als ob du dir bei denen Läuse einfängst – oder TBC. Letzteres macht gerade in Berlin die Runde. Im COOP, dem Anti-War-Cafe, haben sie einen Fall gehabt. Das meine ich. Weil das alles Zeckenzüchter sind.

    2. Der Standard-Seecontainer hat 8 auf 20 bzw. 8 auf 40 Fuß als Maße, bei einer Höhe von 2,59 Metern (8 Fuß 6″) 😀
      Da kann man drin wohnen, wenn man Fenster reinmacht.

      Aber die Mengen an Läden (und Waren – vor allem Klamotten), die es z.B. in Husum (Urlaubsort) gibt, geht mir nicht in den Kopf

      Stell dich mal vor die Supermarkt-Kühlregale mit dem “convenience”-Food. Also alles, was quasi nur noch aus der Packung raus muß zum Aufwärmen und Zusammenrühren. Gebratene Hühnerbruststreifen. Pasta-Saucen, mit und ohne Pasta dazu. Dann überleg mal dreißig Jahre zurück. Was gab es davon damals(TM)? Wie hoch ist der Aufwand an Energie und die Menge an (meist Plastik-)Müll für dieses Zeug?
      Danach brauchst du ‘nen Schnaps.

  4. Wenn du der Graf aus dem Civforum bist, dann solltest du mal da vorbeigucken.

    Da startet gerade ein Reload des PB 73…

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