Blick über den Tellerrand

Nachdem in den USA der Klimaschutz vom Präsidenten persönlich auf offener Straße mit dem Messer niedergestochen wurde, geht Kalifornien da einfach mal eigene Wege und schließt…ein Klimaabkommen. Mit China.
Scheinbar hat bisher niemand Donald Trump gesagt, daß die USA ein Staatenbund sind. Föderalismus, wenn man so will. Und das Kalifornien die bei weitem strengsten Umweltgesetze der USA hat, ist auch nichts neues. Erfolglos, übrigens.
Denn trotzdem kann man in L.A. nicht atmen und trotzdem pumpen Farmer im Central Valley das Wasser schneller aus dem Boden, als es jemals nachfließen kann, ganz zu schweigen davon, daß es aus kalifornischen Regenfällen nachflösse.
Das geht inzwischen so weit, daß die ersten Farmer ihre Pfirsiche und Mandeln getötet haben und auch andere Dinge anbauen außer Avocados. Wie beispielsweise – Kaffee.
Ich halte auch diese Feldfrucht angesichts ihrer Ansprüche an ein gleichmäßiges Klima mit mittelprächtig reichhaltigen Niederschlägen für zweifelhaft in einem Halbwüstenstaat wie Kalifornien. Aber nun ja – hier wird auf Kunden gezielt, die acht oder zwölf Dollar für Kaffee ausgeben können. Pro Tasse, nicht pro Pfund.
Die Möglichkeit, so etwas anzubauen, ergibt sich übrigens auch aus der Tatsache, daß in Indonesien, Brasilien und anderswo die Ernteerträge weggebrochen sind. Wegen anhaltender Trockenheit in diesen tropischen Gebieten.

Aber trotzdem ist das Abkommen durchaus nachvollziehbar. Denn immerhin verursacht China derartig viel Dreck, daß schon länger ganze Wolken aus Smog über den Ozean treiben. Den Pazifischen Ozean, das ist nicht so eine Badewanne wie das Mittelmeer. Und diese Wolken treiben bis nach Kalifornien.
Es gibt übrigens in Kalifornien eine Unabhängigkeitsbewegung. Schon mehr als einmal habe ich gelesen, daß Kalifornien ohne die USA ja die Nummer Sechs der weltweiten Industriestaaten wäre. Oder Nummer Sieben. Auf jeden Fall wohl in den Top Ten. Nun ja – ohne die Goldtöpfe aus Washington für die innovativen Unternehmen wie Google, Facebook, Snapchat und anderen Digitalmist sähe die Lage anders aus, denke ich. Trotzdem gewinnt diese Bewegung seit der Wahl Trumps an Zulauf. Mit der Begründung, man wolle halt mit den Innovationen kalifornischer Unternehmen nicht Washington finanzieren.
Das Ende der USA wird nicht von außen kommen, sondern von innen. Der neue Präsident ist gerade dabei, Dinge zu säen, die ihm nicht gefallen würden in seinem Garten.

Auch woanders stehen die Zeichen auf Krise. In Arabien nämlich. Da haben die Saudis, die Ägypter, Bahrain und VAE doch glatt Katar zur persona non grata erklärt.
Katar hat eine Fläche von etwa 11.000 km², das sind grob fünf Saarländer. Die Einwohnerzahl rangiert irgendwo knapp unter der von Berlin. Außerdem hat Katar noch etwas, daß weder das Saarland noch Berlin besitzen: Jede Menge eigenes Erdgas und Geld. Viel Geld.
Die Schulen sind kostenlos, Bedürftige erhalten monatliche feste Regelsätze, auch die medizinische Versorgung ist der eines Drittweltlandes wie etwa den USA weit überlegen und kostet ebenfalls nichts.
Weswegen in dem weltbekannten, demokratisch-freiheitlichen Utopia auch die Fußball-WM 2022 stattfinden soll. Wenn es dann noch eine gibt. Weiterlesen

Die Grundwerte der Aliens

Es ist schon wieder passiert beziehungsweise passiert immer noch: Die gedankenlosen Arschlochgermanen sind weiterhin unter uns. Der Philologenverband Sachsen-Anhalt veröffentlicht seine Hauspostille und die enthält einen Leitartikel. Dieser trägt den relativ nichtssagenden Titel Flüchtlingsdebatte. Anpassung an unsere Grundwerte erforderlich”.
So weit, so langweilig. Interessant wird es erst, wenn man diesen Leitartikel, der insgesamt eher ein Leidartikel ist, mal liest. Was ich im Folgenden zu tun gedenke. Beginnen wir also, wie bei jeder Geschichte, mit dem einleitenden Satz

“Eine Immigranteninvasion überschwappt Deutschland, die viele Bürger mit sehr gemischten Gefühlen sehen.”

Schon zieht sich meine Augenbraue das erste Mal nach oben. Es findet also nach Meinung des Schreibers eine Invasion statt. Eine Invasion ist ein feindlicher, normalerweise kriegerischer Akt gegen den Willen einer jeweils einheimischen Bevölkerung. Das habe ich jetzt nicht irgendwo nachgeschlagen, das kann man definitionsmäßig meiner Meinung nach schlicht mal wissen.

Ganz besonders, wenn man in dem Artikel abgebildet ist und etwa so aussieht wie mein Mathelehrer und Rektor des Gymnasiums, das zu besuchen ich mal die Ehre hatte. Ich mache hier kein Geheimnis daraus, daß ich diesen besagten Rektor immer für einen selbstgerechten, aufgeblasenen und sich selbst enorm überschätzenden Typen gehalten habe. Aus heutiger Sicht für einen bedauernswerten Menschen mit einem extrem engen Horizont. So ein typisches Kind der unglücklichen, ruinendurchwirkten und per Zertifikat entnazifizierten 50er Jahre in Deutschland.
Doch will ich mich nicht von optischer Antipathie leiten lassen. Der Herr Dr Mannke, dessen Bild hier gemeint ist, amtiert wohl als Präsident des Philologenverbandes in Sachsen-Anhalt und ist offensichtlich jünger als mein Mathelehrer. Gerade so jemand, der nun irgendwie mit Sprache zu tun hat und seinen akademischen Titel vor sich herträgt wie weiland Perseus den Schild zur Bekämpfung der Medusa, sollte sehr wohl in der Lage sein zu wissen, was das Wort Invasion assoziativ so beinhaltet. Ich gehe also mal von absichtlichem Einsatz aus.

Dann kommt da dieses lustige, weil eigentlich inkorrekte Wort “überschwappt”. Da muß ich jetzt mal den Thesaurus raushängen lassen. Eine Welle kann etwas überfluten, mitreißen, einebnen, überrollen, sie kann brechen oder auf etwas einstürzen. “Überschwappen” kann ein voller Eimer mit Wasser.
Die Bürokaffeetasse, die man sich morgens wieder wie ein Idiot bis zum Rand vollmachen mußte, damit man auch ja im Schneckentempo durch den natürlich mit Teppich ausgelegten Flur zum Schreibtisch laufen muß, denn zum Abtrinken ist der frisch gebrühte Bohnensaft natürlich noch zu heiß. Man kennt das.
Wir werden also gleich mal im ersten Satz von einer Welle aus Feinden in unserer Existenz bedroht, denn normalerweise gehen Invasionen auch nicht einher mit besonderen Freudenfesten oder spontanen Verbrüderungen. Hinzu kommt, daß viele Bürger diese Ereignisse nicht mit besagten gemischten, sondern sehr eindeutigen Gefühlen sehen. Mit Haßgefühlen nämlich. Das fängt ja gut an.

Wohlwollend weist der Text dann darauf hin, daß es natürlich humanitäre Pflicht ist, Menschen in existentieller Not zu helfen, ausgelöst durch Krieg und politische Verfolgung. Korrekte Feststellung, fast möchte man sich entspannen. Doch dann… Weiterlesen