(K)ein Schiff wird kommen

„It’s a kind of magic.”
Queen

Menschen wiederholen gerne Dinge, die sie gesehen haben. Sie haben gesehen, wie andere Leute diese Dinge tun und wie diese Handlungen ein bestimmtes Ergebnis hervorbrachten. Sie haben nie kapiert, was da eigentlich vorgeht, denn den Nachahmern fehlt jegliches technologisches Verständnis.
Da werden Türme aus Holz aufgebaut. Menschen roden den Dschungel, um eine freie, gerade Fläche zu erhalten. Der Typ auf seinem Holzturm trägt etwas, das aussieht wie große Kopfhörer und aus Stroh oder Gras geflochten ist. Oder aus Holz geschnitzt. Wiederum andere Typen stehen herum und wedeln mit großen Fliegenklatschen herum oder mit etwas, das aussieht wie zu groß geratene Tennisschläger.

Der ganze Tanz hat etwas völlig Absurdes. Bis einem klar wird, daß die gerodete Fläche eine Landebahn ist. Der Kerl auf dem Holzturm trägt tatsächlich Kopfhörer und spricht tatsächlich nicht in eine Rübe, die er in der Hand hält, sondern ein Mikrofon. Die Wedler auf der Landebahn sind dabei, einen Piloten einzuweisen. Diese Leute wiederholen nichts weiter als alle Aktivitäten, die sie einmal beobachtet haben, als es tatsächlich einen Flughafen gab, auf dem Maschinen starteten und landeten. Amerikanische Maschinen, den Bauch voller Versorgungsgüter aller Art. Materielle Konsumgüter aus einer industrialisierten Welt jenseits des Wassers, von der die Vorfahren der Rumwedler nichts wußten.

Was ich beschrieben habe, existiert tatsächlich. Anthropologen nennen das einen Cargo-Kult.  Auf einer Handvoll Pazifikinseln finden derartige Zeremonien tatsächlich statt. Denn die Einheimischen sahen damals, im Zweiten Weltkrieg, die großen Metallvögel der Amerikaner starten und landen und sie sahen die Palette an Gütern, die diese dabei hatten. Einige dieser Dinge müssen ihnen wohl gefallen haben, und was einem gefällt, hätte man gerne auch weiterhin zur Verfügung. So sind Menschen nun einmal. Continue reading →

Es geht kein Flug nach Irgendwo

„I’m learning to fly, but I ain’t got wings.
Coming down is the hardest thing.”
Tom Petty

Technologie oder – in meinen Begriffen hier in diesem Blog – die genaue Ausformung der Technosphäre ist immer auch eine Entscheidung der Gesellschaft.
Zumindest sollte sie das sein. In Wahrheit funken einem die Kräfte der viel gepriesenen freien Marktwirtschaft da natürlich ständig dazwischen.
Es gab nie eine Entscheidung der Gesellschaft für die vorgeblich zivile Nutzung der Kernenergie. Es gab eine politische Entscheidung, denn mit Reaktoren hat man die Hand eben auch irgendwo immer auf dem Stoff, aus dem die Bomben sind. Die Tatsache, daß Nationen wie Japan oder Deutschland über keine eigenen A-Waffen verfügen, ist ja nun nicht etwa technologischem Unvermögen geschuldet, sondern der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Der freie Markt ist an solchen Stellen also normalerweise eben kein Markt. Und frei ist er auch nicht. Er funktioniert hier schlicht kommandowirtschaftlich. Hitler konnte in Hydrierwerken aus Braun- und Steinkohle Sprit für Flugzeuge und Panzer gewinnen lassen, weil es geht. Nicht etwa, weil das Verfahren ökonomisch Sinn ergibt. Es ist nämlich in jeglicher Hinsicht bei weitem zu teuer. Würde man Benzin heute aus deutscher Steinkohle herstellen wollen, kostete der Liter Sprit vermutlich irgendwas um die acht Euro. Dann mal Prost.
Mit Atomkraft war es ähnlich. Die Franzosen reihten sich als Atommacht Nr. 4 in den Reigen ein, weil Charles de Gaulle die Bombe haben wollte und dazu brauchte man eigene Reaktoren. Drum hat Deutschland auch keine eigenen Bomben, denn damit konnte Frankreich sicher sein, nicht noch einmal von deutschen Truppen überfallen zu werden. Deutschland hätte wiederum auch gerne die Bombe gehabt, Old Adenauer war jedenfalls sehr dafür, so weit ich das weiß. Nur gab es eben keine.
Dafür stehen die Franzosen heute da und erzeugen 70 Prozent ihrer Elektrizität aus Kernmeilern. Da fragt sich nur noch, wem zuerst das Licht ausgeht. Uns oder den westlichen Nachbarn. Sollte einer der Schrottmeiler an der deutschen Grenze wie Cattenom vorher noch platzen, werden womöglich deutsche Truppen doch noch einmal Frankreich überfallen. Wer weiß?

Wenn aber die industrielle Zivilisation den Bach runter geht und dabei auch durch weiteres Aufkommen von „Technologie” – in welcher Form auch immer – nicht zu retten sein wird, ergibt sich ganz generell die Frage: Was wird überhaupt zu retten sein?
Das erfordert ein wenig ausgiebige Diskussion und Bestandsaufnahme.
In diesem Zusammenhang sollte man nicht unerwähnt lassen, daß die Bemühungen der meisten offiziell irgendwie grün-ökologisch bewegten Menschen, die in industriellem Maßstab stattfinden, eindeutig nicht Teil der Zukunft sein werden. Weder superleichte Elektroautos noch leichtere Flugzeuge noch Gebäudedämmung bis zum Abwinken werden den Zusammenbruch der industriellen Zivilisation verhindern. Continue reading →

Zunehmende Zerfallsrate

Ein Mann mit einer Axt in einem Zug. Fünf Verletzte. Ein anderer Mann mit einer Schußwaffe in München. Neun Tote. Wieder ein anderer mit einer Bombe in Ansbach. Fünfzehn Verletzte. Und natürlich die Attentäter, die allesamt bei diesen Vorfällen umkommen.
Im Netz toben daraufhin wieder die faschistischen Arschlöcher, kotzen ihre widerwärtige Dummheit aus über einen Begriff wie “Deutsch-Iraner”, denn der Münchner Amokläufer war ein solcher.
Es paßt den neuen Herrenmenschen eben nicht ins erbsengroße Weltbild, daß dieser Mann nichts mit den Flüchtlingen des letzten Jahres zu tun hatte. Auch beim Würzburger Attentäter ist es ähnlich. Schon länger hier, bereits im Asylverfahren, so weit erst einmal versorgt.
Der Amokläufer mit der Schußwaffe stellt sich wenig später als jemand heraus, der mit dem sogenannten “Islamischen Staat” nichts am Hut hatte, sondern mit Antisemitismus und allgemeinem Fremdenhaß. Acht seiner Opfer sind deutlich unter zwanzig und haben Migrationshintergrund. Er mag den norwegischen hirnkranken Killer Breivik und findet es toll, am selben Tag geboren zu sein wie dereinst der kleine österreichische Diktator. Als wäre das eine persönliche Leistung. Insgesamt ist er jemand, dessen Weltbild wunderbar unter die Hakenkreuzflagge und die “Deutschland in den Grenzen von 1937”-Tattoos der rechten Arschlöcher gepaßt hätte. Plötzlich herrscht Schweigen bei den Netznazis, bevor dann wieder die üblichen Verschwörungstheorien hochblubbern.

Alleine schon die Reaktion auf dieses Aufkommen von Terror in Deutschland führt die Idee des Historikers Michael Wolfssohn ad absurdum, der allen Ernstes sagt, man müsse in Deutschland eine allgemeine Dienstpflicht für Bürger einführen. Denn der Staat könne offensichtlich seinen Aufgaben bezüglich Sicherheit nicht mehr nachkommen.
Wie man noch immer an der absolut sicheren Tatsache vorbeisehen kann, daß hier in Deutschland Vollidioten rumlaufen – deutsche Vollidioten wohlgemerkt – denen man keine Plastikgabel in die Hand drücken sollte, geschweige denn, sie in einer Grundausbildung mit militärischen oder polizeilichen Kampftaktiken vertraut zu machen, ist mir ein Rätsel. Wir können uns auch gleich eine neue SA züchten.
Bei derartigen Vorschlägen möchte ich den sauberen Herrn Historiker am Kragen greifen, ordentlich schütteln und ihn fragen: “Was haben Sie denn so gewählt die letzten zwanzig Jahre, Herr Wolfssohn?”
Die Parteien, die in Baden-Württemberg und Bayern fleißig Stellen in Polizei und Justiz gekürzt haben? Oder die anderen, die gesagt haben, das sollte man vielleicht mal nicht machen?
Ein Historiker, der so einen Blödsinn absondert, steht für mich auf derselben Stufe wie all die Menschen, die lautstark empört ausrufen “Wie kann man nur AfD wählen?” – die aber Zeit ihres Lebens die CDU gewählt haben. Ich rufe das zwar durchaus auch, aber mit weniger Empörung. Mehr mit verzweifeltem Kopfschütteln. Und ich habe eben nie diejenigen Parteien gewählt, aus denen die Gründer und Mitglieder der AfD so entlaufen sind. Also die sogenannten “Konservativen”. Continue reading →

Mythopolis

– VI –

Im Spinnennetz

„Werde ich träumen?”
HAL 9000

Einer der großen Über-Propheten der Technologiereligion ist ein Mann namens Raymond Kurzweil. Geschulten Nerds ist dieser Mann bekannt als der „Director of Engineering” bei einer obskuren, kleinen Firma im Silicon Valley in den USA. Google oder so heißt der Laden, man hat den Namen vielleicht schon mal gehört.
Wer in einem Konglomerat aus digitalem Wahnsinn wie Google der Leiter der Abteilung „Technologische Entwicklung” ist, gehört eindeutig zu den Leuten, deren Bücher über die Zukunft und die Entwicklung unserer Gesellschaft von jeder Menge Leute nicht nur gelesen werden. Sie werden anschließend auf Veranstaltungen geschwenkt und in heiliges Laserlicht gehalten, um den Worten des Propheten mehr Nachdruck zu verleihen. Solche Menschen haben keine Leser. Sie haben Jünger. Begeisterte Jünger.

Kurzweil gilt unter anderem als Futurologe. Das sind die Leute, die über eine Zukunft schreiben, die zum Mythos des ewigen Fortschritts paßt, wofür sie dann von der Fachpresse frenetisch bejubelt werden. Insofern bin ich also ein Anti-Futurologe, obwohl ich mich ja auch sehr wohl mit der Zukunft auseinandersetze.
Außerdem ist der Kerl von niemand Geringerem als Bill Gates schon einmal als führender Experte im Bereich der Künstlichen Intelligenz bezeichnet worden.
Witzigerweise ist das derselbe Bill Gates, der sich gemeinsam mit Menschen wie Stephen Hawking und dem ebenfalls in Kalifornien hausenden Propheten Elon Musk, dem Chef von Tesla, sehr besorgt über die mögliche Entwicklung einer echten Künstlichen Intelligenz geäußert hat.
Es ist übrigens auch derselbe Stephen Hawking, der zusammen mit dem russischen Milliardär Juri Millner einen Plan ersonnen hat, der sich „Breakthrough Starshot” nennt und der es ermöglichen soll, andere Sonnensysteme zu erforschen. Nicht durch Hingucken, sondern durch Hinfliegen. Nicht in riesigen Schüsseln mit Warpantrieb, sondern mit eher kleinen Raumschiffen, etwa in Größe einer Postkarte oder so.

Klingt irre, würde aber gleich mehrere Probleme interstellarer Raumfahrt auf einen Schlag logisch angehen. Den enormen Energieaufwand, der im Zusammenhang mit der Raumschiffmasse steht. Und die Reisedauer, die wiederum mit der Beschleunigung zusammenhängt, die wiederum eine Funktion der Schiffsmasse ist.
Anders gesagt: Kleine Roboter kann man eben mit einem Affenzahn beschleunigen. Schiffe mit einer menschlichen Besatzung eher nicht. Außerdem brauchen Menschen so lästige Sachen wie Luft, Wasser und Nahrung, also eine Lebenserhaltung an Bord. Da wollen wir von den allseits berühmten Kälteschlafkammern gar nicht reden, denn im wachen Zustand unternimmt niemand so eine Reise, die nach dem derzeitigen Stand der Dinge dann etwa 10.000 Jahre dauern würde. Vor 10.000 Jahren haben wir hier auf dem Planeten die Landwirtschaft erdacht.
Das ist die optimistische Schätzung. Zehn Jahrtausende bis zum nächsten Sonnensystem, das wäre Alpha Centauri in einer Entfernung von 4,3 Lichtjahren.
Da liegen übrigens auch die Baupläne aus, nach denen die Erde demnächst für eine Hyperraumumgehungsstraße gesprengt werden soll, aber das wissen wir ja inzwischen. Vielleicht könnten die Raumschiffe dann gleich unsere Beschwerde bei der galaktischen Bauaufsichtsbehörde überbringen. Continue reading →

La part du problème

„The American way of life is not up for negotiations.”
George H. W. Bush

Jetzt hat sie also begonnen, die COP21, diese Klimakonferenz in Paris. Die Abkürzung hat nichts mit den wahrscheinlich geradezu irrsinnigen Sicherheitsmaßnahmen zu tun, die nach dem jüngsten Terroranschlag in Frankreichs Hauptstadt an der Tagesordnung sein dürften.
In einem recht ordentlichen medialen Gewitter wird bereits seit mehr als einer Woche in diversen Zeitungen zusammengetragen, was denn da eigentlich passiert beziehungsweise passieren soll.
Insgesamt kommen Superman, Batman, Wonder Woman und Hulk zusammen, um die Welt wieder einmal vor dem Bösen zu retten. Und Chuck Norris. Zumindest liest es sich so, wenn man die Geschichte verfolgt.

In Wirklichkeit treffen sich da politische Delegierte aus aller Herren Länder. Umweltminister und -ministerinnen, die jeweiligen Stellvertreter, Präsidenten oder Vizepräsidenten, Premierminister oder eben deren Stellvertreter. 195 Länder haben irgendwelche Menschen, die sie mit Handlungskompetenz per Dekret ausgestattet haben, nach Paris geschickt.
Das ist insofern bemerkenswert, als es sich hierbei wohl tatsächlich um eine große, wenn nicht sogar die größte Konferenz der Tiere handeln dürfte, die es seit Menschengedenken gegeben hat. Immerhin sind das 100 Prozent aller Staaten der Erde, jedenfalls nach Auffassung der Vereinten Nationen, also echte Staaten im Rahmen des Völkerrechts. Die tatsächliche Anzahl der Ländereien liegt mit etwa 206 nur unwesentlich höher. Das Ausmaß des hier anberaumten Pow Wow ist also durchaus bemerkenswert.

Noch bemerkenswerter ist, daß sich hier nicht etwa 195 Peronen treffen, sondern eine nicht unbeachtliche fünfstellige Zahl. Das ist keine satirische Überspitzung von meiner Seite, die Gesamtzahl der in Paris herumwuselnden Klimatiker dürfte irgendwo zwischen 10- und 20.000 liegen.
Einige von ihnen sind Dolmetscher, denn das Sprachwirrwarr dürfte wahrhaft babylonisch sein bei einem derartigen Treffen. Immerhin existieren aktuell etwa 5.000 als Sprache definierte Kommunikationsformen auf dem Planeten Erde. Ohne einen Commander Data oder am besten einen C3PO, der ja bekanntlich auf 6 Millionen Kommunikationsformen programmiert ist, sorgt alleine schon dieser Faktor für erhebliche Zeitverzögerungen und Aufwand bei einer derartigen Konferenz.
Wiederum andere Personen sind nur dazu da, um den jeweils offiziell wichtigen Wichten, also den politischen Oberköpfen, ihren Arsch nachzutragen, das wäre dann der ganze Papierkram, den es immer noch gibt, da ändert die Digitalisierung nichts dran. Wenn man als Ministerpräsident von TakkaTukka 47 Termine an einem einzigen Tag abwickeln soll, braucht man jemanden, der das koordiniert.
Ich habe schon immer gesagt, daß eine fähige Chefsekretärin in den meisten Firmen wichtiger ist als der jeweilige Chef, denn sie hält den Laden tatsächlich am Laufen, wie man da so sagt, wo ich generisch herkomme. Der Chef ist austauschbar, aber nur die Sekretärin weiß exakt, gegen wen und wann der Ersatzmann kommt. Oder Ersatzfrau, natürlich. Wobei die Sekretärin auch ein Kerl sein kann. Aber das sind Details.
Zusätzlich zu diesen Leuten kommen aber auch noch die nach Paris, die die eigentliche Arbeit machen, und zwar schon bevor eine derartige Konferenz beginnt. Das sind die Leute, die vorher und hinterher, also jetzt gerade, in irgendwelchen schlecht belüfteten Konferenzräumen hocken und im 23. Unterausschuß für afrikanische Sandverteilungsfragen eben darüber befinden, wie denn jetzt das mit dem Sand genau geregelt werden soll. Continue reading →

Die Lange Dämmerung

– V –

Die zweite Renaissance

,,Mein Name ist Ozymandias, König der Könige.

Seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!”

Percy Bysshe Shelley

Da steht Mensch also nun, auf dem Gipfel des Berges, und traut sich nicht weiter. Seit der Staatsschuldenkrise, die vorher eine Finanzkrise war, die vorher eine Euro-Krise war, die vorher eine Bankenrise war, die vorher mal als Immobilienkrise in den USA begann, hört man aus Politik und Wirtschaft eigentlich nichts weiter als Durchhalteparolen.
Überall werden Nebelkerzen geschwenkt, um so vom Wesentlichen abzulenken. Alles Gerede aus dem industriell-politischen Komplex™ heraus läßt sich seit 2009 eigentlich kurz und bündig zusammenfassen und erinnert mich als Deutschen doch stark an das hysterische Stimmchen eines Erich Honecker und seine Parolen des niemals existiert habenden Sozialismus: ,,Vorwärts immer, rückwärts nimmer!”
Dabei bin ich nicht mal im Osten aufgewachsen. Unsere Bundeskanzlerin aber schon, und die betonte bereits im Frühjahr 2009 in einer Trauerrede für die gerade überstandene Wirtschaftskrise, man wolle so schnell wie möglich auf den alten Kurs zurückkehren. Ja, die wurde damals offiziell für tot und begraben erklärt – die Krise, nicht die Kanzlerin.
Das klingt in meinen Ohren etwa so, als hätte der Kapitän der Titanic nach dem ersten Zusammenstoß in den Maschinenraum telegrafiert: ,,Volle Kraft zurück, Jungs! Und dann rammen wir den beschissenen Eisberg gleich noch mal!”

Was haben unsere Weltlenker nicht alles versucht. In den USA packte die Zentralbank die ganz große Keule aus und senkte die Zinsen noch weiter, als das ohnehin schon der Fall war. Damit sollte die Wirtschaft wiederbelebt werden, indem sie mehr Kredite vergibt. Ich erinnere mich, schon mal erwähnt zu haben, daß unser Geld aus Kreditvergabe, also aus Schulden entsteht, jedenfalls etwa 97% davon.
Man war also nicht besorgt darüber, daß es zuviel Kredit geben könnte in einer Wirtschaft, deren Beinahezusammenbruch durch die windige, um nicht zu sagen betrügerische, Vergabe von Immobilienkrediten ausgelöst worden war. Man war besorgt über zu wenig Kredit. Die Programme der US-Zentralbank Fed erhielten den schönen Namen ,,Quantitative Easing”, abgekürzt QE. Was mich immer daran denken ließ, daß “QE” auch die Abkürzung für den altehrwürdigen Ozeanriesen ,,Queen Elizabeth” ist, oder besser, die Ozeanriesen, es gab ja zwei dieses Namens. Und mit Ozeanriesen ist das so eine Sache. Continue reading →

Die Lange Dämmerung

– IV –

Kein Gott in der Maschine

„I have seen the science I worshiped and the aircraft I loved, destroying the civilization that I expected them to serve.”
Charles Lindbergh

Auf dem Gipfel eines Berges stehen ist großartig. Dieser Ausblick! Diese Luft! Diese kühle und dünnere Luft, die mit sinkender Sonne immer kälter wird und die einem klarmacht, daß man sich jetzt besser in Bewegung setzen sollte, möchte man sich nicht sehr bald den Hintern abfrieren.
Also begibt man sich irgendwann wieder an den Abstieg. Nachdem man ausgiebig das Panorama genossen und ein wenig Rast gemacht hat natürlich, denn wozu wäre man schließlich sonst auf den verdammten Berg geklettert?
Was aber völlig egal ist, ist die Himmelsrichtung, die man einschlägt. Denn jedem sollte klar sein, daß es von diesem Punkt aus abwärts geht, wie das Wort Abstieg auch schon leise andeutet. Vom Gipel eines Berges aus gibt es einfach keine andere logische Möglichkeit.

Keine Zivilisation auf der Erde hat einen so gewaltigen Aufstieg hinter sich wie unsere, die technologische globale Zivilisation des beginnenden 21. Jahrhundert ndZ. Das Zeitalter des Anthropozän, also das Zeitalter des Menschen, wird nicht nur so benannt, weil Mensch dieses Zeitalter quasi beherrscht. Die Wissenschaftler, die diese Bezeichnung ins Spiel bringen, sind Geologen und Paläontologen, also der Typ Nerd, der es gewohnt ist, mit sehr großen Zeiträumen umzugehen. Wir reden hier nicht von einer Woche oder einem Jahrhundert. Die Bezeichnung Anthropozän beruht vor allem darauf, daß die Folgen der Anwendung unserer Technologie inzwischen Spuren hinterlassen haben, die noch Jahrtausende lang zu sehen, zu spüren und zu messen sein werden. Seit etwa sechs oder sieben Dekaden setzen wir mehr und mehr Chemikalien und chemische Verbindungen frei, die in dieser Form natürlicherweise nicht vorkommen. Die Trümmer unserer angewandten Wissenschaften überziehen den Planeten inzwischen lückenlos. Das reicht von den Resten der auf Felder gespühten Pestizide oder Herbizide bis hin zu den strahlenden und überaus tödlichen Hinterlassenschaften der Kernspaltung, mit denen wir immer noch nicht wirklich etwas anzufangen wissen. Aller Wahrscheinlichkeit werden wir das auch nie, denn trotz allem müssen sich auch und gerade menschliche Wissenschaften an die Naturgesetze halten. Ein Punkt, der von den Anhängern des Technologie-Glaubens gerne zur Seite geschoben wird. Wie alles andere ist auch technologischer Fortschritt nicht endlos, weder in seinen Möglichkeiten noch seiner Geschwindigkeit, und er unterliegt ebenfalls dem gnadenlosen Gesetz des Abnehmenden Ertrages. Continue reading →

Zivilisationswächter

„There is no time like the present”
Grundlegende Erkenntnis der Temporalmechanik

Ich verneige mich in alle Himmelsrichtungen und heiße dich willkommen in meiner bescheidenen Ecke des Internet, oh hoffentlich vernunftbegabtes Lebewesen dieses Planeten.
Sollte jemand nicht von diesem Planeten hier stammen, wäre es ganz toll, wenn er mal zum Tee bei mir daheim vorbeischaut. Das Gespräch dürfte sehr interessant werden und ich mag interessante Gespräche.
Aber egal, ob Du von der Erde stammst oder von XpRRt23!Beta in Andromeda, Du solltest dich in den folgenden Abschnitten in irgendeiner Form persönlich wiederfinden und zustimmend mit dem Kopf nicken, wenn Du dich hier wohlfühlen möchtest. Natürlich ist zweifelndes oder ablehnendes Kopfschütteln auch nicht schlecht, denn das zeugt immerhin von einem gewissen Denkprozeß im Vorfeld. Alternativ darf auch mit den Fühlern gewedelt oder beliebige Tentakel geschwenkt werden. Aber wenn das, was nun folgt, so gar nicht deins ist – gehe hin in Frieden und mögest du interessante Zeiten erleben!

Warum also „Zivilisationswächter”?

Die Menschheit hat die ersten anderthalb Dekaden des 21. Jahrhunderts inzwischen fast hinter sich gebracht – mehr oder weniger erfolgreich, je nach Standpunkt.
Als sorgfältiger und stets mißtrauischer Beobachter meiner Umwelt – und damit meine ich persönlich Deutschland speziell und die Erde im Allgemeinen – ist es meiner Meinung nach nicht mehr zu übersehen, daß sich unsere Zivilisation in einer extrem kritischen Phase ihrer Entwicklung befindet.
Nach einer Weile des scheinbar ruhigen Dahindümpelns in der Strömung der Geschichte hat Mensch in den letzten 15 Jahren definitiv die Stromschnellen erreicht, und es zeigt sich nicht nur, daß alle in einem Boot sitzen, sondern daß es auch keine Rettungsringe gibt. Geschweige denn irgendeinen, der Ahnung hat, wo denn die verdammten Ruder geblieben sind. Continue reading →