Mourning in America

“I don’t take responsibility at all!”
Donald Trump

 

4. November 2020

Nachmittag mitteleuropäischer Zeit. Die Wahlen in den USA sind vorbei. Seit den frühen Morgenstunden twittert sich Donald “Der Auferstandene” Trump in Großbuchstaben endgültig um Kopf und Kragen, aber es hilft wenig. Die Anzahl seiner Follower ist alleine in den letzten Stunden um 30 Millionen gefallen, Twitter kommt mit der Sperrung der abgewählt-präsidialen Tweets wegen völliger Realitätsverfehlung gar nicht mehr nach.
In der Wahlnacht verlor Biden Florida und schon in diesem Moment ließ sich Trump als Wahlsieger feiern. Dummerweise verlor Trump danach so ziemlich alles, was er vor vier Jahren einer Hillary Clinton mit eher marginalen Vorsprüngen abgenommen hatte. Ein Fakt, der gerne übersehen wurde in den letzten Jahren, besonders von den Demokraten.
Und es war von vornherein klar, daß Biden ohne Florida Präsident werden kann, Donald aber nicht. Biden gewann die Großen Seen, Pennsylvania ging ebenfalls an Grandpa Joe, und das mit einem höheren Vorsprung als Trump jemals in dem Bundesstaat gehabt hatte.
Offenbar hatte niemand dem Präsidenten verraten, wie knapp seine Zahlen bei der letzten Wahl eigentlich waren. Aber wen wundert es? In der Welt von Donald Trump waren auch bei seiner Inauguration mehr Menschen, als die USA Einwohner haben. Er hat dagegen geklagt, daß Ms Clinton insgesamt mehr Stimmen bekommen hat. Denn diesen Teil der Wahl hatte Hillary vor vier Jahren für sich entschieden. Nur wird eben nicht immer derjenige Präsident, der auch mehr Stimmen im “popular vote” erzielt.

Während Trump auf Twitter noch so tut, als sei er weiterhin Präsident der USA, werden aus ersten Gegenden Aufmärsche der Neonazi-Redneck-Idioten gemeldet, die Trump in seinem Wahlkampf zwar nie kannte, die er aber trotzdem immer wieder für prima Leute hielt und dazu aufforderte, ihre Freiheit zurückzuholen.
In Michigan riegelt die Nationalgarde alle Regierungsgebäude ab, es gibt erste Schießereien mit Corona-Gegnern und Trumpisten, die das dortige Capitol stürmen wollen. In Philadelphia gibt es ähnliche Szenen.
Europa ist in einer Art abwartender Schockstarre, wie eigentlich schon seit vier Jahren. Noch immer wollen die Regierungen Westeuropas nicht einsehen, daß die USA weder unsere Freunde noch Verbündeten sind, sondern einfach ein Haufen imperialistischer Irrer mit zu vielen Waffen und zu wenig Hirn.
Die polnische, tschechische und ungarische Regierung haben Trump bereits in der Nacht zum Wahlsieg gratuliert, den es aber gar nicht gibt. Chinas Auslandsstimme hat Biden gratuliert, was Trump mit einer Art Twitter-Blutsturz beantwortet hat.
Aus Rußland hört man bis dato nichts. Vermutlich hat Vlad Putin einfach noch nicht aufgehört zu lachen und konnte deshalb keinen Text für den Botschafter diktieren.

Trumps Anwälte haben gegen das Ergebnis aus Pennsylvania bereits Beschwerde beim Supreme Court eingelegt, die Wahlleute des Bundesstaates sollen „aufgrund von Unregelmäßigkeiten” bei der Auszählung für ungültig erklärt werden. Der demokratische Gouverneur des Landes hat bereits erklärt, daß er das keinesfalls tun werde, völlig unabhängig davon, wie der Supreme Court entscheiden wird, da er die Legitimität des Gerichts anzweifelt.
Aus Texas kommen immer mehr Meldungen, die auf massiven Wahlbetrug hindeuten. Und zwar durch die Republikaner. Der Bundesstaat hing lange in der Schwebe, was angesichts der Tatsache, daß Texas seit 44 Jahren republikanische Präsidenten wählt, um so erstaunlicher war. Dann wurde er rot und blieb es auch. Aktuell patroilliert dort die Nationalgarde durch die Straßen. Wegen der Proteste gegen die Wahl, die diesmal allerdings nicht von Anwälten, sondern vor allem mexikanischstämmigen Gruppen vorgetragen werden. Man könnte so sagen, sie sind nicht erbaut über die Meldungen, was mit ihren Stimmen passiert ist.

Auch die Demokraten haben den Supreme Court angerufen. Sie wollen Florida für ungültig erklären lassen bzw. eine Nachzählung angeordnet wissen. Denn dieser Bundestaat war erst lange blau gewesen. Dann aber kippten die Stimmen auf Trumps Seite. Ein “red shift” statt eines “blue shift”, den viele Wahlexperten vorhergesehen hatten.
Die Erklärung dafür ist simpel: da Donald Trump immer wieder erzählt hatte, bei den Briefwahlen gäbe es wahnsinnig viel Wahlbetrug, hatten ihm ziemlich viele Amerikaner den Mittelfinger gezeigt und einfach schon vor dem Wahltermin abgestimmt. Ausgerechnet Florida hat für den “early vote in person” recht großzügige Zeitfenster. Schon eine Woche vor der Wahl hatten in vielen umkämpften Staaten fast so viele US-Bürger ihre Stimme abgegeben, wie vier Jahre zuvor in der ganzen Wahl, einschließlich Wahltag selbst. Die meisten dieser Wähler waren Demokraten.
Die republikanischen Wähler hingegen, das war auch im Vorfeld klar, würden eher traditionell abstimmen, also am Wahltag. Ihre Stimmen würden zuerst registriert werden, der entsprechende Bundesstaat also rot auf der Wahlkarte erscheinen. Dann erst würden die Briefwahlstimmen hinzukommen und manchen Staat ins Blaue kippen lassen. Blue Shift.
Schon vor dem Wahltermin machten die Wähler dieser Hypothese den Garaus. Der einzige Bundesstaat, in dem es dazu kam, war Ohio. Lange Zeit rot, wenn auch mit nur knappem Vorsprung, wird auch dieses Bundesland an Joe Biden gehen, wie es aussieht. Aber auch so ist längst klar, daß Trump raus ist. Arizona ist weg. Sogar Iowa könnte blau bleiben, obwohl er hier langsam aufholt.

Aber es ist vorbei. Donald Trump ist ein Ein-Amtszeiten-Präsident. Auch sein Nachfolger, Old Man Joe, wird nur eine Amtszeit bekommen. Jedenfalls dann, wenn es noch ein paar restliche Hirnzellen in der US-Politik gibt. Damit haben die USA das erste Mal seit mindestens dem 19. Jahrhundert zwei Männer ins Präsidentenamt gewählt, die nur eine Amtszeit im Weißen Haus sitzen werden. Weiter habe ich nicht zurückgeblättert.
Kennedy vor Johnson zählt nicht, der wurde erschossen. Wo waren die Präsidentenmörder eigentlich die letzten vier Jahre, als man mal einen gebraucht hätte?
Ford und Carter zählen auch nicht. Denn Gerald Ford war weder gewählter Präsident, noch war er bei der Wiederwahl Nixons der Vizekandidat. Der trat später zurück, und Ford war der Ersatzmann. Das dann gleich doppelt, denn etwas später mußte Richie seinen Präsidentensessel räumen, wegen dieser Watergate-Abhöraffäre.

JETZT

Donald Trump hat es geschafft. Er wird die Wahl nächste Woche verlieren. Nicht durch einen überwältigenden Erdrutschsieg, denke ich. Aber solide. Wobei durch das völlig verkorkste und im 21. Jahrhundert erbärmlich veraltete Wahlsystem für Grandpa Biden trotzdem eine recht große Mehrheit an Wahlmännern herauskommen könnte. Oh, Verzeihung. Wahlleute. Wahlmänner sind ja sexistisch. Allerdings wäre keinem der Verfassungsväter der USA so etwas eingefallen, als sie “We the people” niederschrieben. “People” meinte Weiße. Es meinte Männer. Und Männer, die Sklaven hielten. Diese Leute haben den amerikanischen Freiheitsbegriff geprägt.

Was Donald J. Trump dem Amt des Präsidenten in vier Jahren an Schaden zugefügt hat, ist wesentlich schlimmer als alles, was Watergate hätte anrichten können.
Trotzdem war der Kongress der Vereinigten Staaten nicht in der Lage, ihn rauszuwerfen. Bei so etwas wie Watergate hätte das heutige Amerika mit den Schultern gezuckt und wäre zum Tagesgeschäft übergegangen. Alleine das sagt eine Menge über den Zustand der zerfallenden Demokratie in den USA.
Wobei das ebenfalls eine Lüge des deutschen Journalismus ist. Oder des amerikanischen, von dem die Agenturmeldungen immer abgeschrieben werden. Amerika ist gar keine Demokratie. Darum kann Trump sie auch nicht kaputt gemacht haben.
Amerika, also die Staatenbund-Organisation „Vereinigte Staaten von Amerika”, ist von den Erschaffern der Verfassung niemals als Demokratie ausgelegt worden. Das indirekte Wahlsystem, das möglicherweise jetzt zu einem neuen Bürgerkrieg führt, wurde extra so entworfen, um „einen zu großen Einfluß des Volkes auf die Regierung” zu verhindern. Die USA sind verfaßt als eine Republik, also eine Oligarchie. Denn in einer Republik herrschen immer relativ wenige über den großen Rest und Oligarchie bedeutet schlicht „Herrschaft durch Wenige”.
Schon ein Alexis de Tocqueville hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Grundstein für diesen Irrtum gelegt, mit seinem Werk „Über die Demokratie in Amerika”. Tocqueville äußerte sich zum großen Teil begeistert über die Freiheit, die Amerikaner in ihrem noch jungen Staat genossen. Was wenig verwunderlich ist, bedenkt man die Welt, aus der er selbst stammte. Den absoluten Monarchen seiner Heimat war in Europa gerade erst ein Napoleon gefolgt, der auch nicht gerade den Grundzügen eines demokratischen Staates genügt. Danach hatten die Monarchen im Wiener Kongress die Uhren wieder zurückgestellt. Tocqueville äußerte sich aber auch über sie „seltsame Einsamkeit”, die er bei den Amerikanern in Folge ihres stark ausgeprägten Individualismus zu entdecken glaubte.

Präsident Trump wird bald Geschichte sein. Aber damit ist die Geschichte eben noch lange nicht vorbei. Im Grunde kann sie sogar erst nach Trump richtig beginnen.

Aber Donald Trump hat trotzdem gewonnen. In einem noch nie dagewesenen Hauruck-Verfahren hat er seine Kandidatin an den Supreme Court der USA gehievt. Der Kongress ist nicht in der Lage, den Präsidenten rauszuschmeißen, weil er ein unfähiger und korrupter Vollidiot ist, der mit seinem Verhalten die Demokratie und die nationale Sicherheit untergräbt. Er ist nicht in der Lage, ein weiteres Hilfspaket zu verabschieden, das 40 Millionen Amerikaner, die aktuell mehr oder weniger keinen Job haben, dringend gebrauchen könnten. Senatoren ist es egal, ob Amerikaner ihre Strom- und Wasserrechnung bezahlen können oder ob sie womöglich sogar hungern müssen. Viele von denen sind ohnehin stark armutsgefährdet, wie deutsche Medien das formulieren würden. Warum sind die nicht auch einfach Aktienbesitzer geworden oder Chefredakteure oder FDP-Parteichef? Dann hätten diese Leute keine Geldsorgen.
Aber der Senat ist jederzeit in der Lage, eine Woche vor einer Präsidentenwahl eine neue Richterin im Supreme Court zu verankern, bei deren Ansichten einem selbst als alter weißer Mann schwindlig werden kann, und ich muß es wissen, ich bin einer.
Geleitet wird dieser Prozeß folgerichtig von dem Mann, der die Senatsmehrheit anführt und seit nunmehr sechs Jahren mehr Schaden angerichtet hat als Donald Trump das jemals hinbekäme. Mitch McConnell, ein Arschloch vor dem Herrn, blockiert seit sechs Jahren jede Menge Gesetzesvorlagen, Verordnungen und Anträge aller Art, indem er sie nie auf die Tagesordnung setzt. Also wird darüber weder debattiert noch abgestimmt. So simpel ist das. Es gibt keine Möglichkeit, ihn dafür haftbar zu machen oder den Senat zu zwingen, Dinge zu besprechen. Soweit dann zu denn gerne zitierten Checks and Balances in den USA.
Derselbe Mann, der vor vier Jahren sagte, man könne unmöglich einen Richterplatz am Supreme Court besetzen, weil doch in zehn Monaten die nächste Präsidentenwahl stattfinde, peitscht unter Donald Trump denselben Prozeß binnen eines Monats durch, mit der Vereidigung der neuen Judge Barrett nur eine Woche vor der Wahl. Einer Wahl, in der dank massivem “early voting” bereits mehr als 70 Millionen Stimmen abgegeben wurden, während ich dies tippe. Die Wahlen sind also jetzt, nicht erst nächste Woche.
Damit sind die US-Republikaner als ein noch verlogenerer Haufen Arschlöcher einzustufen als die CxU-Parteien oder die “FDP” in Deutschland, noch gesellschaftsfeindlicher als die “AfD” und noch antisozialer als die ehemalige spd. Und das ist mal keine schlechte Leistung. Soviel arrogante Verachtung für die eigenen Regeln und die eigene Bevölkerung muß man erst einmal hinbekommen. Donald Trump hätte den Wahlkampf auch mit dem Motto betreiben können: „Ich scheiße auf euch armselige Loser! Wählt mich trotzdem, bevor ihr sterbt!”

Der zynische Witz daran ist, daß diese Taktik sogar funktioniert hätte, wenn dem großen Trump nicht das Coronavirus dazwischen gegrätscht wäre. Gut, seine eigene totale Unfähigkeit und die völlige Ermangelung auch des kleinsten Funkens Empathiefähigkeit hat natürlich auch dazu beigetragen, daß Trump die Situation maximal in die Scheiße geritten hat.
Aber frühere Präsidenten wären daran wenigstens von den sie umgebenden Beratern gehindert worden. Trumps Mafiaclan aus Familienmitgliedern und Arschkriechern war dazu nicht in der Lage. Außerdem hatten sie natürlich alle keinen Bock darauf, dem Alten zu widersprechen. Und so schiebt der Im-Moment-noch-Präsident seit Monaten imaginäre Anschuldigungen, Lügen und Gewaltphantasien auf Twitter durch die Gegend wie weiland Hitler imaginäre Armeen auf Karten im Führerbunker, während draußen bereits die Raketen von Stalins Orgeln einschlugen und den Endsieg eher unwahrscheinlich erscheinen ließen.

Aber ohne Corona? Donald hätte gewonnen, ich bin mir da sicher. Kassandra auch. Trump hätte auf boomende Börsenkurse zeigen können. Die natürlich nur seinetwegen existieren, ist ja logisch. Komischerweise lehnte er noch im März in Sachen Corona alle Verantwortung ab. Auch bei fallenden Börsenkursen sind immer andere schuld.
Derselbe Mann behauptet aber gerade in seinen letzten Wahlkampfauftritten, daß seine Regierung natürlich die schönste, beste und größte Antwort auf die Pandemie geliefert habe, die überhaupt in diesem Universum möglich ist. Gestern verstieg sich das Weiße Haus in einer Pressemitteilung ernsthaft zu der Behauptung, Trump habe das Virus besiegt. 230.000 Amerikaner würden ihm da widersprechen, wären sie nicht so tot. Tote betreiben keine Politik, so sagt man. Aber Tote haben Angehörige.
Trump hätte auch auf eine durchaus sehr niedrige Arbeitslosigkeit verweisen können. Das sich der Durchschnittsamerikaner mit 2,5 Jobs und fünf überzogenen Kreditkarten in seinem Pappmachéhaus so gerade über Wasser hält, ist dem Pseudomilliardär Trump an so einer Stelle ja egal. Ebenso ist es seinen Wählern egal, daß es in Michigan weder neue Stahlwerke gibt noch mehr gutbezahlte Jobs in der Autoindustrie. Im Gegenteil. In Lordstown, Ohio, hat das Werk von GM inzwischen seine Tore geschlossen. 14.000 Arbeitsplätze gingen den Bach runter.
Es gibt auch nicht mehr Arbeiter in der Kohleindustrie, die Trump versprochen hatte. Überhaupt ist die Kohleförderung in den Industrieländern nicht gerade im Aufwind. Da das bereits vor Trumps Amtsantritt der Fall war und nicht auf die USA beschränkt ist, muß es dafür andere Ursachen geben. Was die wohl sein könnten?
Aber natürlich ist im Moment ohnehin das Corona-Virus an allem schuld. Auch an miesen Quartarlszahlen von GM.
Es ist halt nicht jeder deutscher Autobauer, der auf Steuerkosten seinen Angestellten weiterhin 87 Prozent ihres Lohns zahlen kann, während gleichzeitig alleine BMW 1,6 Milliarden Euro als Dividende an seine Aktionäre ausschüttet. Überhaupt haben die DAX30 dieses Jahre gut 36 Milliarden an Dividende ausgezahlt, ein Viertel davon stammt von den Autobauern. Das wären also etwa 9 Milliarden. Genug, um damit zwei ganze Aufsichtsratsplätze bei Lufthansa zu kaufen, wenn man so blöd wie der deutsche Staat ist. Hätte Kassandra Geld genug, um sich einen Porsche Tycoon mit 750 elektrischen PS zu leisten, sie könnte alleine an Mehrwertsteuer und mit Kaufprämien zusammen mehr Geld sparen, als der durchschnittliche ALG-II-Bezieher insgesamt über das ganze Jahr bekommt für Miete und Leben. Das muß dieser Mittelstand sein, von dem ein Friedrich Merz mal geredet hat.
Aber ebenso wie solche Feinheiten deutsche Wähler nicht daran hindern hindern, weiterhin einen unfähigen und korrupten Club namens “Unionsparteien” zu wählen, die nun wirklich oft genug den Karren in den Dreck gefahren haben, den sie selber vorher noch auf die Straße schaufelten, hindern diese Dinge einen Trump-Wähler nicht daran, Donald Trump zu wählen.

Wäre Trump nicht der, der er ist, er hätte sich sogar mit der Pandemie die Wahl sichern können. Auch die Amis neigen nicht dazu, ihre Regierung ständig zu wechseln, in Krisenzeiten schon mal gar nicht. In guter, alter, menschenfeindlicher Tradition – also gemäß der Basisregeln des Kapitalismus – hätte Donald J. Trump das Virus als Chance begreifen können. Er hätte sich im Februar hinstellen können, nachdem er den Reiseverkehr mit China ein wenig eingeschränkt hatte, und sagen:
„Leute, was da auf uns zu kommt, ist gefährlich!”
Danach hätte sein Stab aus Arschkriechern den Präsidenten festgebunden und etwas später damit begonnen, die Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 noch zu übertreiben. Dann hätte man den Präsidenten im März wieder losgebunden, damit er sich vor die Menge stellen kann und verkünden:
„Knubbelt euch nicht am Strand bei Spring Break! Geht lieber Golf spielen! Geile Patrioten tragen geile Masken!”
Diese Masken hätte Trumps Mafiaclan dann auch direkt in China herstellen lassen können, während er gleichzeitig die chinesische Regierung beschuldigt, daß Virus absichtlich in die Welt gesetzt zu haben. Was hätten die Demokraten dagegen machen sollen? Sich gegen Masken aussprechen?
Donald Trump hätte sagen können:
„Amerika macht die Grenzen dicht! Aus dem Ausland kommen nur Kranke zu uns!”
Und niemand hätte ihm widersprechen können, denn tatsächlich wurden die 33.000 toten New Yorker nicht von Chinesen angesteckt, sondern von Reisenden aus Europa. Trump hätte seine rassistische Anti-Immigrationspolitik in protektionistische Fürsorge ummünzen können. Im Grunde bot das Virus Donald Trump eine perfekte Bühne für seine MAGA-Politik. Nicht nur “America first!” sondern sogar “Americans first!” wäre hier möglich gewesen.
In all diesem durchgeknallten Wahnsinn wäre ein halbwegs sinnvolles Handeln tatsächlich sehr wohl möglich gewesen und hätte Trumps Wahlchancen womöglich sogar klar verbessert.

Aber statt dessen hat Trump das gemacht, was er schon immer getan hat in seinem Leben. Er hat sich schlichtweg geweigert, auch nur einen Funken Realität in seine rosa Zuckerwattewelt des Planeten Trump eindringen zu lassen. Wozu sich mit toten Amerikanern befassen? Schließlich hat er das Virus ja locker überstanden. Alles kein Problem. Sofern man über eigene Hubschrauber, eigenen Ärztestab und eigenes Krankenhaus verfügt, natürlich. Aber auf Trumpworld ist das der Fall, denn da lebt nur eine Person. Jeder hat dort eine perfekte Krankenversorgung.
In Trumps erbärmlich unterentwickelter Gedankenwelt ist Krankheit ein Zeichen von Schwäche. Tote sind Verlierer. Das stört alles nur beim Golfen, warum sich also um solche Penner kümmern?
Trump hat schlicht auf ganzer Linie versagt. Wie immer in seinem Leben. Die vorgeschlagene Taktik hätte Kreativität erfordert und das liegt Donald Trump nicht. Wir reden von einem Mann, der auf seinen eigenen Golfplätzen beim Handicap bescheißt, damit er gewinnt. Welches Handicap hat ein Virus?

Trumps übliche Taktik verfängt weder beim Virus noch bei seinem Gegenspieler Biden. Irgendwie läuft 2020 nicht nach seinen Spielregeln.

Donald J. Trump hat in seinem Leben immer nur sich selbst verkauft, mehr kann er nicht. Er ist quasi eine Deppen-Suchmaschine, denn irgendwer mußte ihm ja immer das Geld leihen, mit dem er dann Pleite-Hotels, Pleite-Golfclubs oder Pleite-Casinos bauen konnte. Mit einem Casino in Amerika Pleite zu gehen ist allerdings eine nicht unbeachtliche Leistung, das muß man ihm lassen. Ein guter Teil dieses Talents besteht aus Einschüchterungen gegenüber anderen.
Aber einem Virus ist mit der Taktik des Gaslighting nicht beizukommen. Man kann es nicht bestechen oder mit Drohungen dazu überreden, nur Demokraten umzubringen. Auch das hat Trump versucht. Er nannte es das „China-Virus” oder die „Wuhan-Plage”.
Die Verschwörungstheoretiker überschlugen sich vor Begeisterung, als jemand behauptete, China hätte ein Biolabor in Wuhan und das Virus sei da entwischt.
Das ist sogar richtig. Das meines Wissens einzige chinesische Biolabor der Schutzstufe 3 steht in Wuhan. Es wurde nach 2003 errichtet. Um das SARS-Virus zu erforschen. Also, das von 2003. Nur ist der neue Mutant weder da gebrütet worden noch da weggelaufen.
Ich bin persönlich sicher, daß es in China auch irgendwo ein Stufe-4-Labor gibt. Allerdings ist das irgendwo verbuddelt und dient militärischen Zwecken. Wenn irgendwo auf der Erde mit Virusmutanten für die Zombieapokalypse herumgespielt wird, dann an solchen Orten. Die natürlich nicht existieren.
Noch vor ein paar Wochen geißelte Trump die Unfähigkeit demokratischer Landescheffinnen und -chefs wegen hoher Fallzahlen und mieser Wirtschaftswerte. Genau wie bundesdeutsche Schwurbelköche und selbsternannte Virusexperten aus der Wirtschaft und Ökonomie sprach er davon, daß durch irgendwelche Schließungen und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten sehr viel mehr Menschen sterben als durch das Virus. Menschen würden sofort in suizidale Depression versinken, wenn sie nicht für $7,50 föderalen Mindestlohn arbeiten könnten.
Für all dieses Gefasel gibt es keinerlei Belege. Das die eine oder andere Ehefrau ihren Kerl mit der Pfanne erschlägt, weil er ständig daheim rumhängt und den Fliesenkleber im Thermomix angerührt hat, ist völlig normal. Schwierig wird es erst, wenn man die Goldfische ertränken will, weil sie zu laut atmen.

Jetzt, direkt vor dem Wahltermin, steigen die Werte gerade in den Staaten des Mittleren Westens auf Rekordhöhen. Allesamt sind sie von Republikanern in Regierungsämtern befallen. Dazu sagt Trump nichts. Aber das ist wie mit der Briefwahl. Die ist völlig böse und da wird nur betrogen. Außer, wenn Donald Trump selber per Briefwahl wählt. In Florida. Über diesen Bundesstaat sagte Trump neulich noch, daß die Briefwahl dort „völlig in Ordnung” sei. Ich bin gespannt, ob er das am Morgen des 4. November noch immer sagt.

Aktuell ist es noch nicht der Fall, aber ich bin mir sicher, daß die USA bis zum Wahltag erstmals über 100.000 Neuinfektionen haben werden. Für Donald liegt das natürlich nur daran, daß so viel getestet wird. Das ist Trump-Logik.
Wenn keiner blitzt und Knöllchen verteilt, ist auch keiner zu schnell. Wobei das eher nach Scheuer-Politik klingt.
Wenn rechstradikale Polizisten verboten sind, muß man das auch nicht untersuchen, denn dann kann es auch keine geben. Deswegen gibt es auch keine Morde, denn die sind verboten. Das wirft allerdings die Frage auf, warum sie verboten sind, wo es doch keine gibt. Wobei das Seehofer-Politik ist.
Aber falls es doch rechtsradikale Polizisten geben sollte, dann untersuchen wir einfach mal, was Polizistinnen und Polizisten in ihrem Alltag so erleben. Darum ging es zwar nie und die Täter-Opfer-Umkehr erfolgt schon direkt vor Beginn der Untersuchung, aber es ist ein prima Kompromiß. Nützt niemandem, streckt allen Betroffenen den Mittelfinger entgegen und sagt der entsprechenden politischen Klientel deutlich, wie scheißegal sie eigentlich der Politik ist. Wobei das Scholz-Politik ist. Also ehemalige spd. Deshalb gibt es gleichzeitig auch mehr Überwachungsstaat für alle. Mit der Begründung, man könne dann den Rechtsextremismus besser bekämpfen. Ist klar, Horst.

Donald Trump ist also quasi Friedrich Merz, Horst Seehofer, Olaf Scholz, Andreas Scheuer und Christian Lindner in einer Person. Fast möchte man ihn dafür aus reinem Mitleid einschläfern. Das würde allerdings seine Schuldner nicht freuen. Schon vor der Wahl wurde bekannt, daß Donald Trump keine Steuern bezahlt, jedenfalls nicht mehr, als ein durchschnittlicher Businesstyp für ein mittelmäßig gehobenes Abendessen mit zwei Flaschen Wein ausgibt.
Trumps Schulden hingegen summieren sich auf mindestens 400 Millionen Dollar. Es könnte auch eine Milliarde sein. Persönliche Schulden in diesem Falle, nicht etwa welche des Trump-Vermarktungskonzerns. Trump hatte diese Schulden noch unmittelbar vor der Wahl ärgerlich als “peanuts” bezeichnet.
Ich vermute, alleine das hat ihn noch mal ein paar zehntausend Stimmen gekostet. Leute, die sich als Vertreter der Arbeiterklasse und des Mittelstandes gerieren, aber derartige Summen mit einem Achselzucken abtun, während kleinen Selbstständigen ihr Lebensunterhalt unter dem Hintern weggepfändet wird, wenn sie bei der Umsatzsteuervoranmeldung was falsch machen, sind auch in den USA extrem beliebt.
Donald Trump hat sein Leben lang nichts anderes gemacht, als mit dem Geld anderer Leute Schulden anzuhäufen, die er dann nicht bezahlt, um danach weiterzuziehen und die nächsten Gläubiger um Aufschub anzugehen. Unter diesen Gläubigern zuverlässig der größte kriminelle Clan Deutschlands: die Deutsche Bank.

Bild 1: Wahlwerbung in Arizona
Dank demographischer Effekte, aber auch durch die Pandemie, wird ein Staat wie Arizona seinen Fehler von 2016 nicht wiederholen. In einem wirklich knappen Szenario könnte dieser Bundesstaat sogar die entscheidenden Stimmen liefern. Offensichtlich hat man dort trotz allem Humor.

Vor vier Jahren schrieb ich, daß der Sieger die Beute bekommt und die Beute für Donald Trump die USA sind. Ich hatte mehr recht, als einem lieb sein kann.
Dieser Mann hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Obwohl, streng genommen ist das nicht korrekt. Donald Trump ist wie das Coronavirus. Er hat mit seinem Wirken die massiven Schwächen des Systems schlicht offengelegt.
Gegen seine massive Korruption ist im Grunde nichts einzuwenden. In einem Urteil von 2010 bestätigte der Supreme Court, daß Parteispenden von Konzernen, auch in unbegrenzter Höhe, keine Korruption darstellen, sondern normaler Bestandteil der Politik sind in den USA. Es gibt einen Grund, warum die Washington Mall und andere Regierungsgebäude so aussehen, als wären sie aus Rom geklaut worden. Jeder Senator des Imperium Romanum hätte Donald Trump zum Essen eingeladen und sich prima mit ihm verstanden.

Dieses Urteil – und auch andere – fällte der Supreme Court also lange, bevor jemand wie die neue Judge Amy Coney Barrett vereidigt wurde, die Trump jetzt gerade als Nr. 3 in seiner Amtszeit im Höchsten Bundesgericht der USA verankert hat. Der Aufschrei der Demokraten war auch hier nicht zu überhören. Mit dieser Frau, so heißt es, seien Urteile wie Roe vs Wade von 1973, das ein generelles Abtreibungsrecht in den USA etablierte, gefährdet. Ich halte das aus Gründen für wenig besorgniserregend.
Ms Barrett wird zuerst nicht darüber entscheiden, ob sie Frauen eine Freiheit der Entscheidung weiter zugesteht, die ihre Männer ihr nie zugestanden: die Freiheit, darüber zu entscheiden, ob sie eine Abtreibung vornehmen lassen wollen und die Freiheit, bei der Durchführung derselben keinen Kleiderbügel benutzen zu müssen. Das halte ich für unwahrscheinlich.
Donald Trump hat diese Frau mit der klaren Ansage installiert, daß sie über die nächsten Wahlen zu entscheiden haben wird. Er hat sich auch als bisher einziger US-Präsident geweigert, eine friedliche Amtsübergabe zuzusichern, sollte er verlieren. Schon die Tatsache, daß ein amtierender Präsident der USA ernsthaft gefragt werden muß, ob er ein negatives Wahlergebnis anerkennen wird, sollte sämtliche Angehörige der EU in West-und Mitteleuropa dazu veranlassen, augenblicklich aus der NATO auszutreten.
Es ist also schon längst klar, daß Trump das Ergebnis anfechten wird. Es sei denn, er gewinnt klar. Dann wird aus dem Weißen Haus wunderliches Schweigen getwittert werden, bevor das Geplärre drei Minuten später wieder losgeht. Trump sagte auch vor ein paar Tagen bezüglich der Briefwahlen, die so furchtbar gefälscht sind, solange er nicht gewinnt, auch den schönen Satz:

“Get rid of the ballots and you’ll have a very peaceful — there won’t be a transfer, frankly. There will be a continuation.” – Donald Trump

Sein Wahlkampfteam beeilte sich, dem Präsidenten-Rant in den virtuellen Arm zu fallen und versuchte, das Ganze als einen Versprecher oder gar Witz hinzustellen. Des Präsidenten Wahrheitsministerin verstieg sich sogar zu der Behauptung, Don Donald habe das aus tiefer Besorgnis zum Besten gegeben, da die ganzen Briefwahlunterlagen eben furchtbar falsch seien und das sei eben schlecht für Amerikas Demokratie.
Natürlich ist das hanebüchener Blödsinn. Die Leute, die Trump umgeben, sind exakt vom selben Typ wie er. Das bedeutet, man kann erkennen, daß sie lügen, weil sich ihre Lippen bewegen.

Was aber niemand so wirklich andenkt, ist die simpelste Lösung von allen. Trump, der nicht gerade für Subtilität bekannt ist, hat exakt das gemeint, was er sagte. Dieser Mann will nichts gegen womöglich falsche Briefwahlunterlagen unternehmen. Der Prozentsatz zurückgewiesener Mail-Ins wird nächste Woche natürlich deutlich höher sein als sonst, da sehr viel mehr Menschen gewählt haben und vor allem erstmals per Brief. Da in manchen Bundesstaaten bis zu 13 Zeugenunterschriften mit dem Blut eines frisch geschlachteten Chihuahuas erforderlich sind, wird es wohl einige Rückweisungen mehr geben als sonst.
Das hierbei besonders Nicht-Weiße betroffen sein werden, ist auch von vornherein klar. Die wählen eher demokratisch, und die Demokraten wiederum wählen diesmal verstärkt per Brief, sagen die Umfragen. Außerdem werden in vielen Bundesstaaten die Beurteilungen vermutlich von weißen Staatsdienern vorgenommen. Was unbedenklich ist, da es in den USA ebensowenig systemischen Rassismus gibt wie in Deutschland oder gar bei der Polizei. Oder der Bundeswehr.

Nein, Donald Trump will nicht die Briefwahl loswerden. Er will die Wahl loswerden. Die kosten ja auch Geld. Und Trump gewinnt ja sowieso. Jetzt weiß ich auch, warum der sich mit Kim Jong Un getroffen hat, dem König von Nordkorea.
Am Dienstag dieser Woche hat Trump beim Verlassen seiner vollgepackten Wahlkampfshow in Pennsylvania noch einmal behauptet, der einzige Weg für ihn, die Wahl zu verlieren, sei massiver Betrug. Er sprach von der “red wave” und auch davon, daß sich die GOP das Repräsentantenhaus zurückholen werde. In einem Moment, in dem ein Staat wie Texas den amtierenden Präsidenten mit etwa einem Prozent Vorsprung handelt, ist das ein Ausmaß an Realitätsresistenz, das weit jenseits von „beängstigend” liegt. Was das Repräsentantenhaus angeht, ist längst nicht mehr die Frage, ob die Demokraten Sitze hinzugewinnen werden, sondern nur noch, wie viele genau.
Auch das Wort “continuation” sollte einen erschrecken. Eigentlich wäre das richtige Wort im Englischen hier “conclusion” bei einer zweiten Amtszeit. Eine Fortsetzung bedeutet, daß nach Trump jemand anders drankommt, der auch Trump heißt. Es war von Anfang an der Plan, die USA in eine Trump’sche Erbmonarchie umzuwandeln und die Notwendigkeit lästiger Wahlen noch unter den Status Chinas zu senken. Donald Trump, der gefeierte Businessman und Schuldenkönig. Warum sollte so einer großer Fan demokratischer Strukturen sein? Kapitalismus haßt Demokratie. Sie ist ihm hinderlich.

Die Wahlkommission hat dem Präsidenten daraufhin erklärt, was sie mit Wahlzetteln tut. Das Problem ist nur, daß Trump sich für solche lästigen Details nicht interessiert.
Gescheiterte Narzißten neigen zu gewalttätigen Handlungen. In diesem Falle die der Anhänger des Präsidenten. Wenn Trump verliert, ist alles möglich. Wenn er gewinnt, wird vieles unmöglich.
Das Tragen einer Schutzmaske ist ein politisches Statement statt eines Gebots der Vernunft und Rücksichtnahme. Donald Trump hat die Republikanische Partei der USA in eine politische Todeskult-Sekte verwandelt.  Sie hat sich kein bißchen dagegen gewehrt. Die Tage dieser Partei in ihrer jetzigen Form sind gezählt. Aktuell sind etwa so viele Amerikaner an COVID-19 verstorben, wie im ganzen 2. Weltkrieg Soldaten gefallen sind. Wenn den jetzt massiv steigenden Infektionen auch steigende Todeszahlen folgen sollten, was rein medizinisch sicher ist, dann wird bis Weihnachten noch einmal Vietnam obendrauf kommen.
Die von Trump versprochene, aber bisher eher wenig gebaute Mauer zwischen Mexiko und Trumpistan dürfte nicht lang genug sein, um diese ganzen Namen darauf zu verewigen.

Seit vier Jahren erzählt Donald Trump seinen Leuten etwas von der tollen Krankenversicherung, die er allen verschaffen will. In Wirklichkeit will er den ACA, den “Affordable Care Act” seines Vorgängers, einfach nur schreddern. Das wiederum würde es allen Versicherern der USA erneut ermöglichen, Menschen mit Vorerkrankungen von der Versicherung auszuschließen.
Was praktisch wäre, denn mehr und mehr stellt sich heraus, daß COVID-19 schwere Langzeitfolgen hat, selbst bei Infektionen, die eher mild oder sogar asymptomatisch verlaufen. Sowohl in den USA als auch in Europa wird die verdammte Seuche gerade von Menschen unterhalb der 35 so richtig befeuert. Alles Personen, die nicht zur „Risikogruppe” gehören. Ich wette jede beliebige Summe, daß die Folgen von COVID-19 als Vorerkrankung eingestuft werden, kaum daß der Supreme Court über die vorliegenden Anträge entschieden hat.
Nein, Judge Barretts erste Entscheidung wird sich nicht um Abtreibung drehen. Eher um Wahlergebnisse. Oder Gesundheitsvorsorge. Oder um einen Fall, den die fossilen Energieriesen Exxon, Shell, BP et al. bis vor das oberste Känguruh-Gericht der USA durchgeklagt haben. Denn wenn Konzerne irgendetwas haben außer einer Abteilung mit Juristen, dann Zeit und Geld. Kaum keine Pest kann größer sein als eine Horde Juristen, deren Rechtsauffassung sich mit einer beliebigen Summe Geldes kaufen läßt, und sei diese noch so absurd in ihrer Vorgabe.
In diesem Falle geht um die Folgen der Umweltverschmutzung durch die Fossilkonzerne, wie etwa Luftverschmutzung und damit verbundene Tote oder solche Kleinigkeiten wie ein unbewohnbarer Planet durch exzessiven Klimawandel, der auch noch in Täuschungsabsicht verschwiegen wurde von den Konzernen.
Da Ms Barrets Vater bereits für Ölkonzerne tätig war, wird sie sicherlich auch hier ihre juristischen Überzeugungen ihre persönlichen überwiegen lassen.
Aber machen wir uns nichts vor: diese Konzerne werden schlicht dieselbe Taktik benutzen, die auch beim Rauchen über 50 Jahre funktioniert hat. Wir sind für nichts verantwortlich. Absurde Idee! Hat ja auch der Präsident gesagt.
Bei den Wahlen könnte Mr Trump allerdings Pech haben. Die Tatsache, daß Judge Barrett eine erzkonservative Anti-Abtreibungs-Katholikin mit Sektenvergangenheit ist und vermutlich deshalb einen Psychiater benötigt, bedeutet nicht, daß sie die Verfassung der USA einfach mal so in die Tonne treten wird, wenn es um das Präsidentenamt geht.
Sie gehört zu den Originalisten. Das ist eine Gruppe im amerikanischen Verfassungsrecht, die das alte Stück Papier möglichst wörtlich auslegen und nicht etwa versuchen, hier moderne Dinge hinein zu interpretieren. Wie etwa diese Sache mit dem Waffenbesitz. Was witzig ist, denn die steht im zweiten Verfassungszusatz. Das ist ein bißchen so, als hätte Gott im Alten Testament noch ein paar Fußnoten gesetzt.
Jedenfalls steht in der Verfassung nicht, daß ein Präsident beliebig rumheulen und Wahlergebnisse beim Gericht bestellen kann wie Burger bei McDonalds. Sollte Donald Trump so verlieren, wie ich das vorhersehe, würde er so viele Bundesstaaten gleichzeitig verklagen müssen, daß der Supreme Court diese Farce nicht einmal zur Entscheidung annehmen dürfte. Er würde schlicht sagen: „Verzieh dich, Loser!”

Es wäre den Amerikanern zu wünschen, daß noch in der Wahlnacht klar sichtbar wird, welcher Joe Biden gewonnen hat. Wobei damit insgesamt auch nichts gewonnen wäre. Wenn Joe Biden die Wahl gewonnen hat, werden die Demokraten natürlich triumphieren. Europäische und deutsche Medien werden laut abfeiern, während Trump Biden beschuldigt, er hätte SARS-CoV-2 erfunden, um die Wahlen zu manipulieren. Ich bin eigentlich erstaunt, daß er es nicht schon getan hat. Wahrscheinlich habe ich das nur überlesen.
Überall jubelnde Schlagzeilen: Der Depp ist abgewählt! Hurra! Die Amerikaner haben zurückgefunden zur Demokratie! Alles wird gut! Alles wird besser!
Tja. Pustekuchen. Nichts davon wird annähernd der Wahrheit entsprechen, wie sie tatsächlich ist.

Die einzig wahre Wahrheit über Joe Biden: Er ist eigentlich Ronald Reagan. Nur ohne das frische Öl dahinter. Dafür aber älter.

Joe Biden ist 78. Das ist das Alter meiner Mutter. Allerdings ist meine Mutter bei weitem dynamischer im Eindruck und progressiver im Denken. Zudem ist sie nicht seit 47 Jahren in der Politik in Washington. Pech für Amerika, denn sonst wäre sie nämlich auch Präsidentin.
Washington, DC, meine Damen und Herren, ist die größte politische Schlangengrube der Erde. Mit Skorpionen dabei. Man kann in dieser Gegend keinen Ziegelstein über die Schulter werfen, ohne jemanden zu treffen, der nicht in irgendeiner Weise zutiefst widerwärtiger Abschaum ist. Wer in dieser aussätzigen Horde 47 Jahre lang nicht nur überlebt hat, sondern Politik mitgeprägt, ist bestenfalls ein Mafioso im Rentenalter, aber kein netter Opa.
Joe Biden hat 1994 den “Violent Crime Control and Law Enforcement Act” ins Rollen gebracht. Dieses Gesetz führte in Zusammenspiel mit den “Three Strikes” dazu, daß ein enorm hoher Anteil an nicht-weißer Bevölkerung in den USA im Knast sitzt. Die Three Strikes besagen, daß bei einem dritten Vergehen eines Verurteilten, egal wie belanglos, eine lebenslange Freiheitsstrafe erfolgt.
Was ist eine Terror-Organisation? Nun, man könnte sie als Zusammenspiel verschiedener Personen definieren, deren erklärtes Ziel Einschüchterung anderer Personengruppen ist, die nicht den eigenen Kriterien von „in Ordnung” entsprechen. Das Strafrechtssystem der USA will mit Drohung Menschen dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern. Das ist das Wesen von Einschüchterung. Oder aktiver Abschreckung (deterrence).
Schaut man sich die Entwicklung der Zahlen an, dann wird klar, daß ein guter Teil des Justizsystems der USA schlicht eine gigantische, rassistische Terror-Organisation darstellt, die ganz besonders nicht-weiße Männer von der Bevölkerung getrennt hat – nämlich in die Zelle. Und das in einer Größenordnung, die alles, was ein Ku-Klux-Clan sich jemals erträumte, weit in den Schatten stellt.
Bill Clinton ließ sich damals ernsthaft als „erster scharzer Präsident” vermarkten und meinte damit, er werde endlich etwas für die schwarze Bevölkerung tun. Nun, das hat er. Auch diesen Aspekt hat man bei Hillarys Kandidatur vor vier Jahren wohlweislich übersehen.
Bidens einziger Kommentar in den Debatten dazu war, daß die „Umsetzung des Gesetzes durch die Bundesstaaten” nicht besonders gut gelaufen sei. Der Hinweis sei gestattet, daß Gefängnisse in den USA von börsennotierten Privatkonzernen geführt werden.
Joe Biden ist schlicht ein Produkt des inhärenten systemischen Rassismus in der US-Gesellschaft, von dem ein Donald Trump lautstark behauptet, es gäbe ihn überhaupt nicht. Währenddessen sterben Schwarze dreimal häufiger an COVID-19 und verlieren doppelt so häufig ihre Jobs.

Kaum wird Biden seinen Amtseid abgelegt haben, werden sich auch die Demokraten weiterbewegen in ihrem parteilichen Auflösungsprozeß. Eine alte Schachtel wie Nancy Pelosi mit ihren 80 Jahren kann doch eine junge Wilde wie die Ocasio-Cortez nicht eine Sekunde ausstehen.
In Deutschland könnte der „rechte Rand” der ehemaligen spd problemlos mit der Merkel-CDU fusionieren, ohne die Bayern und die Werte-Union, also der Fünften Kolonne des Faschismus an der rechten Parteiflanke der Union. Die wiederum könnten dann endlich zu ihren Nazi-Kollegen der „AfD” abwandern. Mit den halbwegs gemäßigten Republikanern und den angeblichen Demokraten um Pelosi und Biden verhält es sich genauso. Zwischen die Ansichten dieser Leute bezüglich Wirtschaft, Sozialstaat, Überwachung durch Geheimdienste und Außenpolitik paßt kein Blatt Papier. Die sind allesamt austauschbar.
Alexandria Ocasio-Cortez ist nicht nur eine Gegenspielerin und für die US-Demokraten radikale neue Persönlichkeit, sie ist die zukünftige Chefin einer neuen politischen Partei, die sich noch während der Amtszeit von Biden deutlich sichtbar von den Demokraten lösen wird.

Sollte Joe Biden gewinnen und womöglich einen demokratischen Senat bekommen – die Chancen dafür stehen nicht schlecht – könnte er die von Trump aufgehobenen Umweltgesetze wieder in Kraft setzen. Die Naturschutzgebiete wiederherstellen. Der Fossilindustrie die Subventionen streichen. Letzteres hat er sogar angekündigt. Die Umweltgesetze stammen witzigerweise zum guten Teilaus der Zeit Richard Nixons, aber das weiß Trump vermutlich nicht. Für einen Präsidenten mit eigenem Kongress ist vieles möglich in den ersten zwei Jahren bis Ende 2022.
Biden könnte den Supreme Court erweitern. Dieses als “court packing” bekannte Verfahren wird bereits fleißig diskutiert und bedeutet schlicht, daß das Känguruh-Gericht um zwei weitere Leute erweitert, die Anzahl der Richter also auf 11 erhöht wird. Das wäre sogar nicht von der Hand zu weisen, denn sowohl die erste als auch die dritte Ernennung von Richtern unter Trump verstößt extrem gegen alle politischen Regularien und Gepflogenheiten. Beim ersten Mal hätte man nicht warten sollen, aber Obamas Kandidat wurde nicht einmal angehört. Bei Ms Barrett hätte man allen Anstandsregeln nach warten müssen. Aber wen interessiert Anständigkeit in der Politik noch?
Joe Biden hat sich im Wahlkampf selbst einmal als Übergangspräsident bezeichnet.
Aber wohin soll dieser Übergang führen? Sowohl Biden als auch Vizepräsidentin Harris sind in allen Wahlsendungen im Ungefähren verblieben, was das eigentliche Programm angeht. Es gibt hinter Bidens Worten keine wirklich tragfähige Vision, keine handfeste Vorstellung einer Zukunft. Jedenfalls keiner, die nicht schon 1980 eingetreten wäre. Ronald Reagan würde heute mit Begeisterung Joe Biden zur Wahl empfehlen.

Bild 2: Kassandras Tip zur Wahl
Wie man sieht, gewinnt Trump hier Florida. Dafür holt sich Biden das zurück, was vor 4 Jahren nur sehr knapp an Trump ging: die Großen Seen und Pennsylvania. Es wäre das erste Mal seit 1960, das ein Präsident weder Florida noch Ohio gewinnt. Insgesamt ist das ein nach Stimmen und Wahlleuten eher gespaltenes Ergebnis. Ich denke, es spiegelt den Zustand der USA recht gut wieder und halte es daher für wahrscheinlich.

Der weitere Zerfall der USA und ihrer Macht ist vorprogrammiert. Das Land ist politisch am Ende. Die Parteienlandschaft sieht aus wie die Berliner Innenstadt 1945. Der amerikanische Traum wird demnächst nicht einmal mehr Tellerwäscher brauchen, denn die arbeiten in der Gastronomie und die ist nach den Wahlen spätestens geschlossen. So oder so.
Ob Joe Biden den Fracking- und Ölkonzernen die Subventionen streicht oder nicht, ist letztlich unerheblich. Es ist eine sterbende Branche. Da ohne diese Tätigkeiten die Energiemenge der USA und der Welt weiter absinkt, wird auch die Fähigkeit der USA zur militärischen Machtprojektion abnehmen. Da sich das Absinken der Energiemenge diesmal nicht länger wird verschleiern lassen, wird die Panik an den Börsen zunehmen. Die 2020er werden kein Hort wirtschaftlicher Stabilität sein.
Trump hat 2016 gar nicht unglaublich gut abgeräumt. In den meisten Staaten war Trump nicht oder nur wenig besser als Mitt Romney 2012, und der hat gegen Obama klar verloren. Die Wahrheit ist und war von Anfang an, daß Hillary Clinton einfach die grottenschlechteste Kandidatin war, die eine Partei überhaupt hätte aufstellen können. Was die Demokraten dann auch zuverlässig taten, der Parteiproporz verlangte es halt so.
In vielen Umfragen vor vier Jahren sagten demokratische Vorwähler auf die Frage, warum sie Clinton wählten: „Weil sie ohnehin als Kandidatin bestimmt wird”.
Dieselbe Prozentzahl an Demokraten sagte auf die Frage, wer die besseren Chancen hätte, Trump zu schlagen, durchweg: „Bernie Sanders”.
Aber darüber reden die Demokraten nicht gerne. Die Demokraten sind als Partei das perfekte Äquivalent zu Donald Trump oder der deutschen spd. Es ist immer jemand anders schuld, aber nie die eigene, verlogene Scheißpolitik. Wenn man seine Wähler ständig anpißt, sollte man zumindest den Anstand haben, das Regen zu nennen. Aber wen interessiert Anstand…aber das sagte ich schon.

Vor vier Jahren lautete die Frage, wie viele Amerikaner Trump wählen würden, weil er nicht Hillary Clinton ist. Diesmal lautet die Frage, wie viele Amerikaner Trump nicht wählen werden, weil er Donald Trump ist.

Man wird also weiter streiten. Die Demokraten, ob man jetzt einen Green New Deal macht oder nicht oder wie man ihn Green aussehen lassen kann, ohne daß er es ist. Also die CDU-Methode. Dann die Sache mit dem Gericht. Biden selbst sagt, er sei kein Fan des court packing. Die „Radikalen” um AOC sehen das anders. Sie halten die Republikaner schlicht für Nazipenner und wollen ihnen eins reinwürgen. Sie wollen aber auch verhindern, daß in einem kontroversen Urteil – beispielsweise Abtreibung oder Homo-Ehe – irgendein Bundesstaat im nächsten Jahr sagt: „Fick dich, Supreme Court. Wir erkennen deine Legitimität einfach nicht mehr an und befolgen auch dein Urteil nicht weiter.”
Das wäre quasi der Beginn einer neuen Sezession. Ein anderer Punkt wäre beispielsweise die Frage, wie viele Senatoren man braucht, um überhaupt eine Richterstelle zu besetzen. Das waren einmal 60. Aus gutem Grund. Donald Trump hat das für seinen erzkonservativen Kandidaten Kavanaugh extra auf 50+1 senken lassen. Wenn man es ernst meint mit der Wiederherstellung demokratischer Institutionen, dann muß auch dieses Vorgehen wiederhergestellt werden. Nächster Streit.
Überhaupt wäre eine grundlegende Renovierung des Wahlsystems und der Stimmgewichtung in den USA längst überfällig. Die Verfassung der USA war 1793 vielleicht modern, aber da war selbst Joe Biden noch nicht geboren.
Dazu kommen die Trümmer, die Donald Trump innen- und außenpolitisch hinterläßt.
Wen sollen die USA mehr hassen? China oder Rußland? Mit China wird mehr gehandelt, die Feindschaft zu Rußland hat mehr Tradition. China hat weniger Atomwaffen, mischt dafür aber nicht in Syrien mit. Überhaupt – Syrien! Die Russen sind da auch. Joe Biden läßt bereits durchblicken, daß er Rußland programmatisch mehr hassen wird. Deswegen findet China den Mann gut, da kann sich die KP endlich Taiwan einsacken. Hongkong haben sie ja schon. Nächster Streit.

Die EU wiederum sitzt weiterhin dumm rum, kriegt den Kopf nicht aus Amerikas Arsch rausgezogen und zeigt ihrer Bevölkerung bezüglich Klimawandel und sonstiger Politik genau so wie der US-Kongress klar, daß sie an eine Zukunft außerhalb von Quartalsabschlüssen und Legislaturperioden keine Gedanken verschwendet.
Nein, Joe Biden wird keine Veränderungen bringen, die etwas besser machen. Ebenso wie Trump wird er versuchen, eine USA zu erhalten, die gar nicht mehr existieren. In seinem Fall die der 80er Jahre. Als die dummen Deutschen noch keine Pipelines mit den Russen gebaut haben. Brauchten wir auch nicht, denn wir hatten natürlich schon damals eine.

Die Amerikaner werden Donald Trump abwählen. Sie werden ihn aber nicht abwählen, weil er ihnen zu undemokratisch ist, zu frauenfeindlich, zu sehr haßerfüllt oder weil er die Schwarzen nicht leiden kann, die Latinos, die illegalen Einwanderer, die im Gegensatz zu ihm Steuern bezahlen in dem Land, daß immer noch „Vereinigte Staaten” genannt wird. Sie werden Donald Trump abwählen, weil er der Gesellschaft der USA klar gezeigt hat, wie ihr Spiegelbild aussieht. In typischer Reaktion wird daraufhin der Spiegel ausgetauscht, weil das Bild Mißfallen auslöst.
Auch das ist eine verbreitete Lüge in der Presse gewesen: Donald Trump habe das Land gespalten. Das ist Blödsinn. Er hat bereits ein gespaltenes Land mit dysfunktionaler Regierungsstruktur und geschwächten demokratischen Pfeilern vorgefunden. Die USA werden nach Trump nicht zu einem „neuen Normal” zurückkehren. Also zum alten „Normal”, denn exakt das meinen Politiker damit. Ebenso wie COVID-19 nutzt Trump Vorerkrankungen aus und verwandelt sie in tödliche Schwäche. Das Trump-Virus hat den USA eindeutig gezeigt, daß sie kein bißchen mehr vereinigt sind als 1860.
Die erbärmlichen Folgen des ökonomischen Wachstumsdogmas werden durch die aktuelle Pandemie sichtbar wie verwesende Leichen, die auf plastikübermüllten Stränden voller Ölschlamm von Krabben ausgeweidet werden, von der Flut zurückgelassen. Aber sie sind eben nicht Folge der Pandemie. “A rising tide lifts all boats”, ist ein gerne angeführter Spruch der Ökonomen des Neoliberalismus seit Jahrzehnten.
In diesem Sinne war Donald Trump für alles Häßliche verantwortlich, das im Gesicht der USA und internationaler Blockpolitik in den letzten vier Jahren klar erkennbar wurde. Die Lange Dämmerung wird auch diese bequeme Lüge bald als eine solche enttarnen. Die Zukunft wird weiter aus zunehmend interessanten Zeiten bestehen.


Update 20201108: Hi Hi Hi Hi Hi…

Update 20201103: Biden klaut sogar Reagans ‘Morning in America’. Ich hatte recht. Er ist Reagan.

Update 20201102: Die ZEIT schreibt auch von mir ab 😀 Die Eingangsfrage der Autorin ist übrigens leicht beantwortet: Nix ist mit dem Land passiert. Die sind schon lange so, die USA. Es haben sich nur alle medial-gleichgeschaltet die Finger in die Ohren gesteckt und LaLaLa gesungen, wenn das mal jemand angemerkt hat.

Update 20201101: Der Guardian hat von mir abgeschrieben 😀

29 Comments

  1. Wie immer grandios geschrieben mit sicherlich richtiger Grundaussage.
    Nur für meinen Geschmack etwas zu Corona-lastig.
    Ich denke, dass gerade Trumps Corona-Skepsis(auch Typen wie Trump müssen ja nicht immer komplett falsch liegen/fühlen) seine Wähler zu ihm halten lässt.
    Ich denke auch nicht, dass es zu einem klaren Wahlsieg kommt, sondern dass es wieder verdammt knapp werden wird.
    Wer am Schluss das Rennen macht, ist selbstverständlich völlig schnurz piep. Da stimme ich mit dir wieder überein – wie fast immer.

    Antworten

    1. Es *wird* knapp. In meinem Tip hat Trump nur 30 Wahlleute zu wenig. Das ist schon recht eng. Die spannende Frage ist natürlich auch *wann* jetzt ein Sieger feststeht. Ich hoffe für die USA sehr, daß es noch am Wahltag klappt, sonst gebe ich keinen Pfifferling mehr auf die.

      Antworten

  2. Schön, endlich mal wieder ein neuer Post von Dir! Habe ihn sehr genossen.

    “Die Amerikaner werden Donald Trump abwählen… , weil er der Gesellschaft der USA klar gezeigt hat, wie ihr Spiegelbild aussieht. In typischer Reaktion wird daraufhin der Spiegel ausgetauscht, weil das Bild Mißfallen auslöst.”

    Sehr schön!

    Antworten

  3. Zunächst: yeay! Danke, schön mal wieder von dir zu lesen! War wie immer ein Fest… Aber:

    Was denn nun? Erst so…

    “Alleine das sagt eine Menge über den Zustand der zerfallenden Demokratie in den USA.
    Wobei das ebenfalls eine Lüge des deutschen Journalismus ist. Oder des amerikanischen, von dem die Agenturmeldungen immer abgeschrieben werden. Amerika ist gar keine Demokratie. Darum kann Trump sie auch nicht kaputt gemacht haben.
    Amerika, also die Staatenbund-Organisation „Vereinigte Staaten von Amerika”, ist von den Erschaffern der Verfassung niemals als Demokratie ausgelegt worden.”

    Dann so…

    “Der Kongress ist nicht in der Lage, den Präsidenten rauszuschmeißen, weil er ein unfähiger und korrupter Vollidiot ist, der mit seinem Verhalten die Demokratie und die nationale Sicherheit untergräbt.”

    Was jetzt? Habemus Demokratie oder nicht? 🤪

    Zusammenfassend:
    “Donald Trump ist also quasi Friedrich Merz, Horst Seehofer, Olaf Scholz, Andreas Scheuer und Christian Lindner in einer Person. Fast möchte man ihn dafür aus reinem Mitleid einschläfern.”

    Sagt alles über hibdeteich und dribdeteich aus. Danke! ^^

    Antworten

    1. Okaaayyy. Ich hätte konsequent schreiben müssen, daß der Trumpelfant die Fassade der Demokratie beschädigt und das jeder mitkriegt, was als äußerst unhöflich gilt. Dann merkt das ja jeder. Aber ich verzeihe mir das.

      Antworten

  4. Dass unser Wirtschafts- und Finanzsystem, basierend auf Ausbeutung von Natur und Menschen jetzt völlig zerbröselt, ist klar und logisch.
    Deine olle Kristallkugel taugt allerdings nichts. Sie sagte schon voraus: Trump gewinnt entweder haushoch, oder er verliert dramatisch. Jetzt sagst du, es wird knapp. Ähem!
    Und falls du diesen Kommentar nicht freischaltest oder mich gleich rausschmeißt, wäre das äußerst schwach. Fast systemlike.

    Antworten

    1. Auch Kristallkugeln haben Signalrauschen. Ich hatte das zu Beginn mal erläutert. Nur Chuck Norris hat ein scharfes Foto von Werner Heisenberg. Und ich bin *nicht* Chuck Norris.
      Außerdem: es *könnte* durchaus ein Erdrutschsieg werden. Aber dank US-Wahlsystem ist die Linie zwischen Nägel kauen und Erdrutsch eine sehr dünne. Kassandra sagt immer noch dasselbe. ICH sage, ein knappes und gespaltenes Wahlergebnis paßt recht gut zum Land.

      Morgen um diese Zeit wird es sich erwiesen haben, denke ich.

      Antworten

    2. Sind How und Lennon verschiedene Persönlichkeiten oder hat sich da jemand des Namens bemächtigt?

      Mich verwirrt dieser Kommentar. Geht das nur mir so?

      Antworten

      1. Mich verwirrt heute nichts mehr. Ich habe jetzt acht Wochen Psychogramme der amerikanischen Seele gelesen in drölfzig Artikeln. Ich meditiere jetzt, bis diese Wahl vorbei ist, um mich davon zu erholen.

      2. Kassandra kontrolliert jetzt meine Kommentare. Es geht um ein Kommentar zum letzten Artikel.
        🙁

    1. Danke. Sagte ich schon, daß es knapp werden wird? 😀
      Abwarten. Nach meiner Überschlagsrechnung kann Biden PA durchaus noch kriegen. Allerdings wird es natürlich dünn. Dafür kann Trumpeltier eventuell AZ noch abfangen. Das wird zwar bei AP und Guardian schon als Call gehandelt, aber noch ist es eigentlich nicht sicher.

      Antworten

  5. Respekt an die Dämonokraten, die es geschafft haben einen noch korrupteren und dementeren Politiker als Donald Trump ins Amt zu hieven. Aber wahrscheinlich waren das auch die Gründe, wieso man ihn als (Übergangs-)präsident haben wollte.

    Tool ist sich sicher, dass Biden ein trojanisches Pferd ist um ins weiße Haus zu gelangen. Der wird entsorgt, um dann der Kommunistin Harris Platz zu machen. Die macht dann auch die letzten Reste des alten Amerikas weg.

    Antworten

    1. Das wäre ja total furchtbar. Womöglich könnte man nach Entsorgen des stinkenden Kadavers mal durchlüften.
      Wer wird denn aus dem Trojanischen Pferd aussteigen? *Augenbraue hochzieh*

      Antworten

      1. Wie lange werden Tom Perez, Keith Ellison, Kamala Harris und Corey Booker wohl ein weißes Relikt wie Biden aus den 1940er Jahren aufbewahren? Dieser geriatrische Typ war vom ersten Tag an nur ein Trojanisches Pferd. Er wird bis zum nächsten Frühjahr an den Straßenrand getreten, seine Nützlichkeit am Ende. Dann zeigt das neue Modell Dem Party seine Zähne.

      2. Die gespannt lauschende Menge wartet noch immer auf die Antwort auf die Frage: Ein Trojanisches Pferd für wen?
        Wer ist da drin? Bleib nicht immer so im Ungefähren hier.

      3. Tool hat sich doch klar ausgedrückt: Die trotzkistisch, leninistische Marxistin Harris springt raus und macht die fette kommunistische Bambule!

        Info an Tool: Der Kapitalismus ist tot.
        Es bleibt nur der linke Weg.
        Alles für Alle, jedem das Gleiche! 🙂

  6. So, Trumpelstilzchen zetert noch etwas rum…war klar. Aber ich würde sagen: Die Fresse ist weg! Die Welt ist immerhin wieder etwas “schöner” geworden.

    Und die Augen von Kamala Harris lassen mich auch etwas hoffen.

    Antworten

    1. Ja, das mit dem Rumzetern war irgendwie…erwartet. Auch die Richter reagieren bisher wie erwartet. Der Witz ist: das sind ja fast alles Republikaner. Aber sogar das wird die kognitive Dissonanz der Trumpisten nicht durchbrechen. Aber Trump hat nichts. Außer einer großen Klappe und nichts dahinter. Wir können wetten, ob er nächstes Jahr im Knast landet, wenn seine Gläubiger vorbeischauen. Wahrscheinlich nicht, dafür kennt der Sack wieder zu viele LEute.
      Aber ich habe momentan Spaß mit seinem Twitter-Account. Kann man sich nicht ausdenken ^^

      Antworten

  7. Kassandra, warum wiederholst du dich immer und immer wieder? Du hast deinen Standpunkt klar gemacht. Du erinnerst mich an eine quälende Frau, die einfach nicht loslässt. Warum bist du nicht konstruktiv und sprichst darüber, wie Biden versuchen wird, die Dinge besser zu machen?

    Antworten

    1. Bist du ein Ferengi, der sich sein Essen vorkauen läßt?
      Außerdem hast du entweder den Artikel nicht gelesen, unter dem du kommentierst, oder ihn womöglich nicht ganz verstanden. Anders kann ich mir diese eher sinnlose Frage nicht erklären.

      Antworten

  8. So, die US-Wahl haben alle überstanden. Irgendetwas wird sich ändern, vielleicht auch nicht. Es zog sich ein bisschen hin. Hierzulande gibt es neue Ziele: das Weihnachtsfest. Das erste Mal dürfte man es sozial ungestraft alleine vor dem Fernseher verbringen. Geht nicht! Alles wird getan, um ein “normales” Weihnachten zu ermöglichen. Normal, also streiten, kaufen, überfressen.
    Ich, also ich und meine Familie, würden lieber auf Weihnachten und Silvester verzichten und dafür den Vereinssport wieder aufnehmen. Aber uns fragt ja keiner 🙂

    Antworten

    1. Ich habe die Wahl sogar ganz gut getroffen *zufrieden sei*

      Ich bin vor allem auf die Pleitewelle gespannt, die dann nach dem per Black Friday Week gerettetem Weihnachtsfest im Frühjahr über uns hereinbrechen wird ^^
      Bis dahin bleibe ich mit dem Arsch daheim, ich habe nämlich auch keine Verträge auf volle Züge in gelockerter Festtagsstimmung zwecks Familienbesuch.
      Weihnachten und Fernseher geht doch aber gar nicht. Da läuft in drei Tagen immer so viel Zeug, das kann doch kein Mensch gucken.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.