Die Gegenwart der Zukunft

»Revolutions always come around again. That’s why they’re called revolutions.«
Terry Pratchett, Night Watch

Die Gegenwart. Auch in Zukunft wird das die Zeit sein, die uns den meisten Streß verursacht. Wo immer man hin sieht, man scheint stark von Idioten umgeben. Oder Politikern, was noch schlimmer ist. Oder irgendwelchem dementen Nazi-Pack, das so etwas wie „Antifa” für eine Terrororganisation hält und als Hobby Golfspiel, Karate und Angriffskriege auf andere Länder hat. Ja, ich gucke dich an, Donald. Dich auch, Wladimir.

Kassandra hat schon vor zwanzig Jahren immer gesagt, dass sie sich keine Sorgen macht um Russland mit Putin. Gut, an dem Punkt mussten klar einige Abstriche gemacht werden. Wer konnte aber auch glauben, dass der Typ derartig verblödet sein würde und so einen Bullshit-Krieg anfangen, um sich von den zunehmenden Falten seines alternden Arsches abzulenken?
Selbst nach 2014, als die Russen sich die Krim eingesackt hatten und mir ein Blick auf die Landkarte klar sagte, dass diese Aktion nur Sinn ergeben könne, wenn man diese verdammte Halbinsel mit einem möglichst breiten Landkorridor an Russland anbindet, dachte ich mir noch: »So doof kann er nicht sein, oder?«
Nun ja, wir wissen es inzwischen besser. Doch der Kernpunkt steht noch immer: Kassandra macht sich keine Sorgen um Russland unter Putin. Kassandra macht sich Sorgen um Russland nach Putin. Denn das wird vermutlich nicht besser. Der Mann ist auch nicht unsterblich. Wenn also sonst keiner den Schakal anheuert, um das Problem auf althergebrachte Weise zu erlegen, wird es der übliche Abholdienst* erledigen, den wir alle kennen: Groß, sehr dürr, schwarze Kapuzenkutte, Sense, mag Katzen und Currygerichte und SPRICHT IN GROSSBUCHSTABEN.
Dem ultimativen Vertreter des Temporalen wird auch ein Wladimir Putin nicht entwischen.

Donald Trump, diese schimmelige Orange, die von der kleinen, pelzigen Alienkreatur auf ihrem Kopf nur noch sehr mühsam gesteuert werden kann, übrigens auch nicht.
Im Gegensatz zu dem bekloppten Russen waren aber sogar die Amis in den letzten 180 Jahren so schlau, zumindest keines ihrer Nachbarländer anzugreifen, nachdem der Landraub an Mexiko 1848 abgeschlossen war.
Dafür so ziemlich alle anderen. Außer Ghana und Nepal oder so. Mit den zunehmenden geopolitischen Sabberanfällen der Großen Orange allerdings würde ich mir da ein paar Sorgen machen. In seinem letzten Demenzanfall erzählte der Nicht-Präsident der ehemaligen USA etwas von U-Booten aus China und Russland, die ständig um Grönland rumschleichen. Leider kam keiner seiner Pfleger dazu, ihm rechtzeitig wieder was in die Hamburger zu mischen, weshalb jetzt alle wieder so tun, als sei die Annexion eines Partnerstaates der NATO völlig legitim und da müsse man doch wohl voll Verständnis für haben, wegen… *Papier raschel*… der nationalen Sicherheit und so.

Ja, Grönland ist autonomes Gebiet, aber trotzdem Teil des Staatsgebiets des nördlichen deutschen Nachbarn Dänemark. Die wiederum sind Mitglied der NATO seit schon immer und wenn die Amerikaner jetzt ernsthaft das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds mit ihrer Klimapolitik noch weiter beschleunigen wollen, weil sie geil auf die vermuteten fossilen Ressourcen unter dem Eis sind, dann ist das trotzdem kein Grund, sich die Hütte einfach mal einzusacken.
Seltene Erden, fossile Rohstoffe und natürlich die Tatsache, dass eine eisfreie Arktis neue Handelswege – und Angriffswege – bedeutet, sind da schon eher ein Grund. Es ist kein Grund, den Trump verstehen würde, aber das ist auch gar nicht notwendig. Es genügt, wenn jemand aus seinem Dunstkreis dem angeblichen Immobilien-Fachmann etwas von einem guten Stück Land erzählt, das man kaufen muss, bevor die Konkurrenz es tun kann. Das auch diese Konkurrenz eher imaginär ist, muss man wiederum nicht erwähnen. So etwas würde den Präsidenten nur verwirr… oh, Moment.

Der sich auflösenden Existenz des Faktischen folgt unmittelbar die Auflösung einer auf Verträgen basierenden Weltordnung. Man kann kein Vertrauen zu Leuten haben, die einem dreibeinige Hyänen als Araberhengst verkaufen wollen.

Jedenfalls ist Russland gerade noch damit beschäftigt, die Ukraine in einen Friedhof zu befreien und China kauft im Zweifel eher Sibirien statt Grönland. Das ist näher dran, die Rohstoffe da sind nicht vermutet, Chinesen gibt es genug und im Zweifelsfall baut man halt noch ein oder zwei uigurische KZ auf den abschmelzenden Permafrost.
Marco Rubio,  der Außenminister unseres angeblichen Verbündeten, hat mehrfach versichert, es sei alles gar nicht so schlimm. Die Drohungen des „Präsidenten” seien lediglich eine Vorbereitung darauf, das Gebiet zu kaufen. Das zwar nicht zum Verkauf steht und außerdem ein Staat ist – jedenfalls fast – aber das sind Details, für das sich die Transatlantik-Faschisten eh nicht interessieren. Es gehört zur üblichen Taktik dieser Klientel, irgendwie über alles eine Debatte vom Zaun zu brechen. Auch und gerade bei Themen, die gar nicht zur Debatte stehen. Seien es grundlegende Menschenrechte für alle oder territoriale Fragen.
So weit sind die Beziehungen inzwischen runtergerockt, in nur einem weiteren Jahr mit dem Trumpeltier, dass es für die EU beruhigend sein soll, wenn der Außenminister der quasi-faschistischen USA zu einem NATO-Gründungsmitglied sagt: »Hey, wir wollen euch nur ausbeuten, nicht töten!«

Heißer Tip an die kanadische Regierung: Macht euch Sorgen. Sofort!
Denn Kanada, das Land der Elche und der totalen Umweltapokalypse durch Teersand, liefert den USA stolze 4,4 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das sind aktuell etwa 60% der Gesamtimporte des Landes. Wobei – wieso importieren die Amis eigentlich schon wieder mehr als 8 Millionen Faß Stoff pro Tag, wenn das mit dem genialen Fracking daheim immer so geil… aber egal, das Thema hatten wir schon ausführlich.
Jedenfalls hat Kanada Öl. Oder so was etwas Ähnliches. Und es liegt im Norden.
Wenn also Grönland fällt und die NATO implodiert, während die EU in Brüssel wieder dumm Maulaffen feil hält, würde ich schon mal eine zehn Meter hohe Grenzmauer hochziehen, noch bevor mich der Knall der Sektkorken aus Moskau erreicht in Montreal. Oder Toronto. Hauptsache Kanada.

Exakt das werden sich die Amis dann nämlich als nächstes einsacken wollen. Kanada ist quasi Venezuela, nur ohne die Palmen. Venezuela hat auch so etwas wie Öl, aber eben doch nicht, weil dieses Glibberzeug…aber ich lasse das mal jemand anderen erklären.
Außerdem sind die Kanadier antifa. Klare Sache, denn die Regierung ist demokratisch gewählt worden. Im Gegensatz zu der in Washington. Alle Demokraten sind aber automatisch Antifa, denn wer gegen Faschismus ist – oder allgemein gegen so was wie totalitäre Systeme – ist zwangsläufig irgendwie für Demokratie.
Das hindert die Regierung der kanadischen Provinz Alberta natürlich nicht daran, aus unterbelichteten Fossil-Lobbyistinnen zu bestehen, die gerade erst wieder versuchen, dem Steuerzahler 50 Milliarden an Kosten aufzudrücken, damit man noch mehr Land platt machen kann und den Nachbarn mit Öl beliefern, das gar keines ist. Klassische „Zukunftsinvestitionen” von Konservativen halt. Danielle Smith und Friedrich Merz würden prima miteinander auskommen, sie sind beide an denselben Stellen etwa gleich doof.
All das wird Trump aber auch nicht daran hindern, Kanada notfalls zum terroristischen Drogenstaat zu erklären und da einzumarschieren. Auf jeden Fall sind die verdammten Kanadier Teil einer ultralinken Kommunistenverschwörung. Die haben ein kostenfreies Gesundheitssystem!
Außerdem liegen sie genau nebenan. Warum nicht alte Gewohnheiten wieder aufnehmen, wenn man eh gerade dabei ist?

Wobei – wenn Donald das nur persönlich machen wollte, wäre das noch ganz witzig anzusehen. Donald Trump beim Einmarsch in Kanada stelle ich mir etwa so vor wie den Vorstand von VW oder E.ON oder einen der anderen Industrie-Parasiten im deutschen Volkspelz, wenn sie wieder mal damit drohen, das Land zu verlassen, falls sie nicht weiter ungestört nutzlose Verbrenner-Autos auf Halde produzieren dürfen mit Hilfe staatlicher Subventionen.
Jedes Mal, wenn ich mir vorstelle, wie die Herren Schlipsträger hilflos mit dem Bürolocher versuchen, ihre Werkshallen abzubauen, um sie dann Schraube für Stahlträger nach China zu schleppen, komme ich aus dem Lachen nicht mehr raus.

Seit 30 Jahren droht deutsche Industrie immer wieder mit Abwanderung ins Ausland. Das einzige, was noch keine deutsche Regierung gemacht hat, ist, diesen Nichtskönnern zu sagen: »Geht ruhig.«
Dann können wir anschließend mal eruieren, ob sich die Lage verbessert oder nicht. Einfach mal die Krise als Chance begeifen. Einen Versuch wagen. Flexibel sein. Solche Dinge halt. Was die  sog. „FDP” immer über die Opfer der Jobcenter-Politik so sagt. Wie wäre es zur Abwechslung mal damit?
Irgendwer wird schon Transportmittel für das 21. Jahrhundert bauen. Oder eher züchten, schätze ich.
Natürlich bliebe das Geld des Konzerns in meinem Land erst einmal hier. Wer ins Ausland flüchten kann, der kann auch 90% der Umsätze der letzten zehn Geschäftsjahre als Sondersteuer bezahlen. Schließlich haben einzelne Vorstände pro Jahr zweistellige Millionen eingesackt, weil sie so unfassbar geile Marketinghengste sind. Da muss ja irgendwo Geld reingekommen sein. Und falls nicht, kann man diese Leute dann immer noch verhaften. Ingenieuren ist es egal, ob sie ihr Gehalt von einem verstaatlichten Betrieb bekommen oder einer Privatsozialismus-Klitsche.

Im Iran brennt den Mullahs derweil derartig der Kittel, dass sie das Internet abgeschaltet haben. Komplett. Donald der Möchtegern-Diktator hat schon das Wort FREEDOM! auf seinem Lügenkanal online gepostet.
Dabei wollen die Iraner sicherlich auch mal Freiheit von Einmischungen der USA haben.
Unser Wertewesten, namentlich die USA und die Briten, sind historisch überhaupt für die Entstehung der theokratischen Überwachungsdiktatur verantwortlich. Ebenso wie im Afghanistan der 50er Jahre Frauen mit Make-Up an Unis studierten, war der Iran in dieser Zeit eine säkulare Republik. Den Rest kann man nachlesen. Die „Operation Ajax” war bis vor einer Weile auch auf den Seiten der CIA-Historie noch zu finden.
Ich denke auch, dass die Iraner im Zweifel ihre Stasi-Typen von den Revolutionsgarden und anderen gnadenlos verfolgen werden. Etwas, das man in Deutschland nicht gemacht hat. Deshalb sind so viele von denen auch in der CDU gelandet. Aber wir haben es schon bei der angeblichen Entnazifizierung nach ’45 vermasselt, warum also nicht denselben Fehler zweimal machen.

Die EU hat bereits das Regime, das mit brutaler Gewalt die Aufstände niederschießt, zur Mäßigung aufgefordert. Derweil werden in den USA amerikanische Hausfrauen am Steuer von der nicht-geheimen Staatspolizei ICE erschossen. Zu diesem Regime hat die EU bisher nichts gesagt. Wie zu Grönland auch nicht.
Ich hätte da schon mal die ersten 20 Flugabwehrbatterien stationiert. Gerne auch mit Kanada zusammen als joint venture. Übrigens haben die USA den Krieg gegen Mexiko vor 180 Jahren auch vom Zaun gebrochen, nachdem mehrere Angebote, Oberkalifornien zu kaufen, von der mexikanischen Regierung abgelehnt wurden. Ich würde die Grönland-Nummer also nicht auf die leichte Schulter nehmen wollen in der europäischen Politik.
Sollte die iranische Revolte das theokratische Regime endlich mal einäschern können, bin ich schon gespannt, welcher bayerische Trottel sich als erster empört melden wird, wenn das junge, neu demokratisierte Land womöglich in seinen ersten Wahlen islamische Parteien wählt. So wie in Tunesien oder anderswo eben auch.
Kassandra sagt: der Iran wird sich nicht in eine geheuchelte Demokratie nach westlichem Vorbild verwandeln. Ein Drittel der Bevölkerung des Iran ist unter 30, die werden sich von uns nicht vorschreiben lassen, wie ihre Freiheit auszusehen hat, und das ist gut so. Mehr Wasser wird es aber in dem Land auch mit einer neuen Regierung nicht geben.

Nein, wir sollten es einfach mal festhalten: die Leute in öffentlichen Ämtern und Konzernvorständen, die auf diesem Planeten die Klappe immer am weitesten aufreißen und am meisten Unheil anrichten, wären zumeist nicht mal in der Lage, ihre Autoschlüssel wiederzufinden, falls sie die in der eigenen Hosentasche verlieren sollten.
Aber die Men in Suits regieren die Welt immer noch. Weil eine große Mehrheit so blöd ist, das einfach weiter zuzulassen. Ist bequemer so. Zumindest, bis die nächste Schlammlawine mitten im Halbfinale von irgendwas mal bei dir im Wohnzimmer vorbeikommt. Oder der Pissbach neben deinem Haus die Fundamente der Garage deines sozialdarwinistischen Hausfrauenpanzers wegreißt. Schon wieder. Dabei hattest du doch gerade erst alles wieder aufgebaut. An exakt derselben Stelle wie vorher, ist ja klar.

Was also, wenn sich derartige Parameter in nicht allzu ferner Zukunft deutlich verändern?
Was wäre, wenn die Zukunft, die unaufhaltsam auf uns zurollt, so gar nicht dem tattergreisigen Blödsinn entspricht, der anscheinend in so vielen totalitär angehauchten Präsidentenköpfen ein letztes Refugium gefunden hat?
Was, wenn Kalle aus dem Ahrtal der leise Verdacht beschleicht, dass er sich für den Spritpreis gar nicht mehr interessieren muss, weil er sich noch einen Ersatz für das verdammte Haus gar nicht leisten kann, staatliche Kredite hin oder her?
Was, wenn der Staat gar keine Kredite mehr sponsort, weil er sagt, die Grünen hätten leider alles für Radwege ausgegeben und es sei kein Geld mehr da? Was, wenn – unfassbarer, aber logisch konsequenter Gedanke – überhaupt staatliche Strukturen in der nicht allzu fernen Zukunft stark von massiven Auflösungserscheinungen betroffen wären? Also, bei uns jetzt. Denn woanders sind sie das längst.

Wir sollten uns womöglich wieder mehr dem Kern des Problems widmen: der Zukunft.
Der echten Zukunft. Dem wahren Morgen. Denn Kassandra ist sich in einem unbeirrt sicher: Das Wahre Morgen hat vorgestern schon begonnen.


Das Beitragsbild zeigt das Titelbild des Romans Reaper Man (dtsch. ‚Alles Sense‘) von Terry Pratchett und wurde erschaffen vom Illustrator Josh Kirby, der nicht weniger legendär war als der Autor des Buches. Kirbys Cover-Kunst kann man HIER finden.

* die entsprechende anthropomorphe Personifizierung antwortete einmal auf den empörten Vorwurf »Aber du tötest Menschen!« folgendermaßen: »Das habe ich noch niemals getan. Die Menschen kommen von ganz allein ums Leben.«

8 Comments

  1. Betrachtet man das Jetzt mit Blick auf Gestern und extrapoliert daraus das Morgen muss man sich beinahe auf diesen sympathischen, hageren Kerl freuen, der mal sagte: „DON’T THINK OF IT AS DYING. JUST THINK OF IT AS LEAVING EARLY TO AVOID THE RUSH.“

    Auch ein ganz Grosser der fehlt, der Terry.

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      1. 🙂 Gib mir noch ein paar Jahrzehnte, dann hätte ich die „Reife“ um mich ihr als Scraggy Philipp the Savage anzuschliessen.

  2. Ich finde es super, dass die Ankündigung vom 6. November 2024 hier auf diesem Blog doch nicht umgesetzt wurde.

    Danke, dass Du noch weiter machst.

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    1. Ich schließe mich an.
      Damit sind wir 2.
      Es sollten besser JETZT 2 Milliarden sein.
      irgendwo fängt es an…

      So denken zumindest zarte Schneeflocken^^ Und damit bringen sie in Deutschand 870t schwere Züge komplett zum stehen! xD

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      1. Man kann natürlich über Berge fliegen und Sprengstoff abwerfen, um eine Lawine auszulösen.
        Man kann aber auch an der richtigen Stelle noch eine Schneeflocke fallen lassen.

        Besten Dank 🙂

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