Folgt der Flasche!

„Ich sage, du bist der Messias, Herr. Und ich muß es wissen, ich bin schon einigen gefolgt!”
Petrus

Menschen glauben oft seltsame Dinge, um ihr erbärmliches Selbst zu erhöhen und sind dann sauer, wenn die Realtität nicht mitspielt.
Manchmal treibt die Realität seltsame Blüten. Kaum schreibt man als Blogger mal einen Artikel über Comicwelten, der den stark steigenden Kontaktverlust zwischen Politik, Politikern und den Regierten beschreibt, sowie den der ganzen Bevölkerung der Industriestaaten mit überhaupt so ziemlich allem, was man wissenschaftlich gesichert als „Realität” bezeichnen kann, geben sich eben diese Personenkreise alle Mühe, das Geschriebene rundheraus zu bestätigen. Oder sogar noch zu überbieten, auch wenn das dem Schreiber in seiner Bambushütte am Rande der Gesellschaft nur schwer vorstellbar erscheint.

Am Ende glaubt eine Regierung in London dann, sie könne zwischen Irland (Republik) und Irland (Norden) keine Zollgrenze haben, weil sie das ja versprochen hatte. Den Iren. Also, allen Iren. Das steht im “Good Friday-Agreement”, also im Karfreitagsabkommen. Dieses Abkommen wird dieser Tage – übernächste Woche, um genau zu sein – zwanzig Jahre alt und hat seit damals der Bürgerkriegsregion Nordirland endlich zu einem stabilen Frieden verholfen.
Außerdem verkündet eine solche Regierung dann auch mal, sie werde aus dem EU-Binnenmarkt austreten und aus der Zollunion. Natürlich verkündet sie das, nachdem diese Sache mit der irischen Grenze geregelt wurde.
Doch der Austritt sei unbedingt notwendig, sagen die Regierungschefin und ihr Handelsminister. Um hinterher neue Handdelsverträge mit „aufstrebenden Wirtschaftsmächten” wie China abzuschließen.
Dann verkündet sie gerne, man werde in einigen Teilen der Wirtschaft EU-Regeln anwenden. In anderen aber nicht. Ach ja – auch das mit dem Binnenmarkt möchte man natürlich nicht so streng gemeint haben, denn die Regierung hätte gerne für ihr Land dieselben Regeln, die beispielsweise Norwegen genießt.
Das Norwegen dafür mehr als ein Jahrzehnt verhandelt hat und mit deutlich über 80 Prozent Quote das europäische Land ist, das die meisten EU-Regularien in lokale Gesetze gegossen hat, ignoriert die britische Regierung dabei einfach mal. Ye olde England kriegt all diese bestellten Rosinen selbstverständlich sofort, denn die Norweger – well, they’re not british, are they?
Gleichzeitig fallen irgendwelche Verwaltungsdinge in Sachen Fischerei und Landwirtschaft von der EU wieder zurück an London. Denkt London. Schottland und Wales sehen das anders, denn solche Sachen oblagen früher den Regionalparlamenten. Bevor die EU die Inseln eroberte, wir erinnern uns.

Inzwischen hat die EU den irren Insulaner ja auch tatsächlich eine Übergangszeit nach dem März 2019 gewährt, an dem der Brexit wirksam wird. Was wie ferne Zukunft klingt ist exakt heute in einem Jahr.
Die „Übergangszeit”, die nichts weiter ist als eine Verlängerung der Verhandlungsfristen, geht dann bis Ende 2020. Die Norweger können dagegen nichts tun, denn sie sind ja kein EU-Vollmitglied. Trotzdem frage ich mich, warum man hofft, in Sachen Handelsbeziehungen in dieser Zeit mehr gebacken zu kriegen als bisher. Und bisher kommt aus London nur hanebüchender Unsinn. Und falls alles so bleibt wie es war, aber danach alles anders sein soll – warum zur Hölle gab es dann ein Referendum?
Ich bin extrem gespannt, wie sich der chinesische Drache vor der Handelsmacht Großbritanniens ducken wird, um dann vorteilhafte Verträge für die Briten abzuschließen. Die chinesischen Rikscha-Fahrer könnten ja Tee liefern oder so.
Ich bin mir nicht sicher, welche Art Wahnsinn die britische Regierung in den letzten Monaten befallen hat, aber er ist in gewisser Weise lustig anzuschauen. Immerhin leben auf den britischen Inseln um die 65 Millionen Großbriten. Damit kommt also Theresa May etwa auf die Verhandlungshöhe eines regionalen Gouverneurs in China. Oder des Bürgermeisters von Chongqing. Beim Warten auf den Staatspräsidenten darf sie dann vermutlich eine Nummer ziehen.

Chinas Regierung, unter Leitung des Präsidenten Xi Jinping, was übersetzt bedeutet „Der unendlich Verlängerte”, plant aktuell, seine Hauptstadt Beijing mit zwei angrenzenden Verwaltungseinheiten zu verschmelzen, um so auch Funktionen der Regierung woanders hin zu verlagern.
Bereits 2015 mit dem Namen Jing-Jin-Ji angekündigt, scheint dieser Plan der Verschmelzung der Regionen Peking,Tianjin und Hebei jetzt Fahrt aufzunehmen. Man hat mal eben 34 Milliarden Euro lockergemacht, nur um diverse Schienenwege zu bauen. Denn natürlich muß diese Region vernetzt sein wie nur irgendwas. Insgesamt geht es um ein Gebiet von der doppelten Größe Bayerns, das dann etwa 130 Millionen Einwohner hätte. Das ist dann zweimal Großbritannien.
Da wird die Premierministerin Großbritanniens vermutlich eine Nummer ziehen müssen, um eine Nummer ziehen zu dürfen, bevor ihre lächelnden chinesischen Geschäftspartner ihr dann Teelieferungsverträge in die Feder diktieren werden, die mit der gefühlten Realität in Londons Regierungsfluren wenig gemeinsam haben dürften.

Probleme, die durch komplexe Größe entstehen, werden in Zukunft durch noch komplexere Übergröße gelöst werden. Welche Art Wahnsinn ist das eigentlich?

Gleichzeitig leidet auch die chinesische Regierung damit nicht weniger unter Syndromen, die auf starken Kontaktmangel mit der Realität hindeuten. Das Ziel in der neuen Großregion soll eine einstündige Reisedauer sein von A nach B. Von jedem A zu jedem B, wohlgemerkt. In der Zeit kommt man in Deutschland nicht mal von München nach Nürnberg. Warum sagt eine Regierung so etwas?
Eventuell könnte es daran liegen, daß die Bewohner des Speckgürtels um Peking, also der Schlafstädte, im Moment etwa fünf bis sechs Stunden benötigen, um ihre Pendelei abzuwickeln.
Im Grunde könnte man die Schlafstädte um Peking abreißen, denn deren Mieter wohnen ohnehin im Auto. Obwohl chinesische Autos Abgasvorgaben einhalten, von denen amerikanische Hersteller noch immer behaupten, sie seien unmöglich umzusetzen, ist der Feinstaubwert in Peking Gerüchten zufolge etwas höher als in der Sahara beim Sandsturm. Andere Gerüchte besagen, daß VW den Chinesen da eine Software angeboten habe, um das zu regeln.
In der wirklich wahren Realität bedeuten „Pendelzeiten” von sechs Stunden den Zusammenbruch des lokalen Verkehrsflusses. Einen permanenten Stau von diversen zig tausend Kilometern Länge. Und vor allem bedeutet es eine ökologische Katastrophe gepaart mit ungeheuren Verlusten für die Volkswirtschaft. Denn wer erschöpft im Auto erstickt, arbeitet schlecht bis gar nicht, um die Ziele der Kommunistischen Partei zu erreichen.
Wenigstens möchte die chinesische KP diese ganze metropolistische Monstrosität dann energetisch sauber antreiben, weswegen China derartig viele Windfarmen und Solaranlagen installiert wie kein anderes Land der Welt. Die Parteibonzen tun das nicht aus Liebe zur Umwelt. Sie haben schlicht erkannt, daß eine Gesellschaft ohne Energie keine ist, der man das Wachstum ihres Wohlstands auch nur vortäuschen kann. Und wenn die Fassade der Täuschung erst einmal zusammenbricht, dann ist es vorbei. Manchmal treffen Menschen die richtige Entscheidung aus den falschen Beweggründen. Allerdings ist das „richtig” auch hier mit sehr großer Skepsis zu betrachten, denn dummerweise werden wir auf diesem Planeten so etwas wie die aktuelle Zivilisation niemals mit regenerativen Energien betreiben können.

Aktuell erschafft Chinas Regierung ein digitales Punktesystem für seine gesamte Bevölkerung. Gutes Verhalten gibt Pluspunkte, schlechtes Minuspunkte. Dieses Prinzip ist jedem Computerspieler vertraut und nennt sich deswegen auch “Gamification”.
Ich hatte das schon einmal hier und hier erwähnt. Interessanterweise einmal im Zusammenhang mit der Beeinflussung von Wahlen, im anderen im Zusammenhang mit den Problemen, die das Leben in immer größeren Städten so mit sich bringt oder bringen wird. Irgendwie scheint beides gerade wahnsinnig aktuell zu sein.
Das Dumme an Chinas Punktesystem ist, daß man von Regierungsseite zur Teilnahme gezwungen wird. Außerdem legt diese Regierung auch die Spielregeln fest, entscheidet also, was jetzt Gut und was Böse sein soll und mit entsprechenden Punktenbelegt wird.
Anders gesagt plant Chinas Regierung nichts weiter als die Einrichtung der ersten digital gesteuerten Diktatur des Planeten. Oder der zweiten, wenn wir den globalisierten Kapitalismus ebenfalls unter diesen Punkt subsumieren wollen.
Goebbels, die Stasi, die NSA, das britische GCHQ und Horst Seehofer kriegen allesamt Freudentränen in die Augen, wenn sie solche Nachrichten lesen.
Bald schon wird man uns dazu überreden wollen, noch mehr zu werden wie die Chinesen. Natürlich nur zu unserer Sicherheit, versteht sich. Denn wenn alle konform denken, sind alle sicher.
Um die Probleme zunehmender Komplexität in den Griff zu kriegen, werden wir also noch komplexer. Nicht kleinere Städte, noch größere Städte sind die Lösung für die Probleme, die in Megalopolen so anstehen. Und wenn Jeder jeden mit seinen Likes und Dislikes überwacht, sind wir alle frei, uns zu entfalten. Ich rate zur Skepsis bei solchen Aussagen.

In den USA ist Skepsis schon längst nicht mehr angebracht. Der Begriff „depressive Verzweiflung” beschreibt das Gefühl beim Betrachten des Geisteszustands dieser Nation schon viel eher.
Gerade erst hat das geistig stabile Genie seinen Außenminister entlassen. Per Twitter, was in der politischen Welt bisher auch noch nicht dagewesen ist. Dann stellt er den Chef des FBI als solchen ein. Wobei ja schon Rex Tillerson, bevor er dann Ex Tillerson wurde, nicht unbedingt der Supermann in diesem Ressort war. Der ehemalige Chef eines Öl-Multis ist nicht unbedingt einer, dem ich diplomatisches Fingerspitzengefühl zutrauen würde.
Dann warf Trump seinen Sicherheitsberater raus. Jetzt kann man von einem Kerl wie Herbert Raymond McMaster halten, was man will. Aber der Typ war Drei-Sterne-General und als solcher zumindest halbwegs in der Lage, korrekt einzuschätzen, was modernes Kriegswerkzeug so anrichten kann und was nicht. Zumindest gehe ich bei einem Militär davon aus.
Der neue Mann, John Bolton, ist exakt der Typ, dem ich persönlich wünsche, daß am Elite-College seiner Nachkommen mal ein ordentlicher Amoklauf stattfindet, damit er mal eine Ahnung davon bekommt, was Krieg so anrichten kann. Ein Arschloch vor dem Herrn, ein hirnverbrannter Kriegstreiber, wird also in Zukunft das geistig stabile Genie beraten, wenn es darum geht, ob die USA irgendwo Waffen einsetzen oder nicht.

Ich erwische mich neuerdings immer dabei, mir zu wünschen, daß unserer Zivilisation möglichst bald der Saft ausgehen möge. Denn dann ist das Militär der USA exakt dasselbe wie in den meisten anderen Staaten auch: Ein überteuerter Briefbeschwerer. Obwohl ich Donald Trump zutraue, das US-Militär notfalls mit Kohle betreiben zu wollen. Hey, schließlich hat man früher ja auch Kohle in den Zerstörern benutzt. Rule, Britannia…
Außerdem ist Kohle ja sauber, sagt Trump. Noch eine von diesen vielen wundervollen Technologien, die uns alle retten werden. Beziehungsweise den Lebensstil unserer Zivilisation.
Oder auch nicht, wie sich neulich erst wieder herausgestellt hat. Ganz abgesehen davon, daß sich die Kohleindustrie in den USA bisher standhaft geweigert hat, sich von den Freigaben des Präsidenten zur weiteren Umweltverwüstung auf einen neuen Wachstumskurs bringen zu lassen, scheint Kohle irgendwie doch nicht wirklich sauber zu sein.
Leider sind Berichte darüber länger als 280 Zeichen bei Twitter, sie erscheinen nicht auf Fox “News” und  auch der Name des Präsidenten kommt nicht besonders häufig vor. Also findet das in der präsidialen Realität nicht statt.

Bild 1: Clean Coal, wohin das Auge blickt
Die verwüstete Landschaft ist sauber. Aus den Schloten im Hintergrund kommt Feenstaub. Und sollte die Kohle mal erschöpft sein, was natürlich nicht passieren kann, dann machen wir alles wieder schön grün. Versprochen!

In der realen Realität hat das Vorzeigeprojekt der angeblichen “clean coal” sich inzwischen als das herausgestellt, für das Kassandra es schon immer gehalten hat: wissenschaftlich unhaltbarer Blödsinn und Betrug.
Im US-Bundesstaat Mississipi liegt Kemper County, und hier sollte der Welt erstes Großkraftwerk entstehen, das mit sauberer Kohle betrieben wird. Deswegen hat das Management auch damals verkündet, man werde mit Lignit arbeiten.
Lignit kennen wir Deutschen gut, das ist nämlich der wissenschaftliche Name für Braunkohle. Also so ziemlich das mieseste an fossilem Stoff, was man verbrennen kann. Deshalb hat Braunkohle einen entscheidenden Vorteil. Sie ist spottbillig. Ein Lastwagen voll von dem feuchten Torf würde das ganze Jahr für Vollbäder reichen, dürfte man es in privaten Essen verbrennen. Was aber bei Strafe verboten ist, weil Braunkohle so ein mieser Umweltverseucher ist und außerdem viel zu wenig Energie pro Tonne enthält.
Außer, es wird vom Staat weggebaggert, versteht sich. Denn ohne staatliche Subventionen direkter oder indirekter Sorte wäre diese Art Bergbau längst unrentabel. Mit staatlichen Subventionen verbrennt Deutschlands Klimakanzlerin davon 190 Millionen Tonnen jährlich.

Die Manager der Kemper County Energy Facility, so der offizielle Name, wollten also billigste Kohle nutzen, um daraus saubere Energie zu erzeugen. Muß man auch, denn andere Kohle ist auch in Amerika kaum noch vorhanden. Was daran liegt, daß die menschliche Zivilisation das andere Zeug schon verbrannt hat.
Und billig sein muß es schon deshalb, weil man sonst niemals irgendwelche Zahlen zurechtpfuschen kann, die so aussehen, als würde dieses Kraftwerk jemals Gewinn einbringen. Aktuell sind die Kosten für den Bau des Superkraftwerks auf etwa 7,5 Milliarden Dollar gestiegen.
Ich weise darauf hin, daß dieses Ding in einer Region mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit gebaut werden sollte, im amerikanischen Armenhaus, denn Mississippi hat das niedrigste Durchschnittseinkommen aller Bundesstaaten. Außerdem wurde es angepriesen als das „vermutlich größte Projekt in der Geschichte des Landes”.
Außerdem konnte die Firma dadurch Geld verdienen, daß sie Geld ausgibt, weil man in diversen US-Staaten offenbar einen virtuellen Prozentsatz von Baukosten als Gewinn garantiert bekommt. Und zwar, während das Projekt noch gebaut wird, nicht erst hinterher. Diese praktische Gesetzgebung stammt nicht von Donald Trump, sondern seinem Vorgänger George II. aus Texas.
Insgesamt ist dieses Machwerk aus Lügen und Betrug ein wundervolles Beispiel für Energieprojekte im großen Maßstab.

Bevor sich jetzt irgendwer über Chinas Überwachungsdiktatur oder Kriegstreiber im Außenministerium der USA aufregt: der deutsche Außenminister ist Heiko Maas. Falls jemand lachen möchte über saubere Kohlekraftwerke, die niemals sauber sind oder Strom liefern werden: wir haben den BER in Deutschland.
Schon vor Jahren hatte die einzig wahre Wahrheitspresse vorgeschlagen, wie man dieses Projekt doch noch zum Erfolg führen könnte.
Dieser Einschätzung schließen sich jetzt auch die ersten Experten an, in diesem Falle der Chefsklavenhalter der Lufthansa, Thorsten Diercks, zuständig für die Billigflugtochter der exklusiven Kranichlinie.
Aber natürlich werden die Umstände das Bundesland Berlin nicht davon abhalten, weiterhin fleißig Milliarden in diesem Bauprojekt zu versenken. Denn wenn man jetzt aufhört, hätte man ja versagt, und das kann keiner zugeben.
Ich hatte mal irgendwo das Phänomen erwähnt, daß Menschen, die angeblich Verantwortung tragen und die große Projekte leiten, daran hindert, einfach mal rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn Kosten aus dem Ruder laufen.
Ich glaube, es hatte was mit Psychologie zu tun.
Das Bundesland Berlin hat unfaßbar hohe Schulden. Außerdem eine Arbeitslosigkeit, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.
Und hat sich eigentlich mal jemand gefragt, mit welchen großzügigen Zahlungen ein Konzern wie die Lufthansa einen Flughafenbau unterstützt, der ja schließlich durchgeführt wird, um noch mehr Flugzeuge über die Köpfe von Stadtbewohnern donnern lassen zu können?

Wir sollten nicht über Realitätsverlust in anderen Ländern lachen. Besser nicht.

Das Äquivalent zu Donald Trumps “wonderful clean coal”, die schlicht und einfach nicht existiert und auch niemals existieren wird, ist in Deutschland der „clean Diesel”, der so wunderbar sauber ist, daß man damit automatisch für das Wachstum von Gänseblümchen und Rosen auf dem Asphalt sorgt, wenn man das drei Tonnen schwere Privatpanzerchen nur oft genug um den Block fährt, auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz in Wohnungsnähe. Denn normale Parkplätze sind für die lächerlichen SUV-Monstrositäten zu klein.
Clean Diesel existieren nicht. Haben sie niemals. Werden sie niemals. Simple Geschichte eigentlich.
Da kann der Staat oder die grenzdebile EU-Kommission unter Jean-Claude “Don Corrupto” Juncker auch noch die EU-7 oder die EU-12-Norm für Autos beschließen. Das geht der Realität am Arsch vorbei. Diese Normen existieren auch nur deshalb noch nicht, weil deutsche Regierungspolitik das seit Jahren zu verhindern weiß. Ich nehme an, daß die hochbezahlten Vorstände von VW von ihren Ingenieuren den Hinweis bekommen haben, daß dafür erforderliche Softwareupdate sei noch nicht verfügbar.

In einem klaren Fall von absoluten Realitätsverlust hat Matthias Wissman auch schon vorgeschlagen, Städte könnten ja einfach eine Grüne Welle schalten, um die Feinstaubbelastungen in Innenstädten erfolgreich zu reduzieren. Dieser Mann war übrigens deutscher Verkehrsminister im letzten Kabinett Kohl und ist jetzt Präsident des VDA und somit Cheflobbyist der deutschen Autoindustrie in ganz Europa. Wie derartige Leute immer wieder Gehör finden mit ihren geradezu grotesken Versuchen, jeglichen Schaden von Industrien abzuwenden, die für gesellschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verantwortlich sind, ist von keiner Satire mehr zu überbieten. Die Realitär spricht für sich.
Keinesfalls also stehen solche Dinge wie Feinstaub und Lärm mit der Anzahl an sozialdarwinistischen Hausfrauenpanzern in Zusammenhang. Oder normalen Mittelklassefahrzeugen, die heute noch exakt so viel Sprit verbrauchen wie vor dreißig Jahren, weil sie in der Zeit lockere 50 Prozent an Gewicht zugelegt haben. Gut, das habe ich persönlich auch hinbekommen.
Aber erstens war das lecker und zweitens habe ich es hingekriegt, dieses unerwünschte Gewicht auch wieder abzulegen, zum größten Teil jedenfalls. Vorwiegend erreicht wurde dieses Ziel übrigens durch deutliche Verbrauchsreduktion aller möglichen Ressourcen. Da bin ich deutschen Autobauern um einiges voraus.

Aber auch hier ist das Problem des Realitätsverlustes nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Denn warum eigentlich schießen alle auf den elenden Selbstzünder? Was ist mit den immerhin auch nicht ganz unzahlreich vorhandenen Benzinmotoren? Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß ein großer Teil aller Autobesitzer in Deutschland – also alle außer Herrn Krawutke oben rechts in der Straße, Ommma Meiering unten in der Hauptstraße, dem Hund meines Hausarztes und mir selbst – sich täglich mindestens dreißig Minuten am eigenen Auspuff beatmet, um das eigentliche Problem so deutlich zu ignorieren.

Ich wiederhole es also gerne noch einmal: Wir haben einfach zu viele verdammte Autos auf der Straße in diesem Land. Auf allen Straßen. Nicht nur in den Innenstädten. Die Gesamtanzahl an Fahrzeugen nimmt auch nicht dadurch ab, daß man Straßen breiter macht und Autobahnen zwölfspurig, wie es die Politik seit mehreren Jahrzehnten immer wieder gerne versucht hat.
Genauso wie Amerikaner, die Donald Trump für schlau halten oder Chinesen, die ihren jetzt vermutlich lebenslang herrschenden Parteichef beim Aufbau der Neuen Seidenstraße helfen möchten, indem sie dem Land alles an Sonnen- und Windenergie verschaffen, was sie nur finden können – genau so also versucht deutsche Politik seit mindestens fünfzig Jahren, sich aus dem Dilemma des eigenen Versagens einfach herauszubauen.
Gerade eben wird bei mir um die Ecke eine Hauptstraße in die Innenstadt neu asphaltiert. Schon wieder. Das dritte Mal in drei Jahren. Diesmal gründlich, anstatt nur Flickwerk zu betreiben. Hat bestimmt ein paar Hundertausend gekostet. Gleichzeitig verkündet das lokale Käseblatt stolz den Bau eines neuen Parkhauses in der Innenstadt. Die Baumaschinen parken derweil auf meinem Radweg. Der wird nicht neu gemacht, der wird hinterher wieder zusammengeflickt, was die Strecke nicht gerade ebener macht. Man muß nicht immer auf den BER schauen, um gesellschaftlichen Schwachsinn zu finden.

Bild 2: Beijing-Daxing New International Airport
Gebaut nach dem Modell des deutschen BER und von chinesischen Ingenieuren leicht modernisiert, soll dieser Flughafen 2019 bereits der größte der Welt sein. Dabei hat man erst letzte Woche angefangen zu bauen. Trotz dieser grundlegenden Unterschiede ist aber auch dieses Projekt wenig zukunftsweisend.
via Wikimedia Commons, Von N509FZ – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

In fröhlicher Ignoranz der eigenen Vollidiotie wird versucht, die Probleme, die durch exzessive Nutzung falscher Technologien entstanden sind, durch die Applikation von noch mehr Technologie wieder in den Griff zu bekommen.
Kein einziger Politiker weltweit hat jemals versucht, den Verkehrsinfarkt zu bekämpfen, indem er die Parole ausgab: „Weniger Fahrzeuge!”
Möglich wäre auch gewesen, das Motto in Stufe Zwei zu verkünden: „Weniger Fahrzeuge, die aber mehr Menschen transportieren können!”

Stattdessen freut sich der Deutsche auf seinen ersehnten Feierabend, nachdem er den üblichen 45minütigen Stau und Stop & Go auf seiner Lieblingsautobahn überstanden hat, und genießt derweil die Errungenschaften der High Tech. Die Klimaanlage bläst ihm gereinigte und erwärmte Außenluft zu.
Die übrigens deswegen so schön erwärmt werden kann, weil Verbrennungsmotoren absolut miese Wirkungsgrade aufweisen. Das erzeugt viel Abwärme. Auch das Filtern hat nichts mit Abgasen zu tun. Nein, es sind diese bösen Allergiepollen, die ja heute so furchtbar sind.
Seltsam. In meiner ganzen Schulkarriere hatten zwei Mitschüler Last mit Heuschnupfen. Von der Grundschule bis zum Abi. Die Autobahn ist auch deswegen mal wieder nur einspurig, weil gerade nebendran noch zwei weitere Spuren gebaut werden. Wegen des vielen Verkehrs. Aber das macht alles nichts.

Während Malte-Torben, gerade aus der organischen Ganztageskasernierung abgeholt, sich hinten auf den in die Kopfstützen integrierten LED-Bildschirmen die Pornos anssieht, die seine gerade erst der juristischen Minderjährigkeit entwachsene Schwester mit ihrem neuen Flaggschiff-Smartphone auf Youtube gepostet hat, läßt sich Mami vorne auf dem Fahrersitz von der Quadrophon-Surround-Sound-Anlage dezent vom Gewinsel Helene Fischers die Haare fönen.
Und wenn man von der Autobahn endlich runter ist, geht es noch schnell zum integrativen Biomarkt. Ökologisches Verantwortungbewußtsein hat eben seinen Preis, da müssen wir alle Opfer bringen. Nur eben nicht bei uns.


Das Titelbild stammt natürlich, unschwer zu erkennen, aus dieser Szene in „Das Leben des Brian”. Kassandra wünscht einen frohen Heiligen Hasen 😀

6 Gedanken zu „Folgt der Flasche!

  1. Ich wünsche frohe Ostern. Wieder mal ein sehr guter Text , der die elenden Widersprüchlichkeiten unserer Gesellschaften auf den Punkt bringt.

    • Das eigentliche Elend liegt darin, daß maßgebliche Personenkreise an den Widersprüchlichkeiten festhalten.
      Weiterhin einen frohen Heiligen Hasen, beschauliche Feiertagsruhe und perfektes Frühstücksei wünscht

      Kassandra

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