Für einen Tank voll Diesel

Was ist hier eigentlich los in diesem Land?
Inzwischen muß man sogar die Uschi von der Leyen zur Überprüfung des Doktortitels in die Uni zurückrufen und die TÜV-Plaketten von einer gefühlten Trillion Autos sind auch gefälscht, die kriegt man nämlich nur, wenn die Abgase sauber sind. Was sie nicht sind, zumindest bei VW.
Alle anderen Autohersteller bauen natürlich Fahrzeuge, die nur Frühlingsluft hinten rausblasen, schon klar. Schon vor drei Wochen äußerte ich belustigt die Meinung, daß VW wohl auch in Europa manipuliert haben muß, wenn sie’s denn schon in den USA machen. Immerhin fährt hier auch der eine oder andere Golf rum und so eine Software nur in die Exportmodelle einzumogeln ist wieder nicht kosteneffizient. Da weint der Aktionär und der Vorstand kriegt Schnupfen, also macht man das mal pauschal überall rein, ist besser so. Inzwischen wissen wir ja, daß sie es in Europa auch gemacht haben.
Tut es der VW, so tun es auch die anderen, behaupte ich einfach mal pauschal. Also der Daimler und das BMW. Die Audi und datt Porsche ohnehin, die gehören ja zu VW. Abgesehen davon sind Besitzer eines so sinnvollen Vehikels wie ein Porsche Cayenne sicherlich alles, aber nicht mit wenig Geld und wenig Abgasen unterwegs.

Sowas passiert halt, wenn deutsche Volldeppen ständig Kombis mit 1,6 Litern kaufen, oder den brandneuen und total umweltfreundlichen Superduperkombi mit nur 1,4 Litern. Hubraum, nicht Verbrauch auf 100 km, versteht sich.
Aber dann muß man mit so einer Schüssel, vollbeladen mit einer Ehefrau, 2 zu fetten Kindern, ihrem nicht den europäischen Giftmüllvorschriften entsprechendem Spielzeug aus China, dem jeweiligen Haustier und dem ganzen fröhlichen Campinggeraffel einschließlich Satellitenfernsehen und den 8 verschiedenen Ladegeräten für die Smartphones ins Grüne fahren und dabei selbstverständlich mit 180 Sachen durch die Kasseler Berge brettern können. Freude am Fahren, made in Germany.

Wenn aber ein Verbrennungsmotor aus immer weniger Hubraum immer mehr Leistung rausholen soll, dann muß er heißer verbrennen. Das tut ein Diesel ja nun ohnehin schon, immerhin funktionieren die Dinger nach dem Prinzip Selbstzündung. Wenn aber heißer verbrannt wird, dann entsteht mehr Dreck. Zumindest mehr Stickoxide, um die es ja bei dem ganzen Theater geht. Der CO2-Gehalt der Abgase nimmt sogar ab und schließlich waren die Abgasgrenzwerte ja dazu gedacht, das Klima zu schützen, wenn ich das recht memoriere.
Wie man allerdings auf den Gedanken kommen kann, daß andere Hersteller das nicht machen, ist mir mal wieder ein Rätsel. Natürlich machen die anderen das auch.

Warum? Weil’s geht.
Und weil es billiger ist, wenn auch nur marginal, als die Motoren tatsächlich auf die Grenzwerte zu trimmen, die irgendwelche Gesetze verlangen.
,,Das ist doch eh nur Papier, da mußte die Politik halt mal was aufschreiben, für die Öffentlichkeit, Martin, du weißt schon, ha-ha-ha. Und jetzt hol mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik ich hier und regier‘ nich weiter.“
So oder so ähnlich wird das geklungen haben beim regelmäßigen Kuscheln der Automobil-Lobbyisten in Deutschland mit der Regierung, welcher auch immer. Der Schröder, der alte Gasmann, kam ja sogar aus Niedersachsen. Und wo wohnt der VW? Eben.

Cartoon/ Dorthe Landschulz/ V-Wehklagen

Cartoon „V-Wehklagen“ von Dorthe Landschulz
Quelle: SPAM

Klar ist das alles nur miese Verschwörungstheorie meinerseits. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht völlig erwehren, daß die Einhaltung vorhandener Gesetze bei Konzernen, recht reichen Privatpersonen und auf der politischen Ebene allgemein einer ganz eigenen Moralvorstellung unterliegt.
All diese Menschen bewegen sich in einem ganz privaten Universum, das sie mit ihrem Geld und ihrer Macht zusammengebastelt haben und in dem die normale Physik oder irgendwelche Gesetze, die für den autofahrenden Pöbel gemacht worden sind, keinerlei Gültigkeit haben. Grenzwerte? In einer Wirtschaftsphilosophie endlosen Wachstums? Geht’s noch? Fahren Regierungschefs und Ministerpräsidenten deswegen immer im A8 mit eingebautem Chauffeur durch die Gegend?

Rein logisch wird es wohl auch so sein, daß nicht nur deutsche, sondern auch andere europäische Hersteller da etwas Dieselruß an den Fingern kleben haben. Ich habe mir sagen lassen, daß Peugeot und Citroën auch Autos herstellen. Gut, jetzt nicht in Deutschland, aber trotzdem sind das Autos.
Außerdem frage ich mich unwillkürlich, wie es denn mit Ford aussieht. Oder Chrysler. Oder GM. Na schön, die bauen jetzt keine Autos, das können amerikanische Firmen ja schon seit Jahrzehnten nicht richtig. Aber sie bauen Blechdingsbumse mit Verbrennungsmotor, die offiziell als Autos durchgehen und sich daher auch wie solche verhalten müssen. Sprich, sauber. Man will ja auch keinen Hund haben, der nach Jahren noch immer aufs Familiensofa kackt.
Also müssen sich auch die Amis an irgendwelche Grenzwerte halten und wenn es da jetzt so eine Software gäbe, die in einer Prüfsituation clevererweise den Wagen runterregelt…you catch my drift.
Ich schätze, daß bei den US-Herstellern einfach noch keiner nachgemessen hat. Vorläufig sind jetzt erst einmal Daimler und BMW dran. Ist ja auch viel lukrativer für US-Behörden, erst einmal den deutschen Konkurrenten ans Bein zu pinkeln. Vielleicht haben da aber auch die großen Drei selber ihre schmutzigen Mechanikerfinger im Spiel, wer weiß?
Auf jeden Fall ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Hersteller da ordentlich ins Visier geraten werden. Der Daimler hat ja auch schon irgendwie 11.000 Transporterkisten zurückgerufen, wegen – man halte sich fest – ,,Softwareaktualisierung“. Aber das hat nichts mit irgendwelchen Abgasen zu tun und ist total was völlig anderes als bei VW. Echt jetzt!

Machen wir uns doch nichts vor: Wenn geschummelt werden kann, dann wird geschummelt bei Großkonzernen. Und wenn nach Strich und Faden beschissen werden kann und dadurch Kollateralschäden in ungeahnter ökologischer und finanzieller Höhe entstehen, dann wird nach Strich und Faden beschissen. Externalisierung von Kosten an die Gesellschaft erhöht nämlich den Profit, ich hatte das irgendwo im Blog gelegentlich schon mal erwähnt.
Wenn der Kunde schon teures Geld für deutsche Autos zahlt, die vermutlich zur Hälfte ohnehin in Polen und zu einem Drittel in Tschechien zusammengebosselt werden, dann kann er doch wohl auch ein paar Abgase mehr verlangen. Ist doch ein fairer Deal.

Nein, meine Damen und Herren Gasfußbesitzer, wir sollten aufhören, uns da selbst was in die Tasche zu lügen: Das Auto als individuelles Verkehrsmittel war niemals eine besonders kluge Idee und es ist vor allem in der aktuellen Welt ein Konzept ohne Zukunft. Statt Menschen dafür Steuererleichterungen zu verschaffen, daß sie weit weg von ihrem Arbeitsplatz wohnen, sollte eine vernünftige Verkehrspolitik dafür sorgen, daß man eben auch ein bißchen weiter draußen wohnen kann und trotzdem ohne Benutzung eines Autos eine Möglichkeit zur Arbeit hat. In Deutschland und eigentlich überall sonst hat man exakt das Gegenteil für förderlich gehalten, seit mindestens 45 Jahren.
Ich fordere hiermit offiziell eine gesetzliche Regelung, die einen Verkehrsminister dazu zwingt, pro Jahr ebensoviel Geld in Fahrradstraßen zu investieren wie in verdammte Asphaltstraßen, auf denen menschliche Dummheit, manifestiert in Stahl auf Gummreifen, durch die Gegend ballert, dem Schicksal der Dinosaurier entgegen.
Eigentlich müßte ja so ein Minister auch Kohle investieren in die Schienenwege. Aber das geht nicht mehr, denn die sind ja längst privatisiert. Was dazu führt, daß die umsatzgeilen Aktienbesitzer natürlich Orte wie Kleinkleckersdorf längst von jedem öffentlichen Nahverkehr abgehängt haben, besonders von der Schiene. Weswegen man Menschen Steuervorteile verschafft, die draußen wohnen – ,,im Grünen“, wie man so sagt, hahaha – und die das als gottgegebenes Recht für sich in Anspruch nehmen und natürlich ein Auto brauchen, man ist ja nicht zum Spaß dahin gezogen, wo es keine Arbeit gibt. Kapitalismus, fuck yeah!

Seit Jahrzehnten liegt die Politik mit der Autoindustrie im Bett. Dem Bürger ist’s recht. Warum wundern wir uns also?

Ich sehne mich ja manchmal nach der guten alten Zeit zurück, also damals™, als Autos noch keine elektrischen Fensterheber hatten, keinen Klimaanlagen-Schnickschnack und das Navi auf Papier gedruckt in der Türtasche oder im Handschuhfach jederzeit verfügbar war, auch ohne Netzanbindung.
Mein 360er Volvo, das letzte Fahrzeug fossiler Natur, das ich einmal mein eigen nannte, wog weniger als ein heutiger Wagen der Golfklasse, selbst mit meinem nicht unerheblichen Zusatzgewicht auf dem Fahrersitz. Die Kiste brauchte nicht übermäßig viel Sprit, eigentlich niemals Öl und man wußte ganz genau: Wenn die 120 PS jetzt anstarten, kommt hinten Dreck raus, ungeregelter Kat hin oder her, da machste nichts dran.
Das muß mich heute nicht mehr belasten, so als Nicht-mehr-Autobesitzer seit einem Jahrzehnt und Radfahrer. Trotzdem finde ich es tendentiell verwunderlich, daß heute alle Besitzer der üblichen überzüchteten PS-Boliden zu glauben scheinen, sie würden auf einer Wolke aus Rosenduft sanft und erschütterungsfrei über die grüne Welt schweben und mit der Benutzung ihres KFZ die Welt zum Blühen bringen.

Hat die Bundeskanzlerin auch geglaubt scheinbar. Also, damals™, als wir noch total Wirtschaftskrise hatten und man hektisch diese Abwrackprämie erfunden hatte, um der so notleidenden deutschen Autoindustrie massiv Zucker in den Arsch zu blasen.
Da wurden selbst noch völlig korrekt funktionierende Fahrzeuge mit nicht zweistelligen Alterungswerten der Presse überantwortet.
Ich habe in meinem Leben noch nie ein Fahrzeug erworben, das nicht mindestens 10 Jahre auf dem Buckel hatte. In Anbetracht der Tatsache, daß die größte CO2-Belastung in einem Autoleben durch die Herstellung des Fahrzeugs entsteht und nicht durch den weiteren Betrieb, könnte ich mit dem durch diese ausgefuchst schlaue Taktik eingesparten CO2 vermutlich heutzutage fast 1 Jahr einen Golf Diesel fahren. Vielleicht auch 2 Jahre, so genau kenne ich die Abgaswerte dann auch nicht.

Jedenfalls war die Autoindustrie glücklich nach diesem kanzerlichen Geschenk. Die Schrotthändler nicht, denn der Preis für eine Tonne Stahlschrott ging um 90% zurück, innerhalb von nicht mal zwei Jahren. Dutzende Gebrauchtwagenhändler begingen Selbstmord, indem sie die Abgase ihrer Ladenhüter in die Fahrgastzelle umleiteten, in der sie gerade selber saßen. Was für ein quälendes Ende bei einem Fahrzeug mit EU4-Norm, manche dieser Unglücklichen sollen vorher verdurstet sein. Aber verzweifelte Menschen greifen eben zu verzweifelten Methoden.

Und der Chef des Ladens, dieser Winterkorn, der das alles irgendwo verbockt hat, übernimmt laut deutschen Medien die Verantwortung. Indem er zurücktritt von seinem Job, also schlicht die Brocken hinschmeißt.
Das ist auch seltsam. Da gab es doch diesen Captain eines Kreuzfahrtschiffes in Italien, die Costa Cordalis oder wie der Kahn hieß. Der Captain ist dann mit dem 100.000-BRT-Dampfer zu nah an die Küste gefahren, weil irgendwer an Deck seiner minderjährigen Geliebten am Strand zuwinken wollte oder sowas in der Art, der Kerl hat den Dampfer auf Grund gesetzt und der ist dann auch folgerichtig gekentert. Würde ich als Schiff auch machen in so einem Moment.
Aber dann haben ihm alle vorgeworfen, er hätte sich von Bord verpißt, das ginge ja jetzt mal gar nicht. Und bei dem Unglück gab es ja immerhin auch Tote. Entsprechend haben die italienischen Medien – und nicht nur die – auf den Kerl eingeprügelt. Seine Aussagen vor dem Gericht haben das nicht verbessert, aber der Hauptvorwurf war eben, daß er sich ja seiner Verantwortung entzogen habe.

Wenn aber ein deutscher Konzernlenker nach einem Husarenstück, das alleine in den USA bis zu 18 Milliarden Dollar an Strafzahlungen kosten kann, einfach mal den Sessel räumt, dann übernimmt er damit Verantwortung?
Verpißt hat sich der Herr, oder zumindest versucht er, ganz schnell noch mit dem letzten Boot von Bord zu kommen, bevor das Konzernschiff kentert. Herr Winterkorn kriegt noch 28 Millionen als Pension hinterhergeworfen, da würde ich aber sehr leichten Fußes meinen Sessel räumen.
Überhaupt: Ich werfe mich mal in einen ordentlichen Anzug, dann lasse ich meine Frisur renovieren und schaue einem Typen wie Winterkorn bei seiner nervenaufreibenden Konzerntätigkeit über die Schulter. Jeden Tag. Ich bin sein Schatten. Ich wette 100 Mäuse, daß ich nach 2 Monaten in der Lage bin, den Konzern VW mal für 4 Wochen zu lenken, ohne daß da ein großes Unglück geschieht.
Womöglich steigt der Aktienkurs sogar, dann kann ich mir das direkt auf die Fahne malen und werde danach garantiert vorgeschlagen, um den Berliner Flughafen fertigzubauen. Wobei ich den Job nicht annehmen würde, so grenzdebil werde ich nie werden können.
Müßte ich auch nicht, denn bei VW kriegte ich ja für den einen Monat dann Herrn Winterkorns Gehalt. Danach übernehme ich Verantwortung, räume den Platz wieder und habe soviel Kohle auf der hohen Kante wie noch nie in meinem Leben. Das reicht mir bei vernünftiger Einteilung bis zu meinem letzten Atemzug. Und dabei bezahle ich sogar brav meine Steuern von dem Geld, versprochen.

Schön ist natürlich auch das „bis zu“ bei den Zahlungen in den USA. Erinnert mich ja irgendwie an die Internet-Provider, besonders mobil. Alles ist immer „bis zu“. Bis zu 7 MBit mobil – natürlich nur, wenn sonst keiner in meiner Funkzelle rumfällt, was in der Frankfurter Innenstadt aber halt nie der Fall ist.
Nur die Preise sind nie „bis zu“, die sind immer fest. Dabei wäre ich früher bei der Telekom gerne bereit gewesen, „bis zu“ zu bezahlen, abzüglich der 12 Tage ohne DSL natürlich, die ich alleine mal in einem Monat hatte. Zur korrekten Darstellung sei erwähnt, daß es sich um den Januar 2003 und ein damals aktuelles DSL2000 gehandelt hat. Trotzdem hätte ich gerne „bis zu“ bezahlt und nicht alles. Ich hätte später auch gerne „bis zu“ bezahlt bei meinem DSL16000+, das ja eine garantierte Bandbreite hat, die aber nie über 75% der Leistung hinauskam, zu besten Zeiten. Obwohl da eben kein „bis zu“ im Vertrag stand. Aber was soll’s, ich bin eh nicht mehr bei dem Saftladen vernetzt. Gegenüber meiner Wohnung steht jetzt aber neuerdings ein DSL-Slam. Von der Telekom. Weiß auf Rosa wird mir da verkündet: ,,Ich stehe für ihr schnelles Internet“. Natürlich zu spät und ohne Netzneutralität. Aber ich schweife ab.

Auf jeden Fall sind alleine an der Börse inzwischen Milliarden verbrannt, die mal VW-Gelder waren. Pensionsfonds sind außer sich, da sie das Geld ihrer Kunden wohl in VW-Aktien angelegt hatten, dafür wollen die jetzt Schadensersatz.
Was ich auch lustig finde, denn schließlich können Aktien ja auch wieder steigen. Irgendwie habe ich mal gelernt, daß man ja nur dann was verliert, wenn der Kurs einer Aktie unter den Kurs fällt, zu dem man gekauft hat. Bei einem Pensionsfonds wäre ich da mal sehr auf den Kassenbon gespannt.
Interessanterweise handelt es sich bei diesen Jungs um einen Pensionsfonds aus Michigan. Ja, zur Hölle, warum klagen die nicht gegen die US-Umweltbehörde? Immerhin haben die doch nachgemessen, die Korinthenkacker. Hätte keiner was gesagt, wären die Kurse nicht gefallen. Wenn einer auf Spionage hinweist, wird doch auch nicht der Spion zum Staatsfeind erklärt, sondern der verräterische Bürgerechtler, der die verfassungswidrige Bespitzelung an die Öffentlichkeit bringt. Diese Amis wissen auch nie, was sie wollen!
Zudem – auch das habe ich mal irgendwo gelernt – macht man ja nur Verluste, wenn man denn gezwungen ist, irgendwelchen Aktienkram auch genau jetzt auf der Stelle zu verticken. Ansonsten gilt nämlich das Motto: Verlust nie realisieren.

VW ist nur des Eisbergs Spitze. Die Liebe Deutschlands zum Auto hat uns mit Blindheit geschlagen.

Diese Grundhaltung ist symptomatisch geworden in der Weltwirtschaft und Gesellschaft: Entgangene Gewinne, also eine völlig fiktive Zahl, werden als Verluste vor Gerichten geltend gemacht. Übrigens etwas, das mit einem „Freihandels“vertrag wie TTIP in großen Mengen zu erwarten ist. Weinend und jammernd berichten völlig abgebrannte Multimillionäre vom schweren Schicksal ihrer Schäfchen, die sie vorher ins Trockene gebracht haben. Mit einer Renditeerwartung von 25% natürlich, um hier mal einen Ackermann zu pullen.

Wenn also ein Pensionsfonds so dämlich ist, nicht zu wissen, daß Aktien eben auch mal fallen können – manchmal sogar dramatisch – dann soll der Verlust ersetzt werden?
Immerhin geht es ja um einen Pensionsfonds, also eine gerechte Sache. Was sollen die ganzen armen Fonds-Manager denn sonst machen? Sollen die auf Koks und Nutten verzichten bei den Vorstandssitzungen auf den Malediven?
Man kann doch den armen Pensionären nicht einfach ihr zu Recht zusammenspekuliertes Geld vorenthalten, nur weil da irgendwelche Börsenkurse gefallen sind!
Ich finde, wenn einer dieser Pensionäre Herr Winterkorn ist, kann man das sehr wohl. Da sollte die Gesellschaft eigentlich verpflichtet sein, solchen Leuten alles wegzunehmen bis auf die letzte saubere Unterhose. Denn nur dann werden die sich überlegen, was sie da eigentlich machen, bevor sie Mist bauen. Ansonsten übernehmen sie Verantwortung und hauen ab. Aber die werden ja nicht einmal angeklagt. Stattdessen muß sich die zuständige Staatsanwaltschaft noch entschuldigen, weil sie aus Versehen verlauten ließ, man habe Ermittlungen gegen Herrn Winterkorn eingeleitet. Hat man gar nicht, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt.

Für einen Pensionsfonds gelten ansonsten die gleichen Regeln wie für alle anderen auch, finde ich: Wer an der Börse mit Aktien zockt, geht das Risko ein, daß der Wert der Emittentin auf 0 zurückgeht. Solche Anmerkungen standen auch in Verträgen, die andere Menschen unterzeichnet haben, um damit Papiere einer Bank namens Lehman Brothers zu erwerben. Heißt also, wer zockt, kann auch verlieren. Alles. Immer. Kapitalismus – fuck yeah!
Jetzt könnte man anmerken, daß es sich ja hier womöglich um Betrug handelt, bei Lehman ebenso wie bei VW, der da zum Rückgang irgendwelcher Kurse führt. Da sage ich nur: Es ist nur dann Betrug, wenn auch einer dafür angeklagt und verurteilt wird. Sieht bei Winterkorn derzeit nicht so aus. Ebenso wie bei den Managern von Lehman oder Goldman Sachs oder oder oder. Wer sich von 25% Rendite frei nach Ackermann ködern läßt, kauft die betrügerischen Arschlöcher eben gleich mit ein. Gehört meines Erachtens zum Risiko dazu. Kapitalismus – fuck yeah! Falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.
Im Normalfall streut man dieses Risiko deshalb einfach, wenn man schon Aktien besitzt. Wer also einem Pensionsfonds seine Kohle anvertraut, der alles in VW-Aktien buttert, sollte sich mal ernsthaft auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.

Das gab’s übrigens schon mal, diese Nummer mit Pensionsfonds und #Aufschrei. Das letzte Mal war es BP. Damals™, als die den Golf vollgetankt haben. Das war 2010. Erst sollten da mehrere Trillionen Strafzahlungen erfolgen. Dann stellte man in Großbritannien fest, daß „BP“ irgendwie mal „British Petroleum“ heißen soll. Wohl unter anderem deswegen, weil diverse britische Pensionsfonds Gelder in nicht unerheblicher Höhe in BP-Papieren angelegt hatten. In den USA stellte man fest, daß „British“ Petroleum in diesem Falle bedeutete, daß gut die Hälfte längst American Petroleum ist.
Was dann dazu führte, daß alle Pläne, die eventuell zu einer zu hohen Belastung des Konzerns hätten führen können, gnadenlos abgebügelt wurden. Denn wenn einer Regierung Zeitungsnachrichten um die Ohren gehauen werden, nach denen mehrere hunderttausend Arbeiter plötzlich ohne Altersversorgung dastehen, werden ganz schnell alle Reißleinen gezogen. Egal, wer gerade wo regiert.

Wenn jetzt also in Michigan oder Deutschland Pensionsfonds ihren „Schaden“ ersetzt kriegen, dann muß irgendwer zahlen. VW wird es nicht sein, das könnte ja den Konzern zu stark belasten. Sollte die Rufschädigung zu dauerhaftem Umsatzrückgang führen, dann wird das ebenfalls irgendwer zahlen müssen.
VW wird es nicht sein, denn der Konzern muß ja weiter Autos bauen. Also werden am Ende wieder öffentliche Gelder fließen. Vom Bund, vom Land Niedersachsen, wie auch immer. Auf jeden Fall ist es Steuergeld.
Dann verlieren noch Leute ihren Job und finden vielleicht keinen neuen. Also Hartz IV. Auch Steuergeld. Frühverrentung geht ja nicht. Wenn da einer Mitte 50 ist, bedeutet das derartig viel Abschlag, daß er trotz 30 Jahren Arbeit bei VW am Ende Grundsicherung im Alter kriegt – die ist noch mal etwas niedriger als Hartz IV, weil das ja das Existenzminimum ist und man als Rentner nicht soviel braucht, um zu existieren. Luft gibt’s ja kostenlos.
Das ist kein Zynismus meinerseits, das sind die Wahrheiten des deutschen Sozialstaats. Schönen Gruß an die ehemalige SPD an dieser Stelle.

Der Schaden könnte sich zu dreistelligen Milliarden aufhäufen und zieht bereits weitere Kreise. Diese Rechnung zahlt auf keinen Fall VW allein.

Also muß am Ende der Steuerzahler einspringen, das wird nur eine Frage der Zeit sein. Derselbe Steuerzahler, der sein Geld möglicherweise in einem Pensionsfonds angelegt hat, damit er im Alter nicht pleite ist, wird womöglich vom Staat sogar in Online-Foren vehement fordern, daß der Fonds gerettet wird. Oder in der Springer-Presse. Ist ja eine gerechte Sache.
Kann sein, daß das alles abgebügelt werden wird von den Gerichten, aber es ist so symptomatisch für das ganze Land. Da gibt es diesen bösen Staat, der einem Steuern abverlangt, und den guten Staat, der einem zur Riester-Rente, die man gar nicht bräuchte, wenn der Staat nicht die staatliche Rente privatisiert hätte, ein paar Hunderter dazuschießt. Aus der Steuerkasse, natürlich. Aber das kann der Deutsche klar trennen, diese beiden Staaten haben nichts miteinander zu tun. Wiedervereingung ist halt auch ein geistiger Vorgang, der seine Zeit benötigt.

Auf jeden Fall werden in Sachen Diesel wieder die Normalos die Rechnung zahlen müssen, nicht etwa der Herr Winterkorn. Oder die Ingenieure und Software-Nerds, die das ganze Zeug zusammengebastelt haben müssen und zwar selbstverständlich mit Wissen und Billigung der höheren Management-Chargen. Denn ich kann keine Software entwerfen, ohne mir über ihren Zweck von vornherein klar zu sein, das sage ich mal als schlichte fachliche Meinung. Das blame-game hat ja auch bereits begonnen bei VW. Ganz offensichtlich ist fossil angetriebener Individualverkehr ein Konzept, das nur noch unter Investition erheblicher krimineller Energie aufrechtzuerhalten ist. Was die deutsche Regierung auch weiterhin tun wird, da bin ich mir ebenfalls sehr sicher.

Man darf gespannt sein, wie das weitergeht. Fürs Erste müssen mal 5 Millionen Fahrzeuge allein in Deutschland in die Werkstatt. Bei angesetzten 2 Mille pro Wagen wären das schon mal 10 Milliarden. Ich wäre ja mit einem Bruchteil dieser Summe als Gehalt ausgekommen und hätte den Konzern nicht so einen Scheiß machen lassen. Aber mich fragt ja keiner.

Der Schaden der Dieselwolken über Wolfsburg ist jedenfalls schon jetzt enorm. Er könnte bis zu einen Autokonzern betragen.

11 Gedanken zu „Für einen Tank voll Diesel

  1. Zwang zu ÖPNV nur mit staatlich vereidigten StreetPsychologinnen und Streetpsychologen zum Schutz der Fahrgästinnen und Fahrgäste?

  2. Fahr…was?
    Es ist mir völlig egal, ob Menschen oder Menschinnen mit dem Bus oder dem Zug fahren. Es ging darum, daß die Politik dafür mal die Möglichkeiten schaffen muß. Wo keine sind, kann sie auch keiner nutzen.

  3. „Das blame-game hat ja auch bereits begonnen bei VW. Ganz offensichtlich ist fossil angetriebener Individualverkehr ein Konzept, das nur noch unter Investition erheblicher krimineller Energie aufrechtzuerhalten ist. Was die deutsche Regierung auch weiterhin tun wird, da bin ich mir ebenfalls sehr sicher.“

    Na dann seien Sie mal so freundlich, verkleiden sich als Herr W. und setzen sich dem angestachelten Mob aus.

    Insgesamt interessant zu lesen, was Sie an Fakten zusammenfassen, nur im vorgenannten Punkt sehe ich den Artikel 1 des GG im Vorrecht.

    MFG

  4. Darum ist das ein Flame, da darf der Autor auch mal auf den Putz hauen. Und für 28 Millionen setze ich mich dem Zorn des angestachelten Mobs aber sowas von aus 🙂
    Wo ist der denn, der Mob? Ich habe noch nichts von Zusammenrottungen vor der Konzernzentrale gelesen. Diese Leute maßen sich an, Millionen zu kassieren, damit solche Dinge nicht passieren und dann zetteln sie die selber an. Da muß man schon mal den einen oder anderen Flame aushalten. Ganz besonders, wenn der Konzern in Folge des eigenen Handelns draufgehen kann.

    Nur am Rande: Viele Großkonzerne nehmen es mit Art. 1 GG auch nicht besonders genau bei ihren weltweiten Aktionen. Nicht zwingend VW, aber… 😉
    Einen angenehmen Sonntag.

  5. … ein Mob ist eine hysterische Menschenansammlung, auch der gesellschaftlich Ausgegrenzten, welche durch rationale Argumente nicht länger erreichbar ist oder sind?

    … und wenn der Artikel 1 des GG ( wer hat diesen Satz eigentlich erfunden und empfunden? ) mit der Höhe der berauschenden Geldsummen korelliert, dann wären wir genau dem Zustand näher, den schon der erste Artikel des Grundgesetzes meiden möchte.

    … und die Kritik an Großkonzernen an Einzelpersonen zu verdichten scheint aus meiner Sicht nicht wirklich moralisch höherwertig oder vernunftgeleitet?

    Was mir gefällt, wäre auch, daß Sie den Konsumanspruch dieser heutigen Gesellschaft darstellen. Zusammen mit dem Wachstumsanspruch aus leitenden Wirtschaftskreisen, damit „sozial ist, was Arbeit schafft“, wird dabei auch schnell ein Dilemma für die Zukunft erkennbar, welches durch die Prioritäten einer Produktionsgesellschaft mit verursacht wird. Die Frage bleibt, ob wir dazu einen verbesserten Ansatz finden werden und finden können.

    den angenehmen Sonntag auch für Sie und Ihre Sphären
    und freundliche Grüße

  6. und die Kritik an Großkonzernen an Einzelpersonen zu verdichten scheint aus meiner Sicht nicht wirklich moralisch höherwertig oder vernunftgeleitet?

    An irgendwas oder -wem muß ich sie verdichten. Und da sind Personen mit derartigen Gehältern und den entsprechenden großen Klappen natürlich das Ziel des Satirikers, des Kabarettisten…und meines.

    Was mir gefällt, wäre auch, daß Sie den Konsumanspruch dieser heutigen Gesellschaft darstellen

    Ich werde auch diesen Aspekt unseres allumfassenden globalen Dilemmas noch anzusprechen versuchen. Zumindest habe ich das fest vor 😉

  7. *An irgendwas oder -wem muß ich sie verdichten. Und da sind Personen mit derartigen Gehältern und den entsprechenden großen Klappen natürlich das Ziel des Satirikers, des Kabarettisten…und meines.*

    … wie wärs mit sachlicher Kritik an den Sachthemen

    … schwierig wird’s wenn man sich damit auseinandersetzt, wofür die Gehälter eingesetzt werden ( denn das ist deren Privatangelegenheit _ hmm ja und nein, je nach Kulturkreis und Rechtverständnis und trotzdem theoretisch der {aus meiner Sicht} menschlichere Ansatz )

    MFG Marsianer_re2070 😉
    ( … trauen Sie dieser Welt soweit, daß Sie sich für open source firmware bei der Kfz-Motorensteuerung einsetzen würden?
    … Möge die Macht mit Ihnen sein? )

  8. … wie wärs mit sachlicher Kritik an den Sachthemen

    Ähmmmm…Flame? Kabarett? Satire? Humor? Ich bin wirklich nicht hier, um immer nur sachlich zu bleiben. Für trockene Realsatire empfehle ich die Tagesschau 😀

    … schwierig wird’s wenn man sich damit auseinandersetzt, wofür die Gehälter eingesetzt werden

    Ist mir schnurz. Aber kein Mensch ist so „produktiv“, daß Gehälter von zig Millionen pro Monat auch nur annähernd nicht obszön sind.

    trauen Sie dieser Welt soweit, daß Sie sich für open source firmware bei der Kfz-Motorensteuerung einsetzen würden?

    Das VW-„Problem“ hat ja nun nichts mit open source oder propietär zu tun. Es ist schlicht Betrug, der jetzt nach hinten losgeht. Und zwar kräftig.

    … Möge die Macht mit Ihnen sein?

    Als Radfahrer ist mir Dieselmotorsteuerung eh egal, junger Pandawahn 😉

  9. Hmm,

    ich dachte das wäre eine Kolumne, mit den Ansichten des Schreibers, die er netterweise sehr trocken und satirisch aufbereitet.

    So habe ich das verstanden, habe hier schon mehrere Gedanken mitgenommen.

    Sachlich falsch finde ich jetzt nichts.
    Jetzt mal zurückgefragt, finden sie es gut was bei VW abläuft und das sich Herr Winterkorn, der ehemalige Entwicklungschef, jetzt mit 23 Mios aus dem Staub macht?

    Was hat das mit Artikel 1 des GG zu tun? Von welchem Mob sprechen sie denn, wir sind hier in Deutschland nicht Frankreich, hier wird so einem noch applaudiert.

    Konzerne werden von Menschen geführt oder?
    Und Herr Winterkorn war der Chef(um es mal deutlich auszusprechen) und der Drecksack geht und lässt die anderen jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen und redet hier noch von Verantwortung.

    Aber auf den Aufsichtsratsposten in der Porscheholding will er nicht verzichten.

    Ah was reg ich mich auf.

    Gruß

  10. ich dachte das wäre eine Kolumne, mit den Ansichten des Schreibers, die er netterweise sehr trocken und satirisch aufbereitet.

    Besten Dank. Ich erröte angemssen ob des Lobes 🙂

    Ah was reg ich mich auf.

    GENAU! Wenn sich hier einer aufregt, bin ich das. Der Leser möge das lesen. Und drüber nachdenken 🙂

  11. Sachlich falsch finde ich jetzt nichts.

    Das ist gut.

    Falls das mal anders sein sollte – mir also tatsächlich faktisch ein grober Schnitzer unterläuft – dann möge man mich darauf hinweisen. Besten Dank!

    Das gilt natürlich für alle Texte, nicht nur die gesellschaftlichen und politischen Flames 😀

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