Mythopolis

– X –

Die bleierne Zeit

Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muß sie die Treppe
hinunterboxen, Stufe für Stufe.
Mark Twain

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts vdZ lebte in einer Gegend namens Böotien ein Mann namens Hesiod. Wie man dem seltsamen Namen – der Gegend, nicht des Mannnes – entnehmen kann, handelt es sich bei diesem Herrn wieder einmal um einen dieser alten Griechen, die ich gelegentlich erwähne. Erwähnen muß, denn irgendwie kommt man an denen nicht vorbei, wenn man in die historische Kiste greift.
Jedenfalls war besagter Hesiod Bauer und Viehzüchter, Nachkomme eines gescheiterten Küstenschiffers.
Zum Glück war er auch ein Dichter und Denker, sonst wüßten wir heute gar nichts von dem Mann. Oliven und Ziegen neigen nicht dazu, knapp drei Jahrtausende zu überdauern.
Hesiod schrieb ein Werk namens „Theogonie“ und ein anderes, das sich „Werke und Tage“ schimpft und aus etwas über achthundert Hexametern besteht. Das ist dasselbe Versmaß, dessen sich auch der berühmte Kollege Homer bedient hat. Der Herzschlag der epischen Dichtung, sozusagen.
Es ist eine Art Arbeitsgedicht, oder besser, ein Werk, das die Arbeit als ein zentrales Ziel und Lebensinhalt des Menschen lobt. Da waren andere griechische Dichter anderer Meinung, denn die waren überzeugt, daß nicht Arbeit adelt, sondern nur Herkunft. Auch irgendwie ein Aspekt, der sich bis in die heutige Zeit zieht.

Am Beginn dieser Reihe hatte ich nicht nur Homer bereits erwähnt, sondern auch, daß unsere Vorstellung vom ewigen Fortschritt, vom beständigen Aufstieg unserer Kultur durch Verwendung immer höherer Technologie, schlicht und einfach eine Lüge ist. Dieses Narrativ ist fester Teil des Selbstbetrugs, dem sich Mensch so fleißig hingibt, um weiter so tun zu können, als sei mit unserer Zivilisation alles in Ordnung.
Ein Mythos im modernen Sinne, also etwas, das nicht so stattgefunden hat. Ein Märchen für Erwachsene wie das vom dunklen Sith-Lord und vom nicht ganz so dunklen, weil grünen, Meister Yoda.

Hesiod, der alte Grieche, hätte darüber gelacht. Nicht über Meister Yoda, sondern unsere naive Vorstellung. Böotien, die Gegend, in der er lebte, ist heute so etwa der südöstliche Küstenstreifen der Halbinsel Griechenland. Eine Gegend, die nördlich aus mehr oder weniger harschem Hügelland besteht und südlich aus mehr oder weniger harscher Gebirgslandschaft. Dazwischen gibt es ein bißchen Tiefland.
Vermutlich waren die Hügel zur damaligen Zeit noch nicht so staubig und trocken wie heute, denn ich nehme an, daß um das Jahr 700 vdZ die Abholzung der Wälder rund um das Mittelmeer bei weitem noch nicht so fortgeschritten war wie zu Zeiten eines Cäsar oder Augustus um die Kalenderwende herum.
Jedenfalls wurde Hesiod um 700 vdZ herum geboren, Genaueres wissen wir da nicht. Standesämter waren noch nicht erfunden. Ist einfach zu lange her und der Mann war halt kein Kaiser, König oder Eroberer.  Zum Glück, die Ehren des Dichters halten nämlich oft länger. Ein selbstbeweisendes Theorem, denn kein Mensch kennt einen berühmten griechischen Herrscher von damals. Homer hingegen kennt jeder.
Hesiods Leben war geprägt von den normalen Rhythmen der Natur und ihren Stimmungen und Launen, wie gutes Wetter für Ziegen und schlechtes Wetter für Oliven beispielsweise.

Könnte man den alten Hellenen in unsere Zeit holen, wäre er vermutlich äußerst erstaunt über das ganze Zeug, mit dem wir uns heute so selbstverständlich umgeben.
Menschen sprechen in die leere Luft, während sie mit starrem Blick durch die Gegend wandeln und bekommen Antwort. Aber die sind nicht etwa verrückt – jedenfalls meistens – oder sprechen mit den Göttern. Die telefonieren nur. Wobei sie dabei vielleicht doch mit Göttern reden, daß kommt drauf an, wie das Verhältnis zu Siri oder der eigenen Ehefrau so gestaltet ist.
Andere wiederum sprechen in die leere Luft und bekommen Antwort von Menschen, die man sogar sehen kann in dem Moment, obwohl sie auf einer 5.000 Kilometer weit entfernten Insel sind, von der ein Hesiod absolut keine Ahnung hatte. Island nämlich. So ein schlichtes Skype-Gespräch ist ja nichts Ungewöhnliches. Und durchs Wohnzimmer reicht das Mikro meiner Webcam allemal.

Während ein hemmungslos überforderter Staubsaugerroboter Hesiods Füße umschmeichelt und in seinem künstlichen Spatzenhirn herauszufinden versucht, ob er den alten Griechen jetzt wegsaugen kann oder nicht, versucht Hesiods Dichterhirn verzweifelt herauszufinden, mit welcher Kraft sich dieses Dingsbums eigentlich bewegt.
Ein Fingerdruck meinerseits auf einen Schalter in der Wand würde den Elektrik-Trick auslösen, den schon Catweazle so faszinierend fand und den Raum mit hellerem Licht überfluten, als Hesiod innerhalb eines Hauses jemals gesehen hat. Jedenfalls nehme ich das an, denn die Beleuchtung einer griechischen Ziegenzüchterbude im 8. Jahrhundert vdZ dürfte wohl aus einer Öllampe bestanden haben und nicht aus LED-Leuchten.

Draußen bewegen sich Stahlkisten mit Menschen drin unter höllischem Lärm über Straßen aus künstlichem Stein, um Menschen zu Gebäuden aus künstlichem Stein zu bringen, in denen sie dann völlig unverständliche Dinge tun. Bürokraten erkennt Hesiod eventuell noch, die bewegen Papier. Und Bürokratie ist keine neue Erfindung. Aber was macht dieser Typ da im Nachbargarten eigentlich?
Er schiebt etwas vor sich her, das ebenfalls Höllenkrach macht und dabei den Rasen frißt. Keine Ahnung, ob Hesiod Rasen kannte. Die Vorstellung, sein Haus mit Pflanzen zu umgeben, die man nicht essen kann, dürfte ihm vermutlich etwas abgehoben vorkommen. Aber der Rasenmäher würde ihn wahrscheinlich abschnallen lassen.
Ich denke mal, nach etwa zehn Minuten in unserem 21. Jahrhundert würde Hesiod mir über den Lärm des Fortschritts ins Gesicht brüllen, ich solle ihn sofort zurückbringen, denn den Scheißkrach hielte ja keine Sau aus. Recht hätte der Mann.

Zurück in seinem Jahrhundert und dieser unheimlichen Fast-Stille der böotischen Hügellandschaft könnte ich dem alten Griechen dann stolz vom Aufstieg unserer Kultur erzählen, vom ewigen Fortschritt.
Exakt an diesem Punkt würde Hesiod mich dann herzlich auslachen, während er uns noch eine Ziegenmilch einschenkt. Ungekühlt, natürlich. Dieses Zeug schmeckt nach flüssiger Ziege. Aber was tut man nicht alles?

Hesiods Version der Welt und ihrer Geschichte, die er in Werke und Tage ausbreitet, ist eine völlig andere als die unserer Zeit.
In dieser Geschichte produzierte die Erde selbst jede Menge Frucht ohne das Zutun menschlicher Arbeit, als der Gott Kronos über die Welt herrschte. Überall floß Ziegenmilch und Honig, der Wein war umsonst, die Weiber auch und der Gesang wurde nicht von einer parasitären GEMA besteuert. Das war das Goldene Zeitalter.
Der Haken an der Sache: Alles danach ging nur noch den Bach runter. Hier stoßen wir erstmals in der Geschichte auf die Vorstellung des Abstiegs in der griechischen Mythologie. Auf das Goldene Zeitalter folgte ein Silbernes, beherrscht von Ignoranz und Dummheit. Das führte dann zu einem Bronzenem Zeitalter, das großteils aus gnadenlosem Krieg bestand.
Darauf folgte wiederum das Zeitalter der Heroen. Was in unseren Ohren natürlich irgendwie großartig klingt, aber für Hesiod eben nur eine weitere Stufe der unsinnigen Taten trauriger Gestalten war.
In das Zeitalter der Heroen fallen auch solche Leute wie Achilles und Hektor – der geneigte Leser erkennt hier die Teilnehmer des Trojanischen Krieges, den der Kollege von Hesiod in seiner „Ilias“ so versgewaltig besungen hat.
Natürlich ist das aber schon eine verklärte Version der grauen Vergangenheit. Hesiod selbst lebt, nach seiner Darstellung, im Eisernen Zeitalter. Armut und harte Arbeit sind das Los des Menschen, der sich mühselig seine Existenz aus dem Staub der Geschichte zusammenkratzen muß und dabei oftmals scheitert, was unweigerlich mit dem Tod endet.

Eine Beschreibung, die auf Hesiods eigenenes Leben wohl recht gut zutreffen dürfte, soweit wir etwas darüber wissen. Jedenfalls war das keine Zeit allgemeiner Gesundheitsvorsorge und der Sozialversicherungen.
Das Gruselige ist, daß es in Hesiods Version der Welt nicht besser werden wird. Kein Ritter auf weißem Pferd wird die Sache wieder geradebiegen.
Nein, in der Zukunft, die Hesiod vorhersieht, werden selbst Kinder bereits mit grauem Haar geboren werden. Dann würde Zeus die Reste des Eisenzeitalters zerstören, so wie die vorhergehenden auch. Einschließlich der dann lebenden Menschen, versteht sich. Und das ist das Ende der Geschichte. Hesiod erwähnt keinen Wiederaufbau und auch keinen Neustart des Zyklus mit einem erneuten Goldenen Zeitalter.
Interpretationen des Textes sprechen gern von den Ansichten eines alten Mannes, der auf sein Leben zurückschaut. Unschuldiges Herumspielen als Kind, Dummheiten machen in der Pubertät und im Teenageralter, Krieg – und auch Leidenschaft – im weiteren Heranwachsen, gefolgt von harter Arbeit und schließlich den Leiden des Alters und am Ende wartet der Tod.
Klingt nach einer einleuchtenden Interpretation. Aber ich weise darauf hin, daß Hesiods Version der Weltzeitalter, wie er das nennt, eine recht gute Wiedergabe dessen ist, was wir über die Geschichte der Mittelmeerregion heutzutage so wissen.

Zweitausend Jahre vor Hesiod bestand das, was später einmal Griechenland werden sollte, aus einem Netzwerk durchaus lebhafter Dorfkulturen, die dabei waren, ihre Werkzeuge aus poliertem Stein durch solche aus Bronze zu ersetzen. Also eindeutig das, was wir heute so gerne „Fortschritt“ nennen.
Daraus erwuchs schließlich eine komplexere Gesellschaft, die wiederum eine Menge Leihgaben bei anderen Kulturen machte, die weiter östlich lebten, in Kleinasien und im Nahen Osten. Das Ergebnis war die Palastkultur von Mykene. Eine Kultur mit Schrift und anderen Errungenschaften.
Ein wunderbares Beispiel dafür, daß der Fortschritt unaufhaltsam ist. Alles, was ich also in den letzten Wochen geschrieben habe, ist somit widerlegt.
Oder eben auch nicht. Denn die Mykene-Kultur machte den Fehler, Landwirtschaftsmethoden zu importieren, die zwar nützlich waren, aber für hellenische Inseln eindeutig weniger geeignet sind als für die flachen Schwemmlandregionen Mesopotamiens.

Die Vorstellung einer ewig besseren Zukunft hätte Hesiod amüsant gefunden. Und mir das Gegenteil bewiesen.

In Folge wurde jede Menge intensive Landwirtschaft an den falschen Stellen betrieben, die grünen Hügel und auch das Land dazwischen wurden abgeholzt und so endete ein Großteil des fruchtbaren Ackerbodens des mykenischen Griechenland auf dem Boden der Ägais. Was dann zu den Hügeln führte, in denen Hesiod seine Ziegenbäume pflanzte und seine Oliven molk. Diese Hügel waren zwar grüner als zu Cäsars Zeiten, aber deutlich weniger grün als zu Zeiten Mykenes.
Woraus man schließen kann, daß trotzdem weiter mit der Umwelt rumgeaast wurde. Schon damals haben Menschen also aus der Geschichte nichts gelernt. Den Ackerboden kann man übrigens heute noch in entsprechenden Sedimentuntersuchungen finden.
Dieser ökologischen Verwüstung im wahrsten Wortsinne folgten Wanderungsbewegungen, neudeutsch Migration genannt, ein Zusammenbruch der Bevölkerung und gewürzt wurde das ganze natürlich mit diversen Kriegen. Untergang, Tod und Verwüstung, mit großer Begeisterung in Szene gesetzt von einer sterbenden Kultur.
Möchte noch jemand der Verteidiger des Fortschritts anführen, daß Geschichte sich nicht wiederholt?

Hesiods Version der Welt ist also keine, die von der Legende eines ewigen Aufstiegs getragen wird. Geschichte in seinem Sinne ist ein langer Niedergang von einem höheren Punkt aus. Ein Abstieg vom Berg der Kultur, während mehr und mehr die Dämmerung hereinbricht. Die Lange Dämmerung eben.
Für einen Mann wie Hesiod war das kein Gedankenspiel, keine experimentielle Vison darüber, wie etwas sein könnte, sondern schlicht die Art und Weise, wie sich die Welt bis zu diesem Punkt, an dem er eben stand, entwickelt hatte.
Für diesen alten Griechen war es eben so, es war so gewesen und es würde auch immer so sein. Es gab für ihn keinen Grund, an seinem Bild der Welt und ihrer Entwicklung zu zweifeln.

Wie würde die Welt für uns aussehen, in unseren Köpfen, wären diese mit einer anderen Vorstellung gefüllt, einem anderen Narrativ als dem heute üblichen Geschwätz über nicht enden wollenden Fortschritt und seiner ebenso ewigen Segnungen?
Hesiod ist auch der Mann, der uns die Geschichte von der Büchse der Pandora überliefert hat. Niemand weiß, ob er der Erfinder ist, aber durch ihn hat unsere Welt davon erfahren.
Einige spätere Versionen dieser Geschichte unterscheiden sich in einem sehr wichtigen Detail von Hesiods Version. Wenn alle Flüche und Plagen aus Pandoras Kiste entwichen sind, wird der Deckel zugeschlagen und darin verbleibt die Hoffnung. In manchen Varianten wird auch diese in die Welt entlassen.
In der späteren Interpretation ist die Hoffnung somit eine Art Trostpreis. Etwas Positives, woran sich der Mensch klammern kann. Ein letzter Halt. Der Spruch „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ beruht auf dieser Auffassung.
In der Welt von Hesiod ist Hoffnung kein Trostpreis. Sie verbleibt in der Truhe, kann also nicht entweichen und somit ist die Welt ein Ort ohne sie.
Das ist auch gut so, denn sollte die Hoffnung entweichen, wäre das in Hesiods Weltsicht unerträglich. Ein bitterer Scherz, ein letzter, grausamer Spott und der schrecklichste aller Flüche, den Zeus in die Kiste gepackt hat.
Die Hoffnung böte die verführerische Wahnvorstellung, daß die Dinge besser werden, wenn sie es eben nicht tun.
Ebenfalls zu Beginn dieser Reihe hatte ich erwähnt, daß die alten Griechen aufgrund ihres Versmaßes gerne Wortpaare mit Adjektiven gebildet haben. Die „rosenfingrige Eos“ ist beispielweise das Bild der Morgendämmerung in griechischer Dichtung.
Nun ja – das Wort, das üblicherweise mit dem Wort „Hoffnung“ gepaart wird in antiker griechischer Dichtung ist das Wort „blind“.

Die Verse von Werke und Tage sind gefüllt mit mißtrauischen Ratschlägen. Man soll dem Neuen nicht trauen, sich auf traditionelle Weisheit berufen, seine Ziele nicht zu hoch stecken, immer Getreide für ein Jahr auf Vorrat haben. Solche Sachen eben.
Jedenfalls waren die Ratschläge von Hesiod für seine Zeit wesentlich besser geeignet als unsere Vorstellungen des unbegrenzten Potentials von High Tech und die Hoffnung darauf, daß schon ein heller Kopf rechtzeitig was erfinden wird, das mit einem brandneuen Elektrik-Trick alle Probleme der Menschheit lösen wird.
Um es mal aus der Sicht eines gescheiterten Bio-Studenten zu sagen, der sich hier und da etwas mit Evolutionsökologie auskennt: In einer verarmten Stammesgesellschaft, umgeben von den Resten einer ehemals deutlich komplexeren Gesellschaft und geplagt von den Langzeiteffekten ökologischer Verwüstung, sind Hesiods Vorschläge nichts weiter als Anpassung an die Situation.

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Bild 1: Altes griechisches Gekritzel auf Pergament
Die „Theogonie“ von Hesiod in einer handschriftlichen Kopie von 1319. Die Anmerkungen am Rand sind die damals übliche Form eines erläuternden Kommentars. Reclam-Leser kennen das. In diesem Werk macht uns Hesiod mit den Weltzeitaltern der griechischen Mythologie bekannt. Es ist keine Geschichte des Aufstiegs von Siegern.
Venedig, Biblioteca Marciana

Die Bundesregierung ist da heutzutage bescheidener, die hat ja neulich nur dazu aufgerufen, sich einen generellen Vorrat an Hamstern für zehn Tage zuzulegen. Andererseits fressen Hamster auch Getreide. Aber immerhin.
Schon die alten Römer hatten Hesiod längst vergessen. Als im Jahre 410 ndZ ein Gotenkönig namens Alarich die Stadt Rom plündern ließ, nachdem die Senatoren wieder einmal die Zeichen der Zeit grob mißverstanden hatten, wohnten in der Stadt schätzungsweise noch 50.000 Menschen. Immer noch eine große Ansiedlung zur damaligen Zeit. Doch das einst mächtige Zentrum eines großen Reiches war zu diesem Zeitpunkt aus Sicht eines Einwohners von Konstantinopel längst tiefste politische und sonstige Provinz, umlagert von Barbaren.
Das weströmische Kaisertum war ein schlechter Witz, auf dem Forum grasten Ziegen und der allgemeine Zerfall der Infrastruktur dürfte wohl kaum einem in Toga gehüllten „echten“ Römer entgangen sein.
Ignoriert wurden diese Tatsachen trotzdem. Der Senat lehnte das Ansinnen Alarichs ab, das noch immer dasselbe war wie schon Jahre zuvor: Land für seine Männer in Italien. Die versprochene Belohnung für seine Dienste, die er Rom geleistet hatte. Aber die Senatoren scheuchten die lästige Barbarenfliege weg, die würde vor der Größe des Imperium schon kuschen.
Einige Tage später dürften sie in den brennenden Trümmern der Stadt wohl endlich anders darüber gedacht haben. Zumindest diejenigen, die noch lebten. Alarich gab meines Wissens den Befehl, die normale Bevölkerung zu schonen, wo es ging, und nur alles von Wert zu plündern, was sich finden ließ. Was nach guten 800 Jahren imperialer Raffgier wohl eine ganze Menge gewesen sein dürfte.
Seine Männer folgten dem Befehl, die größte Plünderung in der Geschichte des antiken Europa ging recht diszipliniert vonstatten, soweit wir das wissen.
Für die römischen Aristokraten in ihrer Arroganz galt Alarichs Befehl ausdrücklich nicht. Die römischen Eliten hatten zum letzten Mal die wahre Lage verkannt.

Die aktuelle Weltrettungselite der Technologiepriester und -propheten benimmt sich da nicht anders. Alle Bemühungen aller Weltenretter laufen derzeit darauf hinaus, einfach so weiterzumachen wie bisher. Es geht schon damit los, daß die Welt gar nicht gerettet werden muß. Die ganzen Erdbesorgten heutzutage wollen nichts weiter, als ihre Welt retten. Sprich, ihren gemütlichen Lebensstandard in einem überentwickelten Industrieland. Und natürlich ihre Vorstellung davon, wie die Welt zu sein hat.
Gut, wir haben da dieses Problem mit dem Klima. Aber wir fahren einfach Elektroautos in Zukunft, das wird schon passen. Technologie, Baby!
Ok, da gibt es vielleicht ein Problem mit den Fischen und dem Ozean. Aber wir kriegen das schon hin. Wir züchten uns den Fisch einfach in großen Aquafarmen. Ist völlig ökologisch. Technologie, Baby!
Wir holzen auch nicht mehr blind Wälder ab wie unsere Vorfahren. Wir bewirtschaften Wälder und ernten das Holz ganz gezielt. Alles zertifiziert und – Technologie, Baby!
Wir sind einfach in so vielen Dingen fortschrittlicher, besser geschult, verstehen Zusammenhänge, haben Möglichkeiten, die sich so ein alter Grieche niemals hätte träumen lassen. Techno…aber das sagte ich schon.

Wir sind heute in der beneidenswerten Lage, unsere Situation wesentlich ausführlicher bewerten zu können und auch umfassender, als es die alten Römer oder die noch älteren Griechen jemals auf die Reihe gekriegt hätten.
Wir haben Augen am Himmel, im Wasser, in der Luft, in Regenwäldern und auf Berggipfeln. Selbst die Polregionen unserer Welt sind bekannt und bleiben nicht von menschlicher Neugier verschont.
Deshalb wissen wir auch eindeutig, daß Regenwälder verschwinden und Brandrodungen zum Opfer fallen. Es gibt Länder, die verkaufen ihre Küsten, die aus Sandstrand bestehen, weil diese Sorte Sand für Bauprojekte weltweit gebraucht wird. Ohnehin werden die Küsten bald absaufen, denn das Eis schmilzt und wir wissen auch das.
Das Leben in den Ozeanen wird mit Fabrikschiffen schneller aus dem Wasser gefischt, als sich die Ressourcen erneuern können.
Die Folgen unserer exzessiven Umweltübernutzung und -vergiftung türmen sich mehr und mehr auf und verfolgen uns überall hin auf der Erde. Wir haben überall Augen, um zu sehen, und doch weigern wir uns, zu erkennen.
Dabei ist längst offensichtlich, was die Führungskräfte unseres Planeten noch immer armwedelnd abstreiten: Unsere Form der Zivilisation hat keine Zukunft.

Das wahre Morgen wird nicht aus leise surrenden Elektroautos bestehen, die über von Robotern gereinigte Straßen zischen, um genetisch optimierte Menschen ihren Hochleistungsjobs entgegenzutragen.
Das wahre Morgen wird nicht aus Gebäuden bestehen, die eine Meile hoch in den Himmel ragen und nicht aus schwimmenden Städten, die über die Ozeane fahren.
Das wahre Morgen wird eine Zeit sein, in der unsere Kinder die bröselnden Fassaden gläserner Bürotürme aus der Ferne betrachten und spätestens unsere Enkel damit beginnen werden, eben diese Türme systematisch zu zerlegen. Denn für sie werden diese Reste nichts weiter sein als herumstehende Ressourcen, die man nutzen kann.
Aus demselben Grund stehen heute Säulen aus Byzanz in Venedig oder ist Marmor aus Rom Teil von Gebäuden in einer Stadt, die heute Istanbul heißt.

Wir sehen heute soviel mehr als Hesiod oder die Römer. Aber wir sind genauso blind.

Unsere Zivilisation wird sich anpassen oder sie wird untergehen. So war es immer in der Geschichte und so wird es immer sein.
Wir müssen uns geistig von dem Gedanken verabschieden, daß unsere Industriegesellschaft in aktueller Form noch zu retten ist. So bitter diese Erkenntnis sein mag, so notwendig ist sie. Auch das ganze politische Gekreische gewisser Parteien, die irgendwas von Alternativen oder Identität erzählen, ist nichts weiter als ein Symptom der herannahenden Zukunft. Menschen wollen mit allen Mitteln das erhalten, was sie als ihre Kultur betrachten. So wie römische Senatoren die Purpurränder ihrer Toga zu einer Zeit, als Rom längst keine Republik mehr war und Rom selbst nichts weiter als eine Stadt, von der ein Barbarenherrscher seine Bezahlung verlangte.

Zwingend logisch ergibt sich die Frage, was wir überhaupt retten können. Das führt ebenso zwingend zu einer Liste, auf der draufsteht, was wir überhaupt retten wollen.
Denn da gibt es sicherlich zwei bis fünf Dinge, die man gar nicht retten will. Oder retten sollte, weil es Dinge sind, von denen Mensch ganz generell einfach mal besser die Finger gelassen hätte.
Was wiederum zu einer weiteren Erkenntnis führt, die die Hohepriester der Technologiereligion nicht gerne hören: Technologie ist eine Wahl.
Eine Gesellschaft könnte so eingerichtet sein, daß ihre Mitglieder wählen, für welches technologische Level sie mit ihren Steuern bezahlen wollen. Und für welches eben nicht.
Eine ungeheure Vorstellung. zumindest scheint das der Fall zu sein, denn wenn ich so etwas in Gesellschaft laut andenke, ernte ich meistens diese Art Blick, die besagt: „Oh Gott, was hat er denn jetzt wieder Irres ausgebrütet?“

Alleine die Behauptung, daß man eben eine bestimmte, neu gehypte Technologie nicht benötigt, löst üblicherweise eine heftige Gegenreaktion aus.
Dabei ist das in meiner Wohnung schon offensichtlich. Ich habe einen Röhrenfernseher, der dafür da ist, um noch vorhandene Videokassetten wiederzugeben. Denn Fernsehanschluß habe ich gar keinen. Diese Kiste nähert sich jetzt ihrem 25. Geburtstag. Ich brauche schlicht kein 3D-LED-Dingsbums mit drei Metern Bilddiagonale. Würde sich die Qualität des Fernsehprogramms dadurch verbessern, ich würde mir augenblicklich so ein Ding zulegen. Aber das ist nun einmal nicht der Fall.
Jugendliche Menschen sagen sich jetzt :„Klar, ich streame mein Netflix ja auch aufs Tablet. Fernseher braucht keiner.“
Aber ich habe auch kein Netflix-Abo und kein Tablet. Denn der Preis, der für solche technologischen Spielereien verlangt wird, geht weit über ihren Nutzen hinaus.
Auch Netflix-Abos sind nur so gut wie die Datenflatrate zu ihrer Übertragung, die gar keine ist, sondern ein Volumentarif. Und auch nur so gut wie die Inhalte, die es eben so gibt auf Netflix.
Ich persönlich ziehe keinerlei Vergnügen aus noch irgendeiner amerikanischen Dosenserie, die jetzt gerade alle so wahnsinnig toll finden. Alleine die Tatsache, daß ich mich in der aktuellen Serienlandschaft und ihren Figuren nicht auskenne, erzeugt oft heftiges Stirnrunzeln bei Gesprächspartnern.
Einmal wurde mir sogar Realitätsverlust vorgeworfen, als ich klar betonte, daß ich dieses Geflimmer nicht wirklich brauche. Von jemandem ausgesprochen, der unbedingt über die Vorzüge irgendwelcher fiktiven Lover für eine andere fiktive Figur in einer Serie mit fiktiven Ereignissen reden will, weil er sonst nichts zu besprechen hat, ist eine derartige Aussage höchst amüsant.

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Bild 2: Brandneues japanisches Gekritzel im Computer.
Der Sky-Mile-Tower in Tokyo. Mitten ins Wasser gebaut, umgeben von Aquafarmen, doppelt so hoch wie der Burj Khalifa in Dubai. Ein besseres Symbol für die immer noch vorherrschende Denkweise unserer Zukunftsgestalter auf der Erde läßt sich kaum finden.
Quelle

Ich erkenne Realitätsverlust in Aussagen über die Zukunft, in denen sich Megastädte auf der Erde durch vertikale Farmen mit allem versorgen, was deren Bewohner brauchen.
Man schneide einmal Manhattan für drei Wochen vom Umland ab. Das sich daraus ergebende Blutbad dürfte spektakulär sein.
Die meisten New Yorker Apartments haben nicht einmal mehr eine Küche. Denn natürlich geht der New Yorker auswärts essen. Selber kochen ist ja sowas von 20. Jahrhundert. Diese Leute kennen alle fiktiven Seriencharaktere der letzten zehn Jahre in- und auswendig, müssen aber in ihrem Smartphone nachgoogeln, wie man Kartoffeln kocht.

Immer mehr Ressourcen werden in immer schnellerem Tempo in technologischen Müll verwandelt, während Firmen wie Facebook die Weltherrschaft antreten. Oder besser, eine Fiktion der Weltherrschaft zum Standard erheben wollen.
Immer neue Funktionen sollen ein Alleinstellungsmerkmal bilden für das neueste Smartphone-Modell. Allesamt Funktionen, die ein halbes Jahr vorher niemand gebraucht hat, als das alte Modell rauskam.
Inzwischen gehen die Hersteller bereits dazu über, zwecks besserer Verkaufszahlen Dinge wegzulassen, wie es aussieht. Das neue iPhone 7 hat keine Kopfhörerbuchse mehr. Was für eine unglaubliche Sensation!
Und was für eine Riesenmenge unglaublicher Idioten dann die drahtlosen Ohrstecker kaufen wird, die Apple dann zu einem vermutlich wie immer unverschämten Aufpreis verticken wird – ich mag es mir gar nicht vorstellen.
Gleichzeitig werden wir sogar schon von Glühbirnen ausspioniert. Oder dem, was heute so als Leuchtmittel durchgeht.
Natürlich ist Technologie faszinierend. Aber ich würde darauf nicht die Zukunft unserer Spezies verwetten wollen. Es geht um die entscheidende Frage, welche Form diese Zukunft annehmen soll. Sagen zumindest alle. Aber wenn jemand wie ich sagt, welche Form das sein wird, lachen diese Menschen immer. Denn meine Zukunft paßt nicht zu der, die sie sich vorstellen.
Die Frage ist Blödsinn.  Denn sie geht davon aus, daß Zukunft etwas Beliebiges ist. Etwas, daß wir Menschen einfach so formen können, wie es uns paßt. Aber das ist gar nicht der Fall.
Wirtschafts“wissenschaftler“ gehen davon aus, daß Natur, also alles, was Leben auf diesem Planeten ermöglicht, ein Untersystem der Wirtschaft und ihrer lustigen mathematischen Modelle ist. In exakt diese Kategorie geistigen Dünnschisses fällt die Frage, wie die Zukunft aussehen soll.

Die einzig korrekte Frage lautet: Welche Form kann die Zukunft annehmen?
Was wir von der Zukunft wollen, ist ebenso irrelevant wie die mathematischen Modelle der Ökonomen, die im Laufe der letzten sechzig Jahre derartig oft katastrophal versagt haben, daß man sich ernsthaft fragen muß, welche Drogen man braucht, um so etwas heutzutage noch ernstzunehmen.

Natürlich wird es weitere Entwicklungen geben im technologischen Bereich. Ich bin der letzte, der das abstreitet.  Ein Schiff auf hoher See hat auch einen langen Bremsweg.
Ich bin auch ein Mensch, der sehr wohl weiß, daß viele heutige Dinge früher mal SF waren. Doch was die Propheten der wissenschaftlichen Religion gerne unterschlagen, ist die Tatsache, daß derartige Technologien niemals allen Menschen zur Verfügung stehen werden.
Die unangenehme Frage, die alle vermeiden, die aber mit dem Gesetz des Abnehmenden Ertrags zwingend einhergeht, lautet in diesem Falle: Wer wird sich die neue Superzukunft eigentlich noch leisten können?
Ingenieure entwerfen tatsächlich aktuell schwimmende Städte für kommende, nassere Zeiten. Für welche Bevölkerungsgruppe machen die das? Für alle?
Und warum machen die das überhaupt, wo wir doch dem Klimawandel gerade erst befohlen haben, maximal 2 Grad Temperaturerhöhung zu haben?
Selbst diese in der Science Fiction beheimatete Nummer mit den Naniten, die den Körper von innen fit halten: Ja, eine derartige Technologie ist durchaus denkbar und nicht völlig außer Reichweite. Aber wieviel würde ein Verjüngungsdurchlauf mit Nanotechnologie kosten? Welche soziologischen Auswirkungen hätte so eine Technologie?
Was passieren könnte, wenn wildgewordene Nanobots dank unsachgemäßer Anwendung einfach so die Weltherrschaft übernähmen, lasse ich mal als Gedanken ganz weg. Ich möchte aber auch nicht, daß Frau Merkel zweihundert Jahre Bundeskanzlerin bleibt und der Bundestag nur alle fünfzig Jahre gewählt wird. Wie groß soll die Weltbevölkerung dann sein im Jahr 2100? Einhundert Milliarden?
Oder wäre Unsterblichkeit nicht doch eher etwas für die Machtelite?
Und aus was und mit welcher Energiequelle soll das alles hergestellt werden?

Eines Tages werden 56 Billionen Webcams, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen, Kennzeichen-Scanner, elektrische Zahnbürsten und Vibratoren in Schubladen gleichzeitig ein Firmware-Update runterladen.
Das ist dann der Tag, an dem das Internet implodiert und wir uns zwei Wochen später fragen, wofür wir den ganzen Mist eigentlich gebraucht haben sollen, während wir mit der Baumarktaxt über der Schulter geplünderte Supermärkte durchstreifen.
Was bleibt also übrig für die Zukunft, wenn wir davon ausgehen, daß es so nicht weitergehen kann?
Im Moment nichts weiter als Lügengeschichten, die von denen fleißig weiter verbreitet werden, die am aktuellen System am meisten profitieren. Die Schwäche der Maschine wird kaschiert mit Glitzerstaub und Glamour. Brot und Spiele. Auch hier wiederholt sich Geschichte.

Die Zukunft findet heute statt. Jeden Tag. Unsere Wünsche sind dafür irrelevant. Wir können den Wind nicht steuern. Aber die Segel richtig drehen ist möglich.

Dies hier ist nicht mehr das Goldene Zeitalter, das es einmal gegeben haben soll. Vor allem wird ihm kein Platin-Zeitalter folgen oder eines aus Diamanten, wie das im Credo der Technologiereligion sein müßte, da es ja niemals rückwärts gehen kann. Die Welt ist ein Computerspiel, Beförderungen sind eingebaut und die Achievements liegen vor uns, wir müssen sie nur finden.
Dieses 21. Jahrhundert wird ein sehr entscheidendes für die Zukunft des Menschen sein. Die Weichen sind bereits gestellt, aber noch gibt es die Möglichkeit, die Strecke zu wählen. Es wird Zeit, sich zu entscheiden. Denn auch die Endlosigkeit der Zukunft ist eine Lüge. Eine Illusion.
Mit jedem Tag verlieren wir mögliche Optionen. Als einzelne Menschen, aber in diesem Falle ganz besonders als menschliche Spezies.
Jedes Jahr verschwendeter Konferenzen ist unwiederbringlich verloren.
Die Zukunft wird jeden Tag enger um uns herum. Sie liegt nicht in unserer Hand. Wir liegen in ihrer. Und diese Hand schließt sich mehr und mehr. Nicht erst 2050 wird etwas entschieden sein. Die Entscheidungen sind längst getroffen.

Während unsere technologisierte Zivilisation rund um mich herum in Taumeln gerät und auf den Abgrund zurutscht, denke ich an all diejenigen, die immer noch malen. Mit der Hand schreiben. Die selber säen, ernten, hacken, jäten, Seife herstellen. Die selbst weben, stricken, Wolle färben, Bienen züchten. Die Schmiede, die Zimmerleute, die Papiermüller, die Glasmacher und Kerzenzieher.
All diese Menschen können dabei hilfreich sein, unsere Überabhängigkeit von Technologien verschiedenster Art abzumildern und den Aufprall zu dämpfen, der unweigerlich erfolgen wird. Ihn abzufangen. Sie sind die Hände, die der fallende Koloss instinktiv ausstreckt, um seinen Sturz abzufangen. Und wir fallen bereits. Alle Bewohner der übertechnologisierten Staaten der Erde spüren das instinktiv.
Wir benötigen nicht noch mehr Globalisierung in immer schnellerem Tempo.
Was Mensch braucht, ist Selbstgenügsamkeit und lokale Widerstandsfähigkeit in den Systemen, die uns alle versorgen.
Noch immer gibt es Menschen, die Gebäude errichten können ohne Hilfe von Computern oder sogar Elektrizität. Und sie würden das nicht einmal als unangenehm empfinden. Im Gegenteil, diese Menschen würden sich darüber freuen.

Dies ist die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts und sie geht zu Ende. Die nächste Dekade wird das sein, was das 3. Jahrhundert ndZ für die Entwicklung des römischen Imperiums war. Eine Zeit des Chaos, der Unordnung, des Zerfalls alter Strukturen. Wir sehen die Anzeichen dieser Dinge bereits überall im Gewebe der Realität. Wenn wir sie sehen wollen, natürlich.
Mensch muß die Konsequenzen erkennen und das tun, was Hesiod geraten hat: Sich anpassen. Diese Anpassung muß zuallererst auch im Denken erfolgen.
Mythopolis, diese Stadt aus Gold und technologischen Wundern, ist ein Hirngespinst für schlafende Kinder.
Die Zukunft wird keinen Aufstieg zu den Sternen bringen, kein Goldenes Zeitalter. Jedenfalls nicht für diejenigen, die sich ein paar Millionen Dollar für einen Sprung in den Orbit nicht leisten können. Willkommen im Wahren Morgen. Willkommen in der Bleiernen Zeit.

 

 

Das Beitragsbild ist von Wladimir Matyuhina. Den Künstler findet man beispielsweise hier.

32 Gedanken zu „Mythopolis

  1. Wer wird denn gleich mit Untergang Roms drohen nur weil die Barbarenhorden mit den Füßen scharren? Da ist diesesmal ja zum Glück noch das Mare nostrum zwischen. Außerdem schreit Europa doch viel eher nach ner Neuauflage des großen 30jährigen (14 bis 45). Ich mein, Balkan, Angst vor den Deutschen, Russen und so. Will doch auch alles noch ausdiskutiert sein.

  2. Ich drohe hier nie nicht niemals. Ich schreibe nur Sachen auf. Und das mit dem 30jährigen Dingsbums hatte ich schon mal zärtlich angedeutet. Ähmmm…wo war es gleich…*raschel*…ah ja…HIER.

    😀

  3. Großes Lob für diesen wirklich guten Blog. Hab mich extra bei Gmail angemeldet um das mal zu schreiben.

  4. Das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen *rot werd*

    Empfehlen Sie uns weiter, wenn es geschmeckt hat, sage ich da nur 😀

  5. Ich empfehle diesen Blog bereits, aber offenbar kommt das Thema nicht gut an. Ich habe auch keine Ahnung wie Du es schaffst nur belächelt zu werden, denn ich erlebe eher wütende Angriffe, obwohl ich nicht wirklich ätzender formuliere. Wahrscheinlich habe ich den falschen Umgang.

    Ich stimme allerdings nicht in allen Punkten überein.
    Besonders in der Definition von Fortschritt. Du schreibst im Grunde immer über technischen Fortschritt, was aber nicht der Fortschritt an sich ist.
    Fortschritt ist für mich die Befreiung des Menschen von Dummheit, Krankheiten, schwerer Arbeit, Despoten, verklemmter Sexualmoral, Prohibition, Zwang und Angst, sowie ein paar Unannehmlichkeiten mehr, die mir gerade nicht einfallen.

    Während der langen Dämmerung werden wir erleben, wie die Geschichte plötzlich rückwärts läuft. Also wir erleben es bereits, denn die Dämmerung hat bereits begonnen.
    Die Wiederkehr nationaler und/oder extrem konservativer Bewegungen innerhalb Europas ist dabei nur das augenfälligste Beispiel – und im Sinne der Anpassung sollten wir erwägen, dass dies sogar die richtige Strategie sein könnte.

    Nehmen wir den ersten internationalen Kinoerfolg Deutschlands nach dem Krieg. Der Streifen aus dem Jahr 1956 trägt den Titel „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ und ist so eine Art Tarzan im Bikini, nur oben ohne. Gut, Tarzan war auch oben ohne, aber wenigstens volljährig, während die Darstellerin Lianes 16 Jahre alt war. Das Alter war aber damals nicht das primäre Problem, sondern die Reizwirkung einer barbusigen weißen Frau – den ebenfalls barbusig auftretenden Afrikanerinnen wurde dagegen keine Reizwirkung unterstellt.
    Also es ging hin und her, am Ende wurde der Film 1957 ab 10 Jahren von der FSK freigegeben. 1974 sank die FSK Empfehlung auf 6 Jahre, und wurde dann 1990 auf 12 Jahre erhöht.
    Wir waren also bereits 1990 spießiger als anno 1957.
    Heute würde man das Filmteam am Set wohl verhaften.

    Um nochmal auf das Empfehlen zurückzukommen; eine Seite die ich ebenfalls sehr schätze, und die sich eigentlich auch mit der langen Dämmerung beschäftigt, die auch durch einen geradezu unrealistischen Tom innerhalb des Forum besticht, ist http://peak-oil.com.

  6. Ich empfehle diesen Blog bereits, aber offenbar kommt das Thema nicht gut an.

    Nein, kommt es normalerweise nie. Wollen die Leute halt nicht hören.

    Ich habe auch keine Ahnung wie Du es schaffst nur belächelt zu werden, denn ich erlebe eher wütende Angriffe, obwohl ich nicht wirklich ätzender formuliere.

    Du hast Hater? Glückwunsch. Publicity ist Publicity 😀

    Du schreibst im Grunde immer über technischen Fortschritt, was aber nicht der Fortschritt an sich ist.

    Das weiß ich. Aber für die allermeisten Menschen ist er das eben doch.
    Ich stimme dir in allen weiteren Punkten zu, die du anführst. Aber für mich fällt das unter „soziologischer Fortschritt“.

    Dieser wiederum hängt aber stark ab vom Energiegehalt einer Zivilisation. So etwas wie Rentensysteme und Demokratie sind ein Luxus, den eine Gesellschaft sich erst einmal leisten können muß. Ich werde irgendwann noch auf diese Aspekte kommen.

    Die Wiederkehr nationaler und/oder extrem konservativer Bewegungen innerhalb Europas ist dabei nur das augenfälligste Beispiel – und im Sinne der Anpassung sollten wir erwägen, dass dies sogar die richtige Strategie sein könnte.

    Korrekt. Diese Entwicklung ist zu erwarten. Aber Nein – ich halte sie nicht für richtig. Denn die Strategie der blauen Faschisten ist es letztlich, mit Haß und Angst gegen andere zu hetzen.
    Ist eine sinkende Bevölkerung gut? Eigentlich ja, im Sinne der Langen Dämmerung(TM).
    Aber Grenzen schließen zu wollen, weil die doofen Ausländer ja alle Smartphones haben und wir den miesen Sozialbetrügern eh nicht helfen müssen – falscher Ansatz. Hier hängen dann Soziologie und Politik wieder zusammen. Rationalität ist gefragt, nicht nationalistische Hetzerei.

    Heute würde man das Filmteam am Set wohl verhaften.

    Und per FB-Shitstorm und Twitter-Empöria die Todesstrafe fordern! 😉

    Ich kenne Peak-oil.com. Die stellen die falsche Frage schon im Seitentitel. Wie wir leben wollen, ist total egal. Das macht die Seite insgesamt aber nicht schlecht oder falsch. Ich lese die Artikel lieber im Original und denke mir meinen Teil.
    Wir werden übrigens nicht sehen, wie Geschichte rückwärts läuft. Wir werden sehen, wie sich Geschichte auflöst! Das wird spannend 😀

  7. Fortschritt ist für mich die Befreiung des Menschen von Dummheit, Krankheiten, schwerer Arbeit

    Ich weise darauf hin, daß eine Befreiung von Krankheit wohl auch technologischen Fortschritt voraussetzt. Ebenso die Befreiung von schwerer Arbeit. Wie sonst sollte das passieren?

    Was du willst, sind also in meiner Sicht sehr wohl Aspekte der Technologie-Religion. HiHiHi…Kassandra grinst in ihren Tee 😀

  8. Na klar will ich nicht auf technologische Errungenschaften verzichten – Du doch auch nicht. Sogar weniger als ich^^ denn ich mußte erstmal googeln wer Siri ist.

    Obwohl ich ein sowjetroter Stalinist bin, war ich schon 1990 für das Ende der Einwanderung, eben weil eine energiearme Zukunft mit geringer Bevölkerungsdichte besser zu meistern ist. Aber auch, weil dann die Mieten in den Keller gehen. Damit das nicht passiert erleben wir ja Einwanderung.
    Meine ganz persönliche VT-Eigenkreation ist, dass von Anfang an dafür gesorgt wurde nur ja keine vernünftige Argumentation gegen Einwanderung aufkommen zu lassen. Stattdessen das ewige Gejammer über die Einwanderer selbst, dem natürlich kein denkender Mensch folgen mag.
    Hätte man auf mich gehört, dann wären wir heute etwas mehr als 60 Millionen Bundesbürger, glaube ich, Pegida gäbe es gar nicht, und Vermieter würden uns das Schwarze aus den Zehennägeln lutschen. Ja, wir hätten sogar ein paar leerstehende Städte, wo wir Asylanten zwischenlagern könnten.
    Aber daran dachte ich nicht als ich mit nationalen Bewegungen liebäugelte, sondern an die Abwehr einer bürokratischen Käseglocke namens EU. Aber auch grundsätzlich an die Organisation in regionalen Rahmen.

    Wenn ich schreibe die Geschichte läuft rückwärts, dann meine ich damit vor allem die schrittweise Auflösung der sozialen Errungenschaften. Keine Ahnung ob Du das mit der Auflösung der Geschichte andeuten willst, oder ob Du schon Geschichtsbücher als Ersatz für Brennholz sammelt.

  9. Ich habe auch keine Siri, da kein Smartphone 😀
    Aber generell will ich natürlich auch nicht auf technologische Errungenschaften verzichten, richtig. Aber ich tue es trotzdem. Und ich weiß vor allem, daß das unvermeidlich sein wird. Was wir wollen, ist wie erwähnt unerheblich.

    Obwohl ich ein sowjetroter Stalinist bin

    Echt? Ganz schlechte Angewohnheit.

    Aber daran dachte ich nicht als ich mit nationalen Bewegungen liebäugelte, sondern an die Abwehr einer bürokratischen Käseglocke namens EU.

    Diese Dinge werden sich von selbst erledigen. Sollte man keine Ressourcen drauf verschwenden.

    oder ob Du schon Geschichtsbücher als Ersatz für Brennholz sammelt.

    Um Himmels Willen! Die doch nicht.
    „Ähmmm…hier unten steht unser Steuerrecht. Ich glaube, das können wir verbrennen.“ – The day after tomorrow

  10. Wieder mal gute Argumente, aber erstmals wird ein Punkt konkret, den ich bisher nur zart angedeutet fand, und dem ich widerspreche: Das nächste Jahrzehnt bereits sei die Zeit des Chaos und des für alle erkennbaren Nieder(Unter-?)gangs?! Was ist aus der (richtigen!) Beobachtung geworden, Niedergang erfolge langsam und für die Einwohner seiner Zeit fast unmerklich? Die Gesellschaft wird sich anpassen – wenn etwas wandelbar ist, ist es der menschliche Erwartungshorizont, Stichwort „shifting baselines“. Schon meine Generation (grad 39 geworden) weiß tief drinnen, dass sie nicht mehr im selben Wohlstand und Sicherheitsgefühl alt werden wird wie meine Elterngeneration. Das heißt aber nicht, dass das Gefühl, genau hier und jetzt beginne das Ende, zutreffender oder weniger zutreffend ist als vor, oh, 10 oder 20 oder 30 Jahren.

    Niedergang ist schleichend. Er ist nicht schön, aber er geht nicht in jedem Fall mit geplünderten Roms einher – oder wenn, dann ist das eher die Erscheinung, die jedem endgültig klarmacht, dass man da seit zwei, drei Jahrhunderten ein paar nun nicht mehr zu ignorierende Probleme angehäuft hat.

  11. Großartige Grafik. Einen besseren Beweis für die Natürlichkeit der Temperaturschwankungen habe ich selten gesehen 😀

  12. Was ist aus der (richtigen!) Beobachtung geworden, Niedergang erfolge langsam und für die Einwohner seiner Zeit fast unmerklich? Die Gesellschaft wird sich anpassen

    Diese Beobachtung/Behauptung ist weiterhin gültig. Ich sage nur ein Wort: Paradoxon!

    Der gesamte Niedergang ist etwas, das sich vermutlich über mehr als ein Jahrhundert erstrecken wird. Aber es wird immer dazwischen Abschnitte geben, in denen die Gesellschaft sozusagen wieder eine Treppenstufe runterfällt. Und besonders am Anfang wird das deutlich zu spüren sein.

    Anpassung erfordert Zeit. Die arbeitet aber gegen uns. Und sie erfordert Wissen. Das uns aber – ebenfalls paradox – oft fehlt.

  13. Große Veränderungen treten schockartig ein – hab ich mal bei Professor Lovelock gelesen (Gaya – die Erde ist ein Lebewesen).
    Ich vergleiche das mit einem Dammbruch. Wenn Wasser und Schlamm ins Tal rauschen, dann wird der Dammbruch wahrgenommen, aber dieser Augenblick ist nur das Ende einer Entwicklung. Vorher haben sich Risse im Beton gezeigt, denen man nicht die nötige Beachtung geschenkt hat.
    Die Story beginnt also langsam, fast unsichtbar, bis sich genug Power für das große Finale angesammelt hat.

  14. Ein Geologie-Student, mit dem ich gelegentlich zu Mittag esse, hat mich sprachlos gemacht, als er meinte, seine Profs hätten verboten, wissenschaftlich von „Klimawandel“ zu sprechen, das seien bloß „Wetterveränderungen“.

    Allerdings kam die nachzuvollziehende Erklärung nach, mit „Klima“ meine der Geologe etwas, das sich in Zeiträumen nicht unterhalb der Million Jahre abspiele… alles Kürzere sei letztlich wurscht 🙂

  15. So in der Art. Wobei das Bild ein bißchen hinkt, denn der Dammbruch wäre quasi das Äquivalent zur Vorstellung der reinigenden Apokalypse. So wird aber der Niedergang nicht aussehen. Jedenfalls nicht dauerhaft.

  16. „In the long run, we are all dead.“ 😀

    Gut, kann man so sehen als Geologe. Trotzdem ist Klimawandel eben real, da hilft es nicht, mit geologischen Maßstäben die Augen davor zu verschließen. Das hilft dem Prof auch nicht weiter, wenn das örtliche Flüßchen nach mehrwöchigem Regen und Starkregen 300 Meilen entfernt beschließt, sich kurzfristig mal auf Rundreise durchs Wohnzimmer zu begeben. Und die Innenstadt. Oder so ähnlich.

  17. Es ist wirklich eine Kunst, wie du es schaffst aus der anfänglichen Geschichte „Ich hole den alten Hellen in unsere Zeit“, in eine gesellschaftskritische Diskussion übergehst. Diesen Post werde ich jetzt erst mal eine Weile sacken lassen und dann nochmals lesen.

  18. Kürzlich lernte ich, daß die Menschen immer die selben Phasen durchleben, wenn sie erfahren tödlich erkrankt zu sein.
    1. Ablehnung
    2. Wut
    3. Verhandeln
    4. Depression
    5. Akzeptieren
    Was das jetzt übertragen auf unsere Diagnose bedeutet ist klar.
    Wenn ich also wütende Reaktionen erlebt habe (siehe oben) dann war ich wohl überzeugend in meinen Ausführungen.
    Hater sind also tatsächlich als Kompliment zu betrachten.
    Ob das auch für Hatespeach gilt muß ich erst noch mal durchdenken^^
    Grundsätzlich bedeutet es aber auch, daß sofort der Teufel los ist, wenn eine kritische Masse das Scheitern der Techno-Religion begreift.

    Ich erinnere mich noch gut wie mir die Überzeugung gelungen ist.
    Ich hatte vorgerechnet wie sich landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf die Bevölkerung(en) verteilt.
    Deutschland hat 357.375,62 qkm Fläche, was bedeutet dass jedem Deutschen 4300 qm zustehen, wollte man redlich teilen. Das ist ein kleiner Fußballplatz plus einem großen Tennisplatz. Ein Teil der Fläche ist nicht nutzbar, weil es sich um Wald, Gewässer, Gebirge oder bebautes Gebiet handelt. Landwirtschaftlich nutzbar sind pro Deutschen nur 2100 qm (2007/2008, BMELV, 2009). Jetzt verbraucht aber jeder Deutsche 2500 qm, was zwangsläufig bedeutet die fehlenden 400 qm werden im Ausland bewirtschaftet. Das machen wir so, die Amerikaner, die Japaner, die Chinesen, Saudis, und noch ein paar andere. Das es geschieht beweist in meinen Augen die Überbevölkerung der Welt.
    Und da haben wir das böse Wort, welches die wütende Reaktion hervorrief.
    Überbevölkerung! Meine Opponenten bestreiten sie vehement, und wiesen darauf hin, das man so einiges optimieren könne. Stichwort Veggieday^^.
    Noch auf dem Scheiterhaufen wies ich darauf hin, das sowas nur in Bangladesch gemacht wird, und dort auch nur, weil die es sich nicht leisten können mal eben halb Äthiopien für 50 Jahre zwecks Nahrungsmittelproduktion zu pachten, so wie die Saudis das tun.
    Wenn Du also ganz scharf drauf bist mal ordentlich gegrillt zu werden, dann wäre ein Beitrag mit diesem Thema hilfreich, weil es hier ganz wunderbar schaurige Zahlen gibt, und nichts erschreckt die Leute mehr als die Aussicht sich in Zukunft nur von Gemüse zu ernähren. Die Zahlen habe ich irgendwo gespeichert, falls Du daran interessiert bist.

  19. Das Schema nach Kübler-Ross. Ja, nichts wirklich Neues für mich. Das geht allerdings in die Frage hinein, was denn die Erkenntnis des eben nicht ewigen Wachstums etc. rein psychologisch für Auswirkungen auf eine Gesellschaft hat.
    Auch darüber habe ich mir bereits den Kopf zerschrieben, aber die Texte müssen erst noch welche werden 😉

    „Optimieren“ und „Veggie-Day“ ist eben so der Übergang in Phase 3. So wie elektrisches Autofahren. Man wird doch wohl noch seinen Lebensstil beibehalten können, wenn nur ALLE endlich mal weniger Schnitzel essen.
    „Tja“, sagt da die Entropie und lächelt, „kann man eben nicht.“

    Exakt das wird passieren, wenn die große Masse das Scheitern der Techno-Religion begreift. Man sucht nach Sündenböcken. Und dann wird es mit Veggie-Days nicht mehr getan sein.

  20. Also was muß passieren, oder um den Sachzwängen zuvor zukommen, wie muß man kommunizieren, damit sich Erkenntnis breit macht? Da man ihr letztlich nicht entgehen kann, und sie Bedingung ist um zu reagieren, sollte sie ja angestrebt werden.
    Nach allem was wir in letzter Zeit über effektive Massenkommunikation gelernt haben, bedarf es wirkmächtiger Emotionen.
    Mad Max Filme haben nicht ausgereicht. Obwohl das Szenario bereits in einigen Regionen sinnlich erfahrbar ist, beunruhigt es keine kritische Masse.
    Wir brauchen also eher so etwas wie eine Öko-AfD mit apokalyptischer Drohkulisse – oder einen entsprechenden Emmerich Film.
    Tja, weiß auch nicht – hab aber keine Lust alles unseren Eliten zu überlassen.
    Nicht weil ich der Meinung wäre ich würd’s besser machen, sondern einfach nur so um die zu ärgern.

  21. Sehr interessante Frage. Ich wäre ja mehr für eine Kulisse „Wir werden alle sterben. Aber wir müssen ja die Zukunft unserer Kinder nicht gleich dabei mitnehmen“ -Kulisse.
    Obwohl ea auch das Narrativ schon gab und gibt und es nicht wirkt. Ich finde ja „Collapse now and avoid the rush“ ist ein gutes Motto.

  22. Ich bin heute auf diesen Blog durch einen Forenlink gestoßen, und muss einfach mal metaphorisch meinen Hut ziehen. Toll geschrieben und sehr Lesenswert.

    Was mir an Myhopolis aufgefallen ist, das es eigentlich nur um den technischen Fortschritt geht. Ich selbst bin seit längerem der Meinung, daß nicht der rasante technische Fortschritt der heutigen Zeit das Problem ist, sondern daß der Mensch als Spezie nicht in der Lage ist dem technischen Fortschritt auch einen geistigen Fortschritt zur Seite zu stellen. Wie auch richtig angemerkt, Geschichte wiederholt sich immer wieder. Wir sind geistig immer noch die Römer die das Barbarenheer nicht bezahlen wollen, aber mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts.
    Deshalb wiederholt sich die Geschichte. Wir sind die alten Römer und wir sind die Barbaren die genau die gleichen Gedankengänge haben wie noch vor 2000 Jahren. Wir sind noch die gleichen umherziehenden Nomaden die der anderen Sippe Besitztum und Leben nehmen, um mehr von dem zu haben was wir wollen. Ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Es geht um die Gier jedes einzelnen mehr von allem haben zu wollen. Und wenn es nur ist um mehr als der Nachbar zu haben. Der Egoismus und der Ellbogen der uns von den Bäumen (es gibt ja Anthropologen die sagen wir stammen von Küstenaffen ab) in die Welt gebracht hat, um alles zu erobern und sich in jeder Klimatischen Nische einzurichten hat uns soweit gebracht. Aber jetzt sorgt er eben auch für unser Ende wenn wir nicht lernen uns Geistig wirklich zu einem Homo-Novus zu entwickeln.
    Ich sehe nicht das wir das tun. Und daher gebe ich Kassandra absolut recht. Wir sind verdammt Geschichte zu wiederholen. So oft bis wir entweder aussterben, oder uns tatsächlich nicht nur technisch entwickeln.
    Auf die Zukunft die eigentlich die Vergangenheit ist. Nur glänzender und technischer.

  23. Willkommen, Netzwanderer, in meiner bescheidenen Bambushütte am Rande der Gesellschaft.

    Ich selbst bin seit längerem der Meinung, daß nicht der rasante technische Fortschritt der heutigen Zeit das Problem ist, sondern daß der Mensch als Spezie nicht in der Lage ist dem technischen Fortschritt auch einen geistigen Fortschritt zur Seite zu stellen.

    Das ist zweifellos richtig. Ich hoffe doch aber, daß ich das zumindest zwischen den Zeilen deutlich gemacht habe in der Mythopolis-Reihe.

    Es geht um die Gier jedes einzelnen mehr von allem haben zu wollen. Und wenn es nur ist um mehr als der Nachbar zu haben.

    Vorsicht. Denn das könnte falsch sein. Dieses „mehr haben wollen“ ist nicht menschliche Natur, es ist antrainiertes Verhalten. 200 Jahre grassierender Kapitalismus in Verbindung mit fossilen Brennstoffen bleiben soziologisch nicht folgenlos. Ich werde darauf noch irgendwann zurückkommen 😉

    Der Egoismus und der Ellbogen der uns von den Bäumen (es gibt ja Anthropologen die sagen wir stammen von Küstenaffen ab

    Ich hoffe, es gibt keinen einzigen Anthropologen, der das sagt. Menschen und Affen haben einen gemeinsamen Vorfahren, sonst nichts.

    So oft bis wir entweder aussterben, oder uns tatsächlich nicht nur technisch entwickeln.

    Geistige Entwicklung wäre gut, allerdings. Eigentlich muß man nur mal den ganzen Rauch und den Nebel wegwedeln, den andere so machen.

    Auf die Zukunft die eigentlich die Vergangenheit ist. Nur glänzender und technischer.

    Nicht alles an der Zukunft wird Vergangenheit sein. Eigentlich sogar eine ganze Menge nicht.

  24. Also treten wir jetzt alle in die AfD ein?
    Das ist im Sinne der Anpassung an die Situation doch die naheliegende Wahl. Bei einer Konfrontation gewinnt ja nicht derjenige, der die höheren moralischen Ansprüche hat, sondern der Aggressivere.
    Da es bei der Konfrontation darum gehen wird den eigenen Einzugsbereich zu stärken, kann sie nicht nur zu Lasten der unteren Schichten gehen, denn dann bleiben zu viele Eliten übrig.
    Die Ethnie, oder Religion als Feindbild ist daher effektiver als eine Gesellschaftsklasse. Das Feindbild der Merkel-Administration würde definitiv ein größeres Chaos hervor rufen, als das der AfD.

    Auch bedeutet nationales Denken regionales Denken, und da landen wir doch bei
    „…diejenigen, die immer noch malen. Mit der Hand schreiben. Die selber säen, ernten, hacken, jäten, Seife herstellen. Die selbst weben, stricken, Wolle färben, Bienen züchten. Die Schmiede, die Zimmerleute, die Papiermüller, die Glasmacher und Kerzenzieher.. “
    In Zukunft also statt „Nation“ immer „Region“ sagen. Fühlt sich gleich viel netter an, irgendwie Bio und klimaneutral.

    Außerdem ist die AfD Putin-freundlich, was dem Weltfrieden dient.
    Wenn in Zukunft eh jeder an sich denkt, dann mach ich doch lieber einen Deal mit dem kleinen Gauner nebenan, der mir dafür Gas zuschiebt, als mich vom Imperator in Übersee verheizen zu lassen – für eigentlich gar nix.
    Wenn es richtig gut läuft, bekommen wir sogar Schlesien wieder. 🙂

    Dass die von der AfD zu erwartenden Selektionskriterien zwangsläufig einen erheblichen Rückgang in der Bevölkerungsdichte bewirken müßten, käme dem Energiehaushalt der Region zugute. Wir Deutschen haben uns schon länger instinktiv auf die lange Dämmerung vorbereitet, und eben nicht hemmungslos Konsumenten produziert, die jetzt aufdringlich im Mittelmeer ersaufen.

    Stellen wir unseren Selbermalern, Seifenzüchtern und Kerzendrehern noch die Grenzenselberbewacher zur Seite.
    Nur so entstehen Legenden.

    Seht es ein; die AfD hat ein tragfähiges, nachhaltiges Konzept anzubieten, windschnittig auf die kommenden Stürme angepasst.
    Ihr mögt jetzt den geistigen Fortschritt vermissen, aber warum nicht begrüßen, daß die Dinge ihre klaren Regeln haben? Ich meine; was können wir denn dafür, wenn der beschissene geistige Fortschritt nicht auf Draht ist?

  25. Also treten wir jetzt alle in die AfD ein?

    Ich könnte das durchaus tun. Dann diene ich mich nach oben und sobald die Macht übernommen ist, stelle ich den neuen Diktator. Und dann werden einige Leute einen miesen nächsten Tag erleben. Nur vielleicht nicht diejenigen, die damit gerechnet hätten 😀

    Auch bedeutet nationales Denken regionales Denken

    Nein. Bedeutet es nicht. Wenn man von der Globalisierung ausgeht, ist eine Nation natürlich schon wieder was lokaleres als vorher. Trotzdem sind Nationalisten normalerweise keine Leute, mit denen ich in einem Raum sein möchte. Weil die spinnen, die Nationalisten.

  26. „Weil die spinnen, die Nationalisten.“

    Das kann einem natürlich den Tag vermiesen.^^
    Da Du aber auch den Wahlsieg Trumps begrüßt hattest, und Dir irgendwie aufgefallen sein muß, daß die meisten anderen, die das getan haben, in der Regel Spinner sind, mußte ich mal nachfragen. Und es geht ja auch nicht allein um Vernunft – wär ja noch schöner – sondern einfach darum, daß wir ziemlich deutlich die Entwicklung erkennen können.
    Wenn im nächsten Frühling Marine LePen den französischen Saftladen übernimmt, dann ist Deutschland der amerikanische Flugzeugträger in der Region. Als Idealist immer im Keller zu hocken befriedigt auf Dauer nicht. Einmal auf dem Sonnendeck reisen! Schmissige Parolen dichten kann ich gut – ich könnte ein spitze Spinner sein. Alles wäre viel einfacher, und ich mal im Gewinner-Team… war ich noch nie 🙁 Diese verdammte Versuchung.

  27. Ich finde schon das die europäischen Länder als Regionen durch gehen. Die Zivilisation folgt den Flüssen, da macht es Sinn, wenn die Region Deutschland von den Alpen bis zur Nordsee reicht. Die Eisenbahn und die gemeinsame Sprache machen meine Region komplett.
    Wir sind noch gar nicht so im Arsch, daß wir uns auf Dorfgemeinschaften und Grüppchen von erbärmlichen Selbstversorgern runter rechnen müßten. Letztere sind ohnehin die ersten, die es im Notfall erwischt. Selbstversorger überleben nie die erste Krise.

  28. Wenn im nächsten Frühling Marine LePen den französischen Saftladen übernimmt, dann ist Deutschland der amerikanische Flugzeugträger in der Region.

    Falls sie den Cidreladen übernimmt. Wobei ich mir die Frage stellle, ob der bereits als Retter gefeierte Msr. Filon eventuell nicht genauso mies sein könnte.
    Flugzeugträger wäre cool. Ergibt auch echt Sinn bei Deutcshland. Wir haben schon immer auf See unsere Kriege gewonnen 😀

    Als Idealist immer im Keller zu hocken befriedigt auf Dauer nicht. Einmal auf dem Sonnendeck reisen!

    Ja. Manchmal könnte man echt brüllen „Leg mir auch mal ’ne Line zwischen die T***** da, aber zackig!“ – und dann grad einen drauf lassen, wenn die Zivilisation unbedngt den Bach runtergehen will. Hauptsache, mein Hummer schmeckt. Und die Pumaohrläppchen.

  29. Wir sind noch gar nicht so im Arsch, daß wir uns auf Dorfgemeinschaften und Grüppchen von erbärmlichen Selbstversorgern runter rechnen müßten.

    Hierbei liegt die Betonung stark auf „Noch“. Und eigentlich sind Selbstversorger diejenigen, die übrigbleiben.

  30. Vielleicht läuft der Filon ja über? Die Mehrheit hat Marine schon lange, aber solange der etablierte Abwehrblock hält, bekommt sie keine Sitze.
    http://www.unternehmerpositionen.de/positionen/2016-09/hat-le-pen-eine-chance/?utm_campaign=dwn-4160-Hat%20Le%20Pen%20eine%20Chance%3F%20Nein.
    Also muß sie mehr als 50% schaffen. Oder jemand läuft über. Filon scheint mir dafür genau der richtige.
    Der FN wird so, oder so, an Kraft gewinnen. Das dürfte jeder kapiert haben.

    Ich wette gegen Selbstversorger.
    Die Hungerlager in Afrika sind gefüllt mit denen. Wo die sich ausbreiten, da bricht der Ertrag um 70% ein. Das sind die letzten, die sich an Hesidods olle Ratschläge halten, weil sie oft die Ressourcen gar nicht haben. Und selbst wenn sie erfolgreich wirtschaften, können sie nicht für Sicherheit sorgen.
    Selbstversorger sind voll die Opfer.

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