Brandgeruch

Ich hatte ja hier schon mehr als einmal das Beispiel der ÖPP, der Öffentlich-Privaten-Partnerschaften als Paradebeispiel für die Tatsache angeführt, daß unser Wirtschaftssystem immer mehr darauf hinarbeitet, diejenigen zu stützen, die jede Menge besitzen, und dafür dann die bezahlen zu lassen, denen man das Geld am einfachsten wegnehmen kann.

Wie auf Bestellung spricht sich jetzt herum, daß eines der großen Vorzeigeprojekte für dieses Geschäftsmodell, das auf nichts anderes als ein Ausbluten der öffentlichen Hand – also des Steuerzahlers – hinausläuft, vor dem Ende steht: Die A1.
Es ist nicht nur so, daß der private Betreiber eines Abschnitts dieser Autobahn von der Pleite bedroht ist. Nein, er verklagt deswegen jetzt die Bundesrepublik, in Gestalt des phantastischen Verkehrsministers Dobrindt (CSU).
Ich hatte ja kritisiert, daß eines der üblichen Vorgehen der Industrie darin besteht, dem öffentlichen Teil, sprich dem Staat, sämtliche Risiken in die Tasche zu schieben. So ähnlich läuft es auch hier. Denn dem Betreiber, ein Laden namens A1 mobil, sind die Einnahmen auf einem Teil der Strecke zu niedrig. Unmittelbar frage ich mich, wer denn das festlegt.
Wenn ich das Gehalt meiner Vorstände nicht jährlich um 50% erhöhen kann, sind die Einnahmen zu niedrig?
Was ist mit der „Erhöhung der Produktivität“, also Entlassung von Mitarbeitern, die an solchen Stellen von Unternehmen immer ins Spiel gebracht wird?
Wie viele Mitarbeiter hat so ein Betreiber einer privaten Autobahngesellschaft eigentlich? Ich meine, um die Überweisungen vom Staat zu checken genügt ja vermutlich eine Teilzeit-Bürokraft. Was ist also eigentlich genau das, was die jeweilige private Gesellschaft leistet, abgesehen vom Einstreichen der Profite?

Im vorliegenden Fall hat A1 mobil den Autobahnabschnitt zwischen Hamburg und Bremen nicht etwa gebaut, sondern saniert. 73 Kilometer Straße. Und Herr Dobrindt als zuständiger Minister war ganz besonders schlau. Denn im vorliegenden Fall scheint es so, als würde laut Vertrag der Betreiber tatsächlich das Risiko tragen, sollte beispielsweise das Verkehrsaufkommen zu niedrig sein.
Allein die Tatsache, daß eine derartige Selbstverständlichkeit – der Investor trägt das Risiko – in einen Vertrag geschrieben werden muß, sagt bereits alles über den Zustand des Kapitalismus und der Intelligenz von Politikern.
Aber dann wäre ja alles in Butter, könnte man meinen. Hat Dobrindt doch toll gemacht. Befördert den Mann!
Problematisch wird es allerdings, wenn man dann feststellt, daß „bei Ausfall eines Betreibers dessen Aufgaben an den Bund zurückfallen“.
Heißt übersetzt: Der private Unternehmer meldet Insolvenz an, der Staat bleibt auf den bis dahin angehäuften roten Zahlen sitzen und muß sie übernehmen. Nichts also mit Risiko eines Unternehmens.
Abgesehen davon, daß der CSU-Minister ÖPP weiterhin für das Instrument der Wahl hält, um seinen zukünftigen Posten in der Wirtschaft zu sichern  dem deutschen Autofahrer Geld aus der Tasche zu leiern Deutschlands Straßen ordnungsgemäß in Schuß zu halten, spricht also nicht viel dafür.

Es ist exakt dasselbe Verhalten, das auch die Unternehmen auszeichnen wird, in die gewisse Energiekonzerne ihre schmutzigen Geschäfte ausgelagert haben. Also Kohle und Atomstrom. Beim Atomstrom hat sich Deutschlands Strommafia neulich bereits mit einer lächerlichen Pauschalszahlung von 24 Milliarden Euro von jeglicher Verantwortung freigekauft.
Wobei ich mich frage, woher diese Milliarden eigentlich kommen, denn alle Energiekonzerne haben ihre Forderung nach Lösegeld für sich damit begründet, sie würden ja so miese Geschäfte machen in letzter Zeit. Sogar Verluste! Heulen und Wehklagen war überall zu vernehmen, von Vattenfall bis Eon.
Was interessant ist, denn über Jahrzehnte sollten dieselben Konzerne ja Geld zurücklegen. Dazu hatten die sich verpflichtet. Für hinterher, wenn man AKWe mal wieder abbauen muß. Was müssen die alle gelacht haben in den Vorstandssitzungen.
Doch dann stellte sich heraus, daß  eben kein Geld zurückgelegt wurde, sondern diese Zahlungen eben „aus dem operativen Geschäft“ heraus geleistet werden sollten. Was völlig logisch ist, wenn man davon ausgeht, daß man seiner Verpflichtung nicht vor dem St. Nimmerleinstag nachkommen muß.
Da aber dieses Geschäft – leider, leider – just in dem Moment so furchtbar schlecht läuft, kann man seine Verpflichtungen nur erfüllen, wenn man das ganze pauschalisiert. Die Steuererleichterungen, die das Ansparen der zugesagten Summen ermöglichen sollten, hat man allerdings gern und ohne Diskussion genommen. Weiterlesen

Komplexifizierung

,,Einfachheit ist der höchste Grad der Vollkommenheit.“

Leonardo da Vinci

Es ist nicht nur diese Sache mit dem Rasiermesser, die ich da neulich erwähnt hatte. Das Problem dahinter ist tiefliegender. Eventuell ist das Problem darunter auch fundamentaler, aber das wird jetzt zu metaphysisch.

Wir zoomen kurz 11.000 Jahre zurück, plusminus ein paar Monate.
Irgendwer hatte entdeckt, daß Pflanzen, die man essen kann, oder solche, die man in was Eßbares verwandeln kann, sich auch gezielt züchten lassen.
Von da ab ging alles den Bach runter, könnte man sagen, aber das wäre zu kurz gefaßt.

Die Erfindung der Landwirtschaft bedingte die Entwicklung der Stadt, denn ab diesem Zeitpunkt mußte ja jemand auf die neuen Felder aufpassen. Es war nicht mehr möglich, Jahr für Jahr durch die Gegend zu ziehen und als Jäger und Sammler oder nomadische Hirten zu leben. Und damit man sich nicht im Winter den Arsch abfriert oder im Frühjahr ständig im Regen hockt, braucht man eine Hütte. Aus Holz, Lehmziegeln, den Knochen erschlagener Feinde – was immer sich so findet oder in der jeweiligen Kultur gerade so aktuell angesagt sein mag.
Die Erfindung der Stadt wiederum bedingte auch die Entwicklung von Domestizierung.
Irgendwann kam jemand auf die naheliegende Idee, daß man ja um die paar Viecher, die man so da hatte, auch einfach einen Zaun bauen könnte. Dieser kluge Kniff erspart es einem nämlich, jeden Morgen zu gucken, ob noch alle Schäfchen da sind. Oder Ziegen. Und…nun ja…Tiere vermehren sich, da ist es irgendwie naheliegend, sich darum zu kümmern, daß man den geilsten Bock zum schönsten Schaf…und so entstand dann wohl die Tierzucht.
Natürlich muß man die Tiere dann gezielt weiter vermehren und auch mit Futter versorgen, was wiederum mehr Felder bedeutet haben dürfte.
Es dürfte ebenfalls nicht besonders lange gedauert haben, bis jemand bemerkt hat, daß man Vorräte anlegen sollte, um die Menschen sicher durch den Winter zu bringen. Spätestens nach dem ersten Hungerwinter wird jemand diese kluge Erweiterung des Wissens vollzogen haben, nehme ich an.
Dazu mußte man wissen, wieviel Getreide man eigentlich so geerntet hatte. Wer erntete wieviel auf welchen Feldern? Wieviel brauchten die Menschen? Wieviel die Tiere? Wieviel benötigte man zur Aussaat im nächsten Jahr? Weiterlesen