Vier Wochen auf Jamaika

Heute ist es soweit. Ein großer Tag für das Land. Heute wird sich endlich entscheiden, ob man in der deutschen Politik bei den großen Fragen etwas Gemeinsames finden kann.
Das ist mal keine schlechte Leistung dafür, daß immerhin schon seit fast fünf Wochen über genau diese Themen geredet wird, jedenfalls offiziell. Erst gestern haben die an den Verhandlungen beteiligten Parteien verkündet, sie würden sich zu einer „Denkpause” zurückziehen.
Jetzt bin ich durchaus ein Freund des gründlichen Nachdenkens über eine Sache. Alle meine Ex-Freundinnen wußten genau, daß ich unfaßbar spontan sein kann, wenn man mich ein paar Tage vorher über irgendwelche Pläne informiert hat, die eventuell die Gestaltung des Freizeitlebens betreffen.
Allerdings muß ich mir dann automatisch die Frage stellen, was die Beteiligten denn dann in der ganzen Zeit vorher gemacht haben, wenn sie jetzt erst mit dem Denken beginnen möchten.

Genau – die Rede ist von diesen überaus lustigen Verhandlungen zwischen vier Parteien, die da irgendwo in Berliner Kämmerlein stattfinden und deren Ziel eine Koalition sein soll, die uns noch einmal vier fröhliche Jahre mit Königin Angela I., genannt „die Alternativlose”, einbringen sollen. Euphemistisch wird dieses angestrebte Bündnis allgemein Jamaika genannt, wegen der beteiligten politischen Farben Schwarz, Gelb und Grün.
Tatsächlich ist das arme Land in der Karibik das einzige, das diese Flaggenfarben aufweist. Wie man aber beim Gedanken an deutsche Politik ausgerechnet auf kiffende Jamaikaner kommen kann, die mit Reaggae-Mucke durch die Gegend cruisen, ist mir ein Rätsel. Noch 2005 hatte der ehemals grüne Joschka Fischer diese Idee als so absurd zurückgewiesen, wie sie nur sein kann.
Heute, im Jahre des Herrn 2017, im nunmehr  dreizehnten Jahr der Herrschaft des Grauens aus der Uckermark, hat das Bizarrometer der deutschen Politik auch dieses Ende der Skala erreicht. Der ehemalige Grüne Fischer bezeichnet diese Lösung inzwischen als „notwendig”.
Aber die Armen können sich ja gegen ihre Instrumentalisierung zu politischen Zwecken nie wehren. Laut Erläuterung gewisser Online-Lexika bedeuten die Farben in der Flagge Jamaikas Hoffnung in die Zukunft und landwirtschaftlichen Reichtum – das wäre das Grün. Das Gelb – in einer Flagge ist so etwas üblicherweise die heraldische Vertretung für Gold – symbolisiert das Sonnenlicht und den natürlichen Reichtum des Landes. Schwarz hingegen steht für die Kraft und Kreativität des Volkes.
Das verschafft den Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition endgültig etwas derartig Zynisches, daß es schon wieder massive satirische Qualitäten aufweist, soviel muß ich dann doch zugeben, nachdem ich mich von meinem hysterischen Kicheranfall erholt habe.


Gut, die Grünen könnten durchaus irgendwie für Landwirtschaft stehen in Deutschland. Das würde durchaus passen. Dummerweise ist aber das Landwirtschaftsministerium fest in der Hand der CSU. Ist auch irgendwo logisch, denn kein anderes Agrarland in Deutschland erhält derartig viele Subventionen aus EU- und sonstigen Töpfen, um seine industrielle Landwirtschaft mit dem nötigen Geld zu unterfüttern. Unter weiß-blauem Himmel ist alles grün, könnte man sagen. Supergrün.
Dieses Land ist es auch, das intellektuelle Hochöfen wie einen Alexander Dobrindt zu den Verhandlungen in Berlin entsandt hat, auf das er im Namen aller Bayern, die seine Partei gewählt haben, ganz Deutschland in Bayern verwandeln möge, um auch den Saupreißn die Segnungen von Milch und Honig zu bringen. Und Blasmusik in Bierzelten, versteht sich.
Das Goldene, Symbol des Reichtums, ist natürlich hierzulande die FDP. Was auch ganz passend ist eigentlich, denn keine Partei ist in ihrem Aufbau und Auftreten mehr der Wurmfortsatz des neoliberalen Wirtschaftsfaschismus als dieser elende Haufen alternder Hipstertypen und junger, durchdigitalisierter Hohlbirnen mit Krawatte und BWL-Masterabschluß in der Tasche.
Bei Schwarz allerdings stirbt der Vergleich dann doch sehr schnell eines analogischen Todes, denn ausgerechnet die CDU als Vertretung für Kraft und Kreativität des deutschen Volkes hinstellen zu wollen, überschreitet eindeutig die Grenzen jeglichen politischen Anstands, von der Beleidigung sämtlicher intelligenter Lebensformen innerhalb der Landesgrenzen mal abgesehen.

In einer Demokratie darf jeder wählen. Das ist eigentlich erschreckend. Ebenfalls erschreckend ist, daß es nicht jeder tut.

Wie konnte es soweit kommen?
Nun, wir erinnern uns – damals, in tiefster, nebelverhangener Vergangenheit, was in diesem konkreten Falle vor etwa sieben Wochen bedeutet, fanden hier in Deutschland Wahlen statt.
Wahlen, das sei erklärt für die Jüngeren, sind eine in einer Demokratie regelmäßig wiederkehrende Ritualveranstaltung, in der man mit Hilfe eines Werkzeugs auf Tontafeln seinen politischen Willen kundtut, indem man ein Kreuz hineinritzt. In diesem speziellen Fall sogar zwei Kreuze. Eines wählt einen im jeweiligen Wahlkreis ordnungsgemäß angemeldeten und auf der Liste aufgeführten Kandidaten, der üblicherweise natürlich auch Mitglied einer Partei ist. Das zweite Kreuz wählt eine Partei an sich, das sind diese Prozentwerte, die dann abends, nachdem die Wahllokale geschlossen haben, in irgendwelchen Hochrechnungen und Prognosen auftauchen.
Aufgrund des akuten Tonmangels hat man in Deutschland die Tontafeln vor einiger Zeit durch Papier ersetzt, was sich als praktisch erwiesen hat. Die Wahllokale gibt es allerdings immer noch und die heißen nicht umsonst ,,Lokale”. Etwas Lokales ist nämlich auch etwas, das sich nicht bewegt. Es ist – ebenfalls im Wortsinne – eine Immobilie.
Das wiederum hat Konsequenzen für den Prozeß des Wählens an sich: Man kann nur daran teilnehmen, wenn man sich an eben diesen Ort begibt, der auf einem anderen Stück Papier verzeichnet ist, das einem von der Kommune, in der man so wohnt, einige Wochen vor der Wahl zugeschickt wird.
Man muß also seine Füße – das sind diese Dinger am Ende eines Beins – voreinandersetzen, um diesen Ort zu erreichen. Es genügt keinesfalls, in einem Smartphone in dreißig unterschiedlichen WhatsApp-Gruppen, die man mit Leuten teilt, die ohnehin alle der gleichen politischen Meinung sind, über den Ausgang der bald stattfindenden Wahlen zu spekulieren. Spätestens wenn einem die ZDF-Prognose-App die ersten Ergebnisse zuschickt, sind die Wahlen vorbei und man muß wieder vier Jahre lang warten, in denen man sich dann bitterlich auf Twitter darüber ausweinen kann, die alten Säcke hätte einem die Zukunft gestohlen.
Eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Lokale ist ebenfalls nicht vorgesehen. Daher finden Wahlen in Deutschland generell Sonntags statt. Man darf nicht vergessen, daß ein guter Teil der deutschen Bevölkerung die vierzig längst hinter sich hat und ein ebenso nicht unerheblicher Teil dieser Bevölkerung zu den sogenannten Arbeitnehmern gehört. Die müssen am Montag wieder aufstehen, um sich dafür dumm und dusselig zu arbeiten, daß andere Leute in WhatsApp-Gruppen diskutieren können, so etwas erfordert nämlich Strom und Internet, was gemeinhin unter „Infrastruktur” fällt.
Außerdem müssen diese Arbeitnehmer natürlich dafür arbeiten, daß die CDU auf die prima Wirtschaftszahlen verweisen kann – was seltsamerweise einige Wochen vor einer Wahl immer ein großes Thema in allen Medien ist – damit Königin Merkel ihren Wahlkampf betreiben kann, der wahlweise aus dem Satz „Deutschland geht es gut” oder „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” besteht.
Diese Sätze werden alle vier Jahre ausgetauscht, um Abwechslung zu simulieren, ganz im Gegensatz zur Kanzlerin. Die will bleiben und soll Beständigkeit simulieren.

Was es auch nicht gibt, ist eine Bundestagswahl-App im Smartphone. Der gerne angebotene Wahl-O-Mat, eine lächerliche Digitalkrücke zur Simulation einer politischen Meinungsbildung, ist keinesfalls zu verwechseln mit der Wahlurne.
Wer hier Fragen beantwortet, hat keinesfalls bereits seine Stimme abgegeben. Ich warte darauf, daß dieser Hinweis auf entsprechenden Webseiten noch in den Fußnoten eingearbeitet wird. Oder am besten als Warnhinweis in einem separaten Kasten auf der Seite, diese Sternchen im Fließtext übersieht man so leicht.
Ein Abstimmen per digitalem Knopfdruck ist also nicht möglich. Auf erstaunte Fragen gewisser Altersgruppen in meine Richtung, die sich auf dieses unmoderne Verfahren bezogen, kann ich nur antworten: RTFGG.
Das steht für „Read the fucking Grundgesetz” – das wiederum gibt es durchaus als digitale Version auch zum Nachschlagen im Internet. Und hier wird recht klar ausgedrückt, daß Wahlen in Deutschland „allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim” sind. Ich verrate nicht, an welcher Stelle. Spoiler und so. Wichtig ist hier vor allem das „geheim”.
Im Gegensatz zu Geheimdiensten sind Geheimwahlen enorm vorteilhaft, denn dann kann man die ganze Zeit behaupten, man sei ja gar kein Nazi, dann aber doch die AfD wählen. Oder man kann politisch aufgeklärt tun, dann aber doch die AfD wählen. Oder behaupten, man habe nichts gegen Asylbewerber, dann aber doch CSU wählen, das ist die bayerische Variante der AfD. Vermutlich werden die aus Kostengründen demnächst zusammengelegt.
Diejenigen, die sich das verschämt nicht trauen – oder eben nicht in Gottes eigenem Bundesland Bayern wohnen – haben die FDP gewählt Ende September, was zur aktuellen politischen Zombie-Apokalypse nicht unerheblich beigetragen hat.
Auf jeden Fall geht das in Ordnung, denn eine der Schwächen der Demokratie ist es, daß eben jeder ab einem bestimmten Alter wählen darf, ob er nun Grütze im Kopf hat oder dieser so leer ist wie der Kopf von Andreas Scheuer. Sogar Leute, die von einer Demokratie so gar nichts halten, dürfen wählen. Und damit es da keinen Streß gibt, ist es natürlich geheim, wer was gewählt hat.

Außerdem sind die Wahlen gleich – was bedeutet, jeder hat genau die gleiche Anzahl Stimmen. Der alte Goethe sagte einmal, dieses Prinzip sei recht unsinnig, denn: „Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen. Verstand ist stets bei Wen’gen nur gewesen.”
Da hatte Goethe, die alte Sau und Dichterfürst, sehr wohl nicht unrecht und offensichtlich ist das Problem auch heute noch vorhanden. Da wir aber offiziell eine Demokratie sind, hat jeder nur eine Stimme. Oder eben zwei, manchmal. Das Wägen der Stimmen erledigen dann die Parteien. Die schauen auf die Liste ihrer Spender, also VW, BMW, Siemens, Telekom und andere – und haken dann in ihren Programmen deren Wünsche ab.
Wir tun also so, als hätte jede Stimme dasselbe Gewicht, aber das ist in Wahrheit gar nicht der Fall. Da das aber keiner hören will, sind die Wahlen natürlich gleich. Und damit diese Lüge aufrechterhalten werden kann, hat jeder nur eine Stimme. Oder zwei.
Jedenfalls muß nachgewiesen werden, daß niemand doppelt abstimmt. Oder seine Hauskatze als Kandidatin der Tierschutzpartei aufstellt und ihr dann 8.000 Stimmen gibt in einem Landkreis, in dem nur 3.000 Wahlberechtigte leben. Und darum, liebe Kinder, gibt es eben keine Wahlen im Internet, die von irgendeiner Bedeutung wären. Denn die wären nicht geheim. Oder gleich.
Wäre das anders und man würde über das Internet abstimmen, hätte die AfD die Wahlen gewonnen. Mit mindestens 134 Prozent aller Stimmen. Und selbst dann hätte sie hinterher noch rumgeweint, das Ergebnis sei zu ihren Ungunsten manipuliert worden. Von der Bundeskanzlerin persönlich.

Bild 1: Jamaika-Teller mit Schnecken
Der bisherige Stand der Verhandlungen, die dann die Verhandlungen ermöglichen sollen, die eventuell zu einer Regierungsbildung führen könnten. Nicht ganz fehlerfrei, denn eine der Schnecken müßte ein weiß-blaues Haus tragen. Trotzdem natürlich mit spitzer Feder treffend gezeichnet von Klaus Stuttmann.

Doch wo war ich eigentlich?
Ach ja – die Wahl. Also, diese Wahl hat dann tatsächlich stattgefunden und völlig unerwarteterweise wurde nicht etwa die AfD mit 67 Prozent in den Bundestag gewählt, was deren bereits mit Feuerwerk geplante Machtübernahme etwas hinauszögerte. Bisher hat die Partei noch keinen Schuldigen benannt, aber ich vermute, sie werden noch einen finden. Ich halte das für ein Echo einer gewissen Restintelligenz beim deutschen Wähler. Immerhin. Das diese Jungs jetzt da hocken und keiner mit ihnen reden will, hat zu erbitterten Haßtiraden im Internet geführt, die meistens stark auf die Grünen einprügeln.
Aber witzigerweise steht nirgendwo im Grundgesetz, daß alle Parteien von allen anderen gefragt werden müssen, ob man denn koalieren soll. Es ist sehr wohl möglich, zwanzig Jahre in einem Parlament zu hocken und kein einziges Mal an der Regierung beteiligt zu sein. Da kann man mal die Linken fragen. Was die Rechten natürlich nie tun würden. Drum sitzen die auch möglichst weit auseinander im Parlament.
Ein klares Anzeichen der abgrundtiefen Dummheit des deutschen Wählers hingegen war es, die FDP wieder in den Bundestag reinzulassen, nachdem man sie beim letzenmal mit zwanzig Jahren Verspätung endlich rausgewählt hatte.
Die ehemalige SPD liegt noch immer weinend in der Ecke und fragt sich, warum sie von ihren Wählern nicht mehr gemocht wird, denen sie seit nunmehr auch fast zwanzig Jahren permanent eins in die Fresse geschlagen hat, sei es jetzt als Regierungspartei oder als Steigbügelhalter Frau Merkels.
Die CSU, die weder christlich ist noch sozial noch eine Union, hat so wenig Stimmen bekommen wie noch niemals zuvor seit Bestehen des Landes. Deutschland, nicht Bayern. Was Seehofers Horst seit Anbeginn der Jamaika-Verhandlungen veranlaßt, ständig zu behaupten, alle müßten jetzt das tun, was die CSU will. Abgewandert sind die Wähler der bayerischen Religionsfanatiker natürlich zu den blauen alternativlosen Alternativen, was klar bestätigt, daß die CSU eben schon immer die bessere AfD war, bevor die AfD gegründet wurde.
Was ich schon immer behauptet habe. Ob jetzt Bierzeltfaschismus oder als intellektuell getarnter Faschismus, der sich das Mäntelchen der Volksfürsorge umhängt, da ist der Unterschied marginal. Wenn es auf Landesebene je eine Koalition mit der AfD geben wird, dann entweder in Sachsen oder Bayern, das wird sich noch erweisen.
Die Grünen haben, ganz im Gegensatz zu vorherigen Umfragen, noch recht ordentlich abgeschnitten. Scheinbar haben diverse Menschen doch eine gewisse Neigung zu mehr Radwegen, weniger Autos, weniger Dieselskandalen oder anderen Dingen. Oder sie mögen eben einfach die Farbe. Grün ist die Hoffnung. In Wahrheit sind heutige Grüne entweder noch nicht zur AfD übergelaufen oder aber FDPler, die an Dosenpfand glauben. Oder Winfried Kretschmann.
Die Linke – nun ja – wie immer hatte sie Glück, daß sie trotz ihrer eigenen Unfähigkeit, mal ihre Kernklientel zu aktivieren, statt sie den Rechten zu überlassen, dann doch wieder im Bundestag gelandet ist.
Und die CDU war natürlich die strahlende Wahlsiegerin. Das ist sie ja immer. Diese Partei, die weder christlich noch sonderlich demokratisch noch eine Union ist, hat achteinhalb Prozent Verluste hinnehmen müssen und ist trotzdem stärkste Fraktion.
Allerdings ist sie auch auf ihren quasi natürlichen Grenzwert gefallen. Die knappen 30 Prozent, die Frau Merkel da zusammenkratzen konnte, sind sozusagen die Untergrenze für eine Partei dieser Art, die sich als Sammelsurium solcher Schwammigkeiten wie „konservativ” und „Mitte” präsentiert. Die glattgebügelte Wohlfühlpartei für alle. Alles versprechen, nichts halten. Alles wollen, nichts können. Und natürlich festlegen, ob die Renten steigen. Eine perfekte Kombination des Nichtstuns. Die CDU, ihr freundlicher Politiksimulator von nebenan.

Dieser Haufen keift sich jetzt seit fünf Wochen über die Trümmer der politischen Landschaft hinweg an und verhandelt dabei über nichts. Denn was da stattfindet, sind gar keine Koalitionsverhandlungen. Es sind  „Sondierungen”. Man will also erst einmal rausfinden, ob man überhaupt koalieren könnte, um das Volk mit weiteren vier Jahren Angela Merkel zu beglücken. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend.

Die Grünen haben inzwischen ein Enddatum für Kohlekraftwerke und den Verbrennungsmotor aus ihren Forderungen gestrichen. Der Obergrüne Kretschmann kommentierte das mit einer Bemerkung, daß ein Enddatum nur Sinn ergäbe für „Technologien, die keine Zukunft haben.”
Was exakt die Kategorie ist, in die der Verbrennungsmotor fällt. Denn der hat mit Sicherheit keine Zukunft. Gut, für die restliche Lebensdauer des vorgetäuschten Umweltschützers, der eventuell irgendwann mal irgendwas machen will, um irgendwas zu erreichen, das aber auf keinen Fall Arbeitplätze bei der Autoindustrie gefährden darf, wird es vermutlich genügen. Immerhin ist Winfried Kretschmann jetzt 69, also eigentlich längst reif für die Rente.
Aber spätestens mittelfristig betrachtet kommt der Verbrennungsmotor recht übel ins Stottern. Wober „mittelfristig” in meinem Falle bedeutet „bis 2025″.
Klingt weit entfernt, sind aber nur noch acht Jahre. Verbrennungsmotoren brauchen nämlich Sprit und den müssen sich Menschen auch leisten können. Aber in welchem Bundesland wohnt doch gleich der Daimler?
Wie ich schon sagte – Spenderliste durchsehen, Wünsche vorausahnen, Abhaken. Das nennt ein angeblich grüner Politiker wie Kretschmann dann „Pragmatismus”.
Auch das mit den Kohlekraftwerken muß man pragmatisch sehen. Da müssen sich die Arbeitsplätze und der Planet halt mal zusammensetzen. Wer braucht überhaupt so einen Planeten, wenn er doch Autos mit Verbrennungsmotoren haben kann?

Nach wochenlangem Sondieren verlangte vorgestern der neoliberale Rohrkrepierer Wolfgang Kubicki, der Chefunterhändler der FDP, die Grünen sollten sich mal bewegen. Was die längst getan haben, und jedesmal zu ihrem politischen Nachteil. Denn nach solchen Dingen wie Enddatum für fossiles Rumgemache auch noch die heiß umkämpfte Migrationspolitik aufzugeben, wäre für die Partei der Grünen politisch brandgefährlich, wenn nicht tödlich.
Selber behauptet die FDP, sie habe sich bewegt. Bei ihrem einzig interessanten Thema, dem Abbau des Solidarbeitrags. Bin ich der einzige, der sich dabei stark an das stetige Steuersenkungs-Geplärre von Westerwelle selig erinnert fühlt?
Käme dieser Vorschlag von Grün oder Links, die FDP wäre die erste Partei, die schreit: „Das muß gegenfinanziert werden!”
Nur diesmal höre und sehe ich davon nichts.
Darüber sagt Kubicki kein einziges Wort. Auch nicht darüber, daß ein Wegfall des Solidarbeitrags, einstmals erschaffen für den Aufbau Ost eines Helmut Kohl, natürlich die höheren Einkommensklassen wieder stärker entlastete als die unteren. Damals regierte Herr Kohl übrigens mit der FDP, nur als Erinnerung für die Jüngeren.
Im Kaiserreich Deutschland, vor einem guten Jahrhundert, wurde ab 1902 die Schaumweinsteuer erhoben, um die Kosten der Kaiserlichen Flotte zu finanzieren. Das Wettrüsten mit England im Vorfeld des Ersten Weltkriegs mußte finanziert werden. Diese Steuer wurde nie wieder abgeschafft. Allerdings kann man daraus schließen, daß sich ein Großteil der Bevölkerung damals wenigstens noch Schaumwein leisten konnte.
Der schwäbische Streitwagen ihrer Merkeligkeit, inzwischen auf den Posten des Bundestagspräsidenten weggelobt, erhielt im Jahre 2014 aus dem Soli ganze 15 Milliarden an Steuereinnahmen. Kein Staat dieses Planeten verzichtet auf Steuereinnahmen, an die er sich längst gewöhnt hat und die längst verplant sind. Dafür gibt es in der Geschichte exakt null Beispiele. Im Zweifelsfalle wird eben woanders etwas erhöht oder eine neue Steuer erfunden, die man dann aber anders nennt. Im Verzichten auf Einnahmen sind Staaten extrem schlecht.
Und sollten diese Einnahmen einfach wegfallen – was ist dann mit der tollen Steuerschätzung von letzter Woche, auf der jemand wie Kanzleramtminister Altmaier grinsend Hoffnungen für Jamaika ruhen lassen möchte?

Die Kanzlerinnendämmerung hat bereits begonnen. Merkels Zeit ist abgelaufen, selbst wenn sie noch eine Legislatur bekommt. Die Frage ist nur, wieviel des restlichen deutschen Politsystems sie mit in den Abgrund reißen wird.

Die CDU in Gestalt der Kanzlerin macht derweil nichts. Wie immer. Regieren oder nicht regieren, diese Frage scheint sich für Frau Merkel nicht zu stellen. „Wer, wenn nicht ich?” wird sie sich denken.
Die Kanzlerin macht sogar so wenig, daß ihre faktische Abwesenheit aus der politischen Arena selbst in deutschen Medien wie Spiegel-Bild oder anderen schon Stirnrunzeln hervorgerufen hat. Streng genommen ist die Kanzlerin derzeit auch gar keine solche, denn nach den Statuten des Grundgesetzes ist sie das nur solange gewesen, bis der neugewählte Bundestag seine erste Sitzung eröffnet hat. Dann nämlich endet das Amt des Kanzlers, so schreibt es das GG vor. Frau Merkel ist also derzeit lediglich geschäftsführend tätig. Denn für eine Kanzlerwahl bräuchte es eine Mehrheit im Parlament. Also eine Koalition. Aber die sondiert erst noch.
Was auch der Grund ist, warum sowohl die CDU als auch die FDP als auch die CSU von Neuwahlen nichts wissen möchten.
Gäbe es die, müßte die CDU ihre Kanzlerkandidatin austauschen. Was automatisch die Frage aufwürfe: Gegen wen?
Nach nunmehr dreißig Jahren politischer Säuberungen unter Helmut Kohl und seiner Verziehtochter Angela Merkel ist in diesem Schrotthaufen astmathisch keuchender Ersatzteile kein einziger Typ mehr übrig, auf den ich die Worte „politischer Sachverstand” ohne grauenvolle Schmerzen in meinem Kleinhirn anwenden könnte.
Außerdem wäre da natürlich der Wähler, das gefürchtete Wesen. Denn der wüßte ja gar nicht, welche Politik ein neuer Kanzler betreiben wollte. Unter anderem, weil es der neue Kanzlerkandidat vermutlich selbst nicht wüßte. Nein, der deutsche Wähler geht lieber nach den Motto: „Die macht zwar nur Scheiß, aber wenigstens kennen wir den Scheiß schon.”
Wahlen ohne Frau Merkel wären also für die CDU per se schwierig. Wahlen mit ihr allerdings auch. Wie immer sich der Abgang der angeblich mächtigsten Frau der Welt von der deutschen Politbühne gestalten wird, der Kollateralschaden wird erheblich sein.

Die CSU sitzt derweil als kleinste Partei in der Berliner Schmuddelecke rum, bellt gelegentlich irgendwen an und pinkelt mit ihrem absurden Verhalten eigentlich allen ans Bein. Irgendwas Konstruktives oder auch nur annähernd politisch rational Formuliertes war aus dem Gekläffe bislang nicht zu entnehmen. Fehlanzeige bei den bayerischen Bierzeltlern.
Das einzige, was man von diesem lächerlichen Haufen hört, ist sinnloses Eindreschen auf die Grünen. Wäre ich bei denen Parteimitglied oder gar MdB, ich hätte schon am Wahlabend begonnen, gegen eine mögliche Koalition mit diesen Pennern zu opponieren. Man kann Scheiße so lange mit Glitzer bestreuen, wie man will, es bleibt Scheiße. Mit einem intellektuellen GAU wie Andreas Scheuer oder Alexander Dobrindt könnte ich nicht mal im selben Raum sitzen, ohne einen Schutzanzug zu tragen. Womöglich ist grassierendes Vollidiotentum ansteckend.
Außerdem ist da noch der Seehofer Horst. Der Silberrücken der Partei, die weder christlich noch sozial noch eine Union ist, ist nämlich intern recht schwer unter Beschuß, auch wenn er das regelmäßig ableugnet. Überhaupt macht die CSU nichts anderes, als personelle Konsequenzen aus dem Wahldebakel in Bayern nicht ziehen zu wollen oder zu können. Denn nichts anderes ist da passiert im September.

Was dabei völlig auf der Strecke bleibt bis jetzt, ist das Land. Also Deutschland an sich. Mit seiner gesamten Bevölkerung. Soziale Belange beispielsweise scheinen die Vier Apokalyptischen Verhandler nicht sonderlich zu interessieren, jedenfalls habe ich davon bisher nichts vernommen
Außer vom angeblich grünen Kretschmann, der sagte, man sei sich darüber einig, daß es wohl zu wenig Wohnungen gäbe. Eine unfaßbar tiefenphilosophische Erkenntnis der Politik. Derartige Sätze werden dann auch ständig als “erreichte Lösungen” präsentiert seit vier Wochen.
Wer war es doch gleich, der den sozialen Wohnungsbau in Deutschland privatisierte? Ach ja – Schwarz-Gelb, unter Helmut Kohl. Und wer hat eigentlich den letzten Nagel in den Sargdeckel geschlagen? Ach ja – Rot-Grün, unter Gerhard Schröder.
Jetzt hocken dieselben Typen an einem Tisch – außer der ehemaligen SPD, die heulend in der Ecke sitzt und sich ungerecht behandelt fühlt – und sind sich darüber einig, daß es wohl zu wenig Wohnungen gibt. Großartig. Ich vermute mal, der Lösungsvorschlag der FDP ist es, alles dem freien Markt zu überlassen. Der regelt ja bekanntlich alles.

Von tatsächlichen Lösungsansätzen für tatsächliche Probleme finde ich nichts.
Die CSU will die Mütterente erhöhen. Dafür will dann die CDU die Rente mit 63 abschaffen. Das war eines dieser tollen sozialen Projekte, bei denen sich die ehemalige SPD so durchgesetzt hatte in der letzten Legislaturperiode. Nur blöd, daß davon gerade mal etwa eine halbe Million Arbeitnehmer in Deutschland betroffen sind, bestenfalls. Die anderen dürfen arbeiten, bis sie tot umfallen. Nach Möglichkeit vor Erreichen eines weiter steigenden Rentenalters. Zumindest die, die wirklich arbeiten, also nicht in der Politik tätig sind.
Die Grünen haben außer allem umweltpolitischem Anstrich auch ihre Forderung nach einer Vermögenssteuer sang- und klanglos verschwinden lassen. Gleichzeitig ist man sich mit der CSU einig, daß industrielle Massentierhaltung doof sein soll. Warum dann aber gerade bayerische Milchbauern seit zig Jahren Überschüsse produzieren und gleichzeitig über miese Preise weinen, erschließt sich mir nicht. Womöglich reicht die Begeisterung auch nicht über die nächste Subventionsspritze aus Brüssel hinaus. Denn eine Umstellung darf natürlich keinen einzigen Landwirt in seiner Existenz gefährden. Zumindest nehme ich das an.
Warum eigentlich nicht? Außer Apothekern wüßte ich sonst niemanden, der eine Beschäftigungsgarantie hat. Da hätten die Landwirte mal eben nicht am Markt vorbei lernen sollen. Vielleicht können die auch alle als Tierarzt Anschlußverwendung finden. Seltsamerweise kommen diesmal aus der FDP solche Sprüche nicht. Und auch das Münchener ifo-Institut ist erstaunlich ruhig.

Die FDP will auch keine Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Die wollte der Grüne Kretschmann auch nicht in Stuttgart, da mußte man die Landesregierung gerichtlich zu zwingen.
Ansonsten schaltet VW gerade überall Radiowerbung und fordert die vom Konzern beschissenen Bürger auf, doch ihren alten Wagen gegen einen neuen umzutauschen. Mit 10.000 Euro Prämie. Natürlich „bis zu”, ist ja klar.
Eigentlich müßte VW in der Werbung dazu verdonnert werden, die Wahrheit zu sagen: „Wir haben euch jahrelang verarscht und den Staat um mehrere Milliarden KFZ-Steuer betrogen. Und jetzt gebt uns mal noch 15.000 Euro, wenn ihr ein anderes Auto haben wollt.”
Die angeblichen Prämien kann VW vermutlich auch wieder als Sonderbelastung steuerlich geltend machen. Also zahlt am Ende der Verbraucher die Rechnung. Doppelt und dreifach. Aber natürlich nehme ich gerne eine Konsumentenkredit auf, um der gebeutelten deutschen Autoindustrie zu helfen. Klar. Keine Frage.
Wozu bezieht man schließlich Mindestlohn?”, denken sich mehrere Millionen Arbeitnehmer entzückt und eilen zur Bank und zum Autohändler.
Woanders werden solche Konzerne zu Milliardenstrafen verdonnert.
Noch ganz woanders, nämlich in meinem persönlichen Land, hätte man den Konzern unter staatliche Aufsicht gestellt, seine Vorstände verhaftet und deren persönliche Vermögenswerte beschlagnahmt. Wegen Betrugs und Veruntreuung in Tateinheit mit besonders schwerer arschlochmäßiger Arroganz.
Aber im echten Deutschland serviert sich die Autoindustrie weiter Koks und Nutten. Kann sich noch jemand an die fünf Milliarden erinnern, die diese Industrie erst vor wenigen Jahren bekommen hat, als direkte staatliche Steuerspritze?
Abwrackprämie hieß das damals. Aber jetzt soll man seinen alten EU-4-Diesel wegwerfen und einen neuen kaufen. Die EU-6-Diesel heißen übrigens so, weil sie bis zu sechsmal mehr Schadstoffe ausstoßen, als die Grenzwerte erlauben.

Und so betreiben CSU, FDP und CDU wieder exakt das, was deutsche Politik immer getan hat: Man bläst möglichst viel Zucker in den Allerwertesten der eigenen Klientel und alle anderen sollen zum Teufel gehen. Die Grünen sind wie der penetrante Hund im Park, der unbedingt das Bein des Spaziergängers vögeln möchte. Hauptsache, man regiert hinterher mit.
Nicht einmal die Schwarze Null im Haushalt wollen diesen angeblich so zukunftorientierten Heuchler angreifen. Nein, Geld ausgeben ist in einem Staatshaushalt des Teufels.

Nur mal so nebenbei, verehrte GrünInnen und Grüne: Wenn die nächste Finanz”krise” der globalisierten Industriewelt in die Fresse tritt, wird es vollkommen egal sein, ob der Schuldenstand Deutschlands vorher 60 Pozent oder 75 Prozent des BIP betragen hat. Wenn nämlich das BIP zusammenbricht, steigt auch automatisch die Schuldenquote. Da kann man die Griechen fragen, die kennen das schon.
Es wäre durchaus an der Zeit, die Landwirtschaft mal umzustellen und überhaupt eine Menge Dinge anders zu machen in diesem Land. Aber dafür muß man auch mal Geld in die Hand nehmen. Das letzte Mal, als Herr Schäuble sich Geld geliehen hat für den deutschen Staat, haben seine Kunden dafür sogar noch Gebühren bezahlt. Deutschland kriegt Geld, damit wir uns was woanders leihen!
Wenn das mal nicht der richtige Zeitpunkt ist, um endlich mal wieder ein paar Kredite aufzunehmen, weiß ich aber auch nicht. Man muß damit ja nicht unbedingt Straßen bauen oder einen VW-Diesel kaufen.

Nur ein Problem beschäftigt hysterisch die Verhandler. Dieses eine Problem, das eigentlich gar keines ist oder keins sein müßte. Und bei dem die AfD immer mit am Tisch sitzt, obwohl sie da gar nicht sitzt: Zuwanderung.
Es gibt sehr wohl Debatten um andere Themen oder zumindest Stimmen dazu. Aber die haben eben nach einer Stunde nicht immer fünfhundert Kommentare von rechten Gestörten, die Leuten, die Hilfe brauchen, nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnen.
Und die Politik ist selbst schuld, daß sich ausgerechnet dieses Thema so emotional aufgeladen hat. Wer jedesmal nach irgendeinem Zwischenfall auf dem populistischen Misthaufen steht und nach mehr Abschiebungen, Gesetzesverschärfungen und anderen nutzlosen Mist kräht, darf sich da nicht wundern.
Einfach mal die Problematik sachlich umreißen, statt Herrn de Maizière wieder mit umwölkter Miene das von allen Seiten tödlich bedrohte Deutschland heraufbeschwören zu lassen, würde da schon weiterhelfen. Warum der Kerl immer noch einen Regierungsposten hat, ist mir schon lange unverständlich.

Nirgendwo wird die Gefahr und die Gefährlichkeit sterbendender Narrative in einer Gesellschaft deutlicher als in der Politik oder aktuellen Verhandlungen in Berlin

Und so sind alle in den Erzählungen über sich selbst gefangen und verstrickt, so wie die ganze restliche Gesellschaft auch.
Die Grünen wollen ihr Narrativ aufrechterhalten, sie seien eine ökologisch orientierte Partei für alle. Aber sie sind längst eine FDP, die an Dosenpfand und Windräder glaubt und sich um Formulierungen auf einem Sondierungspapier streitet, um ihren eigenen Arsch im Falle des Scheiterns bedeckt halten zu können. Gleichzeitig sind sie bereit, alles zu opfern, um an die Macht zu kommen.
Die FDP wiederum möchte ihr Narrativ aufrechterhalten, sie sei wiedergewählt worden, weil sie sich im Kern reformiert hat. Dabei ist sie noch immer der zutiefst neoliberale Arschlochverein, dem jegliches Interesse an Leuten mit wenig Geld und wenig Lobby fehlt. Wie früher auch, als Westerwelle allen Menschen die Wahl überlassen wollte, welche Gesundheitsvorsorge sie sich nicht leisten können, und das als Gerechtigkeit propagierte.
Eine Partei, die das Entwicklungshilfeministerium mal abschaffen wollte, bis sie das dann selber übernehmen sollte. Der ehemalige Minister Dirk Niebel ist übrigens heute Cheflobbyist für die deutsche Waffenindustrie. So sieht praktische Entwicklungshilfe heute aus. Da habe ich dann keine weiteren Fragen mehr.
Die ehemalige SPD hat, wenn auch viel zu spät, erkannt, daß ihr Narrativ von der sozialen Partei des kleinen Mannes längst nicht mehr stimmt und auch nicht mehr glaubwürdig vertreten werden kann. Warum dem Herrn Schulz das erst nach der Wahl aufgefallen ist, als er Frau Merkel in der Elefantenrunde durchaus scharf und bissig anging, verstehe ich allerdings auch nicht. Ich nehme an, niemand hatte ihm gesagt, welche Partei er da führen soll. Er ist wohl davon ausgegangen, es sei die SPD.

Die CSU will ihr Narrativ aufrechterhalten, Deutschland sei eben kein Einwanderungsland, weshalb wir ja auch kein Einwanderungsgesetz haben und nach Ansicht der „Konservativen” keines benötigen.
Sie will ihr Narrativ aufrechterhalten, sie sei irgendwie weniger fremdenfeindlich als die AfD. Und sie will ihr Narrativ aufrechterhalten, sie sei irgendwie bundespolitisch besonders wichtig, weil Bayern das Wunderland ist. Dabei ist Bayern noch immer der hochsubventionierte Agrarstaat, der es immer war. Noch immer entscheidet eine oft recht dumpfhirnige Landbevölkerung mehrheitlich die Wahlen und mag Leute nicht, die von woanders kommen. Also nicht aus Bayern.

Die CDU hingegen, die große Übermutti-Partei, hat kein Narrativ mehr. Dank Frau Merkels amöbenartiger Antipolitik ist sie die Partei, die die Atomkraft abgeschaltet hat, die Wehrpflicht erlegt und jetzt sogar mit diesen Ökofritzen von links koalieren will. Hauptsache, man bleibt an der Macht. Oder Frau, in diesem Falle.
Sie ist das Äquivalent eines alternden Psychiatriepatienten, der nicht mehr weiß, ob er die Pille jetzt schon genommen hat oder nicht. In zunehmender Demenz trampelt sie durch das Labyrinth aus Programm und Wirklichkeit. Einfach gar kein Profil haben oder politisch verortbar zu sein, hilft eben auch nicht weiter.
Die Linke möchte ihr Narrativ aufrechterhalten, sie sei die einzig soziale Alternative in diesem Land. Was sogar richtig ist. Nur hilft das nichts, wenn man seit mehr als einem Jahrzehnt unfähig und unwillig ist, dorthin zu gehen, wo auch die Wählerstimmen wohnen. In Duisburg-Marxloh oder anderen Orten. An solchen Orten muß man Dinge dann so erzählen, daß einem die Leute auch folgen können und folgen wollen. Damit hat aber besonders linke Politik ein Problem.
Die Analysen einer Sahra Wagenknecht oder eines Gregor Gysi sind oft zutreffend, nur hört nach drei Sätzen niemand mehr zu. Stattdessen tauchen die faschistoiden Idioten auf, nennen sich „Alternative” und pöbeln gegen alles, was ihnen nicht paßt. Ist ja auch einleuchtend, daß für die verpfuschten Leben so manchen Wählers ausgerechnet die Leute verantwortlich sein sollen, die erst seit zwei Jahren im Land sind. Dummerweise ist es für viele einleuchtender als die vernichtende Analyse der Globalisierung durch die Linkspartei.
Und so ziehen die Rechten in die Parlamente ein und die Linken bleiben im Westen vor der Tür, weil sie zu doof sind, ihr Nichtwählerpotential zu aktivieren. Und wenn die Parteichefin mal zart andeutet, daß eben kein Land der Welt endlos Flüchtlinge und Einwanderer aufnehmen kann – und auch nicht tut – dann wird sie dafür von den Ultralinken ausgebuht. Die Wahrheit ist eben links genau so unbeliebt wie überall woanders auch.

Bild 2: Kanzler für Jamaika
So müßte der Kanzler einer Jamaika-Koalition aussehen. Wählen würde ich ihn auch. Aber dummerweise wird der Bundespräsident diesen Herrn nicht vorschlagen, nehme ich an.

Die Wahrheit ist, daß Jamaika eindeutig keine Option bietet.
Angela Merkel selbst sieht natürlich alles auf gutem Wege und ist der Meinung, wir schaffen das. Sie hat nämlich gar keine andere Wahl.
Doch gerade die von ihr geprägte Politik bietet nichts weiter als das ewig wurstige „Nur weiter so”. Die Folgen von 12 Jahren Alternativlosigkeit. Wobei auch Frau Merkel ja bereits ein Symptom war und nicht zwingend die Ursache.
Deutscher Politik mangelt es, mit wenigen Ausnahmen, an realitätsbezogener Vorstellungskraft. Der Rettungsring kann noch so sehr aus Beton sein, er wird krampfhaft umklammert.

Eine Jamaika-Koalition würde mit winzigen Trippelschrittchen über das extrem dünne Eis laufen, das da „Regierung” heißt.
Da sind die Grünen, die eigentlich Konservative sind. Die Konservativen, also im Wortsinne die Bewahrer, die nur Dinge bewahren wollen, die schon längst nicht mehr existieren. Die anderen angeblichen Konservativen, die nur Dinge bewahren wollen, die überhaupt nie existierten, außer in ihren verängstigten, von Paranoia geplagten Fremdenhasserköpfen. Und dann sind da die angeblich so geläuterten angeblichen Liberalen, die von echtem Liberalismus so weit entfernt sind wie die Erde vom Zentrum der Galaxis.
Alle diese längst überholten politischen Kasperlegestalten haben das Land in Geiselhaft genommen, um einmal mehr ihre eigenen Machtinteressen maximal optimiert zu verfolgen. Die wollen alle nichts ändern. Die wollen möglichst viel Macht für sich und möglichst viele Posten, damit man hinterher in der Wirtschaft wieder weich fällt. Der fesche Herr Lindner wäre doch was für die Telekom. Da könnte man die Wahlplakate gleich wiederverwenden.
Deswegen sind Neuwahlen auch undemokratisch oder künden von „unnötiger Hektik”, wie gerade erst die deutsche Bundeseule Steinmeier von sich gab. Als würde man Herrn Steinmeier und Hektik in einem Satz jemals sinnvoll  erwähnen können.

Wenn man sich aber schon in den Sondierungsgesprächen zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen gegenseitig anstinkt und dabei ist, alle wirklich wichtigen Fragen von A wie Arbeit(slosigkeit) über U wie Umwelt bis Z wie Zuwanderung komplett auszuklammern, weil man sich da auf nichts einigen kann – wie soll denn das in ernsthafter Regierungsarbeit münden?
In Weichenstellungen für eine Zukunft, die auf jeden Fall auf uns zurollt, völlig unabhängig von irgendeiner Politik?
Naturgesetze verhandeln nicht. Das haben die nämlich nicht nötig.
Die gesamten bisherigen Gespräche sind gar nicht Jamaika, die sind Mozambik.
Die haben auch Schwarz und Gelb und Grün in der Flagge. Aber da ist auch noch ein Sturmgewehr mit drin, was in Bezug auf deutsche Politik sehr viel ehrlicher wäre. Und auch noch Rot. Wenn alle Stricke reißen, kann die ehemalige SPD ja immer noch umfallen.

Ich will nicht nochmal vier Jahre Stillstand und bleiernes Nichtstun, das von Frau Merkel als wahnsinnig innovatives Politikspektakel verkauft wird, bejubelt von ZDF-Sommerinterviews, die einem das Grauen in den Nacken treiben. Ich habe schon 16 Jahre Helmut hinter mir in meinem Leben, und was hat der nicht alles an wichtigen Dingen und guten Gelegenheiten liegenlassen.
Kurz gesagt: Ich habe von dieser verdammten Nicht-Politik die Schnauze gestrichen voll. Fürs Nichtstun und nichts können brauchen wir keinen Bundestag mit 700 Abgeordneten auszuhalten, von denen wieder ein Drittel aus juristischen Quadratschädeln besteht. Repräsentative Demokratie. Sehr witzig. Nichts machen kann ich alleine ganz prima.

Jamaika will ich nur dann haben, wenn der Bundespräsident Bob Marley zum Kanzler vorschlägt. Ansonsten kann ich für diesen Blödsinn keinerlei Notwendigkeit erkennen. Das kann man sich mit noch so viel Schaumwein nicht mehr schönsaufen. Und Kiffen darf man hier im Lande ja auch immer noch nicht. Noch so ein Punkt, den bisher keiner sondiert hat.
Bob Marley sagte einmal: „Wenn du das Kraut rauchst, dann enthüllt es dir dich selbst.”
Das kann ich bestätigen. Darum will das auch keiner der an den Verhandlungen Beteiligten. Denn niemand hat gesagt, daß einem gefallen wird, was man da zu sehen bekommt.
Wir brauchen nicht zwingend neue Wahlen in Deutschland. Was wir brauchen, ist eine neue Politik.

21 Gedanken zu „Vier Wochen auf Jamaika

  1. Wie viele FDP-Politiker/innen benötigt man um eine Glühbirne auszutauschen?

    Gar kein/en!

    Wenn man die Steuern senkt und die Rahmenbedingungen stimmen, wird der Markt dafür sorgen, dass sich die Glühbirnen von alleine wechseln.

    In diesem Sinne,

    Gute Nacht! Wie erwartet ohne Jamaika 🙂

    • Gute Nacht! Wie erwartet ohne Jamaika

      Es muß ja auch mal gute Neuigkeiten geben. Wenigstens dieser Elch ist an uns vorübergegangen.

  2. “Es wäre durchaus an der Zeit, die Landwirtschaft mal umzustellen und überhaupt eine Menge Dinge anders zu machen in diesem Land. ”

    “Die wollen alle nichts ändern. ”

    ich hatte hier: https://www.kassandra21.de/2017/09/25/die-dritte-deutsche-republik/#more-4628
    neulich schonmal geschrieben, was ich von einem WEITER SO halte: das ist nicht nur nichts sondern ich kriege bei einem weiter so einen endgradigen kotzreiz.

    was die einheitspartei cduspdfdpgrün anbelangt, kann ich da keine gr0ßen unterschiede erkennen. egal welche konstellation man davon bekommt:
    WEITER SO

    ich habe diesmal anstatt den linken DIE PARTEI gewählt.
    grund:
    1.: ich wählte bei den letzten wahlen die linken. aber keine sau macht was mit denen, weil das zu sehr vom WEITER SO abweicht. deshalb war es mir dieses jahr egal, ob 5,5% oder 8,9% linke ignoriert werden.
    2.: ich habe mich früher ähnlich wie du über “die da oben” aufgeregt: korruptes, inkompetentes, machtgeiles pack überwiegend. dann habe ich was geschnallt. es gibt ca 700(?) abgeordnete im bundestag. das sind keine politiker sondern eigentlich volksvertreter und auch nur menschen. weis heute aber keine sau mehr. die meisten haben ja auch kein problem damit, daß über sie nicht als mensch geredet wird sondern als verbraucher. egal, die “politiker” sind nicht das problem. das problem ist, daß diese affen sich rausnehmen können was sie wollen weil die millionen oberaffen außerhalb des bundestages alle 4 jahre zur wahl gehen und a k t i v “das war sooooo geil, ich will das gleiche nochmal” bekunden.
    von daher IST angela merkel die mit großem abstand beste kanzlerin, die deutschland sich wünschen kann, denn sie macht in perfektion das, was die meisten leute hierzulande wollen:
    nichts! keine experimente, keine änderungen, keine unbequemen wahrheiten, WEITER SO. wir haben hier in diesem land exakt die verhältnisse, die wir als demokratische gesamtmasse verdient haben.

    von daher wäre es mir diesmal auch egal gewesen, ob die linke überhaupt im bundestag ist oder nicht: mit meiner meinung gehöre ich einer minderheit an, die vom weiteaus überwiegenden teil der bevölkerung als spinnerei, weltfremd usw usf bezeichnet wird und nicht erwünscht ist.

    von afd-wählern kann man behaupten was man will, ohne diese partei hätten wir jetzt schon längst einen unterzeichneten schwarzgelben koalitionsvertrag.
    ( I C H F A S S E E S N I C H T !!!!! , wie war das nochmal? “die masse ist doof”, ich möchte das mit meinem BLUT unterschreiben).
    von daher ist mir jeder afd wähler sympatischer, als diese strunzenblöde verbrauchermasse. ist nur meine meinung. von der mitte wird k e i n e änderung kommen. die kommt wenn nur von links oder rechts und auch nicht umsonst, das gibt ordentlich reibung vorher.
    weil es die linken UND die afd jetzt im bundestag gibt, gibt es kein WEITER SO mehr einfach so.

    bin durch zufall auf einen genialen kommentar gestoßen, der die politik der mitte der letzten jahre mal in ein adäquates licht rückt. bei der FAZ, kaum zu glauben. das gehts auch um das ganze nazi-geschreie der letzten jahre:
    http://plus.faz.net/feuilleton/2017-11-16/d5637e1d071d2d6c6afa36c6091d3fcc/?GEPC=s3

    winke, st

    • ich habe diesmal anstatt den linken DIE PARTEI gewählt

      Willkommen im Klub 😀
      Und das FAZ-Ding habe ich gestern auch noch gelesen. Ist größtenteils korrekt analysiert, denke ich.

  3. ps:
    auszug vortrag von prof. mausfeld:
    https://www.youtube.com/watch?v=aK1eUnfcK4Q

    ich kann diesen vortrag jedem wärmstens ans herz legen. ich kann mir nur schwer vorstellen, wie man in relativ kurzer zeit besser rüberbringen kann, was die ursachen dafür sind, daß die dinge heutzutage so sind wie sie eben sind.

    2 stunden 7 minuten bestens investierte lebenszeit.

    “wir fühlen uns ohnmächtig und machtlos. dieses gefühl ist mit viel mühen und unter liebevoller beteiligung von sozialwissenschaften und psychologie bewußt induziert. das ist ein ganz wichtiger punkt. man muß dieses gefühl der ohnmacht, es kann sowieso nichts geändert werden, in den individuen induzieren. und dazu gehört ein ganz wichtiges gefühl: die mitte.
    die mitte ist etwas ganz tolles. heute sind alle in der mitte. das gehört wieder zum neoliberalen falschwörterbuch,weil hier ein begriff neu bestzt worden ist. denn mitte ist für uns alle etwas ganz tolles. mitte suggeriert harmonie, ausgeglichen, vielleicht auch geborgen sein. mitte ist ein ganz positives gefühl, weil wir ungern zu den extremen gehören wollen.
    der neoliberalismus hat diesen mitte-begriff neu besetzt indem jetzt eigentlich mit mitte eine extremistische position bezeichnet wird, nämlich eine extremistische position des kampfes gegen demokratie. die mitte ist [so] eigentlich eine extrem fundamentalistische position, weil sie einen ausschließlichkeitsanspruch hat: es kann keine alternativen mehr geben.”

    “interessant ist hier noch der punkt[…],daß jemand sagt ich bin weder rechts noch links. links heißt ja eigentlich für eine gerechte verteilung, für eine solidarische gesellschaft und rechts heißt nicht für eine gerechte verteilung. jemand der weder rechts noch links ist, kann sich eigentlich nur damit noch retten, daß er sagt: ich bin völlig apathisch.”

    • Den letzten Absatz halte ich für Unsinn. Politische Schubladen wie rechts und links sind ebenso induziert wie “Mitte”. Richtig ist, daß sich die meisten Leute in der angeblichen Mitte eben wohlfühlen. Ist kuschelig da. Und man ist ja stets in der Mehrheit. Das vermeidet zu viele unangenehme Inputs.

      Und das Gefühl, das wenig bis nichts geändert geändert werden kann, ist völlig korrekt. Was auf uns zukommt an wirklich wichtigen Dingen beruht auf Naturgesetzen, und die ändern wir nicht. Wir können sie lediglich verstehen und versuchen, uns auf die Konsequenzen vorzubereiten. Insofern kann man natürlich doch etwas “tun”. Wenn “tun” aber daraus hinauslaufen soll, das alles so bleibt, wie es jetzt ist, dann ist es sinnlos. Denn das wird nicht stattfinden.

      • ich bin mir dessen bewußt.
        wie du in deiner letzten serie aufgezeigt hast, geil übrigens (ich vermisse comics!). ich bin da nicht annähernd so gut wie du, warum auch, habe ja schließlich nicht die zeit einen derart ausführlichen blog auf die beine zu stellen, selbstständig und so.

        fettes chapeau von hier aus mal so nebenbei!

        mir ging es eher darum darzustellen, daß wir uns hier, wie du hier ausgeführt hast, in narrativen bewegen, DICH ausdrücklich mit eingeschlossen. du wetterst über die “nazis”. ok:

        das mit den narrativen ist so eine sache, die kommen von hinten und man merkt noch nicht mal, daß sie da sind, daß man SICH SELBST in einem befindet. das hat auswirkungen, die ziemlich heftig sind. man versteht (!) das andere narrativ nicht mehr.
        ich könnte jetzt sagen, man redet aneinander vorbei, aber das trifft es n i c h t a n n ä h e r n d.
        neusprech aus 1984 von george orwell läßt fröhlich grüßen, befindet sich in den usa übrigens auf dem index, darf nicht mehr verkauft werden: es wird uns nicht mehr MÖGLICH gemacht, auf eine abgefuckt genial subtile art, daß muß man denen einfach mal zugestehen, daß wir uns mal “normal” über gewisse dinge unterhalten.

        opfer unter der zivilbevökerung kollateralschaden…..LOL
        esm, europäischer stabilitätsmechnismus
        https://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0 reichsermächtigungsgesetz 2.0 …..LOL
        linke ich für die eventuell neu dazu gekommenen, wobei die meisten nicht mehr wissen, was das reichsermächtigungsgesetz war.
        usw usw usw

        du teilst gut aus, hast auch allen grund dazu und ich unterschreibe das meiste auch.

        folgender gedankenanstoß, lohnt sich, man beachte bitte minute 2:45 bis 4:14

        https://www.youtube.com/watch?v=AQTOBrGiI_s

        1.: solange wir diesem narrativ folgen, haben DIE gewonnen.
        sowohl die linke als auch die rechte wollen soziale gerechtigkeit. das mag jetzt provokant klingen, ist aber so, nur mit anderen vorzeichen/ hintergründen. nicht umsonst, waren kurz vor hitlers machtergreifung die linke und die rechte die stärksten parteien:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_M%C3%A4rz_1933

        ja, die spd war damals noch links.

        BEIDE sind für die GLEICHEN ideale eingetreten, es ging darum, daß nicht wie heute eine giralgeld/börsenkurs dominierte weltwirtschaft den WERT von IRGENDWAS bestimmt, scheiß alternative bankenrettung, to big to fall, egal was für die MENSCHENn (“verbraucher”….LOL) heißt, sondern die arbeit, m e n s c h l i c h investierte z e i t den WERT darstellt.

        https://www.youtube.com/watch?v=U8SiP_zavFg

        DIE haben es geschafft, daß der großteil der masse sich damit zufrieden gibt, als “verbraucher” abgekanzelt zu werden.
        hitler war so derart radikal, daß alles was er an vernünftigen sachen so ausnahmsweise mal von sich gegeben hat, nicht wahrgenommen wird im nachhinein, HIER in diesem land, nazikeule läßt grüßen.
        ich bin mir bewußt, daß ich in DIESEM land einer der wenigen bin, die sich nicht in das narrativ pressen lassen: hitler war scheiße und feierabend, alles aus dieser ecke ist evil!
        ja, er war scheiße, mega-hyper-scheiße sogar!
        heißt aber für mich NICHT, daß er mit dem was er sagte nicht teilweise recht hatte.

        das narrativ der rechten ist: heimat, heißt, ohne zu gucken was dahinter steht, warum jemand woanders hingeht/ flüchtet. schotten dicht und gut ist.
        – das rechte narrativ kommt aus der EIGENTLICH linken ecke: wieso krepel ich mir als arbeitsloser aus scheiß familienverhälnissen, die mir so gut wie jeden weg nach “oben” versperrt haben einen ab, zeitarbeitsverhälnisse lassen grüßen, €6,50 BRUTTO, selbst erlebt (!), muß für jeden scheiß hier rede und antwort stehen und DIE, a ka “flüchlinge” kriegen alles in den arsch gesteckt?
        sie können nicht unterscheiden, und da ist ihr sozialbedingt beschränkter überblick verantwortlich der erklärende hintergrund, zwischen asyl und wirtschaftsflüchtlingen nicht unterscheiden zu können. wie auch?

        die politik möchte von der ” ich-will-nicht-mit-problemen-konfrontiert-werden-gesellschaft” wiedergewählt werden.
        deshalb: schnauße halten, was is??? läuft doch, “für ein land in dem wir gut und gerne leben”, BLABLABLA
        das ist alles was diese schicht der ausgegrenzten aus der eigentlich linken ecke sehen sie sehen (können).
        was beide, rechts und links eint ist, sich BEWUSST zu sein, daß sich etwas ändern muss. ,

        das individuelle narrativ der linken ist, jedem helfen zun müssen:
        – es gibt keine unterscheidung mehr zwischen ASYL-suchenden (leute die masiv kaputtgebombt werden, auch von uns (aber selbst das geht den meisten nicht mehr in den kopf) und wirtschaftsflüchtlingen.
        -das genau die umstände, die dazu führen, daß man sich jetzt linksintelektuell auf einem abgefuckt hohen niveau im gendergerechten prenzlauer berg über die verhältnisse “irgendwo anders” austauscht ohne irgendwie mal aus dem quark zu kommen, blablabla, TATEN sind angesagt.
        – interessiert es irgend eine sau? nein, weiter so, hauptsache man steht für die eigene IDEOLOGIE ein. zusammenarbeit mit d e n r e c h t e n ….undenkbar, fakten zählen nicht!
        realität, was geht mich das an.

        die linken sind buchstäblich zu blöd zu sehen, daß sie zu wenig radikal sind. siehe die grünen. was haben die bewegt als sie noch in ihren selbstgestrickten pulovern im bundestag saßen.
        genaugenommen geht es noch tiefer: ich kann mich an einen herrn wehner erinnern, spd (!), der mit dem schuh im bundestag auf das pult geschlagen hat um seiner rede nachdruck zu verleihen.
        unDENKbar heutzutage. habe ich schon orwell: 1984 erwähnt? nein?

        was beide, rechts und links eint ist, sich BEWUSST zu sein, daß sich etwas ändern muss. das die ARBEIT des MENSCHEN zählt, nichts anderes. beide lager sind echt zu blöd zu erkennen, daß rechts und links mehr gemeinsam hat als rechts/links mit der “mitte”, denn die will nur WEITER SO, neoliberaler schwanzlutschichkannmirallesbestellenichzuerstscheiß.
        das letzte was wir brauchen ist, sich gegenseitig zu bekämpfen, der feind sitzt woanders.
        das narrativ was wir hier in D haben ist geschichtlich bedingt, keiner von uns beiden, sowie der meisten anderen hat dazu in irgendeiner weise dazu beigetragen. ist gut das wir wissen wo wir herkommen, ich zumindest verhalte mich entsprechend. aber in diesem land ist meiner meinung nach die nazikeule mitlerweile ein stilmitel, um alles was nicht in der “mitte” ist plattzuwälzen, dabei ist sich eben keine sau mehr BEWUSST, daß die positionen der afd von heute die positionen der cdu/csu von gestern waren, wo war das nazi-argument damals???

        wird zeit das wir das ablegen, WEIL die probleme offensichtlich sind, wie hier in diesm blog sehr sehr geil dargestellt. aber selbst hier fehlt die einsicht, daß wir uns gegenseitig bekämpfen, daß ist das resultat aus in dem von professor mausfeld vorgetragenen geschichtlichen FAKTEN.

        wenn du der meinung bist, daß das letzte zitat nicht zieht: zieh dir den ganzen vortrag rein und lass dich überraschen.

        • fettes chapeau von hier aus mal so nebenbei!

          Man dankt. Und ich bin mir der Gefahr von Narrativen durchaus bewußt. Man lege das “Nazi”-Gewetter auf die zynische Goldwaage. Ich benutze das gerne mal im Überfluß, weil es das ist, was gerade die sich als “links” verortenden Menschen gerne so tun. Was natürlich extrem blödsinnig ist 😉

          Und du könntest sehr wohl bloggen. Du regst dich nämlich auf und schreibst lange Kommentare. Irgendwann endet man dann als Blogger 😀

          • ja, ich rege mich auf.
            ich rege mich nicht mehr auf über dämlichkeit der allgemeinen masse, die täglich in meine praxis kommt und mich belästigt damit, wie wenig doch ihre kasse bezahalt usw, gleichzeitig aber JEDESMAL die gleiche SCHEIßE wiederwählt.
            die aufregung habe ich hinter mir. echt!

            was mich aufregt, und daß werde ich demnächst auch bewältigen, ist, daß selbst intelligente leute wie du, der du ja nun wirklich in vielen bereichen hinter den tellerrand geblickt hast, sich nicht bewußt sind, wie sehr sie sich in ihrem eigenem narrativ bewegen.
            wenn es eine hoffnung gibt, diese ganze scheiße was hier so global abläuft noch rumzureißen, dann geht daß meiner meinung nach nur, indem wir
            K O M M U N I Z I E R E N !!!
            frei vom irgendwelchem idiologischen SCHEIß. die erde interessiert keine idiologie sondern nur fakten.

            idiologie hindert uns daran, für irgendwelche probleme konkrete antworten zu finden.

            die linke ist für blabla
            die rechte ist für blablabla

            keine SAU interessiert sich dafür ob sie damit recht haben, diskussion darüber ausgeschlossen.
            –> WEITER SO, änderung systembedingt ausgeschlossen .
            WIR verbauen uns selbst den weg!

            mit den linken kann man nichts machen weil ist ja ddr nachfolgepartei. das unsere kanzlerin in genau diesem system eine beachtliche karriere hingelegt hat, die nicht möglich gewesen wäre ohne systemtreue —-> interesiert nicht.
            dito unser ehemaliger bundespräsident. keine ahnung wie man diesen knoten im eigenen hirn bei der wahlurne verarbeiten kann.

            mit der afd kann man nicht reden, egal ob sie zb dafür steht:

            – bankenrettung ist scheiße, hat ja nicht eine WELTWIRTSCHAFTSKRISE verursacht.
            – keine privatisierung des trinkwassers
            – usw usw usw

            man kann mit denen einfach nicht reden wegen IDEOLOGIE, und damit schön weitermachen (unbewußt) in dem spiel wir gegen uns selbst ohne zu beachten, daßdaß eigentliche spiel heißt:
            wir gegen die da oben.

            dieser ganze ideologische scheiß hält uns nach meiner meinung davon ab,überhaupt mal damit ANZUFANGEN, ernsthaft über probleme nachzudenken. dazu kommt noch die individuele gier, das wunschdenken, “die da oben richten es schon”, ohne sich klar zu werden, was man selbst mit seinem konsumverhalten zu diesem ganzen scheiß beiträgt usw. aber das ist ist ein anderes thema.

          • daß selbst intelligente leute wie du, der du ja nun wirklich in vielen bereichen hinter den tellerrand geblickt hast, sich nicht bewußt sind, wie sehr sie sich in ihrem eigenem narrativ bewegen.

            Ähmmm…besten Dank. Und: Doch, ich bin mir durchaus bewußt, daß ich mich selbst innerhalb von Narrativen bewege.

            Ich weise darauf hin, daß gerade die politischen Artikel sich innerhalb dieser Dinge bewegen müssen. Ansonsten müßte ich nämlich die Schultern zucken und diese Artikel gar nicht erst schreiben. Denn Politik wird nichts ändern an dem, was auf uns zukommt.
            Ich weise darauf hin, daß diese Erkenntnis gegen das allgemeine Narrativ verstößt 😉
            Ich will diese Artikel aber schreiben, weil ich mich dabei so herrlich meditativ aufregen kann. Ich brauche das! 😀
            Take it with a grain of salt.

  4. ps:
    habe mir eben nochmal meinen kommentar durchgelesen und der kommt aggresiv rüber.
    ist nicht so gemeint. ich mag diesn blog!
    ich habe hier eine menge sachen dazu gelernt, von denen ich nicht annähernd einen schimmer hatte.
    hast recht!
    alles was ich sagen wollte ist: vielleicht ist es anderum genauso.

    lass es dir gut gehen!

  5. psps:
    du schreibst, wir brauchen eine andere politik.
    die quintessens aus dem was ich mir hier im rahmen meiner möglichkeiten rüberbringen möchte ist:

    die politik ist nur ein spiegel dessen, was in der gesellschaft los ist. seit 1945: cdu cdu cdu spd cdu spd spd cdu cdu cdu spd oder so ähnlich.

    die politik ist NICHT das problem. die politik spiegelt genau das wieder, was die mehrheit in diesem land will. es gab mal einen umstand, wo ein politiker glassklar gesagt hat: “wenn wir das so machen, passiert dies und das und das ist nicht gut”

    resultat: oskar lafontain hat das niedrigste wahlergebnis damals seit bestehen der spd eingefahren.

    WIR sind das problem, nicht die politiker. der weihnachtsmann soll uns weiter besuchen, fuck u reality.

    • die politik ist NICHT das problem. die politik spiegelt genau das wieder, was die mehrheit in diesem land will.

      Das bestreite ich keinesfalls.
      Wobei das mit dem “Wollen” noch eine näher zu beleuchtende Frage wäre. Denn gerade die als “bürgerliche Mitte” verortete Menge will eigentlich gar nichts. Die wollen ein Morgen, das so ist wie heute. Immer. Das steht aber eigentlich gar nicht zur Auswahl.
      Wie du schon sagst: Der Weihnachtsmann muß uns weiter besuchen. Und er muß exakt die Geschenke dabei haben, die wir erwartet haben.

  6. pspsps:
    ein weiteres narrativ ist, zeitalter der kommunikation läßt grüßen: solange wir nur über alles reden, wird alles gut.
    wir tauschen uns aus und es wird alles gut.
    scheiße ist: taten sind angesagt!
    erzähl das mal dieser gesellschaft und dann weißt du, daß alles gut gemeinte schreiben nichts nützt. ich BIN der meinung, daß wir theoretisch das ruder noch rumreißen könnten, wir stecken aber schon so tief in der verbraucherscheiße, daß wir uns eine andere realität a ka narrativ nicht mehr vorstellen können.

    von daher: popcorn holen, zugucken, wir sind um die 50, was solls? 🙂

  7. ALLGEMEINER TIP: KOMMENTARE MIT MEHR ALS ZWEI LINKS WERDEN GENERELL VOM SPAMFILTER ZURÜCKGEHALTEN.

    Bitte nach Möglichkeit einen Verweis mit HTML-Referenz einbauen. Das sieht dann so aus:
    < a href=" MEIN LINK " > der Text, den andere dann lesen können < /a >

    Die Leerzeichen natürlich rausnehmen 😉

    Und noch eine Bitte: Kommentieren ist gut. Dabei ein Like unter dem Text hinterlassen wäre sehr freundlich 🙂

    42!

    Kassandra

  8. ps:
    ich stehe dazu: DIE MASSE IST DOOF. damit will ich meine mitmenschen nicht abwerten, ich BIN priviliert, indem ich eine höhere schulausbidung abgeschlossen habe( bilde ich mir nullkommanull druf ein, aber es gab sehr geie gedankenanstöße) mich selbstständig gemacht habe als physiotherapeut, anfangs weniger (kaum) patienten hatte –> ZEIT mich mich “irgendwelchen” dingen zu beschäftigen –> habe die rote pille entdeckt!
    kann ich von anderen nicht erwarten!
    —> von denen kommt keine änderung!
    die hoffnung auf änderung sinkt auf unter null, wenn selbst leute wie du auf die allgemeine mediaschiene reinfallen.

    vortrag professor mausfeld: das ganze ist endgenial induziert.

    • die hoffnung auf änderung sinkt auf unter null, wenn selbst leute wie du auf die allgemeine mediaschiene reinfallen.

      Tue ich das?

      Nach meiner Hypothese muß man übrigens nicht alle Menschen von irgendwas überzeugen. Erstens wird man damit nicht fertig und zweitens erschießt man die vorher alle, weil sie so dämlich sind. Oder sich selber. Das ist kontraproduktiv.
      Man muß die richtige Menge richtiger Menschen überzeugen. Und das Narrativ verändern 😉

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