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– I –
Rückzugsgefechte

„To travel faster than a speeding bullet is not much
help if you and it are heading
straight towards each other.” – John Brunner 

Die USA befinden sich seit geraumer Zeit in dem Zustand, der von Politologen als imperiale Überdehnung bezeichnet wird. Der britische Historiker Paul Kennedy hat diesen Begriff 1987 geprägt. Nicht verwandt oder verschwägert mit dem hirnfreien Esoteriker, der aktuell das US-Gesundheitsministerium anführt, übrigens. Das Grundprinzip ist simpel. Die Kosten zur Aufrechterhaltung des Imperiums werden irgendwann größer als der Gewinn, den das Imperium daraus ziehen kann.
Die Definition von Imperium ist tendentiell unterschiedlich, in Kassandras Sinne aber allgemein gültig:  ein Imperium ist eine Wohlstandspumpe. Das ist sein Zweck. Wohlstand in unterschiedlichster Form fließt aus der Peripherie ins Zentrum der Macht. Vor zweitausend Jahren nach Rom. Heute in die USA. Auch nach Europa.
Vier Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen 25 Prozent aller Ressourcen pro Tag, verwenden feuchte Froschhintern zum Messen der Lufttemperatur oder mittelalterliche Stockmaße für Entfernungen und wundern sich auf Europa-Urlaub dann noch, dass man hier nicht mit Dollar bezahlen kann. Die Arroganz des Idiotentums in bester Form.
Wohlstand ist hierbei ein umfassender Begriff. Es können Rohstoffe sein. Billige Arbeitskräfte, die man ausnutzt. Auf der Putenfarm beispielsweise, die den Thanksgiving-Truthahn mästet. Die Plastikfarm im Südosten Spaniens, auf der afrikanische Flüchtlinge meinen verdammten Brokkoli züchten. Aber der einzige Zweck ist es letztendlich, dem Zentrum mehr Wohlstand herbei zu pumpen.

Bis der Tag kommt, an dem die Peripherie langsam ausgeplündert ist. Oder der Tag, an dem es für ein Imperium keine Gebiete mehr gibt, in die es expandieren kann. Wohlgemerkt, lohnende Gebiete. Natürlich hätte Rom ganz Germanien besetzen können. Vom Rhein bis zur Elbe, zur Oder, zur Neiße, zur Ostsee. Rom hätte sich durch den nahezu endlosen europäischen Wald bis vor Moskau ausdehnen können.
Aber was hätte es davon gehabt? Eine mehr oder weniger menschenleere Mannschaft, nicht einmal für den Ackerbau geeignet, denn dazu hätte man erst den Wald beseitigen müssen. Also hätte Rom für seinen mehrere Jahrzehnte langen Krieg gegen den Wald und seine Bewohner endlose Festmeter an Holz bekommen.
Die Garnisonen, die zusätzlichen Legionen, die Siedler, die man aus dem Reich in die neuen Gebiete entsandt hätte und denen der Kaiser neue Städte hätte bauen müssen – all das hätte sich aus diesem bißchen Gewinn niemals selbst tragen können. Rom eroberte Germanien nicht, weil es nicht dazu fähig gewesen wäre. Rom eroberte Germanien nicht, weil dieses Gebiet schlicht und einfach keinerlei ausreichenden ökonomischen Vorteil gebracht hätte. Das Wort Biophysik war damals noch nicht erfunden, das war der Physik aber egal und deshalb war sie damals genau so gültig wie heute auch.

Nach Cäsars Eroberung Galliens flossen mehr als 40 Millionen Sesterzen jährlich in die Schatulle Roms, schon zur Zeit eines Octavian. Heute würde man das schnelle Amortisierung nennen. Um das Gebiet Germaniens bis zur Ostsee und Weißrussland so weit zu kriegen, hätte Rom vermutlich dreihundert Jahre lang investieren müssen. Heute würde man das Tesla nennen oder OpenAI.
Europas Kolonialperiode begann nach Entdeckung der Neuen Welt so richtig, da man plötzlich zwei riesige neue Landmassen hatte, deren Wohlstand man nach Europa transferieren konnte. Amerikanisches Gold aus geplünderten Aztekenstädten und Silber aus Sklavenminen fluteten Spaniens Schatzkammern in einem Ausmaß, dass den Wert der Goldwährungen bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts um ein Viertel zurückgehen ließ. Spaniens Silber verteilte sich über den Kontinent, sorgte für die Gründung erster Bankhäuser, Aktiengesellschaften und allgemein des Kapitalismus, der uns heute noch wie Scheiße am Schuh klebt.

Den USA ergeht es genau so. Das Imperium kann sich deshalb nirgendwohin mehr ausdehnen, weil es bereits überall ist. Das System an sich ist überall. Im Gegensatz zu Rom haben die USA sich natürlich auch die Methode der Globalisierung zu Nutze gemacht. Eine Art ökonomische Verlängerung des eigentlichen militärischen Schwertarms. Man kann sich Staaten gefügig machen, ohne Kriege zu führen und sie so dazu bringen, Wohlstand abfließen zu lassen. Die Römer hätten das Vasallenstaaten genannt. Dieser feudale Status findet heute üblicherweise ökonomisch statt.
Heutzutage benutzt man dazu die Weltbank oder den IMF. Beides Institutionen, die immer von den USA und diversen europäischen Staaten dominiert waren und sind. Allesamt erschaffen in der finanziellen Nachkriegsordnung von Bretton Woods. Allesamt dem Ziel verschrieben, den totalitären Marketing-Kapitalismus zur Ausplünderung des Planeten zu nutzen. Kolonialisierung ohne Kolonien, denn die wollten alle endlich unabhängig werden und wurden es auch. Nur eben nicht vom IMF oder der Weltbank.

Doch auch hier blutet die Peripherie irgendwann aus. Ein Sklavenland wie Argentinien hat immer brav alle paar Jahre die Auflagen der genannten Institutionen befolgt, um neue Kredite zu bekommen, um eine Staatspleite zu verhindern. Diese Bedingungen haben dann unmittelbar mit der nächsten finanziellen Staatskrise zu tun, vor der man wieder gerettet werden muss.
Allein Argentinien hat seit Beginn des Jahrtausends dank der bewährten Rezeptur des neoliberalistischen Konsum-Raves, featuring Chicago Boys, drei weitere Staatspleiten hingelegt. Natürlich geht es dem Land dank der Gegenmaßnahmen heute viel besser. Statt 160 Milliarden Dollar Schulden hat es heutzutage 340. Das ist eine Steigerung um mehr als 100 Prozent und mehr ist ja immer gut. Ich sehe da Wachstumspotential.

Das ist der Moment, in dem das Imperium – jedes Imperium – dem Tode geweiht ist. Auf der einen Seite ist es gezwungen, seine bisherigen Bemühungen im Militärbereich weiter aufrechtzuerhalten, zur Sicherung des Wohlstands. Auf der anderen Seite kann aber auch das nicht länger verhindern, dass der Strom aus abfließenden Ressourcen und Arbeitskraft zu einem Rinnsal verkümmert.
Es gibt am Ende nur noch die Wahl des langsamen Sterbens, erdrückt von einer stetig wachsenden Schuldenlast. Denn der eigentliche Wohlstand ist längst aufgebraucht, alles wird über Kredite finanziert, was die Währung belastet – das alte Rom hat im dritten Jahrhundert seine Münzen im Vergleich schneller entwertet als Venezuela seine Landeswährung.
Die USA haben heute den Vorteil, dass sie ihre Schulden und die damit einhergehende Inflation exportieren können, da der globale Ölhandel in Dollar abgewickelt wird. Das manchmal gern benutze Wort vom Petrodollar ist keine Verschwörungstheorie, sondern entspricht schlicht ökonomischen Fakten. Der ehemals größte Gläubiger des Planeten ist längst dessen größter Schuldner geworden.

Als weitere Parallele sind es natürlich immer die Bevölkerungsteile, die ohnehin weniger Vermögen besitzen, die als erste unter dem Niedergang leiden müssen. Denn den jeweiligen 1-2 Prozent der Bevölkerung, die den Löwenanteil des Vermögens in ihren Händen konzentrieren, kann man auf keinen Fall etwas wegnehmen, wenn man denn Kaiser bleiben will. Oder Präsident werden. Oder Kaiser, falls es vorher Präsidenten gab. Im Normalfall ist es in einem Imperium in diesem Stadium seiner Entwicklung längst so, dass die Politik lediglich nur noch einen Zweck hat: eben dieser vermögenden Klasse ihren gewohnten Wohlstand zu sichern.
Gesetze werden erlassen, die kleinere Marktteilnehmer belasten oder ganz aus dem Wettbewerb drängen. Sinnvolle Dinge werden von Lobbyistinnen in Ministerien mit Gesetzesvorlagen weggeblockt, zum Schaden der Gesamtgesellschaft.
Maßnahmen werden durchgeführt, deren administrative Kosten wieder von den unteren fünfzig Prozent der Vermögen getragen wird, die aber den oberen zwei Prozent nützlich sind. Denn denen gehören die Konzerne und sonstigen Institutionen, die sich die Durchführung dann überhaupt erlauben können. Derartige Externalisierungen sind heute überall zu finden. Dieses gesamte Verhalten eines administrativen Systems fällt unter das Gesetz des Abnehmenden Ertrags.

Immer mehr Straßen werden gebaut oder renoviert, teils zu absurd horrenden Kosten, während immer weniger jüngere Menschen überhaupt ein Auto haben wollen. Weil Führerscheine 3.000 Euro kosten. Eine Gegenmaßnahme der Politik ist dann die Subventionierung von Führerscheinen. Komischerweise behauptet keiner, die Jugendlichen seien nur zu faul zum Arbeiten, dabei ist das doch allgemeine Kanzlerlinie. Der hat sich übrigens gerade wieder mehr Diäten gegönnt, damit er gestärkt und sorgenfrei auf die Bürgergeldempfänger einprügeln kann.
Übrigens habe ich meine Bahncard gekündigt, Herr Bundeskanzler. Weil mein Verkehrsverbund die nicht mehr anerkennt, denn die Ausgleichszahlungen der Bahn dafür sind seit Jahren zu niedrig. Gleichzeitig ist mein Deutschlandticket wieder teurer geworden. Das ich zum Glück nie abonniert hatte, denn es rechnet sich für mich vorn und hinten nicht als eigentlicher Radfahrer.
So sieht erfolgreiche Verkehrspolitik aus.
Flughäfen werden gebaut, ausgebaut oder gar nicht gebaut, was aber in jedem Fall Unmengen an Wohlstand verschlingt, der meist aus öffentlichen Kassen zu irgendwelchen Konzernen fließt. Das Ganze zu einer Zeit, in der die Luftfahrtindustrie bereits seit anderthalb Jahrzehnten im Sterben liegt. Niemand bietet Billigflüge im Stehflieger an, weil er das will. Man bietet so etwas an, damit man überhaupt Geld in die Kasse bekommt, um den Laden weiter mit Kreditlinien am Laufen zu halten, die wiederum auf Bilanzen und Aussichten beruhen – also Versprechen auf eine grandiose Zukunft.

Kassandra hat dafür einen Begriff: bullshit upscaling.
Immer mehr Menschen fallen aus einem ökonomischen System heraus, das ihnen zunehmend Lasten aufbürdet, die sie für andere tragen sollen, die ihnen aber selber wenig oder keinen Nutzen erbringen.
Der Sozialstaat – zu römischen Zeiten noch nicht erfunden – verhindert eine Weile das Schlimmste, nämlich aufgebrachte Volksmassen mit Fackeln und Mistgabeln, während die Reichen weiterhin die Öffentlichkeit plündern. Leistungsloses Einkommen auf Milliardenniveau. Aber irgendwann ist auch hier das Ende der Fahnenstange erreicht.

Jedes Imperium hat an dieser Stelle eine Wahl. Es könnte sich zurückziehen. Die Gebiete aufgeben, die viel Militär erfordern und wenig Nutzen bringen. Seine Armee überhaupt verkleinern und sich so von einer enormen Kostenlast befreien.
Rom hätte dabei nur Italien gehabt und womöglich Südfrankreich. Die USA hätten noch immer das drittgrößte Flächenland des Planeten, wenn sie sich auf ihre eigenen Grenzen zurückzögen. Es gäbe in diesen Grenzen noch immer eine brauchbare Menge nützlicher Ressourcen. Mit einer umsichtigen Politik, die versucht, das Beste daraus zu machen, ließe sich das Imperium nicht retten. Aber das Land und seine Bevölkerung sehr wohl.
Natürlich würden Klimazerstörung, chemische Altlasten überall im Untergrund und aus dem Bergbau, nukleares Tralala, Zusammenbruch der Nahrungsversorgung sowie massiver Wassermangel aus den USA ziemlich schnell eine Art Mad Max-Szenario entstehen lassen und die ehemaligen USA wären recht schnell Geschichte. Das liegt aber daran, dass dieser Staat selbst eben ein genozidal begründetes Großgebilde ist. Derartige Konstrukte haben keine besonders großartige Zukunft jenseits einer Zeitmarke von etwa 2035, nach Kassandras persönlicher Schätzung.

Das Donnern aus Washington, wenn Donald Trump wieder einmal den unfairen Welthandel anprangert, den die USA selbst inszeniert haben, ist das Geräusch brechender Deckenbalken eines Imperiums. Massiv überschuldet durch Militärkosten, die längst jenseits aller Vernunft und außerhalb jeglicher Kosten-Nutzen-Rechnung sind, verlangt der Kaiser von seinen Vasallen, sie mögen mehr Geld für Waffen ausgeben. Seine Waffen natürlich. Nutzloser Hightech-Schrott wie die F-35. Ein Ziegelstein mit den Flugeigenschaften eines Mäuse transportierenden Albatros‘ und der Kampfkraft einer schwindsüchtigen Libelle. Zum Stückpreis mehrerer Wohnblöcke für finanziell schwächlich ausgestattete Mitglieder der Gesellschaft. Externalisierung im schönsten Fall.
Allgemein ist Militärisches hierfür ein ganz großartiges Beispiel. Schon 2018 haben die Amerikaner Raketen im Wert einer halben Milliarde Dollar nach Syrien geschossen, nachdem im Vorfeld gesagt wurde, es hätte einen Einsatz von Chemiewaffen gegeben oder auch nicht, mit dem Assad etwas zu tun hatte oder auch nicht. Wenn das mal kein Grund ist, sofort rumzuballern. Folgerichtig trafen die Raketen irgendwelche mehr oder weniger willkürlich gewählten Zielkoordinaten oder auch nicht, die wiederum etwas mit Chemiewaffen zu tun hatten. Oder auch nicht.
Sicher ist nur, dass man eine neue Rakete bestellen muss, wenn man die alte abgeschossen hat. Was Geld kostet, und zwar nicht zu knapp. Das Ergebnis  der Kosten-Nutzen-Rechnung ist nirgendwo miserabler als in diesem Bereich. Ich habe schon seit Längerem den Verdacht, dass Raytheon ein ‚best before‘-Datum auf seine Raketen druckt, damit amerikanische Präsidenten nicht vergessen, die auch abzuschießen.

Die Effektivität des US-Militärs weist ebenfalls immer stärkere Ähnlichkeiten zum Römischen Reich auf. Kaum mischten sich die Russen in Syrien ein, befand sich der Islamische Staat wenig später im Rückwärtsgang. Was daran liegen könnte, dass Putin seinen Leuten als taktischen Tip mitgegeben hatte, mit abgeworfenen Bomben auch mal ein Ziel zu treffen. Statt Machtdemonstrationen und roten Linien einfach mal einen Schlag in die Fresse für die Typen, gegen die man da kämpft. Natürlich ist das total verwerflich, denn es sind ja die Russen. Die haben sich übrigens nicht eingemischt in Syrien, das war nur die offizielle Sprachregelung in unseren Medien. Syrien ist ein Klientelstaat der Russen seit so langer Zeit, dass sie damals noch Sowjetunion hießen.

Gerade aktuell ist ein guter Zeitpunkt, die Bilanz der mit freiheitlich-demokratischen Bombardements hervorgebrachten Regimewechsel im Nahen Osten einmal Revue passieren zu lassen. Diplomatisch formuliert jetzt nicht gerade eine Blockbuster-Erfolgsgeschichte.
Libyen wurde noch unter Friedenspräsident Obama in eine Warlord-Zone mit Sklavenhaltung verwandelt. Gerade eben erst haben sich die Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands in ihrer gesamten gesammelten Erbärmlichkeit hingestellt und verlangt, der Iran solle sich gegen einen Angriff der USA und Israels nicht wehren und an den Verhandlungstisch zurückkehren.
Irgendein CDU-Typ hat in der FAZ sogar öffentlich erklärt, das sei alles völlig in Ordnung, der Iran habe schließlich das Atomabkommen nicht eingehalten. Also diese multilaterale Abkommen, das vom US-„Präsidenten” im Jahre 2018 unilateral einfach mal in die Tonne getreten wurde. Das war damals – einen Moment – Donaaaald Trump!

Danach hatte Europa versprochen, den Deal auch irgendwie ohne die Amis aufrechtzuerhalten. Die aber Sanktionen gegen alle Länder verhängten, die das versuchten. Was wiederum dazu führte, dass die EU einige Wochen später dem Iran vorwarf, er hätte jetzt zu viel Uran auf Halde liegen. Das hatte ihnen der Iran erzählt, sonst hätte Brüssel das nie gemerkt.
Denn der vorher vertraglich festgelegte Abnehmer war – Russland. Das sich aber nicht mehr an den Vertrag hielt, weil – US-Sanktionen.
Wenn also jetzt so ein Oberlurch der C-Klasse deutscher Politik was davon erzählt, der Iran solle mal verhandeln oder habe sich nicht an ein Abkommen gehalten, ist das bullshit upscaling im besten Orwellschen Sinne. Denn die Regierung in Berlin 2018 wurde gestellt von der CDU und ihren willigen, ehemals sozialdemokratischen Arschkriechern.
Es gibt seitdem keinerlei Abkommen mehr und wieso sollten die theokratischen Regime-Mullahs dem theokratischen Regime-Präsidenten der USA  auch nur eine Sekunde zuhören, wenn er wieder was ins Mikrofon furzt?
Auch das gern gehörte Argument „Gewalt gegen das eigene Volk” ist in meinen Augen keines. Die ICE-SS von Donald Trump mag noch keine 3.000 amerikanischen Staatsbürger erschossen haben. Aber das ist nur eine Frage der Zeit und Gelegenheit. Natürlich waren Saddam Hussein, Muammar al Gaddafi oder der große Megamufti Khamenei Arschlöcher reinsten Wassers und auch Mörder.
Nur, warum sollte diese Tatsache für ganze Länder Völker- und Menschenrechte außer Kraft setzen, weil ein anderer Staat mehr Waffen hat?
Das Völkerrecht heißt so, weil es für alle Völker gilt, ob man deren Regierungen mag oder nicht. Ginge es den USA oder der EU um solche Dinge, müssten wir seit vier Jahren Moskau bombardieren und nicht Teheran.

Aber gerade deutsche „Konservative” waren schon immer absolut mies in Geschichte. Sonst würden sie nicht schon wieder den Faschisten im Parlament die Steigbügel hinhalten, damit die möglichst bald das Land endgültig ruinieren können. Das liegt oft daran,  dass dieselben angeblichen Konservativen an der Entstehung der Geschichte gern federführend beteiligt waren. Ob das nun ein Heizungsgesetz ist oder Überwachungsmaßnahmen fürs Volk.
Dieselben Vollidioten, die jetzt weiter Abhängigkeiten von Erdgas in den Heizungskeller zementieren wollen, werden morgen rumweinen, man müsse ihren potentiellen Wählern aufgrund total unvorhersehbarer ausufernder Kosten staatlich unter die Arme greifen.
Spoiler Alert: man muss nicht. Man muss einfach mal aufhören, solche korrupten Penner zu wählen.

Welche Quote zwischen toten Diktatoren und toten Schulkindern ist völkerrechtlich zulässig? Gibt es dafür eine EU-Norm?

Das amerikanische Imperium beseitigt also gerade wieder einmal mit Bomben eine Bedrohung, von der sein Diktator erst vor einigen Wochen hat verkünden lassen, diese sei „obliterated“ und für die nächsten Jahrzehnte vom Tisch. Das war nach der letzten Bombardierung, welche die beiden rechtsgerichteten Regime, das in Washington und das in Tel Aviv, haben durchführen lassen.

Um America tatsächlich wieder great zu machen, müßte das Imperium sich darauf einigen, seine imperiale Macht fallen zu lassen. Gerade die USA, mit dem Vorteil nahezu unangreifbarer Grenzverläufe, könnten mit einem Bruchteil der Kosten auskommen, die aktuell für das Militär fällig sind. Würde Rom seine Garnisonen auflösen, seine Truppen nach Hause berufen, seinen Haushalt entlasten – es stünde einer völlig anderen Zukunft gegenüber.
Allerdings wäre diese Zukunft eine, in der ein amerikanischer – oder auch europäischer – Mittelstand bei weitem nicht den unglaublich verschwenderischen Lebensstandard haben könnte, an dem man sich siebzig Jahre lang seine Wampe angefressen hat. Andererseits ist der Durchschnittseuropäer oft besser dran als Jane und John Doe und verbraucht dabei nur ein Drittel der Ressourcen. Selbst in Rumänien ist das Gesundheitswesen besser als in den USA. Sogar in Kuba, das seit gefühlt 80 Jahren unter Sanktionen steht, ist die Kindersterblichkeit niedriger.

Es ist diese Wahl, die wir haben. Alle. Als Personen und als Gesellschaft. Es kommt nicht darauf an, was uns als nützlich angepriesen wird. Oder auch nur als das neueste Dingsbums, das man jetzt unbedingt haben muss. Die nüchterne Frage auf Ebene einer Gesellschaft lautet: Was kostet das und was bringt es für wie viele unserer Mitglieder eigentlich an Nutzen?
Wem nützen milliardenteure Prestigeobjekte wie Berliner Flughäfen oder Stuttgarter Bahnhöfe oder Hamburger Konzerthäuser? Wer kann sich die 14,50 für einen Kaffee in der Elbphilharmonie schon leisten? Und wer besucht eigentlich die 879. Interpretation von Wagners unsäglichem Ringe-Gedröhn, auf welcher Bühne auch immer?

Imperien landen am Ende immer an diesem Punkt. Sie dürfen nicht schrumpfen, sonst läßt der Strom aus Wohlstand nach, den die Eliten so gewohnt sind. Global betrachtet sind wir in einem Land wie Deutschland übrigens allesamt „Elite”. Nur als Hinweis auf die Perspektive.
Wenn aber keine Schrumpfung durchgeführt wird, dann versiegt der Wohlstandsstrom trotzdem. Denn die Peripherie ist ausgeblutet. Die Rohstoffe sind weg. Die billigen Arbeitssklaven sind längst nach Rom gezogen, um dort ein besseres Leben zu finden. Oder aus Mexiko in die USA, weil Agrarsubventionen durch NAFTA den einheimischen Markt gründlich ruiniert haben.
Sollten neue Ressourcen in den Fokus des Interesses rücken, haben die Einheimischen womöglich irgendwann gelernt und wollen ihre kostbaren Dinge nicht einfach zum Schleuderpreis hergeben. Lithium für Batterien, die wiederum eAutos antreiben sollen, die wiederum dazu dienen sollen, unseren industriellen Lebensstil ins Unendliche zu verlängern. Elektrisch im Stau stehen statt mit künstlichen Kampfpanzergeräuschen an deinem Wichsphantasie-Blechkasten ist eben auch nicht der Burner.

Die Muster der Geschichte sind überall zu finden. Um Amerika wieder groß zu machen, müßte Amerika wesentlich kleiner werden. Dasselbe gilt für rein ökonomische Imperien, also beispielsweise das von Deutschland. Aber stattdessen klammert sich die politische und finanzielle Elite am Althergebrachten fest. Heute noch viel mehr als zu Zeiten Roms. Als Kaiser Hadrian sich aus den eroberten Gebieten eines Trajan zurückzog, hatte er danach Feinde im Senat. Aber er tat es.
Heute ist so etwas wie „Schrumpfung” ein Wort, mit dem man dem IWF, der Weltbank und etwa 95% aller Wirtschafts„wissenschaftler“ sofort zum Ableben durch Hirnschlag verhelfen würde. Was die Welt keinesfalls schlechter gestaltete, meiner Meinung nach. Nur tote Standardökonomen sind gute Standardökonomen.

Zu sehr ist die Politik in die Interessen der Reichen und Superreichen verstrickt, aus denen sie sich größtenteils selbst rekrutiert. Niemand, der im Senat der USA sitzt, hat nicht mehrere Millionen Privatvermögen.
Die sog. „revolving door“ der amerikanischen Politik, der Wechsel aus der Wirtschaft in politische Positionen, die exakt diesen Teil der Wirtschaft betreffen, ist auch in Europa längst Alltag. Die Wechselrichtung kann auch andersrum sein, es ist ja eine Drehtür.
Die wirtschaftspolitische Sockenpuppe Katharina Reiche, die ernsthaft eine 1%-Quote an „grünem Öl” in ihren geradezu verräterischen Gesetzentwurf hat reinschreiben lassen, hat vor ihrer großzügig saldierten Verbeamtung durch den Lobbyisten im Kanzlerkostüm über die Westnetz AG geherrscht, das ist die Gasnetz-Tochter von E.On, diesem notleidendem Energiekonzern.
Grünes Öl ist übrigens erstens nicht existent und zweitens ein anderes Wort für e-fuels, die man nur dann gut finden kann, wenn man in der Volksschule Physik vor der ersten Klasse abgewählt hat. Das einzige grüne Öl ist aus Oliven und steht in der Küche.

Derartige Politik zwingt dann wieder sehr oft die anderen Teile der Bevölkerung dazu, die Klasse der obszön Reichen zu stützen. Gesetze werden erlassen, die Familien, die sich keine Gesundheitsvorsorge leisten können, trotzdem zum Abschluß einer solchen Versicherung zwingen. Unter Androhung von Strafen, die von diesen Familien ebenfalls nicht bezahlt werden könnten. Entweder spült das den sechs großen Versicherern 30 Millionen neue Kunden zu oder den Gefängnissen.
Da sowohl die Gesundheitskonzerne als auch die Gefängnisbetreiber börsennotierte Privatkonzerne sind, freut das diejenigen, die Anteile dieser Art in ihrem reichhaltigen Aktienportfolio geparkt haben. Man stelle sich einen derartigen Unsinn mal für die USA vor. Dann hätten die womöglich hinterher einen Tea Party-Präsidenten gewählt, der die vorherige „Reform” wieder rückgängig machen würde. Außerdem würde so ein Mann natürlich die massiv gestiegenen Sozialkosten bemängeln, denn wer sich die Zahlungen zur Versicherung nicht leisten kann, der bekommt womöglich staatliche Hilfe. Der Bürger bekäme also Hilfen, die er benötigt, damit er weiterhin Geld an Konzerne bezahlen kann. Absurde Idee.

Seit 45 Jahren scheißt die CDU ins Nest und beschwert sich anschließend über den Gestank, wenn sie mal nicht regiert. Demokratie ist mit diesen Wählern nicht mehr zu retten.

In anderen Ländern wäre es womöglich eine Industrie, die veraltete Transportmittel herstellt und die von der eigenen Politik massiv davor geschützt wird, für betrügerisches Verhalten Strafen zu zahlen. Oder sogar noch zusätzlich dafür subventioniert wird, indem andere Fahrzeuge steuerlich begünstigt werden, die diese Industrie längst nicht mehr herstellen sollte.
Man stelle sich vor, dass für veraltete Energieträger ganze Landschaften weggebaggert werden mit der Begründung, das ansonsten Arbeitsplätze verlorengehen. 40-50.000 in einem Land mit 82 Millionen Einwohnern und etwa 43 Millionen Arbeitnehmern. Was für ein Schlag wäre das denn!
Genauso wie die Hersteller der Fahrzeuge, die auch nicht wollen, dass die Umwelt weniger verschmutzt wird. Denn das würde ebenfalls Arbeitplätze kosten. Weil man nämlich zur Herstellung von Autos mit weniger Dreck aus dem Auspuff weniger Leute benötigt. Ist ja logisch. Darum arbeiten in der Autoindustrie in Frankreich auch nur noch 23 Menschen. Denn selbst in kleine Modelle wie den Peugeot 206 baut dieser Hersteller seit zehn Jahren die Filter- und Reinigungssysteme ein, die von anderen als „technisch nicht machbar” bezeichnet werden.

So bleiben Imperien, militärisch oder ökonomisch, ihrem Zustand der imperialen Überdehnung verhaftet, bis sie dann sehr schnell und „urplötzlich” implodieren. Die eigene Ideologie, das eigene Bild von Macht, verhindert eine objektive Bewertung der Zukunft, eine Korrektur zur Vernunft.
Das gilt allerdings nicht für Individuen. Einzelne Menschen stehen vor derselben Wahl.
Das beste Auto, das man noch kaufen kann, wenn man unbedingt eines braucht, ist ein gebrauchtes. Idealerweise ein analoges gebrauchtes. Die Mehrkosten an Steuern werden durch das permanente Nicht-Versagen irgendwelcher vernetzten Elektronik-Bauteile kompensiert. Das – gar nicht so große – Mehr an Abgasen wird dadurch kompensiert, dass man kein neues Auto vom Band laufen lassen muss. Mein alter 360er Volvo brauchte bei 120 km/h auf einer Autobahn etwa sieben Liter normalen Sprit. Denn der damalige Straßenpanzer ginge heute gewichtstechnisch als Kleinwagen durch.
Das macht aber nicht so viel her wie der neueste X7 oder auch der Tesla 3, für den ökologisch bewegten Korrekt-Hipster im Bundestag mit fünfstelligem Einkommen. Pro Monat, nicht pro Jahr. Das allerbeste Auto, das man kaufen kann, ist ein Fahrrad.

Viele Menschen leisten sich dutzende von Dingen im Alltag und stellen kein einziges Mal die Frage, ob es sich nicht eher lohnen würde, auf so etwas zu verzichten. „Verzicht” ist auch so ein Wort, das ebensogut Jehova lauten könnte in unserer Gesellschaft. Biokisten voller Gemüse vor der Haustür, wenn man abends nach Hause kommt, das Hirn geschwärzt von zu vielen Meetings in Überstunden.
Das ist nicht öko, nicht logisch und auch nicht ökologisch. Selber mit dem Fahrrad zum Bauern radeln, um das Gemüse da zu kaufen, das käme schon eher hin. Der Nutzen wäre persönlich größer. Womöglich wäre man gesünder. Von mir aus kann man dazu auch die Urban-Gardening-Kooperative benutzen, wenn es so etwas gibt in der Nähe. Ergibt auch Sinn.
In einer Gesellschaft, die so darauf versessen ist, alles nach ökonomischen Aspekten zu betrachten, sind sehr viele Menschen an der eigenen Kosten-Nutzen-Bilanz erstaunlich uninteressiert. Vermutlich kommen viele vor lauter Arbeit nicht mehr zum Nachdenken. Außer, man hockt im Bundestag. Da arbeitet keiner. Leider denkt da auch keiner.

Ebenso wie Imperien neigen Individuen dazu, in einem gewählten und gewohnten Zustand zu verharren. Aber Menschen haben immer die Wahl. Selbst Imperien hätten sie. Aber um größer zu werden, müßte man kleiner werden. Um bleiben zu können, müßte man gehen. Um sich mehr leisten zu können, das einem nützlich ist, müßte man auf einiges verzichten, das nützlich erscheint. Manchmal sogar nützlich ist, aber nicht auf Dauer tragbar und somit gesamtgesellschaftlich schädlich.
Um mehr für sich arbeiten zu können, muss man weniger für andere arbeiten. Und während man mehr für sich arbeitet, ergibt sich daraus meistens mehr von dem, was wir „Kooperation” nennen, als bei jedem Arbeitgeber, der das freundliche Miteinander in der Firma anpreist.

3 Comments

  1. „Aber um größer zu werden, müsste man kleiner werden. Um bleiben zu können, müsste man gehen. Um sich mehr leisten zu können, das einem nützlich ist, müsste man auf einiges verzichten, das nützlich erscheint. Manchmal sogar nützlich ist, aber nicht auf Dauer tragbar und somit gesamtgesellschaftlich schädlich.“

    Buch Kassandra, 3;26

    Amen!

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  2. Ich höre gerade einen Podcast-Interview mit Nico Semsrott, es ging kurz um Schamgefühl von Politiker:innen und ich dachte mal wieder an meine geliebte CDU:

    VIER Jahre lang „schlechtester Wirtschaftsminister ever1!!!11elf“ brüllen und dann locker unter der Peter-Altmeier-Gedächtnis-Limbostange durchtanzen. Wahnhaft. Hat nur bedingt mit deinem Blog zu tun, aber das musste raus. 😂

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    1. Und es ist verf*ckt noch mal nicht einfach, unter der Stange durchzupassen!
      Aber was kann man von ’ner Gasindustrie-Lobbyistin schon erwarten.

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