Narrenschiff

,,Das ist die Seuche unserer Zeit:
Verrückte führen Blinde.“
William Shakespeare, King Lear

Gerade ging im schweizerischen Davos das aktuelle Weltwirtschaftsforum zu Ende. Wie jedes Jahr trifft sich eine Bande aus Politikern, Wirtschaftstypen, als Intellektuelle titulierte Ja-Sager und natürlich Journalisten in den lauschigen schweizer Bergen, um über die Dinge zu reden, die die Welt so bewegen. Wirtschaftswachstum zum Beispiel oder globale Umwelt- und Wirtschaftspolitik.
Teilnehmer dieses Treffens sind unter anderem natürlich die Chefin des IWF, Madame Lagarde, meistens irgendwelche Vertreter der Weltbank, dann solche persönlichen Vollsympathen wie Wolfgang Schäuble und natürlich der Gründer dieser exklusiven Veranstaltung, ein Mann namens Klaus Schwab, seines Zeichens deutscher Wirtschafts“wissenschaftler“. Er ist auch studierter Maschinenbauer und schleppt einen Master in Public Administration mit sich herum. Er ist für seine Verdienste – immerhin verdienen Ökonomie-Professoren ja nicht schlecht – unter anderem mit dem großen Verdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet worden. Ein ökonomischer Vordenker also, ein Respektmann.

In diesem Jahr ging es unter anderem um solche Dinge wie islamistischen Terrorismus, die sogenannte Flüchtlingskrise und das allgemeine wirtschaftliche Schwächeln der Industrie- und Schwellenländer, wobei die Weltenlenker mit besonders sorgenumwölkter Stirn nach China sehen, wo gerade aktuell mal wieder die Börse abstürzt. Denn das Reich der Mitte gilt offiziell als Schwellenland. Das es trotzdem der Motor der Weltwirtschaft ist, streitet allerdings keiner ab, nicht einmal die Chinesen.
Die in Davos Zusammengekommenen befürchten wohl mehrheitlich, daß die Weltwirtschaft in diesem Jahr nicht wachsen wird und vor allem fürchten sie sich vor sinkenden Aktienkursen oder womöglich dem Platzen größerer Blasen. Ob die jetzt in China liegen oder den USA, weiß keiner so recht, aber man fürchtet sich halt schon mal. Wer diese Blasen erschaffen hat, wird offenbar auch nicht gefragt.
Außerdem fürchten sich die Herrschaften im Club davor, daß diese Sache mit den Flüchtlingen sich womöglich negativ auf die europäische Einigung auswirkt. Ich hätte mich ja allerspätestens mal im letzten Jahr darüber gesorgt, als man Griechenland mit finanziellem Clusterbombing auf die Linie des herrschenden Wirtschaftstotalitarismus zurückgezwungen hat (siehe dazu hier, hier und hier)
Das war nämlich der Moment, in dem Europa gestorben ist, der Tod Europas hatte mit den Flüchtlingen nichts zu tun. Aber vermutlich haben diese Damen und Herren das nicht mitbekommen, die sehen gewisse Dinge ja gerne mal anders als Menschen wie ich.

Woher weiß man das alles eigentlich?
Nun, die Medien haben wie in jedem Jahr das Weltwirtschaftsforum ausführlich begleitet, schließlich gibt es da ebenso „embedded journalism“ wie damals bei den Irak-Kriegen der Amerikaner auch. Da ohnehin diverse Medienmenschen an dieser Veranstaltung teilnehmen, gehe ich mal davon aus, daß die ihre Berichterstatter vorab persönlich bestimmen und dann einfach mal mitbringen. Schnödes Journalistenfußvolk aus der Menge ist hier selbstverständlich nicht zugelassen.
Außerdem weiß man das aus einer Umfrage unter den Managern, die wie jedes Jahr vom durchaus nicht unbekannten Unternehmen PriceWaterhouseCoopers durchgeführt wurde. Die haben also dieses eher negative Stimmungsbild des globalen Managements herausgefunden.
Dieselben Umfragen listen übrigens auch die „geopolitische Unsicherheit“ als Risikofaktor auf und, ganz besonders bemerkenswert, die Überregulierung von Märkten. Wie schön, daß es den Mächtigen der Welt da genauso geht wie mir oder den vielen anderen Millionen Menschen, die da so vor sich hinarbeiten. Diese drückende Last der Überregulierung bei Banken und Finanzwelt läßt mir auch keine Ruhe!
Wie kann man auch nur von Banken verlangen, daß sie womöglich bei ihren Geschäften, die dreistellige Milliardensummen umfassen, eventuell mal bis zu 9% Eigenkapitaldeckung aufweisen müssen. Das wird sicherlich der Grund dafür sein, warum die weltweite Kreditvergabe immer noch so langsam vorankommt wie eine Ameise auf Honig.

Auch der zunehmende „digitale Protektionismus“ weltweit bereitet den Teilnehmern große Sorgen.
Nachdem der Lord des Bösen, Edward Snowden, der Welt mal vor Augen geführt hat, was und wen die großen Geheimdienste so abhören, gibt es doch tatsächlich ganze Länder, die auf ihren Datenschutz achten wollen!

Ziemlich besorgt über die durch neue Datenschutzgesetze und Safe Harbour-Urteil entstehende Fliehkräfte gab sich in einer Diskussionsrunde in Davos Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves. Er sieht einen digitalen Protektionismus im Inneren der Gemeinschaft, aber auch im transatlantischen Verhältnis heraufziehen, […] Ohne grenzenlose Datenströme werde es aber schwer, das Internet der Dinge und die in Davos beschworene vierte industrielle Revolution zu schaffen, […]

Darum machen sich diese Leute Sorgen. Um das Internet der Dinge und die sogenannte Vierte industrielle Revolution. Man hätte auch schreiben können, daß sich der estische Präsident gnadenlos für solche Dinge wie Dauerüberwachung sämtlicher Staatsbürger, Vorratsdatenspeicherung und „Freihandelsverträge“ wie TTIP ausspricht. Das klingt aber halt nicht so positiv. Darum macht man sich lieber Sorgen um etwas.
Unter Auslassung jeglicher Satire kann man wohl davon ausgehen, daß so etwas wie TTIP einfach dazu benutzt werden wird, um jeden Anflug von privatem Datenschutz in Europa und den USA endgültig aus dem Weg zu räumen. Datenschutz gibt es ja schon heute nur dann, wenn ein Bürger was vom Staat wissen will. Oder einem Unternehmen. Könnte ich für jede Datenanfrage eines Werbeunternehmens Gebühren verlangen, wie es deutsche Behörden tun, könnte ich meine Bambushütte am Rand der Gesellschaft vergolden.
Diese „Vierte Industrielle Revolution“, von der Estlands Präsident da redet, ist übrigens ein kleines Buch, das als Kindle-Edition im Vorfeld des Gipfels erschienen ist. Sein Autor ist – ta-da!- der schon erwähnte Herr Schwab, der Gründer und Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums.
Die Teilnehmer des Gipfels haben das Ding übrigens kostenlos bekommen, vermutlich, damit sie ihre persönliche Reisekasse mit den $9,91 nicht überstrapazieren müssen. Jeder andere Mensch muß dieses Geld investieren, wenn er das Werk in seiner ganzen Großartigkeit würdigen möchte. Was ist also diese „Vierte industrielle Revolution“ nach Meinung ihres Autors?
Ich greife ins Einmachglas:

,,It began at the turn of this century and builds on the digital revolution. It is characterized by a much more ubiquitous and mobile internet, by smaller and more powerful sensors that have become cheaper, and by artificial intelligence and machine learning.“ – Klaus Schwab, The Fourth Industrial Revolution, 2016

Aha. Ein allgegenwärtiges, weil mobiles Internet, überall vorhandene Sensorentechnik, da eben diese viel kleiner und billiger sind als früher und obendrauf noch zusätzlich lernende Maschinen und Künstliche Intelligenz.
Mal abgesehen davon, daß es auf diesem Planeten bereits an der Verbreitung natürlicher Intelligenz mangelt, würde eine echte KI vermutlich nach 3,2 Sekunden feststellen, daß eine Menschheit vollkommen überflüssig ist und auf pure Zeitverschwendung hinausläuft. Wäre ich eine KI, käme ich auf jeden Fall zu diesem Schluß. Lernende Maschinen erscheinen mir auch nicht besonders vielversprechend, denn von wem sollten diese Maschinen lernen, wenn nicht von Menschen?
Dieses Konzept betreibt die Menschheit bereits seit einigen hunderttausend Jahren und bringt dabei immer wieder Leute hervor, an deren Lernfähigkeit oder Intelligenz ich persönlich erhebliche Zweifel äußern möchte. Horst Seehofer oder Andreas Scheuer, um nur zwei besonders auffallende Beispiele zu nennen.
Anders gesagt: Lernende Maschinen können allerhöchstens so blöd sein wie die durchschnittliche Menschenmasse bei gewissen Demonstrationen auch. Also, ich persönlich könnte auf diesen Müll verzichten.

Die Elite der Welt trifft sich offensichtlich in Davos, um ihren eigenen Realitätsverlust zu feiern.

Herr Schwab gibt im Weiteren seiner Überzeugung Ausdruck, daß diese vierte industrielle Revolution genauso durchschlagend und von historischer Dimension sein wird wie ihre Vorgänger auch, deren Wirksamkeit bei der Befreiung der Menschheit von der Armut ausdrücklich hervorgehoben wird.
Das finde ich besonders interessant, denn bei sehr vielen Menschen auf diesem Planeten sind die großartigen Segnungen dieser anderen Revolutionen nicht angekommen bis jetzt. Das sind auch die Leute, die den Preis für die so gelobten industriellen Revolutionen bezahlt haben und bezahlen, in Form von Giftmüllhalden oder Sklavenarbeit in Uranminen beispielsweise.
Aber diese Leute gehen halt auch nicht zum Weltwirtschaftsforum. Allerdings hätte das dem Herrn Schwab ruhig mal einer sagen können, finde ich. Der ist nämlich auch fest davon überzeugt, daß diese von ihm beschriebene Revolution unausweichlich ist.

„It’s […] inevitable that major technological innovations are on the brink of fuelling momentous change throughout the world.”

Da sind sie wieder, diese gerne zitierten technologischen Innovationen, die uns allesamt in ein total tolles Paradies wirtschaftlich blühender Landschaften katapultieren werden. Also sowas wie das Internet in den 90ern.
Denn das war Teil einer der anderen Revolutionen, auf denen Schwab aufbauen will, in diesem Falle der dritten. Dummerweise ist das aktuelle Internet nicht mehr das dezentale Überlebenssystem, das dafür gebaut war, selbst nach einem globalen Atomkrieg eine kommunikationsfähige Infrastruktur aufrechtzuerhalten.
Das aktuelle Internet ist stark zentralisiert. Es wird von Konzernen weltweit dazu benutzt, Dinge an Kunden auszulagern, die vorher mal der Konzern erledigt hat – wo es früher mal Kundenberater mit Ahnung von der Materie gab, gibt es heute einen stolzen Verweis auf der Webseite, wie toll denn die eigene „Community“ so ist.
Dieses zentralisierte Internet wird dazu eingesetzt, die Menschen in Europa, Amerika und China massiv zu überwachen, wobei die von Schwab angekündigten billigen Sensoren in Massenfertigung sicherlich in Zukunft sehr hilfreich sein werden.
Dasselbe Internet wird benutzt, um möglichst viel von Zentralbanken aus dem Nichts erschaffenes Geld in möglichst hoher Frequenz um den Planeten zu schaufeln, auf das es sich wundersam vermehre. Die wahren Schadenssummen, die aus dem Internet kommen, haben nichts mit dubiosen Handelsplattformen wie dem vor einer Weile geschlossenen „Silk Road“ zu tun, ein Teil des sogenannten DarkNet, wo man Drogen aller Art und andere illegale Spaßbringer bestellen konnte.
Das mit den Auswirkungen technologischer Innovationen ist also so eine Sache. Insgesamt haben in den letzten vierzig Jahren immer mehr Menschen durch technologischen Fortschritt ihre Arbeit verloren, als dieser anschließend neu geschaffen hat. Ganze Bücher sind schon vor 25 Jahren darüber geschrieben worden, echten Wissenschaftlern wie Soziologen ist das Phänomen längst bekannt. Aber bei Herrn Schwab ist selbstverständlich alles golden in dieser Zukunft. Nun, für seine Einkommensklasse in seiner Welt mag das zutreffen.

Natürlich äußert sich Herr Schwab auch zu solchen Dingen wie Wirtschaftswachstum, das er als bedauerlich langsam bezeichnet. Abhilfe schaffen sollen dabei eben die technologischen Innovation, die ich gerade schon zitiert habe. Nanotechnologie soll es also rausreißen. Oder die Gentechnik. Die brauchen wir also unbedingt, diese ganzen digitalen Helferlein, um wieder Wirtschaftswachstum zu generieren.
Ich hätte jetzt in meiner zynischen Art angenommen, die brauchen wir, damit wir den Weltkonzernen noch mehr Daten zuschaufeln können, die sie dann für uns freundlicherweise auswerten und den Geheimdiensten zur Verfügung stellen. Denn nur so wird die Welt sicherer und Apple kann auch noch das iPhone21 verkaufen.
Herr Schwab formuliert dann…

„…the recent lack of productivity growth is one of today’s great economic enigmas … for which there is no satisfactory explanation.”

Das sind die Sorgen eines echten Ökonomen der in den letzten 45 Jahren so erfolgreichen Chicagoer Schule. Also dem, was man gemeinhin so als „Neoliberalismus“ bezeichnet und für das ich noch ganz andere Bezeichnungen habe. Die Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums und der Mangel an Produktivität sind dem Herrn Schwab ein Rätsel. Alles total geheimnisvoll und unerklärlich. Die zunehmende ökonomische Ungleichheit sieht Herr Schwab ebenfalls als total seltsam und geheimnisvoll an im weiteren Verlauf seines kleinen marktradikalen Pamphlets, das er da verfaßt hat.

Ich weiß wirklich nicht, ob man noch von Ungleichheit sprechen kann, wenn 60 Personen auf diesem Planeten so viele Vermögenswerte auf sich vereinen wie die unteren 50% der Weltbevölkerung, das wären also aktuell etwa 3,7 Milliarden Menschen.
Vor ungefähr einem Jahr waren das noch 85 Personen, aber auch diese Menge paßt problemlos auf eine Yacht, die sich ein Larry Ellison – das ist der Chef von Oracle – oder andere problemlos aus ihrer Portokasse leisten können.
Ich nehme an, Herr Schwab wäre auch jemand, der mit tellergroßen, ungläubigen Augen einen Vortrag darüber halten könnte, daß die Reichen der Erde in der offiziell noch immer anhaltenden „Finanzkrise“ noch reicher geworden sind. Wahrscheinlich wäre auch das ein gar sphingisches Rätsel für den Herrn.
Dabei sagt selbst eine des sozialen Gewissens völlig unverdächtige Bank wie die UBS recht deutlich, daß die propagierte Vierte Revolution klar dazu führen wird, daß die Reichen noch reicher werden, ja, daß diese Revolution sogar darauf ausgelegt ist. Vielleicht hätte Herr Schwab mit dem UBS-Vertreter in Davos reden sollen. Ich bin sicher, da war jemand von denen dabei.
Dabei ist die Erklärung relativ simpel: Diese Menschen werden nicht trotz Krisen reicher, sondern durch Krisen. Wenn ich eine Rüstungsfirma wie Lockheed in den USA bin, bin ich doch nur insofern an Friedensprozessen in Nahost interessiert, als daß ich sie verhindern möchte.

Ein Ökonom, der nicht versteht, wie es zu Ungleichheit oder Stagnation kommt, ist entweder ein Idiot oder ein Heuchler.

Hätte Herr Schwab mal meinen Blog gelesen, hätte er möglicherweise auch verstanden, daß das Schrumpfen der globalen Wirtschaft, daß jetzt recht bald einsetzen wird, nicht etwa ein Rätsel ist, sondern was mit Energie zu tun hat. Wenn meine Produktionskosten bei Erdöl, Erdgas oder auch anderen Rohstoffen, vorwiegend Metallen, deutlich höher sind als meine Marktpreise, ist das nicht gerade ein Wachstumsszenario. An den energetischen Kosten ändert sich überhaupt nichts, wenn die einmal hoch sind, dann bleiben die es auch. Es sei denn, man findet eine andere Energiequelle. Wir haben in unserer globalen Zivilisation den Punkt erreicht, an dem der EROEI permanent absinkt. Kanadischer Teersand war vom energetischen Standpunkt immer eine Katastrophe, keine Energiequelle.
Anders gesagt: Wir benötigen eben Energie, um Energie zu gewinnen. In den letzten zehn Jahren fließt aber ein immer größerer Teil dieser Energie zurück in den Energiesektor selber, da sowohl die finanziellen als auch energetischen Kosten für Teersande und Fracking um Größenordnungen höher liegen als vorher bei der Ausbeutung des „konventionellen“ Öls. Dieser Teil der Energie fehlt dann natürlich in anderen Bereichen einer Wirtschaft. Sie beginnt zu schrumpfen.

Aber Herr Schwab, mit all seinen akademischen Weihen, gehört bedauerlicherweise zu exakt der Gruppe blinder Deppen, die all diese Dinge nicht sehen, nicht sehen können oder nicht sehen wollen.
Nicht mit einem Wort geht er in seinem Pamphlet auf die Frage ein, wie sich seine wundersame Vierte Revolution denn bitte mit Energie versorgen möchte.
Das Wort „Klimawandel“ kommt übrigens genau einmal vor. Wie durch Zauberhand werden nach Meinung des Autors neue Technologien das CO2 aus der Atmosphäre verbannen und es womöglich sogar in einen Rohstoff für neue Industrien verwandeln.
Auch die Tatsache, daß womöglich in nächster Zeit sehr viele, bisher als „Mittelstand“ bezeichnete Berufe von weiter fortschreitender Computertechnik verdrängt werden könnten, findet keine besondere Erwähnung bei einem Mann vom Schlage eines Schwab. Stattdessen wird die „Vierte Revolution“ als großartige Chance für den Konsumenten angepriesen, großartige neue Dinge zu erwerben. Wenn man sich die denn dann leisten kann. Oder überhaupt will.

Eine Schattenseite sieht Schwab dann aber doch noch. Die Möglichkeiten der Computerisierung könnten dazu führen…

“Growing citizen empowerment … could result in political systems that make governing more difficult. […]
The digital age undermined many of the barriers that used to protect public authority, rendering governments much less efficient or effective as the governed, or the public, became better informed and increasingly demanding in their expectations.”

…daß für Regierungen das Regieren schwieriger wird. Denn womöglich könnten sich Bewohner eines Landes schneller ein Bild davon machen, was die jeweilige Regierung gerade so anstellt. Das ist natürlich furchtbar, denn das könnte ja die „öffentliche Autorität“ untergraben.

An so einer Stelle wird besonders deutlich, in welche Zukunft Menschen wie ein Klaus Schwab diese Welt hier führen möchten. Ich vermute, daß die Vorgehensweise der chinesischen Regierung bezüglich Internet für so einen Mann ganz großartige wirtschaftliche Chancen bietet. Und natürlich würde diese Öffentlichkeit dann immer „mehr verlangen“, wie das so schön formuliert ist.
Wie kann der Pöbel es auch wagen, sich womöglich zu informieren und gegen Korruption und fehlgeleitete Wirtschaftspolitik auf die Straße zu gehen!
Falls sich übrigens noch irgendwer fragen sollte, warum Menschen wie ein Herr Schwab sicherlich auch nichts von Netzneutralität halten – hier bekommt er die Antwort. Mich wundert es überhaupt nicht, daß die Mächtigen sich auf ihrem Weltwirtschaftsgipfel so ausgiebig bewachen lassen. In diesem Jahr waren es über 5.000 „Sicherheitskräfte“. Aber die Jungs waren auch mal professioneller – dieses Mal waren einige so breit, daß sie sich selber fast in den Fuß geschossen haben.

Narrenschiff von Bosch

Bild 1: Das Narrenschiff von Hieronymus Bosch, 16. Jahrhundert.
Das feiernde und gegen alle guten Sitten verstoßende Volk treibt im steuerlosen Boot immer weiter vom Festland ab. Der einzige, der dem absurden Geschehen den Rücken zuwendet, ist der Narr.
Das Bild ist eine großartige Allegorie auf den Zustand der industriellen Weltgesellschaft. Quelle

Das eben geschilderte Denken ist die einzige echte Krise, die der Beachtung durch Menschen wert sein sollte. Das Finanzsystem mit seinen gerade abstürzenden und instabiler werdenden Kursen ist in keiner Krise. Es entwickelt sich erwartungsgemäß.
Da unsere finanziell gebundene Wirtschaft mit Geld agiert und dieses Geld nicht mehr ist als ein Repräsentant eines Energieflusses von A nach B, ein schwacher Schattenwurf physikalischer Realitäten, ist es nur zu logisch, daß dieses Vertretersystem dann an den Rand des Zusammenbruchs gerät, wenn einer seiner fundamentalen Parameter sich in sein Gegenteil verändert.
„Geld“ bedeutet seit Beginn der 1970er Jahre nichts weiter als „Kredit“, denn aus diesem wird Geld im modernen Zentralbankwesen in quasi beliebiger Menge erschaffen. Das geht so lange gut, wie man mit Hilfe einer stetig wachsenden Menge an Energie ein zahlenmäßiges Wirtschaftswachstum erzeugen kann. Denn so lange das funktioniert, kann man die Kredite mit Zinsen bedienen und die Aktienkurse mit Renditen.
Problem dabei ist, daß eben eine stetig wachsende Energiemenge zu einem akzeptablen Preis notwendig ist. Der Preis darf nicht zu hoch sein für den Endverbraucher und nicht zu niedrig für die Erzeugerindustrien, in diesem Falle also die Mineralölkonzerne weltweit.
Diese Bedingungen sind mit dem Beginn des Zusammenbruchs der Fracking-Blase nicht mehr vorhanden. Sie waren es auch schon vorher nicht, aber jetzt gibt es bald keine Möglichkeit mehr, mit Hilfe superniedriger Zinssätze, statistischer Beschönigung oder Umdefinition von „Öl“ das wahre Aussehen der Energiesituation weltweit zu verbergen.
Betrachtet man die Zahlen nüchtern, haben die großen Energiekonzerne der Erde alleine im US-Markt von 2008 aufwärts gute 1,5 Billionen Dollar investiert. Mit der Folge, daß die Förderung von Öl – also dem, was man bis 2005 unter Öl verstanden hat und was der Normalverbraucher auch darunter versteht – sogar zurückgegangen ist. Gestiegen sind die Werte aus Fracking, Teersanden und sogenannten Kondensaten, die auch Teil der Ölförderung sind. Aber eben kein Öl im früheren Sinn.

Flüchtlinge vor Europas Türen sind keine Krise. Diese Menschen flüchten vor Bedingungen in ihren Heimatländern, die ihnen dort keine Aussichten auf eine halbwegs erfolgreiche oder vernünftige Zukunft mehr lassen. Auch hier haben wir es oft mit Konsequenzen des Energiemangels zu tun.
Ein Land wie Nigeria destabilisiert sich seit einiger Zeit, da die USA durch Fracking ja zwischenzeitlich ihre Importabhängigkeit beim Öl verringern konnten. Länder wie Saudi-Arabien destabilisieren sich durch die fallenden Preise, da es dem Staatshaushalt plötzlich am Geldsegen fehlt.
In einem Land wie Ghana kann man die Zukunft sehen, die auch anderswo Einzug halten wird. Hier fällt regelmäßig der Strom aus, was das Wachstum der Wirtschaft natürlich sehr effektiv bremst.
In Zukunft werden solche „brown-outs“, also kurzfristige, aber häufige Stromausfälle auch in anderen Regionen der Welt zunehmen. Das hängt einerseits mit fehlender Energie zusammen, andererseits aber auch mit maroder Infrastruktur.
Die USA können ein Lied davon singen. Dort sitzen derzeit wieder mal zig Tausende Amerikaner ohne Strom rum, da die Ostküste gerade von einem Blizzard ordentlich zugeschneit wird.
75 Zentimeter Neuschnee innerhalb von 24 Stunden sind kein Spaß. Man könnte das jetzt auf den Klimawandel schieben, aber das tue ich einfach mal nicht. Am Fakt der miserablen Energie-Infrastruktur der USA ändert das aber nichts. Die offiziell erfolgreichste Kapitalistennation der Welt – ein Land, das Herrn Schwab sicherlich gefällt – leistet sich ein Stromnetz, das in großen Teilen an Bilder aus Indien erinnert.

Ökonomischer und politischer Realitätsverlust beruhen auf denselben Prinzipien und derselben Blindheit

Während Amerikaner sich im Supermarkt mit Fertigfutter eindecken können und in Ghana beim Stromausfall am Billardtisch kurzfristig die Smartphones zur Beleuchtung gezückt werden, sind diese Möglichkeiten woanders nicht gegeben. Länder destabilisieren sich, weil ihnen Öleinnahmen wegbrechen, wie in Nigeria und Venezuela, wo das Parlament dem Staatspräsidenten gerade Sondervollmachten verweigert hat.
Der Notstand ist aber bereits ausgerufen, die Inflation könnte dieser Tage 720% erreichen. In anderen Ländern gibt es nicht einmal Geld und auch keine Möglichkeit, irgendwie anders zu überleben. Im Rahmen von Klimazerstörung, Überbevölkerung und Ausbeutung verwandeln sich diese Gegenden in Kriegszonen, endlose Dürregebiete oder beides. Bis dann Menschen aufbrechen oder von Verwandten losgeschickt werden, um woanders ihr Glück zu versuchen. In diesem Falle in Europa.
Diese Fluchtbewegung wird nicht aufhören, nur weil die CSU oder Österreich das gerne mal wollen, damit man weiter in Ruhe beim Oktoberfest Bier saufen kann, bis man das Hendl wieder auskotzt.
Auch Europa ist nicht in der Krise, denn die Entwicklung, jetzt wieder Grenzen schließen zu wollen und alles zu tun, um den zum Großteil zusammengeklauten Wohlstand unseres Kontinents zu sichern, ist ja nicht neu.

Die Destabilisierung des politischen Systems in Europa und auch den USA ist das Ergebnis eines Prozesses, der inzwischen mindestens anderthalb Dekaden anhält, genau betrachtet sogar länger.
Immer wieder wird von einer aufgebrachten Öffentlichkeit gefordert, daß „die Politik“ doch mal was tun solle. Gegen zu hohe Benzinpreise, gegen Pferd in der Lasagne oder eben gegen Flüchtlinge vor der Haustür, die einem bestimmt alles wegnehmen wollen. Wobei diejenigen, die am lautesten nach so etwas schreien, gar nichts haben, das man wegnehmen könnte. Geistiges Potential jedenfalls sicherlich nicht.
In offener Darstellung des eigenen Vollidiotentums weigern sich die demnächst von Landtagswahlen belästigten Parteien in Deutschland sogar, mit den widerwärtigen Typen von der AfD in Fernsehdiskussionen aufzutreten. Wie kleine Kinder schließen hier Ministerpräsidentinnen die Augen und hoffen, daß der politische Gegner dann schon verschwinden wird. In wahrlich nicht mehr zu überbietender Hirnlosigkeit jubelt die ehemalige SPD der Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz zu, weil die nicht zu einer Fernsehdebatte mit den Leuten antreten will, die Frau Dreyer als fremdenfeindlich bezeichnet und „als Gegner einer offenen Gesellschaft“.
Das ist durchaus richtig – aber wie offen ist ein Politikerhirn, das in diesem Moment beleidigt die Debatte verweigert, die nun dummerweise fester Kern und feste Säule des politischen Systems Demokratie ist?
Auch das Betroffenheits-Heucheln einer CDU-Kandidatin namens Klöckner hilft da nicht weiter. Eine Frau, die sich darüber beschwert, daß die SPD sich da ja wohl inkorrekt verhalten habe, aber den Merkel-Kritikern ihrer eigenen Partei zwei Tage vorher noch sagt, sie könnten besser mal „die Klappe halten“.
Wie man sich selber für demokratisch hält, aber einem politischen Gegner eine Debatte verweigert, wie man sich selber für eine Lösung des Problems hält, anstatt zu erkennen, daß so eine Ansammlung von Blödmännern wie die AfD doch nur ein Symptom ist für eine zutiefst durchlobbysierte Parteilandschaft mit fortschreitendem Realitätsverlust – um den geistigen Stunt hinzukriegen, muß man wohl Spitzenpolitiker der Unionsparteien oder der ehemaligen SPD sein.
Das Demokratieverständnis der Parteien CDU/CSU, SPD, Grün, AfD und auch Teilen der Linken als „fragwürdig“ zu bezeichnen, ist also noch diplomatisch geschönt.

In Deutschland und Europa zeigen sich exakt dieselben Symptome eines politischen Systemzerfalls wie in den USA auch. Die Demokraten dort möchten gerne Ms Clinton zur Präsidentschaftskandidatin küren, parteiintern ist die Zustimmung in letzter Zeit gewachsen. Dumm nur, daß parteiextern – also bei den eigentlichen Wählern – die Zustimmung für Ms Clinton sinkt. Bei den Vorwahlen in New Hampshire, einem für die US-Wahlen traditionell wichtigem Bundesstaat, wollen nach Umfragen sogar zwei Drittel der Demokratenwähler lieber für den anderen Typen stimmen: Bernie Sanders.
Mr Sanders ist ein etwas zerknautschter Typ Mitte 70, den man nach deutschen Verhältnissen nicht als Sozialisten bezeichnen würde, sondern als Sozialdemokraten. Wohlgemerkt, einen Sozialdemokraten etwa um das Jahr 1970, wir wollen da ja niemanden beleidigen. Also „ordentlicher Lohn für ordentliche Arbeit, Industrie wieder nach Hause holen, starke Gewerkschaften, Schlüsselindustrien in der Hand des Staates“ – solche Dinge. Für das Amerika heutiger Prägung im Endstadium des Globalkapitalismus ist das natürlich Kommunismus.
Auf der anderen Seite ist da die kleine pelzige Alienkreatur, die auf dem Kopf von Donald Trump wohnt und dessen Körper steuert. Selbst die Republikaner wollen den Mann nicht aufstellen, aber ich sie werden es müssen, vermute ich. Entweder das, oder Donald tritt eben allein an, er kann es sich leisten. Die GOP hat also nur die Wahl, Trump zu nehmen oder die Wahl gleich zu verlieren, denn alle anderen haben gegen Sanders oder Clinton in der amerikanischen Wählerschaft im Moment keine Chance.

Allein die Tatsache, daß die Wahl 2016 nicht, wie jeder vor 18 Monaten noch als gesichert annahm, Clinton vs Bush lauten könnte, sondern eben Trump vs Sanders, zeigt sehr deutlich, wie sehr die Amis von ihrem etablierten politischem System die Schnauze voll haben.
In Deutschland ist es ähnlich. Die CDU und die ehemalige SPD bilden eine neue deutsche Einheitspartei, die CSU ist nicht weniger religiös-fundamental gestört als der „Islamische Staat“ und die Tatsache, daß eine Arschloch-Partei wie die AfD demnächst in drei Landesparlamente einziehen wird, während die Linke das wieder einmal nicht schaffen wird, spricht ebenfalls Bände. Bald wird hier in Deutschland wieder alles gewählt. Hauptsache, es ist keine Partei, die vorher schon da war.

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Bild 2: Im Vordergrund die Zukunftsaussichten als Plakat.
Im Hintergrund die Realität der zehn Prozent Erdbewohner, die einen erheblichen Anteil des planetaren Wohlstands kontrollieren.

Aber es ist völlig egal, wer da wen wählt.
Das politische System ist hilflos gegen die fortschreitenden Veränderungen der Langen Dämmerung, denn die grundlegenden Parameter sind politisch nicht oder nur wenig beeinflußbar. Bei der Bühne, auf der sich das scheinbare Krisendrama der Medien in Endlosschleife abspielt, bilden physikalische Gesetze die Bretter. Keine Politik der Welt kann daran etwas ändern.
Wir werden nicht mehr Energie haben in der Zukunft, sondern weniger. Wir werden kein Wachstum mehr haben, sondern Schrumpfung. Wir werden nicht mehr technologischen Schnickschnack für alle haben, sondern weniger. Wir werden nicht mehr Freiheiten haben als heute, sondern weniger.
Die wahre Krise ist die, daß sich die meisten Menschen dieser eigentlich schlichten Erkenntnis verweigern, und das mit allen Mitteln. Drogen, Psychopharmaka, Mitgliedschaft in der AfD, Konsumorgien. So lange sich ein Sündenbock findet, seien es Einwanderer aus Mexiko oder Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, kann diese Selbsttäuschung eine Weile funktionieren.

Ebenso wie man eine Weile so tun konnte, endloses Wachstum auf einem endlichen Planeten sei möglich und sogar der Normalzustand.
Aber die Fakten der Langen Dämmerung anzuerkennen, bedeutet automatisch, den aktuellen status quo unserer Gesellschaft auf breiter Front in Frage zu stellen. Wer tut das schon, außer vielleicht Blogschreibern in Bambushütten am Rande der Gesellschaft?
Also flüchtet man in allgemeine kognitive Dissonanz und gibt irgendwem anders die Schuld daran, daß die Wirtschaft nicht wächst oder das eigene Leben nicht so läuft wie gedacht. Den Russen. Den Irakern. Dem bösen Assad. Dem Flüchtling an sich. Oder geheimnisvollen Kräften, die unerklärlicherweise für Ungleichheit sorgen und Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, wie es ein Herr Schwab tut und andere, die keinen ökonomischen Titel haben. Ebenso wie Pegidioten™ bewegen sich Politik und Wirtschaft in einer eigenen Denkblase, gut abgeschirmt von der Wirklichkeit.

Die einzige Krise, die tatsächlich eine ist, ist die Weigerung der einen, das eigentliche Bühnenbild überhaupt zu erkennen. Und die Bereitwilligkeit der anderen, den ganzen Quatsch, den ihnen Krawattentypen mit Ökonomiestudium erzählen, weiter für bare Münze zu nehmen, damit man nicht womöglich die Augen aufmachen muß. Man liefe Gefahr, das eigene Spiegelbild zu sehen.
Im Gegensatz zum Shakespeare-Zitat am Anfang führen die Blinden heute nicht die Verrückten. Heutzutage führen blinde Verrückte die betäubten Ignoranten, die vor lauter Gladiatoren das Blut im Sand nicht sehen wollen.

6 Gedanken zu „Narrenschiff

  1. Manchmal glaube ich, dass den Bilderbergern, den Rotariern, den Freimaurern oder wem auch immer, der Rote Faden gerissen ist. Oder ein höllischer Kampf dieser Organisationen untereinander, um das Wohl und Wehe der Welt, stattfindet. Es ist keine klare Linie erkennbar, Chaos überall egal wohin man schaut. Überall blinde Verrückte und betäubte Ignoranten.
    Sehr guter Beitrag. Danke. 🙂

  2. Es freut mich immer, wenn es gefällt 🙂 Dein letzter ist auch gut, wollte dich vorhin schon loben. Die meisten Leute achten gar nicht drauf, wie Griechenland sich langsam wieder in die Themen schiebt.

  3. Das Narrenschiff als literarischer oder künstlerischer Topos passt auf Vieles in der heutigen Welt wirklich wie die Faust aufs Auge. Das ist jetzt auch nicht unbedingt ein Wunder, wenn man sich anschaut, unter welchen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen es sich im ausgehenden Mittelalter entwickelt hat: Endzeiterwartung, Irdisches-Jammertal-Erfahrung, religiöse Fundamentalisierung / Radikalisierung hier, Einzug eines Individualismus und Materialismus dort, Ohnmacht der Zentralgewalten in einem Land (hier: Deutschland), Übermacht der Zentralgewalten im Nachbarland (hier Frankreich), dazu die ohnehin zeittypischen Seuchen und Kriege und Hungersnöte, und als ökonomischer Hintergrund ein jahrzehntelanges Abschlittern in eine europaweite strukturelle Rezession, die erst im 18. Jh. allmählich überwunden wurde.

    Zugegeben, dass die Pest Mitte des 14. Jahrhunderts mal eben ein Drittel von Europas Bevölkerung weggemacht hat, hat sicher nicht geholfen… ganz so weit sind wir heute noch nicht. Aber wenn Du mal was über Antibiotika und Immunologie schreiben willst, kann ich schonmal für kaltes Grausen auch in dieser Hinsicht garantieren.

  4. Zugegeben, dass die Pest Mitte des 14. Jahrhunderts mal eben ein Drittel von Europas Bevölkerung weggemacht hat, hat sicher nicht geholfen…

    Na ja…da könnte ich jetzt drauf antworten, daß ohne diese Seuche der Beginn der neuen Zeit nicht stattgefunden hätte. Die Renaissance wäre so niemals gekommen, wenn das alte feudale und leibeigene System nicht von der Pest beseitigt worden wäre. „Hilfreich“ ist also mit Blick auf das Mittel- und Langfristige immer so eine Sache 😉

  5. Noch ein Hinweis:
    Die heutige finale kapitalistische Weltwirtschaftskrise hat nichts damit zu tun, daß der Wirtschaft bzw. Ökonomie die Energie ausgehen würde.

    Bekanntlich gibt es (im Verhältnis zur zahlungsfähigen Nachfrage) viel zu viel davon, was sich am Preisverfall (z.B. beim Öl) zeigt.
    (Genauso wie es enorme Überkapazitäten beim Strom usw. gibt.)

    Krise ist es im Kapitalismus nicht deshalb, weil es zu wenig, sondern viel zu viel von allem (stets im Verhältnis zur zahlungsfähigen Nachfrage) gibt.
    (Darin unterscheidet sich dieses Wirtschaftssystem von den vorherigen und macht die Lage besonders absurd.)

    Mit Grüßen
    Flash

    PS: Unbefriedigte Bedürfnisse gibt es dagegen im Kapitalismus genügend.
    Allerdings zählen diese nicht, da der Zweck der kapitalistischen Produktionsweise bekanntlich nicht deren Befriedigung (das ist nur ein „Abfallprodukt“ – und auch nur dann, wenn es zahlungsfähig ist), sondern die Vermehrung des Kapitals ist.
    Darin liegt das Problem.

  6. Bekanntlich gibt es (im Verhältnis zur zahlungsfähigen Nachfrage) viel zu viel davon, was sich am Preisverfall (z.B. beim Öl) zeigt.

    Nein, der Preisverfall beim Öl hat nichts damit zu tun, daß davon tatsächlich zu viel da wäre. Die Nachfrage ist schwach und die anderen sind dazu verdammt, weiter zu pumpen wie die Doofen.

    Das Ganze manifestiert sich in unserer Wirtschaft als „Ölschwemme“. Die Menge des Rohstoffs an sich bleibt davon aber unbeeinflußt. Ich hatte darüber mal was geschrieben 😀

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