Lieb Vaterschland, magst unruhig sein

Ich habe mal einen afghanischen Schneider kennengelernt, der nach Deutschland geflüchtet ist. Er mußte seine Heimat verlassen, dieses seit 35 Jahren von Bürgerkriegen und Stellvertreterkriegen zerrissene Land, weil er es gewagt hat, sich in eine Frau zu verlieben, die dummerweise Christin ist. Was an sich vielleicht noch keinen Streß verursachen würde. Aber dieser Mann ist vom Islam zum Christentum übergetreten, um diese Frau heiraten zu können. Denn das Christentum verlangt natürlich, daß beide Ehepartner Christen sind. Ich hatte mal eine katholisch erzogene Freundin, dank derer ich mich etwas ausführlicher mit dem Katholizismus beschäftigt habe. Was soll man sonst tun, um sich auf ein Frühstück mit Eltern vorzubereiten, die einen nicht mögen und die beide katholische Religion unterrichten?
Jedenfalls kam mir da unter, daß ich selber zum katholischen Christentum hätte konvertieren müssen, wenn ich meine Freundin hätte ehelichen wollen. Aber das hätte ohnehin nicht funktioniert, denn ich war zu diesem Zeitpunkt zwar erst sechsundzwanzig, aber bereits ein geschiedener Mann. Und natürlich dürfen Geschiedene heute ja nicht noch einmal heiraten. Als wäre ich ein byzantinischer Kaiser und das würde irgendwen interessieren.

Diese Nebengeschichte erzähle ich nur, falls jemand irgendwelche Anmerkungen über die Intoleranz des Islam machen möchte. Ich persönlich halte mal überhaupt nichts von einem Gott, der mir vorschreiben möchte, wen ich wann heiraten darf oder auch nicht und wann ich denn jetzt meine Freundin wie zu vögeln habe – oder auch nicht. Das geht jeden Gott – mit Verlaub – einen Scheißdreck an, denn ich bin es, der geil auf meine Freundin ist und nicht Gott. Soll der alte Spanner sich einen Porno reinziehen, da gibt es genug von im Internet. Auch 1996 war das durchaus machbar, außerdem ist Gott ja allmächtig und so. Egal, welchen Namen er so trägt. Und falls Gott doch geil ist auf meine Freundin, gibt es entweder gepflegt eins in die Fresse von mir oder einen Dreier – kommt drauf an.
Mit diesen Grundhaltungen war ich natürlich bei den Eltern meiner damaligen Herzensdame enorm beliebt, das sollte recht klar sein. Meine erste Erfahrung mit religiösen Fanatikern stammt somit eindeutig aus Südhessen. Und es waren Christen. Aber weil ihre Tochter so eine großartige Frau ist und sich auch als lernfähig erwiesen hat – da darf sich jetzt jeder was dabei denken – ist sie die einzige meiner Ex-Damen, mit der ich noch gelegentlich Kontakt habe. Freundschaftlichen vor allem. Weil sie einfach sie ist.

Doch zurück zum afghanischen Schneider. Dieser Mann erzählte also, daß er zum Christentum konvertiert sei, um die Frau heiraten zu können, die er liebt. Das klingt jetzt unwahrscheinlich romantisch und im Grunde genommen ist es das auch.
Aber es ist dummerweise im Islam auch ein todeswürdiges Verbrechen. Das steht jetzt nicht direkt im entsprechenden heiligen Buch, dem Koran, ergibt sich aber wohl aus dem, was im Islam Hadith heißt. Das sind offizielle Sammlungen von Spüchen des Mohammed, also des ursprünglichen Mohammed, der mit dem Prophet-des-Herrn-Diplom im 7. Jahrhundert.
Da werden also Dinge aufgeführt, die der Mann gesagt hat oder gesagt haben soll. Außerdem Dinge, die er gemacht hat oder gemacht haben soll. Dummerweise ist das nun schon ein paar Tage her und was einer so gesagt oder gemacht hat, unterliegt dann manchmal doch starker Legendenbildung, der Korruption oder schlicht dem Wunschdenken des jeweiligen Schreibers oder der Person, die den Text gerade beim Schreiber bestellt hat. Da kann man bei Konfuzius nachschlagen. Oder auch bei Mao. Continue reading →

Zunehmende Zerfallsrate

Ein Mann mit einer Axt in einem Zug. Fünf Verletzte. Ein anderer Mann mit einer Schußwaffe in München. Neun Tote. Wieder ein anderer mit einer Bombe in Ansbach. Fünfzehn Verletzte. Und natürlich die Attentäter, die allesamt bei diesen Vorfällen umkommen.
Im Netz toben daraufhin wieder die faschistischen Arschlöcher, kotzen ihre widerwärtige Dummheit aus über einen Begriff wie „Deutsch-Iraner“, denn der Münchner Amokläufer war ein solcher.
Es paßt den neuen Herrenmenschen eben nicht ins erbsengroße Weltbild, daß dieser Mann nichts mit den Flüchtlingen des letzten Jahres zu tun hatte. Auch beim Würzburger Attentäter ist es ähnlich. Schon länger hier, bereits im Asylverfahren, so weit erst einmal versorgt.
Der Amokläufer mit der Schußwaffe stellt sich wenig später als jemand heraus, der mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ nichts am Hut hatte, sondern mit Antisemitismus und allgemeinem Fremdenhaß. Acht seiner Opfer sind deutlich unter zwanzig und haben Migrationshintergrund. Er mag den norwegischen hirnkranken Killer Breivik und findet es toll, am selben Tag geboren zu sein wie dereinst der kleine österreichische Diktator. Als wäre das eine persönliche Leistung. Insgesamt ist er jemand, dessen Weltbild wunderbar unter die Hakenkreuzflagge und die „Deutschland in den Grenzen von 1937“-Tattoos der rechten Arschlöcher gepaßt hätte. Plötzlich herrscht Schweigen bei den Netznazis, bevor dann wieder die üblichen Verschwörungstheorien hochblubbern.

Alleine schon die Reaktion auf dieses Aufkommen von Terror in Deutschland führt die Idee des Historikers Michael Wolfssohn ad absurdum, der allen Ernstes sagt, man müsse in Deutschland eine allgemeine Dienstpflicht für Bürger einführen. Denn der Staat könne offensichtlich seinen Aufgaben bezüglich Sicherheit nicht mehr nachkommen.
Wie man noch immer an der absolut sicheren Tatsache vorbeisehen kann, daß hier in Deutschland Vollidioten rumlaufen – deutsche Vollidioten wohlgemerkt – denen man keine Plastikgabel in die Hand drücken sollte, geschweige denn, sie in einer Grundausbildung mit militärischen oder polizeilichen Kampftaktiken vertraut zu machen, ist mir ein Rätsel. Wir können uns auch gleich eine neue SA züchten.
Bei derartigen Vorschlägen möchte ich den sauberen Herrn Historiker am Kragen greifen, ordentlich schütteln und ihn fragen: „Was haben Sie denn so gewählt die letzten zwanzig Jahre, Herr Wolfssohn?“
Die Parteien, die in Baden-Württemberg und Bayern fleißig Stellen in Polizei und Justiz gekürzt haben? Oder die anderen, die gesagt haben, das sollte man vielleicht mal nicht machen?
Ein Historiker, der so einen Blödsinn absondert, steht für mich auf derselben Stufe wie all die Menschen, die lautstark empört ausrufen „Wie kann man nur AfD wählen?“ – die aber Zeit ihres Lebens die CDU gewählt haben. Ich rufe das zwar durchaus auch, aber mit weniger Empörung. Mehr mit verzweifeltem Kopfschütteln. Und ich habe eben nie diejenigen Parteien gewählt, aus denen die Gründer und Mitglieder der AfD so entlaufen sind. Also die sogenannten „Konservativen“. Continue reading →

Dark Age Donald

„America was founded by slave owners
who wanted to be free.“
George Carlin

Gerade eben erst haben irgendwelche Polizisten wieder einmal zwei Schwarze über den Haufen geschossen, in Minnesota und Loisiana.
Es ist nicht der erste Fall dieser Art, nicht in den letzten Jahren und nicht in den letzten Monaten. Die Bewegung „Black lives matter“ hat sich nicht ohne Grund vor nunmehr drei Jahren gebildet, soviel ist sicher.
Grund damals war der Tod zweier Personen durch insgesamt 137 Kugeln diverser Polizisten. Melissa Williams und Timothy Russell wurden nicht einfach erschossen, sie wurden in einer geradezu absurden Bonnie-and-Clyde-Szene regelrecht hingerichtet, anders kann man das nicht mehr nennen. (*)
Da der Richter sich außerstande sah, herauszufinden, welche der Kugeln nun tödlich war, wurde keiner der insgesamt dreizehn schießenden Polizisten belangt. Selbst der nicht, der noch nachgeladen hatte, um dann auf der Motorhaube stehend alleine noch fünfzehn Schuß auf die beiden Insassen des Fahrzeugs abzugeben. Insgesamt schoß der Officer der Cleveland Police Michael Brelo, so der Name dieses Mannes, neunundvierzigmal auf die beiden Personen im Fahrzeug. Begründet hat er das vor Gericht damit, daß er Angst um sein Leben gehabt habe.
Ich persönlich hätte Angst, derartigen Psychopathen in Polizeiuniform zu begegnen, wäre ich Amerikaner. Glücklicherweise bin ich aber keiner.

Diesmal nimmt die Sache mit „Toter Schwarzer bei Verkehrskontrolle dank schießwütigen weißen Polizisten“ aber ein neues Ausmaß an. Kurz nach den tödlichen Schüssen, gefilmt mit Handy-Kameras und mehr oder weniger in Echtzeit ins Netz gestellt, bevor wieder irgendeine Behörde die Gelegenheit hatte, eine offizielle Geschichte zu verbreiten, schießt wieder jemand. In Dallas. Diesmal wird auf Polizisten geschossen, nicht von Polizisten. Der Täter wird dann durch einen Roboter getötet, der per Fernsteuerung und mit Sprengstoff beladen an ihn herangefahren wird. Knopfdruck. Bumm. Ende des Täters.
Der Polizistenkiller ist weiß, wohl ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte, war in Afghanistan und kaum habe ich mich in meinem Kopf gefragt, wann wohl wieder der allseits beliebte Spruch vom „verwirrten Einzeltäter“ kommen wird, sagt Präsident Obama genau das.
Oder fast genau, denn er nennt diesen Typen konkret „verrückt“.
Offensichtlich hatte der Mann größere Dinge vor, denn später wird bekannt, daß er Sprengstoff und Munition gehortet hatte. Wäre der Mann Muslim gewesen, oder eben nicht weiß, oder womöglich beides – ich bin fest überzeugt, daß in den Medien darüber berichtet worden wäre, wie sich der Heimatschutz zusammen mit dem FBI um die Aufklärung des im Hintergrund vermuteten Terrornetzwerks bemüht. Doch in diesem Fall ist natürlich alles in Ordnung. Nur ein Verrückter, beinahe unehrenhaft entlassen wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung.

Unter Berufung auf die Einzeltäter-Hypothese spricht der Präsident der Vereinigten Staaten davon, daß das Land nicht gespalten sei und ruft gleichzeitig zur Einheit der Bürger auf. Er wiederholt diesen Appell, als bei landesweiten Demonstrationen Gewalt aufschäumt und es zu mehr als 200 Verhaftungen kommt.
Mehr Appelle folgen. Die Rede ist von Wunden, die man nicht so schnell heilen könne. Aber die Wunde, die da nicht heilen will, ist eigentlich bereits sehr alt.
Am Dienstag, in dem Moment, in dem ich dies hier schreibe, hält Barack Obama eine Rede in der Stadt, in der vor 53 Jahren einer seiner Amtsvorgänger erschossen wurde. Nur wenige Jahre danach verwandelte sich der de facto existierende Apartheids-Staat USA bei massiven Rassenunruhen in eine Kampfzone, in der ganze Stadtviertel eingeäschert wurden, nachdem der Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet worden war.
Ebenfalls an diesem Dienstag kommt es zu einer Schießerei in einem Gerichtsgebäude in Michigan. Zwei Sicherheitsleute und ein Häftling beim Fluchtversuch sind die Toten. Diesmal kein Rassismus. Nur Alltägliches. Continue reading →

Unvollendetes Requiem in b-Moll

„Es gibt einen Unterschied im Abschätzen der Höhe eines Sturzes und dem Fall; zwischen dem Anblick einer Welle und sie tatsächlich an den Strand schlagen zu hören.
Es war immer für undenkbar gehalten worden, aber jetzt hat sich der Gedanke in die Tat umgesetzt. Europa kann nie mehr dasselbe sein.“

Das schrieb Rafael Behr in einem Artikel im Guardian am letzten Freitag, an dem ich auch meinen letzten Beitrag in diesem Blog schrieb. Natürlich ging es um die Brexit-Entscheidung.

Auch der Chef der Fraktion der Linkspartei sprach am Dienstag im Bundestag über den Brexit und seine Folgen. Herr Bartsch nannte ausgerechnet Helmut Kohl dabei als „letzten europäischen Kanzler“. Das Furchtbare ist, daß er damit tatsächlich recht hat. Weder eine Frau Merkel, die als heimliche Königin Europas bezeichnet wird und schon dutzendfach vom Magazin Forbes zur mächtigsten Frau der Welt gekürt worden ist, noch der trampelige Gerhard Schröder oder dieser Typ namens Franz Holländer, der trotz seines Namens Präsident der Franzosen ist, bringen auch nur annähernd soviel europäisches Gewicht auf die Waage wie ein Helmut Kohl.

Das ist natürlich auch schwierig, wie alle diejenigen zugeben müssen, die die Regierungszeit des dicken Pfälzers in ihrer Gänze miterlebt haben. Immerhin hat der Mann sechzehn Jahre lang unser Land geführt. Damit hat Helmut Kohl also länger gedauert als das tausendjährige Reich, das die Nazis im Zweiten Weltkrieg so gerne errichten wollten. Nicht nur gefühlt, auch in absoluten Zahlen. Dies nur für alle Jugendlichen, die die 80er heutzutage als irgendwie glamouröses Zeitalter vergöttern.
Außerdem war Birne der erste Kanzler, dem es gelungen ist, deutsches Territorium, das von seinem Vorgänger in den 30ern verzockt wurde, wieder zurückzuholen. Man könnte so sagen, die einzige dauerhafte Ausdehnung des deutschen Hoheitsgebiets nach 1945 erfolgte durch Helmut Kohl.
Gut, in dem Moment hätte jeder deutscher Kanzler sein können. Die Konkursmasse der DDR per feindlicher Übernahme einzusacken war ein Angebot, das selbst ein grüner Bundeskanzler Fischer nicht hätte ablehnen können, ohne dafür drei Minuten später von einem wütenden Mob gelyncht zu werden.
Angela Merkel hingegen hat etwas anderes geschafft. Sie ist der erste deutsche Politiker, dem es gelungen ist, England zu besiegen. Gut, man mußte die Engländer dazu bringen, sich irgendwie selber ins Knie zu schießen, aber das hat dann tatsächlich funktioniert. Genau wie im Fußball ist das einzige, was Großbritannien besiegen kann, eben Großbritannien. Das dann aber auch gründlich.

So sehr Kohls Regierungszeit auch wie Blei auf diesem meinem Heimatland lag, dieser Mann hatte etwas, was eine Frau Merkel und alle anderen nicht haben. Nicht, weil sie es verloren hätten, sondern einfach, weil sie es nie hatten: Eine Vision von einem Europa der Zukunft.
Eine Vorstellung über das Zusammenleben von mehr als einer halben Milliarde Menschen, die weit über bloße ökonomische Zahlen hinausgeht. Natürlich sind die wichtig, denn dieses Europa ist, trotz aller Nackenschläge, der größte Wirtschaftsraum der Welt, da können die Amerikaner noch so sehr behaupten, sie hätten ökonomisch den längsten.
An seiner Seite hatte Helmut nicht nur mit allen Wassern gewaschene Polit-Intriganten wie einen Wolfgang Schäuble oder einen willfährigen Sklaven wie Norbert Blüm. Nein, er hatte auf internationalem Parkett auch einen Mann wie Francois Mitterand als Begleiter, der zwar viel kleiner war als der bullige Mann aus der Pfalz, aber trotzdem den großen Nachbarn Frankreich regierte, den traditionellen Erzfeind und mehrfachen Kriegsgegner.
Beide, Mitterand und Kohl, entstammten einer Generation, die selber noch die Verwüstungen von Hitlers Krieg miterlebt hatte. Der Kontinent wurde in Schutt und Asche gelegt, Deutschland erlitt in Folge seiner Verbrechen ein psychologisches Trauma, das bis in heutige Generationen nachwirkt. Wenn auch nicht mehr stark genug bei einigen, nach meinem Eindruck. Der große Kerl aus Deutschland und der kleine Kerl aus Frankreich wurden Freunde. Continue reading →

Europas Brexitus

Nun steht er also vor der Tür, der sogenannte Brexit.
Nachdem Premier Cameron sich vor einer Weile mit seinem großspurigen Versprechen an das Volk aus dem Fenster gelehnt hatte, er werde die Europäische Union persönlich reformieren oder die Briten könnten über den Verbleib in der EU abstimmen, ist es morgen wirklich soweit. Denn natürlich hatte die EU bisher eindeutig das größere Beharrungsvermögen.
Und seit Wochen schreien deutsche Medien: „Geht nicht! Was sollen wir ohne euch machen!?“
Manche Zeitungen entblöden sich nicht, widerwärtige Herzchen hinter ihr Logo zu setzen und das gleich noch mit einem Union Jack, der britischen Flagge, zu verzieren, damit auch jeder, wirklich jeder, selbst bei flüchtigem Besuch der Webseite ganz klar erkennen kann, daß die Briten jetzt aber bitte doch endlich bleiben müssen – denn wie könnte man sich von derartig viel Schmalz nicht überreden lassen?
Wobei dieser ganze Mist bei mir ja eindeutig eher Brechreiz auslöst als alles andere. Die Erbsenpistole der Demokratie, der Spiegel, hat sich noch tiefer ins emotionale Bällebad des Arschkriechens gestürzt und gleich die ganze letzte Ausgabe in zwei Sprachen gebracht, nämlich auch auf Englisch. Auch online wurde jeder noch so dümmliche Artikelfurz bezüglich des britischen Referendums ins Englische übersetzt. Dabei gibt es genug Beispiele dafür, daß Spiegel-Journalisten nicht einmal die deutsche Muttersprache unfallfrei beherrschen und diese Hinweise häufen sich in den letzten Jahren deutlich, übrigens nicht nur in dieser einen Nachrichtenredaktion. Bologna- und Rechtschreibreformen sei es gedankt.

Aber worum geht es eigentlich?
Warum regen sich alle auf über eine Abstimmung auf dieser Insel da oben im Nordwesten, die politisch gesehen als „Vereintes Königreich Großbritannien und Nordirland“ firmiert?
Warum dieses Rumgeschreie über ein Land, das weder Mitglied des Schengenraums ist, noch jemals den Euro eingeführt hat oder das eventuell plant und in dem der Straßenverkehr auf der falschen Seite verläuft?
Im großen Resteuropa kann man problemlos mit nichts als einem normalen Ausweis in der Tasche über die Grenzen fahren. Ich zum Beispiel, vor einiger Zeit, nach Frankreich rüber, das ist von meiner Wohnposition nicht superweit entfernt. Ich konnte da auch mit demselben Geld bezahlen, das ich ohnehin dabei hatte, was durchaus bequem ist.
Die dortigen Landesbewohner sprachen auch durchaus mal Deutsch, was ich sehr praktisch finde. Denn traditonsgemäß sprechen Franzosen niemals Englisch, wenn sie nicht zufällig Richtung Kanalküste leben, also in Belgien oder so. Und dummerweise habe ich den Fehler gemacht, in der Schule dem Erlernen des Lateinischen zu frönen, weil mir das Französische mit seinen Akzenten und sonstigen variablen Emoticons über den Buchstaben irgendwie verdächtig erschien. Da kannte ich die lateinische Grammatik ja noch nicht näher.
Ich bin heute dadurch in der Lage, deutlich gesprochenes Französisch zu interpretieren, kann allerdings nicht darauf antworten. Ein geistiger Quervergleich mit Latein und Englisch ermöglicht mir das in meinem Kopf, es leben die romanischen Sprachen.

In England, oder vielmehr, Großbritannien, wäre das völlig unmöglich. Denn natürlich gehen diese Menschen davon aus, daß jeder auf diesem Planeten Englisch spricht und versteht. Warum sollte man sich also die Mühe machen, eine Fremdsprache zu erlernen?
Das der Straßenverkehr als Auswärtiger extrem tödlich ist, weil man natürlich in angelernten Instinkten sehr oft in die falsche Richtung sieht beim Betreten einer Straße, ist auch nur ein Problem der „Kontinentalen“, wie die Briten einen wie mich ja gerne mal nennen.
Das es im ganzen Vereinigten Königreich kein ordentliches Brot gibt, das nicht von einem deutschen Bäcker stammt, daß das Bier zwar durchaus mal lecker ist, aber immer die falsche Temperatur hat, daß man tatsächlich immer noch ein ziemlich gruseliges „Frühstück“ serviert bekommen kann auf dieser Insel im Nordwesten, wenn man nicht sorgfältig aufpaßt – all das ist den Briten völlig egal.
Nein, ein guter Teil dieser Menschen ist trotz dieser deutlichen Anzeichen nationaler Besonderheiten fest davon überzeugt, daß die EU ein Monster ist, das die Inselwelt mit lauter Ausländern überschwemmen möchte, um so den Briten ihre Identität zu nehmen.
Eine Nation, auf deren Thron eine Frau aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha sitzt und das liebenswert schrullige Völkchen der Engländer seit 64 Jahren mit monarchischer Hingabe betreut, fürchtet sich vor Einwanderern und ihrem sicherlich schädlichen kulturellen Einfluß.
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Schützengräben

Na, da hat Europa ja gerade noch mal Glück gehabt. Hätte der Herr Norbert Hofer, einer von zwei verbliebenen Kandidaten bei der Wahl zum Bundespräsidenten in Österreich, die Wahl gewonnen, dann wäre der Kontinent aber so weit nach rechts gerückt, daß das Uralgebirge auf die Höhe des Himalaya angewachsen wäre. Und dann wäre Putin wieder sauer gewesen.
Oder so ähnlich. Jedenfalls mußte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die zunehmend schrille Berichterstattung in den letzten Tagen so verfolgt hatte. Aber es ist ja noch einmal alles gutgegangen. Mit einem knappen Vorsprung von etwas über 30.000 Stimmen hat sich dann dank der Briefwähler dieser andere Herr durchgesetzt, der Herr van der Bellen, der irgendwie „grün“ sein soll. Also, politisch, nicht im Gesicht.

Heinz-Christian Strache, die Leitfigur der rechten FPÖ in Österreich, hatte bereits in der Nacht zum Montag kräftig gefeiert. Nicht ganz grundlos, denn nach den ausgezählten Stimmen führte Hofer zu diesem Zeitpunkt mit 3,8 Prozentpunkten. Angesichts der überschaubaren Größe des österreichischen Volkes waren das absolut aber nur 144.000 Stimmen.
Übrigens eine Zahl, die dann auch gerne übernommen wurde. Von allen Seiten. Und das, obwohl „HC“, wie sich Strache wohl gerne nennen läßt, sich absolut sicher war, daß hier gerade wieder Medienmanipulation im höchsten Ausmaß zu sehen sei.
Denn nach den Zahlen des ORF lagen beide Kandidaten eher mit 50:50 gleichauf. Das konnte natürlich nur daran liegen, daß dieser manipulierende Sender zu den lügenden Systemmedien gehört. Was dann auch diverse Anhänger der FPÖ auf Facebook messerscharf erkannten und entsprechend kommentierten.

„Wie geht das, dass der ORF die Frechheit besitzt, uns falsche Zahlen zu liefern? Dass er Teil der westlichen Systemlügenpresse ist, ist mir schon klar, aber was bringt es denen?“

So stand es wohl auf Facebook zu lesen. Ich verlinke das aber nur indirekt.
Hier haben wir sogar einmal ein zumindest rest-intelligentes Examplar rechtslastigen Kommentarguts vor uns, denn immerhin hat der Schreiber gleich die Frage gestellt, was denn diese angeblich so falsche Berichterstattung bringen soll. Vielleicht besteht hier noch Aussicht auf Heilung, jedenfalls wünsche ich dem unbekannten Kommentator gute Besserung von hier aus.

Besonders schön finde ich persönlich den Hinweis darauf, daß der ORF Teil der westlichen Systemlügenpresse ist. Das muß aber auch mal gesagt werden, jawoll! Wobei – soll das jetzt heißen, daß es auch im Osten – wo immer der anfängt – eine Systemlügenpresse gibt? Und berichten die über Österreich? Immerhin ist das Land etwas größer als das Moskauer Stadtgebiet.
Oder wollte der Schreiber dieses Kommentars etwa damit andeuten, daß nur in den Medien des Ostens die Wahrheit zu finden ist?
Also in der „Pravda“ vielleicht, die ich noch aus den Zeiten des Kalten Krieges als allein wahrheitsverbreitenden Informationsquell kenne?
Oder in der chinesischen „Volkszeitung“, die auch, anerkanntermaßen unabhängig von der dortigen KP, nur die Wahrheit berichtet? Continue reading →

IMS Europa

,,Europa hat ja viel mit dem Umstand zu tun, daß uns ein Rindvieh flachgelegt hat.“
Max Uthoff

Die Kanzlerin ist zurückgetreten. Ach nein, falsch. Der Kanzler ist zurückgetreten. Der von Österreich nämlich, der Herr Faymann. Unser südlicher Nachbarstaat ist damit am Ende einer langen Leidensgeschichte angekommen, die uns in Deutschland noch bevorsteht. Nach gefühlt mehreren tausend Jahren großer Koalitionen zwischen der SPÖ, also dem Äquivalent der ehemaligen SPD, und der ÖVP, dem Abklatsch der bundesdeutschen Unionsparteien, ist dieses Modell des ganz großen Konsens politisch erledigt.
Erst vor ein paar Tagen wurden die beiden Kandidaten der Parteien für das Amt des Präsidenten gnadenlos aus dem Wettbewerb gekegelt, was mit ein Grund für diesen Rücktritt gewesen ist, der unter dem Applaus eines großen Teils der Öffentlichkeit erfolgte. Jedenfalls mit Sicherheit unter dem Applaus der Wähler der FPÖ, der „Freiheitlichen“, wie sie in Österreich heißen. Die haben auch den Kandidaten mit den bisher meisten Stimmen für die Präsidentschaftswahl ins Rennen geschickt und werden im zweiten Wahlgang wohl gewinnen. Womit dann zwar nicht Hitler Reichskanzler wäre, aber zumindest Goebbels Bundeskanzler. So ähnlich jedenfalls. Unter Freiheit versteht diese Partei besonders die eigene Freiheit, andere Leute zu diskriminieren. Also in etwa das, was die AfD in Deutschland unter Meinungsfreiheit versteht. Denn jeder ist ja in Deutschland frei, dieselbe Meinung zu haben wie die AfD. Alles andere ist natürlich Hetze.

Texte einer altbekannten Punk-Band beispielsweise, die die AfD runtermachen, fallen wohl ausdrücklich nicht unter die Meinungsfreiheit.
Schön auch, wie sich die AfD Hamburg dann auf Facebook winselnd über die angebliche Verunglimpfung beklagt, aber vorher in ihrem Antrag offiziell von „Haß-Musikern“ spricht, deren Auftritt man unbedingt verbieten müsse. Diese pathetische Opfer-Ausdrucksweise ist natürlich nicht verunglimpfend, keinesfalls. Taktisch sehr gewitzt auch die Tatsache, daß dann in den digitalen Denkblasen-Netzwerken in ebenso weinerlichem Tonfall darauf abgestellt wird, daß diese „Haß-Band“ ja im Rahmen des traditionellen Hamburger Hafengeburtstags aufgetreten ist. Wir können doch die linksextremistischen Haßverbreiter nicht unsere schöne Tradition beschmutzen lassen! Sie hassen uns für unsere Freiheit!

Schön ist, daß der gesamte Hamburger Senat schlau genug war und dagegen gestimmt hat. Bemerkenswert und besorgniserregend ist, daß die CDU betont hat, diese Aktion ginge in „die richtige Richtung“. Nur für den Fall, daß sich jemand fragt, wer in Deutschland zuerst mit den Rechten koalieren wird im Ernstfall. Sollte es jemals zur Machtergreifung kommen, gibt es also nur noch von Björn Höcke ausgewähltes deutsches Liedgut, vermute ich. Das Horst-Wessels-Lied, unterlegt mit einem Techno-Beat. Das Lied der Deutschen in einer Interpretation des Pegida-Chors mit Helene Fischer. Irgendwie so stellt sich die AfD wohl deutsches Kulturgut vor. Continue reading →

Bruchlinien

Der Untergang des Abendlandes, den gewisse Pappnasen bei ihren Demonstrationen gegen einen denokratischen Staat immer wieder beschwören, ist natürlich völliger Blödsinn. Es ist übrigens gerade der demokratische Staat, der solche Demonstrationen erst ermöglicht. In anderen Ländern wären die Pegidioten© längst im Gefängnis gelandet. Oder in Arbeitslagern. Oder beides.

In der Türkei möglicherweise. Das Restland des Osmanischen Reiches, geführt von einem Staatspräsidenten, bei dem ich ganz erhebliche Zweifel an seiner geistigen Gesundheit habe, ist dabei, sich unter der Ägide eben dieses Mannes in eine autokratische Islamokratie zu verwandeln. Im Grunde ist ein Herr Erdogan damit auf keinem anderen Dampfer als der deutsche Standard-Konservative aus einer der C-Parteien. Die geben auch immer wieder was von Traditionen und Familienwerten und ähnlichem Zeug von sich und haben dabei Biedermeierkommoden und Häkeldeckchen vor Augen. Dazu drei Kinder, die mit dem Segen der – natürlich katholischen – Kirche in Missionarstellung heterosexuell gezeugt wurden und eine Ehefrau, die sich liebevoll um die Kleinen kümmert, während der Mann seiner Arbeit nachgeht und dabei die Sekretärin vögelt.
Ist halt nur irgendwie sehr ärgerlich, daß eben diese Zeit nicht mehr existiert. Besonders amüsant wird es, wenn man sich klar macht, daß diese Zeit auch nie existiert hat, außer in den Köpfen mancher Menschen. Nichts unterscheidet einen Andreas Scheuer von der CSU von einem islamistischen Glaubenskrieger aus der syrischen Wüste, jedenfalls nicht grundlegend. Der Islamist ist vermutlich gebildeter, immerhin kann der Arabisch lesen und schreiben, da hätte ich bei Herrn Scheuer erhebliche Zweifel.

In der Türkei wird dieses Problem mehr als offensichtlich, denn Erdogan möchte das Land in eine Version seiner selbst verwandeln, von der er glaubt, sie habe einmal existiert. Eine Türkei, in der natürlich Muslime Amerika entdeckt haben und wer was anderes behauptet,  hat ein psychologisches Problem und haßt den Islam.
Aber das ist eben nicht wahr, es sei denn, dieses „irgendwann“ ist etwa um 1650, als die Hohe Pforte noch einen nicht unerheblichen Teil der Welt regiert hat. Und selbst da hätte ich meine Zweifel, ob die Ähnlichkeit mit Herrn Erdogans wirren Gedanken besonders groß ist.
Die Türkei wurde von ihrem Gründer, dem Herrn Mustafa Kemal, Künstlername Atatürk, nicht ohne Grund als ein säkularer Staat gegründet. Also ein Staat, in dem Kirche und Staat eben getrennt sind.
Aus Erdogans Benehmen und Ansichten wird völlig klar, daß er eindeutig einen theokratischen Staat haben möchte. Was aber viele Türken nicht haben wollen. Wiederum andere fänden das gut. Aber nicht deshalb, weil diese Türken so wahnsinnig scharf auf den Islam wären oder seine Gebote. Nein, diese Menschen wählen die AKP, weil jemand wie Erdogan seine persönliche Wahnvorstellung als konservativ, als traditionell darzustellen vermag. Ebenso wie die deutschen C-Parteien verbreitet Herr Erdogan das Wohlfühl-Gefühl der guten alten Zeit™ um sich herum.
Man kann jederzeit einen ähnlichen Effekt erzielen, wenn man eine politische Rede vor 10.000 Menschen hält und dann den Begriff „Freiheit“ benutzt. Idealerweise in nicht allzu großem Abstand gefolgt von „Gerechtigkeit“.
Der Jubel der Menge ist einem sicher und vor allem wird kein einziger der Versammelten bei diesen Worten exakt das denken, was einer seiner Nachbarn denkt. Nie. Freiheit und Gerechtigkeit sind, ebenso wie das immer wieder beschworene Traditionelle der recht konservativen Rechtskonservativen, eine individuelle Vorstellung, sie sind diffus. Idealisierte Vorstellungen in den Köpfen von Menschen. Continue reading →

Srsly, Volk?

Nun ist es also passiert. In drei Bundesländern wird gewählt und auf meine Nachfrage an den Wahlleiter, wie es denn aussieht, bekomme ich die Antwort: „250 haben wir.“
Da mein Wahlkreis gerade einmal 750 Menschen ausmacht, waren das also schon gute 30 Prozent Wahlbeteiligung, plus die Briefwähler. Nicht so schlecht für 13:00 Uhr bei einer Landtagswahl. Die Wahlbeteiligung war scheinbar auch nach den gelieferten Zahlen deutlich höher als noch vor fünf Jahren. Das ist die positive Nachricht. Ich befürchte allerdings, es ist die einzige positive Nachricht des Wahlsonntags.

Die ehemalige SPD bekommt in Baden-Württemberg nicht mal mehr so viele Prozentpunkte wie die „Ich-bin-gar-kein-Nazi“-Sammelbeckenpartei, die AfD. Die Grünen deklassieren die CDU und stellen auf jeden Fall weiter den Ministerpräsidenten, was auch kein Wunder ist, wenn man den mitreißenden Charme, diese Mischung aus Käsekuchen und Tee mit Häkeldeckchen betrachtet, den Spitzenkandidat Kretschmann so ausstrahlt. Das ist für die Schwaben genau das, was sie sich unter einem politischen Rockstar vorstellen.
Nicht vorstellen kann man sich in dem Moment, daß die Grünen mal Revoluzzer in Turnschuhen als Minister vereidigt haben. Bedenkt man allerdings, das der ehemalige Revoluzzer Joschka Fischer heutzutage Vorträge vor dem Verband der Deutschen Chemieindustrie hält und dabei was von „zugeschütteten Gräben zwischen den Grünen und der Chemie“ ins Mikrophon knödelt, glaubt man es womöglich doch, daß ein Herr Kretschmann ein Grüner ist und kein CDU-Dorflehrer.
In Rheinland-Pfalz sagt ein CDU-Typ des Landesverbandes, man könne sich das schlechte Ergebnis gar nicht erklären. Denn hier hat – dann doch etwas unerwartet – die ehemalige SPD ihre Kandidatin fünf Prozente vor die CDU gesetzt. Dabei lag man vor wenigen Wochen noch zehn Prozent hinter den Unchristlichen Undemokraten zurück.
Doch auch hier blutet der bisherige Koalitionspartner aus. Statt vorher 15 Prozent kommt die ehemalige Ökopartei der Grünen gerade noch so in den Landtag und verliert gute zehn Prozent. Auf der einen Seite erwartbar, denn vor fünf Jahren haben ganz viele Leute taktisch gewählt und die Stimmen dem vorhersehbaren Koalitionspartner in die Wahlurne geworfen. Trotzdem ist das Ergebnis für die Grünen in Rheinland-Pfalz, dem Land der Weinbauern und der Lewwerworscht Hausmacher Art, eine nicht wegzuleugnende Katastrophe.
In Sachsen-Anhalt bleibt die CDU stärkste Partei. Allerdings heißt das in Zahlen, daß die Partei, die sich ja immer noch als große Volkspartei der Mitte versteht und verstanden werden möchte, eben mal auf etwas über 29 Prozent kommt. Typisch für ein östliches Bundesland ist die Linkspartei hier stark und kommt auf knappe 17 Prozent. Was dummerweise Verluste von fast einem Drittel bedeutet. Allerdings dürfte der Blick der CDU stark trauerumflort sein, wenn sie nach rechts blickt. Denn dort sitzt in Sachsen-Anhalt ebenfalls diese neue Partei und kommt auf über 24 Prozent der Stimmen.

Alleine damit ist klar: Die höhere Wahlbeteiligung ist der Tatsache geschuldet, daß die ganzen Menschen, die im Land nicht zufrieden sind mit der Politik von Frau Merkel, mal eben die xenophobe Islam-Panik-Partei AfD gewählt haben. Dazu natürlich alle, die ohnehin schon immer sehr rechts waren, aber sich halt nie getraut haben, auch so zu wählen. Die neue „bürgerliche Mitte“ in Deutschland besteht aus einer Horde Rentner und von der Politik sonstwie Zurückgelassener, die sich über die Politik von Frau Merkel aufregen, besonders wohl über die Flüchtlingspolitik. Aber laut Umfrage der so verrufenen „Staatsmedien“, also unserer öffentlich-rechtlichen Gebührensender, haben die AfD-Wähler noch eine andere Hauptsorge außer Flüchtlingen. Nämlich die soziale Gerechtigkeit im Lande. Nun ja, da sollten wir mal einen Blick drauf werfen.
Soziales und Gerechtigkeit, klingt ja irgendwie immer gut. Praktisch, daß die AfD am Wahlsonntag einen Entwurf für ihr neues Parteiprogramm vorgestellt hat. Dieses Programm soll dann Ende April beschlossen werden.
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Eine Gefährdung der Demokratie kann ich nicht erkennen

„Sachsen hat ein Problem mit Rechtsextremismus“.

Sagt der Ministerpräsident dieses Bundeslandes, Stanislaw Tillich.
Das ist eine ganz erstaunliche Erkenntnis, fast möchte man klatschen. Allerdings nur fast, denn nach dem, was da mal wieder so im Wilden Osten passiert ist vor ein paar Tagen, gab es nur das übliche Wettrennen auf Twitter, welcher Politiker am meisten Betroffenheit in 140 Zeichen heucheln kann.
Der Bundesinneminister Thomas de Maizière nannte die Vorfälle im sächsischen Clausnitz „völlig inakzeptabel.“
Der Justizminister, Heiko Maas, war schnell dabei und twitterte, daß es abscheulich und widerlich ist, wenn Menschen Häuser anzünden und klatschen oder Flüchtlinge zu Tode ängstigen. Das sind nur zwei der Beispiele, die mich in der letzten Woche aufs Äußerte angekotzt haben, um das mal ganz deutlich zum Ausdruck zu bringen.

Kurzer Rückblick: In einer Hinterwäldler-Ansiedlung in Sachsen pöbeln etwa 100 Nazis rum und halten eine „spontane Demonstration“ ab, indem sie einen Bus mit Asylbewerbern für etwa anderthalb Stunden aufhalten. Durch quergestellte Fahrzeuge und Umzingelung des Busses. Die hinzugezogene Polizei kriegt es gebacken, drei aufgefahrene Fahrzeuge wegschaffen zu lassen – von ihren Haltern, nicht etwa von einem Abschleppdienst. Aber immerhin.
Es handelt sich nach Eintreffen von Verstärkung um etwa 30 Polizeibeamte vor Ort. Die sprechen Platzverweise aus für die Pöbler, die mit lauten Rufen „Wir sind das Volk!“ und jeder Menge anderem, extrem unfreundlichen Wortmüll noch immer den Bus umzingelt halten. Auf diese Platzverweise reagiert die versammelte Menge mit Gelächter. So steht es im Polizeibericht.

Daraufhin stürmt die Polizei – den Bus. Mit den darin sitzenden, in diesem Moment nicht ganz zu Unrecht wohl ziemlich verängstigten Menschen.
Ein Minderjähriger wird im Klammergriff von der Polizei ins Asylbewerberheim geschleppt. Im Nachhall kommt es zu einer Anzeige gegen den Jungen, weil er wohl den Mittelfinger gezeigt haben soll, was natürlich völlig entwürdigend und beleidigend ist gegenüber der christlich-abendländischen Meute aus Biodeutschen, die weiterhin den Bus umlagern. Continue reading →