Die Gegenwart der Zukunft

»Revolutions always come around again. That’s why they’re called revolutions.«
Terry Pratchett, Night Watch

Die Gegenwart. Auch in Zukunft wird das die Zeit sein, die uns den meisten Streß verursacht. Wo immer man hin sieht, man scheint stark von Idioten umgeben. Oder Politikern, was noch schlimmer ist. Oder irgendwelchem dementen Nazi-Pack, das so etwas wie „Antifa” für eine Terrororganisation hält und als Hobby Golfspiel, Karate und Angriffskriege auf andere Länder hat. Ja, ich gucke dich an, Donald. Dich auch, Wladimir.

Kassandra hat schon vor zwanzig Jahren immer gesagt, dass sie sich keine Sorgen macht um Russland mit Putin. Gut, an dem Punkt mussten klar einige Abstriche gemacht werden. Wer konnte aber auch glauben, dass der Typ derartig verblödet sein würde und so einen Bullshit-Krieg anfangen, um sich von den zunehmenden Falten seines alternden Arsches abzulenken?
Selbst nach 2014, als die Russen sich die Krim eingesackt hatten und mir ein Blick auf die Landkarte klar sagte, dass diese Aktion nur Sinn ergeben könne, wenn man diese verdammte Halbinsel mit einem möglichst breiten Landkorridor an Russland anbindet, dachte ich mir noch: »So doof kann er nicht sein, oder?«
Nun ja, wir wissen es inzwischen besser. Doch der Kernpunkt steht noch immer: Kassandra macht sich keine Sorgen um Russland unter Putin. Kassandra macht sich Sorgen um Russland nach Putin. Denn das wird vermutlich nicht besser. Der Mann ist auch nicht unsterblich. Wenn also sonst keiner den Schakal anheuert, um das Problem auf althergebrachte Weise zu erlegen, wird es der übliche Abholdienst* erledigen, den wir alle kennen: Groß, sehr dürr, schwarze Kapuzenkutte, Sense, mag Katzen und Currygerichte und SPRICHT IN GROSSBUCHSTABEN.
Dem ultimativen Vertreter des Temporalen wird auch ein Wladimir Putin nicht entwischen. Continue reading →

Last Christmas

„Falls wir heute Abend noch irgendwas versauen können, gebt mir Bescheid.“
Captain Kirk

Es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen. Es ist alles vorbei, das Jahr geht zu Ende, genießen Sie die Feiertage.
Eigentlich wollte ich noch einen Beitrag schreiben. Aber warum, so kurz vor Weihnachten?
Selbst die aktivste 16jährige des Planeten ist wieder nach Hause zurückgefahren. Mit der deutschen Bahn unter anderem. Schade nur, daß die Bahn nicht fuhr, in der Ms Thunberg, soeben erst zur Person des Jahres auf dem Cover von TIME gekürt, ihren Platz in der 1. Klasse gebucht hatte.
Im Ersatzzug beging Greta dann die unverzeihliche Selbstinszenierung, fotografiert zu werden. Auf dem Boden sitzend. Irgendwer griff das Bild auf und sagte: „Die Bahn ist wieder mal scheiße“.
Ein Urteil, dem Kassandra sich so pauschal nicht anschließen möchte. Nach meiner Erfahrung sind oft Menschen scheiße, die mit der Bahn fahren und dann glauben, sie hätten den ganzen Laden exklusiv für sich gepachtet. Das macht die Sache nicht einfacher.
Greta Thunberg sagte das auch nicht. Sie sagte in ihrem Tweet, es sei ganz cool, daß der Zug so voll sei. Denn das bedeute wohl doch hohe Nachfrage nach Zugreisen. Eigentlich bedeutet es wieder einmal mieses Material, chaotische Unplanung und zu wenig Personal bei der Deutschen Bahn, aber wir wollen nicht übermäßig kritisch sein. Immerhin kommt die Dame aus Schweden.
Eine Politikerin der ehemaligen spd, Franziska Giffey, sah das jedenfalls anders und warf der schwedischen Dame die eben erwähnte Selbstinszenierung vor.
Politik. SPD. Selbstinszenierung. Man finde den Fehler. Schade. Franziska Giffey hätte verhindern können, ihrerseits für eine aufgeblasene Wichtigtuerin gehalten zu werden, indem sie schlicht Thunbergs Twitteraccount gelesen hätte. Woher wissen wir, daß die spd-Trulla den Tweet nicht einmal selber gelesen hat?
Ganz einfach: Frau G. behauptete schlicht, Greta T. habe gelogen und bezüglich Zugausfall nur die halbe Wahrheit erzählt, da sie ab Göttingen einen Sitzplatz hatte.

Einen derartig schwachhirnigen Spruch zu bringen, das Ganze auch noch bei einem Interview mit Deutschlands Volksverhetzerblatt Nr. 1, führt die gemachte Aussage schon durch das Bühnenbild extrem ad absurdum.
Erstens ändert sich dadurch nichts an der Tatsache, daß die Kundin trotzdem nicht erst ab Göttingen erster Klasse gebucht hat. Zweitens ist es schlicht falsch, denn Greta Thunberg hat all ihren Widersachern, Möchtegernbelehrern, Trittbrettfahrern und Schlammwerfern aus Politik und Presse eines voraus: sie schildert Dinge gerne wahrheitsgemäß und sachlich, weswegen sie in unserer Welt als „behindert“ gilt.

Die Bahn hätte das positiv für sich nutzen können. Eine Person mit großer Reichweite hatte es geschafft, aus einem fahrenden Zug heraus zu twittern! Dafür benötigt man Internet! Stattdessen entschlossen sich die Verantwortlichen, aus der eigentlich recht guten Vorlage für positives Feedback im Sinne des Schienenverkehrs ein Lehrstück zu basteln, das da heißt: How to make yourself a PR disaster in two easy lessons.
1. Sei die deutsche Bahn
2. Veröffentliche persönliche Daten deiner Kundin auf Twitter, während du auf den Premium-Service hinweist, für den die Kundin auch Premium-Preise bezahlt hat (1. Klasse!) und der schon deswegen nicht stattfindet, weil eben der gesamte Zug einschließlich der zugehörigen ersten Klasse, in dem die Kundin gebucht hat, gar nicht erst auftauchte.
Man könnte sich jetzt als Unternehmen mal dafür entschuldigen. Für den ausgefallenen Zug. Für die beleidigten Leberwürste im eigenen Team, bei denen der Kunde schuld ist, wenn man es selbst wieder mit Schwung verbockt hat. Muß man aber nicht. Man kann sich auch so zartfühlend daneben benehmen wie ein onanierender Metzger mit Kettensäge beim Jahresgipfel der Veganer-Senioren. Die Bahn, die SPD der Konzerne. Ich ahne bereits, welchen neuen Job unser hoffentlich bald ehemaliger Verkehrsminister Scheuer bekommen wird. Der ist übrigens gerade dabei, die Justiz zu behindern. Deutschland ist wahrlich gesegnet. Wir haben nicht nur einen Donald Trump. Wir haben mehrere, sie verteilen sich nur besser. Continue reading →