Nix machen, aber richtig

»Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen.
Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt.
Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt:
Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!«
Erich Kästner, Marschliedchen, 1932

Amerika wird heute 250 Jahre alt. Hurra!
Allerdings sieht es auch nicht einen einzigen Tag jünger aus. Der letzte TÜV ist schon ziemlich lange her – so um 1860 – die Abgaswerte sind bedenklich hoch und außerdem ist es eindeutig zu fett geworden. Burger und Hot Dogs sind auf Dauer einfach nicht die ideale Wahl, Fußball-WM hin oder her.
An dieser Stelle meinen Glückwunsch ans Nationalteam Deutschland für seinen Entschluss, das große Sportereignis in einer proto-faschistischen Diktatur doch noch zu boykottieren. Bisschen spät, aber immerhin.
Der angebliche Präsident des Landes feiert heute das erste Viertel des Tausendjährigen Reichs mit dem üblichen debilen Gefasel a la „Ich bin Jesus reincarnated und alle anderen linksgrüne Kommunisten, die keine Ahnung haben.”
Danch verkauft er Eintrittskarten für den grünen Reflecting Pool hinter dem Bauzaun und bezahlt wird mit Bitcoin.
Wie unser Kanzlerdarsteller in Berlin schon vor Jahren gesagt hat: „Trump und ich, wir kämen schon klar.” Logisch, warum sollten zwei geistige Bros das auch nicht.

Gerade erst hat sich ein Typ wie Hr. Linnemann darüber aufgeregt, dass der neue Chef der Linken die CxU als faschistische Partei bezeichnet hat. Da bellen sie wieder, die getroffenen Hunde.
Ist halt blöd, wenn die Historie der eigenen Partei ziemlich klarstellt, wer der größte Nachfolger der NSDAP und der SED auf deutschem Boden ist. Spoiler Alert: es ist die CDU. Ist auch eine Leistung, die man erst einmal hinbekommen muss. Allerdings null Respekt dafür von meiner Seite.
Zusammen mit den willigen Wasserträgern der ehemaligen spd hat der Haufen Regierungstypen in Berlin jetzt seine großartigen Reformen verkündet. Natürlich wollte man das unter der Tarnung der WM machen, wie immer. Kein Scherz, das ist legitime Taktik und nennt sich „burying”, also das Begraben politischer Entscheidungen zur weiteren Plünderung der Öffentlichkeit unter dem Fernsehgebrüll großer Sportevents. Wobei Öffentlichkeit alle bedeutet, die keine zweistelligen Millionen- und Milliardenwerte besitzen. Die kriegen danach immer mehr Geld, das dann aus weiteren Staatsschulden finanziert werden muss. Exakt deshalb wartet die Politik da immer, bis alle Fernsehen gucken auf dem Markt und besoffen sind. Gut, das hat jetzt diesmal nicht so zu einhundert Prozent funktioniert, aber das ist Friedrich Merz ja bereits gewohnt.

Gegen diesen ganzen Blödsinn des Nicht-Kanzlers zweiter bis dritter Wahl gäbe es ein adäquates Mittel, mit dem sich der durchschnittliche Deutsche sogar prima anfreunden könnte. Wir machen einfach mal nix.
Also wie immer. Ob das jetzt Integration von Menschen betrifft, die halt die ganze Arbeit machen im Land oder ÖPNV, der bezahlbar funktioniert oder Energieversorgung, die auch in Zukunft ohne Abhängigkeit von Diktaturen arbeitet – im nix machen macht Deutschland niemand was vor. Den Weltmeistertitel halten wir notfalls bis 2070 und jenseits der 5-Grad-Grenze, aber Hallo!
Helmut Kohl hat das politische Aussitzen erfunden, Angela Merkel hat es zum politischen Pfahlhocken perfektioniert. Friedrich Merz wollte unbedingt jetzt was machen und das hat er auch. Nämlich kaputte Dinge noch mehr kaputt. Was anderes konnte der nie.

Natürlich machen da wieder welche nicht mit. Nix machen, wenn man nicht von den christlichen Faschisten dazu aufgefordert wird oder von den blauen Nazis? Das ist bestimmt wieder so eine linksgrüne Kommunistenverschwörung, da gehe ich doch lieber bei 47°C noch drei Stunden extra arbeiten!
Aber es ist doch scheißegal, ob Konzernvorstände morgens um 10 ihrem klimatisierten Dienstgefährt entsteigen. Oder ob der Bundestag wieder mal nur halb besetzt ist. Wobei mir einfällt, wer sammelt da jetzt eigentlich die ganzen Krankmeldungen ein? Die sind doch krank gemeldet, wenn mal wieder keiner da ist? Oder? Continue reading →

Nirgends neue Zeit

Nun ist es also passiert. Völlig überraschend und sicherlich auch unerwartet endet das Bühnendrama der Koalitionsverhandlungen ganz genau so wie das vorherige Übungsspiel namens Sondierung. Der Vorstand der SPD unterschreibt den Koalitionsvertrag und kaum ist das geschehen, tauchen überall fleißige Plakate im SPD-Design auf, die den Mitgliedern jetzt exakt das verkünden, was sie auch 2013 verkündeten: „Seht her, was wir alles erreicht haben!“

Eigentlich hätte ich irgendwo ein Video erwartet, in dem Martin Schulz, an seiner Seite Andrea „Bätschigirl“ Nahles, mit hoch über dem Kopf erhobenen Koalitionsvertrag, die Worte des Versprechens in besten Marmor gemeißelt, eine Treppe hinuntersteigt, um die Gabe der Mächtigen seinen Untergebenen zu kredenzen. Angeleuchtet natürlich von hinten, um beim Abstieg den Strahlenkranz des Heiligen um das kahl werdende Haupt des Bärtigen Vorsitzenden aufleuchten zu lassen. Klassische Filmeinstellung halt.

Doch bleiben wir nüchtern, gelassen und lässig. Nachdem wir also auf den ersten Schreck mal drei Schnäpse gekippt haben, um nicht gleich darüber abzukotzen, daß der Parteivorstand jetzt die kackdreiste Frechheit besitzt, für etwas Werbung zu machen, das er vor acht Wochen und erst recht vor zwölf als völlig ausgeschlossen ausgeschlossen hatte, schauen wir mal auf das kleine Plakat, das verkündet, was die ehemalige SPD denn so Gutes im neuen Vertragswerk unterbringen konnte. Immerhin hatte man ja verhandelt, bis es quietscht.

Bild 1: Fake News a la SPD
Ein guter Teil der angeführten Punkte ist gelogen. Wiederum ein anderer nicht wirklich wahr. Und einige sehen aus wie Lösungen, sind aber eben keine.

Nette abgehakte Punkte, die allesamt irgendwie sozial und gewichtig daherkommen sollen. Das Ganze auf von der Linkspartei geklauten Farbhintergrund, um die ehemalige SPD optisch-politisch da zu verorten, wo sie schon lange nicht mehr gewesen ist oder niemals war.
Insgesamt eine nette Marketingleistung. Also von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Continue reading →

Helmut, mein Helmut

„Eine Politik ohne Werte ist wertlos. Ohne geistige Perspektive verliert sie Realität, Richtung und Sinn.“

Helmut Kohl und Deutschland: Nicht immer eine Geschichte, die von Humor geprägt war.
Auf dem Bild ist Bundeskanzler Kohl (rechts) zu sehen beim Besuch der Gemeinde Büsum im Kreis Dithmarschen an der Nordsee. Die Region ist für den Anbau von Kappes bekannt, wie man bei uns daheim sagt. Also für Kohl. Hier links im Bild.
Quelle

Kassandras Einschätzung war immer, daß der dickste Kanzler Deutschlands genau an dem Tag sterben wird, an dem Angela I., genannt „Die Alternativlose“, Herrscherin aller Deutschen from (North)sea to shining (Ost)sea, exakt einen Tag länger auf dem Thron gesessen haben wird als dieser Mann, der unser Land so geprägt hat.
Ich habe mich geirrt. Helmut Kohl hat es nicht geschafft, so lange zu leben. Der Mann, den so viele den „Einheitskanzler“ nennen, ist tot. Im Alter von 87 Jahren hat auch er die Bühne verlassen. Diesmal endgültig.
Noch immer bin ich unschlüssig, ob ich hier das Glas erheben soll in stillem Gedenken oder doch eher den Korken knallen lassen. Zwiespältig wäre hier wohl das korrekte Wort. Dieses beunruhigende Gefühl, daß die Einschläge immer näher kommen, Sie verstehen.
Aber jetzt werden erst einmal alle seine Leistung bejubeln – welche auch immer genau – und seine Nachfolgerin wird im Herbst zum vierten Male Krone und Zepter überreicht bekommen, damit sie Land und Leute weiterhin so souverän nicht-regieren kann, wie sie es von ihrem Sensei gelernt hat. Fast möchte ich glauben, daß der alte Taktiker selbst diesen letzten Termin mit Bedacht gewählt hat. Zutrauen würde ich es ihm. Continue reading →

Die Grundwerte der Aliens

Es ist schon wieder passiert beziehungsweise passiert immer noch: Die gedankenlosen Arschlochgermanen sind weiterhin unter uns. Der Philologenverband Sachsen-Anhalt veröffentlicht seine Hauspostille und die enthält einen Leitartikel. Dieser trägt den relativ nichtssagenden Titel Flüchtlingsdebatte. Anpassung an unsere Grundwerte erforderlich“.
So weit, so langweilig. Interessant wird es erst, wenn man diesen Leitartikel, der insgesamt eher ein Leidartikel ist, mal liest. Was ich im Folgenden zu tun gedenke. Beginnen wir also, wie bei jeder Geschichte, mit dem einleitenden Satz

„Eine Immigranteninvasion überschwappt Deutschland, die viele Bürger mit sehr gemischten Gefühlen sehen.“

Schon zieht sich meine Augenbraue das erste Mal nach oben. Es findet also nach Meinung des Schreibers eine Invasion statt. Eine Invasion ist ein feindlicher, normalerweise kriegerischer Akt gegen den Willen einer jeweils einheimischen Bevölkerung. Das habe ich jetzt nicht irgendwo nachgeschlagen, das kann man definitionsmäßig meiner Meinung nach schlicht mal wissen.

Ganz besonders, wenn man in dem Artikel abgebildet ist und etwa so aussieht wie mein Mathelehrer und Rektor des Gymnasiums, das zu besuchen ich mal die Ehre hatte. Ich mache hier kein Geheimnis daraus, daß ich diesen besagten Rektor immer für einen selbstgerechten, aufgeblasenen und sich selbst enorm überschätzenden Typen gehalten habe. Aus heutiger Sicht für einen bedauernswerten Menschen mit einem extrem engen Horizont. So ein typisches Kind der unglücklichen, ruinendurchwirkten und per Zertifikat entnazifizierten 50er Jahre in Deutschland.
Doch will ich mich nicht von optischer Antipathie leiten lassen. Der Herr Dr Mannke, dessen Bild hier gemeint ist, amtiert wohl als Präsident des Philologenverbandes in Sachsen-Anhalt und ist offensichtlich jünger als mein Mathelehrer. Gerade so jemand, der nun irgendwie mit Sprache zu tun hat und seinen akademischen Titel vor sich herträgt wie weiland Perseus den Schild zur Bekämpfung der Medusa, sollte sehr wohl in der Lage sein zu wissen, was das Wort Invasion assoziativ so beinhaltet. Ich gehe also mal von absichtlichem Einsatz aus.

Dann kommt da dieses lustige, weil eigentlich inkorrekte Wort „überschwappt“. Da muß ich jetzt mal den Thesaurus raushängen lassen. Eine Welle kann etwas überfluten, mitreißen, einebnen, überrollen, sie kann brechen oder auf etwas einstürzen. „Überschwappen“ kann ein voller Eimer mit Wasser.
Die Bürokaffeetasse, die man sich morgens wieder wie ein Idiot bis zum Rand vollmachen mußte, damit man auch ja im Schneckentempo durch den natürlich mit Teppich ausgelegten Flur zum Schreibtisch laufen muß, denn zum Abtrinken ist der frisch gebrühte Bohnensaft natürlich noch zu heiß. Man kennt das.
Wir werden also gleich mal im ersten Satz von einer Welle aus Feinden in unserer Existenz bedroht, denn normalerweise gehen Invasionen auch nicht einher mit besonderen Freudenfesten oder spontanen Verbrüderungen. Hinzu kommt, daß viele Bürger diese Ereignisse nicht mit besagten gemischten, sondern sehr eindeutigen Gefühlen sehen. Mit Haßgefühlen nämlich. Das fängt ja gut an.

Wohlwollend weist der Text dann darauf hin, daß es natürlich humanitäre Pflicht ist, Menschen in existentieller Not zu helfen, ausgelöst durch Krieg und politische Verfolgung. Korrekte Feststellung, fast möchte man sich entspannen. Doch dann… Continue reading →