Eintagsmenschen

,,Welcome! Sulphur dioxide
Hello! Carbon monoxide
The air, the air is everywhere.“
Hair

Wieder einmal nähert sich unsere Reise auf diesem Steinbrocken, der eine kleine, gelbe, völlig aus der Mode gekommene Sonne in der äußeren Westside der Galaxis umkreist, einem zyklischen Endpunkt. Das Jahresende naht, also der Punkt, den die hier vorherrschende Spezies auf ihrem vorherrschenden Kalendersystem willkürlich als Schluß auf einer mehr oder weniger kreisförmigen und somit eigentlich unendlichen Bahn markiert hat. Vorher haben wir noch die Wintersonnenwende, danach werden die Tage wieder langsam etwas länger, am 3. Januar wird die Erde dann ihr Perihel durchlaufen, also den sonnennächsten Punkt der Umlaufbahn um besagte gelbe Sonne. Rein astronomisch eine G2 V übrigens.
Ja, wir haben zwar Winter, aber trotzdem befindet sich die Erde hier am sonnennächsten Punkt. Es gibt Menschen, die irrtümlich annehmen, die Entfernung von der Sonne habe etwas mit den Jahreszeiten zu tun, und die deshalb glauben, wir wären im Winter weiter weg von der Sonne. Schon bei kurzer Überlegung entpuppt sich das natürlich als unlogisch, denn während hier auf der Nordhemisphäre Winter ist, ist ja auf der anderen Seite des Planeten Sommer. Über den Daumen gepeilt dürften aber beide Hälften des Planeten etwa gleich weit von der Sonne entfernt sein. Oder gleich nah dran, wie auch immer. Wie kann es also hier kalt sein und im Süden warm, wenn das an der Entfernung zwischen Erde und Sol liegen soll?
Logische Antwort: Es kann nicht daran liegen.

Der etwas schlauere Mensch weiß natürlich, daß die Jahreszeiten dadurch entstehen, daß die Erdachse geneigt ist und nicht senkrecht auf der Ekliptik steht. Das ist die Ebene, in der alle Planeten die Sonne umkreisen. Der Neigungswinkel zur Senkrechten liegt im Falle der Erde bei etwa 23,4 Grad – das beschert uns die Jahreszeiten auf unserer Welt. Denn durch diese Neigung hat ein- und derselbe Ort im Laufe eines Jahres unterschiedliche Sonnenhöhen über dem Horizont und somit mehr Sonnenlicht, das auch noch in steilerem Winkel auftrifft. Oder eben weniger Licht in flachem Winkel. Hat man da, wo ich so rumwohne, im Winter mit Glück sieben Stunden Tageslicht, so kommt man im Sommer manchmal auf mehr als sechzehn Stunden, also locker das Doppelte. Dazu kommt noch die Erhöhung des Einfallswinkels von vielleicht 15 Grad auf 50 Grad. Die Sommersonne läßt also eindeutig mehr Energie an meinem Wohnort zurück als die Wintersonne. Deswegen ist es eben heiß oder kalt.

Während wir also auf einem Stein um die Sonne kreisen, oder besser, ellipten, pendelt die Erdachse hin und her, sie zeigt nicht stabil in eine Richtung. Würde man aktuell die Erdachse in einer Grafik nach rechts geneigt einzeichnen, müßten Astronomen der Zukunft das nach links tun, denn im Laufe der sogenannten Präzessionsbewegung durchwandert die Achsneigung einmal die 360° eines Vollkreises, sie schwankt also von ganz rechts rüber nach ganz links.
Aktuell ist unsere Nordhalbkugel von der Sonne weg geneigt und es ist Winter. In etwa 13.000 Jahren wird sie der Sonne zugeneigt und im Dezember dann Sommersonnenwende sein. Glücklicherweise berücksichtigt unser Kalendersystem das durchaus, sodaß der Sommeranfang des Jahres 15015 ndZ trotzdem im Juni liegen wird. Das heute klassische Wintersternbild des Orion wird dann allerdings ein Sommersternbild sein. Auch wird es nicht mehr vollständig an unserem Himmel sichtbar sein, wie das heute der Fall ist. Nicht einmal der Polarstern wird um diese Zeit noch derselbe sein, denn bis dahin hat die Wanderung der Achse den Zielpunkt am Himmel auf die Wega verschoben. Ist aber kein Grund zur Panik, denn nach weiteren dreizehn Jahrtausenden ist dann alles wieder so wie heute, zumindest fast. Diese komplette Bewegung der Erdachse umfaßt also 26.000 Jahre, man nennt das Zyklus der Präzession oder auch Platonisches Jahr.

Das alles ist Teil der Zyklen, vor denen die künstlich induzierte Hektik des menschlichen Lebens abläuft. Mensch neigt dazu, all diese Dinge nicht zu wissen oder schlicht nicht wahrzunehmen, da sie weit über eine normale menschliche Lebensspanne hinausgehen. Gehen wir dreizehn Jahrtausende zurück, landen wir im Jahre 11.000 vdZ.
Das war etwa um die Zeit, als unser Planet nach einem kurzen Rückfall in vorherige, eher eiszeitliche Gewohnheiten endlich auf den klimatischen Kurs einschwenkte, der bis heute noch anhält. Ein insgesamt wärmerer, stabilerer klimatischer Kurs. Unseren Vorfahren gereichte das nur zum Vorteil, denn sie konnten in aller Ruhe den Ackerbau erfinden und in dessen Folge die Stadt. Irgendwer mußte das ausgebrachte Saatgut ja schließlich pflegen und – im wahrsten Wortsinne – beackern, damit es sich prächtiger Entwicklung erfreuen möge. Und so entsteht schließlich in einem sich stabilisierenden Klima das, was wir heute „Zivilisation“ nennen, wobei „civis“ nun nichts weiter heißt als „Stadtbewohner“. Ich hatte das irgendwo schon einmal erwähnt. Klimageschichte und Zivilisationsgeschichte sind also unmittelbar miteinander verbunden.

Zivilisation und Verschmutzung übrigens auch. Bereits in antiken Zeiten hat Mensch kräftig mit der Umwelt rumgeaast. So finden sich in zahlreichen Eisbohrkernen aus Gegenden wie Grönland etwa Spuren, die ganz klar auf den Abbau von Gold und Blei durch römische Minensklaven zurückzuführen sind. Dabei ist Grönland einen ganzen Zacken von Rom entfernt.
Paläoklimatologen wissen aus Pollenzählungen, daß die nordamerikanischen Anasazi in der Umgebung ihrer Felsenstädte im Laufe nicht allzuvieler Jahrhunderte den Waldbestand abgeholzt haben müssen. Außerdem weiß man das aus den gefundenen Holzbalken, denn erstens werden die verarbeiteten Stämme immer jünger und zweitens wechseln die Holzsorten. Ebenso verhalten haben sich die Bewohner des Nahen Ostens, der durchaus einmal von recht ergiebigen Wäldern bedeckt gewesen sein muß, von denen man heute nichts mehr finden kann.
Und auch  Griechen und Römer waren hierbei nicht zimperlich. Die Regionen rund ums Mittelmeer sehen heute so aus, wie sie aussehen, weil schon die Phönizier damit anfingen, aus Bäumen Handelsflotten zu bauen, die Hellenen ließen ihre Zimmerleute eine „Mauer aus Holz bauen“, um im 5. Jahrhundert vdZ die Perser zurückschlagen zu können. Die Holzmauer war übrigens ein Vorschlag des Orakels von Delphi. Vom Griechen Themistokles befragt, wie man die Armee der Perser aufhalten könne, soll dieses geantwortet haben: „Sucht Schutz hinter hölzernen Mauern“.
Was Themistokles als Anweisung zum Bau einer Flotte interpretierte, die dann tatsächlich im Jahre 480 vdZ die weit überlegene persische Marine schlagen konnte. Gut, so überlegen waren die Perser dann wohl doch nicht, aber zahlenmäßig waren sie es, selbst wenn man die Quellenübertreibung rausinterpretiert.
Das Massensterben damaliger Bäume bewahrte die griechische Kultur vor dem Untergang und deshalb gilt die Schlacht von Salamis im Jahre 480 vdZ, die nichts mit der heute beliebten Wurstsorte zu tun hat, als einer der historisch enorm wichtigen Punkte der Weltgeschichte. Wäre Griechenland und seine Kultur ausgelöscht worden – Europa würde heute vollkommen anders aussehen. Auch Rom hätte dann keine Bäume für seine Flotten abgeholzt, um gegen den Konkurrenten Karthago zu kämpfen. Denn es hätte niemals ein Römisches Reich gegeben.

Aber all diese Dinge sind Menschen heute meist gar nicht mehr bewußt. Man interessiert sich für Glühwein und blödsinnigen Holzkitsch auf Weihnachtsmärkten – schon wieder tote Bäume – und beschwert sich allerhöchstens darüber, daß es ja mit 10 Grad über Null für Weihnachtsmärkte eigentlich viel zu warm ist.
Mensch, als ein relativ kurzfristiges Lebewesen, neigt zu hartnäckigem Ignorieren von mittel- und langfristigen Perspektiven. Das ist auch der Grund, warum dann immer nach gruseligen Katastrophenereignissen Leute rumstehen mit einem Gesichtsausdruck, als hätte man sie gerade in die Eier getreten und sagen: „Wie konnte das jetzt wieder passieren?“
Eine etwas weitere Perspektive hätte diese Frage von vornherein überflüssig machen können, zumindest in vielen Fällen.

Die eigene Kurzfristigkeit führt Menschen immer wieder zu Fehlentscheidungen

Ich hatte bereits einmal irgendwo erwähnt, wie das menschliche Gehirn in seiner groben Struktur funktioniert, wenn es um die Wahrnehmung der Umwelt und eine Reaktion darauf geht. Und ich hatte versprochen, darauf zurückzukommen. Jetzt ist es soweit. Eines der Probleme, die Mensch generell hat, ist einfach die Tatsache, daß wir nicht darauf ausgelegt sind, auf langfristige Dinge zu reagieren. Denn die erkennen wir entweder nicht als Bedrohung oder eben gar nicht.
Das Auto, das wir im Augenwinkel von rechts auf uns zusteuern sehen, während wir uns mit der Marktfrau über die Zucchinis hinweg unterhalten, veranlaßt uns zum Sprung zur Seite.
Andere Dinge entlocken uns keinerlei Reaktion, die man in irgendeiner Weise als „angemessen“ bezeichnen könnte, falls sie uns überhaupt reagieren lassen.

In seinem bereits mehrfach erwähnten Collapse of complex societies kommt Joseph Tainter an einer Stelle zu dem Schluß, die Übernutzung ökologischer Ressourcen könne wohl als Untergangsgrund für entwickelte Gesellschaften ausgeschlossen werden. Denn eine komplexe Gesellschaft zeichnet sich durch einige Dinge aus, die so etwas völlig unmöglich machen sollten. So existiert beispielsweise ein umfangreicher Informationsausstausch, es gibt zentralisierte Entscheidungsprozesse, die einzelnen Bestandteile der Gesellschaft werden stark koordiniert, es gibt bürokratisierte Abläufe, also formalisierte Befehlskanäle.
Ein Land wie Deutschland ist ein gutes Beispiel mit seiner eigentlich zentralisierten Regierung, den föderalen Bundesländern mit ihren jeweiligen Parlamenten, den jeweiligen Ämtern für Katastrophenschutz auf Landes- und Bundesebene, der Existenz von Dingen wie einer Feuerwehr, einer Polizei, einem technischen Hilfswerk und anderen Institutionen, die ja ausdrücklich zur Problembekämpfung bzw. zum Einsatz im Katastrophenfall geschaffen worden sind.
Wie kann also eine solche Gesellschaft Dinge übersehen, die ihre eigene Existenz gefährden? Oder, wie Tainter es formuliert:

„Es erscheint seltsam, daß sie [die Gesellschaften] zusammenbrechen, wenn sie ausgerechnet mit den Bedingungen konfrontiert werden, zu deren Bewältigung sie ausgestattet sind.“

Dummerweise zeigt ein Blick in die Realität, daß derartige Zusammenbrüche aufgrund ökologischer Übernutzung immer wieder vorgekommen sind in der Menschheitsgeschichte. Offenbar können Menschen sich also doch wesentlich dümmer benehmen, als Mr Tainter das angenommen hat.
Das hängt mit der eben erwähnten Kurzfristigkeit zusammen. Oder dem daraus resultierenden Zeitempfinden, das ich in mehreren Beiträgen der letzten Wochen ein wenig beleuchtet habe.
Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Fischerei im Golf von Mexiko fand man heraus, daß es erhebliche Unterschiede in der Beurteilung der jeweiligen Situation der Fischerei gab, je nachdem, wen die Wissenschaftler so befragten.
Je jünger die Fischer wurden, desto weniger neigten sie dazu, ihre eigene Situation als irgendwie ungewöhnlich oder gar kritisch zu bezeichnen.
Die älteren Fischer und die Ruheständler hingegen hatten da völlig andere Vorstellungen. Denn diese Generationen wußten noch, daß sie eben selber vor dreißig, vierzig Jahren wesentlich mehr Fisch aus dem Meer gezogen hatten. Auch die Artenvielfalt erschien jüngeren Fischern nicht besonders begrenzt, wohingegen die Älteren auch hier klar erkannten, daß sie früher wesentlich mehr Arten an Land gezogen hatten als ihre Nachfolger. Die jeweiligen Aussagen korrelierten hierbei ideal mit der Altersstruktur.

0049-02 Dicke Luft

Bild 1: Ein chinesisches Model bei einer Modenschau, mit Atemmaske als passendem Accessoire. Noch eine Generation, und Menschen, die darauf bestehen, man müsse ohne Maske atmen können, werden auffallen wie bunte Hunde.

Man nennt dieses Phänomen in der Soziologie und anderswo shifting baselines.
Im Grunde genommen bedeutet es, daß jede Generation an Menschen eben das als normal ansieht, was sie selber erlebt und gesehen hat, was insgesamt wenig überraschend ist. Menschen sind die Summe ihrer Erfahrungswelt im Laufe ihres Lebens.
Problematisch wird das Ganze, wenn womöglich Gruppen von Menschen über etwas Wichtiges eine Entscheidung fällen sollen. Ganz schwierig wird es, wenn sich diese Entscheidung auf etwas bezieht, das weder zur Erfahrungswelt der einen noch der anderen Altersstufe gehört, weil das Dingsbums, um das es geht, eben eine langfristige Entwicklung hat.
In einer Verschiebung der Perspektive könnte man sagen, daß Menschen als kurzfristige Lebewesen – denn bezüglich geologischer oder astronomischer Prozesse ist Mensch sehr kurzfristig – einfach ein massives Problem damit haben, Langfristigkeit und ihre Auswirkungen überhaupt als solche zu erkennen. Und somit erkennt Mensch dann eventuell eine Bedrohung nicht als solche, einfach weil diese sich nicht schnell genug bewegt aus seiner Perspektive. Unser im Evolutionsprozeß entstandenes Gehirn schützt uns vor dem springenden Tiger. Oder eben dem plötzlich heraneilenden Fahrzeug. Den Bewohnern der Osterinsel hat es nicht geholfen, die letzten Bäume nicht zu fällen.

Das Phänomen der shifting baselines erschwert es, generationen-übergreifend zu handeln oder zu denken

Mit der anderen Wahrnehmung der Umwelt gehen auch Verhaltensänderungen einher oder eine Verschiebung von Grundüberzeugungen in einer Gesellschaft. So ist meine Einstellung gegenüber digitalen Gadgets wie „Smartwatches“ oder dem Trend, immer mehr digitale Daten über sich selbst zu erzeugen und dieses ganze Zeug auch noch in die Cloud zu schieben, eine völlig andere als die einer Person, die halb so alt ist wie ich.
Denn ich kenne eine andere Welt, eine ohne massiv digitalisierte Infrastruktur. Ein heute 20jähriger kennt das nicht, er ist mit dieser Welt von mir niemals in Berührung gekommen. Hausaufgaben ohne Wikipedia oder eine Bibliothek, in der kein einziger Computer zu sehen ist? Völlig undenkbar, in welcher Steinzeit soll das gewesen sein?
Dummerweise ändert sich damit aber auch die Einstellung zu Dingen wie Überwachung von digitalen Daten, was wiederum auf Dauer auch die Auffassung einer Gesellschaft über Demokratie massiv verändern kann, und das nicht zum Besseren. Viele Jugendliche sehen heutzutage etwas wie Vorratsdatenspeicherung nicht als Problem, denn viele von ihnen betreiben die ja quasi freiwillig, wenn sie ihre Selbstvermessung vom letzten Joggen ins Netz stellen. Schon jetzt lauern Krankenkassen auf all diese Daten und die ersten Rabattmodelle sind in Vorbereitung. Der biometrisch gläserne Beitragszahler wird in Zukunft weniger Beiträge zahlen und Typen wie ich werden eines Tages die unnormalen Bremser sein. Falls ich das nicht ohnehin schon bin, das kommt wahrscheinlich auf die Perspektive an.

Geht es also um langfristige oder auch nur mittelfristige Dinge, treffen Menschen sehr oft katastrophale Fehlentscheidungen, Menschengruppen ganz besonders.
Es kann sein, daß sie mit der Situation keinerlei Erfahrung haben.
In Australien führten Siedler Füchse zur Jagd ein und Kaninchen, damit die Füchse was zu fressen haben. Das war ein mühseliger Prozeß und klappte erst nach mehreren Anläufen. Dann fraßen die Füchse andere Tiere, diejenigen nämlich, die zur heimischen Ökologie gehörten und noch nie einen Fuchs gesehen hatten. Die Kaninchen vermehrten sich derweil ungestört, sprichwörtlich wie die Kaninchen, zerstörten den Boden und fraßen die Pflanzen, die eigentlich von Schafen und anderen Zuchttieren gefressen werden sollten. Heute gilt das als ein Paradebeispiel für Katastrophenökologie. Jedes größere Land hat Zollvorschriften, die eine derartige Verschleppung von Arten verhindern sollen. Aber die damaligen Australier wußten es nicht besser.
Als Siedler aus Norwegen vor Jahrhunderten Island besiedelten, sahen sie grünes Land mit Waldbeständen und ordentlichem Mutterboden. Also dachten sie sich „Sieht ja aus wie zu Hause hier“ und machten sich daran, Rinder und Schweine zu halten, den Wald abzuholzen für Ackerbau und zur Errichtung ihrer Häuser und diese Häuser deckte man auch noch mit ausgestochenen Grassoden ab. Wie daheim halt. Das heutige Aussehen Islands ist die Folge der Entscheidungen von damals. Aber die damaligen Siedler wußten eben nichts über Ökologie und das diese auf Island völlig anders aussieht als im nördlichen Schottland oder in Norwegen.
Sie gingen einfach von ihrer früheren Erfahrung aus und übertrugen sie auf eine Landschaft, die so aussah wie daheim, ohne aber eine solche Landschaft zu sein. Auch frühere Erfahrungswerte sind also kein Garant für eine korrekte Entscheidung.

0049-01 Wastelands

Bild 2: Ein Blick auf die ökologisch nachhaltigere Welt, die uns der neue Weltklimavertrag mit seinen phantastischen Errungenschaften bringen wird. Da kommt richtig Freude auf. Aber wenigstens ergeben die Atemmasken dann einen Sinn.

In Paris haben nun 196 Staaten der Erde einen neuen Weltklimavertrag beschlossen, was auch entsprechend bejubelt worden ist. Kassandra hat ja bereits zu Beginn der Konferenz das Ende vorhergesehen, wie es sich gehört.
Und letztlich haben die Weltanführer noch mehr versagt, als selbst ich das in meinem grenzenlosen Optimismus vorhergesagt hatte.
In der Weltpresse wird das Abkommen von Paris als großer Schritt in die richtige Richtung gefeiert, als endgültige Befreiung der Menschheit vom Klimawandel und von fossilen Brennstoffen. Ist halt nur blöd, daß davon nichts in diesem Vertrag zu finden ist. Und das meine ich wörtlich. Auf diversen Seiten geben sich die Vertragsstaaten hier alle Mühe, den Begriff „fossile Brennstoffe“ nicht einmal zu erwähnen.
In Wahrheit ist das Abkommen, das da in Paris beschlossen wurde, ein absolutes Versagen auf globaler Skala. Denn was bräuchte Mensch, um diese Sache mit dem sich scheinbar recht schnell wandelnden Klima in den Griff zu bekommen?

Nun, man müßte zuerst einmal dafür sorgen, daß der CO2-Ausstoß der menschlichen globalen Industriegesellschaft massiv sinkt. Davon steht aber nichts im Abkommen. Da steht nur, man habe sich darauf verständigt, die Erderwämung auf am besten 1,5 Grad Celsius oder weniger zu begrenzen. Das ist so ein bißchen, als würde der vom Hausdach fallende Mann beim Passieren des 20. Stockwerks beschließen, daß die Straße unter ihm aus flauschigen Federkissen besteht und nicht aus Asphalt. Ich bezweifle stark, daß sich die Beschaffenheit der Straße dadurch verändern würde.
Von Aktionen in diese Richtung steht da nichts im Papier. Also beispielsweise mal den Fallschirm auszulösen per Reißleine, den verdammten Regenschirm aufzuspannen oder zumindest mit den Armen wedeln, um den Sturz zu bremsen. Nichts. Eine reine Absichtserklärung. Wie ich es vorhergesagt hatte.

Man müßte weiterhin dafür sorgen, daß entsprechende Umbauarbeiten an der Weltwirtschaft mit genügend Ressourcen, also Finanzen, vorangetrieben werden. Im Vertrag ist die Rede von 100 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2020. Nach Schätzungen der IEA, der International Energy Agency, beträgt der Bedarf aber bis 2020 etwa eine Billion Dollar, und zwar nicht erst im Jahre 2020, sondern ab sofort. Also das ingesamt 10fache der aktuell großzügig zur Verfügung gestellten Summe. Das aktuelle Bruttoinlandsprodukt der Erde liegt übrigens bei etwa 75 Billionen Dollar. Auch die Einzelheiten von „zur Verfügung stellen“ sind noch sehr offen. Man hatte sich sogar darüber unterhalten, ob man Geld, daß von im Ausland lebenden und arbeitenden Menschen in ihre ärmeren Heimatländer zurückgeschickt wird, auf das „zur Verfügung stellen“ anrechnen sollte, also diese Gelder als Klimahilfe betrachten. Ich denke, das wirft ein recht klares Licht auf die Finanzierungsabsichten der Klimahelden.

Man müßte Gerechtigkeit walten lassen und eben anerkennen, daß die alten Industriestaaten, also vorwiegend Europa und Nordamerika, den Löwenanteil des Drecks verschuldet haben. Auch das steht nicht im Vertrag, sondern das Gegenteil. Man hat sich von seiten der Industrieländer ganz offiziell rausgeredet und lehnt sämtliche Ansprüche irgendeiner Art, die von Schwellen- und Drittweltländern erhoben werden könnten, rundheraus ab.
Auf der einen Seite kann ich das nachvollziehen, denn in Indien war neulich schon klar, daß nur der Westen schuld sein kann an der Flutkatastrophe in Chennai. Schon logisch, aber wieso waren die Abwasserkanäle in dieser Region eigentlich nicht vorhanden oder aber marode?
Da Klimazerstörung zu Effekten führt, die man nicht unmittelbar einem Täter zuweisen kann, würden hier bei einer Anerkennung entsprechender Textpassagen beliebigen Klagen von Ländern der Zweiten und Dritten Welt gegen den reichen Westen Tür und Tor geöffnet. Juristisch und diplomatisch nennt man das „untragbares Risiko“. Ich hätte solche Passagen auch nicht im Vertragstext haben wollen.
Auf der anderen Seite ist es nun einmal tatsächlich so, daß der reiche Westen, dessen Bewohner unter anderem ich bin, den anderen Ländern ihre Ressourcen wegnimmt, um überhaupt reich zu sein. Und dann machen wir auch noch massiv Dreck beim Weiterverarbeiten dieser Ressourcen, der wiederum jetzt diese Sache mit der Klimazerstörung bewirkt. Sehr ärgerlich. Aber auch hier hat eben die Politik über den Pragmatismus und die Wahrheit gesiegt. Man hätte ja auch einen Passus wie „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ bemühen können, sowas wird es auf dem internationalen Parkett doch wohl auch geben?
Stattdessen sind jetzt die einen wieder sauer auf den bösen Westen und der böse Westen zahlt statt 1.000 Milliarden Dollar nur ein Zehntel dieser Summe, was vorne und hinten natürlich nicht genügen wird.

Was man tun müßte…und was in Paris beschlossen wurde. Kognitive Dissonanz in Reinstform.

Ja, und dann müßte man eigentlich mal sein Augenmerk auf verfügbare Technologien richten und nicht auf falsche Heilsversprechen durch die Zukunft.
Auch das tut der Vertrag nicht, der bei COP21 rausgekommen ist.
Stattdessen heißt es, man wolle „ein Gleichgewicht anstreben zwischen CO2-Ausstoß und CO2-Absorption.“
Und zwar ab 2050. Das heißt aber im Umkehrschluß eindeutig, daß man bis 2050 eben das tun wird, was man vorher auch getan hat: Jedes Jahr mehr an CO2 raushauen als vorher. Die Methoden, mit denen man das Gleichgewicht erreichen möchte, stehen noch in den Sternen oder sind gerade mal im besseren Laborstadium. So etwas wie CCS beispielsweise. Dieses carbon capture and storage läuft darauf hinaus, daß man CO2 aus Abgasen von Kraftwerken herausfiltert, um das Zeug dann in geeignete Gesteinsformationen zu pressen, wo es dann bleiben soll.
Niemand weiß wirklich, ob das überhaupt funktioniert. Oder ob das CO2 dann da bleibt, wo es soll. Wobei es den Energieversorgern ja reichen würde, wenn es bis zum nächsten Quartalsbericht dort bleibt, da kommt wieder das Kurzfristige zum Tragen.
Wir wissen allerdings bereits, daß so etwas wie CCS Energie verbrauchen wird, daran wird auch weitere Forschung nichts ändern. Aktuell müßte man ein Kraftwerk 40% mehr Energie erzeugen lassen, um CCS zu betreiben. Ein modernes Kohlekraftwerk hat einen Wirkungsgrad von 50% – was als private Zentralheizung in meinem Bundesland verboten wäre – also braucht unser Kohlemeiler zwei Tonnen Kohle, um die Energie von einer Tonne ernten zu können. Mit CCS braucht das Kraftwerk dann 2,8 Tonnen Kohle, um die Energie von einer Tonne Kohle ernten zu können.
Dergestalt sind die vagen Hinweise auf „zukünftige Entwicklungen“ im neuen Weltklimavertrag. Wenn das mal kein Fortschritt ist.

Was man in Paris nicht getan hat, ist, sich mal mit den Grundstrukturen auseinanderzusetzen. Denn ein guter Teil unseres CO2-Ausstoßes entstammt beispielsweise der Landwirtschaft. Oder besser, der Viehzucht, wobei die CH4 verursacht. Würde man weniger Fleisch essen, könnte man hier etwas bewirken. Dazu könnte man eine Politik betreiben, die Fleischzucht eben ökologischer und teurer macht. Das wäre ab sofort möglich und erfordert keinerlei technologische Wunderwerke. Ich bin übrigens kein Vegetarier, sondern ein Mann, zu dessen liebsten Gerichten handgeschmiedete Spaghetti Bolognese gehören, nur ganz nebenbei.
Wobei auch unsere normale Landwirtschaft massiv von fossilen Brennstoffen abhängig ist und man da sicherlich was unternehmen könnte. Am Ende stünde bessere Nahrung und weniger Umweltbelastung.
Aber stattdessen ermöglicht es der Vertrag von Paris Ländern wie Indien, mit Hilfe des billigen Kohlestroms ihre Bevölkerung „aus der Armut“ zu holen- das hatte Indien deutlich gefordert. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, wenn dem eben Einsparungen an anderer Stelle gegenüberstünden, was sie aber nicht tun. Bedenkt man dann noch, daß alleine in China die Industrialisierungswelle zu massiven Anstieg der verkauften Autos, der gefahrenen Kilometer, der getrunkenen Liter Milch und der gegessenen Tonnen Fleisch geführt hat, dann weiß man, wohin die Reise in Indien gehen wird.
Und das tut sie bereits. Der Anstieg des Fleischkonsums ist auf dem Subkontinent bereits klar zu erkennen. Wir leben den oft hinduistischen Indern ein Existenzmodell vor, das sie dazu bringt, plötzlich mehr Fleisch zu essen und Milchprodukte zu kaufen. All diese Dinge erfordern übrigens lückenlose Kühlketten, die wiederum Energie benötigen.

Eigentlich müßten westliche Regierungen massive Kampagnen fördern, die auf mehr Hinduismus im Westen hinauslaufen und nicht auf mehr westlichen Lebensstil in allen anderen Teilen der Welt. Mehr Salat statt mehr Käse.
Eigentlich müßten wir dafür sorgen, daß Landwirtschaft wieder ein lokales Geschäft wird, das den ökologischen Gegebenheiten angepaßt wird und dabei auch noch CO2 bindet – wie es öko-intensiver Landbau übrigens tut. Denn das würde auch die Menge an transportiertem Zeug auf den Weltmeeren verringern. Containerschiffe werden nicht von Hamstern angetrieben, die benutzen Schweröl. Weniger Transport durch lokalisierte Wirtschaft auf ökologischer Basis.
All das hat man aber in Paris nicht einmal angedacht. Denn allein diese paar Gedanken widersprechen massiven Agrarsubventionen, dem Prinzip der Globalisierung und natürlich auch solchen Dingen wie dem sogenannten „Freihandel“, der normalerweise nicht anderes bedeutet als massiven Druck auf einheimische Märkte durch hochsubventionierte Produkte unserer Industrieländer.

Ironischerweise zeigt das Stadtwappen von Paris den Sinnspruch „Fluctuat nec mergitur“. Wie jeder Asterix-Leser weiß, bedeutet das etwa „Von den Wogen geschüttelt, wird sie doch nicht untergehen“. In dieser Stadt hat man sich am Ende hingestellt und unter donnerndem Applaus den neuen Kurs gefeiert, den man beschlossen hat.
Er sieht genau so aus wie der alte. Nur eben noch mehr davon.

4 Gedanken zu „Eintagsmenschen

  1. Wenn man sich die aktuellen Temperaturen auf der Nordhalbkugel so anschaut, sind die milden Temperaturen in Nord-Europa gerade die absolute Ausnahme. In meiner MeteoEarth App werden Temperaturen unter 0° als blau dargestellt und unter -19° C geht es in den türkisen Bereich. Der größte Teil der USA ist blau, Kanada und Russland schon größtenteils türkis, China blau bis türkis, Japan mehr als 50% blau. Warum sollten diese Länder was gegen mildere Temperaturen unternehmen? Und so ein milder Winter wie wir ihn gerade haben ist doch auch mal ganz nett. Gerne mehr davon, sage ich mir, auch wenn man das in Ski-Gebieten anders sehen dürfte.

    Die Frage sollte daher auch lauten: Will der Westen, China und Russland überhaupt ein 2°-Ziel, wo doch in einigen Länder auch mit 5° höheren Temperaturen im Schnitt noch keine spanischen Verhältnisse einkehren? Die Verlierer dieses Klimawandels sind nicht die, die was zu kamellen haben. Aber selbst Indien, Brasilien und Australien möchten ja lieber so weitermachen, obwohl die doch eher auf der Verliererseite stehen. Um die Reduktion der CO2-Emmissionen geht es doch gar nicht mehr oder ist es auch nie gegangen. Hätte wenigstens Deutschland das ernst gemeint, müsste es doch mindestens ein Tempolimit auf Autobahnen geben und eine gerechtere Besteuerung der PS-Protze, aber die bauen wir ja selber und exportieren noch Kohlekraftwerke neben dem eigenen Ausbau dieser Energieform.

    Die Frage lautet daher für mich nur: Für jeden Quadratkilometer, der überflutet oder wo es mal zu heiß zum Leben wird, wird wieviel Fläche im Norden mild genug um mehr Menschen aufzunehmen und zu ernähren?

  2. Vor nicht allzu langer Zeit ist das Verhältnis Stadt- und Landbewohner zugunsten der Städter gekippt. D.h., weltweit betrachtet, leben mehr Menschen heute in Städten als auf dem Land. Aus Städten werden Megastädte mit 10 Mio. Einwohnern und mehr. Eine lokale Nahrungsmittelversorgung ist unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Jede dieser Megastädte bräuchte ein riesiges Umfeld, das nicht vorhanden ist.

    Städtebildung ist ein Phänomen, das zusammen mit der Agrarisierung vor rund 10.000 Jahren begonnen hat. Es ist eine Entwicklung, die angesichts der 7,3 Milliarden Menschen nicht umkehrbar ist. Der Trend zu Megastädten wird sich mit wachsender Bevölkerungszahl noch verstärken.

    Meiner Information nach erwirtschaftet öko-intensiver Anbau auf gleicher Fläche und gleicher Bodenqualität rund 1/3 weniger Ertrag als industrieller Anbau, vor allem bei Getreide und Reis, den menschlichen Hauptnahrungsmitteln. Ich kaufe bei einer Bio-Bäuerin ein, die ihr Felder mit Eseln bewirtschaftet, die ebenfalls bestätigt, dass sie weniger Ertrag als beim konventionellen Anbau hat, dafür ist ihr Gemüse jedoch tatsächlich von deutlich besserer Qualität.

    Hühner und Schweine werden mit Anbauprodukten (Mais, Soja etc.) gefüttert, aber zumindest teilweise mit den Pflanzenbestandteilen, die für den Menschen nicht genießbar sind. Rinder werden, weltweit betrachtet, zu 80% mit Gras gefüttert, das auf Flächen wächst, auf denen sonst nichts anderes wächst. Die Meere sind bereits jetzt überfischt. Trotzdem leiden 800 Millionen Menschen derzeit an Unterernährung.

    Deshalb denke ich, dass es nicht so einfach ist, aus der industriellen Produktion wieder auszusteigen. Obwohl das angesichts ausgehender fossiler Brennstoffe und zwecks Erhalt der Bodenqualität langfristig sicher das Vernünftigste wäre. Die Frage ist, ob das „Vernünftige“ machbar ist, ohne eine gewaltige Hungersnot zu erzeugen. Wenn das „Vernünftige“ eine Hungersnot erzeugt, ist es dann noch vernünftig?

    Ich denke auch nicht, dass der Mensch das Klima wirklich steuern kann. Wie Sie sagen, hat die Warmzeit vor ca. 13.000 Jahren begonnen, ohne dass der Mensch damals einen nennenswerten Einfluss darauf hatte. Zur Zeit von Ötzi muss es ebenso warm wie heute gewesen sein, sonst wäre der arme Kerl vom Eis nicht freigegeben worden. Ich bestreite nicht, dass der Mensch, was den jetzigen Klimawandel betrifft, ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist, aber aus der Tatsache, dass der Mensch mit seinem Verhalten das Klima beeinflusst, ergibt sich nicht automatisch, dass er es steuern kann.

    Ich glaube nicht einmal, dass der Mensch in der Lage ist, das Verhalten der Menschheit insgesamt zu steuern. Dafür haben Sie weiter oben im Text auch einen guten Grund genannt: der Mensch ist nicht in der Lage, langfristig zu planen und entsprechend zu handeln. Vielleicht ist das ja auch nicht im Sinne der Evolution, denn Evolution bedeutet ja stetiger Wandel.

    Ich hätte gern die Lösung für die Probleme, die sich überall abzeichnen, aber ich glaube, es gibt keine. Genau das wird ja auch im Weltklimavertrag von Paris dokumentiert. Die Politiker können sich gern drauf einigen, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wenn die Wissenschaftler bei günstigen Prognosen bereits von 2,7 Grad ausgehen. Der Vertrag dokumentiert nichts anderes als die Ohnmacht der Politik.

    Ich stelle mir die Frage, wie man bei all diesen Gegebenheiten trotzdem ein gutes Leben führen kann. Eben trotzdem Apfelbäumchen pflanzt, selbst wenn das zur Rettung der Welt nichts beitragen sollte. Eine ethische Grundhaltung zu leben, die sich selbst genügt, auch wenn die Welt drum herum sich wandelt oder vielleicht sogar zusammenbricht.

    Ich freue mich, dass ich Ihre interessante Website entdeckt habe. Sie regt zum Nachdenken an.

  3. Laaaaaaaaaaaaaaaaaaanger Kommentar. Willkommen, Fremdling 😀
    Ist ja fast ein Gastbeitrag hier.

    Rinder werden, weltweit betrachtet, zu 80% mit Gras gefüttert, das auf Flächen wächst, auf denen sonst nichts anderes wächst. Die Meere sind bereits jetzt überfischt. Trotzdem leiden 800 Millionen Menschen derzeit an Unterernährung.

    Deshalb denke ich, dass es nicht so einfach ist, aus der industriellen Produktion wieder auszusteigen. Obwohl das angesichts ausgehender fossiler Brennstoffe und zwecks Erhalt der Bodenqualität langfristig sicher das Vernünftigste wäre. Die Frage ist, ob das „Vernünftige“ machbar ist, ohne eine gewaltige Hungersnot zu erzeugen. Wenn das „Vernünftige“ eine Hungersnot erzeugt, ist es dann noch vernünftig?

    Ich greife nur diesen Punkt kurz heraus: Ich habe nirgendwo behauptet, daß es einfach wäre, aus dem Fossilen „auszusteigen“. Ich gehe davon aus, daß wir Menschen ausgestiegen werden. Ein Dilemma – kein Problem! 😉
    Daher auch keine Lösung im herkömmlichen Sinne.

    Ich freue mich, dass ich Ihre interessante Website entdeckt habe. Sie regt zum Nachdenken an.

    Was ihr Sinn und Zweck ist, soweit es mich betrifft. Ich freue mich 🙂

  4. Die Frage lautet daher für mich nur: Für jeden Quadratkilometer, der überflutet oder wo es mal zu heiß zum Leben wird, wird wieviel Fläche im Norden mild genug um mehr Menschen aufzunehmen und zu ernähren?

    Sicherlich wird es auch Gewinner-Gebiete geben, das ist korrekt. Insgesamt ist diese Rechnung global aber negativ. Auftauender Permafrost ist kein Agrargebiet. Vertrocknender Regenwald auch nicht. Rückkopplungsprozesse überall, die meisten negativ.

    Was aber politisch und auch sonst gerne übersehen wird, ist aber die Tatsache, daß Klimazerstörung eben soziologische Folgen hat. Wenn Menschen nicht mehr bleiben können, wo sie eigentlich zu Hause sind, dann gehen die woanders hin. Sie werden sich nicht einfach hinlegen und sterben. Wenn jetzt schon – laut UN – weltweit 60 Millionen Menschen in Bewegung sind (nicht alle aus Klima-Gründen), wie wird es aussehen, falls es in 10 Jahren 500 Millionen sind? 😉

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