Die Schultern von Riesen

Das wohl größte Problem der Kommunikation ist die Illusion, daß sie tatsächlich stattgefunden hätte.

George Bernard Shaw

Der Mann, mit dem diese Geschichte beginnt, hat niemals eine Schule in unserem Sinne besucht. Er ist der Sohn eines Apothekers und wird zu einer Zeit geboren, in der so etwas wie eine Schulpflicht noch in der Zukunft seines Landes wartet, daher wird er von Hauslehrern unterrichtet oder wer eben damals so für diese Tätigkeit herhalten mußte.
Trotzdem beginnt er, sich mit etwa zwölf Jahren für wissenschaftliche Dinge zu interessieren. Oder vielleicht auch gerade deshalb.
Mit gerade einmal sechzehn bewältigt er die Aufnahmeprüfung zur Universität, mit zweiundzwanzig wird er Doktor der Naturwissenschaften. Er heiratet spät, erst mit Mitte dreißig. Als er bereits Ende fünfzig ist, ermutigt er einen achtundzwanzig Jahre jüngeren guten Freund, seine schriftstellerischen Ambitionen auch zu veröffentlichen und unterstützt ihn hierbei nach Kräften.
Der Schriftsteller ist Hans Christian Andersen, seine “Märchen, für Kinder erzählt” machen ihn berühmt und verwandeln ihn in eine Meerjungfrau, die heute noch im Hafen Kopenhagens zu bewundern ist.

Erstaunlicherweise ist auch der andere Mann kein Grieche, wie sie ja schon öfter von mir erwähnt wurden, sondern, wie Andersen auch, ein Däne, also Angehöriger eines Volkes, das dem O immer einen Strich durch die Rechnung macht. Sein Name ist Hans Christian Ørsted und der ist heute ein eigener kleiner Park in der dänischen Hauptstadt.
Ørsted beobachtete während einer Vorlesung im Jahre 1820, wie eine Kompaßnadel von einem Draht abgelenkt wurde, durch den gerade ein Strom floß. Mit seinem im wahrsten Sinne des Wortes ungeschulten, aber eben sehr neugierigem Verstand runzelte der Herr Anfang Vierzig die Stirn und sagte sich vermutlich, dies sei ja wohl etwas seltsam. Aber das Ereignis ließ sich reproduzieren. Strom durch Draht ergab Ablenkung des Kompasses. Kein Stromfluß ergab einen langweiligen Kompaß, der bekanntlich stets nach Norden weist auf unserem Planeten. Jedenfalls halbwegs, aber dazu später.
Was Ørsted da entdeckt hatte, war das Prinzip des Elektromagnetismus. Ein Strom, der einen Leiter durchfließt, erzeugt ein Magnetfeld. Er war nicht der erste, dem das aufgefallen war, aber er war der erste, der seine Erkenntnisse veröffentlichte und damit auch Gehör fand. So ist das eben, wenn man schon ein bißchen bekannter ist und auf die Publikationsmöglichkeiten der etablierten Wissenschaften zurückgreifen kann. Diese Entdeckung sollte noch eine Menge Aufregung verursachen. Im Grunde genommen hat sie die Welt verändert. Weiterlesen

Ein Griff in die Geschichte

,,Wir sind nicht die, die Geschichte machen.

Geschichte macht uns.”
Martin Luther King

Korea. 1950.
Der zweite Weltkrieg ist gerade 5 Jahre Vergangenheit. Erbe dieser Vergangenheit ist eine koreanische Halbinsel, die geteilt ist. Der Norden ist besetzt von der UdSSR, der Süden von den USA. Denn vorher war Korea von Japan besetzt, bis zwei Atomwaffen über zwei Städten detonierten und so den 2. Weltkrieg auch im Pazifik beendeten.
Ursprünglich hatten sich die Besatzungsmächte auf ein einiges Korea verständigt.
Doch der unmittelbar nach Kriegsende in Europa einsetzende Spannungszustand, der später ,,Kalter Krieg” getauft werden wird, macht aus der provisorischen Grenze zweier Verwaltungszonen eine Demarkationslinie zwischen Osten und Westen, zwischen Stalin und Truman, zwischen Sowjetunion und USA.
Der Konflikt bleibt nicht lange kalt.
Im Juni 1950 marschieren nordkoreanische Einheiten über den 38. Breitengrad nach Süden und erobern binnen kurzer Zeit fast die gesamte Halbinsel. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt den Angriff und gibt nur wenig später grünes Licht für eine entsprechende UN-Mission.

Damals hieß das nicht etwa, irgendwo für die Fernsehkameras Reissäcke abzuwerfen, sondern mit Bomben und Granaten irgendwem einzuheizen.
Das wiederum besorgten erst mal die Armee Südkoreas und die Amerikaner, die dann tatsächlich das Blatt wenden konnten.
Nach einigen Wochen verzweifelten Abwehrkampfes um den letzten noch verbliebenen Zipfel Südkoreas gelang den Amerikanern tatsächlich der Befreiungsschlag  in Form einer Landung im Rücken der siegessicheren Nordkoreaner.
Wie in einem Hollywoodstreifen mit der üblichen Rettung in letzter Sekunde eroberten die Armeen des Südens so ziemlich alles zurück,  was vorher verlorengegangen war. Aber das war dem Befehlshaber der amerikanischen Truppen nicht genug. Weiterlesen