Priceless

»The Spice must flow!«
Padishah Emperor Shaddam IV. Corrino

Irgendwo in einem Kaminzimmer klingelte vor einigen Tagen ein Telefon. Zumindest stellt sich mein Gehirn das so vor. Aus einem mit extremst gemütlichen Flausch überzogenen Ohrensessel streckt sich eine Hand aus und ergreift mit einem Ausdruck vollkommenster, belangloser Lässigkeit den Hörer des Geräts.

»Jo?«
»BigBoss, ich habe hier so eine Reederei dran. Die wollen ihre Schiffe wieder fahren lassen.«
»Und? Wo ist das Problem?«
»Der Krieg.«
»Watt? Welcher Krieg?«
»Na, der amerikanische Präsident hat zusammen mit Israel den Iran überfallen.«
»Den Iran? War das nicht der Irak?«
»Nee. Das war mal. Neuer Präsident.«
»Echt? Schon wieder? Wer denn?«
»Donald Trump.«
»Ernsthaft? Schon wieder?«
»Na ja, er hat die Stimmauszählung manipuliert und…«
»Und da glaubt immer noch einer, Demokratie existiert? Wie doof können Leute sein?«

»Also, was das angeht…«
»Egal. Da ist Krieg?«
»Jo. Alle schießen.«
»Die Straße von Hormuz?«
»Yep.«
»Dat versicher’n wa nich.«

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Der angebliche amerikanische Präsident und die erbärmliche Junta aus Arschkriechern und Speichelleckern, die ihn umgibt, wird sehr bald einen äußerst unangenehmen Zusammenstoß mit der Realität erleiden, die diese Leute in ihrer happy Propaganda-Welt immer wieder ausblenden oder in ein projiziertes Zerrbild ihrer eigenen Erbärmlichkeit verwandeln.
Während Donald Trump darüber erzählt, dass er womöglich den Iran noch ein bisschen ‚just for fun‘ bombardieren wird und die USA gewonnen haben, aber noch nicht gewonnen genug, regelt die Physik.
Während der US-Kriegsminister (sic!), ein versoffener Kneipenschläger, der auf St. Pauli nicht mal Türsteher in der letzten Kaschemme sein dürfte, darüber schwadroniert, dass „die Presse” den Krieg nicht schön genug darstellt und der Überwacher der Rundfunkfrequenzen, FCC-Boss Brendan Carr, diese Medien mit Lizenzentzug bedroht, sollten sie nicht im ‚public interest‘ berichten, ist der Krieg, den diese Idioten angezettelt haben, bereits verloren.
„Öffentliches Interesse”, zur Erläuterung, bedeutet natürlich: Alles, was der Präsident sagt, ist automatisch wahr und richtig. CDU-Wähler und ihre AfD-Kumpel verstehen das.

Die Straße von Hormuz ist trotzdem geschlossen. Sie ist nicht geschlossen, weil der Iran diese Meerenge vermint hat. Oder weil die US Navy – zumindest prinzipiell – nicht in der Lage wäre, Tanker durch die Passage zu geleiten.
Die Halsschlagader der fossilen Weltwirtschaft ist geschlossen, weil von sieben Schreibtischen in London und anderswo sieben Schreiben rausgegangen sind, die wiederum an die großen Reedereien der Erde gerichtet waren.
In Essenz besagen diese Schreiben etwa: »Ihre War Premium Insurance ist leider aktuell nicht verfügbar.« Continue reading →

Goldlöckchen ertrinkt im Öl

„How often is it that the angry man rages denial of what his inner self is telling him.“
Frank Herbert, Dune

1956.
Auf einem Treffen des American Petroleum Institute hält ein unscheinbarer Herr einen eher trocken wirkenden Vortrag, der trotzdem für einige Erheiterung beim Publikum sorgt. Marion King Hubbert spricht zu den Anwesenden über seine Überzeugung, daß die Erdölförderung der USA in den späten 60er bis frühen 70er Jahren einen Höhepunkt erreichen werde, um danach in einen stetigen Sinkflug zu gehen.
Wie der Name schon andeutet, ist das American Petroleum Institute der größte Interessenverband der amerikanischen Öl- und Gasindustrie, also ein recht mächtiger Club. Auch der Vortragende ist kein Ökofanatiker oder ein Grüner. Das wäre in den USA des Jahres 1956 vermutlich unamerikanisch gewesen, wie ein McCarthy das ausgedrückt hätte, oder aber kommunistisch, was natürlich auf dasselbe hinausläuft. Aber „grün“ war in dem Jahr noch nicht erfunden, die Straßenkreuzer konnten nicht groß genug sein, die Heckflossen auch nicht, jede amerikanische Küche brauchte natürlich eine Mikrowelle und wenn man dafür ein oder zwei Atomkraftwerke mehr bauen mußte, war das nur allzu recht, denn Amerika brauchte Bombenstoff im atomaren Wettrüsten mit den Russen.
Nein, Hubbert war zuständig für Geologie und Geophysik und arbeitete außerdem für die Shell Company, hielt also einen Fachvortrag vor einem Lobbyverband seines Arbeitgebers. Um so ungewöhnlicher war es, daß Hubbert zwei grundlegende Dinge in Frage stellte: Die Unendlichkeit der Ölvorräte und auch die Annahme, daß man natürlich immer weiter mehr und mehr von diesem Zeug aus dem Boden holen würde.

Die Teilnehmer waren, wie erwähnt, über den lustigen Profesor sehr erheitert, ein Angestellter von Shell soll Hubbert unmittelbar vor seinem Auftritt noch gebeten haben, die Sache nicht durchzuziehen. Aber der Mann ließ sich da nicht aufhalten, immerhin hatte er seine Zahlen gründlich in Kurven und Schlußfolgerungen übersetzt, warum also nicht darüber reden?
In den Folgejahren geriet Hubbert durch eine Pressekampagne und das noch sehr viel wirksamere Hören-Sagen in den Ruf eines verrückten Professors und wurde massiv diskreditiert. Das ganze Konzept erschien auch viel zu abenteuerlich. Mehr und mehr Öl wurde gefunden, es schien überhaupt kein Ende zu geben. Die Ölförderung der USA war seit Anfang des 20. Jahrhunderts um 7,6 Prozent pro Jahr gewachsen – durchschnittlich, trotz Großer Depression. Alles Fakten, auf die Hubbert in seinem Vortrag sehr wohl hinwies, immerhin war der Mann Wissenschaftler. Das Jahr 1966 schließlich brachte soviel neues Öl im Boden, wie man es noch nie zuvor gefunden hatte. Der verrückte Professor schien also tatsächlich verrückt zu sein.

Aber offensichtlich waren das auch noch andere, denn 1960 gründeten diverse Staaten, die etwas mit Öl zu tun haben, eine Organisation namens OPEC. Auch hier runzelten diverse amerikanische Firmengrößen die Stirn und fragten sich, was denn dieses Kartell wohl für ein Ziel haben könnte. Die offizielle Linie war relativ einfach: Die OPEC wollte durch entsprechende Regulierung des Marktes dafür sorgen, daß ihre Mitglieder möglichst viel Geld mit ihrem Öl verdienen konnten. „Regulierung“ bedeutet in dem Fall, daß man sich dreimal jährlich trifft, um über Förderquoten zu sprechen, um so die Ölmenge am Markt und damit den Preis entsprechend steuern zu können.
Erleichtert lachte man in den USA wieder über diese Handvoll machtloser Clowns, denn schließlich waren es die USA, die mit ihrer Förderung als größter Ölanbieter der Welt die Preise bestimmten. Und die waren niedrig, niedrig genug jedenfalls für Fahrzeuge, deren Rückbank etwa so groß war wie das heutige durchschnittliche Wohnzimmer in Deutschland.
Man wählte also J. F. Kennedy zum Präsidenten, irgendwer erschoß den Kerl, die Revolution auf dem Musikmarkt brach aus und brachte in Europa die Beatles hervor, Frauenröcke wurden plötzlich sehr viel kürzer, der Vietnamkrieg gewann an Schwung und außerdem mußte man die Russen auf dem Weg zum Mond schlagen, denn schließlich mußte man danach ja die Raumstationen bauen und das All besiedeln. Wen kümmerten da ein Professor und ein paar Scheichs? Continue reading →